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Team für Frau gesucht

Frauen sind ein Dauerthema in der deutschsprachigen Wikipedia, mal haben wir zu wenige als Autor*innen und mal decken wir Frauenthemen nicht gut genug ab. Insoweit alles berechtigt sowie diskussions- und angehenswert – und was ist mit der Frau selbst?

Frauen

Am Wochenende hat sich der Autor dieser Zeilen eher zufällig mal wieder an eine immer wieder mal besuchte Dauerbaustelle gesetzt, den Artikel zur Frau. Einen konkreten Auslöser dafür gab es nicht, als er dieses Ziel ansteuerte und mal wieder bemerkte: „Da geht noch was!“ Da ich etwas Zeit hatte, habe ich mir erstmal den englischsprachigen Artikel angesehen, den ich allerdings auch nicht als Meisterwerk betrachten würde, und den Abschnitt zu "Frauen in der Politik" in den hiesigen Artikel überführt, etwas aktualisiert und mit ein wenig Material aus Frauenwahlrecht angefüttert. Danach ging es mal wieder an den Abschnitt zur Biologie, wo auffiel, dass das Wort Menstruation bis Sonntag im Artikel nicht vorkam – so entstand ein Abschnitt über Hormone und den Zyklus sowie ein Abschnitt zur Osteoporose, eine Präzisierung zur Muskelmasse etc. Mit etwa 15.000 hinzugefügten Zeichen wurde ich so zum Hauptautoren mit mehr als 40 % des aktuellen Artikeltextes. Not bad, könnte man denken – nur das Gefühl „Da geht noch was!“ ist immer noch da. Dieser zentrale Artikel bleibt also eine Baustelle, der in seinem Umfang nicht wesentlich länger ist als der ebenfalls von mir am Wochenende weitgehend finalisierte Nischenthema-Artikel zum Royle-Pfeifhasen. Und hier rede ich bisher nur von Zeichenzahlen, nicht vom Inhalt, denn dort ist auch noch einiges machbar. Bislang ist Frau nach meiner Wahrnehmung in den biologisch-medizinischen Teilen o.k., in anderen teilweise sicher auch, in seiner Gesamtheit jedoch unvollständig und in seiner Struktur suboptimal. "Frauen in der Urgeschichte" ist irgendwie isoliert in den Gesellschaftsteil integriert, der aktuell aus Rollenbild und Emanzipation, Arbeitswelt und Politik besteht. Das finale Kapitel zu "Bezeichnungen" ist der längste Blockabschnitt und irgendwie auch nicht so richtig integriert. Hinzu kommt ein rudimentärer Literatur- und Belegapparat, der in Umfang und Qualität sicher noch Raum nach oben hat.

Aber: Ich will eigentlich nicht meckern, sondern eigentlich machen (und im Vergleich zu Mann ist die Frau ein Glanzstück enzyklopädischer Arbeit) – nur werde ich diese Baustelle nicht alleine stemmen können. Ich selbst kann meinen Anteil in Biologie und Medizin liefern, bei der Gesellschaft, Geschichte und anderen Themen muss ich jedoch passen. Ich suche also ein Team von Autor*innen für den konzentrierten Ausbau dieses einen Artikels, bestehend aus Expert*innen und am Thema interessierten Laien, die sich zutrauen und willens sind, hier Hand und Tastatur anzulegen. Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, aus dieser Baustelle einen Leuchtturm zu machen – und vielleicht profitiert auch Mann davon. Also: Wer ist dabei? AR 16. April

Abschied: Die Angst vor dem Unperfekten und die Diktatur des Formalen

Nachdem ich mich vor fünf Tagen am 5. April nach über 15 Jahren als Wikipedia-Autor zurückgezogen habe, möchte ich gerne in einem letzten Kurier-Beitrag noch ein paar Gedanken mitteilen, in der Hoffnung, dass es zum Nachdenken anregt. Zurzeit führe ich noch ein kleines Editierprojekt (postcrossing 101) zu Ende, das ich mehr aus Spaß an der Freude und zum eigenem Anreiz begonnen habe. In diesem Zusammenhang würde ich eigentlich gerne den englischsprachigen Artikel „Pushkinskaya Square“ übersetzen. Ich tue es aber nicht mehr, weil ich nach über 15 Jahren einfach mürbe und madig diskutiert wurde.

Anlass für meinen Ausstieg war die Arbeit an einer Übersetzung des Artikels Spirit Lake (Idaho). Es war mir nicht mal eine Minute gestattet, diverse Fehler, die ich nach dem Einstellen bemerkt hatte, zu beseitigen. Sekunden nach dem Einstellen durch das Übersetzungstool verschob ein Nutzer den Artikel in meinen Namensraum mit der Bemerkung „unfertig“ und ich musste mich erst auf die Suche nach dem Artikel begeben. Weitere Sekunden später sprang ein Bot auf die Benutzerseite und änderte eigenmächtig irgendwelche Kategorien. Ich als langjähriger Autor empfinde das als nicht angebrachte Maßregelung und Störung bei der Artikelarbeit. Ich befürchte nun, dass ich bei der Übersetzung des neues Artikels erneut zahlreichen Eingangskontrollen, Bots und Prinzipienreitern ausgesetzt bin, die im unfreundlichen Ton einen anherrschen, warum denn nun wieder der Einzelnachweis nicht angepasst ist, in der Tabelle noch ein englischsprachiger Begriff steht, ich die deutschsprachige Vorlage nicht benutze, wider besserem Wissen ein „Siehe auch“ einsetze, überhaupt das Übersetzungstool benutze, anderen eigentlich mehr Arbeit mache als nötig sei, einen Fachbegriff falsch übersetzt habe, usw. usw.

Ich setze mich dieser Diktatur des Formalen nicht mehr aus. Ich habe nicht so viel Zeit, um alles immer perfekt bis zum Ende bringen zu können. Darum schreibe ich lieber gar keinen Wikipedia-Artikel als einen unperfekten Wikipedia-Artikel, um mich diesem Druck zu entziehen. Ich bin in der Freizeit hier, Druck habe ich woanders genug. Die Formal-Hybris und im Übrigen auch die Relevanzkriterien sind aus meiner Sicht der Grund allen Übels. Für neue Autoren ist das übrigens wie eine Fremdsprache, die sie nicht beherrschen, und bleiben weg. Und Alt-Autoren schlagen sie in die Flucht. Wie mich jetzt! Ich hätte noch viel zu sagen, aber mir fehlen einfach der Antrieb und die Muße dazu, denn in dieser automatisierten Formal-Umgebung fühle ich mich nicht mehr wohl. Alles Gute Euch.
(nob) 10. April

Konferenz im Baskenland: Lehrkräfte in der Selbstfindungsphase

Ohne Gruppen-Foto geht es nicht. Der Verfasser steht übrigens ganz oben, zweiter von rechts. Wenigstens auf diesem Foto ist ihm die Erkältung nicht anzusehen.

Am Wochenende vom 5. zum 7. April 2019 trafen sich etwa 130 Wiki-Leute und Lehrkräfte im Baskenland. Die user group für baskische Kultur (de facto einem Wikimedia-Landesverein vergleichbar) hatte zur Konferenz Wikipedia+Education eingeladen. Der bleibende Eindruck aus Donostia/San Sebastian: Die Leute und Kräfte sind noch auf dem Weg. Irgendwohin.

Bereits der erste größere Beitrag machte deutlich, wo es noch viel zu suchen und zu finden gibt. Die Bildungsexpertin Mary Burns erklärte das Lehren und Lernen an sich und gab der Wikimedia-Bewegung den Tipp mit: Liefert Lehrkräften nicht Inhaltspakete oder Antworten, sondern Fragen. Sie selbst veranschaulichte dies durch ihre eigenen Fragen an das Publikum. Die Fragen bringen den Lernenden dazu, selbst Konzepte miteinander zu verknüpfen und Lösungen zu erarbeiten. Das gehe im Unterrichtsalltag der Schulen leider oft unter.

A propos Wikimedia-Bewegung: Diese war durch die wohl mächtigste Frau vertreten, die auf irgendeine Weise mit Wikis zu tun hat, nämlich Katherine Maher. Die Direktorin der Wikimedia Foundation (WMF) erinnerte die Teilnehmer an die laufenden Diskussionen rundum die neue Strategie. Sie war nicht die Einzige aus San Francisco, aber die Vertreter der Education-Abteilung der WMF dominierten die Veranstaltung auch nicht, weder zahlenmäßig noch inhaltlich.

Außer der WMF gibt es nämlich noch weitere Akteure auf dem Gebiet. In Nordamerika ist seit Jahren die Wiki Education Foundation aktiv, in den übrigen Weltteilen gibt es die altvertrauten Wikimedia-Landesvereine wie Wikimedia Deutschland, und viertens hat sich 2018 eine user group zum Thema Wikipedia & Education gegründet. In einem Interview hat mir Filip aus dem Vorstand erklärt, dass man mit den übrigen Akteuren zusammenarbeitet, aber noch am Anfang steht und sich orientiert. Die user group netzwerkt mit Ehrenamtlichen und Berufstätigen, hat aber noch keine eigenen Resourcen und betreibt keine sogenannte Programmarbeit.

Programmatisches und Programm

Bei einem diversen und global ausgerichteten Veranstaltungsprogramm muss man doch leider sagen: Vieles war ein Mehr vom selben. Jemand hat ein Universitätsseminar geleitet, in dem Studis Wikipedia-Artikel geschrieben haben, und der Jemand hat darüber einen Artikel in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Jemand anders lässt Schüler etwas mit der Wikipedia machen. Als Teilnehmer von Wikipedia-Treffen hat man das so oder so ähnlich schon häufig gehört. Das eigentlich Besondere oder Neue, von dem man etwas lernen kann, blitzte ab und zu im Beitrag auf.

Daneben wurde in Workshops etwas mehr Praxis gezeigt. Häufig ging es um das Vorstellen von Software-Tools wie dem bekannten Dashboard, mit dem Lehrkräfte die einzelnen, von Studis bearbeiteten Wikipedia-Artikel besser verfolgen können. Eigentlich fehlte etwas Drittes, wie mir andere Teilnehmer bestätigten: Erfahrungsberichte statt Erfolgsberichten, nämlich Beiträge, in denen die Praxis des Wiki-Unterrichtens konkret beleuchtet wird, das Ausprobieren, Scheitern, Nachdenken und neue Planen. Das soll kein Vorwurf an Veranstalter oder Referenten sein. Aber hier liegt sicherlich noch viel lohnendes Neuland vor uns.

Wiki von Kindern? Für Kinder? Beides?

Luxus bei der Poster Session: Die Schaubilder wurden ausgedruckt auf Holz geklebt und auf einer Art Staffelei präsentiert.

Ich selbst war Stipendiat der baskischen user group, die sich von ihrer besten Seite gezeigt hat. Der Grund meiner Anwesenheit war vor allem die Begegnung mit anderen Menschen, die in ihren Ländern Wikis für Kinder oder Kinder-Enzyklopädien betreiben. Die Txikipedia etwa macht das innerhalb der baskischen Wikipedia, das Klexikon, das ich 2014 mitgegründet habe, hat einen Trägerverein gefunden. Ilario aus der Schweiz sprach auf unserer Podiumsdiskussion über Wikimini.

Vikidia war durch den italienischen Zweig vertreten, der von Lehrern getragen wird. Für sie ist Vikidia ein Unterrichtsinstrument. Ich habe gelernt, wie sie Wikiversity, concept maps und andere Mittel einsetzen, um 10-Jährige enzyklopädische Artikel schreiben zu lassen. Dieser ganze Hintergrund und Aufwand war mir so nicht bewusst gewesen.

Umgekehrt sagten mir die Italiener, dass sie durch meinen Beitrag erstmals die Konzepte des Klexikons verstanden haben: Beim Klexikon steht die Qualität der Artikel im Vordergrund, die normalerweise von Erwachsenen geschrieben werden. Gefördert wird die Kollaboration durch frühzeitige Lemma-Diskussionen und einen Entwurfsnamensraum. Beide Arten von Wikis – die Unterrichtsplattform und das Inhaltswiki – haben eben ganz unterschiedliche Ziele, Methoden und Ergebnisse. (Mehr zum Thema siehe hier.)

Sprache als Politikum?

Warten in Frankreich auf die Staffel-Übergabe. Der Verdacht einer bestimmten Werbepartnerschaft bestätigte sich auf Nachfrage nicht. Der spanische Ort der Education-Veranstaltung selbst heißt auf Baskisch Donostia und auf Spanisch San Sebastian.

Ein etwas kurioses social event war eine Busfahrt zu einem baskischen Marsch, der Korrika. Unser kleiner Abschnitt, bei dem wir zum Mitmarschieren eingeladen waren, lag im französischen Teil des Baskenlandes. Man versicherte mir, dass es sich um eine überparteiliche Veranstaltung handelt (ich machte mir eher Sorgen, dass wir in eine separatistische Bewegung hineingezogen wurden). Das Wetter war deutlich freundlicher als im spanischen Teil, und die Landschaft belohnte die Anstrengung ebenfalls.

Mitgenommen habe ich: Hausaufgaben mit Blick auf das Klexikon. Interessantes zur Nachrichtenlage aus Gesprächen mit Iren und Walisern. Visitenkarten von taiwanischen Ethnologen, die Minderheitssprachen mit Wikis unterstützen wollen. Dass mein Italienisch auf dem Niveau eines Liebhabers von Opern und Pizzas stehengeblieben ist (und dann noch jeweils von Wagner). Ein Auffrischen alter Kontakte aus Deutschland und den USA. Und Anregungen für meine eigenen edukativen Aktivitäten, vor allem: noch mehr Fragen stellen.
Ziko 10. April

Wikidata Commons

Lizenz Wikimedia Commons.png

Für Wikimedia Commons gilt seit neuestem:

„Alle strukturierten Daten aus dem Datei- und Eigenschafts-Namensraum sind verfügbar unter der Lizenz „Creative Commons CC0“.“

Strukturierte Daten Wikimedia Commons.png

Wobei natürlich erstmal unklar ist, was genau strukturierte Daten sind. Die einen sagen, es wären die „Strukturierten Daten“, wobei auch umstritten ist, ob diese überhaupt strukturiert sind. Auch das „aus dem Datei- und Eigenschafts-Namensraum“ läßt vieles offen, da bis jetzt die „Strukturierten Daten“ nur im Dateinamensraum gesichtet wurden und mir ein Eigenschafts-Namensraum bis jetzt unbekannt war. Aber wir wissen ja, Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen gehen zu Lasten des Verwenders (Wikimedia Commons). Folglich könnten damit prinzipiell alle strukturierten Daten gemeint sein.

Darüber regt sich ein Benutzer (mit nur 4 Millionen Uploads) auf und meint, da würden irgendwelche moralischen Rechte auf Namensnennung der Benutzer*innen verletzt. Da wird dagegen gehalten, dass es an Daten keine moralischen Rechte geben würde und, dass Unternehmen mit so ein Copyleft nicht so viel Profit aus dem Weiternutzen ziehen könnten (und natürlich wir es nicht mehr so frei nutzen könnten). Aber ganz unabhängig davon sind diese kurzen Texte sowieso gemeinfrei und können ganz einfach unter CC0 gestellt werden. Da stellt sich natürlich die Frage, weshalb überhaupt CC0 notwendig ist, wenn das ganze sowieso gemeinfrei ist.

Was andere auch irritiert, ist die Tatsache, dass bis jetzt die „Community“ noch nicht richtig eingebunden wurde, beim GFDL-->CC-BY-SA-Wechsel gab es ja extra eine relativ große Abstimmung. Auf jeden Fall können wir uns sicherlich über die Wahlbeteiligung hier freuen, wenn wir die auf Commons anschauen.
Habitator terrae 8. April

Nachtrag: "Ich akzeptiere diese Bedingungen für meine zukünftigen Bearbeitungen. Diese Nachricht nicht erneut anzeigen" (habe dem _nicht_ zugestimmt) - und was ist wenn ein Konto von mehreren Personen genutzt wird

Durch Bayerns Bibliotheken

Wer hätte gedacht, dass es in Bayern 11 Staatsbibliotheken gibt? Von München über Dillingen, Passau, Regensburg, Coburg, Bamberg, bis rauf nach Aschaffenburg. Bibliotheken mit langer, teils 500-jähriger Tradition und unglaublichen bibliophilen Schätzen. Eine davon haben wir letzten Freitag besucht, die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, gegründet 1537. 1598 bezeichnete sie der französische Gelehrte Jacques Esprinchard als „une des premiéres de l’Europe“, als „Leuchtturmprojekt für ganz Europa“ würden wir heute sagen.

Wie alles begann

Auftakt zu unserer Tour durch Bayerns Bibliotheksgeschichte war ein Treffen mit der Leitungsebene der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB, Stabi) im damals neu gegründeten Münchner Wikipedia-Space. Bei dem Treffen vereinbarten wir eine Kooperation des gerade vorbereiteten WikiAlpenforums mit der Stabi München. Dementsprechend starteten wir unseren WAF-Initialworkshop mit einem Besuch der Stabi, die uns als Willkommensgeschenk einen Katalog mit üppigem Quellmaterial zum Thema Alpenüberquerung überreichte. Seither pflegen wir den Kontakt zur Münchner Staatsbibliothek, die Kollegin Geolina löste einen kleinen zähen Editkonflikt, Markus hat den BSB-Artikel mit Fotos bereichert, wir Münchner Wikipedia-Autoren haben Ansprechpartner dort und die Stabi weiß, wen sie in Wikipedia jederzeit kontaktieren kann. Was von mir betreute WP-Neu-Autorinnen und Neu-Autoren besonders schätzen, ist die Stabi-Plaza, in der wir uns gerne treffen, ein angenehmes, kreatives Ambiente, mit IT-Arbeitsplätzen und Zugang zu allen Quellen.

Gott, die Welt und Bayern

Unter diesem Motto präsentieren die 10 regionalen Staatsbibliotheken Bayerns bis zum Juli 2019 kostbare Schätze aus ihren Tresoren und Magazinen in einer Ausstellung in der BSB München. Mit dabei die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, die älteste noch bestehende Kultureinrichtung der ehemaligen Reichsstadt Augsburg. Mit ihr starteten wir nun unsere Kulturtour durch die 10 staatlichen Regionalbibliotheken in Bayern. Zu viert waren wir aus München angereist. Zusammen mit den Freunden vom Augsburger Wikipedia-Stammtisch ließen wir uns begeistern von dem, was uns unsere Gastgeber Karl-Georg Pfändtner und Wolfgang Mayer präsentierten, insbesondere von den bibliophilen Schätzen aus der annähernd 500-jährigen Geschichte der Bibliothek. Hier auf Commons ein paar Eindrücke davon.

Fruchtbares Miteinander

Die 10 regionalen staatlichen Bibliotheken Bayerns sind eng mit der BSB München verbunden. Sie hat auch die Exkursion nach Augsburg eingefädelt und die Kontakte zu den anderen neun regionalen Staatsbibliotheken in Bayern hergestellt. Wie bei unserem Auftakttreffen in München profitieren nun auch in Augsburg beide Seiten von der vereinbarten Kooperation: Wir Autoren wissen nun, was die Augsburger Stabi zu bieten hat, einige von uns ließen sich gleich einen Benutzerausweis ausstellen, und wir kennen nun die Ansprechpartner in der Bibliothek. Der Leiter der Bibliothek Karl-Georg Pfändtner äußerte im Vorfeld, dass er gerne einen Ansprechpartner von Wikipedia vor Ort hätte. Den hat er jetzt mit dem Kollegen Neitram. Und wir erhielten viele Anregungen für neue Themen aus der Schatzkammer der Augsburger Staatsbibliothek. Dazu noch etliche Kataloge und Bücher über die Bibliothek als Geschenk. Und die Augsburger boten an, bei Bedarf und auf Nachfrage Scans von ihren kostbaren Schätzen in Commons hochzuladen, zum Einpflegen in Wikipedia-Artikel.

Alles in allem war unser Besuch in der Augsburger Staatsbibliothek ein gelungener Auftakt für die weitergehende Erkundung der Bayerischen Bibliothekenlandschaft. Wir haben überlegt, als nächstes Ziel Amberg anzusteuern. In der Ausstellung „Gott, die Welt und Bayern“ präsentiert die Provinzialbibliothek Amberg in der BSB München etliche historische Highlights aus ihrem Bestand. Der dritte Teil der Ausstellung startet am 15. April 2019 und dauert bis zum 7. Juli 2019, Thema: „Krieg und Frieden, Freud und Leid. Sammelobjekte des 17. bis 20. Jahrhunderts“. Hier der Link dazu. Der Eintritt ist frei. PI, 7.4.

Wikipedia aktueller wie [sic] die Tageszeitung?

Überschwemmtes Dorf in der Provinz Golestan

Okay, die Schlagzeile ist ein bißchen verbogen, damit sie paßt, aber ausgerechnet die Hauptseitenrubrik In the news der englischen Wikipedia, die aufgrund ihres Auswahlprozesses nicht gerade ein Vorbild für „schnell“ ist, bringt diese Woche zwei Meldungen, die in der deutschen Presse bisher fast gar nicht vorkamen.

Über die Sturzfluten im Iran wurde zwar am 25. und 26. März vereinzelt berichtet, daß daraus zwischenzeitlich alleine in der Landwirtschaft ein 1,1-Milliarden-US-Dollar-Schadensfall wurde, ging fast völlig unter. Einer heutigen Suche auf Google News zufolge hatte lediglich – und ausgerechnet – der Schweizer Blick die Sache noch im Blick: Mindestens 62 Tote bei Überschwemmungen im Iran. Immerhin gab es in der NDR-Sendung Weltbilder eine 5-Minuten-Reportage (Youtube). Einen Artikel Überschwemmungen im Iran 2019 haben wir noch nicht.

Die DACH-Wikicommunity ist in weiten Teilen Afrikas blind.

Szenenwechsel. Mali in Afrika ist ein Blind Spot in der deutschsprachigen Wikipedia, cf. Datei:WikiBlindSpots.pdf, Seite 5. Wenn man die allwissende Müllhalde auf deutsche Meldungen absucht, dann findet man eine Reihe von Artikeln über Fulani-Nomaden, die Christen in Nigeria angreifen oder sagen wir besser angegriffen haben sollen, denn so eindeutig ist dieser Konflikt nicht, Kath.net mischt da in der Meinungsbildung mit und auch Breitbart. Über ein Massaker im Juni 2018 berichteten deutschsprachig der ORF und die Neue Zürcher Zeitung, bundesdeutsch fand ich dazu einen Artikel auf Spiegel Online. Der bereits verlinkte Tagesschau-Faktencheck bezieht sich allerdings auf ein anderes Ereignis vom März 2019. Bei uns in der Wikipedia heißen die Fulani übrigens Fulbe, und tatsächlich hat der ORF-Artikel den Weg in diesen Artikel gefunden: Seit 2016 begehen muslimische halbnomadische Hirten der Fulani in Nigeria Terrorangriffe mit Schusswaffen auf eher christliche sesshafte Bauern mit hunderten Toten. Bezeichnenderweise steht dieser Satz im Abschnitt Geschichte, der somit quasidirekt von 1862 ins Jahr 2016 springt, wenn man von dem verirrten Hinweis auf einen Eintrag einer von den Fulbe bewohnten Kulturlandschaft ins UNESCO-Welterbe absieht.

Um das lila Gebiet geht es. So in etwa.

Zurück zum englischen Wikipediaartikel March 2019 attacks against Fulani herders über einen Zwischenfall, den es in der deutschsprachigen Medienberichterstattung (bisher) nicht gibt, gar nicht, überhaupt nicht. Demnach handelt es sich dabei um ein Massaker, das wahrscheinlich eine Miliz ethnischer Dogon verübt hat, eine Gruppe namens Dan Na Ambassagou. Ich setze hier den Hinweis „wahrscheinlich“, weil die Vereinten Nationen den Fall noch untersuchen, während Human Rights Watch die Gruppe bereits als verantwortlich bezeichnet hat. Unsere englischsprachigen Kollegen zählen den Angriff als zum Konflikt in Nordmali (seit 2012) (en:Northern Mali conflict) gehörig. Dieser Artikel ist bei uns, wenn man die Abrufdaten der Belege zugrundelegt, seit Januar 2013 nicht mehr signifikant überarbeitet worden – und hängt eigentlich freischwebend zwischen Tanger und Abidjan. Ich hatte bereits an anderer Stelle lamentiert, daß unsere Sprachversion dem englischen (grauslig strukturierten) Artikel Insurgency in the Maghreb (2002–present) nichts entgegenzusetzen hat. Der hiesige Artikelversuch vor einigen Wochen wurde zu Recht gelöscht. Das Problem verbleibt jedoch ungelöst. Um dem Abhilfe zu schaffen, braucht es eine fachübergreifende Arbeitsgruppe. Das kann kein Wikipedianer im Alleingang auf die Beine stellen. Ich werde daher ein WikiProjekt vorbereiten und dessen Start im Kurier ankündigen. MaB 6.4.

The Real State of the Union

Wie im vergangenen Jahr berichte ich zur Situation im WikiProjekt Vereinigte Staaten. Als Länderportal ist es quantitativ gemessen an Artikeln eines der größten der Wikipedia, als WikiProjekt seit jeher ein völlig unorganisierter Haufen, der sich um eine Vielzahl von Teilprojekten kümmert, von denen die Schwerpunkte Nationalparks, National Register of Historic Places und Politiker in den Vereinigten Staaten seit jeher die größte Aktivität hervorbringen.

Als der Berichterstatter vor über zwölf Jahren sich das erste Mal gezielt mit Artikeln zu Orten in den Vereinigten Staaten befaßte – das waren damals einige Orte um Grays Harbor im Bundesstaat Washington im Pazifischen Nordwesten, darunter Aberdeen und Hoquiam –, da hatten Orte vergleichbarer Bedeutung eine Handvoll Interwikis. Eine meiner letzten Ortsartikelanlagen der letzten Wochen, Oktaha, ein mehr oder weniger gottverlassenes Nest in Oklahoma, existierte bereits in zwölf Sprachversionen, bevor ich den englischen Artikel ins Deutschen übertrug, und das bewegt sich im Rahmen dessen, was ich bei Ortsartikelübertragungen in den letzten Monaten beobachtet habe. Daraus abzuleiten, hierzuwiki würde langsamer gearbeitet als anderswo, wäre allerdings zu kurz gestrickt, schließlich konkurrieren unsere menschlichen Benutzer in der einen oder anderen Sprachversion mit Bots. Der Schluß, unsere Artikel wären deswegen immer besser, führt allerdings fehl, da in der deutschsprachigen Wikipedia auch der eine oder andere menschliche Bot durchaus Ortsrtikel produziert hat, deren Qualität der Volapük-Bot durchaus die Stange halten kann. Immerhin: die portaleigene Qualitätssicherung sorgt dafür, daß diese Artikel nach und nach immer besser werden. Wie inzwischen fast überall in der Wikipedia deutlich wird, macht sich aber auch hier eine Verlangsamung bemerkbar, auch weil sich die verbleibenden Projektmitarbeiter um immer mehr Artikel und Themenbereiche kümmern wollen müssen. Ein kleiner Erfolg dürfte aber in den nächsten Tagen zu vermelden sein, wenn durch die Anlage einiger fehlender Artikel zu County Seats oder großen Orten die fokussierte Qualitätssicherung für Illinois abgeschlossen sein wird – nach fast genau zehn Jahren. Hoffentlich hat Benutzer:Minderbinder schon die Orden gerichtet (und poliert!)

Seit vielen Jahren gehört die Liste aktiver Generale und Admirale der Streitkräfte der Vereinigten Staaten zu einer von mir beobachteten Seite. Diese Liste wird seit längerem von Benutzer:HerrSonderbar auf dem laufenden gehalten, was einwandfrei klappt. Was aber gar nicht mehr so richtig klappt, das ist die Anlage der zugehörigen Personenartikel und deren Pflege. Die Leute bleiben ja nicht ewig aktive Generale.

Die Liste enthält üblicherweise Links zu 41 Artikeln über Vier-Sterne-Generäle und -Admiräle im aktiven Dienst, und da es sich um die wichtigsten Generäle eines nicht gerade unbedeutenden Staates handelt, sollten diese eigentlich alle blau sein. In der englischen Sprachversion ist das auch so. Hierzupedia hat es immer mal wieder Rotlinks in dieser Liste gegeben, vor allem nach der Neubesetzung vakanter Stellen. Aber 29 Rotlinks von 41 insgesamt? Zwei Drittel Rotlinks sind zuviel, vor allem, wenn darunter solche sind wie COMUSAFE Tod D. Wolters, CSAF David L. Goldfein oder COMPACFLT John C. Aquilino. Oder ex-COMFORSCOM Robert B. Abrams, der im Februar vom Senat als Kommandeur von UNC und damit für den 38. Breitengrad zuständig bestätigt wurde. (Manch einer wird sich fragen, warum die diversen Akkronyme hier nicht erläutert werden, aber warum sollte es dem geneigten Kurierleser anders ergehen, als dem gemeinen Wikipedialeser, dessen Suchanfrage ebenso ins Rote führt?)

Wer also Zeit hat und sich mit Personenartikeln zu amerikanischen Generälen befassen mag, der macht damit gleich zwei (bei Admirälen sogar drei) Fachbereiche glücklich: Portal:Vereinigte Staaten, Portal:Militär und allfällig Portal:Schifffahrt. Und letztlich ist das ein Dauerjob, weil im Jahresdurchschnitt etwa sieben Posten neubesetzt werden, und unter dem Trumpeldeer ist mehr Lametta Fluktuation.

Dem WikiProjekt Vereinigte Staaten stehen drei langjährige Indikatoren zur Einschätzung der Aktivität zur Verfügung, zum einen die quantitative Auswertung der vorhandenen Artikel und der auf Benutzer:Sebmol/Gebraucht deklarierten Artiel unterhalb der Kategorie:Politik (Vereinigte Staaten). Hier zeigt sich allerdings, daß in den letzten Jahren über die Außenbeziehungen immer wieder einmal Irrläufer in diesen Kategorienast geraten sind. Der Rückgang der insgesamt vorhandenen Artikel von 25.321 Seiten am 1. April 2018 auf 25.191 Artikel am 3. April 2019 ist dementsprechend nicht die Folge exzessiver Löschorgien, sondern die Folge von Korrekturen bei der Zuordnung von Unterkategorien, und auch der Rückgang von 4492 auf 4413 Artikel ist unrealistisch, vor allem, wenn man berücksichtigt, daß 155 Mitglieder des US-Repräsentantenhauses noch keinen Artikel haben (die US-Senatoren sind hingegen vollständig angelegt). Dieser Indikator ist zumindest in diesem Jahr wenig aussagekräftig.

Zwangsläufig direkter bezogen auf das Territorium des Vereinigten Staaten und somit weniger anfällig für Störungen ist die Auswertung der Rotlinks in Ortsartikeln via Benutzer:Matthiasb/Gebraucht. Zum 3. April 2019 gibt es 10.237 Ortsartikel, gegenüber 9885 am 1. April 2018. (Dieser Anstieg um 352 liegt höher als die Anzahl der nach dem 1. April 2018 angelegten 289 Artikel, die PetScan ausweist. Diese Differenz entsteht vermutlich durch Artikelimporte; solche Artikel sind zwar nach dem Stichtag entstanden, haben aber einen älteren Zeitstempel für die älteste Version.) Viele dieser Ortsartikel betreffen übrigens Maine, wo fleißig Artikel angelegt werden. Die Zahl der im Rahmen aller amerikanischen Ortsartikel fehlenden verlinkten Artikel beläuft sich nun auf 7688 Artikel, gegenüber 7352 im Jahr 2018 und 7237 im Jahr 2017. Daß die Zahl fehlender Artikel steigt, obwohl neue Artikel geschrieben werden, ist kein Widerspruch. Tatsächlich enthalten neue Ortsartikel immer einige Rotlinks, zumindest wenn man der Regel folgt, daß zu verlinkende (relevante) Objekte auch dann verlinkt werden, wenn der Link noch rot ist. (Bei der Zählung der rotverlinkten Artkel werden von mir Artikel nicht berücksichtigt, die weniger als viermal verlinkt sind, um den Einfluß von systematischen Listen auszugleichen.)

Außerdem sind die Zahlen rund um das National Register of Historic Places ein wichtiger Indikator. Die auf Basis von Bundesstaaten gegliederten Listen der National Historic Landmarks existieren inzwischen für 43 (von 50) Bundesstaaten sowie für Washington D.C und Puerto Rico, wobei einige noch nicht nach dem angestrebten Standard formatiert sind, und in dem einen oder anderen Bundesstaat wurde die Liste seit ihrer Anlage nicht regelmäßig aktualisiert. Artikel zu National Historic Landmarks haben wir in allen Bundesstaaten (außer Delaware und North Dakota) sowie in Washington D.C. und Puerto Rico, die meisten in Massachusetts (118), gefolgt von New York (96). Von den 89 National Historic Sites benötigen 47 noch einen Artikel. Fast vollständig sind die National Monuments – hier fehlen noch sechs von 130. Die National Memorials sind vollständig mit Artikeln versehen. Insgesamt 34 Artikel sind vorhanden zu National Historical Parks und National Battlefields, insbesondere bei den Schlachtfeldern gibt es noch einiges zu tun.

Anzahl der NRHP-Einträge pro Quadratmeile in den Lower 48.

Bei den allgemeinen Listen der Einträge in das National Register of Historic Places, die in der Regel auf Basis der 3144 Countys bzw. vergleichbaren Einheiten angelegt werden, hat sich die Gesamtzahl der Listen nur minimal von 1089 auf 1097 erhöht. Die Zahl der Artikel zu einzelnen Denkmälern im NRHP am 3. April 2019 betrug 1482. Die Zahl der roten Links, die außer in den Countylisten noch in mindestens einem weiteren Artikel gesetzt sind, erhöhte sich von 3063 auf 3071 nur minimal (die Zahl der ausgewertete Seiten von 3020 auf 3139). Dies spiegelt einerseits die Verlangsamung bei der Erstellung oder Verbesserung der Ortsartikel wider, andererseits die nur geringe Steigerung bei der Gesamtzahl der Listen. Die oben genannte erhöhte Aktivität in Maine wirkt sich deswegen kaum aus, weil es an den Gegenstücken fehlt – bisher gibt es nur für drei der 16 Countys in Maine NRHP-Listen. Insgesamt zu schreiben sind übrigens noch über 85.000 Artikel, und es kommen sowieso jede Woche zwanzig Neueinträge dazu – das Wikipedia:WikiProjekt National Register of Historic Places braucht also auch weiterhin engagierte Mitarbeiter.

Wie hat sich das WikiProjekt Vereinigte Staaten also entwickelt, abgesehen von der durch Trump ausgelösten allgemeinen Aversion, Artikel zu Amerika zu schreiben und abgesehen von der methodisch zutiefst verstörenden Sperre von Janneman, deren Erklärung durch die WMF alles andere als zufriedenstellend war und dessen Abwesenheit wir vor allem im Bereich der amerikanischen Literatur spüren? Es ist sicher nicht besser geworden. Mit 20 bis 30 neuen Artikeln am Tag jammert das Projekt vielleicht auf hohem Niveau, aber das ist nur noch die Hälfte dessen, was hier 2010 oder so üblich war. Und: Traditionell kommt ein großer Teil davon aus dem Film- und Musikbereich. Selbst der Sport ist zur Lame Duck geworden – auffällig ist hier besonders das fast völlige Fehlen von neuen Artikeln aus den Amerika-spezifischen Sportarten Football und Baseball. Die Gefühle des Berichterstatters sind deswegen gemischt. Er setzt darauf, daß in einem der größten Länderprojekte noch immer Jedermann irgendeine Nische finden und au(f/s)bauen kann. Auf geht’s! MaB 4.4.

Technische Wünsche: Beta-Funktion „Vorschau von Einzelnachweisen“ ist da

Vorschau von Einzelnachweisen – jetzt als Beta-Funktion hier auf der deutschsprachigen Wikipedia.
mehr Infos
testen
Bitte beachten: Zum Testen müssen ggf. ein paar zusätzliche Einstellungen vorgenommen werden.
Zum Vergleich: Seitenvorschaubilder

Das Problem #1 aus der Umfrage Technische Wünsche 2017 hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Seit heute kann eine erste Fassung der umgesetzten Funktion getestet werden. Alle sind herzlich eingeladen, sich an der Beta-Phase zu beteiligen und Feedback zu geben.

Das Problem, das in der Umfrage Technische Wünsche 2017 die meisten Stimmen bekommen hatte, war folgendes: Wenn man sich beim Lesen eines Artikels eine Fußnote anschauen möchte, so muss man dafür nach unten auf die Seite springen und wird dadurch aus dem Lesefluss gerissen. Es wurde also gewünscht, bereits im Artikel eine Vorschau der Fußnote zu erhalten.

Eine erste Fassung einer solchen Vorschau wurde nun im Projekt Technische Wünsche entwickelt, mit Unterstützung durch das Reading Web Team der Wikimedia Foundation. Bei der WMF wurde auch das Design entwickelt, da die Funktion auf den Seitenvorschaubildern (Page Previews) auf verlinkte Artikel aufbaut, welche hier in der Wikipedia standardmäßig bereits für nicht angemeldete Benutzer aktiviert sind. So haben beide Vorschauen ein vergleichbares Aussehen und Verhalten, egal ob man mit der Maus über den Link zu einem Artikel oder zu einer Fußnote fährt. Orientiert wurde sich außerdem am Helferlein Reference Tooltips, welches in vielen Wikis zum Einsatz kommt und hierzuwiki Fußnoten-Tooltip heißt.

Tests mit Lesenden haben gezeigt, dass es hilft, die Vertrauenswürdigkeit einer Quelle schnell einzuschätzen, wenn man auf einen Blick deutlich sieht, ob es sich bei einem Einzelnachweis um eine Internetquelle, ein Buch oder etwas anderes handelt, weil beispielsweise Buchquellen als vertrauenswürdiger eingeschätzt werden als Blogbeiträge. Die neue Funktion zeigt darum oben im Vorschaufensterchen die Art der Quelle in Form von Text und Icon an. Mehr Informationen zur Funktion, beispielsweise, wie die Art einer Quelle definiert wird, sind auf der Seite des Projekts zu finden.

Die erste Fassung mit den grundlegenden Elementen der Vorschaufunktion ist jetzt als Beta-Funktion auf zwei Wikipedien verfügbar: Neben der deutschsprachigen Wikipedia wird die Funktion auch in der arabischsprachigen Wikipedia bereitgestellt. So soll wie üblich frühzeitig herausgefunden werden, ob die Funktion auch für Wikis gut funktioniert, in denen die Schreibrichtung rechts nach links ist. Weitere Wikis folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Alle sind herzlich eingeladen, diese erste Fassung der Funktion zu testen und Feedback zu geben. Jedes Feedback hilft dem Projektteam, die Vorschauen gut weiterzuentwickeln. Zum Testen muss die Funktion in den persönlichen Einstellungen (unter Beta-Funktionen) aktiviert werden. Dabei ist zu beachten, dass Seitenvorschaubilder aktiviert sein müssen (unter Leseeinstellungen). Zum Testen müssen außerdem Navigation Popups deaktiviert sein. Den Fußnoten-Tooltip sollte man ebenfalls deaktivieren, um keine doppelten Vorschauen angezeigt zu bekommen.

Alle Rückmeldungen, Fragen usw. sind auf der Diskussionsseite des Wunsches willkommen. Schon jetzt Danke an alle, die sich die Zeit nehmen, die Funktion zu testen und zu kommentieren. -- js (wmde), 4.4.

PS: Wer künftig direkt über Änderungen aus dem Projekt Technische Wünsche informiert werden möchte, kann sich auf dem Newsletter Technische Wünsche eintragen.

Ahoihoi. Wo kommen all’ unsere schönen Sachen her?

Seemannsmission Altona vom Hafen aus

Ahoi! Etwa 90 % des Welthandels werden über die Handelsschiffahrt abgewickelt. Unsere Smartphones, unsere Rechner, die Rohstoffe für selbige – sie alle kommen per Schiff. Was aber passiert währenddessen? Wie sieht der Alltag im Jahre 2019 auf einem Containerschiff aus, das für eine der fünf großen Reedereien dieser Welt aus Asien bis nach Deutschland kommt? Wie leben die Seeleute an Bord? Unter welchen Arbeitsbedingungen arbeiten sie? Und warum ist es ein großer Fortschritt, dass sie mittlerweile eine 80-Stunden-Woche in ihren Arbeitsverträgen stehen haben? Diesen Fragen werden wir vom 26. bis 28. April in Hamburg nachgehen.

In Kooperation mit der Deutschen Seemannsmission und dem Seemannsclub Duckdalben verbringen wir ein Wochenende im Hamburger Containerhafen. Es beginnt in der Seemannsmission Altona in der Großen Elbstraße nahe der Landungsbrücken, wo uns fachkundige Referenten über die Situation auf den Ozeanen, die Situation der Seeleute und die Bedingungen, unter denen die Seeleute dort arbeiten, einweisen werden. Nicht zuletzt unter der Fragestellung, inwiefern hier deutsches oder europäisches Recht überhaupt noch gilt und zuständig ist. Am nächsten Morgen geht es mit der Barkasse von der Stadtseite aus einmal durch den Containerhafen – Seemannspastor Matthias Ristau erzählt derweil, wie sich der Hafen aus Sicht der Kurzzeitgäste aus den Philippinen, Indien oder Russland darstellt – zum Seemannsclub Duckdalben. Während im Club die Seeleute die wenigen Stunden ihrer Freizeit nutzen, machen wir, was Wikipedianer am besten können: Artikel schreiben und die Quellen konsultieren. Abends findet sich dann hoffentlich eine Gelegenheit, zusammen mit den Seeleuten noch Bier oder Saft zu trinken, bevor wir uns auf die Rückfahrt durch den Hafen begeben.

Nach dem Programmausklang am Sonntag entstehen hoffentlich viele gute Artikel und Bilder für Wikipedia. Wir lernen mehr darüber, unter welchen Bedingungen die Rechner entstehen und dann auch noch Wikipedia den Menschen aus dem Global South vermittelt, die sie dann in den Global South, North, East und West tragen können. Noch sind einige Übernachtungsplätze frei – wie immer freundlicherweise bezuschussbar durch WMDE – und jede Wikipedianerin mehr hilft der Veranstaltung. Wikipedia:Ahoi! -- sp, 03.04.

WikiCon 2019: Aufruf zur Programmgestaltung offiziell gestartet

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Die Planungen für die Wikipedia:WikiCon 2019 vom 4. bis 6. Oktober in Wuppertal werden zunehmend konkreter und das Programmteam arbeitet stetig an der Gestaltung des diesjährigen Treffens der Wikipedianer der deutschsprachigen Wikipedia. Der Veranstaltungsort ist bereits seit einiger Zeit ausgewählt und wird in Kürze bekannt gegeben – klar ist jedoch bereits jetzt, dass uns dieser wie in den vergangenen Jahren zahlreiche Freiheiten für die Raumnutzung und Programmgestaltung gibt. Theoretisch ist alles möglich von der Keynote-Veranstaltung für alle Teilnehmer bis zur free speakers corner, vom kleinen informellen Projekttreffen bis zur Podiumsdiskussion.

Nun ist es also an euch: Wir beginnen heute mit dem offiziellen Call for Papers, unserem Aufruf zur Beteiligung mit euren Programmvorschlägen und -einreichungen. Um einen reibungslosen Ablauf der finalen Phase zu ermöglichen, soll der Aufruf bis zum 14. Juli 2019 laufen, damit wir rechtzeitig vor der Veranstaltung das semifinale Programm verkünden können. Natürlich gibt es wie in den vergangenen Jahren auch dieses Jahr Möglichkeiten für spätere Veränderungen und sogar spontane Aktivitäten und Lightning Talks, eine rechtzeitige Einreichung würde uns als Programmteam die Arbeit jedoch deutlich erleichtern.

Das Programm wird nach aktueller Planung der Vorjahre in den Grundzügen entsprechen: Wir planen derzeit einen Programmstart am Freitagnachmittag und werden die Konferenz am frühen Nachmittag am Sonntag beenden. Uns und euch stehen also zwei volle Tage zur Programmgestaltung zur Verfügung. Feste Bestandteile sind neben der Begrüßung und dem Abschluss mindestens eine keynote-Veranstaltung oder eine Podiumsdiskussion sowie die traditionelle Verleihung der WikiEulen durch die WikiEulenAcademy. Für Leute, die bereits am 3. Oktober anreisen (Feiertag in Deutschland) gibt es reichlich Zeit für einen Trip mit der Wuppertaler Schwebebahn, einem Besuch im Von der Heydt-Museum oder der Schwimmoper oder einfach einem Spaziergang durch die Wuppertaler Innenstadt; wir arbeiten zudem an einem Begleitprogramm für die Veranstaltung. Das Konferenzprogramm selbst findet in fünf bis sechs parallelen Strängen statt, für die Räume zur Verfügung stehen werden; reichlich Möglichkeiten also für kreative Ideen. Und auch für das Forum des Freien Wissens wird ausreichend Platz zur Verfügung stehen. Wir freuen uns auf eure Ideen. -- für das Team der WikiCon 2019 AR, 31.3.

Technische Wünsche: Eine Sicherheitsabfrage für die Funktion „kommentarlos zurücksetzen“

Die Sicherheitsabfrage funktioniert wie die Abfrage beim Danken.
Mehr Infos zu diesem Wunsch
Dieser Screenshot stammt vom Betawiki. Die Bezeichnungen der Links sind dort möglicherweise andere als in Wikipedia.
In den Einstellungen kann die Abfrage schon im Vorfeld deaktiviert werden.

„Oft habe ich mich schon verklickt und […] statt dem Link danken den Link kommentarlos zurücksetzen erwischt, was oft zu peinlichen Situationen mit dem vorher bearbeitenden Autor führte, da diese Funktion sofort, ohne Nachfrage ausgeführt wird.“

So lautet eine Problembeschreibung aus der Umfrage Technische Wünsche 2017. Eine Feedbackrunde im vergangenen Jahr zeigte, dass von diesem Problem hierzuwiki viele betroffen sind und dass viele eine Sicherheitsabfrage begrüßen, die vor solchen unangenehmen Situationen bewahrt. Gleichzeitig darf aber all jenen, die gezielt und schnell Vandalismus bekämpfen, die Arbeit nicht unnötig erschwert werden. Darum ist nun geplant, in der deutschsprachigen Wikipedia standardmäßig eine Sicherheitsabfrage für das kommentarlose Zurücksetzen einzuführen, um die Situation für die zahlreichen Menschen, die die Funktion gelegentlich nutzen, zu verbessern. Dies soll am 4. April geschehen.

All jene, die viel und schnell revertieren möchten, können die Abfrage aber in ihren Einstellungen deaktivieren. Dies wird schon ab heute Abend möglich sein.

Für alle anderen Wikis wird übrigens der umgekehrte Weg gewählt: Standardmäßig bekommt niemand eine Sicherheitsabfrage zu sehen, aber wer will, kann sie sich individuell aktivieren. Denn interessanterweise bildet die deutschsprachige Wikipedia international eine Ausnahme: Dadurch, dass man hier die Rechte zum kommentarlosen Zurücksetzen automatisch erhält, wenn man aktiver Sichter wird, gibt es hierzuwiki deutlich mehr Menschen, die kommentarlos zurücksetzen können, als in anderen Wikis, wo man das Rollbackrecht explizit beantragen muss (s. Grafik). Und wer dieses Recht bewusst anfragt, will in der Regel auch schnell rollbacken können, was eine Feedbackrunde auf Meta bestätigt hat.

Mehr Infos zum Wunsch und seinem Hintergrund finden sich auf dieser Seite. Feedback ist wie immer auf der Diskussionsseite des Wunsches willkommen. -- js (wmde), 28.3.

PS: Wer künftig direkt über umgesetzte Wünsche informiert werden möchte, kann sich auf dem Newsletter Technische Wünsche eintragen.

Update: Aufgrund einer Verzögerung in der wöchentlichen Aktualisierung der Mediawiki-Software verschiebt sich die Bereitstellung der Funktion noch um einige Tage. js (wmde), 5.4.

Etwas weniger Maskulinität, bitte!

Wikipedia wird von alten Männern dominiert. Der Frauenanteil bei den Mitwirkenden beträgt um die 10%.

Das merkt man an einer Schlagseite bei den Themen: jedem drittklassigen Fußballspieler, jedem Pornosternchen ist ein Artikel gewidmet. Jede Menge hochklassige Bühnenkünstlerinnen, Musikerinnen und Wissenschaftlerinnen fehlen. Wenn wir eine Enzyklopädie sein wollen und kein Herrenmagazin, dann muss diese Schieflage beseitigt werden. Wir brauchen Autorinnen, damit die „weiblichen“ Themen besser zur Geltung kommen. Kluge, gebildete Frauen, die sich die Mühe machen. Gerade von diesen fühlen sich jedoch viele abgestoßen. Stellen wir uns der Wahrheit, Männer (!): Wir genießen draußen nicht den besten Ruf!

Zum einen also die Umgangsformen. Auch in Sankt Gallen war das ein Thema, und Gnom hat dazu geschrieben, wie wichtig es ist, dass wir da am Ball bleiben. Es sind nicht nur die ganz krassen Feindseligkeiten. Auch kurz angebundene Reverts, Insider-Jargon und herablassendes Gehabe stoßen ab.

Ich möchte auf einen weiteren Faktor näher eingehen: das generische Maskulinum. Hierzu gab es jüngst einen bemerkenswerten Streitfall. Er drehte sich um diese Liste. Sie fing sich einen Löschantrag ein, der zurückgezogen wurde. Auf erneuten Löschantrag löschte sie dann ein Admin. In Löschprüfung entschied dann eine Admina, dass die Liste wiederhergestellt wird und bleibt. In der Löschdiskussion ergab sich unter anderem:

  1. Die Liste sei redundant zu einer übergreifenden Liste von Science-Fiction-Autoren.
  2. Ein Filtern nach weiblichen oder männlichen Personen sei besser mithilfe einer sortierbaren Liste und einer Spalte Geschlecht zu bewerkstelligen.
  3. Die Aufnahme einer solchen Spalte in Personenlisten war jedoch früher einmal generell abgelehnt worden.

Neben der sehr ausgiebigen Lösch- und Löschprüfungsdiskussion fand das Ganze auch seinen Widerhall auf Twitter, und da kamen wir ganz schlecht weg. Das war eine prima Anti-Werbung für neue Autorinnen.

Nun gut, der Artikel bleibt. Aber ein Nachhall hat sich ergeben, nämlich ein Meinungsbild zur Nennung des Geschlechts in Personenlisten. Würde mich freuen, wenn Ihr zahlreich für den Antrag stimmt, sobald das Meinungsbild zur Abstimmung kommt.

Persönlich habe ich auch so meine Erfahrungen. Aufgrund meines Interesses für Flamenco schreibe ich des öfteren Biografien über Tänzerinnen. Jedesmal, wenn ich den Text fertig habe, und es ans Veröffentlichen geht, komme ich mir sehr albern und schratig vor. Dann heißt es nämlich, Kategorien zu vergeben: Flamenco-Tänzer, Spanier, und dann – Frau. Holla die Waldfee! Sodann gilt es, die Person in die Liste bedeutender Tänzer einzutragen. Tänzer! Ohne jetzt nachgezählt zu haben, vermute ich stark, dass es sich mehrheitlich um Frauen handelt.

Das Argument, dass es sich um Gattungsbegriffe handelt, und dass Frauen „mit gemeint“ seien, stimmt einfach nicht. Es ist inzwischen gut belegt, dass Menschen bei Bezeichnungen wie Ärzte, Ingenieure oder Tänzer vorwiegend Männer vorstellen. Das grammatische Sein bestimmt das Bewusstsein. Diese Zurücksetzung ist ein Grund, warum sich manche Frau, die Wertvolles beitragen könnte, der Mitarbeit verschließt.

Lasst uns das generische Maskulinum zurückdrängen. Die Liste bedeutender Tänzer lässt sich schadlos nach Liste bedeutender Tänzerinnen und Tänzer verschieben. Dass das Lemma länger wird, ist nicht schlimm. Die Bezeichnung taucht ja nicht ständig in irgendwelchen Fließtexten auf.

Etwas komplizierter wird es bei den Kategorien. Hier ist eine technische Erweiterung nötig. Ich stelle es mir so vor, dass die Kategorien eine weibliche und eine männliche Ausprägung bekommen, etwa so: Kategorie:Tänzerin|Tänzer. Ja nachdem, ob die Person dann zur Kategorie Frau oder Mann gehört, wird die eine oder andere Form gezogen. Ich habe volles Vertrauen in unsere Entwicklerinnen, dass sie das realisieren können.

Ihr Männer und Frauen, was ist das Ziel der Wikipedia, wofür arbeiten wir? Unser Ziel ist, Wissen korrekt, möglichst verständlich und interessant zu vermitteln. Die sprachliche Form ist nur Mittel zu diesem Zweck. Sprache wandelt sich, in zwanzig Jahren werden unsere Kinder und Enkel anders schreiben als wir. Althergebrachte Formen eisern zu verteidigen, kann nicht unser Ziel sein. Stellen wir uns dem Wandel, schaffen wir eine moderne Enzyklopädie, die alle einbezieht!

MB, 27.3.

Fwd: I decided to leave the working group

Wikipedia hat sich verändert, die Community hat sich verändert, die Wikimedia-Organisationen haben sich verändert, und auch der Kurier ist nicht mehr der gleiche wie noch vor wenigen Jahren, als ich auf dieser Seite noch als Autor aktiver war. So begrüßte mich etwa Schlesinger Ende 2011, als wir uns das erste Mal in Köln begegnet sind, ich sei ihm als Journalist erinnerlich – auf Nachfrage: er kenne mich als jemand, der Beiträge für den Kurier schreibe. Aha. Vielleicht wäre es an der Zeit, damit wieder anzufangen, jedenfalls von Zeit zu Zeit, denn zu den Veränderungen, die den Kurier betreffen, gehört auch, dass es schon seit mehreren Jahren gar keine laufende Berichterstattung mehr über die Entwicklung der Trägerorganisationen von Wikipedia gibt. Auch Veränderungen im Board der Trägerstiftung oder bei den Führungspositionen und den Zuständigkeiten der leitenden Angestellten werden fast nicht mehr wahrgenommen. Die Vereine posten hier ihre Wasserstandsmeldungen, sie werden nickend zur Kenntnis genommen, und die Herde zieht weiter. Kann man so machen, klar. Dem entspricht so ziemlich das völlige Verschwinden der Community aus den Wikimedia-Mailinglisten, die sich mittlerweile als reine innerbetriebliche Foren darstellen, in denen fast alle mit einer wikimedia.xy-Adresse posten und in denen alle unter sich und somit so ziemlich einer Meinung sind. Und die Blogs und die Social-Media-Kanäle der Wikimedia-Organisationen werden als Unternehmenskommunikation betrieben, auf denen Spender angesprochen und politische Aktionen propagiert werden.

In diesen alles übergreifenden Konsens hinein erhielten wir heute auf der Mailingliste Wikimedia-l ein Posting des Vorsitzenden von Wikimedia Israel Itzik Edri, der gerade den seit geraumer Zeit schon laufenden „Strategieprozess“ der Wikimedia Foundation verlassen hat, und zwar aus Gründen. Er veröffentlicht dort eine Mail, die er bereits am 13. März 2019 an eine Arbeitsgruppe geschrieben hatte, an der er beteiligt war. Und der er den Rücken gekehrt hat, weil das dort betriebene Geschäft – die Erarbeitung einer neuen „Strategie“ für die Stiftung und die mit ihr verbundenen Organisationen – aus seiner Sicht wohl keine Aussicht auf Erfolg mehr haben dürfte. Zu lange angelegt sei es – über Jahre laufe es schon und soll es noch laufen. Zu viel Geld fließe da hinein – unüberschaubar viel. Zu viele Köche hätten an dem Brei schon mitgekocht – und er wird und wird nicht besser. Zuviele Arbeitsstunden für Angestellte und Freiwillige seien es geworden. Zwischen seinen Zeilen wähnt man das Wort „Verschwendung“, allein es fällt nicht, irgendeine Hemmung hat ihn wohl davon abgehalten, es noch offener zu sagen, obwohl er immer wieder darauf Anlauf nimmt. Mit seinen Gedanken stehe er keinesfalls allein. Er habe Zweifel, ob das Board das alles noch überblicke, worauf man sich hier eingelassen habe. Und man möge sich doch einmal Gedanken darüber machen, ob es nicht besser wäre, das alles abzubrechen, weil nichts dabei herausgekommen sei und wohl auch nichts mehr herauskommen werde. Es liest sich, als wäre es ein einziges großes Arbeitsbeschaffungsprogramm gewesen bisher und vielleicht ein bisschen bitter flicht er ein, nicht Wikidata sei das jüngste Wikimedia-Projekt geworden, sondern eher doch der Strategieprozess.

Itzik Edri veröffentlicht diese zwei Wochen alte Mail zu keinem beliebigen Zeitpunkt, sondern nur zwei Tage vor dem Wikimedia Summit, der vom 29. bis 31. März in Berlin stattfindet, also ab übermorgen, das große weltweite Treffen der Wikimedia-Funktionäre, das größte Zusammenkommen neben der Wikimania und neben ebendieser ein Fixtermin für das Board zu einem seiner vier traditionellen persönlichen Treffen im Jahresablauf. Der Kurier kann letztlich nicht beurteilen, ob die Enttäuschung, die in dieser E-Mail zum Ausdruck kommt, gerechtfertigt ist oder nicht, dazu gibt es viel zu wenige wirklich aussagefähige Stellungnahmen und Anhaltspunkte über die lange, lange Zeit, auf die sich Edri bezieht. Aber die Mail gewährt einen Blick hinter die Kulissen, einen Einblick in den Normalbetrieb hinter den bunten Logos und den meist allzu perfekt getexteten Statements, in eine Welt, die den meisten Wikipedianern bis heute fremd und dunkel geblieben ist und mit der sie sich nicht so recht anfreunden möchten, die aber gleichwohl die Grundlage und die Folie bildet für alles, was sonst noch in Wikipedia geschieht, weshalb hier auch darüber erzählt werden soll. (A, 27.3.)

POTY 2018: keine Tiere in den Top 5

Jedes Jahr wird auf den Wikimedia Commons, dem zentralen Medienspeicher für alle Wikimedia-Projekte, das „Bild des Jahres“ (Picture of the year, POTY) gewählt. Grundlage für die Wahl waren die 963 ausgezeichneten Medien-Dateien des Jahres 2018. In der ersten Runde schickten 2983 Abstimmende die 30 bestplatzierten und von jeder der 25 Kategorien die besten zwei in die zweite Runde. Aus den 57 Finalisten wurden nun durch 3496 Wählerinnen und Wähler die besten Bilder 2018 ermittelt, und der Gewinner mit 439 Stimmen ist JasonWeingart, ein Sturmjäger und Wetter-Nerd, dessen Foto von der Entstehung eines Tornados in Minneola (Kansas) am 24. Mai 2016 eine Fotomontage von acht Folgebildern ist. Das Bild wurde im Rahmen des Fotowettbewerbs der Wissenschaften 2017 hochgeladen und ist bisher der einzige Upload des Vaters und Profifotografen. Platz zwei und drei folgen eng aneinander mit 361 und 356 Stimmen. Die in den Vorjahren so beliebten Tierpaare (der Kurier berichtete) kamen dieses Jahr erst auf Platz sechs zum Zuge mit einer Katze und einer Echse. Auch in diesem Jahr zeigen die Gewinner das ganze Spektrum von Menschen und Tieren, Architektur und Landschaft. Hier das Gewinnerbild und die weiteren fünf Besten:

Danke an alle, die mitgemacht haben! mh, 26.3.

Bekenntnisse eines Dauerdiskutierers

Vor neuneinhalb Jahren habe ich mir notiert: „Die Offenheit der Wikipedia ist eine einnehmende und zugleich tückische Sache. Sie fördert Auseinandersetzung in einem Maß, das nirgendwo sonst zu haben ist …: die Möglichkeit, mit Leuten offen zu streiten, mit denen man sonst nie an einen Tisch käme, ebenso wie die Grenzen.“ „Die Wikipedia bringt in der kooperativen (und konfrontativen) Arbeit Diskussionen zwischen Leuten zustande, die nirgendwo sonst miteinander diskutierten.“ „Die Wikipedia ist eine wahrhaft freie Schule des Ausdrucks, des Recherchierens, des Verstehens, des Präsentierens, des Streitens.“ „Ihre diskursvernetzende Kraft ist beispiellos.“

Der hymnische Ton dieser Notizen ist mir ein bisschen fremd geworden. Und doch komme ich nicht umhin, in der Rückschau auf diese neuneinhalb Jahre festzustellen: Es stimmt noch, immer noch. Trotz aller Verhärtungen und schweren Verluste hat sich die Wikipedia ein Stück Offenheit bewahrt. Noch immer treff ich hier auf Leute, mit denen ich sonst nie an einen Tisch käme. Noch immer lerne ich zu verstehen, was und wie jemand denkt, mit dem ich kaum etwas gemein habe. Noch immer ist die Wikipedia ein Ort, an dem sich Laien Dinge in Kooperation und Streit aneignen, die ihnen früher entzogen waren. Noch immer ist sie, anders als viele soziale Netzwerke, nicht ein Kampfplatz "feindlicher Stämme" geworden, wie es Michael Seemann kürzlich sehr treffend in einem ansonsten recht öden Artikel in der Augsburger Allgemeinen schrieb. Nicht dass es hier keine feindlichen Stämme gäbe, aber sie pflegen immer noch den Kontakt an den Außengrenzen ihrer Territorien, und manchmal können sie sich sogar verständigen.

Aus der Nahperspektive erscheinen mir die Jahre oft wie eine Kette von Niederlagen und Fehlentscheidungen. Im größeren Rückblick sieht das Bild trotzdem gar nicht übel aus. Wie ist es möglich, dass diese Offenheit nicht verschwunden ist, dass sie in diesem komplexen sozialen Gefüge über so lange Zeit erhalten bleiben konnte (freilich mit Blessuren), obwohl sie anderwärts im Netz furchtbar gelitten hat? Das ist doch eine enorme Leistung. Ich denke, ein Grund ist, dass die Konflikte sich auf konkrete Produkte der Zusammenarbeit konzentrieren (müssen), hauptsächlich die Artikel. Dazu kommen die "Grundprinzipien" der Wikipedia, insbesondere Neutralität und Belegpflicht: keines von ihnen logisch und philosophisch haltbar, zum Teil völlig abwegig begründet, aber, pragmatisch gesehen, der notwendige Bezugspunkt für die disparaten Positionen und Ideen der Streitenden und Kooperierenden. Und wohl auch die Zurückhaltung gegenüber dem, was man sonst so schön "Wertentscheidungen" nennt: Auf das Ziel der Wikipedia kann man sich gemeinsam beziehen, auch und gerade wenn und weil man sehr Unterschiedliches darunter versteht.

Es gibt freilich auch einen Punkt, der mich skeptisch stimmt. Sich in der Wikipedia zu bewegen ist sehr viel schwieriger geworden. Das stelle ich an mir selbst fest: Ich muss oft meine ganze Erfahrung aufbieten, um noch ansprechbar zu bleiben und mich nicht von den Erregungsdynamiken der Streitereien verschlucken oder verhärten zu lassen oder mich hoffnungslos im Netz der Loyalitäten zu verheddern. Mit der Nonchalance, mit der ich vor zehn Jahren auftreten konnte, würde das nicht mehr gehen. Das ist eine gefährliche Entwicklung, sie begünstigt nicht gerade eine Erneuerung der Wikipedia, wie sie in jedem Projekt immer mal wieder notwendig wird. Es wäre gut, wenn man alten wie neuen Wikipedianern ein wenig mehr Recht auf Unkenntnis und Irrtum einräumen würde. Das hätte auch schon früher schlimme Verluste vermeiden helfen können.--M., 25.3.

Technische Wünsche: Feedbackrunde zum Arbeitsmodus & Einladung zur Tech on Tour

Feedback spielt bei den Technischen Wünschen eine zentrale Rolle. Hier im Bild: Feedbackwand auf der WikiCon 2017.
Wie kann man den Arbeitsmodus der Technischen Wünsche noch verbessern? Ein Vorschlag dazu kann bis zum 24. April in dieser Feedbackrunde diskutiert werden.
Die Tech on Tour startet am 28. März. Eines der Themen an Bord wird ein Austausch über den Vorschlag zum Arbeitsmodus sein.

Der Arbeitsmodus der Technischen Wünsche

Mehr als fünf Jahre ist es her, dass Raymond hier in der deutschsprachigen Wikipedia die Umfrage Technische Wünsche gestartet hat, um zu erfahren, welche Funktionen in den Wikis fehlen oder verbessert werden sollten. Mittlerweile sind die Technischen Wünsche ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt der deutschsprachigen Community und Wikimedia Deutschland.

Ein Grundprinzip des Projekts ist es, erprobte Methoden weiterzuführen, aber gleichzeitig zu schauen, wie das Projekt gut weiterentwickelt werden kann. Und im Großen und Ganzen funktioniert der Arbeitsmodus, den sich die Community und das Projektteam 2015 gemeinsam vorgenommen haben, schon super. Die Technischen Wünsche sind ein Vorbild für kollaborative Softwareentwicklung geworden und es findet viel Austausch zwischen Projektteam und Community statt, beispielsweise in Feedbackrunden zu Zwischenständen der Entwicklung. Aber es zeichnen sich auch Aspekte ab, die noch verbessert werden können. Zum Beispiel bringen die großen Umfragen viele Wünsche hervor. Das ist einerseits gut, aber führte auf der anderen Seite in der Vergangenheit dazu, dass nur alle zwei Jahre eine Umfrage durchgeführt werden konnte und es kaum Raum für andere Ansätze gab, um Probleme zu identifizieren. Zudem hat die Unterschiedlichkeit der Wünsche auch zur Folge, dass pro Wunsch im Technische-Wünsche-Team viel Expertenwissen aufgebaut wird, das dann häufig für den nächsten Wunsch schon nicht mehr genutzt werden kann – was schade ist. Ein ausführlicherer Blick auf den bisherigen Arbeitsmodus findet sich hier.

Darum lautet der Vorschlag, den Arbeitsmodus der Technischen Wünsche so weiterzuentwickeln, dass all die Stärken des Projekts bewahrt und gleichzeitig die Herausforderungen angegangen werden können:

  • Innerhalb der Umfragen soll künftig über Themenschwerpunkte entschieden werden.
  • Welche Probleme in diesen Themenschwerpunkten angegangen werden, soll ebenfalls gemeinsam mit den Beitragenden in den Projekten erarbeitet werden. Hierfür sind verschiedene Ansätze denkbar, etwa themenspezifische Umfragen, Workshops oder auch etwas ganz anderes. Wer Ideen hat, ist herzlich eingeladen, sie in der Feedbackrunde zu teilen.
  • Das Ziel ist, immer an zwei Themenschwerpunkten parallel zu arbeiten, die jeweils für zwei Jahre im Fokus sind.

Ausführlicher ist der Vorschlag hier beschrieben. Durch die Bearbeitung von Themenschwerpunkten soll es möglich sein, erarbeitetes Wissen noch besser nutzen zu können und Umfragen häufiger als bisher durchzuführen. Und es soll mehr Raum entstehen, neue Ansätze der Zusammenarbeit auszuprobieren, um auch Leute zu erreichen, für die Umfragen nicht gut funktionieren.
Was sich ausdrücklich nicht ändern soll, sind die Grundprinzipien der Zusammenarbeit, etwa dass es um Probleme geht, die von Mitarbeitenden in den deutschsprachigen Projekten benannt werden, der Fokus auf Kommunikation und eine möglichst diverse Teilnehmerschaft.

Einladung zur Feedbackrunde

Vom 25. März bis zum 24. April 2019 findet eine Feedbackrunde zu diesem Vorschlag statt. Alle sind herzlich eingeladen, Fragen zu stellen und Ideen, Gedanken und eigene Erfahrungen mit guten Ansätzen der Zusammenarbeit zu teilen. Die Diskussion findet auf dieser zentralen Feedbackseite statt, um alle Kommentare an einer Stelle zu sammeln.

Einladung zur Tech on Tour

Der Vorschlag zur Weiterentwicklung des Projekts wird auch eines der Themen auf der diesjährigen Tech on Tour sein. Als zweites Thema wird es um den Austausch zu konkreten technischen Herausforderungen gehen. Die Tech on Tour findet parallel zur Feedbackrunde statt. Das Projektteam kommt nach Dresden (am 28. März), Köln (8. April), Stuttgart (12. April), Wien (16. April) und München (17. April). Mehr Infos zur Tech on Tour gibt es hier.

Wir würden uns freuen, viele bei der Tour und/oder der Feedbackrunde zu sehen! -- ray & js (wmde), 25.3.

PS: Wer künftig direkt über Feedbackrunden und Veranstaltungen informiert werden möchte, kann sich hier für den Newsletter eintragen.

Nicht in meinem Namen?

Es ist vorbei. Der Spuk hat ein Ende. Die Wikipedia ist wieder in vollem Umfang erreichbar. Die Medien urteilten gemischt entlang ihrer politischen Meinungsleitplanken. Andere wiederum fanden den Black Out nicht schlecht, empfahlen zur Abwechslung wieder ein gedrucktes, analoges Lexikon, falls vorhanden, zur Hand zu nehmen und über vergangene Zeiten zu sinnieren. Eigentlich könnte alles in bester Ordnung sein, gäbe es nicht Kritik dahingehend zu üben, dass die ganze Geschichte, nun sagen wir es so, recht unprofessionell durchgezogen wurde.

Am Anfang stand ein Meinungsbild, an welchen sich nur wenige Autoren beteiligten und letztendlich für die „Abschaltung“ der Wikipedia stimmten. Die Welt vermeldete in diesem Zusammenhang folgerichtig „Für den ersten Wikipedia-Blackout aller Zeiten stimmten nur 139 Personen“. Richtig! Eine Minderheit der aktiven Autoren bestimmt die Außenwahrnehmung der Wikipedia, nutzt diese für ihre politische Agenda.

Hier ist in Zukunft dahingehend Abhilfe zu leisten, dass Meinungsbilder welche politisch motiviert sind und nicht explizit den internen Bereich der Wikipedia betreffen, mit ausreichendem Vorlauf sowie in geeigneter Weise anzukündigen sind. Ziel muss es sein eine breite Basis bezüglich der allgemeinen Akzeptanz zu schaffen. Ein Artikel hier im Kurier, dienend als Initiation des Meinungsbildes ist informatorisch nicht ausreichend. Gleiches gilt für die Aussage, es sei ja möglich sich unter der Zuhilfenahme diverser „Mittel“ zu informieren. Viele Autoren zeigen wenig Interesse an den internen Abläufen der Wikipedia und nutzen die entsprechenden Angebote zur Informierung nicht, oder nur wenig. Sie verweigern sich der Wikipedianischen Interna, möchten aber gegebenenfalls über externe Belange mitbestimmen dürfen.

Kurzum. Ist die Außendarstellung der Wikipedia betroffen, ist ein Meinungsbild zu initiieren, an dem so viele Autoren wie möglich teilnehmen, nachdem umfassend dieses angekündigt wurde, wobei die einfache Mehrheit hinsichtlich des Abstimmungmodus nicht zulässig sein darf. Eine Zweidrittelmehrheit ist unerlässlich, da nur so nach außen hin verdeutlicht wird, dass eine große Mehrheit der Autorenschaft zu den politischen Aussagen der Wikipedia steht.

Aufgrund oben beschriebener Gründe, sowie der halb garen technischen Umsetzung der Abschaltung erlaube ich mir anzumerken, dass der gesamte gestrige Vorgang nicht in meinem Namen erfolgte und ich daher darum bitte, zukünftig eine angedachte politische, öffentliche Äußerung im Namen der Autorenschaft der Wikipedia, gebührend, dem Anlass entsprechend, intern vorzubereiten und letztendlich mit adäquaten Mitteln umzusetzen. --Nardole (Diskussion) 17:16, 22. Mär. 2019 (CET)

Wasser in den Wein oder Schwarz ist nicht die Farbe der Unschuld

[Kommentar] Eine politische Botschaft und ein Tag lang nur schwarzer Bildschirm statt Wikipedia. Was solls. Oder doch nicht? Wurde diesmal eine Grenze überschritten?

  • Wer am 21. März die Wikipediaseiten aufrief, bekam einen Text zu sehen, der keinerlei enzyklopädischem Standard entspricht: einseitige Darstellung, selektive Nennung von Unterstützern, Aufruf zum Handeln. Wie es eben bei einem solchen politischen Statement üblich ist.
  • Kucken wir mal in die Wikipedia. Urheberrechtsreform der Europäischen Union, ein umfangreicher Artikel, viele Quellen und Aussagen, keine offensichtliche Tendenz. Aber „die Wikipedia“ ist doch dagegen? Steht da die ganze Wahrheit? Steht sie! Oder?
  • Blicken wir tiefer. Das Reizwort der Diskussion lautet Upload-Filter, den interessanterweise nur die deutschsprachige Wikipedia kennt, andere erklären nur den neutraleren Begriff Contentfilter. Nun gut, wirkt trotzdem ganz ordentlich, oder? Es ist subtil, aber trotzdem leicht erkennbar: Uploadfilter „sollen“ erkennen, das Hifsverb steht seit biblischen Zeiten für Fehlbarkeit und Zweifel. Julia Reda findet Uploadfilter unproblematisch … aber ausschließlich bei Kinderpornografie. Reda vertritt prominent die Anti-Artikel-13-Seite, was aber nicht einmal in ihrem eigenen Artikel erkennbar ist.

Sind wir ehrlich: Neutralität ist ein hehres Ziel, das selbst die „Besten“ oft verfehlen. WP-Autoren sind ganz normale Menschen, die zwar ihr „Bestes“ versuchen, aber hinsichtlich Objektivität regelmäßig scheitern. So ist die Wikipedia, so ist die Welt.

Wenn aber im Namen der Wikipedia in einer hochkontroversen Diskussion einseitig Stellung bezogen wird, wie wirkt das dann zurück auf die Inhalte, die wir darstellen? Wenn die WP öffentlich auch nur in einer einzigen Frage keine Meinungspluralität zeigt, sondern nur die Argumente der einen Seite vertritt, kann man dann der Meinungsdarstellung in den Artikeln noch trauen?

Dieser Aktionstag war kein harmloses „Schuleschwänzen“, um für die eigene Zukunft zu demonstrieren. Er war ein ganz gefährliches Spiel mit den eigenen Werten. Das große Medienecho mag in der Sache ein Erfolg sein, es verbreitet aber auch unwiderrufbar die Botschaft: die Wikipedia ist ein politischer Akteur. Und damit stellt sie die eigene politische Unschuld infrage. HvW, 22.03.

„Der Dämon der Revolution ist kein Individuum, keine Partei, sondern eine Rasse unter den Rassen“

„Warum hat dieser egoistische kleine Jude elsässischer Herkunft, der über Macht verfügt, am Vorabend der Proklamation der Diktatur alle französischen Truppen aus Budapest abgezogen?“ (S. 39) „Ist all unser alter Rassenstolz, all unsere glorreiche Geschichte, von Juden so unter den Füßen getreten zu werden? Warum verzögert sich die Entente? Warum gibt es dem Bolschewismus Zeit, eine Armee für seine eigene Unterstützung zu rekrutieren?“ (S. 40) „Unter dem Deckmantel der Philanthropie werden galizische Juden und proletarischer Pöbel unter die verhasste Bourgeoisie gepflanzt. … Zuhause ist nicht mehr Zuhause.“ (S. 44) Ok, vielleicht liegt es an der automatischen Übersetzung? „Red soldiers who brought them behaved quite nicely. They had put altogether three families and a school into the flat; they were Jews and Proletarians but it was all right, no harm had been done, everything had gone smoothly. Only a little furniture and a few pictures were left behind in the flat.“ (S. 49) „Is the national ideal of Hungary more dangerous in the eyes of the Entente than the national ideal of the Jews?“ (S. 52) usw. Diese Fragen und noch viele mehr finden sich in einer Quelle für Wikipedia.

Es ist eine Quelle für mehrere Bilder eines Artikels über einen Journalisten, KP-Funktionär und Opfer stalinistischer Säuberungen Bela Kun. Ein antisemitischer Klassiker in englischer Übersetzung einer drittklassigen ungarischen Autorin (Cécile Tormay). Bilder aus diesem „Werk“ dienen also der ungekennzeichneten Illustration eines Wikipedia-Artikel über eine Person die in der völkischen Propaganda, auch in der NS-Propaganda das Phantasma des jüdischen Bolschewismus nahezu prototypisch verkörpert.

In der durch den optischen Bildbetrachter gut versteckten Bildlegende auf Commons findet sich ein Link auf den Volltext von 1923. In dem man mit einer Suche nach „jews“ schnell (siehe oben) einschlägig antisemitisch fündig wird.

Laut unserer Bildbeschreibung soll das Portrais von Bela Kun aus dem Jahr 1923 stammen. Das ist aber das Erscheinungsjahr der englischen Übersetzung dem das Bild entnommen wurde. Der visuelle Hinweis darauf, dass es sich um ein Scan aus einem Buch handelt, wurde im Laufe der Zeit durch Beschneiden entfernt. Der Bildautor ist mit der Textautorin falsch angegeben, woher die Bilder tatsächlich stammen ist unbekannt.

Doch zurück zum Text: “The demon of the Revolution is not an individual, not a party, but a race among the races. … He penetrates the bodies of the nations. He invisibly organises his own nation among alien peoples. He creates laws beyond the law” (S. 59) Oder automatisch übersetzt: „Der Dämon der Revolution ist kein Individuum, keine Partei, sondern eine Rasse unter den Rassen. … Er dringt in die Körper der Nationen ein. Unsichtbar organisiert er seine eigene Nation unter fremden Völkern.“ Das nahezu identisch mit Antisemitismus aus dem NS. So einem Machwerk wählt seine Bilder nicht danach aus, dass sie die Person neutral oder gar positiv darzustellen, sondern um sie zu denunzieren. Dazu werden die nützlichsten Bilder ausgesucht und diese ggf. noch retuschiert bis die „jüdischen Rassenmerkmale“ besonders hervortreten. Und die Textpassage zeigt, dass auch Tormay Anhängerin eines rassenbiologischen Rassismus war. (Nebenbei scheint mir tatsächlich etwas an dem Bild gepfuscht zu sein, wenn man etwa die Fülle der Haare verschiedener im Internet auffindbarer Kun Bilder vergleicht, auch die Lippen scheinen mir sehr unterschiedlich). Und dieses Bild diente auch als Vorlage des Umschlagbild von „Béla Kun. Eine historische Grimasse.“ (1928) von Géza Herczeg. Ein wenig zu der Dämonisierung von Kun findet sich hier: S. 32f

Nun gibt es zwei Ebenen warum die Verwendung des Bildes oder milder die Verwendung ohne Kontext in Wikipedia nicht stattfinden sollte: Zum ersten die moralischen Gründe: Es handelt es sich um sowas wie geraubte Bilder, der Dargestellte wäre niemals mit der Verwendung seiner Bilder in diesem antisemitischen, heute wohl unter Volksverhetzung fallenden Kontext einverstanden. Der Anstand verbietet also aus moralischen und politischen Gründen solche Nachverwendung. Das zweite ist, dass die wichtigen Formalien nicht eingehalten wurden. Die Herkunft der Bilder ist ungeklärt, nicht nachvollziehbar, die Datierung offensichtlich ebenso wie die Angabe des Bildautoren falsch. Noch dazu fehlen etwa Informationen zum Fotografen und Ort. Und es ist somit auch nicht zu belegen, dass es sich um unverfälschte Bilder handelt. EF 22. Mär. 2019

a bit weird

An verschiedenen Stellen in Wikipedia haben in den letzten 2 Wochen Dutzende Autoren auf schwere Mängel am Bannertext zur Protestaktion zur EU-Urheberrechtsreform aufmerksam gemacht. Einige haben dabei gefragt, wie solche Mängel an WMF kommuniziert werden. Der Initiator des MBs hat zunächst angegeben, dass Änderungswünsche an WMF weitergegeben würden. Ich habe WMF per Mail um mehr Transparenz gebeten; ich habe darum gebeten, dass WMF sich auf der Diskussionsseite des Meinungsbilds oder auf jener des Kuriers dazu äußert, ob bzw gegebenfalls wie WMF den im MB beschlossenen Bannertext tatsächlich ändern wird. Die Antwort, die ich per Mail erhalten habe, war, dass WMF beschlossen habe, nur den Initiator anzuhören, wie der im MB beschlossene Text noch geändert werden könnte. („To open this to a general community discussion again would ssem a bit weird.“) Gleichzeitig behauptet der Initiator des MBs mittlerweile nicht mehr, Änderungsvorschläge an WMF weiterzugeben, sondern meint, WMF würde die Diskussionsseite des MBs verfolgen, und deutet dabei an, dass WMF den Bannertext bereits geändert habe. Gleichzeitig wird jedoch seit 2 Tagen ein Banner geschaltet, wonach die Protestaktion „gemäß Meiningsbild“ durchgeführt wird — also offenbar mit unverändertem Text. Seitens WMF hat es bisher niemand der Mühe wert befunden, öffentlich in der deutschsprachigen Wikipedia dazu Stellung zu nehmen, welcher Text tatsächlich am 21.3. angezeigt wird. Das wiederum finde ich „a bit weird.“ Niki.L 20. Mär. 2019 (CET)

Die „Affäre Bela Kun“ im Jahr 1928 und 2019

Ich hatte im Kurier dieses Jahr schon über den Artikel Franz Dinghofer gemosert. Es folgte eine weitere Kritik in einem Blog.[1] Wem der Herr nichts sagt: Er ist eine von der FPÖ als geistiger Vater verehrte Person. Die FPÖ hat auch ein Parteiinstitut nach diesem nationalistischen Antisemiten benannt. Wikipedia-Autoren aus Österreich und/oder Autoren, die zu Studentenverbindungen schreiben, hatten den Artikel munter nach der Hausgeschichtsschreibung ausgebaut, bis hin zu Formulierungen, die einen Antisemitismus ohne Antisemiten bedeutete.

Am 15. und 16. März wurde der Artikel überarbeitet, die Hausgeschichtsschreibung etwas gemindert, die Fakten mit Belegen versehen. Ein wirklicher Klopper ist noch vorhanden. Und ich denke, es ist notwendig, hier auf diesen hinzuweisen, da er ein strukturelles Problem bei dieser Art Geschichtsschreibung aus der Lokalperspektive, die sich zu ihrem Gegenstand unkritisch verhält. Es geht um ein Fragment des alten Artikels, die „Affäre Bela Kun“. Nun weder in der heutigen Fassung, noch im Artikel über Bela Kun wird deutlich, um was es hier ging. Und das ist ein Versagen.

Bela Kun war die zentrale Führungspersönlichkeit der kurzlebigen ungarischen Räterepublik, die von Truppen unter Miklós Horthy niedergeschlagen wurde, der dann bis 1944 Staatsoberhaupt wurde. Er und weitere Revolutionäre sowie ihre Familien flüchteten nach dem Ende der Räterepublik und baten in Österreich um Asyl. Bela Kun wurde in einer Nervenheilanstalt in Haft genommen, dort gab es einen Mordanschlag auf ihn. Später wurde er des Landes verwiesen und 1928 mit einem Pass auf einen anderen Namen in Wien verhaftet und wegen Geheimbündelei (hier: Arbeit für die Komintern), und heute wäre das wohl illegale Einreise, zu drei Monaten verurteilt. Derweil verlangte Ungarn seine Auslieferung, ihm hätte die Todesstrafe gedroht. Er saß die Haft ab, Österreich ließ ihn nach Deutschland ausreisen und hatte diese Möglichkeit mit der deutschen Regierung abgeklärt. Dinghofer verlor seinen Posten, weil er einer Abschiebung nach Ungarn als Justizminister widersprach. Soweit etwa der faktische Ablauf. Um den Fall gründlich zu verstehen, bedarf es noch ein wenig Hintergrund.

Bela Kun ist eine der Personen, deren Name fällt, wenn Antisemiten von einem jüdischen Bolschewismus fabulieren, zeitgenössisch und bei besser „informierten“ Rechtsextremisten auch heute. Die kurze Episode der ungarischen Räterepublik spielte da nicht nur national durch die Bewegung um Horthy sondern auch international etwa in Österreich und Deutschland für die völkischen Bewegungen und andere Antisemiten eine große Rolle. Und nun muss man noch mal die „Affäre“ genau ansehen.

Zum ersten: Der Auslöser ist ein Artikel der Reichspost, eine Zeitung die gerne antisemitisch austeilte. Die Reichspost beschwerte sich darüber, dass Dinghofer, immerhin Gründer einer antisemitschen Partei, Bela Kun nicht ausliefern wollte. Der schickte aus seiner Kur ein Telegramm, das betonte, dass er mit seinem Chef Ignaz Seipel in diesem Punkt einig sei. Das Telegramm wurde verfälscht weitergegeben; das war sein Ende als Justizminister und auch der Koalition.

Letztlich haben wir es also mit einem Zank unter Antisemiten zu tun, wie mit einer Person, die einem antisemitischen Phantasma zur Illustration dient, umzugehen ist. Horthy und der Antisemitismus wären auch noch auszuleuchten.

Was davon steht nun im Artikel Dinghofer? Das hier: „Infolge der ‚Affäre Béla Kun‘ trat Dinghofer am 4. Juli 1928 als Justizminister ab und zog sich aus der Politik zurück.“ Also nichts. Im Artikel Bela Kun ist auch Fehlanzeige. Ist denn überhaupt der Begriff „Affäre Béla Kun“, der in den Artikel aufgrund eines Schuljahrbuches eingeführt wurde, angemessen? Neutral? In der Geschichtswissenschaft etabliert? Durch die Nachbequellung dieses nun schon 11 Jahre alten Satzes hat Wikipedia immerhin etwas, das wie eine solide Quelle aussieht, auch wenn in ihr Antisemitismus fehlt. Nur die Quelle verwendet mehrere Begriffe, auch Dinghofer-Affäre. Laut Wikipedia bezeichnet eine Affäre einen öffentlichen Skandal, also verwerfliche Machenschaften beziehungsweise Versagen größeren Ausmaßes in Politik, Verwaltung, Wirtschaft oder Medien. Nun hat Kun hier gar keine verwerflichen Machenschaften getrieben, das Gericht kam wegen zweier Kleinigkeiten auf drei Monate Knast. Unter Machenschaften fällt aber wohl die Hetze der Reichspost und in der Partei Dinghofers.

Und nun gucken wir mal in im aktuellen Artikel angegebene Literatur: Zuvor noch mal WP:LIT: „Es werden die wissenschaftlich maßgeblichen Werke sowie seriöse, möglichst aktuelle Einführungen aufgeführt. Eine beliebige oder möglichst lange Auflistung von Büchern ist nicht erwünscht. Die Werke müssen sich mit dem Thema des Lemmas selbst befassen und nicht mit verwandten, allgemeineren oder spezielleren Themen. Die Pflicht, die Relevanz von Literaturhinweisen nachvollziehbar zu begründen, liegt bei dem, der sie im Artikel haben möchte.“

Das Handbuch der deutschen Burschenschaft ist da schon mal ein Witz. „Uta Jungcurt: Alldeutscher Extremismus in der Weimarer Republik: Denken und Handeln einer einflussreichen bürgerlichen Minderheit. De Gruyter, Berlin 2016“ vermutlich ein gutes Buch, um den politischen Hintergrund zu beschreiben, leider wird es im Artikel nicht verwendet. „Fritz Mayrhofer: Franz Dinghofer – Leben und Wirken (1873–1956).“ Ist derzeit Hauptquelle des Artikel, aber wegen seiner biographischen Ausrichtung sicher nicht als alleinige Quelle brauchbar.

Was tun? Der Artikel müsste von politikwissenschaftlicher Literatur aus neu geschrieben werden. Diese Zusammenstellungen aus unkritischer lokalgeschichtlicher Perspektive führt notwendig zu POV auch wenn die FPÖ-Ideologen und Verbindungsleute in WP die Finger vom Artikel lassen. Und um noch mal darauf hinzuweisen, dieser Artikel hat eine erhebliche politische Dimension: Dinghofer als Vorbild der rechtspopulistischen FPÖ, Horthy – dessen antisemitische Wirkung bis in den Holocaust an den ungarischen Juden reicht - als Vorbild für die ungarische Fidesz, die Kampagnen gegen internationale Juden fährt. EF 18. Mär. 2019 (CET)

Kreuzritter-Mythos

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Vielfach ist bereits die Namensnennung von Extremtätern bei strittigen Artikeln in der Wikipedia (WP) diskutiert worden, wie beispielsweise 2011 bei den Anschlägen in Norwegen 2011 über den Massenmörder Anders Behring Breivik. Es gab Löschanträge und Löschprüfungen, die auf „Behalten“ entschieden wurden. Meist orientierte man sich am Artikel 8 des Pressekodex des deutschen Presserats, der sich mit Persönlichkeitsrechten befasst. Ein gewichtiges Argument war ebenso, dass ja die allgemeine Presse den jeweiligen Namen des Täters bereits breit veröffentlicht hatte. Was soll also eine „Geheimhaltung“? Die Relevanz ergäbe sich aus der zeitüberdauernden Bedeutung. Der Bildungsauftrag der deutschsprachigen WP umfasst zweifellos auch Informationen über üble Zeitgenossen, wie Osama bin Laden, Franz Fuchs, Timothy McVeigh, Mark David Chapman oder Josef Fritzl.

Aus aktuellem Anlass, nämlich dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch vom 15. März 2019 sollte man – neben den Konsequenzen aus dem Persönlichkeitsrecht – differenzieren und bei bestimmten Tätern einen weiteren Aspekt berücksichtigen, den der Politikwissenschaftler Peter Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King’s College in London, in einem Interview in der ZEIT ansprach:

„Breivik hat diese ganze Ideologie der Kreuzritter geschaffen und ihr mit seiner Tat die Strahlkraft verliehen. Der Täter von Christchurch sah sich in der Tradition dieser Idee und war dadurch nicht nur irgendein Loser, sondern Teil einer großen historischen Bewegung. Das ist für Terroristen immer wichtig. Denn niemand will ein einzelner Loser sein. Jeder will etwas sein, das groß ist und bedeutend. Der Kreuzritter-Mythos, den Breivik geschaffen hat, das ist für solche Terroristen wie in Christchurch entscheidend“. … „Er hat alle medialen Mittel genutzt, die ihm zur Verfügung stehen. Er hat das Manifest online gestellt, versucht, die Tat live zu übertragen, einen Mythos um die eigene Person zu schaffen. Und so andere zu ähnlichen Taten anzustiften“.

Breivik (dem man das Mythos bereits geschaffen hat) ist heute immer noch stolz auf seine „Taten“. Soll die WP dieses Kreuzritter-Mythos fördern oder gar indirekt Nachahmer anstiften? Deshalb darf sich die WP in solchen Fällen nicht an der auflagenorientierten Sensationspornografie der allgemeinen Presse orientieren. Über den Fall objektiv berichten – ja, falls er zeitüberdauernde Bedeutung hat, aber die Namen solcher Täter – sowohl aus der rechtsextremen Szene als auch der Dschihadisten – haben in der WP nichts verloren. Presseveröffentlichungen vergehen, aber die WP bleibt. Py, 16.3.

Wichtige Info für Nutzer: Warum Wikipedia bald abgeschaltet wird

Schnippschnapp. Aus und vorbei.

Schweißausbrüche bei Schülerinnen und Schülern.
Panikattacken im deutschsprachigen Raum.
Nein. das. ist. kein. schlechter. Witz.
Leserinnen und Leser unseres hauseigenen Pressespiegels wissen schon: Das ist die Überschrift, mit der der Berliner Kurier, die Hamburger Morgenpost und der Kölner Express über das Ergebnis unseres Meinungsbildes Protest gegen EU-Urheberrechtsreform informieren. Dochdoch: obendrüber steht in sehr hellem Grau die Zeile »Wikipedia wird am 21. März für 24 Stunden abgeschaltet«, aber wer liest das schon?

Fakt ist jedenfalls: 67,9 % der Abstimmenden oder 146 der 215 Wikipedianerinnen und Wikipedianer, die abgestimmt haben, sprachen sich für den Protest gegen die EU-Urheberrechtsreform aus. Und 83,2 % (139 Stimmen) votierten für die komplette Abschaltung der Wikipedia. Nachdem die Medien on- und offline unmittelbar danach reagierten – das Zitat von oben ist nur ein Beispiel – zieht nun auch der Kurier nach.
Aber: mehr Details gibt’s noch gar nicht, denn Informationen über die Umsetzung von der Wikimedia Foundation, der Betreiberin der Wikipedia, liegen noch nicht vor.
Bleiben wir dran? Bis zur bitteren Abschaltung? JA! mh, 11.3.

Die Gesellschaft will wissen, wer wir sind

Geht es Euch etwas an, wer wir sind?

Zumindest ist das Landgericht Hamburg dieser Meinung. Hintergrund ist die Enthüllung der Identität von Benutzer:Feliks durch die Gruppe 42. Feliks hatte dagegen eine einstweilige Verfügung eingereicht, die im ersten Beschluss des Landgerichts auch bestätigt wurde, im Urteil aber widerrufen wurde. Die Verbreitung von Feliks Realnamen und seinem persönlichen Hintergrund hatte, nach seiner Aussage, zu einer Hetzkampagne gegen ihn geführt. Wie Der Standard am 28. Februar berichtete [2], argumentierte die Gruppe 42 vor Gericht „dass das Outing notwendig sei, da Wikipedia als Monopol zu bewerten sei und daher eine Nennung von Autoren, die mit Kontroversen auffallen, im öffentlichen Interesse liege“. Wikimedia war übrigens, laut eigener Aussage, nicht in diesem Fall involviert, weswegen es keine Stellungnahme von Wikimedia Deutschland gibt. Claudia Garád, Sprecherin von WMAT, erklärte der österreichischen Zeitung allerdings, dass bei Feliks „aufgrund seines Verhaltens und seiner Editierungen [es] leicht gewesen [sei], Rückschlüsse auf seine Identität zu ziehen.“

Die Möglichkeit zur Anonymität von Autoren ist ein Grundpfeiler der Wikipedia. Ich selbst verzichte ja darauf, bin aber in der Regel auch nicht so aktiv in den „heißen“ Themen. Feliks selbst hatte mal explizit auf meinen politischen Hintergrund in einem Konflikt verwiesen, was ich aber getrost als ohnehin bekannt abtun konnte. Im Falle von Feliks ist aber der Wunsch nach Geheimhaltung verständlich und aus meiner Sicht zu respektieren. Die Folgen dieses Bruchs der Wikipedia:Anonymität erlebt nicht nur Feliks. Auch andere Autoren können von Bedrohungen berichten (selbst wegen unpolitischer Themen) und man braucht sich nicht auszumalen, was der Verlust der Anonymität für viele Autoren zum Beispiel in der chinesischen oder türkischen Sprachversion bedeuten würde. Wie viele von uns wären in Zukunft bereit, in Artikeln zu Homöopathie, Reichsbürgerbewegung oder Klimawandel zu schreiben?

Das Landgericht hat, man erlaube mir hier die Meinung eines juristischen Laien, auch einige Denkfehler in der Argumentation der Gruppe 42 übersehen. Zum einen ist nicht ein Autor für die Texte in der Wikipedia verantwortlich, sondern eine Vielzahl, gerade bei heiklen Themen. Der Grundton eines Artikels wird von mehreren Händen getragen. Zum anderen, was noch viel wichtiger ist, sind wir Autoren nicht die Erzeuger von Inhalten, sondern geben (gerade in der deWP) referenziert wieder, was andere veröffentlicht haben. Bei uns finden sich, gemäß unserer Regeln, keine selbstgeschaffenen Inhalte, sondern nur eine Wiedergabe des bekannten Wissens.

Für Feliks ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn es nicht bei diesem Urteil bleiben würde. Vielleicht könnte WMDE hier unterstützend eingreifen. Denn die größte Gefahr für die freie Rede ist Angst. Und vor dieser Angst müssen die Autoren, die sich in gefährliche Gewässer wagen, geschützt werden. Ich wünsche Feliks auf seinem weiteren Weg viel Kraft und viel Erfolg. A luta continua! JPF 4.3.

Fasching in Augsburg

Zu berichten ist über kulturelle Schmankerl im Vorfeld unseres Faschingstammtischs in Augsburg. Diesmal hatte unser Augsburger WP-Kollege Neitram zwei Kunsthighlights vorbereitet, zuerst die kleine Ausstellung „Ausschneiden aus Passion – Der Kunstverleger und Kupferstecher Martin Engelbrecht (1684–1756)“ und dann einen Besuch im Kunstmuseum Walter im Glaspalast Augsburg.

Der Joker macht mobil

Wir Münchner trafen etwas früher ein im Kupferstecher-Kabinett in der Augsburger Maximilianstraße 48. Urplötzlich stand der Joker vor uns, Saluk hatte sich perfekt in Schale geworfen, von Kopf bis Fuß den psychopathischen Batman-Bösewicht imitierend. Das zog gleich ein paar mehr Augsburger Faschingsgeister an, die sich nicht minder historischen Figuren nachempfunden hatten.

Die Mäzenin und ihr Haus

Als erstes widmeten wir uns dem Gebäude, in dem sich die Kupferstecher-Ausstellung befindet, dem Höhmannhaus, in der Maximilianstraße 48 in unmittelbarer Nähe des Schaezlerpalais. In dem Haus hat Ruth Höhmann gelebt, eine Kunstsammlerin, die das denkmalgeschützte Gebäude der Stadt Augsburg vermachte. Ein Blick in die einschlägigen WP-Artikel zeigt, dass es einiges an enzyklopädischem Nachholbedarf gibt. Gute Gelegenheit, Informationen einzuholen und Fotos zu machen. Hier unsere Bildausbeute, hochgeladen in Commons.

Mein lieber Kupferstecher

In der Ausstellung über Martin Engelbrecht begegneten wir einem vielseitigen Künstler, der zugleich Kunstmanager und Verleger war. In seinem Verlag soll er mit seinen Mitarbeitern annähernd 4.500 Kupferstiche produziert und vertrieben haben, großenteils Bilderbögen mit Darstellungen und Beschreibungen des Alltags seiner Zeit, im 17. und 18. Jahrhundert. Vieles davon in durchaus enzyklopädischem Niveau. Besonders faszinierend das Diorama mit sechs kolorierten und ausgeschnittenen Kupferstichen, die in einem kleinen Guckkasten eine 3-D-Perspektive des Augsburger Rathausplatzes mit Augustusbrunnen, Rathaus und Perlachturm präsentieren.

Kunst in der Textilfabrik

Nach einem halbstündigen gemütlichen Spaziergang dann tat sich uns der Glaspalast auf, ein imposantes Industriedenkmal, das 1910 als Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg in Betrieb genommen wurde, inzwischen ein Ort geballter Kultur, mit dem Kunstmuseum Walter, dem H2 – Zentrum für Gegenwartskunst und einer Zweigstelle der Staatsgalerie Moderne Kunst. Das Gebäude ist ein früher deutscher Stahlskelettbau, bestehend aus fünf Stockwerken mit einer allseitig durchfensterten Fassade, die das Tageslicht in Raumtiefen von 45 Metern einlässt und der Spinnerei den Namen Glaspalast einbrachte. Ein idealer Ort für die ausgestellten Werke der Moderne und der zeitgenössischen Kunst.

Freud und Leid

Nach so viel Kunst und Kultur ging’s zu Speis und Trank, die indische Küche war diesmal dran. Zusammen mit Neitramsfrau und Neitramskind waren wir zu zwölft. Wir blickten nach vorne auf unsere bevorstehende Exkursion in die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek, wir hießen den Neu-Stammtischler Peerse in unserer Mitte willkommen, und wir freuten uns über den Besuch der Witwe eines verstorbenen Augsburger Wikipedianers, versteht sich, dass es da viel zu erzählen gab. Ja, es stimmt schon, der Augsburger Wikipedia-Stammtisch ist schon ganz was Besonderes. Pi 4.3.

Lesen und lesen lassen

Aus dem Blog des Lokal K:
Köln zur Karnevalszeit – vier Recken und ein Maderl treffen sich in einem schummrigen Lokal für ein ungewöhnliches Stelldichein. Sie wollen lesen, aus altertümlich anmutenden Papieren in Buchform – und sie wollen den jeweils anderen dabei lauschen, die dies tun; und Spaß daran haben. Dabei hat Lesen und lesen lassen bereits eine lange Tradition im Kölner Wikipedialeben. Jährlich zur Vorweihnachtszeit passiert dies seit Anbeginn der Community-Tage zur Huldigung des Raymolaus und gelegentlich fanden sich Einzelne auch schon in Gruppen zusammen, um diesem Treiben nachzugehen – zuerst in einem Körnerstraßen-Atelier und zuletzt im Lokal K.

John Cheever

Im Einzelnen: Der Frühabend begann mit einer Kurzgeschichte des amerikanischen Autors John Cheever aus den frühen 1950er Jahren mit dem Titel Das grauenvolle Radio, in dem der Autor von einem Radiogerät berichtet, mit dem es den Besitzern möglich ist, in das intime Privatleben der Nachbarn vorzudringen und sie zu belauschen. Diesem folgte mit der traurigen Geschichte vom Kind, das mit den Feen ging ein Ausflug in die irische Sagen- und Märchenwelt. Timur Vermes’ Roman Die Hungrigen und die Satten mit dem Porträt der verwöhnten HighSo- und beim Publikum sehr beliebten Moderatorin Nadeche Hackenbusch, die das „Elend“ in Deutschland aufzeigt und anschließend einen Flüchtlingsstrom aus Afrika begleiten soll, war die nächste Station. Gefolgt wurde diese durchaus realistische Vision von einem Ausflug in eine ganz andere Welt, die des Steampunk: Archibald Leach und die Monstrositäten des Marquis de Mortemarte, dorthin entführt von Markus Cremer. Hier steht die Dampfkraft im Zentrum (obwohl die Hauptperson im Roman die „Ätherkraft“ der Geister bevorzugen würde).

Mary Bauermeister (2019)

Sonette find ich sowas von beschissen tönt das Sonett von Robert Gernhardt dazwischen – gefolgt von einem Auszug aus der Lebensbeschreibung Mary Bauermeisters Ich hänge im Triolengitter: Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen. Bauermeister beschreibt eine Reise in die Hippie-Zeit und in die damalige USA, mit Namedropping und sexueller Freizügigkeit, inmitten derer sie mit dem Komponisten Karlheinz Stockhausen ihren Sohn Simon Stockhausen zeugt und in der sie heiraten. Es folgt ein Bruch, Diskussionen über die Freizügigkeit und Spießigkeit – diese Brüche gab es bereits vorher, Gedanken zu den Werken im Austausch von fünf Wikipedianern, die zum Lauschen kamen. Doch weiter im Leseprogramm: Der Pilz, der John F. Kennedy zum Präsidenten machte ist ein Sachbuch von Bernard Dixon über Mikroorganismen und ihre Rolle in der sie umgebenden Welt – wir hören das Kapitel Die Darmflora und lassen uns zu Flatulenzen, Darmwinden und Furzorgien entführen. Zeit für ein Break, etwas Brot und Käse … und danach für Honoré de Balzac und seine Tolldreisten Geschichten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Ausschweifend schildert der Autor in Die schöne Färberin, wie selbige ihren Gemahl „hahnreiht“ mit dem schmucken Priester, der „außer ihm den Finger in ihr Weihwasserkesselchen tunken durfte“ und so Vater ihrer zwei Kinder wurde. Zudem erfahren wir einiges über die Straße in Tours, in der Balzac geboren wurde – der Königin der Straßen, der nichts fehlt, der wahren Straße. Diese Geschichte und die Gespräche danach bilden den Abschluss eines besonderen Abends – der wiederholt werden soll. Achim Raschka, 2.3.

Wikipedia und die Kartoffeln

In der Sendung vom gestrigen 18. April 2019 der bekannten Latenight-Talkshow Neo Magazin Royale des Satirikers Jan Rainer Böhmermann wurde in der Rubrik Telelupe die Wikipedia – genauer gesagt die hiesige Deutschsprachige Wikipedia – satirisch-kritisch beleuchtet. Insbesondere gingen die Sendungsmacher dabei auf den bestehenden Gender-Gap bei der Autorenverteilung der deutschsprachigen Wikipedia ein. Auch auf die geringe Zahl an (aktiven) Autorinnen und Autoren sowie insbesondere Administratoren im Vergleich zur stetig steigenden Artikelzahl wurde kritisch hingewiesen – nicht, ohne dabei auch ein paar billige Lacher für das Aufzeigen von Benutzernamen hierzuwiki bekannter und verdienter Autoren abzustauben. In weiterer Folge wurde festgestellt, dass wirklich jeder, auch ohne nachgewiesene Fachkenntnisse, Wikipedia-Artikel bearbeiten könne (als Beispiel wurde hier ein weiterer bekannter Administrator genannt, der auf seiner Benutzerseite einen Beruf angegeben hat, der nach Ansicht der Sendungsmacher nicht zum von ihm bearbeiteten Artikelkreis passe).

In einem Einspieler wurde letztlich eine angeblich vor einem halben Jahr eingerichtete „weibliche Wikipedia-Task-Force“ vorgestellt, die verstärkt weibliche Perspektive in Wikipedia-Artikel einbringen solle. Unter der Leitung von Sophie Passmann wurde dann auch ein angeblich konkret von diesem Kollektiv verfasster Artikel präsentiert, nämlich jener über den umgangssprachlichen Begriff Kartoffel für Menschen deutschen Aussehens oder Herkunft. Löschantrag wurde auf den Artikel zwar bislang noch keiner gestellt, aber ein Belege-fehlen-Baustein befindet sich bereits im – kurz nach dem Erscheinen der Sendung erheblich überarbeiteten – Artikel. Die ganze Sendung ist übrigens hier im Webauftritt des ZDF abrufbar. Plani, 19.04.

Trainingsangebot zum Umgang mit Konflikten

Über verschiedene Wege hatte das Team Ideenförderung von Wikimedia Deutschland im vergangenen Jahr der Wunsch nach Trainings für den Umgang mit Konflikten erreicht. Aus diesem Grund gab es Ende 2018 zwei Pilotworkshops zu diesem Thema. Aufbauend auf dem dort erhaltenen Feedback und aufgrund des Wunsches nach weiteren Trainingsangeboten werden im Mai 2019 zwei weitere Trainingsworkshops stattfinden. Am 4. und 5. Mai in Hannover sowie am 11. und 12. Mai in München. Alle Informationen zu diesen Trainings sowie zur Übernahme von Reisekosten durch die Wikimedia-Chapter gibt es auf der Projektseite. Die beiden Workshops werden inhaltlich sehr ähnlich zu den bereits durchgeführten Pilotworkshops sein, eine Teilnahme lohnt sich nur dann, wenn die beiden Pilotworkshops nicht bereits besucht wurden. sandro (wmde), 18.04.

AKL im Bauhaus-Jahr teilweise frei zugänglich

Der Verlag DeGruyter stellt bis zum Ende des Jahres mehr als 1000 Einträge über Dozentinnen und Dozenten und Absolventinnen und Absolventen des Bauhauses aus dem Allgemeinen Künstlerlexikon (AKL) vorübergehend zum freien Abruf zur Verfügung. Man kann direkt auf der Einstiegsseite in dem Formular in der linken Sidebar die Datenbank durchsuchen und dann beispielsweise den Artikel über Wasily Kandinsky finden und lesen. Außerdem seien noch 500 weitere Einträge über verschiedene Künstlerinnen und Künstler freigeschaltet worden, heißt es in der Pressemitteilung – welche das sind, wird leider nicht mitgeteilt, man muss sich also überraschen lassen, ob die Markierung „freier Zugang“ in der Trefferliste neben dem Eintrag steht. (A, 16.4.)

Die Auswirkungen des Klarnamensgesetzes auf die Wikipedia

Unter dem Orwellschen Titel „Bundesgesetz über Sorgfalt und Verantwortung im Netz“ kündigte die österreichische Bundesregierung ein Gesetz zur „Ausweispflicht im Internet“ an. Vorgestellt wurde dieses Vorhaben in den Fernsehnachrichten durch eine mit Jähzorn, aber wenig technischer Sachkenntnis ausgestattete Person. Mittlerweile wurde der bereits vom Ministerrat verabschiedete Gesetzesentwurf veröffentlicht. Ein Blick in den Entwurf zeigt mehrere Anforderungen, die für die Wikipedia nur mit Änderungen der Projektgrundsätze erfüllbar sind.

Aufgrund seines Umfangs ist dieser Beitrag in voller Länge hier zu lesen. LH, 16.04.19

GLAM on Tour Parkanlage Sanssouci

Die Parkanlage Sanssouci von oben

GLAM on Tour ist nun schon vielen bekannt. Es geht darum Institutionen gut und immer besser kennenzulernen. Meist geht es in Museen, Schlösser und Archive. Diesesmal etwas anderes. Die Parkanlage Sanssouci öffnet für uns Wikimedianer ihre Tore, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gewährt uns Einblicke, wieder beispielsweise durch Archivmaterial, aber diesesmal bleiben wir nicht in den Räumen, sondern es geht in ausgewählte Bereiche der weiten Parkanlagen. Ja man sollte da in Mehrzahl sprechen, zu unterschiedlich sind die Epochen in denen immer wieder weitere Teile entstanden sind. Die Bereichsleiter zeigen uns ihre Lieblingsbereiche. GLAM on Tour Parkanlage Sanssouci Die Besonderheit wird an diesem Wochende Freitag 21. bis Sonntag 23. Juni 2019 sein, dass die erstellten Bilddateien eine offizielle Freigabe der SPSG haben werden, dies ist eine Ausnahme. Wir freuen uns auf Wikipedianer aus nah und fern. Zusätzlich gibt es schon am 12. Mai 2019 einen Fototermin bei der jährlichen Veranstaltung: Das „Ausfahren“ der Orangeriepflanzen. Dabei können Berlin/Brandenburger Wikimedia-Fotografen Einsatz zeigen und dieses Event dokumentieren. Wir danken der SPSG für ihre Einladung und die besondere Genehmigung für die zuerstellenden Fotodateien. Beachtet bitte den schon sehr frühen Termin für die verbindlichen Anmeldungen bis Montag, 29.04.2019, 12.00 Uhr.Bo, 15.4.

Technische Wünsche: Veränderungen an der Erweiterten Suchoberfläche

Eine von mehreren kleinen Verbesserungen an der Erweiterten Suchoberfläche: Die Auswahl der Namensräume ist nun standardmäßig eingeklappt.

In der Erweiterten Suchoberfläche wurden in den vergangenen Wochen einige kleinere Änderungen durchgeführt. Beispielsweise ist die Auswahl der Namensräume nun standardmäßig eingeklappt. Dadurch wird die Suchoberfläche verkleinert und es sollen Ladezeiten verkürzt und die weiteren Suchoptionen besser sichtbar werden. Diese und andere Änderungen sind auf der Infoseite zur Erweiterten Suchoberfläche beschrieben. js (wmde), 15.4.

Wiki für alle

Nichts Geringeres als die Abschaffung der Pflicht zum generischen Maskulinum in der deutschsprachigen Wikipedia ist die Forderung der seit Anfang April laufenden Change.org-Petition „#wikifueralle“. Initiiert hat sie die Science-Fiction-Autorin und Wikipedia-Nutzerin Theresa Hannig. Die Petition hat nicht nur die Erhöhung der Repräsentanz von Frauen* und nicht-binären Menschen in den Artikeln, sondern auch in der Autor*innenschaft zum Ziel. „Wir sollten […] mehr Frauen und nicht-binäre Menschen dazu motivieren, sich aktiv in die Gestaltung der Enzyklopädie einzubringen und die Autor*innen-Statistik der Realität anzugleichen“, fordert Initiatorin Hannig. Darüber hinaus sollen auch Entscheidungsprozesse, etwa zur Löschung von Artikeln, demokratisiert werden. Mit der Petition gehen die Meinungsbilder „Nennung des Geschlechts in Personenlisten“ und „Geschlechtergerechte Sprache“ einher, die sich derzeit noch in der Vorbereitung finden. 13.4.19

Kurz-URLs erzeugen ist ab heute möglich

Mit Hilfe eines Services auf Meta können ab heute Kurz-URLs aller Seiten erzeugt werden, die von der Wikimedia Foundation betrieben werden. Die erzeugten URLs folgen dem Format w.wiki/, gefolgt von einer Buchstaben- und Zeichenfolge: beispielsweise w.wiki/3 als Weiterleitung auf wikimedia.org. Hier sind die Dokumentation mit ausführlichen Infos sowie die Ankündigung der Funktion (auf Englisch). js (wmde), 11.4.

Das wurde auch Zeit …

dass die Fördersperre veröffentlicht wurde. Vielleicht wurde es angekündigt, vielleicht habe ich es übersehen, vielleicht … Seit Jahren kenn ich die Nicknames von zwei Benutzern, die keine Förderung mehr erhalten. So kann man diese Problemuser durch kein Besuch von durch Wikimedia Deutschland geförderten Veranstaltungen oder Räumen von der Community fernhalten. Das Toxic users There are users in the community who have a reputation for creating good content, and for being incredibly toxic personalities kein Geld von WMDE erhalten, find ich völlig in Ordnung. Aber: Es gibt einige Abers, die hab ich nur noch nicht durchdacht, deshalb hier nicht beschrieben. Nun diskutiert mal schön :-)  nf, 8.4.

WikiDACH 2019 und 17. Fotoworkshop Report

Das Barcamp WikiDACH ist ein jährliches Treffen von Leuten, die in der Wikipedia oder anderen Projekten des Freien Wissens aktiv sind. Beim Fotoworkshop treffen sich Fotografen, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Am Wochenende 23./24. März 2019 traf sich eine Truppe als Gäste der GfK in Nürnberg. DACH steht für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die 50 Leute kamen unter anderem aus Hamburg, Niederösterreich, Fürth oder Berlin und nahmen eine Etage mit Scrum-Räumen in Beschlag. Samstag früh wurde das Programm für den Tag zusammengestellt. Es gab zum Beispiel ein Seminar zu den Offenen Naturführern, einen Erfahrungsaustausch zur Darstellung kleiner Staaten in der Wikipedia und einen Vortrag zu Stadtwikis am Beispiel des FürthWikis, eines der aktivsten Stadtwikis Europas. Die Fotografen lernten, mit einem Lichtzelt zu fotografieren und unternahmen einen Ausflug mit einer 5 kg schweren Fotodrohne. Nach dem von der GfK spendierten Mittagessen ging es am Nachmittag in die zweite Runde. Abends fanden selbst organisierte Stadtführungen in Fürth und Nürnberg statt. Am Sonntagmorgen wurde wieder der Tag geplant. Es gab unter anderem ein Seminar zur Übertragung von Abbildungen aus wissenschaftlichen Publikationen in die Wikipedia und eine Einführung in die um Datenbankfunktionen erweiterte Wiki-Software Sematic MediaWiki. Die Nürnberger Nachrichten waren zu Gast, was in einem Zeitungsartikel mündete. Nicht alle Fakten im Artikel waren korrekt. Die Wikipedianer fragten sich augenzwinkernd, wo in der Zeitung der Button zum Bearbeiten und Korrigieren des Artikels sei. Am Sonntagnachmittag räumten die 50 Teilnehmenden (darunter acht Frauen) ihr Zeug zusammen und verstreuten sich wieder in alle Winkel des deutschen Sprachraums. Die Folien einiger der 15 Sessions kann man nachlesen.S. W., 7.4.

Publikums- u. Reviewpreis des 30. Schreibwettbewerbs

Der Schreibwettbewerb feiert einen runden Geburtstag, er wird 30! Noch ein Grund mehr, sich die – wie immer – herausragenden Artikel noch etwas genauer zu Gemüte zu führen, mit denen uns die Autorinnen und Autoren der diesjährigen Frühlingsausgabe beglückt haben. Unter anderem erfährt der geneigte Leser etwas zur Darmflora von Bienen und zur Architekturgeschichte Berlins, während er sein Wissen zu gleich zwei sportlichen Weltmeistern mehrt und sich zu einer zentralen Figur der Legende um Robin Hood weiterbildet. Im Rahmen des Publikumspreises ist es anschließend die sprichwörtliche Qual der Wahl, welcher Beitrag nun ganz besonders gefällt. Die Stimmabgabe (drei, nicht gehäufelt) erfolgt wie immer per E-Mail. Darüber hinaus sind die Autorinnen und Autoren aufgerufen, sich am Reviewpreis zu beteiligen. ɦ, 6.04.

Update zur geplanten Danken-Studie

Wie im Kurier am 11.12.2018 angekündigt, soll die Danken-Funktion und ihre Effekte in der deutschsprachigen Wikipedia (neben der polnischsprachigen, arabischsprachigen und persischem Wikipedia) näher untersucht werden. Näheres zu den Anfängen der Studie, den Initiatoren rund um die NGO Civil Servant und der Herangehensweise finden sich auf der Projektseite im Neulingsportal. Um Freiwillige zu finden, die an der Studie teilnehmen möchten, wird voraussichtlich in der Zeit vom 29.4.2019 bis 13.5.2019 ein Banner in der deutschsprachigen Wikipedia zu sehen sein. Die Entwürfe zu den Bannern (die parallel auch in der polnischsprachigen, persischen und arabischsprachigen Wikipedia gezeigt werden) finden sich auf der Projektseite. Ebenfalls findet ihr dort einen aktualisierten Zeitplan. Über weitere Schritte und mögliche Ergebnisse werden wir im Neulingsportal und hier im Kurier informieren. MH (WMDE), 5.4.

Nützlich nach 40 Jahren – Kleine Freuden (32)

Die Rogalin nach dem Crash

Beim Überfliegen der Artikelliste des Miniaturenwettbewerbs ließ mich ein Lemma stutzen. Rogalin (Schiff)? Die Rogalin, war da nicht was? Genau: An einem Abend im September 1979 wartete ich in Danzig auf diese Autofähre, die mich nach Helsinki bringen sollte. Vergeblich, denn sie war unterwegs mit einem niederländischen Tanker kollidiert. Auf einem Ersatzschiff ging es am nächsten Tag nach Stockholm. Dort lag die Rogalin inzwischen am Polferries-Kai. Und war da nicht noch ein Foto in meiner eingestaubten Diasammmlung? Weil der Artikel diese Kollision brav erwähnt, enthält er nun auch ein fast genau 40 Jahre altes passendes Bild. Gut zu erkennen, was damals passiert ist. Nur von den „leichten Beschädigungen“, wie es im deutschen Artikel hieß, habe ich das „leichte“ gestrichen. Aa, 2.4. (zu weiteren kleinen Freuden, der Kurierserie zum Mitmachen)

„Was Wikipedia nicht ist“ erweitert

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Eine kleine Sensation darf man es schon nennen, wenn eine zentrale Regelseite in der Wikipedia wesentlich verändert wird. „Was Wikipedia nicht ist“ dürfte demnächst um den Punkt „... ist kein Ponyhof“ erweitert werden. Damit wird der seit Jahren empfundenen Realität der Online-Enzyklopädie Rechnung getragen.

Die dazugehörige Diskussion, die es in die Galaktische Klasse geschafft hat, wütete genau ein Jahr. Dabei ging es weniger um die Sache als um die Bezeichnung: Größter Konkurrenz für den Ponyhof war das Mädchenpensionat. Ein Benutzer, der die ehrende Vorlage „Klaus-Kinski-Preis für enzyklopädische Kommunikation“ auf Benutzerseiten verteilt, erklärte dies so: Es solle eben der Gender-Aspekt mit berücksichtigt werden. Weitere Anwärter für „Was Wikipedia nicht ist“ waren die Blumenwiese, die Waldorfschule und das Wunschkonzert.

Vor der offiziellen Änderung der Regelseite müssen allerdings noch zahlreiche Vandalismusmeldungen sowie drei Schiedsgerichtsanfragen aus der Diskussion abgehandelt werden. Dies dürfte knappe 24 Stunden in Anspruch nehmen. Z., 1.4.

WikiWedding im Lokal K

Am 6. April findet in Köln-Ehrenfeld ein besonderes Event statt: Vertreter des Berliner WikiWedding besuchen das Lokal K und hinterlassen eine Foto-Ausstellung, die in den Kölner Räumen für die nächsten Wochen zu sehen sein wird. Eröffnet wird die kleine Ausstellung mit einer Vernissage im Lokal K in Köln-Ehrenfeld am Samstag Abend, 6. April, ab etwa 18:00 Uhr von den Berliner Besuchern BotBln und Fridolin freudenfett mit einer kleinen Einführung und etwas Livemusik. Gäste sind sehr willkommen. AR, 31.3.

Earth Hour

Am Samstag, dem 30. März von 20:30 Uhr bis 21:30 Uhr findet die Earth Hour, Stunde der Erde, statt. Ziel ist, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den Klimaschutz zu lenken. Es wäre ein Zeichen der Solidarität mit unsern streikenden Kindern und Enkeln, zu dieser Zeit das Internet nicht zu benutzen. Klar ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber … wenn viele kleine und weniger kleine Menschen viele kleine Schritte tun … bd, 27.3.

WTF is Fræna?

Um die schöne kleine Reihe «WTF is …» von Matthiasb aus aktuellem Anlass zu hijacken: Fræna, eine norwegische Kommune mit knapp zehntausend Einwohnern, interessiert die Nutzenden der deutschsprachigen Wikipedia normalerweise kaum. Tage mit keinem oder nur einem Abruf dieser Seite sind der Normalfall. Die Abrufstatistik zeigt nun einen sprunghaften Anstieg in den letzten Tagen. Interessant ist das, weil sich zeigt, wie ein aktuelles Ereignis auch das weitere Umfeld eines Themas betrifft. Die plötzliche Beliebtheit von Fræna rührt nämlich mit ziemlicher Sicherheit daher, dass vor dieser Kommune der Küstenabschnitt Hustadvika (Abrufstatistik) liegt. Und dort gerieten gerade das Kreuzfahrtschiff Viking Sky (Abrufstatistik) und der Frachter Hagland Captain (Abrufstatistik) medial stark beachtet in Seenot. Auch die Abrufzahlen von Romsdal, Molde oder dem sogar zwei Klicks von der Hustadvika entfernten Møre og Romsdal sind markant gestiegen. – Der Verfasser dieses Kurier-Artikels hat den kleinen Artikel Hustadvika vor Jahren als Übersetzung aus der englischen Wikipedia angelegt und fühlt sich nun darin bestätigt, weiterhin auch solche Artikel zu vielleicht obskur erscheinenden Nischenthemen anzulegen. Eines Tages erhalten diese vielleicht auch ihre 15 minutes of fame und helfen der Öffentlichkeit, sich zum gerade aktuellen Thema zu orientieren – und den Journalisten. Denn dass all die Medien, in denen nun gerade wörtlich von den «zahlreichen kleinen Inseln und Riffen» der Hustadvika zu lesen war, den Wikipedia-Artikel nicht konsultiert haben, scheint wenig wahrscheinlich. ;-) Gestumblindi, 26.3.

Tippspiel Paris–Roubaix

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Am Sonntag, den 14. April 2019, findet die 117. Austragung des rustikalen Radrennens Paris–Roubaix statt (das für mich grandioseste aller Rennen - und es endet in und auf einer Radrennbahn ...). Wer Lust hat, kann auf dieser Seite Tippspiel Paris–Roubaix einen Tipp auf den Sieger abgeben, die Startliste ist hier einsehbar. Für die Gewinner des Tippspiels stehen Preise bereit. Über eine rege Beteiligung (und vielleicht auch Diskussion dort) würde ich mich freuen! Ni., 25.3.

Akkreditierungen für die re:publica19

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Auch in diesem Jahr gibt es wieder die Möglichkeit für bis zu 5 Aktive aus der Community an der re:publica 2019 teilzunehmen und dafür eine Presseakkreditierung über Wikimedia Deutschland zu erhalten. Die Akkreditierungen werden an Teilnehmende vergeben, die dadurch einen Beitrag zu Wikipedia, Wikimedia Commons oder den Schwesterprojekten leisten. Diese Beiträge sollten für Wikimedia Deutschland und das Presseteam der re:publica im Nachgang nachvollziehbar sein. Dieses Jahr wird Wikimedia Deutschland am 6., 7. und 8. Mai auch mit einem Stand vertreten sein und wir freuen uns immer über Menschen, die auch gern an diesem helfen.

Alle Informationen gibt es auf der Projektseite Wikipedia:Förderung/re:publica2019, Interessierte melden sich bitte bis zum 19. April 2019. sandro (wmde), 25.03.

Wikipedia museal

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Gerade volljährig und schon Museumsobjekt.

Auf der letztjährigen WikiCon hatten zwei Mitarbeiterinnen des LWL-Industriemuseum ihre Sicht auf die Zusammenarbeit mit uns, im Rahmen von GLAM-Projekten dargelegt. Sie haben auch die Gelegenheit genutzt einzelne Wikipedianer und Wikipedianerinnen zu ihren Beweggründen an der Mitarbeit an Wikipedia zu befragen und haben diese Interviews auch aufgezeichnet. In der neuesten Sonderausstellung Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens auf der Zeche Zollern haben sie nun diese Ergebnisse in einen Block dieser Ausstellung integriert.

Im Rahmen dieser Ausstellung findet am 6. April, im Zusammenwirken mit dem Ruhrgebietsstammtisch, eine offene Schreibwerkstatt statt, bei der Wikipedianer einerseits auf die Bibliotheksinhalte des Museums zurückgreifen können, bei der sie aber auch Neulinge und Interessenten in die Wikimediawelt einführen können und erste Hilfestelungen beim Editieren, oder Hochladen von Mediendateien geben werden.

Noch kann man sich anmelden! Glück auf! W 25.03.

Morgen noch nix vor? Dann CEE Spring 2019!

Auch wenn in den letzten Wochen der Frühling scheinbar schon Einzug gehalten, so ist erst morgen tatsächlich Frühlingsbeginn. Und mit dem 21. März startet dann auch wieder bis Ende Mai der Artikelwettbewerb CEE Spring 2019! Wie in den letzten Jahren werden auch heuer wieder neue interessante Artikel zu Zentral- und Osteuropa (auf Englisch "Central and Eastern Europe", kurz CEE) gesammelt. Gemeinsam mit 25 anderen Sprachversionen der Wikipedia kommt so wieder ein vielfältiges Sammelsurium an Artikeln zustande, das letztes Jahr mehr als 8.900 Artikel ausmachte. Ob diese Marke dieses Jahr erreicht werden kann, wird mit Spannung erwartet! B 20. 3.

Die Folgen des Diversithons

Wie die geneigten Lesenden des Kuriers sicher trotz aktuellerer anderer Ereignisse noch erinnern, gab es am Vorabend des 8. März einen Diversithon. Es war eine wie im Vorfeld bereits vermutet sehr gut besuchte Veranstaltung: ca. 60 mehrheitlich neue Autorinnen und vereinzelt auch neue Autoren. Das Ganze sehr gut und straff durchgeführt von den bereits im Ursprungsartikel genannten Organisationen und in dennoch guter Stimmung.

Einige Ergebnisse sind in Form von Neuanlagen oder Überarbeitungen zu erkennen. Ich finde die nicht so ohne weiteres erkennbaren Ergebnisse noch viel beeindruckender: Dabei bleibende Autorinnen und Autoren, die sich auch nach dem 7. März aktiv zeigten. Und die bei der Veranstaltung individuell unterstützenden Personen geben ihnen bei Bedarf weiterhin Unterstützung. Herzlichen Dank allen, die unterstützt haben und die offenbar auch weiterhin unterstützen! Angesichts dieses Erfolgs werden wir das bestimmt bald wiederholen. Iva 19.3.

WTF is Hikikomori?

Der Begriff Hikikomori ist Gegenstand der neuesten Folge dieser losen Reihe von Blicken auf ungewöhnliche Schwankungen bei den Abrufzahlen. Dieses Mal auslösend ist die Folge Der perfekte Mord aus der Reihe Professor T.. Es sei mal dahingestellt, ob der Begriff zu dem bei der Abfassung des Drehbuchs gesetzten Sachverhalt paßt oder ob schlicht unser Artikel schlecht ist. Oder der Berichterstatter keine Ahnung hat. Gegenüber bisherigen Artikeln zeigt dieser allerdings ein interessantes abweichendes Muster bei den Abrufzahlen, nämlich einen zweistufigen Ausschlag. Da ist zunächst der Anstieg von 150–180 Abrufen am Tag auf etwa 2000 ab dem 1. März und dann die Spitze mit 30.515 Abrufen am 8. März.

Verlauf der Abrufzahlen von Hikikomori (blau) und Kegelschnecken (grün) vom 23. Februar bis 15. März 2019

Zu erklären ist dies damit, daß die Folge, wie alle Folgen der dritten Reihenstaffel, bereits ab dem 1. März in der ZDF-Mediathek abgerufen werden konnte. Am 8. März erfolgte schließlich die Ausstrahlung der Folge zur Prime Time. In der Episode spielt auch eine Kegelschnecke eine Rolle. Die Abrufzahlen dafür haben folglich einen ganz ähnlichen Verlauf, wenn auch die Ausschläge weniger signifikant ausfallen. MaB 17.3.

Ein Rekordedit

POTY

Robert Radke löscht in einem Edit über 2 Millionen(!) B. Ausgedruckt entspricht das der dreifachen Fläche des Saarlandes oder einer Ketchuppyramide bis zum Mond. Die gesamte Benutzerdiskussionsmenge hat sich damit gefühlt um die Hälfte verringert. Respekt.sp, 16.3.

Umfrage der DDB für historisches Zeitungsportal

Die Deutsche Digitale Bibliothek arbeitet aktuell an der Erstellung eines historischen Zeitungsportals und hat eine Umfrage veröffentlicht, um den Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer abzufragen. Die Teilnahme an der Umfrage dauert etwa acht Minuten. Das Feedback soll direkt in die Konzeption und Umsetzung einfließen und ein gutes digitales Zeitungsarchiv kann für die Arbeit an Wikipedia sicherlich sehr hilfreich sein. Hier geht es zur Umfrage. Nicor, 14.3.

Bild des Jahres 2018 wählen: mit drei Stimmen in die zweite Runde

POTY

Am 17. März 2019 endet um 23:59 Uhr (UTC) die Abstimmung im Wettbewerb um das „Bild des Jahres“ (POTY). Bis dahin kann man im Finale die drei besten aus 57 Bildern auswählen. Diese sind Gewinner der ersten Runde, als über die 963 exzellenten Bilder des letzten Jahres abgestimmt wurde (der Kurier berichtete). Die Abstimmung läuft auf den Commons, dem zentralen Medienspeicher, den alle Wikimedia-Projekte nutzen. Teilnehmen kann jede/r, der vor dem 1. Januar 2019 mehr als 75 Bearbeitungen in irgendeinem Wikimedia-Projekt hatte. Die in den Vorjahren beliebten »zwei Tiere in Interaktion«-Motive sind noch im Rennen, aber auch – eher ungewöhnlich – zwei der drei ausgezeichneten Videos. zur Abstimmung geht es hier lang. mh, 4.3.

Zwei zusätzliche Mitglieder ins WMDE-Präsidium berufen

Das Präsidium von Wikimedia Deutschland hat Helene Hahn und Mirjam Stegherr als zusätzliche Mitglieder in das Gremium berufen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Mirjam und Helene; eine Vorstellung der beiden ist im Vereinsblog zu finden. Gnom, 4.3.

Schreibwettbewerb

30. Schreibwettbewerb

Die Nominierungs­phase des 30. Schreib­wettbe­werbs findet vom 1. bis 31. März 2019 für Artikel in den Sektionen Exakte Wissenschaften, Kultur, Gesellschaftswissenschaften und Geschichte statt. Danach werden die von den Autoren eingereichten Artikel von einer bereits gewählten, achtköpfigen Jury auf eine spielerische Weise gekürt. Der Schreibwettbewerb dient einzig und allein der Befriedigung des Spaßfaktors, der in der Wikipedia leider ab und zu verlorenzugehen scheint. nE, 03.03.

Miniaturenwettbewerb

Vom 1. bis 31. März 2019 können beim Miniaturen­wett­be­werb neu geschriebene Miniaturen (d.h. kleine Artikel mit max. 15.000 Byte) für den Wettbewerb nominiert werden. Die Artikel werden ab dem 1. April 2019 von den Lesern bewertet. Dabei kann jeder stimm­berech­tigte Benutzer bis zu fünf Stimmen auf die Miniaturen verteilen, die ihm am besten gefallen. nE, 03.03.

100 Jahre Bauhaus

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ist ein denkwürdiges Jubiläum. 1919, nach dem katastrophalen Ende des Ersten Weltkriegs, den revolutionären Wirren um das Ringen nach Demokratie und einer völlig neuen Staatsordnung, war in Deutschland die Situation reif für ein neues Kulturverständnis: Das Bauhaus als Schule für ein neues Sehen und Gestalten entstand unter idealistischen Gesichtspunkten, um Klarheit, Ordnung und Schönheit im Bewusstsein und Denken moderner und freier Menschen zu verankern. Es war ein Erfolg bis heute, trotz aller Rückschläge politischer und ökonomischer Art. Auch die Wikipedia sollte diesen Meilenstein der Moderne angemessen würdigen. Daher sind alle Autor*innen, die darüber schreiben wollen und können, und alle Fotografierenden, die Design und Architektur des Bauhausstiles bildlich dokumentieren wollen, eingeladen, dieses Jubiläum enzyklopädisch zu begehen. Einen bescheidenen Anfang mit bis jetzt sieben Artikeln über bekannte Kunstwerke aus dem Umfeld des Bauhauses habe ich bereits beigesteuert und hoffe, dass weitere Artikel entstehen und bestehende substanziell erweitert werden. Sc 3. März 2019

WTF is Spokane?

Verlaufsgrafik der Abrufzahlen für die Artikel Magdeburg (grün) und Spokane (blau) vom 9. Februar bis 1. März 2019

In unregelmäßigen Abständen berichtet die Reihe WTF is…? über ungewöhnliche Schwankungen bei der Abrufzahl von Artikeln. Spokane ist eine Universitätsstadt etwa in der Größenordnung von Magdeburg. Im Gegensatz zu Magdeburg, das täglich im Tagesschnitt etwa 800–1100 mal abgerufen wird, liegt das Interesse für Spokane in der Größenordnung 50–70 Abrufe am Tag. Am 23. Februar schnellte die Abrufzahl hinauf auf 465. Der Grund dafür war wohl die Ausstrahlung des Degeto-Fernsehfilmes Familie Wöhler auf Mallorca – es ist die Stadt, in der der Enkel des Protagonisten lebt und arbeitet. Magdeburg selbst hatte im Februar übrigens auch einen Ausreißer bei den Abrufzahlen, nämlich am 10. Februar. Dieser prozentual deutlich geringere Ausschlag dürfte auf die MDR-Polizeiruf-110-Folge Zehn Rosen zurückzuführen sein. MaB, 2.3.

Wiki-Protest gegen EU-Urheberrechtsreform

Heute hat das Meinungsbild zum Protest gegen die Urheberrechtsreform der Europäischen Union begonnen. Es dauert 7 Tage und wird darüber entscheiden, ob sich die Autoren der Wikipedia den Protesten gegen Upload-Filter und ein EU-weites Leistungsschutzrecht anschließen, entweder in Form einer Komplettabschaltung oder einem Banner. Um rege Beteiligung wird gebeten. EH⁴² 01.03.

Der erfolgreiche Abschluss dieses Meinungsbildes wurde von Heise Online mit einem Screenshot der EU-Urheberrechtsreform-Weiterleitung gewürdigt. IP 11.03.