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Burg Lauenstein (Frankenwald)

Museum in Deutschland

Die Burg Lauenstein ist eine mittelalterliche Höhenburg auf 550 m ü. NN über der oberfränkischen Ortschaft Lauenstein, einem Ortsteil der südöstlich davon gelegenen Stadt Ludwigsstadt. Mit ihrer Lage im Norden des Landkreises Kronach ist die Burg, deren älteste Teile auf das 12. Jahrhundert datiert werden können, die nördlichste Burg Bayerns.

Burg Lauenstein
Burg Lauenstein von Südwesten aus gesehen

Burg Lauenstein von Südwesten aus gesehen

Entstehungszeit: 12. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ort: Ludwigsstadt-Lauenstein
Geographische Lage 50° 30′ 47,9″ N, 11° 22′ 11″ OKoordinaten: 50° 30′ 47,9″ N, 11° 22′ 11″ O
Höhe: 550 m ü. NN
Burg Lauenstein (Frankenwald) (Bayern)
Burg Lauenstein (Frankenwald)

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die ältesten Teile der Burg gehen auf die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück, erstmals urkundlich erwähnt wurde sie am 31. März 1138. Damals gewährte der frisch gewählte König Konrad III. dem Kloster Kitzingen seinen Schutz und bestätigte dessen Besitzungen. Die Urkunde wurde durch Pfalzgraf Wilhelm, den Vater und die Brüder der Äbtissin, Bertha II. von Ebenhausen/von Hohenlohe und unter anderem durch „Adelbert von Lewenstein“ beglaubigt. Der erwähnte Pfalzgraf Wilhelm war der 1140 gestorbene Wilhelm IV. Bei Adelbert von Lewenstein könnte es sich um seinen Vetter Albrecht der Bär handeln, der 1140 das Orlamünde Erbe antrat.

1222 wurde ein Heinrich von Lauenstein („Henricus Comes Leostenus“) genannt. Als Gründer der zu Lauenstein gesessenen Seitenlinie der Orlamünde wird Hermann III. angesehen.

Eine große strategische Bedeutung hatte die Burg aufgrund ihrer vorgeschobenen Lage im nördlichen Grenzbereich Frankens. Sie war unter anderem im Eigentum der Grafen von Dießen-Andechs und der Grafen von Orlamünde.

1259/60 zog der Bischof von Bamberg, Berthold von Leiningen, im Streit um das Erbe des 1248 gestorbenen letzten Herzogs von Meran gegen die Grafen von Orlamünde zu Felde, wobei die Burg Lauenstein höchstwahrscheinlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. In einem Vergleich zwischen dem Bischof und den Grafen von Orlamünde (Hermann und Otto) wird erwähnt, die Waldgrenzen zwischen Lauenstein und Sonneberg seien nach Angabe der Lauersteiner Burgleute festzusetzen. 1279 wurde Burg Lauenstein in einem Brief Hermanns an Abt Gunther zu Saalfeld erwähnt.

Am 14. März 1427 kam die verschuldete Burg unter Graf Wilhelm in die Lehensherrschaft des Markgrafen Friedrich I. von Brandenburg aus dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern. 1427 bis 1429 gab es Streitigkeiten mit Graf Günther von Schwarzburg, der die Burg mit 100 Reisigern durch einen Handstreich einnehmen wollte. Graf Wilhelm hatte jedoch aufgepasst und ließ die Dorfschenke, in der sich der Gegner einquartiert hatte, in Brand schießen, fünf Angreifer töten und die Angreifer in die Flucht schlagen.

1430 verkaufte Graf Wilhelm von Orlamünde die Burg an die Grafen Ernst und Ludwig von Gleichen, Herren zu Blankenhain. Friedrich I. von Hohenzollern, der Lehnsherr, bestätigte den Verkauf am 2. Mai 1430.

Weitere Besitzer der Burg waren:

 
Graf Otto X. von Orlamünde, Epitaph in der Kirche von Ludwigsstadt

1506 wurde Ritter Heinrich von Thüna († 1513) mit Herrschaft und Burg Lauenstein belehnt. Christoph von Thüna besaß die Herrschaft Lauenstein zwischen 1535 und 1585, dazu gehörten die Forste um Ludwigsstadt, Ebersdorf, Lauenstein, Tettau und Langenau. Christoph von Thüna der Ältere ließ von 1551 bis 1554 den heutigen Hauptflügel im Stil der Renaissance mit seinen diagonal gestellten vier Ecktürmen errichten. Die Familie von Thüna hatte die Burg bis 1622 in ihrem Besitz. 1622 erwarb sie Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth „um 40.000 Goldgülden“. Auf der Burg errichtete der Markgraf ein Amt Lauenstein. Im Dreißigjährigen Krieg versuchte die kaisertreue Stadt Kronach – sie war unter Mithilfe der Lauensteiner von den Schweden überfallen worden –, 1634/35 die Burg zu erobern. Der markgräfliche Amtshauptmann Lauensteins, Christoph von Wallenstein, hatte jedoch die Habe der Lauernsteiner Bauern in der Burg in Sicherheit gebracht und konnte mit ihrer Hilfe den Angriff durch energische Gegenwehr abschlagen.

Aus der Zeit des markgräflichen Amtssitzes stammen die Steinbrücke vor der Toranlage im Westen und das ehemalige Amtshaus, in dem heute das Hotel ist, im Südwesten des äußeren Burgbereichs, das anstelle eines Brauhauses errichtet wurde.

1791 fiel die Burg im Rahmen des Geheimvertrags des Markgrafen Carl Alexander an Preußen und dann am 30. Juni 1803 im Zuge eines Grenz- und Landestauschvertrags an das Kurfürstentum Bayern. Ab 1815 kam sie in private Hände und verfiel. Der Bergfried, der 1800 noch stand, wurde abgetragen und die Aufbauten der übrigen Türme beseitigt. Der Besitzer verschuldete sich, so dass im Jahre 1860 die Burg von 41 Gläubigern unter Zwangsbewirtschaftung gestellt und an verschiedene Personen vermietet wurde.

Der Privatmann Ehrhard Meßmer (1861–1942) renovierte 1896 den heruntergekommenen Bau und stattete ihn für die Nutzung für Pensions- und Tagesgäste neu aus. Diese grundlegende Instandsetzung erfolgte unter dem Eindruck von Historismus und Jugendstil im Stile der Wartburg. Prominente Gäste waren Willi Wirk, ein Tenorbuffo, der Nürnberger Maler Georg Kellner, der „Dichterpfarrer“ Hugo Greiner, Ernst von Wolzogen (Dichter), Joachim Ringelnatz u. a.

 
Max Weber (Bildmitte) in einer Gruppendiskussion bei der ersten Lauensteiner Tagung, unter anderen mit Ernst Toller (3. von rechts), Fotografie Mai 1917

Während des Ersten Weltkriegs war die Burg vom 29. bis zum 31. Mai und vom 29. September bis zum 3. Oktober 1917 zweimal Veranstaltungsort der sogenannten Lauensteiner Tagungen, die auf Initiative des Verlegers Eugen Diederichs einberufen wurden, und bei denen sich bedeutende Gelehrte, Schriftsteller und weitere Intellektuelle jener Zeit zu einem offenen Austausch über die Zukunft Deutschlands nach dem Krieg zusammenfanden. Zu den Teilnehmern dieser Tagungen, die Menschen aus den unterschiedlichsten politischen Lagern zusammenführte, gehörten beispielsweise der Soziologe Max Weber, der spätere Revolutionär und expressionistische Dramatiker Ernst Toller, die Dichterin und Frauenrechtlerin Berta Lask, der Ökonom Edgar Jaffé und der spätere erste Bundespräsident der Bundesrepublik, Theodor Heuss.[1]

In der Burg befand sich im Zweiten Weltkrieg eine Dienststelle des militärischen Geheimdienstes (Amt Ausland/Abwehr) im Oberkommando der Wehrmacht. Die Dienststelle war eine Forschungsstelle für Fälschung von Pässen, Geheimtinten, Mikrokameras usw. In der Burg Lauenstein befand sich von März bis Juni 1944 Admiral Wilhelm Canaris, von 1935 bis 1944 Chef der Abwehr, unter Hausarrest.

1962 erwarb der Freistaat Bayern die Burg und sanierte die Gesamtanlage in den Jahren 1966 bis 1976 mit hohem finanziellen Aufwand. Hierbei mussten unter anderem Teile des Mauerwerks abgetragen und erneuert, die Räume vollständig restauriert sowie Dachstuhl und Decken der einzelnen Stockwerke wiederhergestellt werden.

Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen gestaltete in zahlreichen Räumen der Hauptburg ein umfangreiches Museum mit möblierten Schauräumen und Spezialsammlungen, zum Beispiel für Waffen, Schmiedeeisen, Lampen, Volkskunst und Instrumente.

BurghotelBearbeiten

 
Orlamündesaal

Erstmals wurden ab 1898 Teile der Burg Lauenstein als Hotel genutzt, nachdem Ehrhard Messmer die jahrelang dem Verfall preisgegebene Anlage zwei Jahre zuvor erworben und renoviert hatte. Zu den Gästen, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Räume der Hauptburg bewohnten, gehörten unter anderen die Schriftsteller Ernst von Wolzogen und Joachim Ringelnatz, Zar Ferdinand I. von Bulgarien und der spätere Bundespräsident Theodor Heuss.[2]

Nachdem die Burganlage in den Besitz des Freistaats Bayern übergegangen war, wurde im ehemaligen Wohnhaus des Amtmannes in der Vorburg eine Burgschänke mit Hotel eingerichtet. Zu den Gästen zählten unter anderen die englische Rockband Deep Purple und der Pianist, Dirigent und Fernsehmoderator Justus Frantz.[3] Im Jahr 2007 wurde die Einrichtung geschlossen und nur noch die Hauptburg museal genutzt.

Im April 2011 wurde bekannt, dass ein Kronacher Unternehmer das Hotel umfangreich sanieren und wieder eröffnen wollte.[4] Die bereits seit dem Jahr 2009 geführten Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern gerieten jedoch ins Stocken und drohten zu scheitern, da der Unternehmer einen Kauf der gesamten Anlage anstrebte, während der Freistaat als Eigentümer eine Erbpachtlösung favorisierte.[5][6][7] Erst Anfang November 2012 konnten sich die beiden Parteien auf ein Sanierungskonzept einigen, bei dem der Freistaat Bayern weiterhin Eigentümer geblieben wäre und die Burg an den Unternehmer verpachtet hätte.[8] Die Unterzeichnung des entsprechenden Vertrages hätte bis Ende 2013 erfolgen müssen.[9] Mitte des Jahres 2013 geriet das Vorhaben jedoch erneut ins Stocken, da das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege grundsätzliche Bedenken wegen mehrerer geplanter Erweiterungsbauten für die unter Denkmalschutz stehende Burganlage äußerte.[10] Da zwischen den beteiligten Parteien keine Einigung erzielt werden konnte, verkündete der Kronacher Unternehmer Ende November 2013 seinen Ausstieg aus dem Projekt. Bereits im September 2012 hatte der Freistaat Bayern seine Absicht erklärt, in diesem Fall die Burganlage selbst zu sanieren.[7]

Im Februar 2014 wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, bei der vier Architekturbüros Möglichkeiten für den Ausbau der Burganlage erarbeiteten. Ab April 2014 suchte der Freistaat zunächst nach einem privaten Investor, der auf Grundlage dieser Studie die Sanierung und Erweiterung des Hotels übernehmen sollte.[11] Da diese Suche erfolglos blieb, wurde von Dezember 2014 bis Anfang Februar 2015 mit einer öffentlichen Ausschreibung ein Pächter für das zukünftige Burghotel gesucht.[12][13][14] Die Gespräche mit den Interessenten wurden Anfang August 2016 jedoch ergebnislos beendet.[15] Ende 2017 beschloss der Freistaat Bayern, durch die Bayerische Schlösserverwaltung in den Räumen des ehemaligen Hotels und des Torbaus mehrere Ferienwohnungen einzurichten und den Orlamündesaal in der Hauptburg als Veranstaltungsraum umzubauen.[16]

LegendenBearbeiten

 
Stelle des legendären Köchinnengrabes mit im hohen Gras versteckten „Grabsteinen“

MantelburgBearbeiten

Im Volksmund wird Burg Lauenstein häufig als „Mantelburg“ bezeichnet. Dieser Name beruht auf der Gründungslegende der Burg, die bereits um das Jahr 915 von König Konrad I. errichtet worden sein soll, um die Grenzen seines Reiches nach Norden hin abzusichern. Ursprünglich sollte das Bauwerk auf dem südöstlich von Lauenstein gelegenen Schwarzen Berg entstehen, was jedoch am Eingreifen dunkler Mächte scheiterte: Jede Nacht wurden die am Tag zuvor errichteten Mauern wieder zerstört. Der Bau gelang erst, als Konrad dem Rat eines weisen Einsiedlers folgte, den Bauplatz an den heutigen Standort der Burg verlegte und ihn zum Schutz vor den dunklen Mächten mit seinem in Streifen geschnittenen Königsmantel umgab.[17]

KöchinnengrabBearbeiten

In der Nähe der Burg, am beschilderten Märchenpfad Lauenstein, befindet sich das Köchinnengrab. Eine Informationstafel unterrichtet den Wanderer, dass an dieser Stelle der Überlieferung zufolge im 16. Jahrhundert unter der Herrschaft der Ritter von Thüna eine Köchin vom Schloss Lauenstein wegen Kindesmordes bei lebendigem Leib gepfählt und begraben wurde. Die Verurteilung sei nach den Gesetzen des Sachsenspiegels erfolgt. Heute erinnern nur ein paar kleine Felsbrocken daran, deren historische Herkunft nicht belegt ist.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Burg Lauenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Burg Lauenstein: Vor 100 Jahren strömen Intellektuelle aus ganz Deutschland in den Frankenwald; Artikel von Brigitte Degelmann für die Neue Presse, 12. Februar 2014 (online auf www.ludwigsstadt.de, abgerufen am 5. November 2014)
  2. Verlag Fränkischer Tag (Hrsg.): Harmonie der Gegensätze: ganzheitliche Landesentwicklung in Bayern, der Landkreis Kronach. Bamberg 1992, ISBN 3-928648-05-5, S. 13.
  3. Peter Fiedler, Helmtrud Wagner: Sogar Deep Purple waren da. Neue Presse Coburg, 21. April 2011, abgerufen am 21. April 2011.
  4. Peter Fiedler: Holzmann plant Millionen-Deal. Neue Presse Coburg, 21. April 2011, abgerufen am 21. April 2011.
  5. Veronika Schadeck: Holzmann will sich zurückziehen. inFranken.de, 12. April 2012, abgerufen am 9. November 2012.
  6. Brigitte Degelmann: Burg Lauenstein: Verkauf offenbar vom Tisch. Neue Presse Coburg, 12. Juni 2012, abgerufen am 9. November 2012.
  7. a b Petra Bordasch, Christian Kreuzer: Jetzt muss München liefern. In: Neue Presse Coburg. 23. November 2013, S. 7.
  8. Christian Kreuzer: Lösung für Burg Lauenstein. 9. November 2012, abgerufen am 9. November 2012.
  9. Christian Kreuzer: Hoffen in Lauenstein. In: Neue Presse Coburg. 28. September 2013, S. 7.
  10. Peter Fiedler: Der Schuldenberg wächst weiter. In: Neue Presse Coburg. 29. Juni 2013, S. 12.
  11. Bianca Hennings: Burghotel-Entscheidung im Juli. In: Neue Presse Coburg. 2. Juli 2014, S. 7.
  12. Bianca Hennings: Mehrere Interessenten fürs Burghotel. In: Neue Presse Coburg. 4. Februar 2015, S. 9.
  13. Veronika Schadeck: Burghotel Lauenstein: Es gibt mehrere Interessenten. inFranken.de, 4. Februar 2015, abgerufen am 5. Februar 2015.
  14. Bianca Hennings: Zwei Bewerber für das Burghotel. In: Neue Presse Coburg. 9. Januar 2016, S. 7.
  15. Petra Bordasch: Zukunft des Burghotels liegt weiter im Dunkeln. In: Neue Presse Coburg. 4. August 2016, S. 9.
  16. In die alte Burg soll wieder Leben einziehen. In: inFranken.de. 15. Dezember 2017, abgerufen am 23. Dezember 2017.
  17. Hans-Jörg Henning: Führer durch die Burg Lauenstein im Frankenwald.