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Bericht von den Gesprächen zwischen Communitys und der WMF-Rechtsabteilung

Letzten Samstag fand das angekündigte Gespräch statt zwischen der deutsch- bzw. französischsprachigen Community und Jacob Rogers, Legal Director der Wikimedia Foundation. An der französischen Runde nahmen 21 Gäste teil, an der deutschsprachigen 24, darunter auch einige internationale Teilnehmer. In beiden Runden fanden sich auch Vertreter der lokalen Schiedsgerichte ein.

Zu Beginn erläuterte Jacob kurz das Problem: die bisherige Praxis der Wikimedia Foundation, sich bei Klagen bezüglich Projektinhalten allein auf US-amerikanisches Recht zu berufen, wird zunehmend von der Rechtsprechung weltweiter Gerichte in Frage gestellt. Neue Gesetze legen immer öfter fest, dass auch Unternehmen ohne Büros oder Beschäftigte in einem Land deren Rechtsprechung unterliegen und zahlreiche Länder zeigen sich gewillt, direkt gegen die Foundation, Freiwillige oder die Wikis vorzugehen. Es steht zu erwarten, dass es immer mehr Fälle geben wird, in denen die Stiftung aufgrund von Gerichtsentscheidungen außerhalb der USA Inhalte ändern muss. Die Gespräche mit der Community sollten helfen, gemeinsam einen neuen Prozess für solche Fälle zu etablieren.

Nach der Einleitung beantwortete Jacob Fragen zur bisherigen Praxis:

  • Nur in wenigen Fällen musste die Foundation bisher aufgrund von Nicht-US-Gerichtsentscheidungen Inhalte ändern, nur dreimal durch die Durchführung einer office action, also den direkten Eingriff durch die Foundation selbst. Für die Zukunft wird selbst auf Basis der neuen Rechtslage eine Anzahl von nicht mehr als zehn Fällen jährlich erwartet.
  • Da klar ist, dass aufgrund der Struktur von Wikipedia nur in gewissen Grenzen verhindert werden kann, dass Informationen immer wieder neu eingebunden werden, wurde vorgeschlagen, die betreffenden Artikel zu schützen oder ein Banner auf dem jeweiligen Artikel einzublenden, um eine erneute Einbindung zu verhindern (was nicht immer möglich ist).
  • Grundsätzlich gilt für die Änderungen der betroffenen Inhalte Verbindlichkeit. Die Wikimedia Foundation kann entsprechende Gerichtsentscheidungen nicht einfach ignorieren, da sonst hohe Bußgelder gegen die Foundation, Haftstrafen gegen ihre Beschäftigte in den betreffenden Ländern oder gegen Autoren/Autorinnen drohen.

Als ausschlaggebend für ein Eingehen auf solche Anfragen ohne vorherigen Gerichtsbeschluss fasste Jacob drei Kriterien zusammen:

  • Wenn Schaden für die Wikimedia Foundation oder Freiwillige droht
  • Wenn deutlich zu erkennen ist, das ein Gerichtsverfahren nicht zu gewinnen wäre
  • Wenn Menschenrechtsfragen berührt werden

Die entscheidende Frage war, auf welche Weise die entsprechenden Eingriffe durchgeführt werden sollten. Sowohl Jacob als auch die Teilnehmenden sahen die "office action" als die ungünstigste Handlungsweise an. Abgesehen davon, dass damit die inhaltliche Autonomie der Community verletzt wird, könne ein solcher Eingriff niemals so gut sein wie die Überarbeitung durch Autoren/Autorinnen auf der Grundlage zuverlässiger Quellen.

Der Vorschlag dass die Foundation in solchen Fällen stets die Communitys anspricht, die dann den Eingriff selber vollzieht, wurde von allen begrüßt, Jacob sicherte zu, das in den kommenden Entwurf mit aufzunehmen. Die office action wäre in einem solchen Modell nur mehr die “ultima ratio”.

Während dies bei öffentlichen Urteilen leicht möglich ist (z. B. durch Veröffentlichung auf der Diskussionsseite des Artikels), ist es bei vertraulichen Urteilen schwieriger. Hier bräuchte die Stiftung Ansprechpartner aus der Community, die nicht-öffentlich angesprochen werden können. Solche Funktionen werden in einigen Communities von den lokalen Schiedsgerichten oder auch Oversightern wahrgenommen. In der deutschsprachigen Community haben aber bisher weder das Schiedsgericht noch die Oversighter (und auch nicht das Support-Team) ein entsprechendes Mandat. Die deutschsprachige Community müsste entscheiden, wer hier als ein solcher Ansprechpartner fungieren könnte. Unabhängig davon, wer diese Eingriffe letztlich vornehmen würde, wurde auch der Wunsch geäußert, dass solche Anfragen in Form eines Logbuchs transparent gemacht werden sollten.

Fazit: Die Gesprächsrunden waren ergiebig. Allen die daran teilnahmen sei herzlich gedankt, ein besonderer Dank geht an Lukas Mezger und Hugues Plessis, die als Freiwillige halfen, in und aus dem “Legal English” zu übersetzen. Auf Basis der Gespräche wird Jacob jetzt einen Entwurf verfassen, der dann weiter besprochen werden kann.

Diejenigen, die nicht an den Gesprächen teilnehmen konnten, sind herzlich eingeladen, sich zeitnah auf der Diskussionsseite zu äußern. Die entsprechenden Rückmeldungen können dann ggf. noch in den Entwurf miteinfließen. DB_(WMF), 14.6.

20 Jahre Wikipedia und WikiSwiss Award: 12. Juni 2021 im Neubad Luzern

Ein mutiger Sprung ins kalte Wasser

Mit einer Premiere im doppelten Sinn feierte Wikimedia CH am 12. Juni 2021 in Luzern den 20. Geburtstag der Wikipedia. Mit dem WikiSwiss Award wurden nach dem Mittag dann die aktivsten Wikipedianer, die im Schweizer Artikelraum editierten und editieren, geehrt. Für den Anlass fand sich mit dem Neubad Luzern ein würdiger und ungewöhnlicher Rahmen: Das Neubad ist ein stillgelegtes Hallenbad, das während einiger Jahre als Kulturzentrum eine Zwischennutzung erfährt. Wikipedia wäre nicht Wikipedia, wenn beide Unterfangen nicht kritisch aufgenommen worden wären. Auf den Diskussionsseiten meldeten sich etliche Stimmen, welche einen solchen Anlass in der jetzigen Situation als unangemessen betrachteten. Nun, es waren nur 80 Personen anwesend, so viel wie zugelassen waren, und es wurden alle behördlichen Auflagen erfüllt. Auch die Idee eines Awards wurde kritisch aufgenommen, davon später.

Im Zentrum des Jubiläumsanlasses stand eine Diskussion zum Thema Informationsgesellschaft. Der volle Titel lautete: Monopolisierung und Kapitalisierung des Wissens: Was ist Wissen im digitalen Zeitalter wert? Wer steuert künftig den Zugang zu Wissen? Wie kann Wissen demokratischer gestaltet werden? Zwei Keynotes bildeten den Auftakt, die danach von einem kompetenten Panel vertieft wurden.

· Der Journalist Hannes Grassegger, Technologie-Reporter und -Autor, machte sich Gedanken zur Bedeutung der Informationsrevolution, die wir gerade erleben, und stellte sie auf die gleiche Ebene wie die Erfindung des Buchdruckes. Die Ablösung der Printmedien durch die elektronischen Medien sei dramatisch und keineswegs abgeschlossen. Welche Verhältnisse nun neu geschaffen würden, sei nicht klar, gewisse Prozesse gäben aber Anlass zu Sorge. Zu stark sei der Einfluss von international agierenden, Konzernen, deren Plattformen primär der Gewinnoptimierung dienten.

· Monique Morrow, ehem. CTO Consulting Engineer Cisco Systems, griff diesen Gedanken auf und thematisierte die ungeregelte Nutzung der Daten, mit denen ein gigantisches Wissen über das Verhalten der Benutzerinnen und Benutzer verfügbar sei. Sie nannte es sehr sprechend die «Weaponization of Data».

Damit war der Rahmen gesetzt für das Panelgespräch: Die in Luzern lehrende Soziologin Sophie Mützel etwa verwies darauf, dass auch die Wissenschaft zu den Daten der Plattformen wie Facebook und Instagram keinen Zugang habe, eine Ausnahme bilde Twitter. Marc Hollitscher von Microsoft Schweiz stellte fest, dass gerade die Politik in Sachen Datenpolitik weitgehend abwesend ist. Nationalrätin Sibel Arslan wies darauf hin, dass nach wie vor nicht alle Gruppen gleichberechtigen Zugang zur digitalen Welt hätten, der Schulleiter Uwe Feuersenger zeigte Perspektiven für ein neues Lernen mit Beispielen aus seiner Schule. Es brauche neue Instrumente, um die Fragen der Digitalisierung zu lösen, dazu gehöre auch eine digitale Ethik, ergänzte Johan Rochel, Co-Founder des Lab for innovation ethics.

Die Diskussion zum Thema Informationsgesellschaft lässt sich in Kürze auf Wikimedia Commons nachhören.

Die drei Community Manager von WMCH stellen den WikiSwiss Award vor.

Im zweiten Teil des Anlasses wurde der WikiSwiss Award verliehen. Er soll in Zukunft alle zwei Jahre vergeben werden. Im ersten Jahr werden alle geehrt, die in der Schweiz lebend mindestens seit fünf Jahren mitarbeiten und dabei innerhalb der letzten 12 Monate aktiv waren sowie mindestens 10000 Bearbeitungen durchgeführt haben. Die Ehrung zeigte, dass es in der Community Mitglieder gibt, die praktisch ununterbrochen seit den ersten Anfängen von Wikipedia dabei waren. Allerdings wurde ebenso klar, dass auch in der Schweiz die Wikipedia von Männern im Alter zwischen 50 und 75 dominiert wird. Nicht alle der in Frage kommenden Wikipedianer fanden diese Anerkennung positiv: sie sei überflüssig, wurde etwa gesagt, das Geld könne besser für andere Dinge verwendet werden. Gründe für eine Ablehnung fanden sich auch in der Befürchtung, aus der Anonymität heraustreten zu müssen.

Backstage und Making Of: Es durfte also gefeiert werden, mit gebührendem Abstand und ausgefeiltem Hygienekonzept. Es war bis zuletzt auch in der Schweiz nicht selbstverständlich, dass eine Veranstaltung stattfinden kann. Umso entschlossener rollten wir dann nach dem grünen Licht seitens des Bundesamtes für Gesundheit und des Kantons Luzern die im Hintergrund vorbereiteten Planungen innert zwei Wochen in einer starken Teamleistung der Wikimedia CH-Mitarbeiter aus. Auch die angefragten Redner und Rednerinnen sowie unser Moderator standen zu ihrem Wort und durften auf ein professionell vorbereitetes Equipment zugreifen - expliziten Dank hier an das Team von Bild & Ton und an die Dolmetscherinnen, die unseren Gästen das auf der Bühne in einer Sprache gesprochene in die jeweils gewünschte weitere Landessprache simultan übersetzten. Dank des währschaften Caterings, für welches das Neubad-Team zuständig war, gelang der Übergang vom vormittäglichen Teil mit der Diskussionsrunde zum 20-jährigen Jubiläum der Wikipedia zur Bekanntgabe des Gewinner-Fotos von Wiki Loves Switzerland und zur Verleihung der WikiSwiss Awards an die verdienten langjährigen Autoren. Lantina, für das Orga-Team, 14.06.

WikiCon 2021 vom 1.–3. Oktober in Erfurt … und online

Auf nach Erfurt ...

Nach einer langen Zeit von Abklärungen, Unsicherheiten und intensiven Gesprächen stehen nun die ersten Eckdaten der WikiCon 2021 fest. Wir freuen uns sehr, euch nun darüber informieren zu können: Wie bereits angekündigt: Es wird dieses Jahr wieder eine WikiCon geben. Stattfinden wird sie in Erfurt am Wochenende vom 1. bis 3. Oktober (Aufbau am 30. September). Den konkreten Veranstaltungsort, mit dem wir zurzeit noch letzte Details verhandeln, geben wir bekannt, sobald die Unterschriften unter die Verträge gesetzt sind.

Selbstverständlich gilt für sämtliche Überlegungen zur Durchführung einer WikiCon 2021 als Real-Life-Veranstaltung weiterhin die Prämisse, dass die Pandemiesituation in Deutschland dies auch zulässt. Wir nehmen das sehr ernst und werden alle notwendigen Vorkehrungen entsprechend der gültigen Verordnungen und Empfehlungen treffen. Wir sind jedoch optimistisch, dass eine WikiCon im frühen Herbst mit der hochfahrenden Impfkampagne und dem aktuellen Rückgang der Infektionszahlen tatsächlich möglich ist. Wir planen unser Hygienekonzept zurzeit mit täglichen Schnelltests für alle Teilnehmenden. Wir haben uns intern darauf geeinigt, dass wir die WikiCon zunächst mit etwa 165 Teilnehmenden planen, weniger als die (inkl. Abstandsregeln) mögliche Höchstzahl von Teilnehmenden für diese Location, damit wir hier einen Puffer haben. Falls sich abzeichnet, dass die Situation im Herbst deutlich besser sein wird, als heute erwartet, werden wir die Zahl der TN auf die zulässige Anzahl aufstocken. Aus Infektionsschutzgründen wird es dieses Jahr zudem grundsätzlich für alle Teilnehmenden nur Buchungen in Einzelzimmer geben, außer es ist explizit anders gewünscht, z. B. für Paare, Haushalte, Eltern mit Kindern.

Um möglichst viele Personen zu erreichen (auch solche, die nicht reisen oder bei einer Veranstaltung teilnehmen wollen, respektive können), wollen wir dieses Jahr auch die Chancen nutzen, die uns eine hybride Konzeption ermöglicht. Das Programm soll so vielfältig sein wie in allen Jahren zuvor, sich aber nicht nur auf Präsenzveranstaltungen beschränken. Denkbar sind zum Beispiel reine Offline-Beiträge vor Ort, rein virtuelle Beiträge und hybride Beiträge mit vortragender Person vor Ort, die online verfolgt werden können. Der Aufruf für Programmbeiträge (Call for papers) wird demnächst separat erfolgen. Ihr seid aber gerne alle eingeladen, auf Wikipedia:WikiCon 2021/Programmvorschläge bereits eure Ideen, Vorschläge und Wünsche einzubringen.

Auch die Anmeldung wird bald starten, dann werden wir auch alle für euch wichtigen Informationen zur Beantragung von Förderung usw. veröffentlichen. Bei Fragen erreicht ihr uns immer auch hier per Mail: info@wikicon.org (Die Adresse wird vom Orga-Team, bestehend aus Haupt- und Ehrenamtlichen abgerufen.) Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und eine WikiCon in Erfurt! Achim, für das Orga-Team, 14.06.

Warum Annalena Baerbock hilft, die Wikipedia zu verstehen

Annalena Baerbock hat in den letzten Tagen mehrfach ihren offiziellen Lebenslauf angepasst. Das ist kein großes Ding, sollte man meinen. Annalena Baerbock ist nun aber nicht irgendwer, sondern Kanzlerkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl 2021. Die Änderungen wurden auch erst vorgenommen, nachdem Journalisten Ungereimtheiten im Lebenslauf feststellten. Da der Lebenslauf zudem mehrfach geändert wurde, zog das Thema immer weitere Kreise. Die ARD änderte am 10. Juni gar kurzfristig das Programm, damit die Kandidatin „Farbe bekennen“ (so der Titel der Sondersendung) konnte.

Im Wikipedia-Artikel zu Annalena Baerbock steht hierzu nichts finden sich hierzu nur wenige Worte. Das ist unter anderem der NZZ und der Welt aufgefallen. Sie liefern auch gleich den Grund mit: Die Autoren der Wikipedia streiten aktuell darüber, wieviel Kritik an der Kandidatin Baerbock im Artikel gewünscht ist. Den Lesern wird erklärt, dass Änderungen zurückgenommen wurden und in einem „Edit-War“ gipfelten. Das Positive an dieser Berichterstattung ist, dass bei der Gelegenheit erklärt wird, wie Artikel in der Wikipedia editiert werden und wie schwierig das Ringen um die „richtige“ Formulierung ist. Allerdings, und das ist ungut, ist den Medien die Schönfärberei im Artikel aufgefallen vermuten die Medien Schönfärberei im Artikel. Aktuell ist der Artikel als Folge des Edit-Wars gesperrt. Auf den Diskussionsseiten geht der Streit indes weiter. Es werden sogar Diskussionsbeiträge gelöscht, weil sie vorgeblich nicht zur Problemlösung beitragen – quasi ein Edit-War auf der Diskussionsseite.

Losgelöst von Annalena Baerbock zeigt das ein grundsätzliches Problem auf: Wie wollen wir als Community mit der Neutralität umgehen? Die Wahl rückt alle Kandidaten – auch die auf den hinteren Listenplätzen – ins Rampenlicht. Wahlkampfteams werden die eigenen Leute schönschreiben und den politischen Gegner diffamieren – oder es zumindest versuchen. Wie können wir hier eine sachliche Darstellung erreichen? Wieviel Kritik an den Politiker*innen ist erlaubt oder sogar geboten? Natürlich können wir auf die Selbstheilungskräfte der Wikipedia vertrauen. Im Extremfall werden wir dann zig Edit-Wars und Artikelsperren sehen. (Und bekanntlich wird ja immer auf die falsche Version zurückgesetzt …)

Eins dürfte aber sicher sein: Unsere Arbeit wird kritisch beobachtet; das zeigt die Berichterstattung in NZZ und Die Welt. Wir täten daher gut daran, einen grundsätzlichen Maßstab für die Darstellung von Politiker*innen zu finden. Vertigo Man-iac 11.06.

Online-Treffen: Hey, wo sitzt du denn?

Viele kleine Fenster? Oder mehrere große? Online-Treffen stellen uns vor lauter Fragen, wie diese Jubiläumsveranstaltung in Israel.

Die Corona-Pandemie hat auch die Wikimedia-Bewegung zu Online-Treffen gezwungen. Das Angebot wurde schließlich durchaus gern angenommen: Wir sind uns der Vorteile bewusst, wenn wir nicht mehr stundenlang anreisen müssen. Was aber könnte man bei Online-Treffen noch besser machen?

Sucht man im Internet nach Benimm-Führern für das Online-Meeting, dann findet man eher ältere Beiträge aus der Vor-Corona-Zeit. Vor allem aus der Unternehmenswelt. Da geht es nicht zuletzt darum, gut auszusehen: Sitzt die Krawatte richtig? Ist die Bildschirmkamera nicht zu hoch oder zu niedrig eingestellt?

In den eher lockeren Kreisen der Wikipedianer spielt das Aussehen weniger eine Rolle. Manche Mitglieder der Gemeinschaft leben auch eher in Verhältnissen, in denen man bei der Wahl des Kamera-Raums nicht allzu wählerisch sein kann. Man ist schon froh, wenn man einen einigermaßen ruhigen Ort in der Wohnung hat, in dem das Internet halbwegs funktioniert.

Einige Zeitgenossen kommentieren gern die Hintergründe ihrer Gesprächsgenossen. Was das denn für eine Waschküche sei, haha. Mittlerweile aber dürften viele es als den guten Ton empfinden, sich nicht über den Raum des Gegenübers zu äußern, schon gar nicht abwertend. Jeder war schon einmal in Raumnot oder konnte das Bügelbrett oder Fitnessgerät nicht mehr beseitigen.

Ebenso unnötig ist es, Geräusche von Kindern oder das Duschen in der Nachbarwohnung zu erwähnen. Manche Tele-Zeugen des sozialen Lebens finden das lustig, die Betroffenen werden dadurch aber an etwas erinnert, das ihnen vielleicht nicht an ihrer Wohnsituation gefällt. Wer darüber selbst lachen kann, prima. Aber nach Monaten Pandemie ist vielen nicht immer zum Lachen zumute.

Vergesst den Ton nicht!

Apropos guter Ton: Wer in die Videografie einsteigt, der erhält immer wieder den Rat, an den Ton zu denken. Eine Zuschauerin verzeiht beim Bild vieles: Eine etwas unscharfe Aufnahme, Überbelichtung, etwas Wackeln der Kamera, unglückliche Schnitte. Ein scheppernder Ton hingegen, starke Windgeräusche oder Lautstärkeschwankungen führen leicht dazu, dass sie das Video bald wieder abschaltet. Wenn sie es mehrere Minuten lang erträgt, ist das schon viel.

Vergesst den Ton nicht!, klingt mir der Rat eines bekannten YouTubers in den Ohren. Ganz besonders klingen mir aber die Ohren, wenn ich ein, zwei Stunden Online-Meeting bei schlechtem Ton hinter mir habe. Mir selbst ist es wahnsinnig peinlich, wenn mein Ton schlecht zu hören ist oder Aussetzer hat – meist wegen der Verbindung im ungünstigen Raum, weniger wegen der Technik.

Die vielleicht problematischste Konstellation, die ich bislang erlebt habe: Jemand sprach zu einem Laptop, der sich offensichtlich auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes befand. Dazwischen ein niedriger Tisch. Bei einem solchen Optimismus zugunsten eines Laptopmikros beschleicht einen heimlich der Wunsch, dass der Moderator des Treffens solchen Teilnehmern nahe legt, sich nur noch durch Tippen zu beteiligen.

Tippen oder Tuscheln?

Ein chat mit der Milchmagd. Die Commons-Kategorie Chatting zeichnet sich durch hohe thematische Diversität aus.

Viele Meeting-Plattformen haben eine Chat-Funktion. Manche nutzen sie eifrig, andere bekommen nichts davon mit, weil sie mit dem Tablet oder Smartphone teilnehmen. Talking heads und Chat lässt sich nicht immer gleichzeitig anzeigen.

Mal lässt sich der Chat in das Gespräch einbauen, mal nicht. Im schlimmsten Fall entsteht im Chat eine Nebendiskussion, gar mit lauter witzigen Einwürfen garniert. Für einen Vortragenden kann das sehr stressig werden, daher schaut man am besten gar nicht erst hin. Hoffentlich gibt es einen Moderator, der den Chat im Blick behält und eventuell Fragen aufgreift.

Weniger (chatten) ist also oftmals mehr. Sicherlich hängt manches vom Charakter des Treffens ab (ernsthaft-produktiv oder locker-gesellig), auch von der Zahl der Teilnehmenden. Vielleicht ist Tuscheln auch ein Zeichen dafür, dass etwas mit dem Vortrag nicht stimmt?

Das richtige Format?

So pauschal würde das niemand sagen. Aber man darf schon darüber nachdenken, welche Inhalte und Gesprächssituationen zu einem Online-Meeting am besten passen. Ein Vortrag, der eine Stunde und länger geht, ohne Pause? Es ist ja ein Kompliment in Deutschland, dass jemand druckreif spreche, aber will man wirklich jemandem stundenlang zuhören, der ein Manuskript in dichter, gehobener Bildungssprache vorliest? ("Praktischerweise" das Manuskript, das sowieso schon für einen Fachartikel geschrieben wurde?)

Die Alternativen sind auch nicht immer das Gelbe vom Ei, weder das freie Mäandern noch die Folien-Karaoke. Aber vor allem ist es eben die Länge. Wenn ich jemandem eine Stunde mit schlechter Verbindung oder Mikrofonproblemen zuhören soll, dann dröhnt mir irgendwann der Kopf. Und ich denke: Da höre ich mir doch lieber alleine einen Vortrag im Internet an, den ein Museum oder eine Universität vor Publikum aufgezeichnet hat, wenn ich ganz ehrlich bin.

Darum freue ich mich, wenn ein Input-Vortrag durch Fragen aufgelockert wird. Wenn ein längerer Beitrag in Segmente geteilt wird. Wenn Vortragende oder Moderatoren Mitmachelemente einstreuen. Auch wenn die nicht immer so ganz gelingen, sind sie mehr als willkommen. Und so probieren wir langsam aus, wie unsere Online-Treffen immer sinnvoller werden. Ziko 10.06.

Berlinale Summer Special

Berlinale Summer Special – Tag 9 & 10

Für The Inheritance, die Sesamstraße für Erwachsene, in dem es um ein kulturelles Erbe geht, war das Haus der Kulturen der Welt ein wunderbar passender Aufführungs­ort

Vorgestern stellte Ephraim Asili seinen Film The Inheritance beim Berlinale Summer Special vor. Darin hat Julian von seiner Großmutter ein Haus in Philadelphia geerbt. Der junge Mann erkundet gemeinsam mit seiner Freundin Gwen diesen aus der Zeit gefallen scheinenden Ort. Sie entdecken eine Kiste mit Büchern und haben sich noch gar nicht alles angeschaut, was seine Großmutter in dem Haus zusammengetragen hat. Gwen findet das alles äußerst interessant, und so kann sie Julian schnell überzeugen, in dem Haus eine Kommune zu gründen, mit ihnen beiden als erste Mitglieder. Ich würde das Ganze mal als Sesamstraße für Erwachsene beschreiben und ein wenig zu exklusionistisch vielleicht für ein Publikum mit einem helleren Täng, dafür aber ganz lehrreich. Und einen Satz noch an Ephraim (ich denke, jemanden der in einer Kommune lebt(e), darf man beim Vornamen nennen), der extra aus den USA für die eine Vorstellung im Haus der Kulturen der Welt gestern angereist ist: Nicht ärgern: Bei anderen Vorstellungen sind in diesem Jahr manchmal auch nicht mehr als 100 Zuschauer vor Ort, das hat nichts mit dem Film zu tun. Und oben auf der Terrasse und versteckt in den Büschen haben bestimmt auch nochmal 20 Leute den Film gesehen – allerdings nicht hierfür gezahlt...

Maryam Moghaddam spielt in Ballad of a White Cow in der Hauptrolle auch Mina

Vorgestern war auch die Premiere von Blutsauger von Julian Radlmaier (keine Ahnung, worum es in dem Film geht), aber auch von Ballad of a White Cow von Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam und von dem ebenso im Wettbewerb vorgestellten Dokumentarfilm und Silberner-Bären-Gewinner Herr Bachmann und seine Klasse von Maria Speth, zu denen mein Kollege am Wochenende sicher noch etwas erzählen wird (ebenso wie zu allen anderen Filmen, die ich die Tage vergessen hatte).

Gestern stellte Susana Nobre ihren Film Jack’s Ride vor. Darin freut sich der 63 Jahre alte, in Alhandra in Portugal lebende Jaoquim J. Calcada darauf, bald in Rente gehen zu können. Bis es so weit ist, will er Arbeitslosengeld beziehen und erzählt der Dame im Job-Center, wie er einst in den USA als Taxifahrer arbeitete und später zu einem Limousinendienst wechselte, für den er so berühmte Menschen wie Jacky Kennedy oder Muhammad Ali chauffierte.

Jaoquim lebt in Alhandra in Portugal

Nun soll Jack drei Monate lang, bis zur Rente, nachweisen, dass er sich bei Unternehmen, an die er vom Job-Center vermittelt wurde, auch vorgestellt hat, auch wenn klar ist, dass diese ihn gar nicht anstellen werden.

Also, dieser Elvis-Verschnitt, der diesen Joaquim aka Jack spielt und dessen Leben auch irgendwie im Drehbuch verarbeitet wurde, ist echt cool.

Ebenso wurde gestern Der Betatest von Jim Cummings und PJ McCabe vorgestellt, den ich aber nicht geschafft habe, obwohl ich extra einen Corona-Test gemacht hatte; aber für ein Bierchen in meiner Stammkneipe war dieser schon ganz gut. Die hatte bis 2.00 offen, weil man nun in Berlin wieder nach Mitternacht Alkohol ausschenken darf. Nur soviel zum Betatest: Jordan Hines arbeitet in einer Talentagentur in Hollywood und will demnächst heiraten. Als Hines eine mysteriöse Nachricht erhält, in der er zu einem sexuellen Stelldichein eingeladen wird, er jedoch keine Ahnung hat, von wem die Nachricht stammt, gerät seine Welt aus den Fugen.

Der (goldene) Bär Lucio Dalla

Dann wurden gestern auch zwei Dokumentarfilme gezeigt, Per Lucio von Pietro Marcello über Lucio Dalla und Dirty Feathers von Carlos Alfonso Corral über Menschen in den US-amerikanisch-mexikanischen Grenzstädten El Paso und Ciudad Juárez, die ohne Obdach leben. Da sich das Summer Special dem Ende zuneigt, war gestern abend die letzte Gelegenheit Wood and Water von Jonas Bak zu sehen und auch die letzte Möglichkeit, sich den chinesischen Film Sommerflirren von Han Shuai anzuschauen. Beide Filme spielen in asiatischen Metropolen, einmal in Hongkong, einmal in Wuhan, und haben mit entfremdeten Müttern zu tun. IgorCalzone 19.06.


Berlinale Summer Special – Tag 7 & 8

Herman Tømmeraas spricht in der Titelrolle Ninjababy

Vorgestern war die letzte Gelegenheit beim Summer Special Ninjababy zu sehen. Der norwegische Film von Yngvild Sve Flikke ist teilweise animiert und erzählt von einer jungen Frau namens Rakel, die sich nach einem positiven Schwangerschaftstest nicht nur mit der Frage auseinandersetzen muss, wer der Vater des Kindes ist, sondern auch ihre ganze bisherige Lebensweise überdenkt.

Und Vorgestern war auch die Premiere von Moon, 66 Questions. In diesem Langfilmdebüt von Jacqueline Lentzou kommt eine junge Frau namens Artemis nach einigen Jahren der Abwesenheit nach Athen zurück, weil ihr Vater Paris im Krankenhaus liegt. Der erst 54 Jahre alte Mann hatte vermutlich einen Schlaganfall und verhält sich nun wie ein Kind, wie Herr Iacovos es ausdrückt, der ebenfalls zu Besuch im Krankenhaus ist. Artemis ist Einzelkind und ihre Eltern geschieden. Daher ist sie die Einzige, die sich um Paris kümmern kann. Wieder Zuhause schaut Paris meist den ganzen Tag fern. Er kann sich noch ohne viel Hilfe duschen, und damit das so bleibt, soll Artemis mit ihm regelmäßig Übungen machen. Klingt erstmal langweilig, aber wenn der Film dem Ende zugeht, wird es nochmal richtig interessant. Und wenn man den Schauspieler Lazaros Georgakopoulos sieht, der den Vater spielt, dann könnte man wetten, das dieser wirklich eine Halbseitenlähmung hat. Nur den Filmtitel habe ich nicht wirklich verstanden, aber trotzdem mal im sommerlichen Berlin ein Foto (siehe unten) gemacht.

Auch wenn Moon, 66 Questions nicht wirklich etwas mit dem Mond zu tun hat, geht es nächtlich weiter, und zwar mit einem anderen Film im Summer Special, der mir sehr gut gefallen hat: Night Raiders von Danis Goulet. In diesem Science-Fiction-Thriller, der in einer dystopischen Zukunft in Nordamerika im Jahr 2044 spielt, gelten Kinder als Besitz des Militärregimes. In einer staatlichen Militärakademie werden sie zu Kämpfern ausgebildet. Niska, eine Frau vom Volk der Cree, versucht ihre 11-jährige Tochter Waseese vor einer Unterbringung in der Einrichtung zu bewahren und hat sich mit ihr im Wald versteckt. Sie gehen mit Steinschleudern auf die Jagd. Das Gewehr nutzt Niska nur, um Drohnen abzuschießen, die regelmäßig auf der Suche nach Kindern umherfliegen. Dies ist kein Arthouse-Film, und ein sehr schönes Ende hat er auch. So hat es der Film auch in meine persönlichen Top 5 der Filme im Summer Special geschafft.

Wenigstens die Kaisereiche in Friedenau war nach der Vorstellung von Taming the Garden gestern noch eins mit der Natur

Gestern gab es auch eine Vorstellung des Dokumentarfilms Taming the Garden von Salomé Jashi, was bei dieser Open-Air-Veranstaltung für viele Zuschauer ein besonderes Erlebnis gewesen sein dürfte. Ein reicher Mann hat für den von ihm gegründeten Shekvetili Dendrological Park einige 100 Jahre alten, majestätischen Bäume bestellt. Daher beginnt man überall in Georgien mit den Vorbereitungen. Bagger legen ihr Wurzelwerk frei, die Bäume werden samt ein wenig von der Erde, in der sie gewachsen sind, in ein Holzkorsett verpackt und zum Schwarzen Meer gebracht. Dieses nächtliche Spektakel lassen sich die Anwohner nicht entgehen und laufen dem Schwertransport in Scharen hinterher. Jordan Raup von The Film Stage schreibt hierüber, so ein riesiger Baum wirke bei dem nächtlichen Transport wie ein Tyrannosaurus Rex aus dem Jurassic Park, der aus der Dunkelheit auftaucht, und mir ging es da genauso.

Bin nun irgendwie total im Nachtmodus. Ob Természetes fény – Natural Light, der heute ein letztes Mal auf der Freilichtbühne Weißensee zu sehen ist, mehr Licht ins Dunkel bringt, seht ihr wenn das Licht angeht oder mein Kollege euch die nächsten Tage hiervon berichtet...

Für den Argentinier Ignacio Ceroi war es nicht leicht, zur Vorstellung seines Films What Will Summer Bring nach Berlin zu reisen

Der argentinische Filmemacher Ignacio Ceroi stellte gestern seinen Film What Will Summer Bring vor. Angefangen hat sein Projekt damit, dass er bei einem Besuch in Frankreich eine gebrauchte Kamera erwarb, auf der er Amateuraufnahmen eines französischen Rentners fand. Er kontaktierte diesen und fragt ihn, ob er diese Aufnahmen für einen Film verwenden dürfe. War sicher nicht leicht für den Argentinier, zur Vorstellung seines Films nach Berlin reisen zu dürfen. Aber irgendwie hat er es geschafft. Mehr zum Film (und weil der Artikel erst noch geschrieben werden muss) vom Regisseur auch in diesem Video (BTW @ unsere eigentlichen Fotografen H&M: We miss you! Liebe Grüße aus Berlin).

Und dann war gestern noch die letzte Vorstellung des französischen Films Petite maman von Céline Sciamma mit Nina Meurisse in einer Mutterrolle. Aber auch zu diesem Film sicher mehr die Tage von meinem Kollegen aus dem Berlinale-2021-Projekt... IgorCalzone 17.06.

Berlinale Summer Special – Tag 6

Hygiène sociale wurde komplett im Freien gedreht, auf einer Wiese in Kanada

Heute beginne ich mit Hygiène sociale, der in der Sektion Encounters der diesjährigen Berlinale läuft. Wie beschreibt man denn diesen Film am besten? Fangen wir mal damit an, dass es ihm deutlich anzusehen ist, dass er unter besonderen Hygienebedingungen und mit Abstandsprotokoll während des Corona-Lockdowns gedreht wurde – deutlicher als bei jedem anderen Film der diesjährigen Berlinale – (bei Die Saat wurde mir das erst klar, als ich im Abspann das neue Berufsbild „Hygienebeauftragte“ gelesen habe). Und das, obwohl das Drehbuch von Denis Côté bereits Jahre vor der Pandemie geschrieben wurde. Der Filmtitel ist Programm, und das Ganze hätte auch Social Distance heißen können. Obwohl der Film ausschließlich im Freien spielt, auf einer großen, x-beliebigen Wiese irgendwo in Kanada, kann man ihn als Kammerspiel beschreiben, ein sehr dialoglastiges by the way. Darin ist ein gewisser Antonin zwar verheiratet, doch verpasst er keine Gelegenheit, die Freundlichkeit und Geduld seiner Frau Eglantine auf die Probe zu stellen. Seine Schwester Solveig ist von seinem Verhalten schrecklich enttäuscht. Ich war auch ein wenig enttäuscht von dem Film, da ich Côtés letzte Arbeit eigentlich sehr mochte.

Gestern wurde beim Berlinale Summer Special auch Censor vorgestellt, der im Gegensatz zu Hygiène sociale anfänglich fast nie im Freien, sondern oft in dunklen, engen Kinos und Büroräumen spielt. In dem Film von Prano Bailey-Bond, der bereits Ende Januar 2021 beim Sundance Film Festival seine Premiere feierte, schaut sich die Filmzensorin Enid täglich gemeinsam mit ihrem Kollegen potenziell jugendgefährdende und gewaltverherrlichende Filme an. Enids Schwester Nina ist bereits seit längerer Zeit verschwunden, und ihre Erinnerungen an den Tag im Wald verschwommen, als sie 20 Jahre zuvor ihre kleine Schwester verloren hat. Bei jeder Frau mit roten Haaren, die Enid sieht, stellt sie sich die Frage, ob dies womöglich ihre Schwester sein könnte. Eines Tages muss der Leiter der Behörde ihnen berichten, dass ein Mann seine Morde genau auf die Weise, wie in einem von ihnen scheinbar nicht ausreichend zensierten Film begangen hat. Censor hat mir schon deutlich besser gefallen.

Ach so: Und die European Shooting Stars 2021, die gestern in Berlin ihren Preis überreicht bekommen haben, heißen Nicolas Maury, Alba Baptista, Martijn Lakemeier, Albrecht Schuch, Natasa Stork, Sara Klimoska, Seidi Haarla und Zygimante Elena Jakstaite. IgorCalzone 15.06.

Berlinale Summer Special – Tag 5

Radu Jude bei der Preisverleihung am 13. Juni 2021 auf der Museumsinsel

Gestern war im Schloss Charlottenburg die Premiere von Bad Luck Banging or Loony Porn von Radu Jude. Mehr über den Film sicher die Tage von meinem Projekt-Kollegen, der sich voll und ganz den Wettbewerbsfilmen gewidmet hat. Nur soviel: Der Film dürfte in Deutschland wohl keine FSK-6-Freigabe bekommen, und eine passende Illustration zur Handlung und auch des Filmtiteles spare ich mir an dieser Stelle mal...

Frisch aus der Artikelschmiede: Die Welt wird eine andere sein, ein Film von Anne Zohra Berrached, der gestern in der Sektion Panorama lief – aber auch hier sicher mehr von meinem Kollegen.

Am Abend der Preisverleihung, und die Letzten versuchten noch an Karten zu kommen

Gestern abend wurden auf der Museumsinsel auch die bereits im März 2021 bekanntgewordenen Preise verliehen. Bad Luck Banging or Loony Porn erhielt den Goldenen Bären, Ryūsuke Hamaguchi wurde für Gūzen to sōzō mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, aber auch zu diesem Film sicher mehr von meinem Kollegen.

Gestern wurde beim Berlinale Summer Special zudem French Exit vorgestellt, mit Michelle Pfeiffer in der Rolle einer Witwe und Lucas Hedges als ihr Sohn, die in Begleitung einer Katze nach Paris ziehen. Der Film wurde im letzten Jahr bereits in den USA vorgestellt. Auch der Film Der menschliche Faktor von Ronny Trocker, den man vorgestern und gestern zeigte, wurde bereits bei anderen Filmfestivals vorgestellt.

Die Premiere von Brother’s Keeper fand im Freiluftkino Kreuzberg statt

Um eine Premiere handelte es sich hingegen bei Brother’s Keeper von Ferit Karahan. In dem Film wurde der 12-jährige Yusuf von seinen Eltern in einem Internat in Ostanatolien untergebracht, wo er die 5. Klasse besucht. Er teilt sich ein Zimmer mit drei anderen Jungen in seinem Alter. Besonders mit Memo versteht er sich gut, für den Yusuf so etwas wie ein großer Bruder ist. Eines Morgens steht Memo nach dem Wecken nicht auf, als er eigentlich zum Unterricht müsste, weshalb Yusuf ihn auf die Krankenstation bringen soll. So schleppt er seinen völlig geschwächten Freund an diesem kalten Wintertag durch den Schnee dorthin, steht jedoch vor verschlossener Tür. Im weiteren Verlauf des Films wird nicht nur das Versagen des gesamten Erziehungsapparats deutlich.

Ich bin dein Mensch wurde unter anderem im Berliner Pergamonmuseum auf der Museumsinsel gedreht und hier im Rahmen des Berlinale Summer Special auch vorgestellt

Gestern ganz vergessen – bin ja auch nur ein Mensch – habe ich den schönen deutschen Film Ich bin dein Mensch von Maria Schrader mit Maren Eggert und Dan Stevens in den Hauptrollen. Im Film erklärt sich die Wissenschaftlerin Alma zur Teilnahme an einer außergewöhnlichen Studie bereit und soll drei Wochen lang mit dem humanoiden Roboter Tom zusammenleben. Er wurde ganz auf ihre Bedürfnisse programmiert, hat einen leichten britischen Akzent und lächelt stets charmant. Auch kann er auf Kommando aus Rilkes Herbsttag zitieren oder den vorletzten Buchstaben des Gedichts nennen, aber auch den Sinn des Lebens erklären und Rumba tanzen. Er soll für Alma den perfekten Lebenspartner verkörpern. Die Dreharbeiten fanden unter anderem im Berliner Pergamonmuseum statt, hier unter anderem im Austellungsraum des Markttors von Milet. Maren Eggert wurde für ihre Rolle mit dem Silbernen Bären für die beste darstellerische Leistung ausgezeichnet. Nicht nur wegen ihr mein zweit- oder drittliebster Film der diesjährigen Berlinale. Und weil er am 1. Juli 2021 eh in die Kinos kommt, soll hier nicht zu viel verraten werden. IgorCalzone 14.06.

Berlinale Summer Special – Tag 4

Der heimliche Star in Taste ist eine kleine Sau

Taste von Lê Bảo, der gestern seine Premiere feierte, ist so ein Film, da kann man irgendwie nicht wegschauen. Trotz eindrucksvoller Bilder war das dann insgesamt aber doch ein wenig zu wenig Handlung für mich. Alles in verlangsamter Echtzeit und äußerst vorhersehbar: Ich wusste zum Beispiel, dass der Protagonist auch noch den fünften, also den kleinen, Zeh der Frau massiert, nachdem er bereits die anderen vier ausgiebig durchgeknetet hatte. Man stellt sich beim Anschauen des Films viele Fragen: Warum tragen die den Schwertfisch durchs Treppenhaus? Warum tun die alles nackt? Und warum wortlos? Für mich ein wenig zu artifiziell, aber fast lustig, dieses ewige nackte aber völlig wortlose Kochen und Essen. Die „kleine Sau“ ist vielleicht der heimliche Star des Films, auf jeden Fall gibt die am meisten von sich. Und Achtung Spoiler: Auch wenn die oft gewogen wird, ist es nicht sie, die ihr Leben verliert; der Schwertfisch verliert allerdings den Kopf …

Ebenfalls gestern gab es eine erste Vorstellung von In Bewegung bleiben, einem Dokumentarfilm von Salar Ghazi. Der nutzte für den Film seine persönliche Bekanntschaft mit einigen Tänzern, die in der DDR zu einer privilegierten Minderheit gehörten. Sie durften im Rahmen ihrer Arbeit in das nichtsozialistische Ausland reisen, auch in westliche Länder wie Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland, aber auch nach Australien und die USA. Einige dieser Tänzer erzählen in dem Dokumentarfilm von ihrem Leben und lassen die Ereignisse Revue passieren. Und dann war gestern noch die zweite und letzte Gelegenheit, den Kurzfilm Nanu Tudor zu sehen. IgorCalzone 13.06.

Berlinale Summer Special – Tag 3

In Daniel Brühls Regiedebüt Nebenan, der neben Peter Kurth auch in einer der beiden Hauptrollen zu sehen ist, spielt dieser einen deutsch-spanischen Schauspieler, der sowohl beruflich als auch privat auf der Sonnenseite des Lebens steht. Als er für die Rolle in einem neuen Superheldenfilm gehandelt wird und kurz vor der Reise zum Casting in einer Eckkneipe einkehrt, trifft er auf einen älteren Nachbarn aus Ost-Berlin, der sich als Verlierer der Wiedervereinigung und Opfer der Gentrifizierung sieht und sich an dem Schauspieler rächen will. Die Premiere war gestern, und der Film konkurriert bei der Berlinale um den Goldenen Bären.

In Memory Box, einem Film des Regie-Duos Joana Hadjithomas und Khalil Joreige, der ebenfalls im Wettbewerb der Filmfestspiele läuft, erhält eine in Montreal lebende Familie an Weihnachten überraschend ein Paket aus dem Libanon. Es enthält Tagebücher, Audiokassetten und Fotos, mit denen die Mutter in den 1980er-Jahren während des Libanesischen Bürgerkriegs ihren Alltag in Beirut für ihre Jugendfreundin Liza dokumentierte.

Aurélien Gabrielli janvier 2016.jpg

Aurélien Gabrielli spielt in The World After Us den jungen Schriftsteller Labidi

In dem französischen Film The World After Us von Louda Ben Salah-Cazanas teilt sich der junge Schriftsteller Labidi El Morchedi (gespielt von Aurélien Gabrielli) eine sehr kleine Wohnung in Paris mit einem nicht sehr kleinen Freund. Er arbeitet nach dem kleinen Erfolg mit einer seiner Kurzgeschichten an seinem ersten Roman und hält sich mit kleinen Nebenjobs über Wasser. Die Premiere war gestern im Freiluftkino Kreuzberg, und es wurde viel gelacht, während im Park rechts italienische Fußballfans jubelten und türkische doch besser die Premiere des Films besucht hätten. Der Film läuft beim Berlinale Summer Special in der Sektion Encounters, wo er eine lobende Erwähnung erhielt.

Die Dreharbeiten für den Experimentalfilm Rock Bottom Riser führten Fern Silva auf den heiligsten und höchsten Berg Hawaiis, den Mauna Kea, wo man dabei ist, das größte Teleskop der Welt zu bauen. Nebenbei sieht man im Film viele Lavaströme, Aufnahmen, die auch als Bildschirmschoner geeignet wären. Und dann wurde gestern beim Summer Special noch die fünfteilige britische LGBT-Miniserie It’s a Sin vorgestellt. IgorCalzone 12.06.

Berlinale Summer Special – Tag 2

Gestern waren die Premieren von Inteurodeoksyeon und Fabian oder Der Gang vor die Hunde, beides Filme, die im Wettbewerb der Berlinale laufen.

