Feldafing

Gemeinde in Bayern

Feldafing ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Starnberg. Der Ort liegt auf einer Höhe um 650 m ü. NHN am Westufer des Starnberger Sees und bietet einen Rundblick über den See und einen Teil der Alpen.

Wappen Deutschlandkarte
Feldafing
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Feldafing hervorgehoben

Koordinaten: 47° 57′ N, 11° 18′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Starnberg
Höhe: 646 m ü. NHN
Fläche: 9,15 km2
Einwohner: 4289 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 469 Einwohner je km2
Postleitzahl: 82340
Vorwahlen: 08157, 08158
Kfz-Kennzeichen: STA, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 88 118
Gemeindegliederung: 4 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofsplatz 1
82340 Feldafing
Website: www.feldafing.de
Bürgermeister: Bernhard Sontheim (Bürgergruppe)
Lage der Gemeinde Feldafing im Landkreis Starnberg
AmmerseeStarnberger SeeLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis FürstenfeldbruckLandkreis Landsberg am LechLandkreis MünchenLandkreis Weilheim-SchongauMünchenAndechsBerg (Starnberger See)FeldafingGautingGilchingHerrsching am AmmerseeInning am AmmerseeKraillingPöckingSeefeld (Oberbayern)StarnbergTutzingWeßlingWörthsee (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2][3]

Es gibt nur die Gemarkung Feldafing.[4]

NachbargemeindenBearbeiten

Anrainer sind die Gemeinden Tutzing im Süden, Pöcking im Norden und das gemeindefreie Gebiet Starnberger See im Osten.

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Der Ortsname ist in einem Schriftzeugnis des Klosters Benediktbeuern aus dem Jahre 1116 als Veldoluingen ersturkundlich genannt. Es liegt der althochdeutsche Personenname Faidolf/Feldolf mit dem Suffix -ing zugrunde (‚Siedlung des Faidolf/Feldolf‘).[5]

Feldafing gehörte seit 1565 zu Weilers Hofmark Garatshausen, kam dann um 1760 in den Besitz des Grafen La Rosée. Danach gehörte der Ort Herzog Max Joseph in Bayern, dem Vater der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sissi). Feldafing war Bestandteil der geschlossenen Hofmark Garatshausen-Possenhofen des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

19. und 20. JahrhundertBearbeiten

Der Ort wurde bekannt durch die vorgelagerte Roseninsel und das Hotel Kaiserin Elisabeth. Beide Örtlichkeiten waren beliebte Aufenthaltsorte der österreichischen Kaiserin Sisi.

Während der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Feldafing eine Eliteschule der NSDAP: die Reichsschule Feldafing. Auf dem dazugehörigen Gelände wurde 1942 ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau eingerichtet, an dessen Opfer heute ein Denkmal auf dem Jüdischen Friedhof erinnert.[6]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Feldafing zur Amerikanischen Besatzungszone. Von der Militärverwaltung wurde das Gelände der ehemaligen Reichsschule mit den Baracken des Konzentrationslagers als DP-Lager für jüdische so genannte Displaced Persons verwendet, das DP-Lager Feldafing.

Von 1950 bis 1978 befand sich in Feldafing das Privatinternat Institut Dr. Greite, ein 13-klassiges Gymnasium für Mädchen und Jungen.

Bundesweite Bekanntheit erlangte Feldafing in den neunziger Jahren, als der Schriftsteller und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim in Feldafing einen Teil seiner Kunstsammlung öffentlich präsentieren wollte. Die Gemeinde und Buchheim konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Museumskonzept einigen und so endeten jahrelange Querelen in einem Bürgerentscheid gegen den Museumsplan. Buchheim ging daraufhin mit seinen Kunstwerken in die Gemeinde Bernried.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1978 kleine Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Traubing mit damals etwa 50 Einwohnern eingegliedert.[7]

Neuere EntwicklungenBearbeiten

Im Oktober 2022 fand ein Bürgerbegehren zur Erhaltung der Ratsstuben statt. Damit verbunden war ein Ratsbegehren über den Abriss des Gebäudes und den Neubau eines Feuerwehrhauses. Das Bürgerbegehren erreichte das notwendige Quorum und wurde angenommen.[8] Als Reaktion trat die Führungsriege der Freiwilligen Feuerwehr zurück.[9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3566 auf 4262 um 696 Einwohner bzw. um 19,5 %.

Verlauf der Bevölkerungsentwicklung[10]
Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2005 2010 2015 2020
Einwohner 304 632 1676 1956 3041 2966 3647 3831 4025 4322 4350 4333 4284

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

 
Rathaus der Gemeinde Feldafing

Erster Bürgermeister ist Bernhard Sontheim (Bürgergruppe). Er wurde im Jahr 2002 als Nachfolger von Günter Gerhard (CSU/parteifrei) in das Amt gewählt. Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wurde er mit 52,70 % der Stimmen wiedergewählt.[11]

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat besteht aus dem Ersten Bürgermeister und 16 gewählten Mitgliedern. Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 haben von den 3438 stimmberechtigten Einwohnern in der Gemeinde Feldafing, 2146 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 62,42 % lag.[12]

Gemeinderatswahl Feldafing 2020[13]
Wahlbeteiligung: 62,4 %
 %
30
20
10
0
28,0
24,6
23,2
12,0
6,5
5,6
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+0,7
−7,1
+7,8
+2,5
−1,7
+5,6
−8,2
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Aktion Unabhängige Feldafinger
g Frauenliste
Sitzverteilung im Gemeinderat Feldafing 2020
      
Insgesamt 16 Sitze
Sitzverteilung im Gemeinderat
Jahr CSU SPD GRÜNE FDP BG FL AUF ges. Wahlbeteiligung
2020 4 1 4 1 4 0 2 16 62,42 %
2014 5 0 3 1 4 1 2 16 65,03 %
2008 5 2 1 1 4 2 1 16 64,74 %
2002 5 2 1 1 3 2 2 16 69,0 %

AUF = Aktion Unabhängige Feldafinger     BG = Bürgergruppe Feldafing     FL = Frauenliste Feldafing

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Unter blauem Schildhaupt, darin ein waagrechter silberner Fisch, in Silber ein grüner Erdbeerstock mit zwei roten Früchten.“[14]
Wappenbegründung: Der silberne Fisch im Schildhaupt verweist auf die geografische Lage am Starnberger See und die große Bedeutung des Fischfangs als Erwerbszweig in früheren Zeiten. Der Erdbeerstock wurde aus dem Familienwappen der Weiler von Garatshausen übernommen, die seit 1494 in Garatshausen begütert waren und von 1565 bis um 1730 die Hofmark Garatshausen mit Feldafing innehatten. Nach wechselnden Besitzern kamen die Güter 1834 an die herzogliche Linie des Hauses Wittelsbach. Auf diese Verbindung beziehen sich die Farben Silber und Blau.

Dieses Wappen wird seit 1965 geführt.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Villa Waldberta
 
Roseninsel bei Feldafing
 
Golfplatz am Starnberger See

Feldafing kann eine sehenswerte Villenkolonie aus dem 19. Jahrhundert vorweisen, darunter die Villa Carl, im Jugendstil erbaut von Richard Riemerschmid, oder die Villa Waldberta, heute Internationales Künstlerhaus der Stadt München. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Roseninsel. Der öffentlich begehbare langgestreckte 18-Loch-Golfplatz liegt direkt am See-Ufer. Das denkmalgeschützte Strandbad Feldafing, 1927 durch Engelbert Knittl errichtet, versprüht nostalgischen Charme.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Es gab 2020 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 52, im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 237 und in sonstigen Wirtschaftsbereichen 690 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1370. Es gab zwei Betriebe im Bauhauptgewerbe und drei landwirtschaftliche Betriebe.[10]

Wichtige Firmen haben sich in Feldafing niedergelassen, u. a. auch die Siemens AG mit ihrem Global Leadership Center, gelegen direkt neben der Schule Informationstechnik der Bundeswehr.

An Bildungseinrichtungen gibt es u. a. die Otto-Bernheimer Grundschule, drei Kindergärten und ein internationales Fortbildungszentrum der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Feldafing wird im Zwanzig- bzw. Vierzigminutentakt von Zügen der S-Bahnlinie 6 der S-Bahn München bedient, somit besteht ein direkter Anschluss an die Münchener Innenstadt und mit Umsteigen im Bahnhof Tutzing auch nach Garmisch-Partenkirchen. Hinzu kommt der Autobahn-Beginn schon ab Starnberg in Richtung München. Von der Bundesstraße 2 erreicht man Feldafing über Pöcking, Traubing oder den Ortsteil Wieling. Von Tutzing oder Possenhofen kommend erreicht man Feldafing über die Staatsstraße 2063, von Einheimischen auch Seestraße genannt.

