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Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

deutsche nichtstaatliche Seenotrettungsorganisation

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist die deutsche nichtstaatliche Seenotrettungsorganisation, die für den Such- und Rettungsdienst (SAR: Search and Rescue) bei Seenotfällen im deutschen Teil der Nord- und Ostsee zuständig ist. Für diese Aufgabe werden 59 Rettungsboote unterschiedlicher Größe auf 55 Stationen eingesetzt.

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)
Logo
Rechtsform Altrechtlicher Verein
Gründung 29. Mai 1865, Kiel
Gründer Konsul Hermann Henrich Meier
Sitz D-28199 Bremen
Werderstraße 2
Deutschland (Koordinaten: 53° 4′ 14,2″ N, 8° 48′ 27,5″ O)
Vorläufer Zusammenschluss regionaler Vereine zur Seenotrettung
Motto Rausfahren, wenn andere reinkommen!
Schwerpunkt gemeinnützige Hilfsorganisation zur Seenotrettung
Aktionsraum Deutsche Nord- und Ostsee
Personen Adolph Bermpohl
Georg Breusing
Arwed Emminghaus
Eigentümer Vorsitzer: Gerhard Harder, Bremen
Umsatz rd. 40 Mio. Euro
freiwillige Zuwendungen aus
Spenden, Nachlässen und Bußgeldern
Mitarbeiter 100 + 180 (Seenotretter)
Freiwillige 800 (davon 35 Frauen)
Website seenotretter.de

Die DGzRS erhält keine staatlichen Gelder und deckt den größten Teil ihrer Kosten durch freiwillige Zuwendungen.

Aufgaben und OrganisationBearbeiten

 
Wirtschaftszonen in der Nordsee, der Entenschnabel entspricht dem deutschen Anteil

Die Gesellschaft, wie die DGzRS an der Küste auch kurz genannt wird, führt ihre Aufgaben eigenverantwortlich und unabhängig durch. Einsatzzentrale für alle Maßnahmen im maritimen SAR-Dienst der Bundesrepublik ist die Seenotleitung Bremen, die jederzeit über Bremen Rescue Radio erreicht werden kann. International tritt sie als Maritime Rescue Coordination Center Bremen (MRCC Bremen) auf und überwacht die deutschen Hoheitsgewässer und die deutschen ausschließlichen Wirtschaftszonen, die bis zu 400 Kilometer wie ein „Entenschnabel“ in die Nordsee reichen. Über eine Küstenlinie von insgesamt 3.660 Kilometer unterhält die DGzRS 55 Rettungsstationen (Stand 2018) zwischen der Emsmündung im Westen (westlichste Station ist Borkum) und der Pommerschen Bucht im Osten (östlichste Station ist Ueckermünde). Darüber hinaus ist das MRCC Bremen auch international tätig, da es gemäß SAR-Abkommen im Verbund mit den angrenzenden Staaten und deren MRCC arbeitet und für deutsche Schiffe und deutsche Seeleute jederzeit und an jedem Punkt der Erde Unterstützung bietet.

 
DGzRS-Zentrale in Bremen

Zusätzlich zu den Rettungsstationen unterhält die Gesellschaft eine SAR-Schule in Bremen mit einer Außenstelle in Neustadt in Holstein, bei der für Übungszwecke ausgemusterte Rettungsboote zur Verfügung stehen. Der Gesellschaft gehören 279 festangestellte Beschäftigte an, von denen 180 als Seenotretter die Besatzung der 20 Seenotrettungskreuzer stellen. Die Freiwilligenstationen mit den Seenotrettungsbooten werden von 800 ehrenamtlichen Seenotrettern besetzt. Weitere fast 600 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen die Gesellschaft an Land bei ihren Spendensammlungen, Vorträgen oder Messen.[1] Sitz der Gesellschaft ist Bremen.

Seit 1872 ist die DGzRS vom Bremer Senat als juristische Person anerkannt und gilt damit als Altrechtlicher Verein, der nicht den Zusatz „e. V.“ führt. Nachdem die Bundesrepublik Deutschland am 19. April 1982 dem internationalen Übereinkommen von 1979 über Suche und Rettung auf See (SAR) offiziell beigetreten war mussten die Vertragsvorgaben für die Bundesrepublik Deutschland umgesetzt werden. Da die SAR-Dienste auf See schon vorher durch die DGzRS wahrgenommen wurden, hat das zuständige Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) der DGzRS den staatlichen Auftrag erteilt, die Such- und Rettungsaktivitäten im deutschen Seegebiet zu koordinieren.

Die DGzRS ist Vollmitglied der International Maritime Rescue Federation (IMRF), einem weltweiten Bündnis der Seenotrettungsdienste[2], die alle vier Jahre den World Maritime Rescue Congress veranstaltet.

FinanzierungBearbeiten

Die Gesellschaft ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation und finanziert ihren Kernauftrag – die Suche und Rettung von Menschen – durch freiwillige Zuwendungen, wozu auch Bußgelder aus der Einstellung von Strafverfahren zählen. Technische Hilfeleistungen stellt sie zumindest teilweise in Rechnung, Krankentransporte bekommt sie von den Krankenkassen erstattet.[3] Steuergelder erhielt sie nach eigenen Angaben nur jeweils nach den beiden Weltkriegen zum Wiederaufbau ihrer Rettungsflotte, seit 1957 gar nicht mehr.[1] Einnahmen stammen z. B. aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden (ca. 74–76 %), Nachlässen, Kondolenzen u. Ä. (ca. 7–8 %), Beiträgen aus der Schifffahrt (ca. 7–9 %), Sammelschiffchen (ca. 6 %) sowie Zuwendungen aus Bußgeldern (ca. 3–5 %). 2017 beliefen sich die allgemeinen Sammlungserlöse auf 23,1 Mio. Euro. Zusammen mit den zweckgebundenen außergewöhnlichen Spenden und den Zuwendungen aus Stiftungen und Erbschaften betrugen die Gesamteinnahmen 39,5 Mio. Euro.[1]

Von den gesamten Einnahmen gehen jedes Jahr rd. 85 % in den Rettungsdienst, 10 % sind für Öffentlichkeitsarbeit und 5 % Verwaltungskosten. Eine interne Revision sowie ein Wirtschaftsprüfer sorgen für eine regelmäßige Kontrolle der anvertrauten Mittel. Daneben wird die DGzRS regelmäßig durch das Finanzamt auf ihre Gemeinnützigkeit überprüft. Als Mitglied des Deutschen Spendenrats e. V. hat sich die DGzRS verpflichtet ihre Strukturen, Tätigkeiten, Projekte und Finanzen offen zu legen und in einem Jahresbericht Rechenschaft über ihre Arbeit abzulegen.

Die Sammelschiffchen (Spendendosen) in Form eines Ruderrettungsbootes gehören in den Küstenländern zum Alltag und haben in vielen öffentlichen Einrichtungen und Lokalen einen „Ankerplatz“, um möglichst vielen Menschen die Gelegenheit zu bieten, das Schiffchen zu „beladen“. Als Anerkennung ihrer Arbeit widmete die Deutsche Bundespost zum 125-jährigen Bestehen der DGzRS eine Briefmarke mit dem Motiv des Sammelschiffchens.

GeschichteBearbeiten

 
DGzRS Technik und Einsatz, 1880
 
Alte Ansicht des Borkumer Rettungsschuppens
 
SRB Weser (1961)

Die erste deutsche Rettungsstation wurde 1802[4] in Memel, dem heutigen Klaipėda gegründet. Die Kaufmännische Korporation stiftete ein mit Lotsen bemanntes Rettungsboot. Erstmals in Deutschland versuchte man 1827 in den flachen Küstengewässern bei Memel, Bergeleinen mit Hilfe von Kanonen zu gestrandeten Schiffen zu schießen.[5] 1839 kam die private Einrichtung unter staatliche Verwaltung.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts verunglückten jährlich circa 50 Schiffe vor den deutschen Nordseeinseln. Mangelnde Ausrüstung und das noch geltende Strandrecht verhinderten oft Rettungsmaßnahmen. Eines der Unglücke war der Untergang der Johanne 1854 vor Spiekeroog, der 84 Auswanderern das Leben kostete. Von solchen Katastrophen bewegt, folgten Aufrufe zur Bildung eines nationalen Rettungswerkes. Aber erst 1861 wurden unabhängig voneinander in Emden, Bremerhaven und Hamburg Rettungsvereine gegründet. Die ersten Rettungsstationen wurden auf Juist und Langeoog eingerichtet.

Am 29. Mai 1865 vereinigten sich in Kiel diese Gesellschaften zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit dem Ziel, Menschen aus Seenot zu retten. Zu den Initiatoren gehörten Adolph Bermpohl, Georg Breusing und Arwed Emminghaus. Erster Vorsitzer[6] war der Mitbegründer des Norddeutschen Lloyds Konsul Hermann Henrich Meier. Besonders an der DGzRS interessiert zeigte sich Heinrich Prinz von Preußen. Ab 1887 unterhielt die DGzRS auch in Pillau, Memel und Mellneraggen Stationen. 1910 bestand vor der ganzen deutschen Küste von Borkum bis Nimmersatt (Ostpreußen) ein durchgehendes und einheitlich ausgerüstetes Netz mit 129 Stationen.[5]

Während des Zweiten Weltkrieges waren die Einheiten mit dem Roten Kreuz versehen und standen unter dem Schutz der Genfer Konventionen. Es erfolgten neben den üblichen Rettungseinsätzen von Seeleuten auch Rettungseinsätze zu Gunsten von abgeschossenen Fliegern aller Kriegsparteien.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und durch die Deutsche Teilung verlor die Gesellschaft einen großen Teil ihrer Stationen an der Ostsee. In der DDR wurde parallel der Seenotrettungsdienst der DDR aufgebaut. Mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 kehrte die Gesellschaft auf ihre angestammten Stationen zwischen Poel und Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern zurück und übernahm die Stationen des Seenotrettungsdienstes der DDR.

An der Werderstraße 2/4 entstand bis 1954 nach Plänen von Friedrich Schumacher der Hauptsitz der DGzRS.

Seit 2008 bezeichnet sich die Gesellschaft in der Öffentlichkeit als DGzRS – Die Seenotretter. Über die DGzRS Service GmbH werden Merchandising-Artikel der Gesellschaft vertrieben.

EinsatzstatistikBearbeiten

Die Besatzungen der 59 Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote in Nord- und Ostsee werden pro Jahr über 2.000 mal zu einem Einsatz gerufen. Das sind im Durchschnitt sechs Einsätze pro Tag. Erstes Ziel ist es Menschenleben auf See zu retten oder aus drohender Gefahr zu befreien. Mit Stand vom Ende des Jahres 2018 sind in der Gesamtbilanz seit dem Bestehen der Gesellschaft 84.883 Menschen aus Seenot gerettet oder aus lebensbedrohenden Situationen befreit worden.[8]

Neben der Seenotrettung übernimmt die Gesellschaft den Transport von erkrankten oder verletzten Menschen, die von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland gebracht werden müssen. Um Schiffe und Boote vor dem Totalverlust zu bewahren fahren die Seenotretter pro Jahr ca. 1.000 Hilfseinsätze für Wasserfahrzeuge aller Art und sichern Einsätze anderer Institutionen. Zum Erhalt der Revierkenntnisse der Besatzungen werden regelmäßig Kontrollfahrten durchgeführt, um auch bei schlechten Witterungsverhältnissen sicher manövrieren zu können. Leitspruch der Seenotretter: "Wir können das - wir machen das."

Einsatzstatistik der letzten 5 Jahre
2018 2017 2016 2015 2014
Anzahl Stationen 55 54 54 54 54
Anzahl Rettungsboote 59 60 60 60 60
Anzahl Einsätze 2.156 2.056 2.019 2.091 2.183
Anzahl Menschen aus Seenot gerettet 38 58 56 55 55
Anzahl Menschen aus drohender Gefahr befreit 318 432 621 483 713
Personentransporte von Schiffen und Inseln zum Festland 369 467 368 400 438
Anzahl Schiffe/Boote vor Totalverlust bewahrt 56 60 47 63 64
Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge 1.012 890 1003 941 981
Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten 613 537 501 568 569
Kontrollfahrten 2.741 2.633 2.843 2.827 3.072

Die Station Laboe war 2017 die Station mit den meisten Einsätzen und wurde 123 mal gefordert - im Durchschnitt alle drei Tage. Pro Jahr fahren allein die 20 Seenotrettungskreuzer rund 70.000 Seemeilen oder rund 130.000 Kilometer und damit mehr als drei mal um die Erde.

Flagge mit HansekreuzBearbeiten

Seit 150 Jahren führt die DGzRS das rote Hansekreuz auf weißem Grund mit dünnem schwarzen Rand als allgemeines Erkennungszeichen. Die Farben Rot und Weiß waren die Farben der Hanse und zierten die Stadtflaggen einiger Hansestädte. Der Norddeutsche Bund genehmigte Flagge und Farben der DGzRS per Erlass am 23. Mai 1868. Die rechteckige Dienstflagge wird auf Schiffen, Booten und Rettungsstationen gezeigt und das runde Emblem kennzeichnet sämtliches Inventar vom Schiff bis zur Rettungsweste.

150. JubiläumBearbeiten

Mit einem großen Fest beging die Gesellschaft ihr 150-jähriges Gründungsjubiläum im Mai 2015. Der damalige Schirmherr, Bundespräsident Joachim Gauck, würdigte die Arbeit der Seenotretter bei einem Festakt im Bremer Rathaus. In Bremen und Bremerhaven wurden ein neues Seenotrettungsboot und ein neuer Seenotkreuzer getauft. Außerdem fand in Bremerhaven eine Ausstellung von Seenotrettungsschiffen (Open Ship) aus aller Welt und die Internationale Konferenz der Seenotrettungsdienste statt. Das Bundesministerium der Finanzen hat zu Ehren der Seenotretter ein Sonderpostwertzeichen im Wert zu 62 Cent und eine 10-Euro-Gedenkmünze als gesetzliches Zahlungsmittel herausgegeben.[9] Zur Würdigung um die Leistungen der Gesellschaft wurde ihr im Jahr 2015 zudem der Tourismuspreis Mecklenburg-Vorpommern überreicht.

FlotteBearbeiten

 
Schiffslogo der DGzRS
 
Zusammenarbeit zwischen SAR-Helikopter und Seenotkreuzer

Wie bei allen Seenotrettungsorganisationen bestand die Flotte der DGzRS anfangs rein aus offenen Ruderrettungsbooten (RRB), die später auch eine Hilfsbesegelung erhielten. Für die Seenotretter gab es als Sicherung Korkschwimmwesten und für die Strandrettung kamen einfache Raketenapparate mit Hosenbojen hinzu. Erst 50 Jahre nach ihrer Gründung setzte eine 'zaghafte' Motorisierung der Boote ein, deren Technik jedoch zunächst noch sehr unzuverlässig war. Erst mit der Entwicklung kompakter und robuster Dieselmotoren erfolgte Mitte der 1920er Jahre der Beschluss, nur noch gedeckte Neubauten mit Dieselantrieb in Dienst zu stellen. Diese wurden als Küstenrettungsboot (KR) oder -schiff (KRS) bezeichnet. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs stieg deren Anzahl auf 40 Einheiten an. Daneben existierten immer noch 52 Ruderrettungsboote. Die letzten im Krieg gebauten Motorrettungsboote erhielten als Neuerung erstmals einen Turmaufbau, der dem Vormann eine deutlich bessere Übersicht und größere Sichtweite bot.

In den 1950er Jahren, nach ihrer finanziellen Konsolidierung, begann man sich Gedanken bei der DGzRS zu einem Motorrettungsboot der Zukunft zu machen. Abgeleitet vom Wandel im Seeverkehr zu immer größeren Schiffen und Schifffahrtswegen weitab von den Küsten wurden neue Anforderungen formuliert, die auch dem technischen Fortschritt im Schiffsbau und der Motorenentwicklung Rechnung trugen. Im Vergleich zu den vorhandenen Booten sollte der neue Typ die doppelte Höchstgeschwindigkeit erreichen können und eine unbegrenzte Seetüchtigkeit auch bei extrem schlechten Wetter aufweisen. Dazu sollten die Boote auch in den ausgedehnten Flachwassergebieten im Wattenmeer der Nordsee problemlos eingesetzt werden können. Dies war die Geburtsstunde für ein Tochterboot, das in einer Heckwanne mitgeführt wird. Erstes Ergebnis dieser Entwicklung war die Indienststellung des Seenotkreuzers Hermann Apelt im Jahr 1955. Aus diesem Einzelstück der „neuen Generation“ mit Tochterboot wurde mit den Erkenntnissen aus den Rettungseinsätzen eine neue Klasse geschaffen, mit der eine neue, wegweisende Ära im Bau moderner, vielseitig einsetzbarer Seenotrettungskreuzer begann. Das Typschiff Theodor Heuss wurde 1957 in Dienst gestellt. Mit der Selbstaufrichtung und seinen drei Motoren, die für 20 Knoten Fahrt reichten, war er ein viel beachteter innovativer Schiffstyp. In der Folgezeit sind alle neuen Rettungsboote nach diesem Prinzip gebaut und weiterentwickelt worden.[10]

Als Rückgrat stehen heute für den SAR-Dienst 20 moderne und leistungsstarke Seenotrettungskreuzer (SRK) zur Verfügung. Mit einer professionellen Besatzung sind diese Boote auf 18 Stationen rund um die Uhr in ständiger Bereitschaft und sofort zum Auslaufen bereit. Ergänzt wird diese Flotte durch die mit Freiwilligen besetzten 39 Seenotrettungsboote (SRB). Bei einer durchschnittlichen Betriebszeit der Einheiten von rund 30 Jahren ergibt sich ein Erneuerungsbedarf von 2 Einheiten, die jedes Jahr in Dienst gestellt werden müssen. Für eine hohe Seetüchtigkeit sorgt die bewährte Netzspantenbauweise aus seewasserbeständigem Aluminium, durch die auch harte Grundberührungen in den ausgeprägten Flachwassergebieten der Nordsee gut überstanden werden. Standardantriebssystem sind Dieselmotoren mit Schraubenantrieb.

Die Flotte der DGzRS für das 21. JahrhundertBearbeiten

Tabelle der Bootsklassen der DGzRSBearbeiten

 
SRK der 23,1-Meter-Klasse als zukünftige Reserve
 
erstes neues Seenotrettungsboot für schnelle, kurze Einsätze
Seenotrettungskreuzer
Klasse Länge
als Lüa
maximale
Geschwindigkeit
Besatzung gesamt
Motorleistung
in Dienst seit Anzahl
gebaut
davon
dienstbereit
Reserve
28-Meter-Klasse 27,90 m 24 Knoten 4 2.880 kW 2014 3 3 0
36,5-Meter-Klasse 36,45 m 25 Knoten 5 4.785 kW 2010 1 1 0
20-Meter-Klasse 19,90 m 22 Knoten 3 1.232 kW 2008 6 6 0
46-Meter-Klasse 46,0 m 25 Knoten 7 6.803 kW 2003 1 1 0
23,1-Meter-Klasse 23,10 m 23 Knoten 4 1.986 kW 1996 4 4 0
27,5-Meter-Klasse 27,50 / 28,20 m 23 Knoten 4 2.420 kW 1985 6 3 0
23,3-Meter-Klasse 23,30 m 20 Knoten 4 1.430 kW 1980 7 0 2
Seenotrettungsboote
8,9-Meter-Klasse 8,90 m 38 Knoten 3–4 294 kW 2018 2 2 0
10,1-Meter-Klasse 10,10 m 18 Knoten 3–4 279 kW 2003 17 17 0
9,5-Meter-Klasse 9,41 m 18 Knoten 3–4 235 kW 1999 12 12 0
8,5-Meter-Klasse 8,52 / 8,28 m 18 Knoten 3–4 158 kW 1987 18 6 0
7,0-Meter-Klasse 7,0 m 24 Knoten 3–4 215 kW 1993 4 3 0
Stand : 2018

ZukunftBearbeiten

Die Anforderungen an die Seenotrettung werden in naher Zukunft weiter ansteigen, zum einen durch eine zu erwartende Wetterverschlechterung, verursacht durch die Klimaerwärmung, und zum anderen durch den stark steigenden Verkehr, vor allem in der Ostsee (z. B. der Ölverkehr aus Russland und dem Baltikum, aber auch durch steigenden Passagier- und Freizeitverkehr). Dem trägt die Gesellschaft durch weitere Modernisierungen und Umstationierungen der Flotte Rechnung. Dazu werden die Kreuzer der 27,5-m-Klasse und der 23,3-m-Klasse sowie die Seenotrettungsboote der 8,5-m-Klasse schrittweise durch Neubauten ersetzt.

Aktuell (9/2019) sind zwei Kreuzer der 28-Meter-Klasse (SK 40 und 41) und drei Seenotrettungsboote der 10,1-m-Klasse (SRB 75, 77 und 78) im Bau zur Indienststellung im Jahr 2020.

Die Boote zur Ablösung und UmstationierungBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

1866 stiftete die Gesellschaft eine Auszeichnung für die Rettung aus Seenot, die Gesellschaftsmedaille. Hinzu kam die Laeisz-Medaille, die aus einer 1892 vom Verein zur Rettung Schiffbrüchiger auf hoher See zu Hamburg in die Gesellschaft eingebrachten Stiftung herrührte. Allein bis 1911 sind aus der Laeisz-Stiftung für 2926 gerettete Menschenleben 14 große goldene, 68 kleine goldene, 186 große silberne und 169 kleine silberne Medaillen und in bar Mark 45398 verliehen worden.[11]

1955 vereinigte die Gesellschaft die beiden Medaillen und stiftete an ihrer Stelle die Medaille für Rettung aus Seenot am Bande der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in drei Stufen: Bronze, Silber und Gold. Die Verleihung erfolgt durch den Gesellschaftsvorstand.[12]

Schirmherr und BootschafterBearbeiten

 
Frank-Walter Steinmeier, als Bundespräsident auch Schirmherr der Seenotretter

Bereits der preußische König Wilhelm I. hatte die Schirmherrschaft über das Rettungswerk übernommen. Seit 1950 ist der amtierende deutsche Bundespräsident Schirmherr der Gesellschaft. Zudem ernennt die DGzRS seit dem Jahr 2000 jährlich eine prominente Persönlichkeit zum „Bootschafter“, die ehrenamtlich für die Seenotrettung wirbt.

 
Bernd Flessner, Bootschafter 2019
Liste der Bootschafter
Jahr Name Beruf
2000 Reinhard Mey Liedermacher
2001 Jörg Kachelmann Moderator, Journalist
2002 Carmen Nebel Fernsehmoderatorin
2003 Godewind Musikgruppe
2004 Otto Sander Schauspieler
2005 Achim Reichel Musiker, Komponist, Produzent
2006 Birgit Fischer Kanurennsportlerin
2007 Jan Fedder Schauspieler
2008 Thomas Schaaf Fußballtrainer
2009 Bettina Tietjen Fernsehmoderatorin
2010 Tim Mälzer TV-Koch
2011 Uwe Friedrichsen Schauspieler
2012 Frank Schätzing Schriftsteller
2013 Yared Dibaba Fernsehmoderator
2014 Klaus Lage Musiker
2015 Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Orchester
2016 Markus Knüfken Schauspieler
2017 Heike Götz Moderatorin
2018 Till Demtrøder Schauspieler
2019 Bernd Flessner Windsurfer

Tag der SeenotretterBearbeiten

Jeweils am letzten Juli-Wochenende präsentiert die DGzRS auf vielen ihrer Stationen ihre Seenotrettungskreuzer und Seenotrettungsboote. Besucher können die Rettungseinheiten besichtigen, Vorführungen erleben und mit den Besatzungen ins Gespräch kommen. Die Einsatzbereitschaft der Rettungsflotte bleibt dabei stets gewahrt. Der erste Tag der Seenotretter fand unter dem Motto „Mayday“ am 5. Mai 1996 ausschließlich in der Zentrale der DGzRS statt. Seit 1999 veranstaltet die DGzRS den Tag der Seenotretter jährlich auf ihren Rettungsstationen an der Küste und auf den Inseln.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. In: Die Gartenlaube. Heft 22, 1866, S. 343/344 (Volltext [Wikisource]).
  • H. v. C.: Deutsche Rettungsstationen. In: Die Gartenlaube. Heft 17, 1867, S. 268–270 (Volltext [Wikisource] – mit Illustration).
  • Ein deutsches Normal-Rettungsboot. In: Die Gartenlaube. Heft 32, 1868, S. 501–512 (Volltext [Wikisource]).
  • Petersen’s Rettungsboot erprobt! In: Die Gartenlaube. Heft 35, 1868, S. 560 (Volltext [Wikisource]).
  • Ferdinand Lindner: Das Rettungswesen an der deutschen Küste. In: Die Gartenlaube. Heft 4, 1880, S. 60–64 (Volltext [Wikisource]).
  • Ulf Kaack, Andreas Lubkowitz, Antke Reemts: Hermann Marwede. Der größte Seenotkreuzer der DGzRS. Verlag Peter Kurze, Bremen 2003, ISBN 3-927485-45-4.
  • DGzRS – 140 Jahre, 140 Gedanken. DSV-Verlag, Hamburg, ISBN 3-88412-425-0.
  • Sven Claußen, Ulf Kaack: Die Seenotkreuzer der DGzRS. Geschichte, Geschichten und Technik. Verlag Peter Kurze, Bremen (in 3 Bänden)
  • Ulf Kaack: Die Seenotkreuzerklasse Eiswette. Konstruktion und Bau der DGzRS-Rettungseinheiten SK 30 und SK 31. Verlag Peter Kurze, Bremen 2009, ISBN 978-3-927485-93-8.
  • Ulf Kaack: Tödlicher Sturm: Die Rettungsfahrt der Vegesack. Die Seenotretter von Horumersiel. Verlag Peter Kurze, Bremen 2010, ISBN 3-927485-96-9.
  • Sven Claußen, Ulf Kaack: Deutsche Seenotkreuzer in aller Welt. Lizenzbauten, Seenotrettungsboote, Zollkreuzer und Unikate. Verlag Peter Kurze, Bremen 2010, ISBN 978-3-927485-95-2.
  • Retter auf hoher See: Freiwillig. selbstlos und kompetent. 150 Jahre Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). In: Schiff & Hafen, Heft 5/2015, S. 12–21.
  • Christian Stipeldey: Rausfahren, wenn andere reinkommen. 150 Jahre Seenotrettung in Deutschland. In: Hansa, Jubiläumsheft Januar 2014, S. 116–125.
  • Anne-Katrin Wehrmann: Lebensretter planen Notfall-Leitstelle für Unfälle in Offshore-Windparks. In: Hansa, Heft 3/2012, S. 96/98.
  • Stefan Kruecken, Jochen Pioch, Enver Hirsch, Thomas Steuer: Mayday! Seenotretter erzählen ihre besten Geschichten. Ankerherz Verlag, Hollenstedt/Nordheide 2017, ISBN 978-3-940138-79-8.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c DGzRS-Jahrbuch 2017
  2. Full Members. (Memento des Originals vom 3. Juli 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.international-maritime-rescue.org international-maritime-rescue.org, abgerufen am 3. Juli 2018.
  3. Wie ein Verein seit 150 Jahren Menschen aus Seenot rettet. In: Badische Zeitung. (badische-zeitung.de [abgerufen am 21. August 2017]).
  4. Wer wir sind. Abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  5. a b Hans Georg Prager: Das Seenotwerk begann in Ostpreußen. In: Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 47, 21. November 2009, S. 11
  6. Der erste Vorstand der DGzRS heißt seit jeher „Vorsitzer“ (siehe DGzRS: Wer wir sind)
  7. Zum 150 jährigen Jubiläum der DGzRS auf den Seiten des NDR
  8. Seenotretter mehr als 2.150 Mal auf Nord- und Ostsee im Einsatz. dgzrs.de, 16. Januar 2019
  9. Bundesregierung beschließt Zehn-Euro-Gedenkmünze zum Jubiläum der Seenotretter – 150 Jahre DGzRS (20. August 2014).
  10. Hans Knarr: Typenkompass Seenotkreuzer Pietsch Verlag (2013) ISBN 978-3-613-50743-2
  11. Ferdinand Dannmeyer: Seelotsen-, Leucht- und Rettungswesen: ein Beitrag zur Charakteristik der Nordsee und Niederelbe. 1911, S. 87
  12. Virtuelles Ordensmuseum, abgerufen am 11. Februar 2019