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Gräfenhainichen

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gräfenhainichen
Gräfenhainichen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gräfenhainichen hervorgehoben

Koordinaten: 51° 44′ N, 12° 27′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Wittenberg
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 158,94 km2
Einwohner: 11.654 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 06772, 06773
Vorwahl: 034953
Kfz-Kennzeichen: WB, GHC, JE
Gemeindeschlüssel: 15 0 91 110
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
06773 Gräfenhainichen
Website: graefenhainichen.de
Bürgermeister: Enrico Schilling (CDU)
Lage der Stadt Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg
BrandenburgSachsenDessau-RoßlauLandkreis Anhalt-BitterfeldAnnaburgBad SchmiedebergCoswig (Anhalt)GräfenhainichenJessen (Elster)KembergOranienbaum-WörlitzLutherstadt WittenbergZahna-ElsterZahna-ElsterKarte
Über dieses Bild

Gräfenhainichen ist eine Stadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

GeographieBearbeiten

 
Blick von der Gremminer Brücke auf Ferropolis

Die Stadt Gräfenhainichen liegt jeweils ca. 20 km südwestlich von Wittenberg, südöstlich von Dessau und nordöstlich von Bitterfeld am Rande der Dübener Heide.

In der Nähe wurde im Zuge der Umgestaltung des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus Golpa-Nord der Gremminer See geschaffen, an dessen Ufer sich das Industriedenkmal Ferropolis befindet. Am Südrand der Stadt findet sich außerdem der Gröberner See, der ebenfalls aus einem ehemaligen Tagebau entstanden ist.

 
Gräfenhainichen, Luftaufnahme (2019)
 
Stadtkirche Sankt Marien

StadtgliederungBearbeiten

Als Ortsteile der Gemeinde sind ausgewiesen:[2]

GeschichteBearbeiten

 
Ruine des 1637 zerstörten Schlosses

Gräfenhainichen wurde 1285 erstmals urkundlich als Lehen des Grafen Albrecht II. von Anhalt erwähnt. Der Ort hieß anfangs zu dem Hayne, dann Gravenalbrechtshayn, woraus schließlich der heutige Name entstand. 1454 wurden die Stadtrechte bestätigt, nachdem alle Urkunden von einem Feuer vernichtet worden waren. 1607 wurde der bedeutendste Sohn der Stadt, der evangelisch-lutherische Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt, geboren. 1637 erreichten die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auch Gräfenhainichen, das von schwedischen Truppen fast vollständig zerstört wurde. Der Ort war bis 1815 Hauptort des kursächsischen Amts Gräfenhainichen.[3] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1944 gehörte.[4]

Nachdem 1859 die Bahnstrecke Wittenberg–Bitterfeld eingeweiht worden war, siedelten sich wegen der verkehrsgünstigen Lage immer mehr Industriebetriebe an. 1874 wurde die erste Druckerei gegründet. Bis 1990 arbeiteten in Gräfenhainichen teilweise bis zu vier Druckereien. Seit 1890 wurde in der Nähe von Gräfenhainichen, zunächst im Tiefbau, später im Tagebau Braunkohle gefördert.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde im Betrieb Stoltzenberg am Bahnübergang Richtung Gröbern durch die SA eines der frühen Konzentrationslager eingerichtet, in denen Mitglieder und Funktionäre der Arbeiterorganisationen terrorisiert wurden. Im August 1933 wurden die Häftlinge in das KZ Lichtenburg überstellt. Während des Zweiten Weltkrieges mussten zahlreiche Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in der Elektrowerke AG und in der Grube Golpa Zwangsarbeit verrichten.

1952 wurde Gräfenhainichen Kreisstadt des damaligen Kreises Gräfenhainichen im Bezirk Halle für drei Städte und 27 Gemeinden (ab 1982 nur noch 26, da die Gemeinde Gremmin dem Braunkohlenabbau zum Opfer fiel).

Nach dem Ende der DDR, der Auflösung des Bezirkes Halle und der Wiedererrichtung des Landes Sachsen-Anhalt wurde der Kreis Gräfenhainichen bis zum 30. Juni 1994 erhalten. Im Zuge der Kreisgebietsreform 1994 verlor Gräfenhainichen den Status einer Kreisstadt. Bis 2010 war die Stadt der Sitz des Verwaltungsamtes der Verwaltungsgemeinschaft Tor zur Dübener Heide.[5]

 
Industriedenkmal Kraftwerk Zschornewitz

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1950 wurde Mescheide nach Gräfenhainichen eingemeindet.[6] Am 1. Januar 2007 kam die Gemeinde Jüdenberg hinzu.[7] Möhlau, Schköna, Tornau und Zschornewitz wurden 2011 durch das Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt eingemeindet.[5]

PolitikBearbeiten

 
Rathaus Gräfenhainichen

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat von Gräfenhainichen besteht aus 28 Stadtverordneten und setzt sich seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 (Wahlbeteiligung 45,0 %) wie folgt zusammen[8][9]:

Partei / Wählergruppe Sitze
CDU 13
Die Linke 9
SPD 2
Wählergemeinschaft Möhlau (WGM) 2
FDP 1
Grüne 1
Gesamt 28

Zusätzliches Mitglied des Stadtrats ist der Bürgermeister

BürgermeisterBearbeiten

Harry Rüßbült (Die Linke) war von 2001 bis 2015 Bürgermeister von Gräfenhainichen. Enrico Schilling (CDU) wurde in der Bürgermeisterwahl am 12. April 2015 mit 66,9 Prozent der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von sieben Jahren zu seinem Nachfolger gewählt.[10][11]

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 17. Dezember 1993 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt.

Blasonierung: „In Silber zwei rote, durch eine Mauer verbundene, schwarz gefugte Türme mit schwarzen Dächern, wachsend aus einem goldenen Schild mit schwarzem Löwen, umrahmt von zwei grünen Lorbeerzweigen.“[12]

Die Türme symbolisieren in stilisierter Form die zwei Gräfenhainicher Stadttürme, die dazwischen liegende Mauer die Stadtmauer. Der meißnische Löwe als altes wettinisches Hoheitszeichen kennzeichnet die etwa 450-jährige Zugehörigkeit der Stadt zur markmeißnischen Landesherrschaft bzw. zu Kursachsen. Die Lorbeerranken gehen auf die ursprüngliche Damaszierung zurück.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Partnerschaften bestehen mit den Städten:

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Festival in Ferropolis
 
Paul-Gerhardt-Kapelle
 
Paul-Gerhardt-Haus
 
Katholische Kirche

→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Gräfenhainichen

  • Ferropolis: Freilichtmuseum und Veranstaltungsort, Bergbau- und Erlebnisbahn. Hier finden jährlich die Musikfestivals Melt! und splash! statt.
  • Paul-Gerhardt-Kapelle: Gedächtniskapelle zu Ehren Paul Gerhardts, Grundsteinlegung am 9. Mai 1830, am 21. Oktober 1844 eingeweiht, im Mai 1992 als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum wiedereröffnet
  • Paul-Gerhardt-Haus (Karl-Liebknecht-Straße 17): 1907–09 zum Gedächtnis an den 300. Geburtstag Paul Gerhardts als christliches Vereinshaus gebaut
  • Paul-Gerhardt-Denkmal (am Paul-Gerhardt-Haus): 1911 vom Bildhauer Friedrich Johannes Pfannschmidt geschaffen
  • Schlossruine: heute Veranstaltungsareal
  • Kirchen (Evangelisch und katholisch)
  • Kursächsische Postdistanzsäule, rekonstruiert mit dem Originalschriftblock von 1728, diente – bis heute gut sichtbar – jahrzehntelang als Treppenstufe einer Schule
  • Wasser- und Aussichtsturm im Stil des Art déco, 38 m hoch, 1928 eingeweiht
  • Oberer und Unterer Stadtturm
  • Buchdruckmuseum
  • Marktbrunnen
  • Bockwindmühle
  • Informationstafeln zum devastierten Dorf Gremmin am Gremminer See auf dem Geschichtspfad
  • Skulpturenpfad entlang am Gremminer See auf dem Kunstpfad
  • Vorstadtteich
  • Ehrenmal auf dem Städtischen Friedhof für die Opfer des Faschismus (1996 neu gestaltet) mit Skulptur und Schrifttafeln, u. a. für 18 sowjetische Opfer von Zwangsarbeit
  • Gedenktafel an der Grabstelle von zwei jüdischen Pogromopfern der jüdischen Landwirtschaftsschule Bomsdorf
  • Grabstätten auf dem Friedhof des Ortsteiles Strohwalde am Schleesener Weg für zwei namentlich bekannte sowjetische bzw. polnische Opfer von Zwangsarbeit aus dem Dorf Gremmin, das dem Braunkohletagebau weichen musste

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Bahnhof
 
Gymnasium

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

Gräfenhainichen liegt an der Bundesstraße 107 von Oranienbaum nach Bad Düben, an der Bundesstraße 100 von Wittenberg nach Bitterfeld und an der Landesstraße 136 nach Zschornewitz. Die Bundesautobahn 9 (MünchenBerlin), Anschlussstelle Dessau-Ost, ist ca. 17 km entfernt.

SchieneBearbeiten

Der Bahnhof Gräfenhainichen liegt an der Bahnstrecke Berlin–Halle und wird von den S-Bahnlinien S2 und S8 der S-Bahn Mitteldeutschland fahrplanmäßig angefahren.[13]

BusBearbeiten

Seit dem 1. Juli 2008[14] verkehrt der Landesbus 310 über Oranienbaum nach Dessau, betrieben von dem Vetter Busunternehmen.

BildungBearbeiten

Gräfenhainichen besitzt das Paul-Gerhardt-Gymnasium, die Sekundarschule „Ferropolis“, drei Grundschulen (je eine in der Stadt sowie in den Ortsteilen Schköna und Zschornewitz) und zwei Förderschulen („An der Lindenallee“ für Lernbehinderte und „Peter Petersen“ für geistig Behinderte).

PersönlichkeitenBearbeiten

 
Paul Gerhardt, Kupferstich

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Persönlichkeiten mit Bezug zur StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gräfenhainichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Gräfenhainichen – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2018 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Stadt Gräfenhainichen (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.graefenhainichen.de (PDF; 690 kB)
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 22 f.
  4. Der Landkreis Bitterfeld im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. a b Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Wittenberg (GemNeuglG WB)
  6. Mescheide auf gov.genealogy.net
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  8. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  9. Ergebnisse der Gemeinderatswahl in der Stadt Gräfenhainichen. In: Mitteldeutsche Zeitung, 23. Mai 2014
  10. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 12. April 2015 (Memento des Originals vom 23. Januar 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.sachsen-anhalt.de
  11. CDU-Mann Enrico Schilling gewinnt. In: Mitteldeutsche Zeitung, 13. April 2015
  12. Genehmigungsurkunde vom 17. Dezember 1993 durch das Regierungspräsidium Dessau
  13. Gräfenhainichen, Gräfenhainichen: Abfahrt und Ankunft. Abgerufen am 26. Januar 2019.
  14. Landesnetz: Linie 331 im Landkreis Wittenberg verknüpft Bahn und Bus (Memento des Originals vom 19. April 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nasa.de