Linie Linienverlauf
  Tutzing – Feldafing – Possenhofen – Starnberg – Starnberg Nord – Gauting – Stockdorf – Planegg – Gräfelfing – Lochham – Westkreuz – Pasing – Laim – HirschgartenDonnersbergerbrückeHackerbrücke – Hauptbahnhof – Karlsplatz (Stachus) – Marienplatz – Isartor – Rosenheimer Platz – Ostbahnhof – Leuchtenbergring – Berg am Laim – Trudering – Gronsdorf – Haar – Vaterstetten – Baldham – Zorneding – Eglharting – Kirchseeon – Grafing Bahnhof – Grafing Stadt – Ebersberg


Feldafing wird durch eine Regionalbuslinie des MVV erschlossen.

Linie Linienverlauf Verkehrsunternehmen
978 Feldafing - Tutzing - Feldafing Geldhauser

Von Frühjahr bis Herbst verkehrt eine witterungsabhängige Personenfähre zur Roseninsel.

Bekannte EinwohnerBearbeiten

 
Fritz Feinhals
 
Hans Albers (1922)

LiteraturBearbeiten

  • Lothar-Günther Buchheim: Die Tropen von Feldafing. Über das Sehen und das Malen, Piper, München / Zürich 1978, ISBN 3-492-02338-X; Taschenbuch dtv, München 1988, ISBN 3-423-02899-8.
  • Gemeinde Feldafing (Hrsg.): Feldafing Ortsmitte. Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart, Feldafing 1999.
  • Dirk Heißerer (Hrsg.): Thomas Manns Villino in Feldafing am Starnberger See 1919–1923, München 2001.
  • Kulturreferat der LH München (Hrsg.)/Tobias Mahl: Kosmopolitentreff und Künstlerhaus. Die Villa Waldberta als Spiegel des 20. Jahrhunderts, Allitera, München 2006, ISBN 978-3-86520-216-1.
  • Gerhard Schober: Frühe Villen und Landhäuser am Starnberger See. Zur Erinnerung an eine Kulturlandschaft, Oreos, Waakirchen-Schaftlach 1999, ISBN 3-923657-53-6.
  • Simon Schochet: Feldafing, Vancouver 1983.
  • Karin Sommer: Vom Vernichtungslager ins Flüchtlingslager. Jüdische Überlebende des Holocaust als ‚Displaced Persons', in: Peter Fassl (Hrsg.), Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben II, Sigmaringen 2000, S. 401–412.
  • Arbeitskreis Feldafinger Chronik, Gemeinde Feldafing, Ferdinand Kistler: Heimatbuch für Feldafing, 2 Bände, Friedl-Brehm, Feldafing 2010, 2012, ISBN 978-3-937165-06-6.

RadioBearbeiten

Karin Sommer: Eines Tages wird es wieder ein friedlicher Ort sein. Simon Schochets Erlebnisse im Flüchtlingslager Feldafing. (Radiosendung vom 11. Januar 1992 im Bayerischen Rundfunk).

WeblinksBearbeiten

Commons: Feldafing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-003r Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtag (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Feldafing in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 9. September 2019.
  3. Gemeinde Feldafing, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 13. Dezember 2021.
  4. Gemarkungs- und Gemeindeverzeichnis. (Nicht mehr online verfügbar.) Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, 14. Juli 2020, archiviert vom Original am 2. Februar 2021; abgerufen am 2. Januar 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ldbv.bayern.de
  5. Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen: Herkunft und Bedeutung; Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz. C.H.Beck, München 2006, ISBN 3-406-55206-4, S. 80.
  6. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 131
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 591.
  8. Peter Schiebel: 62,6 Prozent Zustimmung: Bürgerbegehren holt die Mehrheit. In: merkur.de. 16. Oktober 2022, abgerufen am 31. Oktober 2022.
  9. Stephan Müller-Wendlandt: Zerreißprobe für Feuerwehr. In: merkur.de. 31. Oktober 2022, abgerufen am 31. Oktober 2022.
  10. a b Gemeinde Feldafing 09 188 118. In: Statistik kommunal 2021. Bayerisches Landesamt für Statistik, Februar 2022, abgerufen am 7. Oktober 2022.
  11. https://okvote.osrz-akdb.de/OK.VOTE_OB/Wahl-2020-03-15/09188118/html5/Buergermeisterwahl_Bayern_117_Gemeinde_Gemeinde_Feldafing.html
  12. https://okvote.osrz-akdb.de/OK.VOTE_OB/Wahl-2020-03-15/09188118/html5/Gemeinderatswahl_Bayern_116_Gemeinde_Gemeinde_Feldafing.html
  13. https://okvote.osrz-akdb.de/OK.VOTE_OB/Wahl-2020-03-15/09188118/html5/Gemeinderatswahl_Bayern_116_Gemeinde_Gemeinde_Feldafing.html
  14. Eintrag zum Wappen von Feldafing in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte