Wikipedia:Kurier

LINKE SPALTE (zur rechten Spalte)

Wir warten...

Während wir auf Impftermine und auf ein Ende der Coronapandemie warten, ist es auch wieder Zeit, die Wikipedia zu warten. Der Wartungsbausteinwettbewerb im Frühjahr 2021 steht an. Es geht wieder darum, die Qualität der Wikipedia zu verbessern: schlechte Artikel überarbeiten, Literatur hinzufügen, unvollständige Artikel erweitern, Weblinks reparieren, Fotos und Geokoordinaten ergänzen und Vieles mehr. Dabei steht der Spaß und das gemeinsame Spielen im Vordergrund.

Mit den Themenboni für Sachsen-Anhalt, Religion und Japan berücksichtigen wir aktuelle schöne und auch ernste Ereignisse: die Landtagswahl im Bundesland Sachsen-Anhalt, die vielen aktuellen Feiertage wie z.B. Ostern und Pfingsten, die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im Erzbistum Köln sowie der 10. Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima und das Kirschblütenfest in Japan. Wer sich für Regionales oder Religiöses interessiert oder die Wikipedia im Bereich Japan ausbauen möchte, ist hier gefragt. Auch die beliebten Mengen- und Vielseitigkeitsboni sind wieder am Start.

Wer mag mitmachen? Autorinnen und Autoren werden gesucht, außerdem benötigen die Schiedsrichter noch Verstärkung. Hier geht's zum Wartungsbausteinwettbewerb. E.S., 18. April 2021

Infektionsschutzmaßnahmenverordnung

Corona bestimmt nicht nur unser Leben, unsere Arbeit, unser Gemüt, es prägt auch zunehmend unsere Sprache. Zumeist in Form bekannter Wörter, gekoppelt wie Corona-Diktatur, Dauerlockdown, oder neue Konstrukte wie Corona-Tracing-App oder Corona-Ampel. Auch Wörter mit leicht inkriminierendem Touch finden Eingang in die Pandemie-getränkte Sprache wie Superspreading-Event, Kontaktnachverfolgung, Corona-Sünder, Covidiot, oder die Coronaparty, in Österreich zum Unwort des Jahres auserkoren. Wer sich impfen lassen will, oder dem Impfen aus dem Weg geht, der kann gern mal nachschauen, was man unter Hintergrundimmunität oder Sinusvenenthrombose versteht, und wenn er geimpft ist, wie es sich mit dem Impfneid verhält. Was mich etwas irritiert, ist, dass es neuerdings sogar Community-Masken geben soll. Keine Bange, es handelt sich dabei nicht um gemeinschaftlich genutzte Masken.

Anfangs erzeugte das Trommelfeuer aus dem Corona-News-Becken bei mir Weltuntergangsstimmung. Inzwischen überwiegt das, was ich gern als das Wikipedia-Gen bezeichne, Neugier, Wissensdurst und beinahe grenzenlose Zuversicht. Dazu gehört, dass ich mir inzwischen die schlafraubenden Pegelstandsmeldungen der abendlichen Nachrichtensendungen erspare, zugunsten der morgendlichen Zeitungslektüre, gepaart mit Surfen im Corona-Wissen von Wikipedia. Da bin ich jedesmal überwältigt von dem dargebotenen Wissen zu allem, was mit Corona zu tun hat. Den Covid-19-Artikel klicke ich sicher fast jeden Tag an, und bin erstaunt, wie rasch er immer wieder aktualisiert wird. Was die Wikipedia-Autorin A doubt und ihre Kolleginnen und Kollegen und auch die im Portal:COVID-19 tätigen Autorinnen und Autoren da geleistet haben und Tag für Tag leisten, ist phänomenal. Es ist nicht nur die Akribie und Professionalität, die den Artikel prägen, sondern auch die Verständlichkeit und Übersichtlichkeit, die trotz der Komplexität der Thematik einen schnellen Zugang zu einzelnen Themenaspekten erlaubt. Dieser COVID-19-Artikel ist ein probates Mittel gegen Corona-Desinformation und die Verbreiter von Verschwörungstheorien, und er hilft all denen, die in der Corona-News-Hektik Gefahr laufen, sich im Informationswirrwarr zu verheddern. Gelegentlich verirre ich mich auf die Wictionary-Coronaseite, die mir fast wie eine Art Kompendium des von Corona erweiterten deutschen Sprachschatzes vorkommt, das natürlich permanenter Ergänzung und Verbesserung bedarf, – „Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“ ist so ein neuer Begriff, der mir heute morgen in der Zeitung über den Weg lief. Pi, 17.4.

Abmahner bei Wikipedia

Die Idee war grandios: Eine offene Internet-Enzyklopädie, in die jedermann sein Wissen einbringen kann, die das freie Wissen der Welt sammelt und festhält. Wunderbar. Die deutschsprachige Wikipedia gilt als verlässlich bei Naturwissenschaften und nicht ganz unproblematisch in Sachen Gesellschaft und Politik. Nun kommt ein neuer Aspekt hinzu: Wikipedia entwickelt sich immer mehr zum Tummelplatz, zum Werkzeug und Medium für Abmahnbetrüger.

Deren Trick ist einfach: Sie überfluten Wikipedia mit beliebigen 08/15-Fotos und geben diese unter einer vermeintlich offenen Lizenz frei. Doch diese Lizenzen sind nur auf den ersten Blick offen. Wer sie nutzt – ob Privatperson, Institution oder Unternehmen – verstrickt sich mit Sicherheit im Dschungel der zahlreichen, aus dem amerikanischen übersetzten Paragraphen.

Das ist Absicht. Und geplant. Nutzer der vermeintlich mit Namensnennung freien Bilder bekommen früher oder später Post von den angeblichen Fotografen. Denn die in den Bilddateien verborgenen Exif-Daten machen das verwendete Bild für die Bots der engagierten Abmahnfreunde im Netz sichtbar. Wer derlei Bilder nutzt, wird gefunden und erhält früher oder später eine Rechnung.

Die Masche ist bei Wikipedia bekannt. Gegenmaßnahmen wurden in einem Meinungsbild ausführlich diskutiert – und mangels Verantwortlichkeiten ohne Ergebnis archiviert. Derzeit läuft wieder eine 3M (DIFF) und zerfasert langsam vor sich hin. Die Bilder sind nach wie vor in großer Zahl auf Wikipedia – und werden immer mehr.

Keiner dieser Geschäftemacher ist hauptberuflich Fotograf, die meisten sogar in sehr gesicherter Stellung. „Ein langjährig bekannter Lizenz-Nachforderer ist Beamter bei der Stadt Büdingen“, berichtet der Kölner Rechtsanwalt Markus Kompa in Telepolis, „ein anderer bei der Bundesagentur für Arbeit in Hamm beschäftigt.“

Ein ganz Großer der Szene ist der Wikipedia-Autor „Dr. Chriss“. Er hat Hunderte Rechnungen verschickt, gerne auch mal über 5000 Euro an Privatpersonen. Der Chemiestudent aus Ulm scheint aber schwache Nerven zu haben. Bei einer Verhandlung am Amtsgericht Köln stutzte der Richter seine Forderung von mehreren tausend Euro auf magere 100 Euro. Als ihn die Tochter der Beklagten vor dem Richtertisch anfauchte, flüchtete er panisch aus dem Saal – zum Amüsement der Zuschauer, unter denen sich weitere Forderungsempfänger befanden.

Seit die Gerichte deutlich kritischer mit derlei „Fotografen“ umgehen, hat sich deren Taktik geändert. Wolf & Co. drohen zwar mit teuren Anwaltsschreiben, vermeiden aber nach Möglichkeit Prozesse. Stattdessen plädieren sie auf gütliche Einigung, auf „Ausgleich der Lizenzgebühren“, wie sie es in gestanzten Worten formulieren. Verlagsjuristen raten, zur Vermeidung von Anwaltskosten eine selbst verfasste Unterlassungs-Verpflichtungserklärung abzugeben, also die Versicherung, das Bild nicht mehr zu verwenden, aber jegliche Zahlung und weitere Kommunikation zu verweigern. Kompa: „Lizenzklagen dieser Wikipedia-Fotografen sind selten und gehen nach hinten los.“

Das ist die gute Nachricht des heutigen Tages. zw, 13.4.

Hinweis: Die Seite Wikipedia:Abmahnung beschäftigt sich mit dem Phänomen. Gnom, 13.4.

Was sich in 10 Jahren in der Wikipedia geändert hat

Ein Lehrbuch. Schon etwas überholt.

Vor über zehn Jahren habe ich die Wiki-Kollegen dazu aufgerufen, dass wir gemeinsam ein Wikibuch schreiben: Wie man die Wikipedia bearbeitet, oder, wie man einen Wikipedia-Artikel schreibt. Trotz größeren Zuspruchs ist es dann doch ein eher einsames Schreiben geworden.

Und bald darauf habe ich einen Verlag angesprochen, ob er nicht ein Lehrbuch von mir herausgeben will. Quaſi als Enterprise-Version. Die netten Leute von Open Source Press waren sehr erfreut, und im Sommer 2010 erschien: Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen. 200 Seiten, mit Illustrationen.

Das Buch lief dann recht gut und führte immer wieder zu positiven Rückmeldungen. Auch Wikimedia Deutschland hat einen ganzen Stapel abgenommen, für die Kontakte im damaligen Referentennetzwerk.

In den über 10 Jahren seit Erscheinen ist eine Menge passiert. Es war vor allem der Visual Editor, warum ich mit einer zweiten Auflage gewartet habe. Natürlich hat auch Wikidata das Bearbeiten der Wikipedia verändert. Aber nicht nur bei der Wikipedia haben sich kleinere und größere Dinge geändert: Ich selbst durfte viel dazulernen und würde heute wohl manches anders machen.

Mit dem Verlag hatte ich noch einen Kontakt bezüglich der zweiten Auflage, und es wurde ein E-Book angedacht. Zwar war ich mit anderen Projekten wie dem Klexikon beschäftigt, aber ich hatte Lust darauf, das Lehrbuch zu überarbeiten. Doch dann stellte der Verlag seine Tätigkeit ein – schade, denn bei Open Source Press waren viele interessante Werke gerade aus der FLOSS-Welt erschienen.

Die Urheber haben die Rechte an ihren Werken zurückerhalten. Ich habe dann längere Zeit nicht mehr an das Lehrbuch gedacht, und schließlich habe ich die letzten Dateien, die ich vor dem Druck erhalten hatte, zusammengefügt und bei Commons hochgeladen. Vielleicht hat der eine oder die andere noch etwas davon, ich würde mich freuen.Z., 10.4.

Zeilennummern im Quelltext-Editor anzeigen (Technische Wünsche)

Der Wikitext-Editor 2010 mit Zeilennummerierung

Eine weitere Verbesserung aus dem Themenschwerpunkt „Leichter mit Vorlagen arbeiten“ soll bald auf allen Wikis aktiviert werden: Wenn man im Wikitext-Editor 2010 oder 2017 die Syntaxhervorhebung aktiviert, werden dort auch Zeilennummern angezeigt. Diese Funktion ist in vielen anderen Code-Editoren Standard, und macht Zeilenumbrüche besser erkennbar. Auch unabhängig von der Arbeit mit Code kann sie hilfreich sein, um sich auf eine bestimmte Zeile beziehen zu können, beispielsweise in Diskussionen.

Die Funktion soll am 15. April hier in der deutschsprachigen Wikipedia für den Vorlagensnamensraum aktiviert werden, weitere Namensräume folgen in Kürze. Mehr Informationen gibt es auf dieser Projektseite, und Rückmeldungen sind auf dieser Diskussionsseite willkommen. Weitere Verbesserungen, die die Arbeit mit Vorlagen erleichtern sollen, darunter auch solche für den VisualEditor, sind für die nächsten Monate geplant.

js (wmde), 7.4., Update am 12.4.

PS: Wer direkt über Neuerungen aus dem Projekt Technische Wünsche informiert werden möchte, kann hier den Newsletter abonnieren.

Spendenaufruf für Osttimor

Ich habe den Text eingeklappt, um niemanden zu belästigen. Wen sowas nervt, einfach nicht aufklappen.

Nur öffnen, wenn man sich über den Aufruf informieren will. Flag of East Timor.svg

Man versucht zu retten, was zu retten ist

Liebe Mit-Wikipedianer,

seit fast 16 Jahren schreibe ich in der Wikipedia über das kleine südostasiatische Land Osttimor. Es bleibt nicht aus, dass man zu einem Thema, mit dem man sich täglich beschäftigt, eine gewisse Zuneigung entwickelt. Man sieht zu, wie das Land durch große und kleine Krisen geht, es sich langsam entwickelt, Rückschläge erleidet und sich wieder aufrappelt. Im Entwicklungsindex hat es die regionalen Nachbarn Kambodscha und Myanmar überholt, im Demokratieindex ist es Südostasienprimus und liegt selbst vor EU-Staaten wie Bulgarien und Kroatien, die Kindersterblichkeit sank von 177 auf knapp 50. Es ist schon ein kleiner Stich, wenn wieder mal eine Person, über die man einen Artikel geschrieben hat, das Zeitliche segnet und man das Kreuz in dem Artikel setzt (zumindest muss man sich keine Gedanken machen, ob das Symbol nun christlich ist oder nicht, die meisten Timoresen sind katholisch). Mit einer Reihe Timoresen bin ich auch im engeren Kontakt, was natürlich sehr hilfreich ist, wenn mal wieder ein Artikel in der Landessprache für mich unverständlich bleibt. Die Ereignisse von der Nacht auf Ostersonntag haben mich daher um so mehr bewegt.

Was bleibt nach der Flut?

Die Überschwemmungen seit dem 4. April sind die größte Katastrophe seit über 40 Jahren, die Osttimor (und Teile Indonesiens) heimgesucht hat. Es ist einer der wenigen Momente, in denen es Osttimor in die deutschen Fernsehnachrichten geschafft hat (und selbst in die grönländische Presse). Innerhalb von drei Tagen fielen 300 mm Regen. Die Flüsse, die außerhalb der Regenzeit trocken liegen, traten über die Ufer und rissen Wohnhäuser mit. Als ich mich bei einer Freundin erkundigte, wie es bei ihr aussieht, sagte sie nur kurz, es ist nichts mehr zu retten gewesen. Ein anderer Bekannter veröffentlichte Bilder von seiner kleinen Bibliothek. Die Bücher standen im Schlammwasser. Mehr als 10.000 Menschen traf es noch schlimmer. Sie verloren nicht nur ihr gesamtes Hab und Gut, sondern auch das Dach über dem Kopf. Allein in der Hauptstadt Dili gibt es zwölf Lager mit Notunterkünften, wo sich die Menschen drängen (und das, wo ausgerechnet jetzt die Coronazahlen steigen). Stand heute Morgen sind 34 Tote zu beklagen. 6 der 13 Tote in Dili waren Kinder. Weite Teile der Stadt standen am Sonntag unter Wasser, wie Drohnenbilder zeigen. Wo das Wasser abfloß, blieb Schlamm zurück. Die Schäden außerhalb der Hauptstadt werden erst langsam bekannt. Felder sind zerstört, ebenso Straßen und Brücken, was die Versorgung erschwert. Ein Lehrer, der für sein Dorf Lebensmittel holen wollte, verunglückte tödlich mit seinem Wagen.

Auffanglager

Im Land haben inzwischen die Aufräumarbeiten begonnen. Jene, die verschont blieben, sammeln Lebensmittel, Kleider und Spielzeug für die Opfer der Fluten. Australische Osttimor-Aktivisten (ein Überbleibsel aus der indonesischen Besatzungszeit) und Expats haben begonnen, Gelder zu sammeln. Und auch mir ist es eine Herzenssache, Hilfe für die Menschen zu organisieren, weswegen ich diesen ungewöhnlichen Schritt wage. Warum in der Wikipedia? Weil es kaum einen Ort im deutschen Sprachraum gibt, wo Osttimor so präsent ist. Weil ich hoffe, dass diese Präsenz gerade hier Leuten die Ohren für das Land geöffnet hat.

  • Das Osttimoresische Rote Kreuz sammelt hier: Donation
  • Ich persönlich unterstütze die Sammlung von Rosa Horta Carrascalão. Sie leitet von Australien aus das Geld zur Verteilung an ihren Bruder José Ramos-Horta, den Friedensnobelpreisträger. Unterstützt werden unter anderem die Canossianerinnen in Becora, wo sich hunderte Obdachlose versammelt haben, und Pater Locatelli in Baucau, der den Menschen in der dortigen Gemeinde hilft: Go Fund Link
  • Der Australier Michael Stone, Program Director bei Timor Awakening und bei der Australia/TL „Veteran Solidarity and Friendship Association“ leitet das Geld an timoresische Veteranen, die Hilfslieferungen direkt vor Ort verteilen: Go Fund Link
Das sind die Spendenmöglichkeiten, denen ich vertraue. Danke, dass Ihr das gelesen habt und ich hoffe, ich habe nicht zuviele mit diesem Aufruf belästigt.

JPF (06.04.)

Frauen!

Simone de Beauvoir. In Wikipedia nicht lesenswert

Kommentar anlässlich der Diskussionen um junge österreichische Wissenschaftlerinnen und Relevanzkriterien für Wissenschaftlerinnen

Jede Person schreibt Artikel nach persönlichem Interesse, Lust und Laune, Recherchemöglichkeiten, Zeitbudget und welche Gründe es noch geben mag. Und das ist auch gut so. So ist nach meiner Meinung Wikipedia gedacht.

Ein Grund ist auch das frauenpolitische Ziel, die frauenpolitische Agenda, die Sichtbarkeit von Frauen durch Artikel in der Wikipedia zu erhöhen. Doch warum werden so viele Frauenbiografien eingestellt, die sich aktuell noch an der Schwelle zur Relevanz befinden und dann in zähen Löschdiskussionen landen und (ohne Frauen-Bonus) gelöscht werden? Warum nicht Biografien über Frauen in Geschichte und Gegenwart weltweit, die die Relevanzhürde längst genommen haben? Das geschieht in aller Stille auch, und wenn es nur kleine Artikel sind. Doch es ist noch so viel Luft nach oben.

Die größte Aufmerksamkeit bekommt ein Artikel, der als Artikel des Tages auf der Wikipedia-Hauptseite erscheint. Er muss die Anforderung einer Lesenswert- oder Exzellenzauszeichnung erfüllen. Die Kolleginnen, die Frauenbiografien nach diesen Voraussetzungen für die Hauptseite suchen, kommen schnell an Grenzen. Bedeutende Frauen haben zwar Artikel, jedoch sind sie oft nicht annähernd in einem lesenswerten oder gar exzellenten Zustand. Ich nenne nur einige Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts: Nelly Sachs, Ingeborg Bachmann, Christa Wolf, Marlen Haushofer uvam. und Künstlerinnen wie Artemisia Gentileschi oder Georgia O’Keeffe. Nicht einmal Mary Wollstonecraft und Simone de Beauvoir sind als lesenswert ausgezeichnete Artikel.

Wikipedia hat keinen quantitativen Mangel an Artikeln. Der Zustand von Artikeln, die Aktualisierung und Pflege von Bestandsartikeln ist ein viel größeres Problem. Ein Schreibprojekt, in dem die Biografien über bedeutende Wissenschaftlerinnen, Forscherinnen und Erfinderinnen, Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und Musikerinnen, Medizinerinnen, Sozialreformerinnen, Widerstandskämpferinnen, Frauenrechtlerinnen .... auf Auszeichnungsniveau ausgearbeitet werden, würde nach und nach die Kulturleistungen von Frauen schon auf der Hauptseite sichtbarer machen.

