Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

bayerische Verwaltungseinrichtung

Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (kurz: Bayerische Schlösserverwaltung) ist eine unmittelbar dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat (Referat 86)[4] nachgeordnete[5] Verwaltungseinrichtung, die unter Wahrung kultureller und denkmalpflegerischer Belange die Schlösser, Burgen, Residenzen, Parkanlagen und Seen betreut, die zum Staatsvermögen gehören. Sitz der Behörde ist München (Schloss Nymphenburg). Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist der größte staatliche Museumsträger in Deutschland.[6]

Bayerische Verwaltung der
staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

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Staatliche Ebene Freistaat Bayern
Aufsichtsbehörde Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat
Gründung 20. November 1918
Hauptsitz München[1]
Behördenleitung Bernd Schreiber, Präsident[2]
Bedienstete ca. 1200[3] (2022)
Netzauftritt www.schloesser.bayern.de

GeschichteBearbeiten

Die Ursprünge der Verwaltungseinrichtung liegen im Obersthofmeisterstab der Kurfürstlich-Baierischen Hofverwaltung. Die Residenzen wurden in der Konstitution von 1808 zum unveräußerlichen Staatsgut erklärt und in die so genannte Zivilliste aufgenommen.

Die heutige Grundstruktur wurde ihr nach dem Ende der Monarchie am 20. November 1918 durch den Finanzminister Edgar Jaffé als Verwaltung des ehemaligen Kronguts (umgangssprachlich Krongutsverwaltung) gegeben. Die ehemalige Zivilliste wurde zum Staatseigentum erklärt. Der am 9. März 1923 im Rahmen der Vermögensauseinandersetzung zwischen dem Haus Wittelsbach und dem Freistaat Bayern gegründete Wittelsbacher Ausgleichsfond übernahm ab 1923 die heute als Museen zugänglichen Schlösser Berchtesgaden und Hohenschwangau sowie die Schlösser Berg und Grünau (mit Gut Rohrenfeld), die weiteren Schlösser verblieben beim Freistaat.[7] Bereits 1932 erhielt die Krongutsverwaltung die Bezeichnung Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (Ehemaliges Krongut). 1937 wurde der Klammerzusatz gestrichen.

Der Wiederaufbau prägte die ersten Nachkriegsjahrzehnte. Die Schlösserverwaltung unter ihrem Präsidenten Rudolf Esterer (Präsident 1945–1952) stand vor einer gewaltigen Aufgabe. Nach und nach wurden Gebäude restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Als erstes eröffnete 1947 die unzerstört gebliebene Neue Residenz Bamberg. 1969 war aber auch das fast vollständig zerstörte Neue Schloss in der Eremitage Bayreuth wieder aufgebaut, in den Folgejahren auch die Würzburger und Münchner Residenz sowie die Kaiserburg Nürnberg.[7]

1953 übernahm die Präsidialabteilung der Schlösserverwaltung auch die Verwaltung der Gelände der ehemaligen Konzentrationslager (KZ) Dachau und Flossenbürg und der KZ-Friedhöfe vom bayerischen Landesentschädigungsamt. Die KZ-Gedenkstätten wurden 1997 von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit übernommen und 2003 vom Freistaat Bayern in die Verantwortung der neugegründeten Stiftung Bayerische Gedenkstätten überführt.[7]

Die aktuelle Rechtsgrundlage für die Bayerische Schlösserverwaltung ist die Verordnung über die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (BSVV) vom 14. Dezember 2001.

Der seit 2011 amtierende Präsident Bernd Schreiber ist bereits der zwölfte Leiter dieser Verwaltung seit 1918.

 
Die verwalteten Liegenschaften

UmfangBearbeiten

DenkmalanlagenBearbeiten

Derzeit betreuen die Hauptverwaltung und 17 Außenverwaltungen die Verwaltung von ca. 60 Denkmalanlagen, darunter Residenzen, Anlagen mit villen- oder schlossartigem Charakter und Anlagen mit wehrhaft-burgartigem Charakter an mehr als 30 Orten in Bayern, die früher vorwiegend im Besitz des Hauses Wittelsbach waren.

Dazu zählt Schloss Neuschwanstein, das berühmteste der Schlösser König Ludwigs II. und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Es wird jährlich von etwa 1,5 Millionen Touristen besucht.[8]

Dazu gehören auch die über 100.000 Einzelkunstwerke und mehr als 6.000 wertvolle Möbel, die sich in den Objekten befinden.

Liste der verwalteten Denkmalanlagen

Ortslage Objekt
Ansbach Residenz Ansbach
Aschaffenburg Pompejanum
Aschaffenburg Schloss Johannisburg
Aschaffenburg Schloss Schönbusch
Bamberg Alte Hofhaltung Bamberg
Bamberg Neue Residenz Bamberg
Bayreuth Altes Schloss Eremitage
Bayreuth Markgräfliches Opernhaus
Bayreuth Neues Schloss Bayreuth
Burghausen Burg zu Burghausen
Chiemsee Kloster Frauenchiemsee
Chiemsee Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee
Chiemsee Neues Schloss Herrenchiemsee
Coburg Schloss Ehrenburg
Coburg Veste Coburg
Dachau Schloss Dachau
Donaustauf Walhalla
Eckersdorf Schloss Fantaisie Donndorf
Eichstätt Willibaldsburg
Ellingen Residenz Ellingen
Feldafing Casino auf der Roseninsel im Starnberger See
Cadolzburg Cadolzburg
Höchstädt an der Donau Schloss Höchstädt
Holzhausen am Ammersee Künstlerhaus Gasteiger
Kelheim Befreiungshalle
Kempten (Allgäu) Residenz Kempten
Königssee Kirche St. Bartholomä
Kulmbach Plassenburg
Landshut Burg Trausnitz
Landshut Stadtresidenz Landshut
Ettal Schloss Linderhof
Ettal Parkbauten im Schlosspark Linderhof
Ludwigsstadt Burg Lauenstein
Memmelsdorf Schloss Seehof
München Cuvilliés-Theater
München Feldherrnhalle
München Marstallmuseum
München Residenzmuseum
München Ruhmeshalle und Bavaria
München Schloss Blutenburg
München Schloss Nymphenburg
München Parkburgen im Schlosspark Nymphenburg

(Amalienburg, Badenburg, Pagodenburg und Magdalenenklause)

Neuburg an der Donau Schloss Neuburg
Nürnberg Kaiserburg
Nürnberg Tucherschloss
Oberschleißheim Altes Schloss Schleißheim
Oberschleißheim Neues Schloss Schleißheim
Oberschleißheim Schloss Lustheim
Riedenburg Burg Prunn
Riedenburg Schloss Rosenburg
Rödental Schloss Rosenau
Schachen (Berg) Königshaus am Schachen
Schnaittach Festung Rothenberg
Schwangau Schloss Neuschwanstein
Übersee-Feldwies Künstlerhaus Exter mit Garten
Veitshöchheim Schloss Veitshöchheim
Wonsees Burg Zwernitz
Wonsees Morgenländischer Bau im Felsengarten Sanspareil
Würzburg Festung Marienberg
Würzburg Maschikuliturm und Kasematte auf der Festung Marienberg
Würzburg Residenz Würzburg

GartenanlagenBearbeiten

Die Verwaltung betreut folgende 28 historische Gartenanlagen:

Ortslage Objekt
Ansbach Hofgarten Ansbach
Aschaffenburg Schlossgarten Aschaffenburg
Aschaffenburg Park Schönbusch
Bamberg Rosengarten Bamberg
Bayreuth Hofgarten Bayreuth
Bayreuth Hofgarten Eremitage
Rödental Park Rosenau
Cadolzburg Burggarten auf der Burg Cadolzburg
Chiemsee Schlosspark Herrenchiemsee
Dachau Hofgarten Dachau
Eckersdorf Park Fantaisie Donndorf
Eichstätt Bastionsgarten
Ellingen Schlosspark Ellingen
Ettal Schlosspark Linderhof
Feldafing Park Feldafing und Roseninsel
Holzhausen Landschaftsgarten am Künstlerhaus Gasteiger
Memmelsdorf Schlosspark Seehof
München Hofgarten
München Englischer Garten
München Dichtergarten
München Maximiliansanlagen mit Friedensengel
München Schlosspark Nymphenburg
Nürnberg Burggarten auf der Kaiserburg
Oberschleißheim Hofgarten Schleißheim
Veitshöchheim Hofgarten Veitshöchheim
Wonsees Felsengarten Sanspareil
Würzburg Hofgarten Würzburg
Würzburg Fürstengarten auf der Festung Marienberg

SeenBearbeiten

Derzeit betreut die Verwaltung 17 Seen, die entweder Eigentum des Freistaates oder des Bundes sind:

Andere bayerische Seen, wie z. B. der Walchensee, werden durch die Bayerischen Staatsforsten oder andere Organisationen und Privatpersonen verwaltet.

Pflege von KZ-FriedhöfenBearbeiten

Seit 1949 gehörte auch die Pflege der KZ-Friedhöfe in Bayern zu den Aufgaben der Schlösserverwaltung.[9] 2013 wurde die Verantwortung hierfür der Stiftung Bayerische Gedenkstätten übertragen.

