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Der Deutsche Spendenrat ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin und versteht sich als Dachverband Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen in Deutschland. Ihm gehören private und kirchliche Vereinigungen aus den Tätigkeitsbereichen der humanitären Hilfe sowie des Tier-, Arten- und Naturschutzes an.

Inhaltsverzeichnis

TätigkeitBearbeiten

Der Verein sieht es als seine Aufgaben an, sowohl die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung zu fördern als auch gegen unlautere Methoden der Spendenwerbung vorzugehen. Er betrachtet sich dabei als Instrument der freiwilligen Selbstkontrolle.[1]

Er setzt sich für die Stärkung von Transparenz und für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen im deutschen Spendenwesen ein. Dazu gehören u. a. auch die Entbürokratisierung und Vereinfachung des Gemeinnützigkeitsrechts und die Schaffung einheitlicher, klarer, verständlicher Rechnungslegungs- und Nachweispflichten für gemeinnützige Organisationen. Mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit den anderen Trägern im Bündnis für Gemeinnützigkeit ist z. B. das Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes (Ehrenamtsstärkungsgesetz) 2013 in Kraft getreten.[2]

Die Mitgliedsorganisationen müssen sich in einer Selbstverpflichtungserklärung zur Einhaltung von über die Einhaltung geltenden Rechts hinausgehenden Mindeststandards verpflichten.[3] Die Nichteinhaltung dieser Standards kann mit Sanktionen von Missbilligung und Rüge bis hin zum Ausschluss der Mitgliedsorganisation geahndet werden, wird aber nicht wirklich kontrolliert.[4]

Jährlich gibt die Organisation einen Bericht über Spendenaktivitäten heraus.[5]

OrganisationsstrukturBearbeiten

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fehlt Sekundärliteratur

Der Deutsche Spendenrat teilt sich in die folgenden Gremienstrukturen auf:

  • Mitgliederversammlung,
  • Vorstand,
  • Geschäftsführung,
  • Schiedsausschuss,
  • Wirtschaftsprüferausschuss.[6]

Die gemeinnützigen Mitgliedsorganisationen verpflichten sich, keine sittenwidrige Werbung einzusetzen und hohe Qualitätsstandards einzuhalten. Unter anderem sind Strukturen, Tätigkeiten und Finanzen im Rahmen eines Jahresberichts jährlich und transparent offenzulegen. Transparenz, Sicherheit, Glaubwürdigkeit, ethische Standards und Rechenschaft sind Stichworte, denen sich die Mitglieder des Deutschen Spendenrates bis heute verpflichtet wissen.[7] Die Mitglieder müssen sich jährlich in einer Selbstverpflichtungserklärung[8] zur Einhaltung über das geltende Recht hinausgehende Mindeststandards und zu den Grundsätzen des Deutschen Spendenrats verpflichten.[9] Die Einhaltung wird jährlich überprüft.

Im Jahr 2008 schloss der Verband die Deutsche Kinderhilfe aus, nachdem diese wegen ihres internen Umgangs mit Spenden kritisiert worden war und daraufhin Abmahnungen gegen einen großen Teil der übrigen Mitgliedsorganisationen versendet hatte.[10]

MitgliederaufnahmenBearbeiten

Mitglieder des Deutschen Spendenrates können nur spendensammelnde und im Sinne der Abgabenordnung gemeinnützige juristische Personen mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland sein. Die Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat können nur Organisationen beantragen, die als steuerbegünstigt anerkannt worden sind, d. h. dass sie gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen. Die Mitgliedschaft können rechtlich selbständige Organisationen beantragen.[11]

Ehrenamtlicher SchiedsausschussBearbeiten

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Der Schiedsausschuss entscheidet nach der Verfahrungsordnung des Schiedsausschusses über Beschwerden zu vereinsschädigendem Verhalten von Mitgliedsorganisationen. Beschwerden können sowohl durch Organe des Vereins, durch andere Mitgliedsorganisationen, als auch durch jede dritte Person vorgetragen werden. Der Schiedsausschuss kann Vorstand und Mitgliederversammlung bei gegebenem Anlass Disziplinarmaßnahmen (Missbilligungen, Rügen) Geldstrafe und den Vereinsausschluss eines Mitgliedes vorschlagen. Er entscheidet darüber hinaus über Beschwerden nach Maßgabe der Verfahrensordnung über die Erteilung des Spendenzertifikats des Deutschen Spendenrats.[12]

Ehrenamtlicher WirtschaftsprüfungsausschussBearbeiten

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Mit der Einrichtung des Beratungsgremiums der Wirtschaftsprüfer trägt der Deutsche Spendenrat zur weiteren Qualitätssicherung im Spendenwesen bei. Der Ausschuss, der aus unabhängigen Wirtschaftsprüfern/ Steuerberatern aus verschiedenen Regionen der Bundesrepublik besteht, berät ehrenamtlich Vorstand und Geschäftsführung des Deutschen Spendenrates, insbesondere in Fragen der Gemeinnützigkeit und Transparenz einschließlich deren praktischer Umsetzung. Die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrates werden durch das Beratungsgremium bei der Einhaltung und Umsetzung der Grundsätze des Deutschen Spendenrates unterstützt, soweit diese die Rechnungslegung der Mitgliedsorganisationen betrifft (Berichtskritik).[13]

GeschichteBearbeiten

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Der Verein wurde 1993 in Frankfurt am Main gegründet. Er sieht den Deutschen Presserat und den Deutschen Werberat als seine Vorbilder an.[14]

Der Deutsche Spendenrat setzt auf freiwillige Selbstkontrolle seiner Mitglieder.[15]

In der Folge traten ihm unter anderem der Deutsche Tierschutzbund, die deutsche Heilsarmee, World Vision Deutschland, der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter, der Bund gegen Missbrauch der Tiere, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, der Bundesverband Tierschutz, die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und die Vereinigung Geschenke der Hoffnung bei. Ende 2018 waren insgesamt 65 Organisationen Mitglied des Spendenrats.[16]

Für 2013 gab der Verein ein Spendenaufkommen von 4,7 Milliarden Euro bekannt.[17]

Seit 2016 bietet der Deutsche Spendenrat mit Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Projekt „Transparenz-leicht-gemacht“ ein Serviceangebot für gemeinnützige Organisationen an.[18][19]

Seit 2017 verleiht der Deutsche Spendenrat das Spendenzertifikat an seine Mitgliedsorganisationen, bei dessen Prüfverfahren externe Wirtschaftsprüfer die Qualitätskontrolle übernehmen.[20]

Der Verein hielt eine Beteiligung an der von Thomas Kreuzer geleiteten Deutschen Fundraising Akademie gGmbH.[21][22] Dabei handelt es sich um die erste private Bildungseinrichtung in Deutschland, die sich ausschließlich dem Fundraising verschrieben hat. 2015 trat der Verein seinen Anteil an Deutschen Fundraising Verband ab.[23]

SpendenzertifikatBearbeiten

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Das Spendenzertifikat des Vereins ist das einzige Prüfverfahren in Deutschland, bei dem externe Wirtschaftsprüfer die Qualitätskontrolle bei der Erlangung des Zertifikates übernehmen.[24][25]

Dabei wird eine zweckgerichtete, wirtschaftliche und sparsame Mittelverwendung der Spenden- und Fördermittelgelder sowie die Einhaltung der Grundsätze des Deutschen Spendenrats überprüft.[26] Nur Mitglieder des Deutschen Spendenrats können es erhalten. Sämtliche Mitglieder werden über einen Zeitraum von drei Jahren sukzessive geprüft. Die für drei Jahre gültige Verleihung belegt, dass die gemeinnützigen Mitgliedsorganisationen mit den ihnen anvertrauten Geldern verantwortungsvoll und transparent im Sinne der angegebenen Ziele und Regeln umgehen.[27] Für das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats fallen über die Mitgliedsbeiträge hinaus keine weiteren Kosten an. Das Spendenzertifikat genießt daher schon jetzt ein großes Ansehen bei Bundes- und Landesbehörden sowie den öffentlich-rechtlichen Medien- und Rundfunkanstalten (ARD und ZDF).[28] Es wurde 2017 das erste Mal an Mitgliedsorganisationen des Deutschen Spendenrats übergeben.

Prüfungsgrundlage zur Verleihung des Zertifikats sind die Grundsätze des Deutschen Spendenrats. Dazu gehören

  • das Vorhandensein eines klaren, aussagekräftigen, vollständigen und von einem Rechnungsprüfer geprüften Finanzberichts, in der Regel ein Jahresabschluss,
  • ein aussagekräftiger Projekt- und Tätigkeitsbericht,
  • Veröffentlichung von Werbe- und Verwaltungskosten,
  • das Vorhandensein interner Leitungs- und Kontrollmechanismen sowie
  • die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit.[29]

Die Kriterien werden anhand von Unterlagen geprüft, welche von den Organisationen zur Verfügung gestellt werden müssen:

  • ein vorhandener aktueller Freistellungsbescheid über die Gemeinnützigkeit der Organisation
  • ein vom jeweiligen internen Kassenprüfer/StB/WP bestätigter ausgefüllter Fragebogen,
  • die Veröffentlichung der sog. Mehr-Sparten-Rechnung des DSR (analog HGB)
  • der aktuelle Jahres- und Finanzbericht.[30]

Wenn die Voraussetzungen für das Spendenzertifikat nicht mehr vorliegen, kann dies aberkannt werden.[31]

Spendenverhalten in DeutschlandBearbeiten

Seit 2005 beauftragt der Deutsche Spendenrat die GfK SE kontinuierlich das Spendenverhalten und -aufkommen in Deutschland zu erfassen.[16] Die Ergebnisse werden zweimal jährlich in „Trends und Prognosen“ und der „Bilanz des Helfens“ veröffentlicht. Die "Bilanz des Helfens" ist ein Teilergebnis der Studie GfK CharityScope, die auf kontinuierlichen schriftlichen Erhebungen bei einer repräsentativen Stichprobe von 10.000 Panelteilnehmern basiert. GfK CharityScope ermittelt fortlaufend Daten zum Spendenverhalten von privaten Verbrauchern in Deutschland. Unter anderem werden Spendenvolumen, Spendenhöhe und bevorzugte Tätigkeitsbereiche abgefragt. Als Spende zählen die von deutschen Privatpersonen freiwillig getätigten Geldspenden an gemeinnützige Organisationen, Hilfs- sowie Wohltätigkeitsorganisationen und Kirchen.

Die Ergebnisse der Erhebungen werden regelmäßig in der aktuellen Tagespresse aufgegriffen.[32]

KritikBearbeiten

2010 kritisierte die Stiftung Warentest, das Mitgliedsorganisationen des Spendenrats gegen Regeln wie etwa die Selbstverpflichtung, auf Anfrage Spendenberichte zu versenden, verstießen.[33] 2016 revidierte die Stiftung Warentest dann ihre Auffassung und bezeichnete eine Mitgliedschaft im Spendenrat als positiv und als ein Zeichen, an dem man seriöse spendensammelnde Organisationen erkennen könne.[34]

Insbesondere der Skandal rund um UNICEF Deutschland im Jahr 2010 führte beim Deutschen Spendenrat, wie auch bei anderen Dachorganisationen der Spendenbranche, zu neuen Transparenz-Richtlinien.[35]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Darstellung der Vereinsziele
  2. Bündnis Gemeinnützigkeit. (buendnis-gemeinnuetzigkeit.org [abgerufen am 25. November 2018]).
  3. Text der Selbstverpflichtungserklärung
  4. Verfahrensordnung des Schiedsausschusses
  5. Markus C. Schulte von Drach: Besser helfen - mit schwerem Herzen. In: sueddeutsche.de. 29. September 2016, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 10. November 2018]).
  6. Deutscher Spendenrat. Abgerufen am 25. November 2018 (deutsch).
  7. "Aktion Deutschland Hilft" erhält Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats. Presseportal, 31. Mai 2017, abgerufen am 19. Januar 2019.
  8. Selbstverpflichtungserklärung. Abgerufen am 25. November 2018.
  9. Grundsätze. Abgerufen am 25. November 2018.
  10. Kristian Frigelj: Verstrickungen: Spendenrat schließt umstrittene Kinderhilfe aus. 3. Juni 2008 (welt.de [abgerufen am 18. Januar 2019]).
  11. Satzung des Vereins. Abgerufen am 25. November 2018.
  12. Verfahrensordnung des Schiedsausschuss. Abgerufen am 25. November 2018.
  13. Deutscher Spendenrat. Abgerufen am 25. November 2018 (deutsch).
  14. Geschichte des Deutschen Spendenrates auf dessen Website
  15. Kurt Bangert (Hrsg.): Handbuch Spendenwesen Bessere Organisation, Transparenz, Kontrolle, Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit von Spendenwerken. Wiesbaden 2011, S. 148.
  16. a b tagesschau.de: Immer weniger Deutsche spenden immer mehr. Abgerufen am 18. Januar 2019.
  17. Kerstin Papon: Die Deutschen spenden immer mehr, Frankfurter Allgemeine Zeitung, abgerufen am 3. März 2015
  18. Transparenz leicht gemacht. Abgerufen am 25. November 2018.
  19. BMFSFJ - Verbände, Stiftungen und Spenden. Abgerufen am 2. Dezember 2018.
  20. Spendenzertifikat. Abgerufen am 25. November 2018.
  21. Jahresbericht WP Hagemann, 8. März 2008 (PDF)
  22. Fundraising Akademie gGmbH: Sonderausgabe Fundraising-Ausbildung. Fundraising Akademie gGmbH, 2012, abgerufen am 10. November 2018.
  23. Deutscher Spendenrat: Jahresbericht 2015. Deutscher Spendenrat, 2016, abgerufen am 17. November 2018.
  24. 15 Organisationen bekommen neues Spendenzertifikat | epd. Abgerufen am 18. Januar 2019.
  25. ASB vom Deutschen Spendenrat zertifiziert. Abgerufen am 18. Januar 2019.
  26. Deutscher Spendenrat verleiht weitere Spendenzertifikate. In: Berliner Zeitung. Abgerufen am 18. Januar 2019.
  27. BMFSFJ - Transparenz stärkt Bereitschaft zu spenden. Abgerufen am 2. Dezember 2018.
  28. Marcel Burkhardt: Spenden: Gutes tun und dabei sicher gehen. In: ZDF.de. 14. Dezember 2017, abgerufen am 18. Januar 2019.
  29. Heilsarmee erhält Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats. In: Heilsarmee Deutschland. 30. Mai 2017, abgerufen am 18. Januar 2019.
  30. 25 Jahre Deutscher Spendenrat e.V. – Verleihung neuer Spendenzertifikate. In: Stiftung Volkmarstein. 11. Juni 2018, abgerufen am 18. Januar 2019.
  31. Vassilios Saroglou: AWO International mit Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats ausgezeichnet. 8. Juni 2018, abgerufen am 18. Januar 2019.
  32. Süddeutsche Zeitung (Hrsg.): Spender werden weniger, bleiben aber großzügig. 27. Februar 2018.
  33. Stiftung Warentest: Spenden - Vertrauen ist gut ... - Stiftung Warentest. Abgerufen am 22. Dezember 2018.
  34. Stiftung Warentest: Erbrecht - So können Sie auch nach Ihrem Tod Gutes tun - Stiftung Warentest. Abgerufen am 22. Dezember 2018.
  35. Frankfurter Rundschau: Kinderhilfswerk im Zwielicht: Der Fall Unicef. Abgerufen am 22. Dezember 2018.