Ein dritter Punkt sind Artikel zu Themen der Frauen- und Geschlechterforschung, in denen nur sehr wenige Autoren kompetent aktiv sind und kaum Autorinnen. Über all dem Zählen von Frauenbiografien versus Männerbiografien wird vergessen, dass solche Artikel, wenn sie wissenschaftlich fundiert und aktuell sind, erst das notwendige Wissen bereit stellen, das frauenpolitisch Interessierte in Wikipedia erwarten dürfen. (Fiona, 6. April 2021)

Ceci n’est pas une communauté (Das Wort zu Ostern)

Nein, das hier ist keine „Community“, keine Gemeinschaft. Wenn es um das Miteinander in der Wikipedia geht, dann wird immer schnell das Klischée vom rauhen Umgangston ausgepackt. Ja, ist ja auch so, ist aber auch schön bequem. Schuld sind Andere und „das müsste sich ändern“. Wer was dagegen tun soll, so weit geht die Diskussion selten. Betrifft dann meist auch „Andere“. Ich selbst freue mich jedes mal, wenn auf meiner Beobachtungsliste auftaucht „PA entfernt“. Ich habe selten Grund zur Freude. Dabei ist mein eigenes Entfernen von PAs bisher immer problemlos verlaufen.

Richtig frustrierend ist für mich aber der fehlende Zusammenhalt. Anlass ist der WikiCup. Da wird öfter Mal an den Regeln gefeilt, oft scheitern Änderungen daran, dass zwischen den einzelnen Runden nur wenige Tage liegen. Jetzt war diesmal richtig viel aufgelaufen, eine Menge Vorschläge, eine angeregte Diskussion und sogar eine Abstimmung, alles rechtzeitig. Die Beteiligung war auch gut. Leider war das Ergebnis wie so oft nicht eindeutig. Kein Problem, ich frage – rechtzeitig – nach, was wir tun sollen. Ich erhalte drei Antworten. Ein unbeteiligter Wikijurist und die beiden, die als Einzige alles abgelehnt hatten, erklären mir, dass es aus formalen Gründen mehr oder weniger für die Tonne ist. Mindestens ein halbes Dutzend Leute, die vorgeschlagen, diskutiert und für Änderung gestimmt haben, schweigen. Ich stand da wie in der Lanxess Arena im Corona-Lockdown. Ich hatte natürlich meine eigenen Interessen, aber auch die Ideen von vielen anderen vertreten, und nicht einer davon hat sich gemeldet.

Leider *schniff, schniff* kein Einzelfall. Ich hatte mal das tolle Erlebnis, einen Troll einbremsen zu wollen, der in eine Regellücke vorgedrungen war. Regeldiskussion, Abstimmung, Ergebnis 12:1 für Regeländerung, die eine Gegenstimme natürlich von dem Troll. Fröhlich habe ich die Regel geändert. Der Troll setzt zurück. Wieder Änderung. Editwar. Nicht einer, nicht ein einziger der 11 anderen hat eingegriffen, hat mich unterstützt, hat noch einmal etwas von sich hören lassen. Man kann Trollereien und PAs beklagen, die sind aber nicht das eigentliche Problem. Die sind einfach da. Das eigentliche Problem ist der fehlende Gemeinsinn, die Verantwortungsscheu und das Abtauchen der „Vernünftigen“.

Deshalb nehme ich auch die Kurierdiskussion nicht mehr sonderlich ernst. Klischeetriefend wird problematisiert (ich muss nur das Stichwort „Autorenschwund“ in die Runde werfen und jeder kann wahrscheinlich eine Latte von Stereotypen herunterbeten, wie angeblich die Leute vertrieben werden), dann wird eine Runde des „Irgendjemand-muss-mal“-Spiels gespielt und wenn genug Leute ihre Meinung auf dem Bildschirm stehen haben, dann geht es weiter zur nächsten Baustelle und immer im Kreis. Und wer mit einem konkreten Vorschlag kommt, kann bestenfalls auf beifälliges Kopfnicken hoffen. Unterstützung bei der Umsetzung bekommt man so gut wie nicht. Darum ist auch eine beliebte Trolltaktik, für eine einschränkende Regeländerung ein Meinungsbild zu verlangen. MBs, das Sinnbild für das Scheitern des Community-Gedankens und für das große Missverständnis „Schwarmintelligenz“.

So, bin ich vor den Feiertagen noch meinen Frust losgeworden. Mit der schwachen Hoffnung, dass in der besinnlichen Zeit vielleicht doch der ein oder andere mal zum Nachdenken kommt. Damit wir alle (ich nehme mich nicht aus) nicht immer nur Hot-Spot-Hopping betreiben, sondern uns ernsthaft engagieren. Und damit wir uns auch mal bewusst werden, dass die Leute, die sich engagieren, vor allem eines brauchen: Unterstützung. So wie wir alle gerne Unterstützung hätten, wenn uns etwas am Herzen liegt. In Ewigkeit, Amen.

Frohe Ostern und bleibt gesund! HvW (02.04.)

Aus der Sittengeschichte der Völker: Über das Rechtsleben in Aprilien

So hat sich ein späterer Maler den Reisenden vorgestellt. Leider ist der Autor des Reiseberichtes „Tractat über das Fürstenthum Aprilien“ unerkannt geblieben, und man rätselt weiterhin über den Zeitpunkt der Reise und den Zeitpunkt der Niederschrift. Wiederentdeckt wurde der Text als „Sittengemälde aus den dunkelsten Zeiten teutscher Kleinstaaterei“.

Achtung vor den Mitmenschen aufbringen: Dieses noble Ziel dürfte alle Menschen guten Willens einen. Doch schwierig wird es, wenn ungewohnte Sitten unser Gefühl für Anstand und Gerechtigkeit verletzen. So erging es einem Reisenden, der einst das Fürstentum Aprilien aufsuchte, um sich mit den Rechtstraditionen der Untertanen vertraut zu machen. Wir zitieren aus einem zeitgenössischen Reisebericht.

... Da beobachtete er an einem Orte, wie ein Schultheiß ſich dem Beſitzer eines Fuhrwerkes näherte. Der hatte ſeinen Wagen ſammt Pferd ſo an der Straße angehalten, daß die übrigen Fahrzeuge kaum daran vorbeyfahren konnten. Der Schultheiß hieß ihm weiterzufahren.

Doch was machte der unverfrorene Wagenbeſitzer? Er entgegnete, daß der Schultheiß ihm keine Anweiſungen geben dürfe. Denn in dem Moment, worin der Schultheiß ihm das Weiterfahren befahl, da verlor der Schultheiß ſeyn Befugniß. Er sei nemlich partie de conflict geworden! So behinderte das Fuhrwerk noch lange den Verkehr auf dieſer aprilianiſchen Straße.

Im Reich der Libertät

Dem Reiſenden wurde allſeits beſtätigt, daß ein solcher Vorfall durchaus häufig vorkommet in Aprilien, und daß ſolches eben aus dem ſtarken Rechtsempfinden der Aprilianer erwachse. Der Aprilianer reclamire ſeine angeborene Libertät, ſo zu handeln und ſo zu reden, als es ihm beliebt.

Das Fürstenthum litt unter einem eklatanten Männerüberschuss. Der Autor hat diese beiden Frauen als „Weibsbilder in Rot“ bezeichnet. Dies mag eine Chiffre sein, die allerdings von der Literaturwissenschaft, der Geschichtswissenschaft oder den Gender Studies noch nicht entschlüsselt worden ist.

Die Kehrſeite dieſer Freiheitsliebe erlebet, so erzählet man im Lande, nicht letztlich das weibliche Geſchlecht. Man berichtete dem Reiſenden von einer wohllöblichen Dame, die fleißig auf einem Stück Land arbeitete. Doch ward ſie eines Tages eines maskirten Misanthropen gewahr, der Pfeil und Bogen in Anschlag hielt und ohn Unterbrechen auf die Dame richtete.

Vom Schultheiß und von vielen Unterthanen ward ihr expliciret, warum niemand etwas gegen den Misanthropen und ſeyn Drohen unternehmen werde. Denn dieſer genieße die Freiheit, ſeinen Pfeil und ſeinen Bogen in beliebiger Weiſe zu nutzen. Einſchreiten könne der Schultheiß erst, wenn der Pfeil abgeschossen und auf dem Wege zu ſeinem Ziele sei.

Im Reich der Utilität

... Nebst der Libertät ſpricht der Aprilianer eben ſo gern von der Utilität, der Nützlichkeit, die auch dem kecksten Unterthanen unterſtellet wird – oder doch zumindest den Alten. Darum kommt es immer wieder vor, daß ein nichtswürdiger Aprilianer einen Landsmann etwa mit einer Axt gewalttätlich niedermacht. Man möchte meinen, daß der Halunke nun einer Strafe wie dem Gefängniß oder der Verbannung unterzogen werde, auf dass er ſeyn Unheil nicht weiter treiben könne, jedenfalls nicht in Aprilien, zum Schutze der Unterthanen vor dem Böshaftigen.

Doch nein: Wie dem Reiſenden auch auf mehrmaliges Nachfragen verſichert wurde, entblößet man den Missetäter gar nur von seiner Axt. Dieſes ſei Strafe genug, denn es habe wohl viel Zeit und harte Arbeit gekostet, ſich eine ſo ſchöne Axt leisten zu können. Außerdem ſei eine Verbannung ſinnlos, da das betreffende Subject ſich incognito wieder ins Fürstenthum ſchleichen könne. Alsbald könne er ſich ſelbstredend abermals eine Axt beſorgen, denn man wolle ja wohl kaum den Handel auf Äxte controlliren.

Solange er nicht erneut nach dem Leben seiner Landsleute trachte, dürfe er die Axt nach Belieben und zur Mehrung der Wohlfahrt des Fürstenthums einſetzen. Das ist die vielgerühmte und daher protectirte Utilität der Unterthanen. Und zu den armen Seelen, die dieſer Libertät und Utilität Beute werden, betet man auf gut Latein: geto verit.

Der Urgrund der aprilianischen Sitten

Diese Zeichnung, die dem Reisebericht vorangestellt wurde, hat man als Spottbild auf die Regentſchaft gedeutet.

Darum machte unser Reiſender ſich an ſolcherley Fragen: Wie haben ſich ſolche Bräuche etabliretet. Und welchen Bedacht treibet der Landesherr dabey.

Der Reiſende nahm folgende Belehrung an. Der Fürst von Aprilien hat ſeine Macht ſchon längst einer Regentſchaft übertragen, die zehn Köpfe zählet, und deren einer er geworden ist. Die Regentſchaft hält Hof weit weg outre-mer, zahlet ihre Berather und Geſandten, und gibt ſich leutſelig. Doch hinter vorgehaltener Hand ſagte man, daß manche Berather das Fürstenthum nicht ſo ſehr für ein Land anſehen, in dem man gut und gerne leben könne, ſondern allein für eine Quelle an Pfründen.

Andere Gewährsmänner des Reiſenden hielten es für anſcheinender, daß die Regentſchaft wohl die Sittlichkeit und das Rechtsleben der Unterthanen zum Besseren wenden wolle, jedoch die Alten unter den Unterthanen ſelbst der Grund dafür ſeien, daß ſich im Fürstenthum trotz aller guten Reden und Erlasse nichts änderte.

Das Volk der Grundstücksbesitzer

„Die Reversion“, die aprilianische Sitte des Faustrechts

Dieſe nemlich hätten ſich im Laufe von gar zwei Jahrzehnten Eigentumes daſelbst befleißigt und ſchützten es mit aller Macht gegen Ankömmlinge. Nun ist es in Aprilien unterſagt, Eigentum an Grundſtücken zu erwerben, denn das Fürstenthum hat den Aprilianern auferlegt, all ihr Gut in Aprilien für gemeyn zu erklären. Darin die Aprilianer bey ihrem Zuzuge auch eingewilliget haben.

Doch hat sich die Sitte verbreitet, nurmehr den Beſitz an ſolchem zu behaupten – zumal an ſchönen, zentral gelegenen Parcellen. Die Legitimation dieſer Anſprüche liege darin, daß die Beſitzer dieſe Grundſtücke ſelbst urbar gemacht und bebaut hätten. Die Grundſtücksbeſitzer handelten nach einem ius auctoris principalis, auch wenn ſie ſelbst den Ausdruck meiden. Vielmehr verweiſen ſie in foro auf ihre Utilität, von der man bey Ankömmlingen ja nicht ohne Weiteres ausgehen könne.

Ein Fremder, der ſich in Aprilien anzuſiedeln wünſchet, höret von den Rufen der Regentſchaft und mancher Unterthanen: Es wird ihm darin eine ergötzliche Participation an der Libertät in Ausſicht geſtellet, mit allgegenwärtigen Occasionen, ſeine Kenntniß von Gottes Schöpfung zu theilen. Allein, die dem Ankömmling verhießene Libertät ſtößet gegen das cartel der Grundſtücksbeſitzer, die ſich ihrer gegenſeitigen Anſprüche verſichern.

Alsbald enteilt ein Fremder, dem seine Fremdheit allzu oft auf die Naſe gebunden ward, das Fürstenthum wieder. Sich frei zu bewegen wird ihm nicht vergönnet, und die Grundſtücke, die er ſelbst noch beſitzen könnte, liegen am Rande und beglücken ihn wenig.

Von den Institutiones des Fürstenthums

Diese Zeichnung im Reisebericht wird heute mit „Das Schicksal des Schultheiß“ betitelt. Offensichtlich will der Autor andeuten, dass der Schultheiß in Aprilien einerseits von den Untertanen gehätschelt und bedauert wird, während man andererseits die Fußfessel noch etwas enger schnallt.

... Unser Reiſender möchte ſeinen Beſuch im Fürstenthum aber doch nicht endigen, ohne näher nach den Institutiones gefragt zu haben, mit derer Hülfe die Regentſchaft ihre Unterthanen zu friedſchaffender Redlichkeit anhalten möchte.

In principio gilt in Aprilien, daß die Regentſchaft die Unterthanen ihre Geſchäfte ſelbst regeln läßt. So werden die Schultheiße von den Unterthanen erkoren. Fehlt ein Schultheiß in ihren Augen in ſeiner Amtsführung, dann drohet ihm eine ſchändliche Reëlection, die ihn des Amtes berauben mag. Darum, mutmaßet ſo mancher, ſcheuen viele Schultheiße vor einer weſentlichen opprobation der Alten.

Die Alten haben ihrerſeits Anlaß, den Schultheißen ihre Anerkennung und ihre Hülfe zu verſagen. Machtvolle Schultheiße könnten ſich ja gegen ſie und ihre Libertät alswohl gegen ihre Anſprüche richten. Darum misstrauen ſie auch der Regentſchaft, die einen eigenen Codex und ihr ergebene, maskirte Schultheiße einſetzet, um die ſchlimmsten Missſtände im Fürstenthum zu wehren. Sie misstrauen auch der Regentſchaft Verſuche, die Zahl der Regentſchaftsmitglieder zu vergrößern und den Kreis der Unterthanenſchaft zu modificiren. So hält die Regentſchaft dafür, daß auch den Berathern der Regentſchaft Angehörigkeit des Fürstenthums zuſtehet, und letztlich allen Kindern Gottes, gar ohne Anſässigkeit im Fürstenthum und ohne jegliche Utilität.

Und ſchließlich kann der Reiſende den Alten nicht abſprechen, daß ſie das Fürstenthum gegen ſolche Fremdlinge vertheidigen, die gänzlich vom Eigennutze getrieben die Verhältnisse im Fürstenthum zu ſtören ſuchen. Sie lassen Stolz auf ihr Thun erkennen und Freude am Trutzen. Allein, ſo raisoniret der Reiſende, könnte das Fürstenthum doch ein paar Zäune gegen die Störenfriede errichten. Jenes aber ſei ein affront wider die Libertät, erhaltet er zur Antwort. Wohl mag es ihm ſcheinen, daß manche Wächter nicht durch Zäune entbehrlich werden wollen?

Von merkwürdigen Sitten und Nöthen

Letztes Bild in der Erstausgabe. Die Untertanen sind in kleine, einander zugeneigte Gruppen verteilt, und verhandeln unter sich über die Zukunft einer idyllischen Landschaft.

Die geneigte Leſerin eben ſo wenig als der geneigte Leſer werden dem Reiſenden keinen Vorwurf machen können, daß ihm von ſeinem Aufenthalte in Aprilien der Kopf confusus geworden ist. Was hat itzo Geltung im Fürstenthum und unter den Unterthanen? Hat ein von Allen beſchworener Communismus der lex oligarchiae eternae weichen müssen? Wer ſoll am Reichthume des Landes teilhaben dürfen? Stirbt das Fürstenthum aus, wenn es nicht neu peupliret wird? Droht der Auszug der Unterthanen in fremde Reiche? Wird ein neuer dictator benevolens die Verhältnisse richten müssen?

Dem Verarbeiten des Erlebten und dem studio fremder Reiſeberichte wird der Reiſende in ſeiner Kammer noch viel Zeit widmen müssen. Z., 1.4.

Wie Commons Wikipedianer frustriert

Wegen Commons frustrierte(r) Wikipedianer*in

Was ist geschehen?

Gleich mal vorne weg, bevor ich da Genöle höre: JA, ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht und ich bin auch bereit gewesen, diesen Fehler zu korrigieren. Ich habe nur ein großes Problem damit, wie das Ganze abgelaufen ist und denke es muss sich dringend etwas ändern. Wer sich mein Gejammer über die Vorfälle sparen und gleich die Änderungsvorschläge lesen will, bitte ein Kapitel weiter. Bewusst habe ich mit diesem Artikel gewartet, bis der Fehler behoben ist, an dem sich der Konflikt entzündet hat. Ich will eine Lösung für die Zukunft, keine Beeinflussung der jetzigen Situation, von der ich hoffe, dass sich das nun erledigt hat.

Am 26. Februar erhielt ich auf meiner Benutzerdiskussion auf Commons den Hinweis, dass von mir hochgeladene Bilder einen Löschantrag bekommen hätten, weil es keine Quellenangabe gäbe. Nicht nur ein oder zwei, es waren innerhalb von einer Stunde von einem User stolze 505 Bilder mit einem entsprechenden Hinweis vermerkt worden. Zur Erklärung: In Osttimor sind Bilder, die von staatlichen Stellen veröffentlicht wurden, automatisch gemeinfrei. Entsprechend hatte ich bei jedem Bild einfach die entsprechende Behörde oder Ministerium angegeben. In Panik habe ich erstmal durchgehend Widerspruch eingelegt. Das muss für jedes Bild einzeln erfolgen. Das Ganze war für mich unverständlich, weswegen ich eine Vandalismusmeldung einreichte. Eine solche geballte Zahl von Löschanträgen auf Bilder, die gemeinfrei sind, ist aus meiner Sicht eine massive Projektstörung. Einige Wikipedianer unterstützten mich sogar in der Ansicht. Der kritisierte User sieht sich im Recht, weil er gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehe. Bekannte erklärten mir, dass er bereits als extensiver Steller von Löschanträgen bekannt sei. Irgendwann wurde mir erklärt, dass die Angabe einer URL der Quelle Pflicht sei. Für mich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehbar, da ein Quellenbeleg bei Fotos aus dem eigenen Fundus keinen Beleg haben (können). In der Regel habe ich, wenn ich Bilder beim Lesen fand, nur kurz einen Ordner auf meinem PC angelegt, um sie einer Quelle zuzuordnen und später, wenn ich Zeit hatte, sie überarbeitet, hochgeladen, kategorisiert und in die Artikel eingebunden. Kurz also: Ein formaler Fehler, kein verbotener Upload. Noch unverständlicher ist für mich der Umstand, dass auch Bilder mit einem Löschantrag bedacht wurden, bei denen nur eine staatliche Quelle im Frage kommt: Das Emblem einer Gemeinde, Logos von Ministerien und Infoplakate zu Corona, mit dem Logo und Namen des Gesundheitsministeriums und der Regierung darauf.

Quelle nicht bekannt, auch wenn es draufsteht?

Nun gut, was nun? Die ersten Bilder wurden gelöscht, inklusive der Angabe, woher das Bild stammt, ohne die ich das Bild nicht finden konnte. Was mir nur schnell klar war: Innerhalb von wenigen Tagen sind die Bilder nicht wieder aufzufinden. Sie stammen von unterschiedlichen Seiten, die Galerien müssen zumeist bis zum Veröffentlichungsdatum runtergescrollt werden und stürzen dabei immer wieder ab. Die Bilder wurden zum Teil vor einem Jahr hochgeladen. Schließlich fand ich auch das Administrators' noticeboard. Ich kann zwar Englisch, aber ehrlich gesagt, ist mir das ganze System in Commons unübersichtlich und hier noch Anträge in heiklen Themen in Fremdsprache formulieren? Ich habe versucht, demütig auf das Problem hinzuweisen und um einen allgemeinen Aufschub zu bitten. Ich wollte Zeit, die URLs zu suchen. Kommentar des Antragstellers: Ohne Quelle ist ohne Quelle, Du hast eine Woche Zeit. Er ist übrigens kein Admin.

Eine klare Aussage von den Admins blieb aus, dafür wurde zwei Tage später das nächste Bild gelöscht. Danach wenigstens nicht mehr. Bis zum 13. März hatte ich die Hälfte der Bilder abgearbeitet. Ein Admin nahm die Löschanträge bei mehreren Bildern raus und später wurden auch die gelöschten Bilder wieder hergestellt und ich lieferte innerhalb von 24 h die URL nach. Inzwischen sind bei 44 Bildern die Löschanträge entfernt, bei 444 weiteren habe ich die URL nachgetragen bzw. auf klare Quelle beim Bild selbst hingewiesen, und warte auf eine Entscheidung. Ein Bild konnte ich trotz langer Suche nicht mehr wieder finden. Sechs Fotos habe ich für einen Timoresen hochgeladen, mit der Bitte, mir die Freigabe an Commons per eMail zu schicken. Leider, wie schon oft zuvor, hat er das bisher nicht gemacht. Muss ich nochmal nachfragen, in der Hoffnung, dass er schneller reagiert als die Löscher. Facebookchat-Screenshots werden ja leider nicht von Commons-OTRS anerkannt.

Hier entschied bereits ein Admin, dass die Panoramafreiheit bei der Hütte keine Rolle spielt

Ein anderer Benutzer schlug im Administrators' noticeboard indes einen Bann gegen den Löschantragsteller vor. Ein Admin/Bürokrat wies den Antragsteller an, nicht mehr so viele Bilder mit Löschanträgen zu markieren. Dieser versprach, dass er das tun werde und wies mich im nächsten Halbsatz darauf hin, dass noch bei weiteren Bildern von mir die URL fehlt. Ich solle sie möglichst schnell abarbeiten oder sie würden als "quellenlos" markiert. Wie gesagt, er ist kein Admin. Andere User brachten weitere Beispiele, wo er Uploader mit Löschungen und sogar einem Bann drohte, wenn sie nicht Mißstände beseitigen. Es blieb letztlich bei diesem administrativen Hinweis. Bei Commons werden auch solche Diskussionen, zu denen sich niemand mehr zu Wort meldet, relativ schnell archiviert, ohne dass es einen Anschluss gibt. Das galt übrigens auch für die Vandalismusmeldung.

Ist das Urheberrecht von Hello Kitty verletzt?

Die Sperrandrohung bekam ich von einem anderen User, der mir am 15. März eine Nachricht in der Art hinterließ: "Willkommen bei Commons" (nach 15 Jahren?) "Eine oder mehrere Bilder von Dir haben ein Urheberrechtsproblem. Solche Bilder können gelöscht und die Hochlader gesperrt werden." Anscheinend hatte der "freundliche Autor" irgendwo bemerkt, dass auf Bildern von mir Löschanträge gesetzt sind und hinterließ daher den Hinweis, zusätzlich zu den automatisierten Hinweisen von vorher. Dass das Thema bereits in Arbeit ist, hatte er nicht mitbekommen. Es ist noch ein Wikimedianer, der nicht Admin ist, dafür anscheinend fleißig auf Benutzerdiskussionen Nachrichten hinterlässt. Von einem Wikipedianer bekam ich zu hören, dass ich doch selber Schuld sei, wenn ich soviele Bilder ohne URL hochlade. Mag zwar stimmen, hilft aber nicht in der Situation, noch entstand dem Projekt dadurch ein Schaden. Also, selber Schuld, wenn man für Commons Bilder sucht und dabei einen formalen Fehler begeht? Dazu kam jetzt ein weiterer User, der in mehreren Seiten zur Löschdiskussion zusätzlich nach der Panoramafreiheit fragt (Es gibt kein Gesetz in Osttimor, das Architekten ein Urheberrecht auf Bilder gewährt). Wohlgemerkt auch bei Bildern, die keine Gebäude oder Kunstwerke zeigen. Bei einem Bild von einer Demonstration vermutet er eine Urheberrechtsverletzung, weil eine Teilnehmerin ein T-Shirt mit einem Hello-Kitty-ähnlichen Aufdruck trägt. Einer dieser so kommentierten Löschanträge wurde immerhin bereits geschlossen (Danke dafür), die anderen Bilder sind in der Schwebe. Sollte das Demo-Bild gelöscht werden, schlage ich für die nächste Wiki-Con vor, statt orangen Schlüsselbändern rosa Hello-Kitty-T-Shirts an jene zu verteilen, die nicht fotografiert werden wollen.

Auch bei diesem Bild fragte ein User nach der Panoramafreiheit

Mein Gefühl ist, dass es auf Commons mehrere User gibt, die mit großem Engagement und geringem Wissen die Rolle von Hauswarten spielen. Dabei werden formale Fehler und reine Vermutungen ebenso behandelt wie echte Urheberrechtsverletzungen. Admins sehen sich in der Rolle von Polizisten, die von einzelnen Rentnern 1000 Anzeigen von Falschparkern im Stadtviertel bekommen, weil diese jeden Tag ihre Runden drehen und alle aufschreiben, die sie sehen. Dabei sind die Hilfssheriffs nicht von legitimierten Admins zu unterscheiden. Jede Drohung wird als Aussage eines befugten und inhaltlich informierten Entscheiders angesehen. Dabei fehlt ihnen oft das Wissen über lokale oder internationale Gesetze. Dazu kommt eine Sprachbarriere, die Nicht-Muttersprachler automatisch in Löschdiskussionen benachteiligen. Hilfsgesuche laufen ins Leere, sofern man sich in der unübersichtlichen Struktur zurechtfindet. Wer als alter Wikipedianer wissen will, wie sich Neu-Autoren bei ihrem ersten Treffen auf Löschtrolle in der Wikipedia fühlen, Commons bietet einem das Feeling des Haifischbeckens ohne Rettungsring, wenn man nicht auch dort bereits jahrelang in der Community aktiv ist. Wäre ich neu im Wikiversum, ich hätte wohl hingeschmissen. Die Drohung der Löschung meiner Arbeit auf Commons eines ganzen Jahres hat mich trotzdem ziemlich getroffen. Zeitweise habe ich überlegt, gar keine Bilder mehr hochzuladen, doch das würde meinen Artikeln schaden, nicht jenen die ihre Passion in Löschanträgen gefunden haben. Ich habe trotzdem einige Zeit gebraucht, das zu verdauen, auch wenn ich schon so manchen Konflikt auch schon in unserer Wikipedia erlebt habe. Und was ist der Gewinn für das Projekt? Bisher gut 50 Stunden Zeit, die ich für Artikel verwenden könnte, habe ich in die Bilderrettung und URL-Suche investiert. Finde ich zufällig Bilder und ich habe keine Zeit, lade ich sie nur schnell mit URL bei Commons hoch und verarbeite sie erst später. Admins, die die Löschanträge herausnehmen, müssen die Dateiseite und jene der Datei- und Löschdiskussionen bearbeiten. Kein Wunder also, dass bisher nur jedes elfte Bild wieder frei vom Löschantrag ist. Letztlich wird der Wikimedia wohl ein Bild verloren gehen, weil die URL fehlt, nicht weil eine Urheberrechtsverletzung vorliegt.

Wikimedia kämpft gegen automatisierte Upload-Filter und Bots, die Beiträge löschen. Auf Facebook erleben wir, wie Callcenter-Mitarbeiter obskure Löschungen von Satire und Anti-Nazi-Posts entscheiden, während Drohungen und Artikel von COVID-Skeptikern bleiben. Die Situation auf Commons ist kein Ruhmesblatt, das wir als Vorbild vorantragen können.

Nachtrag vom 31. März: Es geht noch immer weiter. Bei diesem Bild macht sich ein User Sorgen, dass die "Toilette" im Hintergrund in der indonesischen Besatzungszeit (1975–1999) gebaut sein und damit das Gesetz zur Panoramafreiheit Indonesiens von 2014 gelten könnte...

Ich bin nicht der Einzige

Wie kann man von einem Ort ein Foto machen, wenn man dort nicht wohnt?

Ihr erinnert Euch an Steffen Kopetzky, dem Poeten mit der wunderschönen Hommage zu Wikipedia in der Süddeutschen Zeitung (siehe unten)? Sein Portraitbild wurde zwei Tage später auf Commons gelöscht. Seine Frau hatte das Bild hochgeladen, mit dem Hinweis, dass der Fotograf die Rechte an Kopetzky verkauft hatte. Leider hatte der Fotograf keine eMail an Commons geschickt. Auf die Idee, das zusätzlich zu machen, kam Frau Kopetzky nicht. Hätte sie behauptet, das Bild selbst gemacht zu haben, wäre das Bild noch auf Commons.

Ein Bekannter von mir bekam einen Löschantrag auf sein Bild, weil der Antragsteller das Bild online bei einer Ausstellung gefunden hatte. War ja auch richtig, mein Bekannter stellte dort sein Bild auch aus. Online war nur eine Version mit einer kleineren Auflösung zu finden, als bei der bei Commons hochgeladenen Version. Trotzdem Löschantrag. Mein Bekannter erklärte, er werde keine Bilder mehr bei Commons hochladen.

Bei einem anderen Wikipedianer wurde die Urheberschaft an den Bildern angezweifelt, da er nicht an dem Ort wohnt, wo sie entstanden. Mehrere Wikipedianer erzählten mir von solchen ärgerlichen Löschanträgen und Löschungen. Selbst Uploads von verifizierten Accounts wurden gelöscht, da man die Zulässigkeit anzweifelte. Bei der Wikimania 2015 in Mexiko waren bei einer Diskussion ein Drittel der Befragten der Meinung „Commons is broken“.

Fazit

Woher kann so ein Bild kommen, wenn nicht von einer staatlichen Stelle?

Was sollte MEINER Meinung nach geschehen?

  1. Der Grundsatz "Gehe vom Guten aus" muss auch wieder in Commons gelten. Bilder sollten nur dann gelöscht werden, wenn es Anzeichen für eine Urheberrechtsverletzung gibt. Dabei muss sich der Antragsteller auch Gedanken darüber machen, ob es wirklich andere Alternativen zu den Angaben beim Bild gibt. Als Prüfung kann zum Beispiel eine Google-Bildersuche dienen, mit der man Bilder aus Presseartikeln finden kann. Gibt es keine widersprüchlichen Bildnutzungen, muss man davon ausgehen, dass der Hochlader korrekte Angaben gemacht hat.
  2. Gibt es formale Fehler oder Lücken bei der Herkunftsnennung, soll der Hochlader freundlich auf die Defizite angesprochen werden, sofern keine deutlicheren Hinweise auf eine Urheberrechtsverletzung vorliegen. Und das ohne sofort gestarteter Löschandrohung.
  3. Die Prüfung der Bilder muss zeitnah zum Hochladen geschehen. Gerade wenn die URL von Quellen gefordert wird, ist es nicht selten, dass diese später nicht mehr verfügbar sind.
  4. Das Thema Urheberrecht ist vielfältig. In jedem Land gibt es andere Vorschriften, die sich auch mal ändern. Ehrenamtliche Admins, die nicht den entsprechenden juristischen Hintergrund haben, sind da schlicht überfordert. Daher sollte man sich langsam überlegen, ob nicht Fachjuristen eingestellt werden sollten, um hier das nötige Wissen einzubringen. Wer als Admin auf Commons arbeitet, sollte eine Einweisung erhalten und bei Bedarf hier Rat finden, ebenso auch Hochlader, die sich unsicher sind. Das Interesse muss aber in erster Linie darin liegen, Bilder für Commons verfügbar zu machen.
  5. Da ein Grundwissen erforderlich ist, sollten einfache User nicht mehr Bilder mit Löschhinweisen markieren oder andere User mit Lösch- und Sperrdrohung anschreiben dürfen. Die Löschdiskussionen sollen dazu dienen, die Situation des Bildes zu prüfen. Diskussionsbeiträge Dritter, denen jegliches Wissen fehlt, sind da kontraproduktiv.
  6. Schreiben normale User weiterhin andere User wegen Fehlern an, müssen sie in Zukunft klar machen, dass sie keine eingeführten Admins sind. Hinweise (Drohungen) auf mögliche Löschungen oder Sperrungen sind zu unterlassen.
  7. Anlaufstellen für Hilfesuchende müssen unabhängig des konkreten Begehrens leichter zu finden sein. Ist das nun eine Adminanfrage oder eine Vandalismusmeldung? Es kann nicht einigen wenigen Ehrenamtlichen überlassen werden, hier zu unterstützen. Gegebenenfalls müssen auch hier Profi-Mediatoren die Hilfesuchenden als Guides unterstützen, idealerweise in der Muttersprache des Users. Die Dominanz von Englisch in den Diskussionen ist kontraproduktiv für eine multikulturelle Weiterentwicklung der Wikimedia.

WMF diskutiert über einen Code of Conduct, bei dem es viel um Formulierungen in Diskussionen geht, solche Vorfälle sehe ich nicht davon abgedeckt, obwohl es gerade sie sind, die Neu-Autoren vertreiben. Die Unterrepräsentanz des globalen Südens wird beweint, während auf Commons dortiges lokales Recht von Laien (miß)interpretiert wird oder (auch schon erlebt) US-amerikanisches Recht dem nationalen Recht übergeordnet wird. Die EU-Urheberrechtsreform wird kritisiert und Commons gestaltet sich bereits schlimmer, als Uploadfilter auf Youtube.

Manches ist vielleicht auch für die de-Wikipedia eine Überlegung wert. Würden Autoren mit dem Hinweis auf den Löschantrag auf ihren Artikel zusammen das Angebot erhalten, dass jemand ihnen erklärt, was das Problem ist und was zu tun ist, würde die Löschhölle deutlich abgekühlt werden. So muss man das Glück haben, dass jemand zufällig in der Löschdiskussion sich des Neulings oder des Artikels annimmt. JPF, 30.3.

Offener Brief an das Board of Trustees

Hallo liebe Community,
Heute haben mehrere Arbcoms (engl. Begriff für Schiedsgerichte) sich zusammengeschlossen und einen offenen Brief an das Board of Trustees, also den Vorstand der WMF, veröffentlicht. In dem Brief wird die Erstellung des Universal Code of Conduct (UCoC) thematisiert, ebenso wie Probleme, die bei der Implementierung der Umsetzungsrichtlinie auftauchen können. Insgesamt spricht sich der Brief dafür aus, den UCoC sowie die Umsetzungsrichtlinie durch die Community formal zu beschließen, da er ansonsten an mangelnder Akzeptanz scheitern könnte. Auch wir als Schiedsgericht der deutschsprachigen Wikipedia haben diesen Brief unterzeichnet (bzw. sind noch dabei, jenachdem wie früh ihr diesen Artikel lest).

Ihr könnt den Originaltext auf dieser Seite auf Meta einsehen, wir haben auch eine deutsche Übersetzung veröffentlicht. Wir möchten in diesem Artikel die Motivation erläutern und die häuftigsten Fragen beantworten.

Zuerst um mit einem möglichen Missverständnis aufzuräumen: Es ist nicht so, als würde sich das SG direkt aus Eigenmotivation damit befassen. Die Arbcoms (unseres wie weitere) wurden bereits zu Beginn des Prozesses zur Erstellung des UCoC befragt und ins Boot geholt. Für die, die von Zeit zu Zeit die Protokolle des Schiedsgerichts lesen, ist dies nicht neu. Prinzipiell ist dies sinnvoll: Arbcoms beschäftigten sich häufig mit Konflikten und kennen die Regeln ihrer jeweiligen Community gut. So wurden auch wir im Laufe des letzten Jahres angesprochen und haben seitdem auch viele Stunden über dieses Thema diskutiert. Während wir das Prinzip eines internationalen Regelstandards (nach dem Prinzip: WP:KPA für alle Projekte) gut finden, blicken wir mit Sorge auf die Umsetzung. Wir denken, dass ein entsprechendes Regelwerk von der Community genehmigt werden sollte, und auch von dieser umgesetzt werden sollte. Wenn die Akzeptanz der Community für Regeln fehlt, dann sind Konflikte vorprogrammiert und dies führt zu mehr Unfrieden als zu dem, was man eigentlich erreichen will.

Da das Schiedsgericht der deutschsprachigen Wikipedia nun mal ausschließlich für diese Wikipedia zuständig ist, haben wir uns bei der Diskussion dieser zu erwartenden Neuerungen vor allem immer wieder eine Frage gestellt: „Wie betrifft das unser Projekt?“ Da wir mit diesem Blickwinkel bei den großen Projekten nicht alleine sind, haben wir uns mit anderen Arbcoms, wie dem englisch-, französisch-, russisch-, tschechisch- sowie dem ukrainischsprachigen zusammengetan, um den Forderungen nach mehr Mitbestimmung durch die Community in dieser Sache mehr Nachdruck zu verleihen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Arbcoms je nach Regeln und Meinungen der Mitglieder als ganzes Arbcom oder als einzelne Mitglieder unterzeichnet haben bzw. unterzeichnen.

Wir möchten darauf hinweisen, dass sich dieser Brief ausdrücklich nicht gegen unsere Zusammenarbeit mit Mitgliedern der WMF richtet, wir schätzen die Zusammenarbeit und möchten diese weiterhin auch gerne fortsetzen. Der Brief richtet sich gegen niemanden persönlich, sondern ausdrücklich gegen den Beschluss des Boards, den UCoC ohne formale Zustimmung der Community in Kraft zu setzen, sowie den Plan, dies auch mit der Umsetzungsrichtlinie so zu tun.

Für Fragen, die ihr zu dieser Angelegenheit an uns habt, stehen wir euch auf der Diskussionsseite des Kuriers zur Verfügung und werden versuchen, eure Fragen soweit möglich zu beantworten. Soweit möglich bedeutet in diesem Fall: Es gibt Dinge, die wir nicht wissen und Dinge, die wir nicht preisgeben dürfen. Den Rest der Fragen werden wir versuchen zu beantworten.

Wir möchten an dieser Stelle alle Diskussionsteilnehmer zudem bitten, differenziert zu diskutieren: Es wäre nicht fair, die gesamte WMF oder gleich alles, was mit WM anfängt, in einen Hut zu werfen. Es gibt Beispiele, wo die Zusammenarbeit wunderbar klappt: Ein Beispiel konnte man in Form der neuen Diskussionswerkzeuge, die als Beta-Feature zur Verfügung stehen, wunderbar beobachten. Dort wurde vor der Einführung proaktiv angefragt und auf die Meinung Rücksicht genommen. Auf der anderen Seite gibt es andere Themen, die leider viel Vertrauen der Community gegenüber der WMF zerstören, der Brief nennt beispielsweise Superprotect und auch neulich mit der geplanten Umbenennung zur Wikipedia Foundation ließ sich dies wieder beobachten. Das darf und sollte man natürlich kritisieren, wenn man es für kritikwürdig hält – es macht aber keinen Sinn, das Abteilungen der WMF vorzuwerfen, die dabei gar nicht involviert waren und somit gar nichts dafür können. Wenn ein Wikipedia-Autor in einem Artikel Unsinn macht, dann wollt ihr dafür ja auch nicht kritisiert werden, sofern die einzige Gemeinsamkeit zwischen euch und dem Autor darin besteht, dass ihr beide Wikipedia-Autoren seid. Auch bleibt bitte bei der Diskussion sachlich, das erleichtert es allen Teilnehmern.

Wir haben diesen Brief veröffentlicht, um nicht unsere eigene, sondern die Position der Community zu stärken und hoffen, dass er einen Teil dazu beiträgt, dass die WMF bei Entscheidungen die Community mehr einbezieht, insbesondere bei der Erstellung des UCoC, sowie gegebenenfalls ein für alle Abteilungen verbindliches Konzept mit der Community vereinbart, wann und wo diese wie einzubeziehen ist.

Vielen Dank für euer Interesse an diesem Thema.

Euer Schiedsgericht.

Für das SG, Luke, 26.03

Mal eine ganz andere Sicht auf Wikipedia

Steffen Kopetzky

Der Artikel zu 20 Jahre Wikipedia in der Zeit hat bei einigen zu Verwirrung, beziehungsweise Verärgerung geführt. Ich persönlich kann das nicht verstehen, angesichts dieses ausgesprochen ausgewogenen Beitrags über die vielen Facetten der Wikipedia. Nun gut, vielleicht kommt da ein bißchen wenig Osttimor vor, das wäre als einziges zu kritisieren …. Wohltuend war ja bereits das Grußwort von Bundespräsident Steinmeier, auf das ich ja schon zuvor hingewiesen hatte.

Aber werfen wir doch einen Blick auf eine weitere Veröffentlichung. In der heutigen Süddeutschen Zeitung findet sich im Feuilleton (!) ein Gastbeitrag von Steffen Kopetzky, der seinerseits bereits lange als Literat die Relevanz für einen Artikel in der Wikipedia erreicht hatte. Kopetzky lässt die Streitigkeiten und Probleme des Alltags links liegen und fördert die grundlegende Bedeutung der Wikipedia zu Tage. Wir erfahren, was die Wikipedia mit einem Ledereimer zu tun hat, und lesen von den strahlenden „Rittern des Wikiversums“, die im Edit-War die Artikel mit ihrer Kraft einfrieren (Ja, es ist von den Admins die Rede). Der Titel des Artikels, „20 Jahre deutschsprachige Wikipedia – Global Player der Aufklärung“, zeugt von dem Zauber, der der Idee des universellen Lexikons für jedermann innewohnt, der Grund, warum wir von dem Projekt, unabhängig von seinen kleinen Defiziten, fasziniert und begeistert sind und immer wieder unsere Freizeit dafür opfern. Wikipedia, das Weltwunder des digitalen Zeitalters? Klingt sehr hochgegriffen, aber nach der Lektüre dieses Artikels von Steffen Kopetzky ist man wieder mehr dazu bereit, daran zu glauben. Danke schön. JPF, 23.03.

Steffen Kopetzky: 20 Jahre deutschsprachige Wikipedia – Global Player der Aufklärung"

Bessere Farben für die Syntaxhervorhebung (Technische Wünsche)

Vorher/Nachher-Vergleich
ein Beispiel für die bisherigen Farben
ein Beispiel für das neue Farbschema

Wer im Wikitext-Modus editiert, bekommt bald eine weitere Hilfestellung: Die Farben der Syntaxhervorhebung (CodeMirror) erhalten höhere Kontraste und sollen dadurch besser lesbar werden. Diese Änderung, die gemäß der Richtlinien für barrierefreie Webinhalte umgesetzt wurde, hilft nicht nur Menschen mit eingeschränkter Sehkraft, sondern beispielsweise auch dann, wenn der Bildschirm durch Tageslicht geblendet wird. Hierzuwiki sowie auf zwei weiteren Wikis soll die Änderung am Mittwoch, 24.3.2021, ausgerollt werden. Mehr Informationen zur Verbesserung der Farben gibt es auf dieser Projektseite. Fragen und Anmerkungen sind auf der dortigen Diskussionsseite willkommen.

Die Änderung entstammt dem Themenschwerpunkt „Leichter mit Vorlagen arbeiten“ aus dem Projekt Technische Wünsche, kommt aber allen zugute, die die integrierte Syntaxhervorhebung nutzen, ganz egal für Vorlagen oder anderes. In den nächsten Monaten werden außerdem noch einige weitere Verbesserungen für die Arbeit mit Vorlagen umgesetzt. js (wmde), 22.3.

PS: Wer Neuigkeiten aus dem Projekt Technische Wünsche frisch auf die eigene Diskussionsseite erhalten möchte – hier entlang geht es zum Newsletter.

Eine für alle, alle für eine – eine Rezension

Vorweg: Eigentlich hätte der Artikel von Zeit-Autor Jens Tönnesmann einer der besten sein können, der bisher in einer deutschen Zeitung über die deutschsprachige Wikipedia geschrieben wurde, auch weil bei der Recherche ganz unterschiedliche Benutzer befragt wurden, nur ging es dann doch wieder darum, identitätspolitische Genderscheiße unterzubringen.

Um beispielsweise das Thema Editwar zu erläutern, für das es mit dem Streit um Formulierungen in Kirchenartikeln eigentlich genügend aktuelle und vor allem eindeutigere Beispiele gibt, mußte der Artikel Strumpfhose herhalten, um gleichzeitig der Wikipedia Sexismus unterzujubeln. Jetzt kann man sicher streiten, welches der darin zwischenzeitlich verwendeten Bilder am geeignetsten ist, um den Artikel Strumpfhose zu bebildern, genauer: Den Sachverhalt „Strumpfhose“ zu verdeutlichen, aber die elementare Tatsache, daß seit der Erfindung von Strumpfhosen auch die sexuelle Erregung ein Zweck von Strumpfhosen waren, und das nicht erst seit Nutzung langbeiniger Photomodelle in Annoncen von Kunert oder auf Billboards von Palmers. Dieser nicht unwesentliche Zweck ist nun reduziert auf die sexuelle Anziehung, die für manche Fetischisten von Schaufensterpuppen ausgeht. Das nennt Jens Tönnesmann „enzyklopädisch nüchtern“, für mich ist es eine milde Form von Volksverdummung. So richtig brauchbar war allerdings auch keines der anderen Bilder, die zeitweise im Artikel waren.

Dennoch bekommt der Artikel – zunächst – die Kurve. Er geht darauf ein, daß das 2001 gegründete Projekt durch die Mitarbeit Tausender die kommerzielle Konkurrenz verdrängt hat. Dank dem erwähnten Podcast von Sebastian Wallroth weiß der Artikelautor um unterschiedliche Wikipedianer, Vielschreiber und Linksammler, Listenersteller und Kategorisierer. Rechtschreib- und Zeichensetzungskontrolleure und Geviertstrichbastler werden nicht erwähnt. „Am Ende macht jeder viele kleine Dinge, und alle zusammen machen etwas Großes draus“, wird Wallroth zitiert. Ein Fehler schleicht sich dennoch ein, denn Wikipedia verbreitet Wissen kostenlos, aber nicht lizenzfrei, wie es im Artikel steht.

Der Artikel geht auch auf den Fall Friedrich Curtius und den dadurch ausgelösten Shitstorm ein und erwähnt, daß man dank Versionsgeschichten noch in hundert Jahren nachlesen können sollte, wer das „PR-Gedöns“ im Artikel „bereinigt hat“. Im selben Atemzug wird „die Optik des Strumpfhosen-Artikels“ genannt und zur Frage gemacht, „ob die Wikipedia-Gemeinde Frauen systematisch diskriminiert“.

Und hier kommt Sandra Becker ins Spiel, die nach eigener Aussage 2012 angefangen hat und sich im Wikipedia:WomenEdit engagiert, wo aktuell – zweiter Artikelfehler – Artikel zu allen deutschen Richterinnen erstellt würden. Dem ist nicht so, weil diese Gesamtheit gar nicht enzyklopädisch relevant ist, sondern tatsächlich dreht es sich in dieser Runde um Mitgliederinnen der Landesverfassungsgerichte. Becker beklagt die mangelnde Neutralität der deutschsprachigen Wikipedia und führt ausgerechnet die Benennungen der Kategorien ins Feld. Die Gründe dafür und die Probleme, die eine Änderung begleiten würde, wurden schon diskutiert, also gehe ich darüber hinweg. Aber es ist schon starker Tobak, zu behaupten, daß die Regeln „eben vor allem von Männern festgelegt“ werden. Würde man sich die Zeit für eine genaue Textanalyse nehmen, stellte man fest, daß die meisten Regelseiten einst von Benutzerin:Elian verfaßt wurden, und ein großer Prozentanteil des Textes hat noch heute ihren Wortlaut. Wikipedia:Kategorien stammt allerdings weitgehend von Benutzer:Ulrich.fuchs (das war der mit der Mutter an der rechten Radnabe des Hinterrades seines Fahrrades).

An dieser Stelle fällt mir ein, daß Frau Becker ebenso wie Herr Tönnesmann geflissentlich übersehen, daß Wikipedias Aufgabe es ist, die Welt da draußen so darzustellen wie sie ist und nicht wie sie sein sollte. Und schon gar nicht so, wie sie manche Aktivisten gerne hätten. Wikipedia dient nicht dem politischen oder kulturellen Kampf – das verbietet eigentlich schon der Neutralitätsanspruch, der von Frau Becker eingefordert wird.

Der Krieg ums Strumpfhosenbild wird vom Zeit-Autor für beendet erklärt. Benutzerin:Kaethe17 sei dadurch inspiriert worden, nach weiteren Artikeln zu suchen, in denen „Frauen eher in sexualisiertem Kontext als Männer“ abgebildet werden. Und benennt Shorts#Hot Pants. Diese wurden ja Anfang der 1970er Jahre erfunden, um dem Minirock noch eins draufzusetzen. Noch kürzer. Kein Oberbekleidungsstück ist von sich aus sexualisierter als die Hot Pants. Wir werden sehen, wie sich die Bebilderung im fraglichen Artikel entwickelt. Inzwischen befindet sich im Artikel eine Strichzeichnung, die ein Mittelding aus Hot Pants und Short Shorts zeigt.

Ein weiterer Wikipedianer, der erwähnt und zitiert wird, ist Benutzer:He3nry, für Zeit-Autor Tönnesmann „der Aufpasser“. He3nry wird als eher scharfer Hund charakterisiert, der Wissen auch mal damit generiert, etwas wegschmeißen zu wollen. Ich finde die Aussage widersprüchlich, gebe aber zu, daß es in Wikipedia gelegentlich wegzuschmeißenden Mist gibt. Dieser Mist ist aber kein Wissen und war es auch nicht. Dabei finde ich, daß dieser Gegensatz Inklusionismus–Exklusionismus dem Sachverhalt nicht gerecht wird. Klar, es mag Hardcorevertreter auf beiden Seiten geben. Es gibt zum Beispiel vieles, was ich wegschmeißen würde, aber dennoch behalten wird, etwa all die Kakerlakenfresser aus dem RTL-Universum, Dieter Bohlens Superdeppen oder Heidis nächste Kleiderstangen, aber bei Ortsartikeln und Naturkatastrophen bin ich kompromißloser Inklusionist.

Gut finde ich den Bogen geschlagen zu Benuter:Rogi.Official, einem Jungwikipedianer (und somit per Definition kein alter weißer Mann), der vor allem kritisiert, wenn Artikel ohne freundliche Erklärung gelöscht werden. Niederschmetternd sei das und abschreckend, zumal man in anderen sozialen Netzwerken veröffentlichen kann, was man will. Naja, andere soziale Netzwerke stellen allerdings nicht den Anspruch, ein Enzyklopädieprojekt zu sein.

Der Zeit-Artikel nennt hier und da Aktivitäten einzelner Benutzer, meist weißer alter Männer, etwa vom Dresdner Stammtisch, und Insider wissen gleich, um welche ungenannten Accounts es sich handelt. Erwähnt wird die Wikipedia:Redaktion Kleine Länder anhand von Beispielen wie Gambia, Grönland und Nauru. „Wir brauchen dringend mehr Autoren“, sagt der Spezialist für Osttimor, „und wir freuen uns über jeden, der mitmacht.“ Bei Nauru mußte ich spicken, wer da aktiv ist.

Würde ich den Artikel Angehörigen oder Freunden empfehlen, um ihnen zu verdeutlichen, wie Wikipedia funktioniert: Jein. Zwei Drittel des Textes sind sehr brauchbar, das restliche Drittel mit dem Gendergedöns ist für 99,5 Prozent der Benutzer – solche, die wie ich in Ruhe und Frieden ihre Artikel über Bauwerke und Orte, Seen oder Politiker, Lebewesen und Künstler schreiben wollen –beleidigend. Wir mögen teilweise alt sein, überwiegend männlich und weißer Hautfarbe, aber wir sind keine weißen alten Männer, Herr Tönnesmann. Die von Ihnen aufgeworfene Frage der systematischen Diskriminierung von Frauen beantworten Sie in Ihrem Artikel übrigens nicht. Dieses journalistische Stilmittel kennt man sonst von dem Käseblatt mit den vier großen Buchstaben. Seit wann hat Die Zeit das nötig? (Hinweis: Vorstehender Beitrag enthält Meinung) MaB 21.3.

Kleine Freuden Ausgabe 42: Grußwort zum 20. Geburtstag der Wikipedia

2019-04-10 Frank-Walter Steinmeier by Olaf Kosinsky- MG 7523.jpg

„Herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag, liebe Wikipedia.

Du bist unser Retter in der Not, wenn uns im Freundeskreis die Fakten fehlen. Du bist unsere Startrampe für abenteuerliche Wissensreisen im Sauseschritt Deiner blauen Querverweise. Vor zehn Jahren noch haben manche Dich belächelt, Dich zu verwenden war verpönt. Heute arbeiten Staatsarchive und Bibliotheken mit Dir zusammen; Du bist ein Lichtblick im Internet in Zeiten von Desinformation und alternativer Wahrheiten.

Du lässt am Ende nur Fakten zu, auch wenn es im Streit darüber manchmal hoch hergeht. Klar, auch bei Dir steht manchmal Quatsch. Aber wie ein gut geöltes Uhrwerk sorgen tausende Engagierte allein in Deutschland dafür, dass die Selbstreinigung funktioniert und nur das stehen bleibt, was sich seriös belegen lässt. Ihnen allen will ich heute Danke sagen. Danke den ehrenamtlichen Autor*innen und Editoren, danke allen Techniker*innen und Spendern. Ihr Einsatz ist es, der die Wikipedia am Laufen hält, dieses Wunderwerk der digitalen Welt. Darauf können Sie wirklich stolz sein.

Liebe Wikipedia, alles Gute für die nächsten 20 Jahre!“

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
19. März 2021

Link zum Grußwort beim Wikimedia Salon: "Zwanzig Jahre Wikipedia – Wohin steuert das 8. Weltwunder?" JPF, 20.03.

Kostenfreie Literaturzugänge bei „The Wikipedia Library“: Jetzt auch Nomos und De Gruyter Online verfügbar

Wikipedia Library owl.svg

Seit 2012 gibt es mit „The Wikipedia Library“ eine Plattform mit kostenfreiem und größtenteils direkten Zugang zu einer Vielzahl an digital verfügbaren Inhalten für aktive Community-Mitglieder der Wikimedia-Projekte. Insgesamt sind mehr als eine Million einzelner Aufsätze, Bücher und Zeitschriftenausgaben erreichbar.

Da die Plattform in der deutschsprachigen Wikipedia noch nicht allzu bekannt ist, arbeitet das Team Ideenförderung von Wikimedia Deutschland seit letztem Jahr im Rahmen der Freiwilligenförderung daran, den Zugang dorthin zu verbessern. Mittlerweile ist die Plattform soweit möglich ins Deutsche übersetzt, es gibt nun deutschsprachige Ansprechpersonen und alle Informationen sind auf einer Projektseite hier in der deutschsprachigen Wikipedia gesammelt.

Was gibt es Neues?

Mit De Gruyter Online Wikipedia-logo-v2.svg, was bis Ende Januar über deutlich umständlichere Zugangsmodalitäten verfügbar und nach einem Relaunch der Plattform vorübergehend nicht verfügbar war, und Nomos Wikipedia-logo-v2.svg sind nun zwei weitere umfangreiche Angebote deutschsprachiger Verlage auf der Plattform verfügbar!

Zugang zum Angebot

Ein Großteil der Inhalte steht aktiven Community-Mitgliedern über ein Zugangspaket zu rund 25 Verlagen und Datenbankanbietern wie JSTOR, De Gruyter Online, Nomos, Oxford, Cairn, Women Writers Online auch ohne Bewerbung offen. Automatisch zugangsberechtigt sind alle ungesperrten Konten mit mind. 500 Bearbeitungen insgesamt und mind. 10 innerhalb des letzten Monats. Künftig wird eine Suchfunktion die Recherche im Zugangspaket noch deutlich vereinfachen. Einige Verlage haben jedoch den Zugang zu ihren Inhalten beschränkt, sodass eine Bewerbung nötig ist. Alle Abläufe werden auf „The Wikipedia Library“ koordiniert.

Nützliche Ressourcen finden

Es lohnt sicherlich allgemein ein Blick auf multidisziplinäre Inhalte (neben zuvor Genannten bspw. auch Cambridge University Press, ProQuest, Taylor & Francis, EBSCO) und in die Online-Zeitschriftenarchive (NewspaperARCHIVE.com, Newspapers.com, Die Zeit, The Times, The New York Times u. a.).

Für die konkrete Arbeit in einzelnen Themengebieten haben wir auf der Projektseite eine Tabelle erstellt, die entlang der Kategorie:Sachsystematik und sowie den Partnern von The Wikipedia Libary die Inhalte aufbereitet. Passende Redaktionen, Portale und WikiProjekte schreiben wir dazu noch gesondert an und nennen ihnen hilfreiche Zugänge.

Nichts Passendes gefunden?

The Wikipedia Library soll natürlich fortlaufend wachsen. Bisher liegt ein Fokus auf englischsprachigen Angeboten. Wir möchten aber gern daran arbeiten, weitere deutsch(sprachig)e Verlage für eine Partnerschaft zu gewinnen. Über Vorschläge freuen wir uns auf dieser Seite sehr.

Für Fragen zur Anmeldung, Benutzung und den verfügbaren Inhalten, gibt es auf der Projektseite wichtige Informationen in gebündelter Form. Natürlich stehen wir euch auch per E-Mail an communityatwikimedia.de gern zur Verfügung. Martin (WMDE) und Sandro (WMDE), 15.03.21

Geimpft – was nun?

Corona hat uns alle im Griff, wirbelt unser Leben durcheinander, ein Leben im Vor-Corona-Modus können wir uns vorerst wohl abschminken. Natürlich schlägt sich das Auf und Ab von Hoffen und Bangen auch in unserem Wikipedia-Alltag nieder. Gut, dass es den Digitalen Themenstammtisch/DTS gibt, der in der Wiki-Wissensvermittlung durchaus neue Perspektiven eröffnet. Danke Wikiolo für die Initiative! Viermal war ich am DTS dabei, muss aber gestehen, dass ich mit dieser Form von Begegnung und Kommunikation nicht zurecht komme, vor allem auch, weil der Austausch von Haus zu Haus via Bild und Ton, teilweise mit unbekannten Leuten, den Schutz von Privatheit tangiert, meiner privacy sowie die privacy der anderen.
Was mich und vielleicht auch einige andere mehr bewegt, ist die Frage, wann es wieder weitergeht, und wo und wie. Bei uns in München läuft gerade die Diskussion, hier verlinkt, wann wir den nächsten Frühschoppenstammtisch wagen können, ob schon im April oder erst im Mai, jeweils am letzten Sonntag im Monat, am 25. April oder am 30. Mai. Das Beiprogramm, Besuch der Lukaskirche gleich um die Ecke vom Stammtischlokal am Isartor und Kuppelbesteigung mit exquisitem Ausblick auf die Stadt, steht seit langem, auch haben Gäste aus CH und AT ihr Kommen avisiert.

Was uns bis dahin vermutlich noch mehr bewegt, selbst wenn es mit dem Frühschoppenstammtisch erst am 27. Juni klappen sollte, ist die Frage nach dem Ansteckungsrisiko, dem wir uns aussetzen und das jeder für den anderen darstellt. Klar ist, dass wir nicht drinnen im Lokal sitzen werden, sondern im Freien. Und natürlich stecken wir auch voll in der ubiquitär stattfindenden Diskussion, wer mehr und wer weniger ansteckend oder ansteckungsgefährdet ist, und ob, wie es sich in den USA abzeichnet, die Geimpften sich freier bewegen dürfen, und ob nicht höher gefährdete ältere Leute, zu denen ich gehöre, ganz zu Hause bleiben sollten. Letztlich auch, ob es angesichts der bevorstehenden Lockerungen genügt, wenn wir uns strikt an die offiziellen Regeln zum Schutz vor der Pandemie halten, oder ob wir uns bei unseren Zusammenkünften darüber hinaus schützen sollten, im Korridor zwischen Pandemie-Leichtsinn und Corona-Phobie. Überlegungen, die uns vermutlich noch lange begleiten, in und außerhalb von Wikipedia, Überlegungen, die mir gestern in den Sinn kamen, als ein nicht mehr ganz junger Münchner Wikipedia-Stammtischfreund mir von seiner Impfung berichtete, und dies abschloss mit einem heiteren Dankesvers:

Moderna
Ich gehöre jetzt zu den rund sieben Prozent,
die man in Deutschland „Geimpfte“ nennt.
Dank gebührt einer Frau mit viel Charme
sie impfte mich sanft durch Stich in den Arm,
die Ärztin, ich nenne sie Erna,
denn das reimt sich auf Impfstoff Moderna.

Soweit mein kleiner etwas nachdenklicher Beitrag zu Geschehnissen und Vorgängen, die die Menschen nach uns vermutlich als Zeichen einer besonderen Epoche, vielleicht sogar als Zeitenwende beschreiben werden. Pi, 13.3.

Communitysitze im Board – Endspurt – Podiumsdiskussionen

Liebe alle,

am Sonntag, den 14. März geht der Call for Feedback: Communitysitze im Board nach sechs spannenden Wochen zu Ende. Dies ist der Endspurt des Call for Feedback!

In einer Folge von vier Diskussionspanels werden jene Themen diskutiert und weiterentwickelt, die sich während des Calls als Schwerpunktthemen herausgestellt haben. Wir möchten jeden einzelnen von Euch einladen, zusammen mit Podiumsteilnehmenden aus der ganzen Welt, ein Teil dieses Ereignisses zu sein.

Die Panels laufen von Freitag, 12. März, 18:00 UTC bis Sonntag, 14. März, 13:00 UTC. Jedes Panel ist 45 Minuten lang, gefolgt von einer 45-minütigen offenen Diskussion.

Detaillierte Informationen zu den Podiumsteilnehmenden, Daten und Zeiten findet Ihr auf den unten verlinkten Metaseiten. Ich möchte Euch einladen, Fragen, Einsichten und Gedanken im Voraus auf der Talkseite jedes Panels zu teilen (gern auch auf Deutsch). Wir freuen uns auf Eure Teilnahme.

Wir sehen uns! DBarthel (WMF) 11. Mär. 2021 (CET)

Ein neuer Wartungsbausteinwettbewerb... intern für die Jungwikipedianer?

Jungwikipedianer-Logo 2015.svg

Der Wartungsbaustein Wettbewerb für Winter 2021 ist bereits vorbei und wie immer ist es dabei Tradition, sich völlig zu überarbeiten und nach dem Wettbewerb nie wieder Lust auf Wikipedia zu haben. Die Jungwikipedianer und Jungwikipedianerinnen sind aber leider wie Streuner: Sie halten sich weder an Regeln, noch an Traditionen, hinterlassen auf jeder Wikiseite ihre Spuren mittels kleinen bis großen Hinterlassenschaften und versuchen dabei trotzdem, die Wikipedia maßgeblich zu verbessern, was ihnen bisher immer (zumindest wird das gerne so dargestellt) gelungen ist! Aber alles hat auch seine Schattenseiten. Wie bereits gesagt halten sie sich kaum an Traditionen und da fließt auch das „Nach-einem-Wartungsbausteinwettbewerb-überhaupt-keinen-Bock-mehr-auf-die-Wikipedia-haben“ drunter. Ganz trotzig planen sie nämlich jetzt schon wieder einen weiteren Wartungsbausteinwettbewerb, diesmal intern nur für Jungwikipedianer. Kurz zusammengefasst: Mehr Arbeit, weniger Spaßfaktor und beinahe eine Garantie danach alles hinzuschmeißen. Doch ein Jungwikipedianer oder eine Jungwikipedianerin ist und bleibt ein Rudeltier. Wenn es darum geht, sein oder ihr künftiges Wikipedia-Nutzungsverhalten maßgeblich zu verändern, traut er oder sie sich erst einmal gar nichts, denn allein ist alles doof. Zum Glück muss aber weder ein Jungwikipedianer, noch eine Jungwikipedianerin alleine herumstreunen, denn jeder darf bei dem Projekt mitmachen. Es gibt nur zwei Kriterien: Man muss unter 21 Jahre alt sein, und man muss Lust haben. Lust haben auf viele schöne Projekte, einen Slack-Channel für privaten Austausch innerhalb der Jungwikipedianer (nur wer will) und einfach auf einen zugänglicheren Bereich der Wikipedia.

Unser momentanes Lockmittel hab ich jetzt schon ein paarmal erwähnt: Der neu geplante Wartungsbausteinwettbewerb. Das ist aber noch nicht sicher, wir wollen erstmal abstimmen, ob überhaupt Interesse dafür besteht, sich grundlos abzuarbeiten, dabei gute Scores zu erreichen und im Grunde einfach nur die Wikipedia zu verbessern. Du mein Leser oder meine Leserin, der/die bestimmt gerade dabei ist, sich als neue/r Jungwikipedianer/in zu bewerben, könntest da auch abstimmen: Hast du Lust auf so einen Wettbewerb? Tja, dann wird es Zeit mal bei dem Wettbewerb vorbeizuschauen und mitabzustimmen, natürlich nur wenn du für Pro stimmst, Contra-Stimmen werden einfach aus Protest überlesen. Ups, Tippfehler, ich meinte Contra-Stimmen werden wahrgenommen und dann auf den Contra-Stimmenden solange eingeredet, bis er nicht mehr kann und schon im Vorneherein so dermaßen entnervt ist, das er/sie nach dem „Nah mir die Sintflut“-Prinzip doch noch für „Pro“ stimmt. Also tretet uns bei, wir beißen kaum und sind manchmal zahm, also scheut euch nicht!

Möge Wikipedia mit euch sein, Gabriel (Diskussion) 08:49, 8. Mär. 2021 (CET)

Schreibwettbewerb: Preise gesucht!

Dem Schreibwettbewerb sein Logo

Es ist wieder soweit! Wie jedes halbe Jahr bäumt sich der Schreibwettbewerb aus seinem Grab auf und sucht die Wikipedia heim. Viel Gerede, Gezänk und Gejammer hat es die letzten Jahre über einen Mangel an Artikeln, Jurywilligen und natürlich auch teilnahmebereiten Neuautorinnen und Altautoren gegeben. Über all der Schwarzseherei ist dabei jedoch ein noch viel himmelschreienderes Defizit des Wettbewerbs in den Hintergrund geraten – der Bedarf an gestifteten Preisen.

Es soll Zeiten gegeben haben, da das Gegenteil das Problem war. Multinationale Konzerne, so munkelt man, hätten damals tief ins Tafelsilber gegriffen, um sich die Gunst der Freiwilligen mit Luxusreisen zu erkaufen und kritische Gemüter ruhigzustellen. Der Geist des Schreibwettbewerbs, so meint sich der Verfasser zu erinnern, sei damals auf dem Spiel gestanden. Einiges hat sich seitdem geändert. Weder die Jurywahlen noch die Wettbewerbssektionen werden mehr vom Ansturm überrannt, und seitdem Urgesteine wie Achim Raschka oder Minderbinder nicht mehr mittels Telefonterror bei Verlagen, Bundesligisten und Reiseunternehmen attraktive Preise™ eintreiben, ist es in der Rubrik auf der Wettbewerbsseite ziemlich ruhig geworden. Lediglich die nationalen Wikimedia-Chapter bemühen sich nach Kräften, den Pool der Preise halbwegs zu füllen, aktuell durch HomeOffice-Equipment und Büchergutscheine von nicht geringem Wert.[1]

Gläserne Zitronenpresse mit Zitrusfruchthälfte
Blumentöpfe gab es beim Schreibwettbewerb bisher noch nicht zu gewinnen, aber immerhin Zitronenpressen

Ist das jetzt schlimm? Man könnte sich durchaus auf die Position stellen, dass der Schreibwettbewerb auch deshalb nicht mehr das halbjährliche Spektakel ist, das er einmal war, weil eben nicht mehr 50 Artikel in der Hoffnung eingereicht werden, eine Indienreise zu ergattern. Preise im Gegenwert von ein paar Tausend Euros rechtfertigen es schließlich durchaus, sich mal einen Monat freizunehmen, um eine kleine Monografie in die Wikipedia zu setzen. Insofern kann man den Wandel bei den Preisspenden durchaus als Teil des oft beklagten Niedergangs des Schreibwettbewerbs sehen. Andererseits hat der Wegbruch der Unternehmens- und Organisationsspenden auch seine gute Seite. Ohne die alles überstrahlenden Riesenpreise sind plötzlich die „Bagatellespenden“ aus der Community viel stärker in den Vordergrund gerückt. Und obwohl der nominelle Preis dieser Preise in vielen Fälen nicht über 20 € (Porto inbegriffen) hinausgeht, sind es doch gerade sie, die in ihrer Vielfältigkeit und Ausgefallenheit mittlerweile den Reiz der Preisvergabe ausmachen.

Wenngleich ich selbst einige Zeit lang Buchpakete und Krimskrams aus Museumsshops eingeworben habe und eine Zusage immer eine tolle Sache war, bereitet mir das Stiften eigener Preise deutlich mehr Spaß. Nicht nur, weil man die eigene Exzentrik zur Schau stellen kann, sondern weil der Mitmach-Charakter des Projekts vor allem in den individuellen Preisspenden zum Ausdruck kommt. Und auch den eigenen Lieblings-Laden kann man in Pandemiezeiten damit gezielt unterstützen. Die Preise, die von Mitgliedern der Community zur Verfügung gestellt werden, haben etwa in Form einer Puzzle-Lampe oder eines Trilobiten auch schon ihren Weg zu mir gefunden. Das Schöne dabei war weniger, dass sich die „Investition“ der Wettbewerbsteilnahme in Form eines wertigen Sachpreises „ausgezahlt“ hätte, sondern dass ich vielmehr das Gefühl hatte, meine eigene Schrulligkeit bei Auswahl der Wettbewerbsthemen sei durch die Ausgefallenheit der Preise mehr als anerkannt worden. Gerade die Ausgefallenheit und die persönliche Note der individuell gestifteten Preise tragen Mal um Mal zum besonderen Charakter des Wettbewerbs bei, aller voreiligen Trauerreden und regelmäßigen Jurydramen zum Trotz.

Weil es das letzte Mal fast nicht für alle platzierten Artikel gereicht hätte (und einige Leute beherzt kurz nach Wettbewerbsende noch zusätzliche Preise zur Verfügung stellen mussten, folgt daher hier der vorhersehbare Appell, Preise zu spenden. Auf den Sachwert kommt es dabei – wie schon gesagt – gar nicht so sehr an. Wichtiger ist oft, Dinge oder Dienste auszuloben, die man sich entweder nicht selbst kaufen würde oder gar nicht erst kaufen kann – aber vielleicht gerade deshalb haben möchte. Erfahrungsgemäß gehen dabei ausgefallene Feinkostartikel genauso gut weg wie Opernabende oder Trockenpilze; selbst persönlich gewidmete Wikipedia-Artikel sind bisweilen begehrter als Buchpakete. In diesem Sinne ist jede Spende willkommen: Auch ohne Zeit oder Lust, sich mit eigenen Artikeln oder als Jurymitglied zu beteiligen, kann man damit einen wichtigen Beitrag zum doch irgendwie erhaltenswerten Wettbewerbszirkus in der Wikipedia leisten. Wer beim Lesen dieses Kurierartikels nicht nur Langeweile, sondern auch Lust bekommen hat, sich mit einer Spende einzubringen, aber so recht noch keine Idee für einen Preis hat, der kann sich vielleicht von der folgenden (absolut objektiven und über jeden Zweifel erhabenen) Top-10-Liste der bisherigen Preisspenden inspirieren lassen:

  • Platz 10: Die Chäpfnerkohle von Horgner – der Dauerbrenner (rein kalorisch gesehen) unter den Kulinaria; seit Frühjahr 2008 immer wieder bereitgestellt.
  • Platz 8: Die dazugehörige Zitrone, großzügig gestiftet von Micha L. Rieser (Frühjahr 2009).
  • Platz 7: Der wohl am öftesten vergebene Sonderpreis: Seemannssprache. Von Tampen, Pütz und Wanten, ein etymologisches Wörterbuch von Dietmar Bartz, von Frühjahr 2015 bis Herbst 2018 wiederholt von Aalfons gespendet.
  • Platz 6: Vielleicht nicht der allererste Event-Preis, aber womöglich der beliebteste: Fußballgucken im Stadion mit Wahrerwattwurm. Das erste mal Anfang 2007 ausgelobt (und danach noch viele Male).
  • Platz 5: Kulinarisches Erotikpaket aus einem Sixpack BU Popp-Bier, einer 24-er Platte Liquid Rocket (Sex-up-Energydrink) und einer Flasche Beate-Uhse-Wein (in vino veritas), gestiftet von Beate Uhse (RIP), eingeworben von Achim Raschka (Frühjahr 2007).
  • Platz 4: Wikipedianerinnen und Wikipedianer, die schon alles hatten, konnten im Herbst 2015 das Buch Wikipedia: Wie sie zur freien Enzyklopädie beitragen von Ziko van Dijk ergattern (ausgelobt von Gripweed).
  • Platz 3: Mehrfach Teil des Preistopfes, ich habe ihn aber leider nie gewinnen können: southparks Kuschel-Brokkoli (zuletzt Herbst 2012, wanderte dann in die WMDE-Geschäftsstelle).
  • Platz 2: Eine Woche Kost und Logis bei Enzian44 in Palermo – schlägt jede Kreuzfahrt wohl um Längen, zumindest unter den pazifistischen Nicht- und Mitrauchern. Erstmalig ausgeschrieben im Frühjahr 2017; Wiederholung ein Jahr darauf.
  • Platz 1: Ein totes Reh opferte sich freimütig im Frühjahr 2008 als Preis. Musste damals in Celle bei Tönjes abgeholt werden und wurde letztendlich in Hamburg verspeist.

Auch wenn vielleicht nicht jeder Preis mit diesen zehn absoluten Knallern mithalten kann, so schafft er es doch vielleicht in die Top 10 derjenigen, die dieses Mal beim Schreibwettbewerb abräumen werden. Schlimmer als ein geschmackloser Preis ist nur gar kein Preis. In diesem Sinne: Auf geht's! TAM, 4.3.

  1. Transparenzhinweis: Der Verfasser war in der Vergangenheit Empfänger eines Büchergutscheins von Wikimedia Deutschland.

Werden wir missverstanden?

W H A T ?

Seit heute ist ein neuer Podcast-Beitrag zu Wikipedia online zu finden. Der Tech-Podcast von B5 aktuell des Bayerischen Rundfunks fragt provokativ „Sagt Wikipedia die Wahrheit?“. In Summe kommen die beiden Präsentatoren Christian Sachsinger und Christian Schiffer zu einem wohlwollenden Fazit und rufen zur Beteiligung in der Wikipedia auf. Auch mit ein paar Tipps für den Einstieg. So weit, prima.

Natürlich kamen auch Kritiker zu Wort und diese Kritik ließ mich stutzen. Mir kam es so vor, als ob die dort aufgeführten Kritikpunkte zur Wikipedia zum Teil auf falschen Annahmen beruhen. Zunächst unsere Kollegin Raknete, die wegen ihres Kampfes für die Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen bereits in der Arte-Diskussion zu Wort kam. Weder will ich die Diskussion über den Sinn der Liste hier wieder aufwärmen (auch nicht in der Kurierdiskussion), noch über den Eindruck, dass in der Wikipedia die Ansicht von Männern Frauen dominieren. Mich störte die Kritik daran, dass Löschanträge von Admins abschließend bewertet werden. Dabei lieferte Raknete den Grund selbst in ihrem Bericht zum Geschehen. Sie hatte bei Freunden im Internet zur Unterstützung in der Löschdiskussion aufgerufen, so dass laut ihr zwei Drittel der Diskutanten sich für den Erhalt der Liste aussprachen. Unser Ziel ist aber die Entscheidung sachlich begründbar zu machen, weswegen der Admin dazu angehalten ist, nach Argumenten eine Entscheidung zu treffen. Eben um Netzwerken und gezielten Aktionen keine Möglichkeit zu geben, das Ergebnis zu beeinflussen. Zu betonen ist, dass Raknete letztlich sich klar für Wikipedia ausspricht und deren Bedeutung hervorhebt. Trotz des angeblichen Demokratiedefizits. Danke dafür.

Das meint der doch nicht im Ernst, oder?

Wirklich ein Schock ist, aus meiner Sicht, das Hintergrundwissen über Wikipedia von Johannes Weberling, einem Gründer von Wiki-Watch. Zunächst wird von ihm DER unfreundliche Ton (der Ton sei „nicht menschenwürdig“) in der Wikipedia kritisiert. Ein Punkt, der sicher bis zu einem gewissen Maß stimmt, aber von den Moderatoren am Ende des Podcasts richtig eingeordnet wird (danke!). Auch die Rückführung des schlechten Tons auf die Anonymisierung wird mit Gegenargumenten beleuchtet. Man bleibt aber an der „Macht der Admins“ (die „kleinen Wissens-Fürsten“) hängen. Weberling beklagt, dass Admins fachliche Qualifikationen bei Themengebieten, „die sie betreuen“, fehle. Man solle sich die Leute aussuchen, „die eben beispielsweise zu biologischen Sachverhalten, sollten sinnvoller Weise Biologen haben, die es beurteilen und nicht einen Politikwissenschaftler und Sozialwissenschaftler.“ Admins würden über „Themen, Begriffe, Definitionen und Artikel entscheiden“, von denen sie „keine Ahnung“ hätten. Zwar gäbe es wohl unter den Admins welche mit juristischer Vorbildung, „aber bei Naturwissenschaften hört das schon auf.“ An dieser Stelle ein Gruß an den Kollegen Achim Raschka ;-). Lieber Herr Weberling, falls Sie hier mitlesen: Ich verzweifle gerade daran, dass in Konfliktfällen Admins KEINE fachliche Entscheidung treffen. Dafür sind die Autoren und Leser da, die sich mit dem Thema beschäftigen. Admins, die fachlich betroffen sind, setzen ihre Admin-Rechte nicht in Diskussionen ein. Es ist nicht ihre Aufgabe, als Redaktion Inhalte qualitativ zu prüfen. Und gerade in den Bereichen Biologie und Chemie haben wir hervorragende Redaktionen. Letztere sogar für ihre Arbeit von der Gesellschaft Deutscher Chemiker ausgezeichnet. Ich begrüße externe Kontrolle der Wikipedia, aber die Kontrolleure sollten eigentlich die Aufgaben und Abläufe in der Wikipedia kennen.

Nach etwas mehr als der Hälfte kommen dann die Fans der Wikipedia zu Wort. So Christian Pentzold, ein Wikipedia-Autor aus München und auch Christian Sachsinger outet sich als begeisterter Wikipedianer, der zu Computerspielen im Projekt schreibt. Vielleicht hilft er noch Christian Schiffer beim Bebilderungsproblem in dessen Artikel. JPF 3. Mär. 2021

Vorschau von Einzelnachweisen kommt bald als Standardfunktion (Technische Wünsche)

So sieht die Vorschau eines Einzelnachweises als Beta-Funktion aus. Nach der Beta-Phase wird noch ein Zahnrädchen ergänzt, das zu den Einstellungen führt.
Vorschauen von Einzelnachweisen und Seitenvorschaubilder. Das Zahnrädchen wird auch bei den Vorschauen von Einzelnachweisen zu sehen sein, sobald sie Standardfunktion sind.

Eine neue Art von Vorschauen ist bald standardmäßig verfügbar: Vorschauen von Einzelnachweisen. Diese Funktion zeigt einen Einzelnachweis in einem kleinen Pop-up an, wenn man mit der Maus über dessen Nummer ([1]) im Artikeltext fährt. Auf diese Weise lässt sich ein Nachweis nachschlagen, ohne dass man zum unteren Ende der Seite springen muss. In der Kopfzeile des Pop-ups kann außerdem angezeigt werden, um welche Art von Nachweis es sich handelt (Literatur, Webseite, Nachrichten, Zeitschrift, Fußnote). Damit kann die Funktion Lesenden eine schnellere Möglichkeit bieten, die Vertrauenswürdigkeit des zitierten Materials zu bewerten. Dies ist eine zusätzliche Option, die aber nicht genutzt werden muss.

Die neue Funktion soll mit den Seitenvorschaubildern kombiniert werden, einer Funktion, die Vorschauen für verlinkte Artikel anzeigt. Beide erfüllen im Wesentlichen dieselbe Funktion: Eine Vorschau des Inhalts, bevor man sich entscheidet, tiefer einzutauchen, und eine einfache Bereitstellung von mehr Informationen während des Lesens. Aufgrund ihrer Ähnlichkeiten in Design und Verhalten werden sowohl die Seitenvorschaubilder als auch die Vorschau von Einzelnachweisen über eine einzige Benutzereinstellung gesteuert werden. Das bedeutet, dass allen, die derzeit Seitenvorschaubilder aktiviert haben, automatisch auch die neuen Vorschauen angezeigt werden. Außerdem werden alle Lesenden und alle anonymen sowie neuen Mitarbeitenden standardmäßig die neuen Vorschauen sehen, sofern sie nicht die Seitenvorschaubilder bereits deaktiviert haben.

Die Helferlein Navigation-Popups und Fußnoten-Tooltips, die ebenfalls Vorschauen für Einzelnachweise anbieten, können weiterhin verwendet werden: Sobald eines dieser Helferlein aktiviert ist, sieht man die integrierte Vorschau von Einzelnachweisen nicht mehr.

Die neue Funktion wurde entwickelt, obwohl bereits Helferlein existieren. Um sie für alle Wikipedien verfügbar zu machen, wurde sie als Teil einer existierenden MediaWiki-Erweiterung (Popups) umgesetzt, die auch für die Seitenvorschaubilder genutzt wird. Der ursprüngliche Wunsch nach Vorschauen für Einzelnachweise kam aus der Umfrage Technische Wünsche 2017 hier in der deutschsprachigen Wikipedia, und schaffte es dort auf Platz 1. Das Team Technische Wünsche von Wikimedia Deutschland hat gemeinsam mit dem Reading-Web-Team der WMF an der Umsetzung gearbeitet.

Die neue Funktion steht seit 2019 als Beta-Funktion bereit. Mehr als 47.000 Nutzerinnen und Nutzer testen sie bereits allein auf diesem Wiki. Auf Basis des zahlreichen Feedbacks wurden einige Änderungen durchgeführt. Nun soll die Funktion voraussichtlich am 17. März zunächst hierzuwiki und auf einigen weiteren Wikis standardmäßig bereitgestellt werden.

Weitere Informationen über diese Funktion, einschließlich Antworten auf häufig gestellte Fragen, sind auf der Projektseite des Wunsches zu finden. Ein großes Dankeschön an alle, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben, sei es durch Abstimmen, Testen, Feedback oder Sonstiges! Kommentare und Fragen sind auf der Diskussionsseite des Wunsches willkommen. js (wmde), 3.3.

PS: Wer künftig direkt über Änderungen aus dem Projekt Technische Wünsche informiert werden möchte, kann sich auf dem Newsletter Technische Wünsche eintragen.

Zum Autorenschwund: Nur ein schlechter Artikel ist ein guter Artikel oder Warum einen Autor/eine Autorin motivieren, wenn man ihn/sie auch loswerden kann?

Hierzu: „Wikipedia baut darauf, dass jeder einschätzen kann, wann jemand anderes Besseres geleistet hat und diesem dann den Vorrang gewährt.“

Demnach müsste doch zu erkennen sein, dass eine Autorin, die einen Artikel wie diesen Wehrkirche Kottingwörth (mit 2 188 Bytes!!!, mit unkorrektem Lemma, kaum Text und der noch weitgehend falsch) zu einem Artikel wie diesem St. Vitus (Kottingwörth) umgearbeitet und wesentlich (mit 18 767 Bytes!!!) ausgebaut hat, dadurch etwas Besseres geleistet hat und damit einen (kleinen) Beitrag zur Verbesserung der Qualität der Enzyklopädie WP beigetragen hat. Eigentlich lobenswert, zumindest nicht zu tadeln? Nicht so die emsigen Qualitätsbausteinesetzer der Qualitätssicherung! Der 18 767 Bytes-Artikel wurde ein paar Monate nach seinem Ausbau mit einem Qualitätsbaustein wegen Überbilderung versehen, der 2 188 Bytes-Artikel dämmerte in seinem lamentablen Zustand seit 2013 – unbehelligt von jeglicher Qualitätssicherung – dahin. Hätte die Autorin diesen Artikel nicht überarbeitet, wäre er höchstwahrscheinlich noch heute in diesem Zustand, mit einem Qualitätsbaustein wäre er sicherlich nicht versehen worden.

Hierzu: „In der Qualitätssicherung sollen Artikel und Abschnitte überarbeitet werden, die in wesentlichen Passagen nicht den formalen Anforderungen an gute Artikel entsprechen.“

In der Artikelversion der Autorin werden mittelalterliche Wandmalereien ausführlich beschrieben und bebildert, im qualitätsgesicherten Artikel wurden die Fotos zu den mittelalterlichen Wandmalereien weitgehend entfernt. Auch andere, von der Autorin erstellte Artikel, mit einer Größe von 20 000 bis ca. 30 000 Bytes, wurden nach Qualitätssicherungsmaßnahmen ihrer im Text ausführlich beschriebenen Fotos beraubt. Im Artikel Sainte-Chapelle (Vincennes) wurde den Bleiglasfenstern aus der Renaissance ein ausführliches Kapitel gewidmet, die Darstellungen der Apokalypse mit ausführlichen Bibelzitaten versehen, dies alles fiel der Qualitätssicherung zum Opfer.

Romanik, Gotik, mittelalterliche Wandmalereien, Bleiglasfenster aus der Renaissance – alles Schnee von gestern. Was haben fundierte Artikel mit Substanz und Inhalt schon in einer Enzyklopädie zu suchen – wozu überhaupt Artikel? Mit Qualitätsbausteinen sind doch viel schneller Edits zu erzielen, man kann Wettbewerbe gewinnen, wird gewürdigt und bekommt Auszeichnungen, vielleicht sogar eine Eule.

Ein gewisses Problem stellt sich auch deshalb, weil einige Mitarbeiter der fachspezifischen Qualitätssicherung zu kunstgeschichtlichen Themen selbst keine Artikel verfassen und ihre fachliche Qualifikation nicht überprüfbar ist. Man kann einen Qualitätsbaustein in einen Artikel setzen, obwohl man selbst noch nie, nie, nie irgendetwas inhaltlich zu diesem Thema beigetragen hat – und man kann diesen Artikel nach gusto ändern und diese Änderungen durchsetzen, auch sperren lassen, vor allem wenn man noch eine Mehrheit anderer Mitstreiter und die Unterstützung von Administratoren findet, die ebenso nie, nie, nie irgendetwas inhaltlich zu diesem Thema beigetragen haben.

Offenbar genügen die etwa 500 Artikel, die die Autorin zu den Themen Vorromanik, Romanik, Gotik, mittelalterliche Wandmalereien, Bleiglasfenster aus der Gotik oder Renaissance u.ä. vorweisen kann, den eifrigen, von selbstverfassten Artikeln – zumindest in diesen Bereichen – völlig oder weitgehend unbeleckten Mitstreitern der Qualitätssicherung nicht, zu der Auffassung zu gelangen, dass dazu „jemand anderes Besseres geleistet hat und diesem dann den Vorrang gewährt“. GFreihalter 1. Mär. 2021

Zum besseren Verständnis: GFreihalter schreibt über eigene Erfahrungen in der Wikipedia. --Alraunenstern۞ 1. Mär. 2021 / Barnos 2. März 2021

Leichter mit Vorlagen arbeiten – diese Verbesserungen sind geplant (Technische Wünsche)

2019 wurde in der Umfrage Technische Wünsche hierzuwiki der Themenschwerpunkt „Leichter mit Vorlagen arbeiten“ gesetzt. Das Team Technische Wünsche bei WMDE arbeitet seitdem daran, Lösungen für verschiedene Probleme bei der Arbeit mit Vorlagen zu finden. Nach vielen Recherchen, Rückmeldungen und Tests wurden die folgenden Projekte ausgewählt, die die Arbeit mit Vorlagen erleichtern sollen:

Für Personen, die Vorlagen nutzen:

  • Es wird eine umfassende Verbesserung des Vorlagendialogs im VisualEditor geben. Dies wird einige Verbesserungen beinhalten, die dabei helfen sollen, kleine Änderungen vorzunehmen, ohne dass man versehentlich eine Vorlage oder Seite zerstört, und ohne dass man die Komplexität von Vorlagen vollständig verstehen müsste. Unter anderem werden Beschreibungen und Beispiele besser sichtbar gemacht, es werden Links mit mehr Informationen ergänzt, das Einfügen von Dateien wird einfacher, und die Seitenleiste wird überarbeitet, so dass sie zum Beispiel immer die verfügbaren Parameter anzeigt. Außerdem werden einige erweiterte Funktionen ausgeblendet, wenn sie nicht relevant sind.
  • Es wird einfacher werden, Vorlagen zu finden und in eine Seite einzufügen, sowohl im VisualEditor und Wikitext Editor 2017 als auch im Vorlagenassistenten des WikiEditors 2010.
  • Eine kleine, aber hilfreiche Änderung wird sein, dass das Entfernen einer Vorlage von einer Seite im VisualEditor vereinfacht wird.

Für Personen, die an Vorlagen arbeiten:

  • Der Vorlagendokumentations-Editor wird verbessert. Versieht man Vorlagen mit Vorlagendaten (TemplateData), so bietet man den Personen, die diese Vorlagen ausfüllen, einige Hilfestellungen und sorgt so dafür, Fehler und Aufräumarbeiten zu reduzieren. Viele Vorlagen nutzen diese Daten allerdings noch nicht vollständig. Die Arbeit an diesem Editor wird mehrere Änderungen beinhalten, um das Hinzufügen und Ändern von Vorlagendaten zu erleichtern.
  • Es wird eine neue Parametereigenschaft 'suggestedvalues' eingeführt. Damit lässt sich eine Liste von Werten erstellen, die man beim Befüllen der Vorlage im VisualEditor auswählen kann. Auch diese Änderung kann helfen, Fehler zu reduzieren und sie kann für mehr Konsistenz beim Ausfüllen der Vorlagenfelder sorgen.
  • Klammerpaare werden innerhalb der bestehenden Syntaxhervorhebung angezeigt. Dies wird die Arbeit mit komplexer Vorlagensyntax erleichtern und ist hierzuwiki bereits aktiv.
  • Das Farbschema für die Syntaxhervorhebung wird verbessert, so dass der Code leichter zu lesen ist, insbesondere für Mitarbeitende mit Sehschwäche.
  • In der Syntaxhervorhebung werden Zeilennummern hinzugefügt, um Zeilenumbrüche auf einen Blick erkennen zu können. Ein Nebeneffekt dieser Funktion könnte sein, dass es einfacher wird, sich in Diskussionen auf eine bestimmte Zeile zu beziehen. Die Auswirkung dieser Funktion könnte also weit über Vorlagen hinausgehen.

Diese Projekte wurden in einem umfangreichen Prozess ausgewählt, der Recherchen, verschiedene Prototypen und mehrere Runden von Feedback in den Wikis umfasste. Der letzte Schritt waren Nutzbarkeitstests mit einer diversen Gruppe von Benutzerinnen und Benutzern aus verschiedenen Wikis, Sprachen, Altersgruppen, Geschlechtern, mit unterschiedlichen Bearbeitungsinteressen und Erfahrungslevels, darunter sowohl Menschen, die Vorlagen nutzen als auch solche, die sie erstellen oder warten. Durch diese Tests konnten Änderungen identifiziert werden, die zu Verwirrung oder zusätzlichen Problemen führen würden, oder die schlichtweg nicht so hilfreich wären, wie wir dachten. Diese Ideen wurden verworfen oder deutlich überarbeitet. Andere Ideen wurden begeistert aufgenommen und konnten durch das konstruktive Feedback der Testenden weiter verbessert werden. Aufgrund der gründlichen Recherche und des positiven Feedbacks sind wir zuversichtlich, dass diese Änderungen erhebliche Verbesserungen bringen werden, sowohl für jene, die Vorlagen nutzen als auch für die, die sie erstellen oder warten.

Wir planen, die oben genannten Änderungen schrittweise auszurollen. Auf der deutschsprachigen Wikipedia soll dies bis Mitte des Jahres geschehen. Auf allen anderen Wikis werden die Änderungen dann spätestens Ende des Jahres ausgerollt. Als Nächstes sollen das verbesserte Farbschema für die Syntaxhervorhebung, die neue Parametereigenschaft 'suggestedvalues' sowie die Zeilennummerierung bereitgestellt werden.

Eine Übersicht über die geplanten Projekte sowie weitere Informationen dazu, was bisher in diesem Themenschwerpunkt geschah, sind auf dieser Projektseite zu finden. Ein großes Dankeschön an alle, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben, sei es durch Abstimmen, Testen, Interviews, Feedback im Wiki oder Sonstiges! Kommentare und Fragen sind auf der Diskussionsseite des Wunsches willkommen.

PS: Wer künftig direkt über Änderungen aus dem Projekt Technische Wünsche informiert werden möchte, kann sich auf dem Newsletter Technische Wünsche eintragen. js (wmde), 1.3.

RECHTE SPALTE (zur linken Spalte)

Trick 17

„Du streitest dich gerade so genüsslich und willst jetzt auch mal so richtig auf den Putz hauen, hast aber Angst vor einer Sperre? Ganz simple Lösung: Weiche für die PAs einfach auf ein Schwesterprojekt aus! Schon kannst du nach Lust und Laune schimpfen und beleidigen und bist in deinem Heimwiki sicher.“ – Nur ein Gedankenspiel? Nein, leider Realität. Was können wir gegen solches Verhalten tun? Einladung zur Diskussion Chaddy

Zugriff auf Springer-Zeitschriften über die ZB MED

Die Literaturversorgung online verbessert sich immer weiter. Über die Wikipedia Library wurde vor kurzem berichtet. Es gibt ein weiteres neues Angebot: Die ZB MED beteiligt sich an den DEAL-Verhandlungen mit dem Wissenschaftsverlag Springer Nature und bietet deutschlandweit Fernzugriff auf die darin eingeschlossenen Fachzeitschriften. Es sind nicht nur medizinische Journals, sondern auch Zeitschriften aus anderen Fächern, quer durch das Portfolio des Verlags, eine Liste der 2379 Titel gibt es in der EZB. Der Zugriff erfolgt (1) über die EZB über den Eintrag der Zeitschrift auf den Proxy der ZB MED und von dort auf das Archiv der jeweiligen Zeitschrift oder (2) aus dem Fachportal Livivo, wo man sich ein Konto einrichten kann (und sollte; es tut nicht weh und ist nützlich). Man braucht einen virtuellen Leseausweis der ZB MED, den man leicht online bestellen kann. Springer ist mit dem Portal SpringerLink zwar auch Partner der Wikipedia Library (nach vorheriger Bewerbung zugänglich). Die ZB MED bietet darüber hinaus weitere E-Books und geht auch über die bereits bekannten deutschen Nationallizenzen hinaus. (via InetBib; A, 14.4.)

Die neuen Förderbarometer-Ergebnisse

Die Auswertung des Förderbarometers von Wikimedia Deutschland für den Zeitraum Dezember 2020 bis Februar 2021 ist da.

Wie in den vorherigen vier von der Pandemie geprägten Quartalen, war weiterhin eine deutlich geringere Zahl an abgeschlossenen Förderungen und somit versandten Einladungsmails sowie eine geringe absolute Anzahl von Feedbacks zu verzeichnen. Wenige stark negative Einzelfeedbacks (insbesondere bei den Projekten) fallen damit stärker ins Gewicht und führen zu einem entsprechenden Rückgang der Zufriedenheit bei Projekten. Bei den Services wurde dagegen der jemals beste Wert erzielt. Außerdem kamen in diesem Zeitraum leider technisch bedingte Unregelmäßigkeiten beim Mailversand vor, die ebenfalls zu einer Verzerrung des Ergebnisses führten.

Mit nahezu 100 Prozent wurde der beste jemals erzielte Wert bei den Rücklaufquoten erzielt.

Anhand der Daten für mittlerweile zwölf Monate ist festzustellen, dass der Großteil der geförderten Personen männlich ist und bereits mehrfach Förderung genutzt hat.


Wer eine Förderung von Wikimedia Deutschland erhält, bekommt in der Regel im Anschluss eine Befragung zugesandt. Dieses Feedback, „Förderbarometer“ genannt, ist sehr hilfreich für die Weiterentwicklung der Förderpraxis und Förderprogramme. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse erzielen zu können, ist Wikimedia Deutschland, insbesondere bei der rückläufigen Förderung während der COVID-19-Pandemie, sehr dankbar über eine rege Beteiligung an der Befragung. Nico (WMDE), 13.4.2021

Sonnenblume durch Plastikrose ersetzt

Die Sonnenblume von Mediawiki, bereits mehr als 200 Monate alt, ist am 1. April an COVID-19 verstorben. In der Home-Office-Zeit fiel sie einer Abstimmung zum Opfer. Mit ihren vielen verschiedenen Farben und Styles galt sie als stark gefährdet und konnte zuletzt nur noch schwer auf T-Shirts gedruckt oder für besondere Anlässe verändert werden.

Zur Erinnerung an die alte Sonnenblume wurde eine Plastikrose als Grabstein aufgestellt. 🌍 4.4.

Publikums- u. Reviewpreis des 34. Schreibwettbewerbs

Wie jedes halbe Jahr haben auch die Autorinnen und Autoren des 34. Schreibwettbewerbs unsere Enzyklopädie mit einer Reihe von herausragenden Artikeln beglückt. Die Nominierungsfrist ist seit wenigen Tagen abgelaufen, sodass nun die Leserschaft im Rahmen des Publikumspreises die Wahl hat, welcher Beitrag ganz besonders gefällt. Dabei sollte auch dieses Jahr für jeden etwas Interessantes zu finden sein, so darf man sein Wissen über „brennbares Eis“ mehren, sich zu verliebten schwedischen Nonnen weiterbilden, sich für den persischen Alltag rüsten sowie etwas über den wohl scheidungs- wie auch hinrichtungsfreudigsten Ehemann der englischen Geschichte erfahren. Die Stimmabgabe (drei, nicht gehäufelt) erfolgt wie immer per E-Mail. Darüber hinaus sind die Autoren aufgerufen, sich am Reviewpreis zu beteiligen. ɦ, 4.4.

Call for Feedback --> Wahl des Board der WMF

Vor rund zwei Wochen ging der Call for Feedback zu Ende, mit dem das Board über sechs Wochen hinweg in Gesprächen mit den Communities mögliche Wege zur Gestaltung der anstehenden Wahlen zum Board erkunden liess.

In 99 Gesprächsrunden und hunderten Beiträgen auf Diskussionsseiten konnte ein breites Spektrum an Meinungsäußerungen versammelt werden. Diese sind nun in einen Abschlußbericht gemündet, der nach zwei Wochen im Community-Review jetzt dem Board vorgelegt worden ist. Auf dessen Basis wird am 15. April das Board einen Beschluss fassen, wie und wann die Wahlen zur Besetzung der sechs Sitze der Community im Board stattfinden werden. Zum Nachlesen: Der Abschlussbericht findet sich hier (deutsche Übersetzung folgt), der Index der zugrundeliegenden Einzelberichte hier.

Auch für den Call for Feedback gilt, was @Christoph Jackel (WMDE): kürzlich weiter unten für das Movement Strategy-Team formulierte, dass nämlich "traditionell gut organisierte Gemeinschaften wie die deutschsprachige Community [...] verhältnismäßig wenig teilgenommen haben, während die Gespräche bei asiatischen und afrikanischen Wikimedianer*innen auf sehr großes Interesse gestoßen sind."

Nun beginnt ein neuer Abschnitt in der Arbeit des ‘’facilitation team’’: die Unterstützung des Elections Committee bei der Vorbereitung der Wahlen. Sicher ist: Da 2015 und 2017 nur rund 10% aller Wahlberechtigten an den Wahlen teilnahmen, soll die Wahlbeteiligung an den diesjährigen Wahlen deutlich gesteigert werden. Mehr Wählende ist das Ziel. Auch hier steht eine Zusammenarbeit mit der Community wieder vorne an, näheres dazu folgt bald. Damit einher geht die Hoffnung, dass auch die deutschsprachige Community sich intensiv daran beteiligt. DB_(WMF), 03.04.

Motivationsunterstützung für das SG

Falls ihr euch schon mal eine durchschnittliche Schiedsgerichtsanfrage durchgelesen habt, kann man sagen: Ihr kennt das. Kilometer von Text und die eigene Motivation, sich einen Weg durch das Sammelsurium zu bahnen, klein. Potenzielle Kandidaten für das Schiedsgericht (SG) schreckt das ab, das ist nicht gut.

Aber dafür gibt’s nun eine Lösung: Kilometergeld für Textkilometer. WMDE war so freundlich, mit uns zusammen eine Umsetzung dieser revolutionären Idee zu veranlassen. So wie der Staat die Pendler für die zurückgelegte Strecke entlastet, so entlastet WMDE nun die SGler für zurückgelegte Textkilometer. Um den Kollegen aus Österreich und den Kollegen aus der Schweiz kümmern sich respektive WMAT bzw. WMCH. Wir haben uns bei diesem Vorschlag an üblichen Regeln aus dem Bereich der Pendlerpauschale orientiert und legen somit 0,30€ pro Textkilometer zugrunde. Als „Textkilometer“ werden 1000 Bytes bezeichnet, weil die Zahl 1000 auch schon irgendwas mit Kilo zu tun hat.

Was bedeutet dies nun konkret? Für diese neulich abgeschlossene Anfrage von durchschnittlichem Umfang würde das folgendes bedeuten: Die Vorderseite fasst in der letzten Version 193.686 Bytes, die Diskussionsseite 41.683 Bytes, hier muss aber noch das Archiv in der Größe von 131.544 Bytes hinzugerechnet werden. Somit kommen wir auf 369.913 Bytes. Rechnet man nun entsprechend 369 × 0,30€, so landet man bei einer Summe von 110,70€, die sich jeder SGler, der an dieser Anfrage teilgenommen hat, für diese ausschütten lassen kann. Ein Anspruch besteht für jede Anfrage, die ein SGler angenommen hat und die vom SG insgesamt angenommen wurde. Dafür, dass abgelehnte Anfragen nicht gezählt werden, zählt bei angenommenen Anfragen auch jedwede Syntax (Tabellen etc.) ohne Abzug.

Wir hoffen, mit diesem Durchbruch weitere Benutzer zu einer SG-Kandidatur bewegen zu können, und freuen uns auf eure Kommentare auf der Diskussionsseite, für die es ausnahmsweise auch eine Vergütung gemäß des oben vorstehenden Tarifes gibt. Also schreibt schön viel.

Beiträge der SGler selber werden natürlich auch nicht rausgerechnet, sondern zählen. Textkilometer zu produzieren, ist ja schließlich auch anstrengend. In dem Sinne freue ich mich, dass ich bei langen Entscheidungsbegründungen bereits Übung habe.

Luke 01.04.

Privatverein blockt Internetseiten

In der Vergangenheit hat sich die deutschsprachige Wikipedia mit dem Thema Urheberrecht mehrfach auseinandergesetzt. Einigen wird die EU-Urheberrechtsreform aus dem Jahr 2019 und 2020 einfallen. Dazu gab es ein Meinungsbild und Wikipedia schaltete sich daraufhin einen Tag lang ab. Auch im Kurier erschien dazu eine Kurzmeldung. Jetzt gibt es in Deutschland eine neue Entwicklung dazu. Verschiedene Internetprovider haben sich im Verein Selbstregulierung Informationswirtschaft e.V. zusammengeschlossen. Über diesen Zusammenschluss werden bereits Websites, die einen mutmaßlichen Urheberrechtsverstoß begehen, geblockt. Und es kann passieren, dass diese Infoseite plötzlich angezeigt wird. Dies steht mit großer Wahrscheinlichkeit im Konflikt mit der Netzneutralität und der Informationsfreiheit. Denn diese Sperrung oder Umleitung wurde nicht durch ein gerichtliches Urteil angeordnet, sondern auf Veranlassung eines Privatvereines. Es kann angenommen werden, dass ein solcher Mechanismus auch schnell und elegant missbraucht werden kann. Ebenfalls kann angenommen werden, dass unangenehme Informationen oder Kritiken dann schwerer zu finden sind. Dies würde dem Pluralismus in der Bundesrepublik Deutschland schaden. Die Frage, die nun im Raum steht, ist: „Könnte dies auch Wikipedia Commons oder Teile von Commons betreffen sowie ggf. auch einzelne Artikel?“

Rechtsanwalt Christian Solmecke hat zu diesem Verein ein Video gemacht und scheint sichtlich empört über dieses Vorgehen zu sein. Für mich stellt sich die Frage, wie eine Entsperrung oder Anfechtung ablaufen soll. Auch stellt sich die Frage, wenn ein Bekannter eine Seite sehen kann und ich nicht, ohne VPN oder anderen DNS, ist das dann noch neutral und Gleichberechtigung für den Internetnutzer? E, 30.03

WikiCon 2021: Standort- und Terminsuche

WikiCon

Letzte Woche hat das Orga-Team der WikiCon 2021 bei einem weiteren virtuellen Meeting entschieden, eine Durchführung in Görlitz nicht weiter zu verfolgen. Gründe hierfür lagen vor allem in den eingeschränkteren Möglichkeiten vor Ort, eine aus Infektionsschutzsicht sichere Offline-Veranstaltung zu gestalten, und der pandemiebedingt problematischen An- und Abreise (kleine Regionalbahn mit beschränkter Platzzahl). Da wir aber nach wie vor am Plan einer WikiCon 2021 festhalten möchten, konzentrieren wir uns nun auf andere Städte, die besser an das überregionale Schienennetz angebunden sind und bei den Örtlichkeiten mehr Platz bieten, allen voran Erfurt, aber auch Magdeburg und Hildesheim.

Zeitlich streben wir einen Termin an, der etwas früher im Jahr liegt als in den vergangenen Jahren, nämlich ein Wochenende Anfang/Mitte September. Somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir uns vor Ort witterungsbedingt auch draußen aufhalten können, z. B. in den Pausen oder evtl. für das Catering.

Kommentare zum Konzept, Vorschläge zum Programm und auch Ideen für das Forum des Freien Wissens sind dessen ungeachtet jederzeit willkommen. H., 29.03.

Tippspiel Paris–Roubaix

Auch in diesem Jahr möchte ich ein Tippspiel zum Radrennen Paris–Roubaix anbieten. Wieder gibt es fünf interessante Bücher zum Thema Radsport zu gewinnen. Derzeit ist zwar noch unklar, ob das Rennen am 11. April stattfinden wird oder nicht – trotzdem will ich den Versuch starten. Bei einer endgültigen Absage müssen wir es abbrechen, aber ich hoffe darauf, dass das Rennen im Herbst ausgetragen wird. Dann alles auf Anfang ... Nic., 27.03. Das Rennen wurde auf 2./3. Oktober verschoben. Am 2. soll erstmals ein Frauenrennen ausgetragen werden.

Gute Arbeit, Im Fokus

Blumenstrauß

Die Listen der Baudenkmäler sind häufig sehr umfangreich. Die Liste der Baudenkmäler in Wuppertal wird häufig als die größte, mit rund 4500 Objekten, nach Köln beschrieben. Mir wurde vom Agierenden vermeldet, dass der Wikipedianer (Benutzer:Im Fokus/Commons:User:Im Fokus) diese Wuppertaler Liste nun bis auf einen ganz kleinen Teil komplett mit Bildern vervollständigt hatte. Seit September 2017 (dem damaligen WLM-Wettbewerb) hatte er fast täglich einen kleinen Schwung neuer Bilder zu den Bauwerken hochgeladen und kategorisiert. Keine hochwertige und exzellente high Performance Qualitätsbilder, sondern dokumentarische Schnappschüsse. Trotzdem drängt es mich auf, den Wikipedianer hier lobend zu erwähnen. Diese kontinuierliche Arbeit hatte er in den vergangenen Monaten im Grunde genommen im Alleingang bewältigt. Die bislang noch nicht erfassten Baudenkmäler sind schwer bis gar nicht zugänglich, deren Zahl liegt nach Aussage von ihm bei 0,3 Prozent der Bauten. Zu vielen Bauten können selbstverständlich nun auch bessere Bilder auf Commons geladen werden, ohne störende parkende Autos oder unter besseren Lichtverhältnissen. VIELEN DANK für deine Arbeit, Im Fokus. Ata, 25.03.

WMDE-Community-Forum: Was macht eigentlich das Team Ideenförderung?

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Wikimedia Deutschland unterstützt mit dem Team „Ideenförderung“ die Vorhaben der in Deutschland lebenden Ehrenamtlichen, die in der Wikipedia oder in deren Schwesterprojekten aktiv sind. – Doch was heißt das eigentlich genau? Das Community-Forum am 7. April soll unter anderem diese Frage klären!

Im Rahmen des Community-Forums vom 25. November 2020 gab es bereits einen Einblick in die aktuellen Strukturen und Arbeit von Wikimedia Deutschland, nun wollen Vera und Verena diesen Einblick mit einem Fokus auf die Communityarbeit des Teams Ideenförderung ergänzen. Ziel des Online-Workshops soll es sein, die Arbeit des Teams Ideenförderung zu erklären, Fragen zu beantworten und Feedback einzuholen.

Alle, die schon immer mal eine Antworten auf die folgenden Fragen haben wollten, sind in dem Online-Workshop in jedem Fall richtig: Wie arbeitet das Team Ideenförderung? Wer sind die Teammitglieder und Ansprechpersonen? Und was hat die Community davon? – Alle Informationen zur Veranstaltung gibt es auf der Projektseite zum Community-Forum von Wikimedia Deutschland. Vera, Verena und Sandro (WMDE), 25.03.

Förderangebot „Drohnenführerschein“

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Seit dem 31. Dezember 2020 gibt es mit Inkrafttreten der EU-Verordnung 2019/947 neue Regelungen zum Betrieb von unbemannten Luftfahrzeugsystemen (UAS). Diese sehen u. a. vor, dass für Flüge mit sog. Bestandsdrohnen (schwerer als 900 g), bei denen ein Mindestabstand von 150 m zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- oder Erholungsgebieten nicht eingehalten werden kann oder soll, ein sogenanntes „EU-Fernpiloten-Zeugnis A2“ seitens der Person erforderlich ist, die die Drohne steuert. Um dieses „Fernpiloten-Zeugnis“ zu erwerben ist u. a. die Teilnahme an einer kostenpflichtigen Schulung und das Ablegen einer Theorieprüfung notwendig.

Wikimedia Deutschland bietet für zunächst 10 Personen die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Online-Schulung inkl. anschließender Online-Theorieprüfung, mit der das „EU-Fernpiloten-Zeugnis A2“ erworben werden kann. Alle Informationen zu diesem Förderangebot gibt es auf der Projektseite. sandro (wmde), 24.03.

WLE-Cup und WLE starten bald

Ich suche einen Nachfolger

Unser Wikipedia-Jahresterminkalender ist voll mit spannenden, interessanten und lustigen Wettkämpfen. Die bekannten und beliebten Klassiker Wikicup, Schreibwett­bewerb und Wartungs­baustein­wettbewerb haben bereits begonnen. Am 1. April und 1. Mai starten dieses Jahr zwei weitere Wettbewerbe, die thematisch eng verbunden sind: der Wiki-Loves-Earth-Cup (WLE-Cup) und Wiki Loves Earth (WLE). Im vergangenen Jahr wurde der WLE-Cup zum ersten Mal ausgerichtet. Sieger waren Matthias Süßen in der Kategorie Artikel und Raugeier in der Kategorie Listen. Ziel ist es, Artikel und Listen zum Thema Naturschutz zu schreiben und zu verbessern und dabei auch die Fotos, die bei WLE entstehen, zu verwenden. Deshalb ist der WLE-Cup rund um den Fotowettbewerb WLE gebettet. Er findet dieses Jahr vom 1. April bis 30. Juni statt. WLE wird dieses Jahr in Deutschland zum achten Mal ausgerichtet. Die Sieger­fotografen 2020 waren Sven Damerow, Hwbund und Ermell mit grandiosen Bildern. Dieses Jahr findet WLE im gesamten Mai statt. Wir freuen uns auf viele Teilnehmer bei den beiden Wettbewerben sowie Vorjuroren bei WLE. Im vergangenen Jahr gab es nach der Bekanntgabe der WLE-Sieger-Fotos Kritik, weil zu viele Tierbilder prämiert wurden. Wir hoffen, dass die Siegerfotos 2021 einen größeren Zuspruch erhalten und den Charakter von WLE umfassender repräsentieren.

Ach so… Neben Ruhm und Ehre gibt es auch was zu gewinnen. Z t, 22.03.2021

Globaler Online-Edit-a-thon zum Internationalen Tag der Roma 2021

Anlässlich des Internationalen Tages der Roma am 08. April veranstaltet Wikimedia Serbia auch dieses Jahr vom 01. bis 08. April einen globalen Online-Edit-a-thon rund um die Themen Identität, Geschichte und Kultur der Roma. Für alle, die Interesse haben mitzumachen, gibt es auf Meta eine Projektseite International Roma Day Edit-a-thon 2021 mit allen weiteren Informationen. MHC (WMDE), 22.03.2021

Erfahrungsbericht der globalen Gespräche veröffentlicht

Nie vorher wurden soviele Sprachen simultan übersetzt wie für diese Veranstaltungen (insgesamt acht!). In diesem Video ist Katherine Maher zu sehen, wie sie gleichzeitig in verschiedenen Sprachen über die Übersetzungsfunktion von Zoom »redet«.

Auf Meta wurde bereits letzte Woche der Erfahrungsbericht der vielen globalen Gespräche der Strategie Wikimedia 2030 veröffentlicht und ist auf Englisch unter Global Conversations / Lessons Learned abrufbar. Neben vielen insbesondere für internationale Treffen wertvollen Hinweisen etwa zur Zeitplanung, gut und weniger gut funktionierenden Werkzeugen, zur Bekanntmachung und Kommunikation, Verhaltensrichtlinien, Unterstützung bei der Teilnahme, Registrierung, Übersetzung und Moderation ist auch eine Auswertung der Teilnahme verfügbar. Dabei hat es sich etwa gezeigt, dass traditionell gut organisierte Gemeinschaften wie die deutsch- und französischsprachige Community und institutionell gefestige Verbände wie CEE und Iberocoop verhältnismäßig wenig teilgenommen haben, während die Gespräche bei ostasiatischen und afrikanischen Wikimedianer*innen auf sehr großes Interesse gestoßen sind. Woran das liegt, kann nur vermutet werden; vielleicht ist der Grund in einer allgemeinen Unlust oder Müdigkeit gegenüber weltweiten Veranstaltungen, insbesondere von der Wikimedia Foundation organisierten, zu suchen. Außerdem sind diese Gemeinschaften eher für Metadiskussionen auf Wikiseiten zu haben als für Videokonferenzen.
(Der Erfahrungsbericht ist sehr detailliert und deshalb nicht übersetzt, falls aber für einzelne Abschnitte eine ausführliche oder zusammenfassende Übersetzung gewünscht wird, kann das auf Nachfrage gerne organisiert werden.)
CJ (WMDE), 20.03.

Interessierte gesucht: Fürsorge bei Veranstaltungen

Im Community-Forum am 5.3. wurde über Sicherheit und Inklusion bei Veranstaltungen von Wikimedia Deutschland diskutiert. Ein zentrales Thema war eine gemeinsame Steuerungsgruppe aus Community-Mitgliedern und Hauptamtlichen. Es gibt jetzt eine Anlaufseite, auf der sich Interessierte eintragen können. Gesucht sind Menschen, die sich vorstellen können, Teil einer solchen Gruppe zu sein. Mehr Informationen zum Ziel, Hintergrund und zum zeitlichen Rahmen etc. gibt es auf der Seite. Bitte sehr gerne auch weiter verbreiten! MJ (WMDE), 18.03.

Timur Vorkul ist neu im Team Technische Wünsche

Hallo! Mein Name ist Timur Vorkul und seit Anfang März unterstütze ich das Team Technische Wünsche mit Johanna und Michi in der Werkstudierendenstelle. Ich werde mit den Aktiven in den Wiki-Projekten im Austausch über Technische Wünsche stehen und über Neuerungen in der Softwareentwicklung informieren. tv (wmde), 18.03.

Wikis und die Wikipedia verstehen: Buch erschienen

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Mein Buch ist nun erschienen, auch im Open Access. Danke dafür nochmal an Wikimedia CH. Mehr Informationen zum Buch siehe auf dieser Seite. Z., 18.03.

Kostenpflichtiger Daten-Dienst für Großunternehmen

Bisher nutzen Großunternehmen Wikipedia-Daten ohne Gegenleistung und bauten damit ihre Dienste und Produkte aus. Die Wikimedia Foundation hat nun einen neuen Dienst namens „Wikimedia Enterprise“ vorgestellt, mit dem die Beziehungen mit den Unternehmen auf eine vertragliche, kostenpflichtige Grundlage gestellt werden sollen. Mehr zum Projekt (inklusive ausführlicher Begründung, FAQ und technischem Hintergrund) auch in deutscher Sprache gibt es auf Meta. Noah Cohen schrieb auch in der Wired einen Artikel zum Thema (en). CK (WMF), 16.03.

50 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz

Demonstration für das Frauenstimmrecht und Frauenwahlrecht in Zürich

1971 haben sich die Schweizer für ein Frauen­stimm­recht entschieden, als eines der letzten Länder in Europa und 680 Jahre nach dem zur Gründungs­legende verbräm­ten Rütlischwur. Der männliche Teil der Bevölke­rung hatte also bis anhin alleinige Souveränität, Frauen waren schmückendes Beiwerk oder höchstens in wenigen Einzelfällen wie der in der Literatur verarbeiteten Stauffacherin einfluss­gebend. Doch ihr Stimmrecht, in vielen anderen Ländern seit dem frühen 20. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit, musste in der Schweiz zäh erkämpft werden und wurde zum Teil mit Aktionen wie dem Bund der Schweizerinnen gegen das Frauenstimmrecht von Widersacherinnen aus dem eigenen Lager bekämpft. Schon daran sieht man, wie umstritten dieses «Zugeständnis» war.

Wikimedia Schweiz (WMCH) beteiligt sich zur 50-Jahr-Feier an der Erinnerung mit zahlreichen Anlässen, zu denen auch Wikipedianer aus nah und fern eingeladen sind. Warum die Einführung auch eineinhalb Generationen später noch immer im kollektiven Gedächtnis vorhanden ist, ist in unserem zusammen­fassenden Bericht nachzulesen. Von dieser Zusammen­fassung kommt man zu der Übersichtsseite, auf der alle von und mit uns durchzuführenden Events aufgelistet sind. Dabei stehen die Frauen immer im Mittelpunkt. Der Anlass ist also eine geeignete Gelegenheit, um auf den in Wikipedia vorhandenen Wiki-Gap aufmerksam zu machen. Diese Lücke wird schon seit Jahren erfolgreich gefüllt; dazu bedarf es aber noch weiterer Anstrengung. Die Veranstaltungen bieten die nächste Gelegenheit, aus den umfangreich zur Verfügung gestellten Materialien mit überschaubarem Aufwand schöne neue Artikel zu formen. Aktuell gibt es 119 Artikel über Schweizer Frauen­rechtler­innen (Biografien sind meist der leichteste Zugang zu Themen), und WMCH hofft, diese Zahl bis zum Jahresende deutlich steigern zu können. Lantus (WMCH) 8. 3.

999 Frauen des Heritage Floor

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Die letzten Artikel der 999 Frauen des Heritage Floor sind geschrieben. In einem tollen Endspurt ist es geschafft worden und nun ist die Liste der 999 Frauen des Heritage Floors gebläut. Einige wenige erwiesen sich als harte Brocken, bereits im Kunstwerk unkorrekt dargestellt, aber in Summe sind die Liste und das Kunstwerk The Dinner Party von Judy Chicago eine höchst interessante Reise durch die Zeiten, in der gewöhnliche und ungewöhnliche Frauen ihren Platz in der Geschichte gefunden haben. Oft waren sie lange vergessen, oft gibt oder gab es nur wenige überlieferte Hinweise, einige sehr wenige ließen sich nicht valide belegen, aber in Summe eine große Leistung. Für mich persönlich eine große Freude, die heute, nach mehr als 3 Jahren, einen Abschluss findet und morgen auf der Hauptseite hoffentlich auch für viele andere eine spannende Lektüre bietet, auch wenn sich die Liste der 999 Frauen des Heritage Floor recht langsam aufbaut. Zusammen mit dem Kölner Projekt der 1000 Frauen in 100 Tagen sind beide Projekte tolle Beiträge zum morgigen Weltfrauentag. Auf dass wir demnächst die 11.000 Jungfrauen und viele weitere Frauen in Angriff nehmen. Herzlichen Dank an alle, die dieses tolle Ergebnis ermöglicht haben. It, 07.03.

Die 1000 sind voll ;)

100 Tage lang je mindestens einen neuen Artikel über eine Frau zu schreiben war die Idee hinter dem seit November 2020 zum zweiten Mal laufenden Edit-a-thon zum Internationaler Frauentag‎‎, kurz #100womendays – heute, einen Abend vor dem offiziellen Ende verkündet das Projekt: „Die 1000 sind voll“ – mit dem Eintrag zu der Comiczeichnerin Katja Klengel lieferte Benutzer Franky Fusion den 1000. Beitrag im edit-a-thon ab, dicht gefolgt von der norwegischen Politikerin Sylvi Graham von CaroFraTyskland. Damit erreichte das Event etwas mehr als 24 Stunden vor seinem Ende einen Meilenstein, den die Initiator*innen niemals zu träumen gewagt hatten, und ein Ergebnis, mit dem man stolz den morgigen Internationalen Frauentag begehen kann. Wir sind begeistert, für das Team AR, 07.03.

P.S.: Wer jetzt noch einsteigen will, hat noch einen ganzen Tag Zeit – und natürlich wird es nach dem Abschluss und Auswertung der Veranstaltung einen ausführlicheren Beitrag mit jeder Menge Ergebnissen und Statistik geben …

Prognose zur Bären-Vergabe

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Fünf Tage lang konnten IgorCalzone1 und ich als Wikipedia-Pressevertreter den Online-Streamings der 71. Berlinale folgen, die Pandemie-bedingt virtuell stattfand. Zum Teil sahen wir bis zu neun Filme am Tag. Glücksgriffe gab es wie immer wenige im Wettbewerb zu entdecken, dafür mehr in den Nebensektionen. Auf der Zielgeraden wird es Zeit, Bilanz zu ziehen und sich an eine Prognose für die heutige Preisvergabe um 12 Uhr mittags zu wagen (auch als kostenloser Live-Stream einsehbar):

Einge Filme konnten wir nicht sehen, so waren Fabian und Daniel Brühls Nebenan nicht als Stream verfügbar und wurden mutmaßlich in eigens einberufenen Kinovorstellungen ausgewählten Pressevertretern vorgestellt. Die heutige Sichtung von Maria Speths hochgelobter Dokumentation Herr Bachmann und seine Klasse, die den alljährlichen internationalen Kritikerspiegel von Screen International gemeinsam mit Guzen to sozo anführt sowie von Una película de policías stehen noch aus. Auch die Vergabe der Darstellerpreise könnte der Jury, die aus sechs ehemaligen Goldenen-Bären-Gewinnern besteht, eventuell Kopfzerbrechen bereiten – sie sollen dieses Jahr erstmals genderneutral vergeben werden. In gut 45 Minuten wissen wir sicher mehr ;-) ... Csr, 05.03.

Wie vor einiger Zeit hier schon einmal angekündigt, findet vom 15.–21.03.2021 die Wikipedia-Aktionswoche statt. Rund um den deutschsprachigen Wikipedia-Geburtstag wird es auf 20.wikipedia.de ein Programm aus verschiedenen Videos, Live-Veranstaltungen und interaktiven Formaten geben – alles entstanden mit tatkräftiger Unterstützung von Communitymitgliedern.

Die Aktionswoche wird über Social Media, aber auch vom 8.–21.03. via Banner in der Wikipedia beworben. Die Banner werden Lesenden und Neulingen, d. h. eingeloggten Usern bis 1.000 Edits angezeigt. Mehr Infos zur Aktionswoche findet ihr auf der Projektseite. Solltet ihr Interesse haben, an der Aktionswoche mitzuwirken, dann tragt euch gern für die Formate Kaffee und Kuchen mit Community und das Pubquiz ein. Merle (WMDE), 04.03

Es gibt nichts zu gewinnen,⋯

Wikipedia Bots.png

aber würde die Wikipedia weiterbringen. Es gab mal den Flashplayer, den auch viele Webseiten nutzten. Unter anderem das Bundesamt für Naturschutz. Das wurde von uns auch kräftig verlinkt, um Schutzgebiete räumlich darzustellen. Vergangenheit, alle tausende Weblinks funktionieren nicht mehr. Jetzt gab es einen Botlauf, der diese Links nach WDPA umgestellt hat. Allerdings sind die Namensgeber der Schutzgebiete nicht sehr kreativ, Hügel mit Bäumen und Gebüsch gibt es dreimal. Das kann ein bot nicht auseinanderhalten, das muss ein Mensch kontrollieren. Also bitte, in Coronazeiten haben einige von uns etwas mehr Zeit als sonst. Ich hör schon: Langweilig, aber bald beginnt der Fotowettbewerb „Wiki Loves Earth“. Dann sollten alle Links kontrolliert und evtl. korrigiert sein.

Weitere Informationen gibt es hier. Bitte macht mit! Gruss nf, 3. März 2021

Daten von Swisstopo nun frei nutzbar

Seit dem 1. März 2021 sind sämtliche Daten von Swisstopo kostenlos und frei nutzbar. Wikipedia-Autorinnen und -Autoren können nun Karten, Luftbilder und Landschaftsmodelle des schweizerischen Bundesamts für Landestopografie benutzen und in Wikipedia einfügen. Damit gehören die steuerfinanzierten Daten hinter dem Kartenschatz der Allgemeinheit und können in Wikipedia eingesetzt werden. Die zuständige Bundesrätin Viola Amherd erachtet solche Geodaten zur Infrastruktur eines Landes als ebenso wichtig wie das Strassen- und Eisenbahnnetz oder die Versorgung mit Funkantennen für die Mobiltelefonie. Zu wünschen ist, dass die Behörden anderer Länder der Schweiz folgen und ihr Kartenmaterial der Wikipedia auch zur Verfügung stellen. Die Schweizer Landeskarten gehören weltweit zu den besten ihrer Art und übertreffen die Qualität von Openstreetmap oder Google-Map bei weitem. Mit Attribution-Switzerland-mapdata steht in Wikimedia bereits eine Lizenzvorlage zur Verfügung. Mehr zum diesem Thema auf der Webseite von Swisstopo und in den Nachrichten von Radio SRF. Plutowiki 1. Mär. 2021

Vandalismusinzidenz sinkt

User:Habitator terrae/Meldezahlen

Wie das Benutzer:Schnargel-Institut[vm 1] am Sonntag mitteilte, liegt die 365-Tage-Inzidenz bei nur noch 38 Vandalismusmeldungen je Meldetag. Anders als bei den COVID-19-Infektionsmeldungen, die derzeit schon seit ca. zehn Tagen wieder besorgniserregend steigen (R-Wert), ist bei den Wikipedia:Vandalismusmeldungen seit zwei Jahren ein stetiger Rückgang zu beobachten.

Dies zeigte sich erst letzten Samstag als mit nur 15 Meldungen an einem Tag ein weiter 13. Platz in der Bestenliste der wenigsten Meldungen an einem Tag seit November 2006 aufgestellt wurde. 🌍 1.3.

  1. Benannt nach dem Erfinder der Vandalismusmeldung, Benutzer:Schnargel

Berlinale ganz anders

MJK 74201 Paula Beer mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2020.jpg

Heute vor genau einem Jahr ging die 70. Berlinale mit dem Publikumstag zu Ende. Sie war die letzte kulturelle Großveranstaltung in Deutschland, die vor dem Lockdown aufgrund der COVID-19-Pandemie regulär abgehalten werden konnte – keine Maskenpflicht, volle Kinos, roter Teppich und Pressekonferenzen mit Cast & Crew inbegriffen. Das ist in diesem Jahr bekanntermaßen anders und hat auch Auswirkungen auf das alljährliche Berlinale-Projekt. Waren im letzten Jahr noch vier Wikipedianer mit Akkreditierungen für das Festival versehen, sind es 2021 „nur“ die Hälfte. César und IgorCalzone1 werden wieder artikeltechnisch von der 71. Auflage als Industry Event berichten, allerdings zu Hause vor den Bildschirmen, dank Berlinale Streaming Service. Ob das auch gut funktioniert, bleibt abzuwarten.

Zwei deutsche Wettbewerbsbeiträge schienen im Vorfeld großen Respekt vor der Filmkritik zu haben und sind erst gar nicht als Stream abrufbar – eventuell wird also ein Goldener Bär an einen Film vergeben, den nur wenige zu Gesicht bekommen haben. Aber wenn kommenden Freitag um 12 Uhr die Preisträger per Videobotschaft verkündet werden, sind wir immerhin gut aufgestellt – seit Verkündung des Berlinale-Programms vor zweieinhalb Wochen sind im Projekt auf vier Schultern verteilt 60 neue Artikel zu Filmen und Filmschaffenden entstanden, Tendenz weiter steigend. Darunter sind auch alle Konkurrenten um den Goldenen Bären zu finden, plus die jeweiligen Regisseure (das libanesische Künstler-Duo Joana Hadjithomas und Khalil Joreige war heute der letzte Rotlink, der gebläut werden konnte). Damit sind wir wieder einmal schneller als die englischsprachigen und französischen Kolleg:innen gewesen, denen jeweils noch ein paar Artikel fehlen. Bleibt zu hoffen, dass wir alle gut durch die Pandemie kommen und frisch geimpft im Juni das versprochene Publikumsfestival begrüßen dürfen. Hoffentlich dann auch mit unseren beiden daheim gebliebenen Fotografen und ein paar tollen Schnappschüssen von den Preisträgern, wie im letzten Jahr! Csr, 01.3.

WTF is… Mondosciens?

Es ist eine Weile her, daß mir in einer Fernsehsendung die nachgemachte Seite einer Online-Enzyklopädie aufgefallen ist. In der Soko-Stuttgart-Folge Wer Hass sät werden gleich zwei Artikel von einer Website in wikipedia-ähnlicher Optik aufgerufen. Mondosciens – Wissen für alle heißt dieses „Konkurrenzprodukt“, aus dem die Kripobeamten Stoll und Becker ihr Wissen beziehen.

Die beiden Fernseh-Polizisten sind übrigens unangemeldet unterwegs. Im allfälligen Gegensatz zur Martina-Seiffert-Darstellerin Astrid M. Fünderich, die, die Authentizität des Accounts angenommen, vor Jahren im Artikel den 2. Vornamen korrigiert, Inhalte korrigiert und hinzugefügt hat. Mir erscheint es unwahrscheinlich, daß sich jemand die Mühe machte, sich per Mobil anzumelden und einzuloggen, um einen falschen Inhalt in den Artikel zu bringen, das geht einfacher.

Andere Wikipedianer sind allerdings weniger gutgläubig, denn der zweite Vorname wurde 2020 unter Verweis auf fehlende Belege entfernt. Es scheint unter Schauspielern inzwischen zum guten Ton zu gehören, in Talkshows mit Fehlern in den jeweiligen Wikipediaartikeln zu kokettieren. Wobei ich mich schon geraume Zeit frage, wer in Wikipedia den größeren Anteil dieser Fehler erzeugt: Die jeweiligen beschriebenen Personen als Bearbeiter in eigener Sache oder gutwollende Artikelbearbeiter, die eigentlich zutreffende Korrekturen als beleglos revertieren. Und, leider, scheinen es insbesondere sog. Comedians lustig zu finden, Fehler in den eigenen Artikel zu schreiben, um dann über Wikipedia abzulästern. Weswegen Skepsis grundsätzlich schon angebracht ist.

Es würde mich übrigens mal interessieren, ob die Produktionsfirma Bavaria hier tatsächlich eine MediaWiki-Installation aufgesetzt hat, oder ob man kurzerhand den HTML-Code eines Wikis so verändert hat, daß der gewünschte Inhalt angezeigt wurde.

Einen Artikel „NBLTS – Nobilitas“ gibt es natürlich nicht, da diese Burschenschaft frei erfunden ist, doch der angezeigte Text ist mehr als lorem ipsum. Zwar ist zumindest bei meiner Bildschirmauflösung der Blick darauf so unscharf, daß im laufenden Film praktisch nichts zu erkennen ist – aber wozu gibt es die Standbildfunktion? Es galt also, den Text Buchstabe für Buchstabe abzutippen, um die Suchfunktion damit zu füttern:

Burschenschaften sind eine tradierte Form einer Studentenverbindung. Sie finden sich heute an Hochschulorten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Chile.

Das entpuppt sich so rasch als Beginn unseres Artikels „Burschenschaft“.

Der erste Abschnitt des gefaketen Artikels folgt zunächst wortwörtlich der Einleitung des Wikipedia-Artikels und springt dann, den Abschnitt zu Etymologie und Sprachgebrauch auslassend, in den Abschnitt zu Gemeinsamkeiten von Burschenschaften. Anschließend wird der weitere Text des Abschnittes ohne das Siehe auch vollständig wiedergegeben, wobei der zweite und dritte Absatz ohne Umbruch zusammengefaßt wurden. Dann verließ denjenigen, der diesen Fake-Artikel schuf, wahrscheinlich die Kreativität, weil eben diese beiden Absätze einmal wiederholt werden.

Mein Versuch, auf dem Fernsehbildschirm die Versionsgeschichte anzuklicken, war leider erfolglos.

Auch einen Artikel „Hammer und Schwert“ sucht man in Wikipedia vergebens. Nach einigem Suchen finden mit der Arbeitsweise in Wikipedia vertraute Benutzer den Artikel Rechtsextreme Symbole und Zeichen einen Hinweis auf dieses Symbol unter der Bezeichnung Hammer & Schwert. Ich finde allerdings merkwürdig, daß die Eingabe ins Suchfeld nicht zielführend ist, wenn man das Et-Zeichen durch „und“ ersetzt. Das muß ein Bug sein, denn die Sucheingabe Hammer & Schwert liefert neben vorgenanntem Übersichtsartikel immerhin Hammer und Sichel.

Weil es keinen der beiden im Film gezeigten Artikel gibt, gibt es in dieser WTF-Ausgabe leider keine Abrufzahlen.MaB 1.3.