Hauptmenü öffnen

7500

Thriller von Patrick Vollrath aus dem Jahr 2019

7500 ist ein Thriller von Patrick Vollrath, der am 9. August 2019 beim Locarno Festival seine Weltpremiere feierte und am 26. Dezember 2019 in die deutschen Kinos kommen soll. Es handelt sich um Vollraths Langfilmdebüt. Im Film, der ausschließlich im Cockpit eines Airbus A319 spielt, übernimmt Joseph Gordon-Levitt die Hauptrolle des Ko-Piloten Tobias Ellis, der sich gegen den Versuch einer Gruppe junger Männer, in das Cockpit einzudringen, behaupten muss.

Filmdaten
Originaltitel7500
ProduktionslandDeutschland, Österreich
OriginalspracheEnglisch, Deutsch, Türkisch, Arabisch
Erscheinungsjahr2019
Länge92 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegiePatrick Vollrath
DrehbuchPatrick Vollrath,
Senad Halilbašić
ProduktionJonas Katzenstein,
Maximilian Leo
KameraSebastian Thaler
SchnittHansjörg Weißbrich
Besetzung

HandlungBearbeiten

Für den Kopiloten Tobias Ellis scheint es ein ganz normaler Arbeitstag zu werden. Wie immer bereitet er routiniert den Start des Flugzeugs vor und bringt den Airbus A319 gemeinsam mit dem älteren und erfahreneren deutschen Piloten Michael Lutzmann sicher in die Luft. Es soll von Berlin nach Paris gehen. Auch Tobias' deutsch-türkische Freundin Gökçe, die als Stewardess für dasselbe Unternehmen arbeitet, befindet sich ebenfalls an Bord.

Doch dann hört man an Bord des Flugs 7500 plötzlich Geschrei. Drei muslimische Extremisten versuchen das Cockpit zu stürmen. Als es Kinan gelingt, sich hineinzuwinden und Michael schwer zu verletzen, schlägt ihn Tobias bewusstlos und fesselt ihn an einem Sitz im Cockpit. Lediglich über einen Schwarz-Weiß-Monitor kann Tobias sehen, was draußen geschieht. Manchmal ist es zu viel für ihn, weshalb er das Gerät ausschaltet. Um die Passagiere an Bord des Flugzeugs nicht zu gefährden, muss er dennoch mit den Männern verhandeln. Alle wollen sie einfach nur überleben, doch dazu brauchen sie den jeweils anderen. Dann gelingt es dem 18-jährigen Terroristen Vedat doch in das Cockpit zu gelangen.[2]

ProduktionBearbeiten

Regie führte Patrick Vollrath, der gemeinsam mit Senad Halilbašić auch das Drehbuch schrieb.[3] Es handelt sich um Vollraths Langfilmdebüt, der für seinen Abschlussfilm Alles wird gut mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde. Ebenso erhielt der Film im Rahmen der Oscarverleihung 2016 eine Nominierung als bester Kurzfilm.

7500, der Titel des Films, bezieht sich nicht nur auf die Nummer des Airbus-Flugs. Die Zahlenkombination 7500 ist in der internationalen Luftfahrt auch der Emergency Code für eine Flugzeugentführung.[4][5]

Der Film erhielt vom Deutschen Filmförderfonds eine Projektförderung in Höhe von 681.711,68 Euro. Zudem erhielt er von der Film- und Medienstiftung NRW eine Vorbereitungsförderung in Höhe von 60.000 und eine Produktionsförderung in Höhe von 800.000 Euro. Weitere Produktionsförderungen kamen vom BKM (500.000 Euro), von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (200.000 Euro), von der Filmförderungsanstalt (350.000 Euro) und von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (200.000 Euro).

 
Joseph Gordon-Levitt spielt den Ko-Piloten Tobias Ellis

Die Hauptrolle des Kopiloten Tobias Ellis wurde mit Joseph Gordon-Levitt besetzt.[6] Carlo Kitzlinger spielt seinen Kollegen, den Flugkapitän Michael Lutzmann.[7] Aylin Tezel ist in der Rolle von Tobias' deutsch-türkischer Freundin Gökçe zu sehen, die auf dem gleichen Flug als Stewardess arbeitet.[7]Murathan Muslu spielt den Flugzeugentführer Kinan / Kenan, Omid Memar seinen 18-jährigen Komplize Vedat[7] und Paul Wollin den Anführer der Extremisten Daniel.[3]

Die Dreharbeiten fanden zwischen 31. Oktober[8] und 5. Dezember 2017 in den MC Studios in Köln statt. Als Kameramann fungierte Sebastian Thaler. Das Szenenbild stammt von Thorsten Sabel, die Kostüme von Christine Zahn.[5]

Im Mai 2019 sicherten sich die Amazon Studios beim Marché du Film in Cannes die globalen Rechte am Film.[9] Im August 2019 wurde er beim Locarno Festival vorgestellt[10], wo der Film seine Weltpremiere feierte.[11][12] Ende September, Anfang Oktober 2019 wurde er beim Filmfest Hamburg gezeigt.[13] Im Oktober 2019 ist eine Vorstellung beim Film Festival Cologne geplant.[14] Am 26. Dezember 2019 soll der Film in die deutschen Kinos kommen.[15]

Produziert wurde der Film von der deutschen augenschein Filmproduktion, Koproduzent war die österreichische Film AG Produktions GmbH (zuvor Novotny & Novotny). Beteiligt waren der Bayerische Rundfunk, der Südwestrundfunk und Arte Deutschland.[16][17]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

Boyd van Hoei von The Hollywood Reporter schreibt, Patrick Vollraths Entscheidung, die aristotelischen Einheiten von Aktion, Zeit und Raum beizubehalten, sei interessant. Neben den wenigen Passagieren, die vor der Kamera an der Cockpittür vorbeikommen, seien die Passagiere des Flugzeugs nie zu sehen. Dieser Umstand stelle den Regisseur jedoch auch vor das Problem, die 90 Minuten füllen zu müssen, wobei im Cockpit nur begrenzt Platz für Figuren oder Aktionen vorhanden ist. Van Hoei bemängelt die glaubhafte Darstellung der Motivation der Terroristen, die sich scheinbar nur am Westen rächen wollen, weil der Westen Muslime tötet. Vollrath versuche vielleicht, die Welt als globalisierten Schmelztiegel zu kommentieren, indem er Tobias eine halbtürkische Freundin und ein vierteltürkisches Kind schenkt, dies fühle sich jedoch größtenteils wie ein Tokenismus an, denn obwohl der US-Amerikaner mit seiner Freundin und seinem Sohn in Deutschland arbeitet und lebt, hat Tobias keine Mühe unternommen, auch nur ein bisschen Deutsch oder Türkisch zu lernen. Auch wenn sich in der Beziehung zwischen Vedat und Tobias am Ende des Films ein gewisses Verhalten wie beim Stockholm-Syndrom einschleicht, habe dies nicht den Raum, den es braucht, um glaubwürdig entwickelt zu werden. Van Hoei hebt die großartige Arbeit von Kameramann Sebastian Thaler und der Produktionsdesigner Thorsten Sabel hervor, die ein Cockpit mit relativ rauer und sparsamer Beleuchtung geschaffen hätten, das überzeugend aussieht und gleichzeitig als Raum für die dramatischen Kämpfe und schwierigen Entscheidungen dient, die dort zu treffen sind.[3]

Patrick Heidmann von den Stuttgarter Nachrichten erwähnt in seinem Artikel über das Locarno Filmfestival, dass vor allem die erste Filmhälfte von 7500 "meisterliches Genre-Kino" sei. Vollrath würde gerade mit Blick auf das beschränkte Setting Beachtliches leisten. Außerdem dürfe man davon ausgehen, "dass von Vollrath in den kommenden Jahren noch einiges zu erwarten" sei.[18]

Patrick Wellinski vom Deutschlandfunk Kultur bezeichnet den Film als "präzises Genre-Werk", das "sehr gekonnt die Genre-Codes bedient, und auf engstem Raum, eben nur im Cockpit, auch etwas klaustrophobisches hat."[19]

Günter H. Jekubzik von der Gilde deutscher Filmkunsttheater bemerkt, bei allen Unterschieden zu den üblichen Flugzeugentführungen, bei denen Präsidenten wie in Air Force One oder Jodie Foster in Flightplan in erstaunlich weitläufigen Maschinen die Kontrolle zurückgewinnen, habe 7500 vor allem eines mit ihnen gemeinsam: „Er ist extrem spannend!“ Der entscheidende Unterschied neben der Konzentration auf engen Raum liege im Fokus auf der Psychologie statt auf Action, wobei Tobias Ellis nicht so sehr gegen seine Gegner kämpfe, sondern für das Überleben aller, selbst seiner Gegner, wozu auch das Überwinden niederer Rachegefühle gehöre, die fast alle solcher Filme befeuerten, so Jekubzik.[20]

AuszeichnungenBearbeiten

Filmfest Hamburg 2019

Locarno Festival 2019

  • Nominierung für den Variety Piazza Grande Award (Patrick Vollrath)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für 7500. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 186827/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Boyd van Hoei: '7500': Film Review. In: The Hollywood Reporter, 9. August 2019.
  3. a b c Boyd van Hoei: '7500': Film Review. In: The Hollywood Reporter, 9. August 2019.
  4. Geheimes Notsignal gefunkt: Code „7500“ - Passagierjet zur Landung gezwungen. In: RP ONLINE. 3. Juni 2005, abgerufen am 10. September 2019.
  5. a b 7500. In: augenschein-filmproduktion.de. Abgerufen am 12. Juli 2019.
  6. Dave McNary: Joseph Gordon-Levitt to Replace Paul Dano in Thriller '7500'. In: Variety, 31. Oktober 2017.
  7. a b c Guy Lodge: Locarno Film Review: Joseph Gordon-Levitt in ‘7500’. In: Variety, 9. August 2019.
  8. augenschein Filmproduktion. In: Facebook. Abgerufen am 10. September 2019.
  9. Amazon sichert sich den Thriller „7500“ mit Joseph Gordon-Levitt. In: MMC Film & TV Studios Cologne, 22. Mai 2019.
  10. Melanie Goodfellow: Locarno Film Festival unveils 2019 line-up. In: screendaily.com, 17. Juli 2019.
  11. Flugzeug-Thriller „7500“ feiert am 9. August Weltpremiere beim 72. Locarno Festival. In: MMC Film & TV Studios Cologne, 17. Juli 2019.
  12. Filmfestival Locarno: Beifall für Vollraths Thriller „7500“. In: orf.at, 9. August 2019.
  13. 7500. In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 10. September 2019.
  14. Film Festival Cologne: Festivalprogramm. In: filmfestival.cologne. Abgerufen am 5. Oktober 2019.
  15. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 10. August 2019.
  16. 7500. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 10. August 2019.
  17. 7500 bei crew united. Abgerufen am 10. August 2019.
  18. Patrick Heidmann: Filmfestival Locarno: Dunkle Stille in der Favela. In: Stuttgarter Nachrichten, 11. September 2019.
  19. Patrick Wellinski: 72. Filmfestspiele in Locarno – Regisseur Pedro Costa gewinnt Goldenen Leoparden. In: Deutschlandfunk Kultur, 11. September 2019.
  20. Günter H. Jekubzik: 7500. In: programmkino.de. Abgerufen am 22. August 2019.
  21. Nominierungen: Art Cinema Award. In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 28. September 2019.