Krailling

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Krailling
Krailling
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Krailling hervorgehoben

Koordinaten: 48° 6′ N, 11° 24′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Starnberg
Höhe: 548 m ü. NHN
Fläche: 15,99 km2
Einwohner: 7772 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 486 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 82152,
82205 (Hüll),
82349 (Frohnloh, Pentenried)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 089
Kfz-Kennzeichen: STA, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 88 127
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rudolf-von-Hirsch-Straße 1
82152 Krailling
Website: www.krailling.de
Bürgermeister: Rudolph Haux (FDP)
Lage der Gemeinde Krailling im Landkreis Starnberg
AmmerseeStarnberger SeeLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis FürstenfeldbruckLandkreis Landsberg am LechLandkreis MünchenLandkreis Weilheim-SchongauMünchenAndechsBerg (Starnberger See)FeldafingGautingGilchingHerrsching am AmmerseeInning am AmmerseeKraillingPöckingSeefeld (Oberbayern)StarnbergTutzingWeßlingWörthsee (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild
Schloss und Hofmark Krailling, ca. 1700

Krailling ist eine nordöstlich im oberbayerischen Landkreis Starnberg gelegene Gemeinde. Sie grenzt an die Landkreise München und Fürstenfeldbruck.

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt in der Planungsregion München. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 16,0 km². Der Ort liegt im Würmtal, etwa 14 Kilometer nördlich der Kreisstadt Starnberg und vier Kilometer südwestlich von München.

Das Siedlungsgebiet des Hauptortes ist mit dem der Gemeinde Planegg zusammengewachsen, gehört auch zur Pfarrei Planegg und hat dieselbe Postleitzahl, gehört aber im Gegensatz zu Planegg nicht zum Landkreis München, sondern zum Landkreis Starnberg. Krailling ist der nördlichste Ort des Landkreises Starnberg, ist jedoch der Telefonvorwahl von München (089) zugeordnet. Richtung Süden geht das Siedlungsgebiet nahtlos in den Gautinger Ortsteil Stockdorf über.

Die Gemeinde hat vier amtlich benannte Ortsteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Die Ortsteile sind weit verstreut. Inmitten des Waldgebietes Kreuzlinger Forst liegt das Gewerbegebiet „KIM“ (Kraillinger Innovations Meile). Es existieren die Gemarkungen Frohnloh und Krailling.

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Die ältesten hier nachgewiesenen Besiedlungsspuren stammen aus der Zeit von 150 bis 100 v. Chr. Auf dem Grundstück der Linnermühle wurden mehrere keltische Schmuckstücke, Scherben und Hauspfosten gefunden. Damit ist Krailling zusammen mit Buchendorf und Steinebach am Wörthsee eine der wenigen keltischen Siedlungen im Süden Münchens.[3]

Aus der Zeit von 200 bis 300 n. Chr. stammt ein ebenfalls dort gefundener Töpferofen sowie eine Abfallgrube. Römische Siedlungsspuren wurden allerdings nicht gefunden. Zahlreiche Funde belegen auch eine bajuwarische Siedlung am Würmufer von 600 bis 900 n. Chr.[4]

Bis Ende des 18. Jahrhunderts war Krailling Sitz einer Hofmark der Freiherren von Ruffin. Diese Hofmark war Teil des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

20. JahrhundertBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene im Ortsteil Pentenried an, der seither maßgeblich von dieser Bevölkerungsgruppe geprägt wurde. Seit 1975 besteht eine Städtepartnerschaft mit Paulhan im Département Hérault/Südfrankreich.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 7.280 auf 7.772 um 492 Einwohner bzw. um 6,8 %.

Verlauf der Bevölkerungsentwicklung[5]
Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2005 2010 2015
Einwohner 249 793 2027 3725 4634 7064 7346 7310 7284 7570 7529 7666

PolitikBearbeiten

 
Rathaus Krailling

BürgermeisterBearbeiten

  • Erster Bürgermeister der Gemeinde ist Rudolph Haux (FDP). Er wurde 2019 als Nachfolger von Christine Borst (CSU) in das Amt gewählt.

GemeinderatBearbeiten

Sitzverteilung im Gemeinderat
Jahr CSU SPD Grüne FDP FBK UWK gesamt Wahlbeteiligung
2014 9 3 4 1 2 1 20 60,2 %
2008 10 2 3 2 2 1 20 64,0 %
2002 11 3 1 1 2 2 20 66,8 %

FBK = Freie Bürgergemeinschaft Krailing
UWK = Unabhängige Wähler Krailing

WappenBearbeiten

 
Schild „Burgfrieden“ in Krailling[6]

Auf blauem Hintergrund quert diagonal von links oben nach rechts unten ein silberner Wellenfluss, der die Würm symbolisiert. Links unten und rechts oben stehen je eine silberne Tanne für die Wälder Kreuzlinger Forst und Forst Kasten.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Ein markantes Bauwerk des Ortes ist die Margaretenkirche. Sie wurde 1315 erstmals urkundlich erwähnt. 1747 erhielt sie ihr heutiges Erscheinungsbild mit dem Zwiebelturm. Die Kirche wurde in den Jahren 2005/2006 von außen komplett renoviert.

Fundamente und Keller des ehemaligen Schlosses wurden bei archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2005 gefunden. Die Kellerfundamente wurden freigelegt und mit einer Überdachung konserviert. Steinbegrenzungen zeigen die frühere Ausdehnung und eine Tafel erläutert die Geschichte des Hofmarkschlosses.

Die Villa des Architekten Martin Dülfer (1902), einem der Wegbereiter des Jugendstils in Deutschland, hat eine reizvolle barockisierende Jugendstilfassade. Leider ist die organisch-abstrakte Stuckdekoration nicht mehr erhalten.

Architektonisch bemerkenswert ist das „Schwarze Haus“, ein Einfamilienhaus der Stammarbeitersiedlung der Oberbayerischen Heimstätte (1936–1937), das 2006 von Peter Haimerl mit einer veränderten Fensteranordnung versehen und mit Bitumenschindeln verkleidet wurde.

DenkmalBearbeiten

 
Todesmarsch aus dem KZ Dachau[7]

Seit 1989 erinnert eine Bronze-Skulptur des Bildhauers Hubertus von Pilgrim an der Gautinger Straße an den von der SS überwachten Todesmarsch Tausender Häftlinge aus dem KZ Dachau vom April 1945. 20 identische Plastiken stehen weiterhin an der gesamten Marschroute.[8] Eine Kopie des Denkmals steht seit 1992 als Geschenk der Gemeinde Gauting in der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.[9]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Kraillinger Innovations MeileBearbeiten

Die Kraillinger Innovations Meile (KIM) ist ein 1996 gegründetes Gewerbegebiet, das etwa 120 kleinen und mittleren Unternehmen Platz bietet. Größte Firma auf dem Areal ist die EOS GmbH, ein Hersteller industrieller 3D-Drucker. Die ca. 90.000 m² große KIM ist auf dem ehemaligen Pionierübungsplatz der Bundeswehr im Kreuzlinger Forst platziert und grenzt an die Nachbargemeinden Gauting und Germering. Über ein Anschlussgleis, das am Bahnhof München-Freiham von der Bahnstrecke München–Herrsching abzweigt, ist das Tanklager Krailling (ehemaliges IVG-Gelände) an das Schienennetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Die KIM selber hat keinen Gleisanschluss.[10]

VerkehrBearbeiten

Krailling wird im öffentlichen Nahverkehr durch Linienbusse erschlossen. Die Bahnstrecke München-Garmisch-Partenkirchen verläuft durch den Ort, besitzt dort aber keine Station. Die nächsten Bahnhöfe in Planegg, Stockdorf und Gauting werden von der Linie S6 der S-Bahn München bedient.

Hauptdurchgangsstraße des Kraillinger Zentrums ist die Gautinger Straße, die parallel zur Würm verläuft. Die westlich gelegenen Teile werden unter anderem durch die Pentenrieder Straße mit dem Kraillinger Zentrum verbunden, wobei diese Ortsteile seit langem infrastrukturell eher in Richtung Gauting orientiert sind.

