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Havarie der Irving Johnson im März 2005
Havarie der Costa Concordia am 13. Januar 2012

Eine Havarie (von arabisch عوار, DMG ʿawār ‚Fehler, Schaden‘) ist in der Schifffahrt ein Schaden, den ein Wasserfahrzeug oder dessen Ladung während der Reise erleidet. Allgemein umschreibt der Begriff auch jede Betriebsstörung.

Inhaltsverzeichnis

EtymologieBearbeiten

Aus dem arabischen Wort „ʿawār“ leitete sich die „beschädigte Ware“ (arabisch عَوَارِيَّة, DMG ʿawārīyya ‚durch Meerwasser beschädigte Ware‘) ab, was durch den Seehandel um 1300 nach Italien gelangte. Dort galt die Havarie (italienisch avaria) als Schiffsunfall. Wohl von Genua aus verbreitete sich das Wort in Europa.[1] In Deutschland übersetzte man es mit dem heute nicht mehr gebräuchlichen Wort „Haferei“, aus dem sich die Havarie in vielen Sprachen ableitete (niederländisch averij, haverij), beispielsweise mittelniederländisch haverije, averije, schwedisch haveri, portugiesisch avaria, französisch avarie.[2] Unklar ist jedoch, ob dieses Wort seinerseits vom romanisch-französischen havre (Hafen) kommt oder durch Bildung mit der Endsilbe -ei aus Haff gebildet wurde. (Vergleichbar: „Gasterei“ für Gastmahl, wie im Titel des Grimm-Märchens Die wunderliche Gasterei).

Vorgang und Folgen der HavarieBearbeiten

Durch die Havarie werden das Fahrzeug und zumeist auch die beförderte Ware in erheblicher Weise in Mitleidenschaft gezogen. Im Extremfall gehen Fahrzeug und Ware verloren. Sowohl das zu Schaden gekommene Fahrzeug als auch sein Eigentümer bzw. seine Passagiere werden als Havarist(en) bezeichnet. In dem Fall, dass das Schiff durch Brand, Kollision oder Maschinenschaden zum Schaden des Befrachters die Reise zeitweilig unterbrechen muss, spricht man versicherungsmäßig von einer Havarie grosse. Die Havarie ist meistens die Folge einer Notsituation, etwa einer Seenot, die nicht oder nur teilweise abgewendet werden konnte. Die Schifffahrt kennt aber auch Havarien, denen keine erkennbaren Notsituationen vorausgingen, etwa bei Explosionen, Auf-Grund-Laufen in seichten Gewässern oder Zusammenstößen bei schlechten Sichtverhältnissen.

Die vermögensrechtliche Abwicklung von Havarieschäden bezeichnet man als Haverei, sie werden meist nach den York-Antwerpener Regeln abgewickelt.

Havarien außerhalb der SchifffahrtBearbeiten

In Deutschland gibt es Havariekommissare, die Verkehrsunfälle im Straßenverkehr mit großem Schadensausmaß untersuchen. Speziell in Österreich spricht man auch im Straßenverkehr bei beschädigten Fahrzeugen, vor allem im Fall von Totalschäden, von havarierten Fahrzeugen oder Havarien. Der Pannenservice wurde in der DDR und wird besonders in Wien manchmal noch als Havariedienst bezeichnet.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Havarie auch für Totalschäden oder Unglücke an oder in Industrieanlagen, Bauwerken, Serveranlagen und ähnlichem benutzt. Er ist inzwischen ein Synonym für einen Unfall größeren Ausmaßes oder mit größeren Folgeschäden geworden. So wird er auch für Unfälle im Reaktorbereich von Kernkraftwerken verwendet. Beispiele sind die Havarien der Atomkraftwerke Tschernobyl, Gundremmingen A und Fukushima I.

Zuweilen spricht man auch – unzutreffend – bei kollidierenden Himmelsobjekten von einer Havarie.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Raja Tazi: Arabismen im Deutschen: Lexikalische Transferenzen vom Arabischen ins Deutsche. 1998, ISBN 3-11-082587-2, S. 289 f. (books.google.de)
  2. Haferei. Abgerufen am 13. Juli 2015. in Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, 1854.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Havarie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen