Hermann Prey

deutscher Bariton

Hermann Oskar Karl Bruno Prey (* 11. Juli 1929 in Berlin; † 22. Juli 1998 in Krailling) war ein deutscher Opern- und Liedsänger (Bariton).

Leben und WirkenBearbeiten

 
Gedenktafel am Haus Manetstraße 54 in Berlin-Alt-Hohenschönhausen

Hermann Prey war der Sohn von Hermann und Anna Prey. Er wurde in Berlin-Hohenschönhausen geboren[1] und nach seinem Vater und Großvater benannt. Bereits als Zehnjähriger sang Prey im Berliner Mozart-Chor, damals noch als Knabensopran. In dieser Zeit reifte in ihm der Wunsch, Sänger zu werden. Da seine Eltern ihm ein Studium nicht ermöglichen konnten, finanzierte Prey es sich durch Auftritte mit einer Tanzmusikkapelle in Nachtclubs und Bars und gelegentliche Aufnahmen für den RIAS.

Nach dem Studium an der Hochschule für Musik in Berlin (als Schüler von Jaro Prohaska, Günther Baum und Harry Gottschalk) gab Prey 1951 einen ersten Liederabend in Berlin, 1951 folgten erste Rundfunkaufnahmen, 1952 gewann er den Wettbewerb Meistersinger von Nürnberg, der als Preis eine vierwöchige Konzerttournee durch die USA beinhaltete. Preys berufliche Laufbahn begann 1952/53 am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden, von 1953 bis 1960 war er Mitglied der Hamburgischen Staatsoper. 1954 erste Fernsehaufzeichnung von Liedern, 1955 folgte eine Tournee durch England mit einem ersten Liederabend mit Gerald Moore. Der internationale Durchbruch gelang Prey 1957 in der Rolle des Figaro in Rossinis Der Barbier von Sevilla an der Wiener Staatsoper.[2] 1959 debütierte er in der Partie des Barbier in Richard Strauss' Oper Die schweigsame Frau bei den Salzburger Festspielen.[3] 1960 wurde er an die Bayerische Staatsoper in München verpflichtet, wo er 1964 erstmals eine seiner erfolgreichsten Partien, die des Papageno in Mozarts Zauberflöte sang. Ein weiterer, früher Höhepunkt in seiner Karriere war 1960 seine Interpretation des Wolfram in Wagners Tannhäuser an der Metropolitan Opera in New York.[4] Fünf Jahre später sang Prey diese Partie auch bei den Bayreuther Festspielen.[5] Ein weiterer Höhepunkt seiner Operntätigkeit war 1969 sein Auftritt als erster deutscher Bariton in der Titelpartie des Figaro in Rossinis Il Barbiere di Seviglia unter der Leitung von Claudio Abbado an der Mailänder Scala,[6] 1973 gastierte er erstmals in dieser Rolle auch im Londoner Royal Opera House.[7] Sein letztes Rollendebüt war 1981 die Partie des Beckmesser in Wagners Meistersingern bei den Bayreuther Festspielen, in der er ein „Schaustück ernsthafter singschauspielerischer Charakterisierungskunst“ bot.[8] Zahlreiche Tourneen (z. B. Japan 1981, Südamerika 1968) festigten zudem seinen Ruhm weltweit.

Neben der Operntätigkeit war die Liedinterpretation ein weiterer Schwerpunkt seiner sängerischen Laufbahn. In dem Zeitraum von 1971 bis 1975 entstand sein größtes Schallplattenprojekt, die Lied-Edition Hermann Prey, die insgesamt 446 Lieder vom Minnesang bis zur Gegenwart umfasst.[9] Der Komponist Franz Schubert hatte es Hermann Prey besonders angetan. Er hatte die Idee zu einer Schubertiade in Vorarlberg, die dann Gerd Nachbauer dort 1976 zu einem erfolgreichen Kammermusikfestival ausbaute.[10] Von 1983 bis 1997 war Prey künstlerischer Leiter der Schubertiade im Wiener Musikverein, wo er seinen Lebenstraum, die Aufführung sämtlicher Werke Schuberts in chronologischer Reihenfolge, verwirklichte.

In den 1970er Jahren wurde Prey dem breiten Publikum vor allem durch seine Unterhaltungssendung Schaut her, ich bin’s bekannt, in der er viele Prominente der Opernszene präsentierte (unter anderem den jungen Plácido Domingo, der in der Sendung sein Debüt im deutschen Fernsehen gab). Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem Tenor Fritz Wunderlich, der oft mit ihm auf der Bühne stand.[11]

1981 veröffentlichte er seine Autobiographie Premierenfieber. 1982 begann er an der Musikhochschule Hamburg Meisterklassen zu geben.[12] 1988 gab er außerdem sein Regiedebüt am Salzburger Landestheater mit Mozarts Le nozze di Figaro. Bei seinem letzten Auftritt, bei den von ihm 1981 mitbegründeten Herbstlichen Musiktagen Bad Urach, sang Prey am 4. Oktober 1997 erstmals eine von Yukikazu Suzuki für Orchester bearbeitete Fassung von Schuberts Winterreise. Begleitet wurde er vom Orchestra Ensemble Kanazawa unter der Leitung von Hiroyuki Iwaki.

Hermann Prey starb am 22. Juli 1998 in Krailling, wenige Tage nach seinem 69. Geburtstag an den Folgen eines Herzinfarkts, nachdem er noch am 12. Juli 1998 einen Liederabend im Prinzregententheater in München gegeben hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Krailling (bei München).

FamilieBearbeiten

Seit dem 13. Februar 1954 war Hermann Prey mit Barbara, geb. Pniok, verheiratet. Das Paar bekam zwei Töchter, Annette und Franziska, und den Sohn Florian Prey, der ebenfalls Bariton wurde und inzwischen das Festival in Bad Urach leitet.

EhrungenBearbeiten

 
Hermann-Prey-Platz in Bad Urach (2014)

In Hohenems ist die Hermann-Prey-Straße nach ihm benannt, in Bad Urach der Hermann-Prey-Platz.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Hermann Prey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Adresse Geburtshaus auf www.gedenktafeln-in-berlin.de
  2. Hermann Preys Auftritte an der Wiener Staatsoper
  3. Hermann Preys Konzerte und Opernauftritte bei den Salzburger Festspielen
  4. Hermann Preys Auftritte an der Metropolitan Opera in New York
  5. Hermann Preys Auftritte bei den Bayreuther Festspielen
  6. Konzerte und Opernaufführungen Hermann Preys an der Mailänder Scala
  7. Hermann Preys Auftritte im Royal Opera House/Covent Garden in London
  8. Kurt Malisch: Art. Prey, Hermann. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl., Personenteil 13, Kassel u. a. 2005, Sp. 930f., hier Sp. 930
  9. Lied-Edition Hermann Prey Enthält: Vol. 1. Vom Minnesang bis zu Beethoven und Löwe, 2. Lieder von Franz Schubert, 3. Die Romantiker von Schumann bis Wolf, 4. Von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart
  10. Konzerte Hermann Preys bei der Schubertiade in Hohenems
  11. Duett mit Fritz Wunderlich aus Georges Bizets Oper Les pêcheurs de perles
  12. Meisterkurs "Habe Dank" in Garmisch-Partenkirchen, Dokumentation 1997
  13. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB).