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Zschornewitz

Ortsteil von Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt

Zschornewitz ist ein Ortsteil der Stadt Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Zschornewitz
Koordinaten: 51° 43′ 0″ N, 12° 24′ 0″ O
Höhe: 89 m
Fläche: 13,04 km²
Einwohner: 2729 (31. Dez. 2009)
Bevölkerungsdichte: 209 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 06772
Vorwahl: 034953
Spätromanische Feldsteinkirche

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

GemeindegliederungBearbeiten

Der Ortsteil gliedert sich in den kaum noch wahrnehmbaren historischen Teil, die Werkssiedlung 'Kolonie', die neue Kraftwerkssiedlung im Osten und die Siedlung 'Pöplitz' (ca. 2 km entfernt, nur vier Häuser) im Westen.

GeschichteBearbeiten

Zschornewitz wurde erstmals im Jahr 1200 in einer Urkunde der Pfarrei Wörlitz erwähnt. Die spätromanische Kirche kündet von den frühen Tagen des Dorfes. Der Ort gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Gräfenhainichen.[1] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1944 gehörte.[2]

Bis in das späte 19. Jahrhundert lebten kaum mehr als 200 Einwohner im Heidedorf Zschornewitz.

Im März 1915 begann der Bau des Kraftwerks nach Plänen von Walter Klingenberg in nur ca. 2 km Entfernung vom Tagebau Golpa, das im Dezember in Betrieb genommen wurde. Gleichzeitig entstand die gartenstädtische Werkssiedlung 'Kolonie'. Parallel dazu entstand in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk das Nitrumwerk. Dessen Anlagen explodierten am 17. Juni 1917. Es gab 24 Tote und 2 Tote im nahen Kraftwerk. Es wurde anschließend abgerissen.[3] 1916 erzeugten acht Turbinen à 16 MW zusammen 128 MW. Damit war das Kraftwerk Zschornewitz das erste Großkraftwerk Deutschlands und zu dieser Zeit auch das größte Braunkohlekraftwerk der Welt. Es versorgte Berlin und Teile Sachsens mit Strom. 1929 wurden zwei 85-MW-Turbinen in Betrieb genommen (zu dieser Zeit die größten Europas). 13 große Schornsteine prägten für Jahrzehnte das Bild der Gemeinde. 1929 wurde auch die katholische Kirche geweiht.

1945 wurde das Kraftwerk als Reparationsleistung an die Sowjetunion teilweise demontiert. Für die Arbeiten wurde die im Dorf verbliebene Bevölkerung im Alter von 17 bis 70 Jahren herangezogen.

Am 30. Juni 1992 wurde das Kraftwerk endgültig stillgelegt. Die Kolonie und Teile des Kraftwerks wurden auf Initiative des Bauhauses unter Denkmalschutz gestellt. 1995 wurde der erhaltene Teil des Kraftwerks zum Industriedenkmal. Im Jahr darauf wurde die Werkssiedlung 'Kolonie' in die Liste der EXPO-Projekte aufgenommen; sie wurde 1997–99 umfangreich restauriert.

1954 wurde der Zschornewitzer Ruderclub gegründet. Am 13. Mai 2000 feierte Zschornewitz sein 800-jähriges Bestehen.

Am 1. Januar 2012 wurde Zschornewitz in die Stadt Gräfenhainichen eingegliedert.[4]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Katholische Kirche

BauwerkeBearbeiten

Herausragendes Bauwerk des Ortes ist das ehemalige Kraftwerk Zschornewitz. Seit 1995 ist das Industriedenkmal als Energiemuseum geöffnet.

Außerdem sind zu erwähnen:

  • Spätromanische Feldsteinkirche
  • Transformatorenhaus mit barockem Dachaufsatz
  • Katholische St.-Antonius-Kirche aus dem Jahr 1929 (seit 2015 geschlossen)[5].

SeenBearbeiten

 
Zschornewitzer See

Am Westrand des Ortsteils befindet sich der Zschornewitzer See, im Volksmund Gurke genannt, auf dem der Zschornewitzer Ruderclub trainiert. Der Sachsenburgsee, ein Angelgewässer, liegt am Ostrand des Ortsteils. Weiterhin das Tagebaurestloch 4 im Südwesten und das Tagebaurestloch 2 (als Restsee des Aschesees der Ascheverspülung der Kraftwerksasche aus den Kraftwerken Zschornewitz (direkt über Rohrleitung) und Vockerode (Antransport über Kohlenbahnstrecke)) im Nordwesten des Ortsteils, diese sind öffentlich nicht zugänglich. Alle Gewässer sind Tagebaurestlöcher.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WindparkBearbeiten

Auf der südlich von Zschornewitz gelegenen Abraumhalde des Tagebaues Gröbern wird nach der Stilllegung des Braunkohlekraftwerks ein Windpark mit acht Anlagen errichtet. Die Abraumhalde überragt das Gelände um ca. 50 Meter und bietet so gute Voraussetzungen für die Windenergienutzung.

ElektroschmelzeBearbeiten

Die Elektroschmelze Treibacher Schleifmittel GmbH ist ein Unternehmen, das Korund und weitere Ausgangsstoffe (u. a. Zirkonoxid) für die Schleifmittelindustrie herstellt. Das Korund und die weiteren Erzeugnisse werden in Elektroschmelzöfen hergestellt.

BildungBearbeiten

 
Schulzentrum

1920/1921 erhielt die Kolonie ein eigenes Schulhaus. Das Schulzentrum beherbergt jetzt die Grundschule „Johann Heinrich Pestalozzi“.

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

SchieneBearbeiten

StatistikBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Die Zahlen geben die Gesamtzahl der Einwohner an:

  • 1990: 3736
  • 2000: 3072
  • 2004: 2957
  • 2006: 3028
  • 2009: 2729

Quelle: Statistisches Landesamt, Stand zum 31.12.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 22 f.
  2. Der Landkreis Bitterfeld im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. Mitteldeutsche Zeitung vom 19. Juni 2017
  4. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2011
  5. 13. Juni Patronatsfest und Kirchenschließung in Zschornewitz. heilige-familie.net, 23. Mai 2015, abgerufen am 23. Dezember 2018