BesucherzahlenBearbeiten

Die Schlösser, Burgen und Residenzen werden jährlich von etwa fünf Millionen Personen besucht. Die meisten Gäste hatte 2018 Schloss Neuschwanstein mit fast 1,5 Millionen Besuchern. Über 400.000 Menschen besuchten Schloss Linderhof, jeweils über 300.000 das Neue Schloss Herrenchiemsee, die Residenz Würzburg, die Residenz München und Schloss Nymphenburg. Sie sind daher wichtiger Bestandteil des Tourismus in Bayern und stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Nur geschätzt werden können die Besucherzahlen für die frei zugänglichen Gartenanlagen und Seen. Allein der Englische Garten in München wird jährlich von mindestens 5 Millionen Menschen besucht.

Struktur und KritikBearbeiten

Die Schlösserverwaltung besteht aus einer Hauptabteilung und folgenden Unterabteilungen:

  • Zentral- und Liegenschaftsabteilung
  • Museumsabteilung
  • Bauabteilung
  • Gärtenabteilung
  • Restaurierungszentrum.

Der Schlösserverwaltung nachgeordnet sind 17 Außenverwaltungen und vier Außenstellen (Ammersee, Chiemsee, Starnberger See, Kempten).

Außenverwaltungen sind: Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach, Schloss- und Gartenverwaltung Aschaffenburg, Schloss- und Gartenverwaltung Bamberg, Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth-Eremitage, Schloss- und Gartenverwaltung Coburg, Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee, Verwaltung der Befreiungshalle Kelheim, Burgverwaltung Landshut, Schloss- und Gartenverwaltung Linderhof, Verwaltung des Englischen Gartens München, Verwaltung der Residenz München, Schlossverwaltung Neuburg [an der Donau], Schlossverwaltung Neuschwanstein, Burgverwaltung Nürnberg, Schloss- und Gartenverwaltung Nymphenburg [München], Schloss- und Gartenverwaltung Schleißheim und Schloss- und Gartenverwaltung Würzburg[10]

Leitung und PersonalBearbeiten

Präsident der Schlösserverwaltung ist Bernd Schreiber. Er wurde Nachfolger von Johannes Erichsen, der im November 2011 in den Ruhestand verabschiedet wurde.[11] Die Verwaltung beschäftigt rund 850 Mitarbeiter.

WirtschaftlichkeitBearbeiten

Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat 2015 festgestellt, dass die Schlösserverwaltung die Kosten- und Leistungsrechnung eingestellt hat und deshalb keine zuverlässigen Informationen über Kosten und Leistungen und die Nutzung ihrer Gebäude habe. Sie könne deshalb keine Aussagen zur Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes machen.[12] Dieser Mangel wurde dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat als oberstem Dienstherrn der Schlösserverwaltung entsprechend mitgeteilt. Finanzminister zu diesem Zeitpunkt 2015 war Markus Söder.

LiteraturBearbeiten

  • Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (Hrsg.): Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. 75 Jahre im Dienste des Freistaates Bayern 1918–1993. Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 1993.

WeblinksBearbeiten

Commons: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Verordnung über die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (BSVV) vom 14. Dezember 2001. Aufgerufen am 10. Februar 2013.
  2. www.schloesser.bayern.de Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen > Über uns > Präsidialabteilung. Aufgerufen am 17. Juli 2010.
  3. https://www.schloesser.bayern.de/deutsch/ueberuns/index.htm
  4. www.stmf.bayern.de Organisationsplan des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen (PDF; 109 kB). Aufgerufen am 17. Juli 2010.
  5. www.behoerdenwegweiser.bayern.de Bayerischer Behördenwegweiser. Aufgerufen am 17. Juli 2010.
  6. www.schloesser.bayern.de Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen > Über uns „Verwaltung in einer großen Tradition …“. Aufgerufen am 17. Juli 2010.
  7. a b c Kerstin Schwenke: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. In: Historisches Lexikon Bayerns. Abgerufen am 11. März 2023.
  8. Bayerische Schlösserverwaltung | Presse | Pressemitteilungen. Abgerufen am 29. Mai 2022.
  9. siehe mit Jahreszahl in Rezension des Buches über KZ-Friedhöfe von Constanze Werner in Sehepunkte
  10. www.schloesser.bayern.de Über uns > Organisation > Ansprechpartner Außenverwaltungen: „Ansprechpartner bei unseren Außenverwaltungen und Außenstellen“. Aufgerufen am 5. März 2011.
  11. bayern.de
  12. ORH-Bericht 2015: Ressourceneinsatz der Bayerischen Schlösserverwaltung weiter intransparent – Wirtschaftlichkeit nicht sichergestellt, abgerufen am 31. März 2015