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Pottenstein (Oberfranken)

Stadt im Landkreis Bayreuth in Bayern

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Pottenstein befindet sich im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. In der Nähe des Ortsteils Hohenmirsberg liegt die Hohenmirsberger Platte (Aussichtsturm auf 614 m Höhe; einer der höchsten Punkte in der Fränkischen Schweiz). Durch den Ortskern fließt die Püttlach, in die der Haselbrunnbach und nahe dem Kurpark der Weihersbach mündet. Das gemeindefreie Gebiet Prüll liegt östlich des Hauptortes und wird komplett vom Gemeindegebiet umschlossen.

GliederungBearbeiten

Pottenstein gliedert sich in 35 Ortsteile:[2]

Die Klumpermühle ist im 20. Jahrhundert abgegangen.

 
Rathaus Pottenstein

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Hummeltal, Pegnitz, Betzenstein, Obertrubach, Gößweinstein und Ahorntal.

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Die Geschichte Pottensteins lässt sich bis zur ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 918 zurückverfolgen. Die Burg Pottenstein wurde ca. 1060 von Graf Boto von Pottenstein (1028–1104; Aribone) erbaut. 1323 erhielt der Ort Stadtrechte. Die Stadt Pottenstein war Obervogtamt des Hochstifts Bamberg. Bei einem Stadtbrand im Jahre 1736 wurden 60 Häuser zerstört, die Stadtkirche wurde beschädigt.

Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde.

Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Vom 12. Oktober 1942 bis zum 16. April 1945 existierte im Ort ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg, in dem 746 Häftlinge Zwangsarbeit für die SS-Karstwehr verrichten mussten. Die Häftlinge wurden im Straßenbau eingesetzt, mussten einen kleinen Stausee als Wasserübungsstrecke anlegen und erschlossen die nahe gelegene Teufelshöhle.[3] 1942/43 unterhielt die SS ein Ausbildungslager für ca. 600 Mitglieder der SS-Karstwehr. Die Häftlinge waren zu Beginn in einer Jugendherberge in Mariental, ab Frühjahr 1943 in der Scheune des Brauereibesitzers Mager („Mager-Scheune“) in Pottenstein untergebracht. Kein Hinweis erinnert im Ort an dieses Geschehen.[4] Der Zweite Weltkrieg endete für Pottenstein am 16. April 1945 mit der Besetzung durch amerikanische Truppen, nachdem am Tag zuvor die SS-Truppen abgezogen waren.

EingemeindungenBearbeiten

Vor der Gemeindegebietsreform gehörte Pottenstein zum damaligen Landkreis Pegnitz.[5]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Haßlach und Kirchenbirkig sowie Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Tüchersfeld eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Püttlach hinzu,[6] gleichzeitig wurde der Landkreis Pegnitz aufgelöst. Am 1. Januar 1975 folgte Vorderkleebach und am 1. Januar 1978 Hohenmirsberg. am 1. Mai 1978 wurden die ehemaligen Gemeinden Kühlenfels, Leienfels und Regenthal sowie ein Teil der aufgelösten Gemeinde Elbersberg eingemeindet.[7]

Pottenstein von oben, Panoramablick, April 2014

PolitikBearbeiten

StadtratBearbeiten

 
Ansicht von Pottenstein (Aufnahmetechnik: HDR)

Nach der letzten Kommunalwahl am 16. März 2014 hat der Stadtrat 20 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,6 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:[8]

Partei Sitze Anteil
CSU 4 19,7 %
SPD 1 6,7 %
Christliche Wählerunion/unabhängige Wählervereinigung (CWU-UWV) 4 20,9 %
Die Bürger Pottenstein und Umland (BPU) 4 17,3 %
Junge Liste (JL) 1 7,6 %
Freie Wählergemeinschaft (FWG) 3 13,8 %
Bürgerunion (BU) 3 13,6 %

Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Stadtrats ist der 1. Bürgermeister.

BürgermeisterBearbeiten

1. Bürgermeister ist seit 2002 Stefan Frühbeißer (CWU-UWV). Er hatte sich am 17. März jenes Jahres gegen Dieter Bauernschmitt (CSU) durchgesetzt, der das Amt zwölf Jahre lang ausgeübt hatte.[9][10]

Von 1936 bis 1945 und erneut von 1953 bis 1972 war Hans Dippold Bürgermeister von Pottenstein. Der Gast- und Landwirt war bereits 1931 der NSDAP beigetreten und wurde 1939 NSDAP-Ortsgruppenleiter. Dippold war Ehrenbürger der Stadt und ist auf einer 2015 errichteten Stele als solcher genannt. Diese posthume Ehrung ist in der Bürgerschaft umstritten, wird von Bürgermeister Frühbeißer jedoch verteidigt.[11]

Marktplatz, Panoramablick, September 2013

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Burg Pottenstein aus nördlicher Richtung
 
Österlich geschmückter Elisabethbrunnen im Ortskern, im Hintergrund die Kirche St. Bartholomäus

BaudenkmälerBearbeiten

MuseenBearbeiten

 
Das Fränkische-Schweiz-Museum unterhalb der Kalksteinfelsen

Natur und FreizeitBearbeiten

 
Eingangsbereich zur Teufelshöhle
  • Teufelshöhle, auf einer Länge von 1,5 km begehbare Tropfsteinhöhle. Die Teufelshöhle ist eine der größten und bekanntesten Höhlen in Deutschland. Sie wurde im Oktober 1922 von dem Geologen und Bergbauingenieur Hans Brand im schon seit langem bekannten Teufelsloch entdeckt und bis Pfingsten 1931 in zwei Etappen für die Besucher erschlossen. Sie hat jährlich rund 160.000 Besucher.
  • Südöstlich des Ortskerns liegt am Weihersbach das Felsenbad Pottenstein. Dem Felsenbad gegenüber befinden sich eine Sommerrodelbahn und der Schöngrundsee, zu dem sich hier der Weihersbach aufstaut, mit einem Bootsverleih.
  • Pottenstein liegt im Klettergebiet Nördlicher Frankenjura. In dem Ort befindet sich ein Kletterwald.
  • Das Geozentrum Hohenmirsberger Platte bietet seit 2008 auf dem gleichnamigen Berg nordöstlich des Ortsteils Hohenmirsberg einen ca. 22 m hohen hölzernen Aussichtsturm,[16] einen Fossilklopfplatz und einen fünf Kilometer langen Geopfad mit Geologie- und Natur-Pavillon und Schautafeln.[17]
  • Teile der Berghänge rund um Pottenstein sind als Naturschutzgebiet Trockenhänge um Pottenstein ausgewiesen.

GeotopeBearbeiten

Pottenstein ist im Rahmen eines Wettbewerbs im Jahre 2006 als Nationales Geotop ausgezeichnet worden.

  • Teufelshöhle bei Pottenstein (Schauhöhle) (Geotop-Nummer 472H008)
  • Schwalbenloch B5, nordöstlich von Pottenstein (Geotop-Nummer 472H001)
  • Großes Hasenloch D92 (Geotop-Nummer 472H002)
  • Dolomitfels Hohenstein östlich von Kirchenbirkig (Geotop-Nummer 472R050)
  • Drachenfels bei Mittelmühle (Geotop-Nummer 472R051)
  • Dolomitfels mit Höhle Steinkirche D80 (Geotop-Nummer 472R052)
  • Felsen im Leienfelser Wald mit Höhle D238 (Geotop-Nummer 472R131)
  • Weiherstaler Männchen bei Schüttersmühle (Geotop-Nummer 472R155)
  • Felsburg Tüchersfeld (Geotop-Nummer 472R156)
  • Felsburg Schloss Pottenstein (Geotop-Nummer 472R157)

VeranstaltungenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

BrauereienBearbeiten

In Pottenstein bestehen mit der Brauerei Hufeisen und der Brauerei Mager zwei Brauereien, die selbst brauen. Die Wagner-Bräu lässt ihr Bier bei der St. Georgen-Bräu in Buttenheim im Lohnbrauverfahren brauen.

VerkehrBearbeiten

Die Gemeinde wird von der in West-Ost-Richtung verlaufenden Bundesstraße 470 durchquert. Seit dem Bau der Umgehung im Jahr 1958 verläuft sie südwestlich am Kernort vorbei und führt über die B2 zur östlich des Gemeindegebietes verlaufenden Autobahn A9 (Anschlussstelle 44 Pegnitz).

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Personen mit Bezug zur StadtBearbeiten

  • Wiglaf Droste (1961–2019), Autor und Satiriker, starb in Pottenstein

Historische AbbildungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Thomas Bernard: Zur Geschichte des Felsenstädtchens Pottenstein und der Fränkischen Schweiz. Eigenverlag der Stadt Pottenstein, Pottenstein 2019.
  • Franz X. Bogner: Die Fränkische Schweiz. Ein Luftbildportrait. Ellwanger Verlag, Bayreuth 2007, ISBN 978-3-925361-62-3, S. 83–88.
  • Peter Engelbrecht: Touristenidylle und KZ-Grauen. 2., unveränderte Auflage. Rabenstein, Bayreuth 1997, ISBN 3-928683-16-0.
  • Albert Gaier: Pfarrer Martin Krauß, der Vater des Tübinger Geschichtsschreibers und Professors Martin Crusius. Schicksale eines evang.-luth. Pfarrers aus Oberfranken im 16. Jahrhundert. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Heft 68/69 (1968/1969), S. 497–521.
  • Margit Freifrau von Witzingerrode: Die Bartholomäuskirche – Stadtpfarrkirche in Pottenstein – Geschichte und Gegenwart. In: Historischer Verein für Oberfranken (Hrsg.): Archiv für Geschichte von Oberfranken. Band 86. Bayreuth 2006, ISSN 0066-6335, S. 41–56.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Bayerische Landesbibliothek Online
  3. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Abgerufen am 6. Juli 2016
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 184
  5. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950, München, 1952
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 549 f.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 675 bis 677.
  8. So hat Pottenstein gewählt ... (Memento des Originals vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pottenstein.de bei pottenstein.de, abgerufen am 14. Dezember 2015
  9. Ein Pottensteiner Urgestein feiert seinen 70. bei nordbayern.de, abgerufen am 14. Dezember 2015
  10. Bürgermeister-Stichwahlen: Stefan Frühbeißer setzt sich in Pottenstein gegen Amtsinhaber Dieter Bauernschmitt durch (Memento des Originals vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mainwelle.fm bei mainwelle.fm, abgerufen am 14. Dezember 2015
  11. Pottenstein ehrt Nazi-Bürgermeister in: Nordbayerischer Kurier vom 10. Dezember 2015, S. 19
  12. Aussichtsturm Pottensteiner Himmelsleiter auf fraenkische-schweiz.bayern-online.de, abgerufen am 5. Januar 2017
  13. Burgmuseum Burg Pottenstein. In: Museen-in-Bayern.de. Abgerufen am 13. September 2019.
  14. Offizielle Website des Fränkischen Schweiz-Museums Tüchersfeld
  15. Offizielle Website des Scharfrichtermuseums Pottenstein
  16. Landschaftsblick Hohenmirsberger Platte, Hohenmirsberg auf der Webseite des Geoparks Bayern-Böhmen
  17. Geozentrum Hohenmirsberger Platte auf der Webseite des Geoparks Bayern-Böhmen
  18. nordbayern.de: Lichterfest Pottenstein: Holz stapeln für das Spektakel, abgerufen am 13. Januar 2015
  19. infranken.de: Lichterfest in Pottenstein: 1000 Bergfeuer brennen am Dreikönigstag geladen am 9. Januar 2016, vom 5. Januar 2016