SchulenBearbeiten

Krailling hat eine dreizügige Grundschule (Grundschule Krailling) mit drei Ganztagesklassen.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Der Maler Otto Ackermann-Pasegg (1882–1959)[11] verstarb in Krailling.
  • Der Volksschauspieler Gustl Bayrhammer (1922–1993) verstarb in Krailling und wurde dort beigesetzt.
  • Der ehemalige Reichsdozentenführer und Nationalsozialist der ersten Stunde Walter Schultze (1894–1979) verstarb in Krailling.
  • Der Bildhauer Rudolf Belling (1886–1972) lebte und starb in Krailling.
  • Der Architekt Martin Dülfer (1859–1942) lebte in Krailling.
  • Der Bariton Hermann Prey (1929–1998) wohnte in Krailling (Fichtenstr. 14), starb hier und ist auf dem Kraillinger Friedhof beerdigt.
  • Der exilrussische Journalist und Kirchenhistoriker Gleb Rahr (1922–2006) lebte von 1980 bis 1991 in Krailling.[12]
  • Der Verleger Erich Wewel (1894–1974) wohnte mit seiner Familie von 1937 bis 1951 in Krailling. Auch sein Verlag befand sich hier im Würmtal.
  • Der Kunsthistoriker Wolfgang Braunfels (1911–1987) wohnte und starb in Krailling.
  • Der Kinderarzt und Hochschullehrer Erich Aschenheim (1882–1941) lebte seine letzten Jahre in Krailling.
  • Die Schauspielerin und Entertainerin Lisa Fitz (* 1951) wuchs in Krailling auf und besuchte bis 1961 die Volksschule Planegg-Krailling.
  • Der Akademische Bildhauer Leopold Hahn (1894–1970) wohnte seit 1939, hatte dort sein Atelier seit 1951 und starb 1970 in Krailling.
  • Der deutsche Internetpionier und Unternehmer Sebastian von Bomhard lebt mit seiner Familie in Krailling.
  • Der Rechtswissenschaftler und Professor für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Ludwig-Maximilians-Universität München Stephan Lorenz (* 1961) lebt in Krailling.[13]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Commons: Krailling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Krailling in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 9. September 2019.
  3. Gemeinde Krailling (2010): Zeitfenster der Vergangenheit. Die Geschichte des Linner-Grundstückes an der Würm in Krailling. Krailling. S. 6–9.
  4. Zeitfenster der Vergangenheit. S. 10–13.
  5. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, abgerufen am 16. Juli 2014.
  6. Wappen der Gemeinde Krailling
  7. Bronze-Skulptur des Bildhauers Hubertus von Pilgrim in Krailling an der Gautinger Straße, neben dem Fluss Würm. Die Inschrift lautet: HIER FÜHRTE IN DEN LETZTEN KRIEGSTAGEN IM APRIL 1945 DER LEIDENSWEG DER HÄFTLINGE AUS DEM KONZENTRATIONSLAGER DACHAU VORBEI INS UNGEWISSE. Die Aufnahme machte Meinolf Wewel, bei einem Erinnerungsbesuch am 24. November 2006. Mit seinem Bruder Godehard begegnete er am 27. April 1945 auf dem Weg nach Gauting dem „Todesmarsch“ etwa an dieser Stelle. Ihr Vater Erich Wewel schrieb damals nach ihrem Bericht in sein Tagebuch: „Ein grausiges Geschehen, das zu schildern nicht möglich ist.“
  8. Liste der Mahnmale zur Erinnerung an die Todesmärsche von Dachau. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 26. November 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gz-tm-dachau.de
  9. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 156.
  10. Kim – Kraillinger Innovations Meile. Abgerufen am 11. Dezember 2017.
  11. Universitätsbibliothek Gießen
  12. Das russische München. Verlag Mir e. V., München 2010. ISBN 978-3-9805300-9-5
  13. Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgehändigt. Abgerufen am 9. Februar 2019.