Deutscher Filmpreis 2020

70. Verleihung des Deutschen Filmpreises (Lola)

Die 70. Verleihung des Deutschen Filmpreises (Lola) fand am 24. April 2020 statt. Die Auszeichnung ist mit 2,955 Mio. Euro die höchstdotierte Kulturauszeichnung Deutschlands und wird nach der Wahl durch die Mitglieder der Deutschen Filmakademie von Kulturstaatsministerin Monika Grütters in bis zu 18 Kategorien vergeben. Ursprünglich als Preisgala mit großem Publikum geplant, wurde die Veranstaltung aufgrund der COVID-19-Pandemie als Live-Fernsehshow mit zugeschalteten Gästen konzipiert.

Logo des Deutschen Filmpreises seit 2019
Regisseurin Nora Fingscheidt mit ihren beiden Hauptdarstellern Helena Zengel und Albrecht Schuch bei der Präsentation von Systemsprenger auf der Berlinale 2019

Am häufigsten ausgezeichnet wurde das Drama Systemsprenger von Nora Fingscheidt, das acht seiner zehn Nominierungen in Siege umsetzen konnte, darunter in den Kategorien Spielfilm, Regie und Drehbuch sowie für die beiden Hauptdarsteller Helena Zengel und Albrecht Schuch.[1]

VerleihungBearbeiten

Die erfolgreichsten Filme
(mindestens zwei Nominierungen, exkl. Jury- oder Publikumspreise; hervorgehoben=meiste Auszeichnungen
N=Nominierung; A=Auszeichnung)
Film N A
Berlin Alexanderplatz 11 5
Systemsprenger 10 8
Es gilt das gesprochene Wort 5 1
Ich war noch niemals in New York 5 0
Lindenberg! Mach dein Ding 4 2
Deutschstunde 2 0
Freies Land 2 0
Narziss und Goldmund 2 0
Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien 2 0
Undine 2 0

Vorauswahl und Einführung neuer KategorieBearbeiten

Die Vorauswahl für den Bereich Dokumentarfilm mit 15 Filmen wurde am 16. Dezember 2019 bekannt gegeben.[2] Die Bekanntgabe der Vorauswahlen für die Bereiche Spielfilm mit 27 Filmen und Kinderfilm mit 8 Filmen erfolgte am 7. Januar 2020.[3] Damit war die erste Stufe des dreistufigen Wahlverfahrens abgeschlossen. Die 2000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie sichteten die vorausgewählten Filme und stimmten bis Mitte März 2020 über die Nominierungen ab. Die Bekanntgabe der Nominierungen erfolgte am 11. März 2020.

Erstmals wurde 2020 auch eine Lola in der Preiskategorie Beste visuelle Effekte und Animation vergeben. Dieser Preis ist, wie die meisten Einzelleistungs-Kategorien, mit 10 000 Euro dotiert.[4]

Änderung des VeranstaltungskonzeptsBearbeiten

Die Verleihung war wie in den Vorjahren auch als Gala-Veranstaltung mit Publikum geplant und sollte ursprünglich zeitversetzt von der ARD im Fernsehen ausgestrahlt werden. Aufgrund der COVID-19-Pandemie und eines in Deutschland geltenden Kontaktverbots wurde knapp drei Wochen vor dem Veranstaltungstermin eine Veränderung des Konzepts bekannt gegeben. So wurde die Verleihung nun live ausgestrahlt, während Filmschaffende, Musiker und Laudatoren aus ihren Wohnzimmern dazugeschaltet wurden. Die Deutsche Filmakademie hatte sich eigenen Angaben zufolge zuvor intensiv mit Kulturstaatsministerin Grütters und der ARD beraten.[5]

Als Moderator durch den Abend führte der Schauspieler Edin Hasanović. Er hatte bereits den Deutschen Filmpreis 2018 gemeinsam mit der damaligen Präsidentin der Deutschen Filmakademie Iris Berben moderiert. Die künstlerische Leitung oblag weiterhin der ursprünglich ausgewählten Regisseurin Sherry Hormann. Um die Mitarbeiter der Produktion nicht zu gefährden, sollten die Vorbereitungen zur 70. Verleihung komplett im Home Office stattfinden. Die ARD-Gemeinschaftsproduktion entstand unter Federführung des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb).[5][6]

Bekanntgabe des EhrenpreisträgersBearbeiten

Am 5. März 2020 wurde bereits der erste Preisträger bekannt gegeben: der Regisseur, Autor und Produzent Edgar Reitz wird mit dem Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet. Ulrich Matthes, Präsident der Deutschen Filmakademie kommentierte die Entscheidung der Auswahlkommission so: „Edgar Reitz hat vor allem mit seinen "Heimat"- Filmen unvergesslich poetische Menschen und Bilder erfunden. Sie leuchten über sich und ihren Mikrokosmos weit hinaus. Und er hat gezeigt, dass das aufgeladene Wort “Heimat” zu komplex ist, um es den Nationalisten vom rechten Rand zu überlassen“.[7]

Preisträger und NominierungenBearbeiten

Bester SpielfilmBearbeiten

außerdem nominiert:

Bester DokumentarfilmBearbeiten

Born in Evin – Produktion: Alex Tondowski, Ira Tondowski

Bester KinderfilmBearbeiten

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl – Produktion: Jochen Laube, Fabian Maubach Clementina Hegewisch

Bestes DrehbuchBearbeiten

Nora FingscheidtSystemsprenger

Beste RegieBearbeiten

Nora FingscheidtSystemsprenger

Beste weibliche HauptrolleBearbeiten

Helena ZengelSystemsprenger

Beste männliche HauptrolleBearbeiten

Albrecht SchuchSystemsprenger

Beste weibliche NebenrolleBearbeiten

Gabriela Maria SchmeideSystemsprenger

Beste männliche NebenrolleBearbeiten

Albrecht SchuchBerlin Alexanderplatz

Beste Kamera/BildgestaltungBearbeiten

Yoshi HeimrathBerlin Alexanderplatz

Bester SchnittBearbeiten

Stephan Bechinger, Julia KovalenkoSystemsprenger

Bestes SzenenbildBearbeiten

Silke BuhrBerlin Alexanderplatz

Bestes KostümbildBearbeiten

Sabine BöbbisLindenberg! Mach dein Ding

Bestes MaskenbildBearbeiten

Astrid Weber, Hannah FischlederLindenberg! Mach dein Ding

Beste FilmmusikBearbeiten

Dascha DauenhauerBerlin Alexanderplatz

Beste TongestaltungBearbeiten

Corinna Zink, Jonathan Schorr, Dominik Leube, Oscar Stiebitz, Gregor BonseSystemsprenger

Beste visuelle Effekte und AnimationBearbeiten

Jan Stoltz, Claudius UrbanDie Känguru-Chroniken

Besucherstärkster FilmBearbeiten

Das perfekte GeheimnisLena Schömann, Bora Dagtekin

EhrenpreisBearbeiten

Edgar Reitz

Eingereichte FilmeBearbeiten

Die 27 Spiel-, 15 Dokumentar- und 8 Kinderfilme wurden im Oktober 2019 eingereicht und von drei verschiedenen Vorauswahlkommissionen (Spielfilm: 18 Mitglieder, Dokumentarfilm: 11, Kinderfilm: 10) begutachtet. Ziel war es, Filme in die Vorauswahl aufzunehmen, die als Gesamtwerk oder aufgrund herausragender Einzelleistungen Chancen auf Nominierungen und Preise haben. Die vorausgewählten Spiel- und Kinderfilme wurden am 7. Januar 2020 bekanntgegeben, die Dokumentarfilme waren bereits am 16. Dezember 2019 veröffentlicht worden. Zu den Kinovorführungen der Kinderfilme wurden erneut filmbegeisterte Schüler verschiedener Altersstufen eingeladen, deren Urteile in die spätere Entscheidungsfindung miteinflossen.

Die 2000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie stimmten über die regulären Nominierungen in 17 Kategorien bis März 2020 per Onlinesichtung ab bzw. konnten die Filme auf den 70. Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Reihe LOLA at Berlinale (22. bis 29. Februar 2020) im Kino verfolgen.[3]

Nachfolgend alle für den Deutschen Filmpreis 2020 eingereichten Filme im Überblick (mit Sternchen versehene Produktionen erhielten reguläre Nominierungen in einer der 17 Preiskategorien, Ehren- und Sonderpreise ausgenommen).

SpielfilmeBearbeiten

vollständige Liste

DokumentarfilmeBearbeiten

KinderfilmeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Preisträger*innen 2020. In: deutscher-filmpreis.de (abgerufen am 25. April 2020).
  2. Die Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2020. In: deutscher-filmpreis.de (abgerufen am 16. Dezember 2019).
  3. a b Die Vorauswahl 2020 ist komplett. In: deutscher-filmpreis.de (abgerufen am 7. Januar 2020).
  4. Neue Lola für visuelle Effekte und Animation. Deutsche Filmakademie, 22. August 2019, abgerufen am 14. Januar 2020.
  5. a b Die Verleihung des Deutschen Filmpreises findet mit neuem Konzept statt! Deutsche Filmakademie, 8. April 2020, abgerufen am 8. April 2020.
  6. Schauspieler Edin Hasanovic moderiert die 70. Verleihung des Deutschen Filmpreises. Deutsche Filmakademie, 11. Februar 2020, abgerufen am 15. Februar 2020.
  7. Edgar Reitz erhält den Ehrenpreis 2020. Deutsche Filmakademie, 5. März 2020, abgerufen am 5. März 2020.