Fabian und Inteurodeoksyeon wurden beide in Berlin gedreht und feierten beide hier Premiere

Nach der am Eröffnungstag vorgestellten Serie mit Tom Schilling (in der er Ich spielte) ist der Schauspieler auch bei letzterem Film in der Titelrolle zu sehen und spielt den Anfang der 1930er-Jahre in den letzten Jahren der Weimarer Republik lebenden Germanisten und angehenden Schriftsteller Dr. Jakob Fabian. Nachts zieht dieser mit seinem besten Freund Stephan Labude, der aus einer wohlhabenden Familie stammt, durch Berlin. Die beiden jungen Männer kennen sich noch aus Studienzeiten. Als Fabian aufgrund der Weltwirtschaftskrise seine Anstellung als Werbetexter für einen Zigarettenhersteller verliert und das Geld zum Leben immer knapper wird, ist es auch an ihm, sich anzupassen. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzend beginnt seine Reise am U-Bahn Heidelberger Platz, wo ihn die Kamera durch den Bahnhof die Treppe hinauf ins Tageslicht geleitet. Wer eher Lust auf einen Tag am Meer oder ein Glas Soju hat, dem kann man Inteurodeoksyeon ans Herz legen. Wie auch Fabian wurde dieser südkoreanische Film teilweise in Berlin gedreht.

Ebenfalls gestern vorgestellt wurde Albatros von Xavier Beauvois. In dem Film lebt der Brigadekommandeur der Gendarmerie Laurent Sandrail (gespielt von Jérémie Renier) mit Freundin und Tochter in der Dienstwohnung direkt neben der Wache von Étretat, eine kleine Stadt in der Normandie. Als er im Dienst einen Schuss abgibt, um einen vom EU-Regulierungswahn gebeutelten Landwirt vom Selbstmord abzuhalten, stirbt dieser vor seinen Augen. Alles nimmt seinen vorgeschriebenen, bürokratischen Weg. Laurent packt seine Einkäufe an Bord eines kleinen Bootes und fährt einfach los, um den Kopf wieder freizubekommen und wieder zu sich selbst zu finden. Albatros läuft ebenfalls im Wettbewerb, ist aber ein Film, der keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat.

In Azor von Andreas Fontana, meinem absoluten Lieblingsfilm der diesjährigen Berlinale, befindet man sich ebenfalls auf der Suche. Darin ist der Schweizer Bankier Yvan De Wiel (toll gespielt von Fabrizio Rongione) mit seiner Frau Inés aus Genf nach Buenos Aires gekommen um herauszufinden, was mit seinem Partner René Keys passiert ist, von dem er seit einem Monat nichts gehört hat.

Für Just A Movement besuchten die Macher die Île de Gorée

Auch gestern beim Summer Special vorgestellt wurden Ancient Soul von Alvaro Gurrea und Just A Movement ‎des Belgiers Vincent Meessen. Bei letzterem handelt es sich um einen sehr interessanten Film, in dem man einiges über den senegalesischen Intellektuellen und politischen Aktivisten Omar Blondin Diop erfährt, so dass dieser auch Jean-Luc Godard kennenlernte, der ihm anbot, neben Jean-Pierre Léaud und Anne Wiazemsky in seinem Film Die Chinesin mitzuwirken. In der Rolle spielte Diop quasi sich selbst, da er als senegalesischer Marxist in Nanterre über Marxismus referiert.

Ancient Soul führt den Zuschauer zum Ijen und seinem Vulkansee

In dem Spielfilm Ancient Soul geht es um Yono, auch Mbah Jhiwo genannt, was „alte Seele“ bedeutet. Er ist einer der Bergleute, der täglich am Krater von Ijen, einem Vulkankomplex in der östlichsten Provinz der indonesischen Insel Java, arbeitet und große Schwefelbrocken herumschleppt. Als seine Frau Oliv ihn und die Familie eines Morgens unerwartet verlässt, ändern sich für Yono die täglichen Routinen gravierend.

Was Kurzes zum Schluss: Gestern war die letzte Gelegenheit beim Summer Special, die Schweizer Doku Deine Strasse von Güzin Kar zu sehen. Gezeigt wurde er im Freiluftkino des Filmrauschpalastes. Der Film dokumentiert die Trostlosigkeit einer nach Saime benannten Straße, des Saime-Genç-Rings, inmitten eines Bonner Gewerbegebiets. Mit Deine Strasse wollte die Filmemacherin die Erinnerungskultur hinterfragen und wurde hierfür mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet. IgorCalzone 11.06.

Berlinale Summer Special – Tag 1

Tom Schilling spielt Tristan

Tristan (gespielt von Tom Schilling) lebt mit seiner schwangeren Freundin Julia zusammen. An einem Tag gehen außergewöhnlich viele und auch äußerst sonderbare Nachrichten auf seinem Smartphone ein. Als er zur Arbeit will und das Haus verlässt, wird er von einem Taxifahrer angesprochen, der will, dass er einsteigt. Tristan hat jedoch kein Taxi bestellt und will erst gar nicht zu dem Fremden mit dem seltsamen Akzent ins Auto steigen. Weil ihm die Blicke der Menschen auf den Wecker gehen, die ihn alle völlig unverfroren anstarren und über ihn tuscheln, steigt er jedoch ein, und der Taxifahrer setzt ihn direkt vor dem Büro ab. Das Unternehmen, für das Tristan arbeitet, heißt 42. Durch seinen Arbeitskollegen und Freund Hubert erfährt Tristan, dass nun alle Menschen alles über ihn wissen und sogar seine intimsten Wünsche und Phantasien kennen. Tristan kann sich jedoch nicht erinnern, wie und warum es hierzu gekommen ist.

Das ist die Handlung von Ich und die Anderen. In jeder einzelnen Folge erwacht Tristan, nachdem er einen Wunsch geäußert hat, und erlebt nun dessen Auswirkungen auf sich selbst und seine Mitmenschen. Überspannt sind diese Entwicklungen von dem Motiv „Protect me from what I want“. Die Serie, die gestern das Berlinale Summer Special für das Publikum eröffnete, ist echt genital..ähh…genial, mit Bildern, die man so schnell nicht vergisst …

Gestern feierte im Sommerkino Kulturforum auch der Schweizer Film Das Mädchen und die Spinne von Ramon und Silvan Zürcher seine Premiere. Der Film wird im Wettbewerb Encounters präsentiert und wurde bereits im März 2021 mit dem Preis für die Beste Regie und dem FIPRESCI-Preis der Filmkritik ausgezeichnet.

Und weil es gerade langsam dunkel wird (Sonnenuntergang ist hier in Berlin heute um 21:28) ein kleiner Tipp, falls sich gleich jemand auf den Weg zum Freiluftkino Friedrichshagen oder in den Volkspark Hasenheide macht, zum Beispiel zur Premiere von Die Saat: „Begeben Sie sich direkt zum Freiluftkino, ziehen Sie nicht über Los oder die Partywiese mit den verstrahlten Gestalten und vor allem führen Sie keine 4.000 Mark mit sich!" – Euro genauso wenig; besser eine Taschenlampe für den Rückweg … IgorCalzone 10.06.

Berlinale Summer Special beginnt heute

Heute beginnt das Berlinale Summer Special

Zu den Filmen der diesjährigen Filmfestspiele Berlin sind im Rahmen eines Wikimedia-geförderten Projekts zahlreiche Artikel entstanden. Die Filmfestspiele gestalten sich 2021 Coronaviruspandemie-bedingt völlig anders als üblich und beginnen heute als ein Berlinale Summer Special. Dieses findet in 16 Freiluftkinos, verteilt über ganz Berlin, statt. Auf der Museumsinsel und vor dem Schloss Charlottenburg wurde hierfür eigens erst gerade die Bestuhlung eingerichtet. Das Open Air-Konzept in diesem Jahr erforderte von den Beteiligten Kreativität, Ausdauer und Flexibilität – und von den Cineasten diesmal kein (An-)Stehvermögen, sondern starke Nerven und schnelle Finger. Aber bei einer 7-Tage-Inzidenz von 24 und gefühlten 29 °C in Berlin heute am Eröffnungstag und einer ähnlichen Wetterlage in den nächsten zwei Wochen kann eigentlich gar nichts mehr schief laufen. Auf der Museumsinsel wird den geladenen Gästen heute abend nach der Eröffnung Der Mauretanier gezeigt. Normalsterbliche dürfen zum Auftakt des Publikumsteils mit der Fernsehserie Ich und die Anderen starten (morgen mehr hierzu), und am Kulturforum kann man sich Das Mädchen und die Spinne anschauen.

Das Berlinale Summer Special wurde am 9. Juni auf der Museumsinsel eröffnet

Ich habe vor, bis zum 20. Juni an dieser Stelle täglich von den Filmen zu erzählen, die bereits im März 2021 beim European Film Market vorgestellt wurden, und nebenbei von der Stimmung während des Berlinale Summer Special zu berichten: Von Berlin, vom Sommer und dieser wirklich sehr speziellen Berlinale …

Nachtrag: Die Spiele sind eröffnet! Auf der Museumsinsel zeigen sie gerade Der Mauretanier, und kurz nach 23 Uhr feierte am Sommerkino Kulturforum Das Mädchen und die Spinne von Roman und Silvan Zürcher seine Premiere. IgorCalzone 09.06.

WMF – Aufruf zur Kandidatur für das Board

Zeitplan der Boardwahlen

Anlässlich der Suche nach Wahlhelfern für die deutschsprachige Community hat sich vor kurzem eine sehr gehaltvolle und gründliche Diskussion um die Frage eines/einer Kandidierenden aus der deutschsprachigen Community ergeben. Für diejenigen, die vielleicht darüber nachgedacht haben, ob sie kandidieren möchten oder die jemanden im Sinn haben, den sie ansprechen möchten, hier nun der Aufruf des Boards zur Kandidatur.

Es sei darauf hingewiesen, dass mindestens drei der vier Sitze durch neue Personen besetzt werden, denn weder Maria Sefidari noch James Heilman stehen für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.

Liebe alle,

die diesjährigen Wahlen zum Board stehen bevor. Für die Besetzung der vier freien Sitze werden Kandidierende aus der Community gesucht.

Das Board of Trustees der Wikimedia Foundation überwacht die Aktivitäten der Wikimedia Foundation. Boardmitglieder aus der Community und ernannte Boardmitglieder bilden gemeinsam das Board of Trustees. Jedes Boardmitglied hat eine dreijährige Amtszeit. Die Wikimedia-Community hat die Möglichkeit, Community-Mitglieder in das Board zu wählen.

Mitwirkende aus Wikimediaprojekten werden im Jahr 2021 über die Besetzung von vier Sitzen im Board abstimmen. Dies ist eine Gelegenheit, die Repräsentation, Vielfalt und die Expertise des Boards als Team zu verbessern.

Eigenschaften

Wikimedia ist eine globale Bewegung und sucht Kandidierende aus der breiteren Community. Kandidierende sollten darüber nachdenken, welche Erfahrungen und Perspektiven sie in das Board einbringen werden. Ideale Kandidierende stehen im Einklang mit der Wikimedia-Mission und sind nachdenklich, respektvoll und Community-orientiert. Das Board möchte Perspektiven und Stimmen finden, die unterrepräsentiert und essentiell für unsere Bewegung sind. Sie sollten das mitbringen, was Wikimedia von einem neuen Boardmitglied braucht.

Engagement

Die Amtszeit eines Trustees beträgt drei Jahre und kann zweimal aufeinanderfolgend verlängert werden. Der zeitliche Aufwand beträgt etwa 150 Stunden pro Jahr, ohne Reisen. Diese Zeit ist nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt, sondern konzentriert sich auf die Zeiträume um die Sitzungen. Es wird erwartet, dass die Trustees in mindestens einem der Komitees des Boards mitwirken.

Anforderungen

Englisch ist die Geschäftssprache des Boards. Kandidierende benötigen ein Grundverständnis der englischen Sprache, aber Unterstützung und Training sind Teil des Onboardings. Die Bewerbungen der Kandidierenden werden in mehrere Sprachen übersetzt werden, um ein breites Publikum an Wählenden zu erreichen.

Bewirb dich!

Kandidierende aus allen Projekten und Communities, die die Anforderungen eines Wikimedia Trustee erfüllen, sind willkommen. Wenn Du jemanden kennst, der ein gutes Boardmitglied sein könnte, ermutige ihn, sich zur Wahl zu stellen. Weitere Informationen und Gelegenheit zur Einreichung der Kandidatur finden sich auf der Seite Bewirb dich als Kandidat/in.

Danke für Eure Unterstützung,

das Wikimedia Foundation Board of Trustees

DB_(WMF), 9.6.

Einladung zum Gespräch mit der WMF-Rechtsabteilung

Liebe alle,

das Legal Department der Wikimedia Foundation möchte sich mit Mitgliedern aus insbesondere der deutschen und französischen Community in Gesprächsrunden beraten.

Der konkrete Anlass:

Von Anfang an hat die Wikimedia Foundation sich an den US-Gesetzen orientiert, um Projektinhalte vor juristischer Anfechtung zu schützen. Nur selten musste sie sich ausländischen Gerichtsentscheidungen beugen. Seit etwa 2015 jedoch haben vor allem in Deutschland und in Frankreich vermehrt Gerichte gegen US-Unternehmen geurteilt. Die veränderte Prämisse ist, dass auch Unternehmen ohne Büros oder Mitarbeiter in einem Land deren Rechtsprechung unterliegen.

Es werden daher zunehmend Fälle erwartet, in denen die Stiftung schließlich Projektinhalte aufgrund von Gesetzen außerhalb der USA ändern muss. Daher muss die Foundation ihre Richtlinien überprüfen und aktualisieren, um einen neuen Prozess für solche Fälle zu etablieren. Wir möchten Euch als eine der besonders betroffenen Communities konsultieren und mögliche Lösungen mit Euch besprechen.

Die Gesprächsrunde findet am Samstag, den 12. Juni von 19:00 Uhr an per Google Meet statt und ist auf 45 Minuten angesetzt. Der Link ist https://meet.google.com/xnm-kgqn-fkn. Die Veranstaltung ist zweisprachig englisch und deutsch, untertitelt, deutschsprachige Übersetzer sind anwesend.

Neben hoffentlich vielen von Euch werden dabei sein:

Gesondert eingeladen wurden die Mitglieder des Schiedsgerichts sowie Vertreter der deutschsprachigen Chapter. Eine weitere ähnliche Runde wird mit der französischsprachigen Community stattfinden.

Über Eure Anwesenheit würde ich mich freuen! DB_(WMF), 7.6.

Oh Wikipedia, oh Göttliche!

Munt 2 euro Asterix 60 jaar.jpg

Comicfans begeistern sich gerade an der Ankündigung, dass es ab Oktober einen neuen Asterix-Band geben wird. Der Titel „Asterix und der Greif“ führte sofort zu wüsten Online-Spekulationen, dass sich der neue Band von den „Harry-Potter-Romanen“ inspirieren (bzw. klauen) könnte. Viel ist vom Inhalt nicht bekannt, nur dass die Gallier auf „eine lange und geheimnisvolle Reise und auf die Suche nach einer rätselhaften und furchteinflößenden Kreatur“ gehen. Ein Freund von Miraculix ruft den Druiden im Traum um Hilfe. Kreatur und Traum reichten Andreas Platthaus schon, in der F.A.Z. von „Asterix dem Plagiator“ zu sprechen. Ob es nun wirklich weitere Parallelen zu „Tim in Tibet“ oder Zauberlehrlingen geben wird, kann aber niemand außerhalb der Asterix-Verantwortlichen sagen.

Vom Texter Jean-Yves Ferri gab es noch eine Erklärung, warum er sich unter den mythologischen Wesen den Greif als Titelfigur ausgesucht hat. Zur weiteren Geschichte wollte er sich nicht äußern. „Ich werde Euch nicht alles verraten, ich bin ja nicht die Göttin Wikipedia,“ wird er zitiert. Na dann… MOMENT! „Göttin Wikipedia“? Wie ist denn das zu verstehen? Eine Verbeugung des Literaten vor dem Online-Lexikon, das andere liebevoll die Allwissende Müllhalde nennen? Einfach der berühmte französische Charme, gepaart mit blumiger Sprache? La déesse Wikipédia! Oder vielleicht doch ein weiterer Hinweis auf den Inhalt des neuen Asterix? Die Comicserie ist ja dafür bekannt, aus der modernen Welt Dinge zu adaptieren. So stand im letzten Band Klimaschützerin Greta Thunberg wohl Patin für Adrenaline, die Tochter des Vercingetorix. Wird uns also eine Göttin Personifikation der Wikipedia begegnen? Vielleicht als Variante der Patrona Bavariae oder der Pallas Athene? Und was wird aus uns Wikipedianern? Tempeldiener und Priester? Die Administratoren als Hohepriester und Jimmy Wales als Prophet? Vor dem Tempel Tausende von Schülern und anderen Gläubigen, die nach der Wahrheit begehren und zum Götzendienst strömen, in der Hoffnung, Weisheit zu gewinnen? Vielleicht sind wir Zeuge der Entstehung einer neuen Religion… Oder auch nicht. JPF, 31.05.

Nachlese: 21 x 21 – Der Giga-Corona-Artikelmarathon

Kent Coastal Marathon and Half Marathon 2015 FNK 2320 (21196595336).jpg

Es ist das erste Wochenende im Jahr 2021 ohne Artikelmarathon, seit Anfang Januar der Corona-Wettbewerb ausgerufen wurde. 21 Mal in 21 Wochen kamen zuvor Wikipedianer zusammen, um jeweils 3 Tage am Stück neue Artikel zur Wikipedia beizutragen. Der unerfreuliche Anlass trug dazu bei, dem zuletzt etwas ins Stocken geratenen Wettbewerb zu einem grandiosen 25. Jubiläum zu verhelfen. Und enzyklopädiebegeisterten Autoren eine Ablenkung im Pandemie-Lockdown zu verschaffen.

Obwohl ich in der Wikipedia schon viel Großartiges erlebt habe, waren die 21 Wochen ein absolutes Highlight in meiner Zeit hier. 31 Autoren haben sich beteiligt und es am Ende auf 2978 neue Artikel für die Wikipedia gebracht. Ohne nachzulassen wurden in jedem 3-Tages-Zeitraum mindestens 100 Artikel für den Marathon geschrieben. 9 Teilnehmer haben alle 21 Etappen durchgehalten, der ausdauerndste unter ihnen war Pechristener, der nur einmal unter 10 Artikeln blieb. Mit insgesamt 370 angelegten Artikeln war er die Nummer 2 hinter dem überragenden J. Patrick Fischer, der mit 516 neuen Artikeln alleine ein Sechstel des Gesamtergebnisses beitrug. Bei 11 der 21 Etappen stand er am Ende auf dem Treppchen ganz oben. Für das breite Engagement spricht, dass die übrigen 10 Etappen 9 verschiedene Gewinner hatten. Auch ohne Etappengold mit beständig hohen Beiträgen und insgesamt 278 angelegten Artikeln erreichte Geher Platz 3 in der Gesamtstatistik. Fabrice Dux, zuletzt Seriensieger des Wikipedia-Marathons, legte die größte Sprintleistung hin und schaffte in Etappe 13 in 3 Tagen 61 neue Artikel. Ein herzliches Dankeschön von mir an alle, die mitgemacht haben!

Natürlich lässt das schnelle Anlegen von Artikeln kaum Zeit, sich intensiv mit den einzelnen Themen zu befassen, aber es gibt eben auch die vielen gleichförmigen Themenkomplexe, die in der Wikipedia noch nicht erfasst sind. Und auch wenn der Artikelmarathon nicht für das Hervorbringen von Qualitätsauszeichnungen bekannt ist, so hat er doch seine Berechtigung als Lückenfüller im umfassenden Wissensbestand der Wikipedia und annähernd 3000 gefüllte Lücken sprechen für den Erfolg dieses Wettbewerbs. Der Artikelmarathon ist in sein 15. Jahr gegangen – Ende 2007 fand er erstmals statt – und 17.303 Artikel wurden in dieser Zeit in die Ergebnislisten eingetragen. So spricht Einiges dafür, den Wettbewerb über diese 25 Ausgaben hinaus fortzusetzen, auch wenn es hoffentlich nie wieder einen solchen Ansporn dafür brauchen wird. Alles Gute und vielleicht auf ein Wiedersehen beim Artikelmarathon! HvW 30.05.

State of the Union: durchwachsen

Das ist nicht etwa die Zustandsbeschreibung der CDU, sondern es geht im folgenden um die jährliche Bestandsaufnahme des größten Länder-WikiProjektes außerhalb des DACH-Raumes, nicht unähnlich dem Vorbild aus der Welt da draußen, in denen amerikanische Präsidenten-Imitatoren und gerade mal wieder reale Präsidenten über den Zustand des Landes sprechen. Also wurde von mir mal wieder der Toolserver gequält mit meist sinnvollen, aber auch abstrusen Abfragen, um ein aussagekräftiges Bild des Geschehens um das WikiProjekt Vereinigte Staaten und seine drei Unterprojekte Wikipedia:WikiProjekt Nationalparks in den USA, Wikipedia:WikiProjekt Straßen der Vereinigten Staaten und Wikipedia:WikiProjekt National Register of Historic Places zu gewinnen.

Anteil … an den Biographien
aller 745.195 100 %
US-Amerikaner 103.961 14,0 %
Deutsche 277.455 37,2 %
Österreicher 35.323 4,7 %
Schweizer 25.242 3,4 %

Insgesamt fielen um die Mittagszeit des 2. April 2021 unter das WikiProjekt Vereinigte Staaten 227.443 Artikel, etwa neun Prozent der zu dem Zeitpunkt 2.557.755 Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia. 103.961 davon, also 45,7 % davon sind Biographien. Insgesamt in der deutschsprachigen Wikipedia existierten zu dem Zeitpunkt 812.207 Biographien, bei einem Anteil von 31,7 % aller Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia. Der Anteil der 131.341 Politikerartikel an den Biographien insgesamt war 16,2 %. Der Anteil der 19.116 US-Politikerartikel an allen US-Amerikanern war mit % geringfügig höher. Mit 22.935 Sportlerartikeln ist deren Anteil an den 103.961 US-Biographien (22,1 %) etwas niedriger als der Anteil der 180.751 Sportlerbiographien an allen Biographien (22,3 %).

(Hinweis: Die Gesamtzahl der Biographien wurde zur Vereinfachung annähernd bestimmt durch die Zählung der Kategorien Mann und Frau, ohne Berücksichtigung der Personen mit in diversen Geschlechtskategorien. Diese stimmt nicht überein mit der Gesamtzahl von 745.195 Personen in der Systematik Person nach Staatsangehörigkeit – diese ist Grundlage der einzelnen Länder-Auswertungen. Den Unterschied erzeugen vor allem Personen aus der Antike, dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit.)

Anteil Sportler an …
allen 745.195 180.751 24,3 %
US-Amerikanern 103.961 22.935 22,1 %
Deutschen 277.455 44.824 16,2 %
Österreichern 35.323 9.202 26,1 %
Schweizern 25.242 7.727 30,6 %

Auffällig ist der verhältnismäßig niedrige Anteil der Sportler unter den deutschen Biographien – trotz der mutmaßlichen Wichtigkeit des Fußballs in der DE-Wikipedia. Deswegen sei an dieser Stelle ein vergleichender Blick auf die populärsten Sportarten in den USA und DACH wiedergegeben (aus Gründen der Übersichtlicheit in A und CH in der deutschen Reihenfolge, vermutlich zulasten der Skirennläufer).

Sportart USA Sportart D A CH
1. Eishockeyspieler 6186 1. Fußballspieler 18422 4177 2376
2. American-Football-Spieler 2412 2. Eishockeyspieler 3099 1002 1653
3. Fußballspieler 2232 3. Handballspieler 2675 339 220
4. Basketballspieler 2095 4. Basketballspieler 2270 236 92
5. Baseballspieler 571 5. Volleyballspieler 1723 108 85
(1.–5.) 13496 (58,8 %) (1.–5.) 28189 (62,9 %) 5862 (63,4 %) 4426 (57,3 %)

(Tabellenlayout vor vielen Jahren von WIKImaniac auf WP:FZW geklaut)

Diese Zahlen enthalten aufgrund der Konstruktion des zugrundeliegenden Kategorienastes auch in den jeweiligen Fußballligen tätige Spieler und Spielerinnen aus dem Ausland. Auffällig ist, daß in keiner der fünf artikelreichsten Sportarten für die Vereinigten Staaten mehr Artikel vorhanden sind, als für Deutschland. Absolut existieren jedoch mehr Artikel für amerikanische Eishockeyspieler als für deutsche Eishockeyspieler. Ich habe für die Fußballspieler auch betrachtet, wie hoch der Frauenanteil ist: Es stehen hier 641 Artikel zu Frauen im US-Fußball, also rund ein Viertel der vorhandenen Artikel. Der Anteil der Artikel zu Fußballerinnen (1390 Artikel) in Deutschland beträgt 7,5 %. Die Gründe dafür bleiben an dieser Stelle ununtersucht, dürften aber darin zu suchen sein, daß Fußball in den Vereinigten Staaten eine relativ junge Breitensportart ist, sodaß im Gegensatz zu Deutschland hier keine langjährige Geschichte ohne Frauenfußball die Gesamtzahl der Spieler- und Spielerinnnenartikel noch stärker dominiert wie das aufgrund der Zahl der Profiligen sowieso der Fall ist.

DIe verhältnismäßig hohen Artikelzahlen für nordamerikanische American-Football-Spieler sollten nicht über die massiven Lücken hinwegtäuschen, die es hier dennoch gibt. Alleine die vier Superbowl-Navileisten im Artikel Tom Brady enthalten 182 Rotlinks. Das wäre etwa so, als ob die Kaderlisten der europäischen Fußball-Champions-League-Gewinner nur rote Links enthielten.

Bei den Rotlinks sieht es jeweils so aus:

Sportart USA Sportart D A CH
1. Eishockeyspieler 4885 1. Fußballspieler 11040 5273 4385
2. American-Football-Spieler 4686 2. Eishockeyspieler 2253 1002 1653
3. Fußballspieler 5826 3. Handballspieler 1755 412 297
4. Basketballspieler 2226 4. Basketballspieler 1395 145 129
5. Baseballspieler 2416 5. Volleyballspieler 1723 227 222
(1.–5.) 13496 (58,8 %) (1.–5.) 28186 7059 6686

(Tabellenlayout vor vielen Jahren von WIKImaniac auf WP:FZW geklaut)

Diese Zahlen drücken nicht etwa aus, daß ein Länderportal seinen Laden besser in Ordnung hätte, als ein anderes, sondern man muß in den Rotlinkzahlen ein Maß der Themendurchdringung sehen. Dazu später mehr. Die niedrigen dreistelligen Werte bei Österreich und der Schweiz deuten darau hin, daß es in diesen Themenbereich weniger zu tun gibt, mutmaßlich dadurch, daß in der Schweiz und Österreich kleinere Ligen vorhanden sind, die leichter aktuell gehalten und vervollständigt werden können.

Anteil Politiker an …
allen 745.195 131.343 16,2 %
US-Amerikanern 103.961 19.116 18,4 %
Deutschen 277.455 52.406 18,9 %
Österreichern 35.323 8.036 22,8 %
Schweizern 25.242 4.690 18,6 %

Die amerikanischen Politiker sind dabei traditionell eine Stärke der deutschsprachigen Wikipedia, da die Sammelgebiete Senatoren und Kongressleute auf Bundesebene seit Jahren "vollständig" sind. Das Datum, an dem alle zwei Jahre zum letzten der im Vor-November neugewählten Manatsträger und Mandatsträgerinnen ein Artikel entsteht, Das wäre eigentlich ein guter Indikator für die Aktivität in dieser aus den Wikiprojekten Wikipedia:WikiProjekt Politik und Vereinigte Staaten gebildeten Ecke der Wikipedia. Nach den Kongresswahlen 2016 war William Timmons als letzter Kongressmann am 24. Februar 2017 beartikelt, und nach den Zwischenwahlen 2018 dauerte es für die letzte Kongressfrau Mary Gay Scanlon bis zum 4. April 2020. Am 2. April 2021 waren noch elf Repräsentanten ohne Artikel. Ein beeinflussender Faktor ist allerdings die Gesamtzahl der neuen Mitglieder, vereinfacht wird hierbei die Zahl der Neuanlagen vom Wahltag bis heute zuzüglich der bisher noch nicht angelegten Artikel angenommen. Das sind 36 plus 11, also 47. Während des 115. Kongress waren es 57 Artikel, im 116. Kongress 83 Artikel. Benutzer:Pfieffer Latsch haben wir die Anlage der Abgeordnetenlisten zu verdanken.

In der Rotlinkliste der US-Politikerartikel ist der Anstieg fehlender Artikel (hierzu weiter unten mehr) moderat, von 4413 im Jahr 2019 über 4495 im Jahr 2020 auf nun 4649. Die größte Gruppe fehlender Artikel sind die Sammelartikel zu den Gouveneurswahlen vor allem im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und es scheint, als gebe es derzeit keinen Aktiven, der sich dieser zeitaufwendigen Artikelserie widmet. Anzumerken wäre, daß diese Liste immer noch über die Kategorie:NASA mit Weltraumartikeln wie etwa ISS-Expedition 66 oder Sojus MS-19 verwässert wird. Im Gegensatz zu den Welterbeartikeln, die durch Veränderung im Kategorienbaum 2017/18 herausgefallen sind, ist durch noch immer abweichende Strukturen bei den Raumfahrtkategorien und gewisse, äh, Beratungsresistenz noch keine vollständige Abhilfe in Sicht. Immerhin ist die Zahl der fraglichen Artikel gering. Die Zahl der vorhandenen Politikerartiel stieg seit dem letzten Jahr von 25.574 auf 26.223, also um 649 Artikel, im Vergleich zum Anstieg um 387 im Jahr davor.

Ein anderer Indikator ist die Liste aktiver Generale und Admirale der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. 34 Rotlinks hat dieser Artikel, von 41 insgesamt – abermals eine Verschlechterung. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, daß einige Rotlinks vorherige Rotlinks ersetzt haben, also die Lücke bei den amerikanischen Generälen und Admirälen größer wird.

Nach den Personenartikeln ein genauerer Blick auf die Ortsartikel. Im Verlauf des letzten Jahres stieg die Zahl der US-Ortsartikel von 10.450 auf 11.264, und demzufolge die Zahl der "fehlenden" Artikel von 7717 auf 8698. Dies sind die Rotlinks in allen US-Ortsartikeln, die in mehr als drei Artikeln gesetzt sind. Da neue Artikel meist einige Rotlinks enthalten, steigt mit jedem neuem Artikel die Zahl der Rotlinks und damit die Größe der virtuellem Lücke. Tatsächlich schließt sich die Lücke langfristig durchaus, und die Zahl der Rotlinks ist mehr eine Größenbeschreibung des sichtbaren bereichs, ähnlich des Aufdeckens eines Feldes bei Minesweeper. Sie ist somit mehr ein Maß für Themendurchdringung. Solange dieser Wert steigt, ist der Themenbereich weit weg von einer Vervollständigung. Er lag im September 2016 noch bei 5510 und jeweils gegen Ende des ersten Quartals 2017 bis 2019 bei 7273, 7352 und 7688. Die Zahl der vorhandenen US-Ortsartikel wird seit 2018 dokumentiert: 9985 bzw 10.237 für die Jahre 2018 und 2019; der Anstieg 2020 zu 2021 (siehe oben) ist überdurchschnittlich, was vermutlich coronabedingt ist. Der Anstieg der Rotlinks liegt im Verhältnis dazu wesentlich niedriger. Ich vermute deswegen, daß der Anstieg der Artikel weniger auf hier langjährig aktive Benutzer zurück geht, sondern auf zusätzliche Aktivitäten von eigentlich wenig aktiven Benutzern zurückgeht, denen die Usancen bei der Ortsartikelanlage weniger geläufig sind, vor allem beim Setzen von Links zu Bauwerken, Kulturdenkmalen, Gewässern, Verkehrswegen und Personen.

Tatsächlich wird sich dies bei der künftigen Arbeit der Unterprojekte zeigen. Das WikiProjekt Straßen der USA ist ziemlich inaktiv; von den etwa zehn eingetragenen Interessenten haben alle bis auf zwei vor mehreren Jahren das letzte Mal editiert. Ich selbst habe einen Straßenartikel beinahe geschrieben, dann aber beim Übertragen des fast fertigen Artikels von MS-Edit ins Bearbeitungsfenster "verloren", weil ich die Zwischenablage überschrieben hatte und den Text nicht gespeichert hatte. In der Rubrik "Fehlende Artikel" der Projektseite habe ich ein halbes Dutzend Blaulinks entfernt, aber die Rubrik war mehrere Jahre nicht aktualisiert worden.

Neuer Nationalpark an der New River Gorge Bridge

Das WikiProjekt Nationalparks in den Vereinigten Staaten muß man aus zwei Blickrichtungen betrachte. Was die eigentlichen Nationalparks angeht, besteht seit Jahren Vollständigkeit. Daran hat auch die Erklärung eines neuen Nationalparks an der New River Gorge Bridge wenig geändert, weil es wegen des bereits bestehenden Artikels keinen Bedarf für einen dedizierten Nationalparkartikels an dieser Stelle bedurfte, zumal es den Nationalpark nicht zuletzt wegen COVID-19 bislang nach hiesigem Kenntnisstand fast nur auf dem Papier gibt.

Der andere Schwerpunkt des Nationalparkprojektes sind aus wikihistorischen Gründen die National Battlefields, National Memorial, National Monuments und National Historic Sites, denn eigentlich gehören diese thematisch teilweise zum NRHP-Projekt. Vorbehaltlich fehlerhafter Verlinkungen fehlen noch drei National Monuments (2020: vier; 2019: sechs), 54 National Historic Sites (unverändert), 37 von 57 National Historical Parks (2020: 30 von 43; der Artikel war nicht auf dem aktuellen Stand). Weiterhin haben nur acht der 141 National Cemeteries und zwei der 25 National Battlefields einen eigenen Artikel.

Mindestens eine National Historic Landmark (NHL) gibt es in allen US-Bundesstaaten, Washington, D.C., Puerto Rico und weiteren Gebieten. Insgesamt sind 631 Artikel angelegt, also für etwa ein Viertel aller NHLs. Die für die Bundesstaaten angelegten NHL-Listen gibt es außer für North Carolina, Ohio, Pennsylvania, South Carolina und Texas für alle Bundesstaaten, Washington, D.C. und Puerto Rico, alles in allem 49 Listen (weil die Städte Boston und New York City aus ihrer jeweiligen Bundesstaatsliste ausgelagert sind). Während für die Anlage der NHL-Listen die Vollständigkeit zumindest in Sicht ist – in den letzten zwölf Monaten entstanden drei Listen –, gilt das für die einzelnen NHLs nicht, da erst etwa ein Viertel der insgesamt rund 2500 NHLs einen Artikel haben. Wenn die Listen alle angelegt sind, wird der nächste Schritt sein, alle Listen zu aktualisieren – die eine oder andere Liste ist wahrscheinlich noch auf dem Stand ihrer Erstanlage – und die Formate zu vereinheitlichen.

Die Zahl der auf Basis der Countys gegliederten Listen der in das National Register of Historic Places eingetragenen Bauten, Objekte, Strukturen und Stätten stieg nur gering, von 1099 auf 1104. Insgesamt befinden sich in der Kategorie:National Register of Historic Places und ihrer Unterkategoren 3303 Seiten. Das Missing-Topics-Tool findet 3026 fehlende Seiten, gegenüber 3199 bestehenden Seiten und 3081 fehlende Seiten im Vorjahr.

Die vorstehenden Auswertungen ignorieren Artikel, die nur in einem Artikel auftauchen. Dies betrifft fast ausschließlich NRHP-Einträge, die in den Countylisten genannt werden, nicht aber in Ortsartikeln. Solche Verlinkungen sind also gleichzeitig ein Hinweis darauf, daß bei weitem noch nicht alle Ortsartikel angelegt wurden, als auch für das Vorhandensein angelegter Ortsartikel, in denen Inhalte zu Bauwerken und Kulturdenkmalen noch fehlen.

Abschließend sei hier bemerkt, daß die vorstehende Bestandsaufnahme deutlich unmotivierter geschrieben wurde, als in den Vorjahren. Der Berichterstatter bittet, dies zu entschuldigen. MaB 30.5

WMF-Fundraising: Neuer Jahresrekord nach nur neun Monaten

WMF Support and Revenue, Expenses and Net Assets at Year End.jpg

Die Wikimedia Foundation hat in den ersten neun Monaten ihres gegenwärtigen Finanzjahres mehr Geld eingenommen als im ganzen Vorjahr: 142 Millionen Dollar. So steht es in einem Vierteljahresbericht für das 3. Quartal (Januar bis März 2021) des von Juli 2020 bis Juni 2021 dauernden WMF-Finanzjahres. Geplant waren ursprünglich nur $108 Millionen; im 2. Quartal wurde das Jahresziel dann auf $125 Millionen angehoben. Dieser Wert ist nun auch schon um $17 Millionen überschritten.

Zurzeit laufen Spendenbanner im besonders pandemiegeplagten Südamerika: 1 2 3 4. Dort werden Leser um eine Spende gebeten, um „die Unabhängigkeit von Wikipedia zu verteidigen“ – damit die WMF das weiterhin tun könne, brauche sie heute eine Spende. Die 2% der Leser, die spenden, seien dafür verantwortlich, dass Wikipedia für alle verfügbar sei. Auch könne man den ehrenamtlichen Mitarbeitern auf diese Weise sagen, dass ihre Arbeit wichtig ist.

Zusätzlich zu den $142 Millionen sind in den ersten drei Quartalen des Jahres auch $18,6 Millionen in das Wikimedia Endowment geflossen. Das 2016 gegründete Endowment stand Anfang des Jahres bei $90 Millionen; es wird sein Zehn-Jahres-Ziel – $100 Millionen – fünf Jahre früher als geplant erreichen. A.K., 17.5.

Das Endowment ist ein Stiftungsvermögen, das die Wikimedia Foundation ursprünglich nicht hatte. Um den Bestand der Stiftung und der Projekte sicherzustellen, wurde nachträglich damit begonnen, ein solches Vermögen aufzubauen. A.

Christian Humborg wird neuer Vorstand von WMDE

Im Januar hatte Abraham Taherivand angekündigt, dass er nach neun Jahren bei Wikimedia Deutschland nicht für eine weitere Amtszeit als geschäftsführender Vorstand des Vereins zur Verfügung steht.

Christian Humborg (2016)
Christian Humborg (2016)

Nach einem intensiven Suchprozess hat sich das Präsidium von Wikimedia Deutschland in der letzten Woche gemeinsam für Christian Humborg, unseren jetzigen Leiter des Bereichs Finanzen und Zentrale Dienste, als Nachfolger entschieden. Er wird schon ab dem 1. Juni mit seiner neuen Aufgabe beginnen.

Dem Bewerbungsprozess ging eine Ausschreibung voraus. VertreterInnen des Präsidiums des Vereins hatten daraufhin, unterstützt durch eine Personalagentur, mit vielen BewerberInnen Gespräche geführt. 59 interessante und engagierte Menschen aus mehreren Ländern hatten sich auf die Stelle beworben.

Einige von euch werden Christian bereits von Mitgliederversammlungen, der WikiCon und von Veranstaltungen in lokalen Räumen kennen. Er hat sich im mehrstufigen Bewerbungsprozess souverän durchgesetzt. Er ist erfahren und umsetzungsstark und hat sich in unterschiedlichen Aufgaben sowohl in zivilgesellschaftlichen Organisationen als auch in Unternehmen bewiesen. Mit seiner Expertise, seiner Leidenschaft für die Befreiung von Wissen, seinem Teamgeist, seiner spezifischen Schwerpunktsetzung für die Botschaften und die Entwicklung des Vereins und seinem breiten Hintergrund in Medien, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen ist Christian unserer Überzeugung nach die richtige Besetzung für die Position des geschäftsführenden Vorstands.

Bevor wir Abraham gebührend verabschieden, möchten wir ihm auch jetzt schon danken. Abraham hat Themen und Projekte von Wikimedia Deutschland erfolgreich fokussiert und die Neustrukturierung und das Wachstum des Vereins vorangetrieben. Dabei hat er wichtige strategische Impulse gesetzt und sich mit vollem Einsatz für die Wikipedia-Community und das Wikimedia-Movement engagiert. Ich habe die Zusammenarbeit mit ihm auf professioneller wie persönlicher Ebene äußerst geschätzt. Ich hoffe, dass wir Zeit finden werden, uns noch persönlich von ihm zu verabschieden. Gnom, 10.5.

Die Desktop-Oberfläche wird überarbeitet

Wir erinnern uns: Seit Mai letzten Jahres wird die Bedienoberfläche (GUI) für den Desktop vom Reading-Team der Wikimedia Foundation überarbeitet. Das Projekt läuft noch bis Ende dieses Jahres, und es wird den Skin Vector, wie wir ihn seit über zehn Jahren kannten, deutlich modernisieren. Es lohnt sich, einmal etwas näher hinzuschauen, denn dabei werden Tatsachen geschaffen, die durchaus sinnvoll sind, die aber auch dauerhaft bleiben werden und an die man sich vielleicht erst gewöhnen muss. Deshalb hat der Kurier die Arbeiten von Anfang an aufmerksam verfolgt.

Das Facelifting wird behutsam durchgeführt, alle Änderungen werden schrittweise erst einmal auf wenigen Testwikis eingeführt, die als experimentierfreudig bekannt sind, darunter die französische und die hebräische Wikipedia. Dort verwenden ausgeloggte Benutzer schon seit dem vergangenen Jahr standardmäßig den neuen Skin, eingeloggte können ihn in ihren Einstellungen abschalten und beim alten Vector bleiben. Die deutschsprachige Wikipedia kam dafür aus naheliegenden Gründen nicht in Betracht, man kann aber auch hierzuwiki zur neuen GUI wechseln, indem man in den Einstellungen unter „Einstellungen für die Benutzeroberfläche“ die Option „Verwende klassischen Vector“ deaktiviert. Wenn man es global macht, gilt die Einstellung für sämtliche Wikimedia-Projektwikis. Bei Nichtgefallen gehts am schnellsten wieder zurück über den Link „Umschalten zum bisherigen Aussehen“ in der Navigationsleiste. Die Funktionalität wird durch A/B-Tests gesichert.

Neue Navigationsleiste und Neuplatzierung der Suchbox

Damit wären wir auch gleich bei der bedeutsamsten Designentscheidung: Die Navigationsleiste kann nun eingeklappt werden. Auf sehr großen Bildschirmen stört sie nicht, aber auf kleinen Displays durchaus, weil man die dortigen Links nur selten braucht. Für reine Leser ist die Leiste meist ganz entbehrlich. Der Wikipedia-Ball (oder die Logos der anderen Projekte) wurde deutlich verkleinert und rückte nach rechts, und links daneben sieht man ein Hamburger-Menü-Icon, das zum Ein- und Ausklappen der Navigationsleiste dient. Da es sein Aussehen je nach Status der Leiste auch leicht verändert, bekommt man den Weg zur Bedienung intuitiv gewiesen. Durch all dies entsteht eine Konzentration auf den eigentlichen Seiteninhalt. Die Werkzeuge müssen nun aber zum Gebrauch erst noch herbeigeklickt werden. Das ist verzeihlich, wenn es um Tools wie ReFill oder den Link-Verkürzer geht, denn man braucht sie selten. Aber der Link zum Autorenportal, zum zufälligen Artikel oder zu den Letzten Änderungen verschwindet auf diese Weise auch aus dem Blick. Es sei denn, sie würden demnächst noch woanders platziert. Vielleicht ginge es bald auch ganz ohne die Leiste – wer weiß? Gleichzeitig wird übrigens die Seitenbreite des Fließtexts beschränkt, damit sich die Leserlichkeit auf großen Bildschirmen verbessert.

Die neue angereicherte Suchbox

Der nächste Schritt beim Redesign war die Neuplatzierung der Suchbox, die bisher bekanntlich prominent oben rechts prangte. Sie rückte zur Jahreswende in die Mitte des Seitenkopfs, wo sie – nach längerem Debugging des gesamten Stylesheets – nun schon seit ein paar Monaten recht stabil zu stehen kam. Seit März 2021 wurde dann die neue Suchbox schrittweise ausgerollt, die während der Eingabe nicht nur eine Autovervollständigung, sondern auch ein kleines Bildchen und – falls vorhanden – eine Beschreibung des Lemmas anzeigt. Das Seitenvorschaubild wird lokal vorgegeben, die Beschreibung wird live aus Wikidata eingespielt und offenbart, wie lückenhaft die dortigen Einträge noch immer sind. Man sieht sofort: Hier gibt es etwas zu tun. Durch die Anreicherung der Vorschlagsliste soll die Auswahl des Suchergebnisses erleichtert werden, was auch gut gelingt, denn ein Bild sorgt vor allem bei der Auswahl zwischen mehreren Personenartikeln für schnellere Orientierung als nur ein Seitenname allein.

Das Ansteuern der Suchbox mit der Tastatur ist übrigens auch möglich: Nachdem eine Wiki-Seite geladen wurde, wird nach einmaligem Drücken der Tab-Taste das Hamburger-Menü-Icon markiert und kann per Eingabetaste betätigt werden. Bei nochmaligem (also insgesamt nach zweimaligem) Drücken des Tabulators blinkt der Cursor in der Suchbox.

Die Interwiki-Links findet man jetzt oben rechts

Die jüngste Veränderung beim neuen Design betrifft die Interwiki-Links der Wikipedia-Seiten. Sie wanderten vergangene Woche aus der Navigationsleiste links unten auf einen Platz unter dem Seitenkopf, oben rechts über dem Seiteninhalt, wo sie nun anzeigen, in wievielen Sprachen eine Seite sonst noch vorliegt. Man kann dieses Popup aufklappen und nach einer Sprache durchsuchen und von dort aus auch gleich die Anzeige- und die Eingabeeinstellungen bearbeiten. Da wachsen also drei Dinge zusammen, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, die sich aber auch nicht wirklich stören.

Immerhin merkt man nun, wohin die Richtung geht, das Bedienkonzept wird stimmiger, je mehr Elemente hinzukommen: Die Oberfläche wird deutlich vereinfacht, und die Bedienung ist durch die vielen beweglichen Elemente, die man sonst nur von mobilen Applikationen her kennt, auf dem Desktop etwas aufwändiger, aber auch deutlich übersichtlicher als bisher.

Einige Ergänzungen, die sich die Community über die Jahre gebastelt hat, werden wahrscheinlich noch neu platziert werden, was aber nur nice to have ist; die Funktion von ergänzenden Skripten wird durch die „Reading Improvements“ nicht beeinträchtigt. Anstelle der Navigationsleiste bietet sich der Tab „Weitere“ an, der ohnehin schon länger für ergänzende Werkzeuge wie die Bildersuche genutzt wird.

Um es noch einmal hervorzuheben: Auf dewiki handelt es sich um ein Opt-In, das man ein- und auch wieder abschalten kann. Wer es nicht einschaltet, wird bis auf weiteres davon nichts mitbekommen. Das wird wahrscheinlich auch auf Dauer so bleiben. Die alten Skins, insbesondere das geradezu legendäre Monobook, bleiben erhalten, man kann sie weiter verwenden und ist nicht gezwungen auf das neue Weblayout zu wechseln. Aber es ist schon ein erheblicher Fortschritt, den wir hier sehen, und bei dessen weiterer Entwicklung man noch eine Weile zuschauen kann, bis er ganz fertiggestellt sein wird. Was wir hier geboten bekommen, ist eigentlich keine Beta mehr, sondern schon sehr weit fortgeschritten und in vielem ziemlich gut gelungen. Den Kurier hat es bisher überzeugt. (A, 7.5.)

WMF-Boardwahlen – gemeinsam zu mehr Wahlbeteiligung

Liebe alle,

in der letzten Woche hat das Board der Wikimedia Foundation die Planungen für die Wahlen zum Board 2021 bekanntgegeben. Diese Planung schließt ein, dass die Wahlen durch ein Moderationsteam beworben und unterstützt werden sollen. Die Aufgaben des Moderationsteams sollen sein:

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  • Die Communitys über die Boardwahlen zu informieren
  • Die Teilnahme an der Wahl zu bewerben
  • Zu Kandidaturen insbesondere in bisher unterrepräsentierten Communitys zu ermutigen

Die Wahlbeteiligung lag in früheren Wahlen weltweit meist um die 10%. Communitys, die aktiv die Wahlen bewarben, erreichten deutlich höhere Werte, einige deutlich über 20%. Klar ist also, dass es möglich ist, durch intensive Bekanntmachung der Wahlen eine deutlich höhere Wahlbeteiligung zu erzielen. Das geht nicht ohne die Menschen der Communitys, darum bitten wir Euch um Mithilfe.

Gesucht werden Wahlhelfer und Wahlhelferinnen aus allen Communitys, die sich beteiligen möchten, indem sie zum Beispiel in den ihnen bekannten Kanälen auf die Wahlen hinweisen, Gesprächsrunden initiieren oder sich an der Übersetzung der Nachrichten beteiligen … Die Rolle ist, was ihr daraus macht – ihr könnt eure Fantasie spielen lassen.

Wenn du dich an der Aufgabe beteiligen möchtest, für ein von möglichst vielen Menschen gewähltes Board und eine möglichst gute Vertretung der Communitys darin zu sorgen, dann trage dich bitte in dieser Tabelle ein oder setze dich mit mir in Verbindung – auch wenn noch Fragen offen sind. Wir versuchen, mindestens in jedem der (nach Wahlberechtigten) dreißig größten Wikis Wahlhelfer zu finden, gern auch mehrere, denn gemeinsam lässt sich das besser machen.

Das Ziel ist es, die globale Wahlbeteiligung in diesem Jahr von 10% auf 20% zu verdoppeln – wir würden uns freuen, das gemeinsam zu erreichen. DB_(WMF), 3.5.

WikiSwiss Award

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WikiSwiss Award in bisher drei Stufen.

Nachdem sich gestern einige hundert Wikipedianer verwundert die Augen gerieben haben und eigentlich nirgendwo Hintergrund-Informationen zu dem WikiSwiss Award zu finden sind, räume ich das Versäumnis seitens WMCH ein und versuche hier, zur Aufklärung beizutragen.

Der WikiSwiss Award ist ein 2020 ins Leben gerufener Ehrenpreis für verdiente Wikipedianer. Er wird erstmals dieses Jahr verliehen in den drei Stufen für 5-, 10- und 15-jährige Mitarbeit. Dieses Jahr ist die Riege der Auszuzeichnen­den natürlich besonders gross, weil im grunde alle Schweiz-Aktiven berücksichtigt werden «müssen». Genaueres zu den Auswahlkriterien siehe den Post von heute von 08:42 Uhr mit den Hinweisen von Ilario. Ab 2022 ist dann jeder weiterhin Aktive nur noch alle fünf Jahre dran.

Die Auszeichnung soll jede/r bekommen, die/der neben seiner langjährigen Tätigkeit in den letzten fünf Jahren mindestens 10'000 Edits im schweizerischen Kategoriesystem und innerhalb des letzten Jahres (Stichtag 31. März) mindestens eine Bearbeitung getätigt hat, also nicht inzwischen inaktiv geworden ist. Bearbeitungen in einer der fünf im Land gesprochenen Sprachen Deutsch, Italienisch, Französisch, Alemannisch und Rätoromanisch werden dafür angerechnet.

Wir werden die Ehrungszeremonie im Rahmen unserer 20-Jahr-Feier am 12. Juni 2021 in Luzern durchführen. Entsprechend sind neben ca. 80 Wikipedianern – stellvertretend für alle zu Ehrenden – auch Gäste (GLAM- und Education-Partner) sowie Gönner eingeladen. Damit wollen wir die verschiedenen Akteure für einen Tag zusammenbringen in der Hoffnung, dass ein gewisser Austausch stattfindet und jeder vom gegenseitigen Austausch profitiert. Wir werden mit voraussichtlich vier prominenten Gastrednern aufwarten, die sich zu dem Thema «Monopolisierung und Kapitalisierung des Wissens: Was ist Wissen im digitalen Zeitalter wert?» äussern werden. Anmeldeschluss ist bereits in vier Wochen am 2. Juni.

Die persönliche Verleihung wird nur für in der Schweiz lebende Wikipedianer stattfinden können. Alle anderen Ehrungen werden per Post verschickt. Wir werden dazu auf ein OTRS-Mailkonto die Postadressen der zu Ehrenden abfragen. Wer seine Adresse nicht bekannt geben will, bekommt keinen Preis – das ist schade, aber dann konsequent anonym. Alles andere wäre von den Fahrtkosten her nicht zu verantworten. Übernachtungskosten werden gar nicht vergütet (wir fangen deshalb erst um 10:30 Uhr an). Dieses Jahr kommt natürlich noch die behördliche Auflage mit möglicher Quarantäne etc pp. hinzu. Tatsächlich hat die Halle eine Kapazitätsgrenze von 250 Personen. Für alle, die jetzt ihre Augenbrauen heben: Es könnte sein, dass wir mit dieser Veranstaltung und ihrem Hygienekonzept eine der drei kantonalen Grossveranstaltungen werden, die exemplarisch ausgewählt werden, um mögliche weitere Öffnungsschritte zu konzipieren. ※Lantus (WMCH) 2. Mai

Frauen im Fokus: Qualitätsoffensive zu Jubiläen im Jahr 2022

Lillian Evelyn Gilbreth, in der Wikipedia eher unauffällig

Schon einmal von Lillian Evelyn Gilbreth gehört? Vielleicht kennt ihr sie als die Mutter von 12 Kindern aus dem Film Im Dutzend billiger von 1950. Die Psychologin war eine frühe Pionierin der Anwendung der Psychologie auf Zeit- und Bewegungsstudien. Sie wurde als „America's first lady of engineering“ gepriesen und zum Mitglied der amerikanischen National Academy of Engineering gewählt – als erste Frau überhaupt. 2022 wird ihr 50. Todestag begangen, doch ein Blick in ihren Wikipedia-Artikel verdeutlicht in keinster Weise ihre Bedeutung als Pionierin für ihr Fachgebiet und für Frauen in den Ingenieurwissenschaften. Ein Einzelfall? Vielleicht. Maria Sibylla Merian – wer kennt sie nicht? – hat nächstes Jahr auch ein rundes Jubiläum, nämlich den 375. Geburtstag. Und ihr Wikipedia-Artikel hat immerhin eine Lesenswert-Auszeichnung. Wunderbar. Allerdings stammt die Auszeichnung von 2005. Es ist zweifelhaft, dass die aktuelle Qualität für ein Lesenswert ausreichen würde. Hätte diese Vorzeigefrau nicht mehr verdient? – OK. Die Wikipedia ist per sé ein Produkt im Werden, nie fertig und nie perfekt. Doch veranlassen Jahrestage allgemein dazu, herausragender Persönlichkeiten und ihrer Leistungen zu gedenken. Es bietet sich doch an, sich als Wissensprojekt darauf vorzubereiten.

Das trifft auf Menschen mit runden Jubiläen unabhängig von ihrem Geschlecht zu. Doch abgesehen vom historischen Ungleichgewicht bei den Geschlechterverhältnissen gibt es generelle Mechanismen der Erinnerungskultur, die dazu führen, dass die Verdienste von Frauen schneller und gründlicher vergessen werden als die von Männern. Das schlägt sich im Geschlechtervergleich auch in der Qualität der biografischen Wikipedia-Artikel nieder. Deswegen lohnt es sich, die weiblichen Biografien gezielt anzusehen. „Die Wikipedia weiblicher machen!“ Das wird seit Jahren gefordert und dabei vor allem auf die Zahl der Frauenbiografien im Verhältnis zur Zahl der Männerbiografien geschaut. Dabei ist aus dem Blick geraten, dass Quantität nicht alles ist. Wir brauchen gute biografische Artikel über Frauen. Die Wikipedia sollte nicht nur einfach weiblicher, sondern der weibliche Teil der Wikipedia qualitativ besser werden. Als kleiner Baustein ist das neue Projekt Frauen im Fokus gedacht.

Das Ziel des Projekts Frauen im Fokus ist, für das kommende Jahr (2022) 100 Artikel bedeutsamer Frauen mit runden Geburts- oder Todestagen auf einen qualitativ guten Stand zu bringen. 100 Frauenbiografien wurden dafür ausgewählt und zwar erst einmal bewusst unabhängig von der aktuellen Qualität. Etliche interessante Frauen haben nächstes Jahr ein Jubiläum. Dazu gehören die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff (225. Geburtstag), Alice Salomon, die Wegbereiterin der Sozialen Arbeit als Wissenschaft (150. Geburtstag), die Pilotin Amelia Earhart (125. Geburtstag) und die Chemie-Nobelpreisträgerin Irène Joliot-Curie (ebenfalls 125. Geburtstag). Bei Liselotte von der Pfalz jährt sich der 300. Todestag, bei der Komponistin Fanny Hensel der 175., bei der Frauenrechtlerin Carrie Chapman Catt und bei der Schriftstellerin Ricarda Huch der 75. und bei der Physik-Nobelpreisträgerin Maria Goeppert-Mayer der 50. Todestag. Mary Wollstonecraft hat ihren 225. Todestag und Mary Shelley den 225. Geburtstag (wer es nicht weiß: diese Jahrestage sind ursächlich miteinander verknüpft).

Warum 100 Biografien? Ein Projekt zeichnet sich durch einen definierten Umfang aus (Scope auf Neudeutsch). Die Erfahrung in und außerhalb der Wikipedia hat immer wieder gezeigt, dass begrenzte Listen die Motivation fördern, da ein Erfolgserlebnis möglich ist. Bis zum 31. Dezember 2021 wollen wir die Qualitätsoffensive für die Fokusliste 2022 abgeschlossen haben.

Dazu gehört im ersten Schritt jeweils die Herstellung einer Basisqualität, soweit sie noch nicht oder nicht mehr gegeben ist: Ist die Einleitung aussagekräftig und die Bebilderung angemessen? Gibt es defekte Weblinks, Rechtschreibfehler, unzureichend formatierte Einzelnachweise? Im zweiten Schritt geht es verstärkt um die inhaltliche Qualität des Artikels, die der Bedeutung der Jubilarin gerecht werden sollte. Entspricht die Darstellung dem aktuellen Stand der Wissenschaft? Ist die Biografie überhaupt anhand wissenschaftlicher Literatur geschrieben oder ein Aufguss aus Zeitungsartikeln u. ä.? Dieser Schritt setzt eine entsprechende Recherche und Auseinandersetzung mit dem Leben und den Verdiensten der betreffenden Persönlicheit voraus. In manchen Fällen ist auch eine Vertrautheit mit dem Fachgebiet der Frau oder mit den Verhältnissen in ihrem Heimatland oder dessen Geschichte notwendig. Nicht nur, aber gerade für diese inhaltliche Überarbeitung braucht das Projekt also viele motivierte Freiwillige aus unterschiedlichen Bereichen.

Macht mit und verbessert die Wikipedia! LR 2. Mai

P.S.: Projektseite mit weiteren Details.

RECHTE SPALTE (zur linken Spalte)

Community-Forum am 21. Juni: Förderung bewerben

Am 21. Juni (kommenden Montag) wird um 18 Uhr erneut ein Community-Forum zum Austausch zwischen Ehren- und Hauptamtlichen stattfinden: Wikimedia Deutschland stellt diesmal die für dieses Jahr geplante Projekte zur Bewerbung des Förderportals vor. Für diese Testphase wurden bestimmte Gruppen (Benutzerin:, Redaktionen/WikiProjekte/Portale, Aktive im Artikelbereich LGBT+) ausgewählt und zu ihnen passende Ansprachewege ausgewählt. Vor dem Beginn von Tests sind wir an Ideen und Rückmeldungen zu unseren Planungen sehr interessiert.

Für alle Personen, die am Montag nicht bei der Videokonferenz dabei sein können, sind die Informationen auf einer Projektseite zusammengefasst und können auch dort diskutiert werden.MR(WMDE), 18.6.

Bessere Unterstützung von Geoinformationen – Inhalte online

Am 2. Juni stellte das Team Technische Wünsche im Rahmen eines virtuellen Treffens vor, was es bisher in der Recherche des Geoinformationen-Themenschwerpunkts herausgefunden hat. 21 Wikipedianer*innen waren dabei und haben gemeinsam diskutiert. Nun sind die Inhalte des Termins auch ausführlich im Wiki beschrieben.

Ein Ziel des Termins war es, zu überprüfen, ob das Projektteam bei der Recherche etwas falsch verstanden hatte oder ob etwas fehlt. Auch alle, die am 2. Juni nicht dabei waren, sind herzlich eingeladen, dies auf der Diskussionsseite zu kommentieren! js (wmde), 16.6.

Klexikon auf dem Digitaltag Aschaffenburg

Es gibt zwei Termine über das Klexikon am 18. Juni 2021. Der erste ist ab 12h und richtet sich eher an Eltern, Lehrkräfte und andere Erwachsene, der zweite beginnt um 15h und richtet sich an Kinder ab etwa 9, 10 Jahren. Die Termine dauern je eine Stunde. Es sind noch Plätze frei. Ziko (15.06.)

PS: Neben dem Klexikon gibt es viele weitere Vorträge rund um Freies Wissen: Ein Lokaler Raum stellt sich vor, die Zusammenarbeit zwischen Stadtarchiv und Wikimedia Commons wird beleuchtet sowie einige weitere Vorträge lohnen einen Blick.

Die WikiEule bittet um die Nominierungen für 2021

Hoffnung breitet sich im Wald der WikiEule im Jahr 2021 aus. Erste wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Nach über einem Jahr haben wir unser Gefieder gesäubert und festgestellt, dass die Flugfähigkeit noch in ausreichendem Maße vorhanden ist um nach einer Schutzimpfung gegen Maul- und Klauenseuche Peilung auf die diesjährige WikiCon zu nehmen. In Absprache mit der WikiCon Orga läuft die Planung für die Verleihung der WikiEule auf der WikiCon. Doch dazu benötigt es zunächst eure Nominierungen und darum bittet eure WikiEulenAcademy.

Welche Wikipedianer/in, welcher Fotograf/in oder Supportmitarbeiter/in, welcher Artikel oder welches Projekt aus den verschiedensten Tätigkeitsbereichen der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte sollte in deinen Augen eine WikiEule 2021 erhalten und stellvertretend für das große Engagement und die vielen guten Ideen mit einer Eule geehrt werden? Bitte sende deine Vorschläge vom 15. bis 30. Juni mit einer Begründung per WikiMail an die WikiEulenAcademy.

Wir freuen uns auf eure Nominierungen. Eure WEA Bagoly 2 vonallal.png (14.06.)

Bereichsleiter Programme wurde verabschiedet

Michael Jahn, Bereichsleiter Programme, hat Wikimedia Deutschland verlassen. Viele von Euch haben ihn vielleicht noch als Kommunikationsleiter kennengelernt, bevor er den Programmebereich übernommen hat. Ich habe ihm für seine über 10 Jahre im Einsatz für Wikimedia und Freies Wissen gedankt, wünsche ihm das Beste für seinen weiteren beruflichen Weg und Micha uns viele Erfolge im Verein. Interimistisch werden die Leitungen des Teams Ideenförderung Vera Krick und Verena Lindner direkt mit mir zusammen arbeiten. Die Position „Bereichsleitung Programme“ wollen wir nicht unmittelbar 1:1 nachbesetzen, um den Freiraum zu nutzen und zu prüfen, ob die bestehende Struktur beibehalten wird oder Möglichkeiten bestehen, diese weiter zu verbessern auch im Hinblick auf die Movement Strategie. Dies wird gemeinsam mit den Teams, den Teamleitungen und mit denen in der Geschäftsstelle, die mit dem Team Ideenförderung eng zusammenarbeiten, bis Mitte Oktober erfolgen. CH (WMDE), 14.06.

Tippspiel zur Europameisterschaft

Kicktipp-Logo.png

Liebe Wikipedianer*innen, bereits morgen beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2021, am Samstag und Sonntag steigen die Schweiz und Österreich ins Turniergeschehen ein, am kommenden Dienstag schließlich auch Deutschland. Um auch aktiv dabei sein zu können, hat Benutzer:MacOrcas auf der externen Plattform Kicktipp die Tipprunde „wikimania“ eingerichtet, an der sich jede*r Wikipedianer*in gerne beteiligen darf (benötigt wird eine gültige E-Mail-Adresse)! Wie bei den sechs vorherigen Turnieren (2008, 2010, 2012, 2014, 2016 und 2018) ist die Tipprunde erreichbar unter https://www.kicktipp.de/wikimania/. Ich hoffe auf eine rege Beteiligung und wünsche euch viel Spaß! Ein Einstieg ist natürlich auch noch während der laufenden Europameisterschaft möglich. Außerdem kann hier der Europameister getippt werden. J.G., 10.06.

Was wollen wir eigentlich?

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Bis morgen besteht noch Gelegenheit, sich für die Gespräche zur Movement-Charta anzumelden, für die gerade das Programm veröffentlicht wurde.
Es werden zwei vierstündige Gesprächsrunden am 12. Juni 7:00 – 11:00 Uhr (MESZ) (Ortszeit) und am 13. Juni, 18:00 – 22:00 Uhr (MESZ) (Ortszeit) angeboten und alle werden herzlich gebeten, sich zu beteiligen und ihre Perspektiven und Inhalte einzubringen.
Das Programm wird sich um diese Bereiche drehen:

  • Den weiteren Prozess
  • Erweiterung der Perspektiven
  • Umfang der Movement-Charta
  • Schritte zum Einrichten der Entwurfsgruppe (Drafting Group)

Über dieses Formular (oder eine Mail an strategy2030atwikimedia.org) besteht noch bis 11. Juni die Gelegenheit, sich anzumelden und die eigene Stimme bei der Erarbeitung der gemeinsamen Charta hörbar zu machen! CJ (WMDE), 10.06.

Freiwillige für Online-Workshop zu Lernpfaden von Neulingen gesucht

Für einen zweistündigen Online-Workshop am 28. oder 29. Juni 2021 und eine anschließende Recherchephase suchen wir 3 bis 7 Freiwillige, die Interesse am Thema „Onboarding von Neulingen“ haben und sich in der Wikipedia gut auskennen. Mit der Unterstützung durch erfahrene Community-Mitglieder wollen wir in dem Workshop herausfinden, für welche Tätigkeiten in der Wikipedia welche Kompetenzen benötigt werden und wie man diese am besten erwirbt. Auf dieser Basis sollen Lernpfade identifiziert und (soweit möglich) mit bestehenden Materialien beschrieben werden. Mehr Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung (bis 18.6.2021) finden sich auf der Projektseite. christine (wmde)

Zeilennummerierung auf weiteren Namensräumen

Seit April kann man sich im Quelltext-Modus Zeilennummern anzeigen lassen. Dies funktioniert – sofern man die Syntaxhervorhebung OOjs UI icon highlight.svg aktiviert hat – zzt. nur für den Vorlagennamensraum. Bald, voraussichtlich im Juli, soll dies auf einigen ersten Wikis, einschließlich dem hiesigen, auch für andere Namensräume möglich sein. Weitere Informationen dazu folgen noch. Wer Anmerkungen dazu hat, ist aber jetzt schon eingeladen, sie auf der Diskussionsseite des Projekts zu hinterlassen. js (wmde), 10.6.

Wikimania 2021

Wikimania logo.svg

Die Wikimania ist die jährliche Hauptkonferenz der Wikimedia-Bewegung, in der Ehrenamtliche aus den Wikimedia-Projekten, Mitarbeitende der Wikimedia-Organisationen und weitere an Freiem Wissen interessierte Menschen zusammenkommen. Sie findet üblicherweise jedes Jahr an einem anderen Ort statt – diesmal von 13. bis 17. August 2021 als rein virtuelle Veranstaltung. Auf der Konferenz gibt es die Gelegenheit, Aktive aus der ganzen Welt, ihre Motivationen, Aktivitäten und Projekte kennenzulernen, voneinander zu lernen und neue Ideen in die Wikimedia-Projekte und begleitende Projekte in die Öffentlichkeit zu tragen. Programmbeiträge können noch bis zum 18. Juni 2021 eingereicht werden. Alle Informationen dazu sind im Wikimania-Wiki zu finden. – Wolltet ihr euch schon immer mal mit der internationalen Community darüber austauschen, wie ein Thema in Wikipedia dargestellt wird, was es bei der ehrenamtlichen Arbeit alles so zu erleben gibt …? Dann nutzt die Chance und teilt euer Wissen!

Die Wikimedia-Vereine Wikimedia Deutschland und Wikimedia Österreich unterstützen die Teilnahme von ehrenamtlich Aktiven aus Deutschland, Österreich und Südtirol an der virtuellen Konferenz, beispielsweise mit der Zurverfügungstellung von Technik oder Zuschuss für Care-Arbeit. Alle Informationen zu diesem Unterstützungsangebot gibt es auf Wikipedia:Förderung/Wikimania. sandro (wmde), 09.06.

Wiktionary und Drohnenfotografie beim DTS

Am Donnerstag den 17. Juni findet um 19:00 Uhr unser inzwischen 27. Digitaler Themenstammtisch statt. Thema ist dieses Mal das Schwesterprojekt Wiktionary. Was in der deutschen Ausgabe 2004 mit dem Eintrag „ich“ begann, enthält inzwischen knapp 1 Million Inhaltsseiten. Doch was für Informationen kann so ein Eintrag alles enthalten? Das werden wir uns an ein paar Einträgen ansehen. Eines vorweg: es ist viel mehr als man in einem ‚normalen‘ Wörterbuch erwarten würde. Die Neuanlage von neuen Einträgen ist inzwischen viel leichter als in den Anfangstagen des Projekts, was wir an einem Beispiel anschauen wollen. Seit 2018 gibt es auch die Möglichkeit Lexikografische Daten in Wikidata in Form von Lexemen (L-Datenobjekte) einzupflegen. Wir werden uns anschauen, welche Daten hier enthalten sind. Aber sind diese Einträge als Konkurrenz zu Wiktionary oder eher als eine Ergänzung zu sehen?

Eine kurze Vorschau auf den 28. Digitale Themenstammtisch, der für den 28. Juni geplant ist: Wir werden uns dort mit der Drohnenfotografie beschäftigen, die Bilder aus ungewöhnlicher Perspektive erlaubt. Aber was ist technisch und rechtlich beim Drohnenflug zu beachten? Und wie sieht es im Anschluss mit den Bildrechten aus? Ich würde mich freuen unsere treuen Zuhörer aber auch neue interessierte Teilnehmer begrüßen zu können. Salino01

Schon gewusst, … dass ein Sommerloch schon im Frühling beginnen kann?

Wer kennt es nicht, draußen strahlt die Sonne und es gibt viele Beschäftigungen, denen man nachgehen kann. Da rückt auch schon das eine oder andere Mal die Arbeit an neuen Artikeln in den Hintergrund. Bei der Rubrik Schon gewusst? macht sich das insofern bemerkbar, dass die Vorschlagsliste rapide schrumpft und Artikel vor der Hauptseitenpräsentation aktuell immer kürzer diskutiert werden können.

Neue Artikel darf jede Benutzerin und jeder Benutzer vorschlagen. Sie müssen nicht einmal aus der eigenen Feder stammen, jedoch sollte die Person, die den Artikel verfasst hat, vorher gefragt werden, ob sie mit einem Vorschlag einverstanden ist. Erfahrungsgemäß freuen sich die meisten über eine derartige Anfrage, denn es zeigt eines, ihr Werk wurde gelesen und man würde es mit einem interessanten Detail aus dem Artikel sogar anderen Lesern empfehlen. In der Rubrik geht es um höchstens 31 Tage alte Artikel, die nicht unbedingt epische Ausmaße aufweisen; manchmal darf es sogar ein größerer Stub wie Fort York (Sierra Leone) sein. Natürlich sind aber auch umfassend ausgearbeitete Artikel sehr gern gesehen, wie zuletzt Giuseppina Grassini und Riesenläufer, die kurz nach der Präsentation als exzellent ausgezeichnet wurden.

Falls man also durch Zufall oder gezielt in seinem Arbeitsgebiet auf einen neuen interessanten Artikel stößt, ist ein Vorschlag für die Rubrik immer willkommen. Ebenso dürfen natürlich selbst geschriebene Artikel vorgeschlagen werden. ef, 2.6.

Wie geht's weiter mit WLE 2021?

Die Upload-Phase für WLE Deutschland ist am 31. Mai zu Ende gegangen. Beim Wettbewerb wurden über 13.000 Fotos von geschützter Natur von 424 Fotografen hochgeladen. Von diesen Fotos werden aktuell fast 1.000 Fotos in den verschiedenen Sprachversionen sowie in den Schwesterprojekten genutzt.

Diese Fotos können weiterhin in den Artikeln und Listen eingebaut werden. Vor allem die Listen der FFH-Gebiete in Deutschland sowie die Listen der Landschaftschutzgebiete und Vogelschutzgebiete warten auf Fotos. Wer Lust hat, kann dies im Rahmen des WLE-Cups machen.

Wie geht es weiter? Bis Ende Juni können die Fotos im Vorjury-Tool durch alle Interessierten bewertet werden, danach werden durch die Hauptjury die besten Fotos der beiden Bereiche Landschaft und Nicht-Landschaft/Detail ermittelt. Und für Fotografen, die von Naturfotowettbewerben nicht genug bekommen oder die in Deutschland nicht teilnehmen konnten, wird gerade Wiki Loves Earth 2021 in Österreich vorbereitet. Der Wettbewerb soll im Rahmen von WikiDaheim vom 1. bis 31. Juli stattfinden. Zt, 02.06.

Wikipedia:Wikipedianische KulTour/Waldenbuch 2021

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Da möchte man eigentlich nur eine kurze Kuriereinladung für eine weitere virtuelle Wikipedianische KulTour schreiben, aber dann... schwelgt man in Erinnerung, stellt fest, dass das Ludwig Uhland Institut gar keinen Wikipediaartikel hat. EKWler aus meinem studentischen Bekanntenkreis nutzten damals bereits Räume im Schloss Waldenbuch, um Ausstellungsmachen zu üben. Das Museum selbst entstand erst danach und viele Dinge, die fleißige Wikipedianer in der Zwischenzeit mit zwischenzeitlich ebenfalls museumsreifem Kameramaterial verewigt haben, wandern jetzt schon wieder ins Depot. Mein Daypack, der in einer solchen Ausstellung zum Thema „Flicken, statt wegwerfen“ als Exponat diente, hat nach über dreißig Jahren leider doch das letzte Schicksal ereilt. Und beim Surfen über die Hompepage des EKW lande ich bei einer Dissertation zum Thema Vom Luxusgut zum Liebesbeweis: Zur sozialen Praxis und symbolischen Bedeutung des selbstgebackenen Kuchens. Ich weiß, wir Wikipedianer sind so. Deshalb meldet Euch an und genießt die Reise. W, 27.05.

Zeichen des Wandels

Im Juni finden zwei Wochenenden mit globalen Gesprächen zur Charta der Bewegung und weiteren Initiativen der Strategie Wikimedia 2030 statt.

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Das Hauptziel der Gespräche im Juni ist es, Geltungsbereich und Inhalte der Charta zu definieren und die bisherigen Perspektiven zu erweitern. Zwischenzeitlich gab es mehrere Vorschläge für Herangehensweisen, Inhalt und Geltungsbereich: zum Vorschlag einer ad-hoc-Entwurfs-Gruppe, über die letzten Monat berichtet wurde, kommt beispielsweise ganz neu aus dem Hackathon von letztem Wochenende die Idee, eine Abstimmung zu einzelnen Punkten durchzuführen, die in der Charta stehen sollten - oder eben nicht (siehe Etherpad).

Zu den Gesprächen sind alle eingeladen. Die Einzelheiten sind auf Meta veröffentlicht:

  • 12. Juni 7:00-11:00 Uhr und 13. Juni 18:00-22:00 Uhr (alternativ): globales Gespräch über die Charta der Bewegung (Movement Charter)
    Anmeldung unter strategy2030atwikimedia.org ab 27. Mai.

Außerdem wird es ein größeres Gespräch am Ende des Monats geben, das sich um die weiteren priorisierten Initiativen drehen wird, zum Beispiel Skill Development Infrastructure (Aufbau einer Weiterbildungsstruktur) oder Content Initiatives in Underrepresented Communities (Inhalte unterrepräsentierter Gemeinschaften). Hier könnten von der in genau einem Monat stattfindenden Arctic Knot Conference Impulse und Projekte ausgehen, die zu einer festen Unterstützungsstruktur führen könnten. Zu thematischen und regionalen Knotenpunkten (Hubs) wird ebenfalls schon gearbeitet. Nebenbei sind erste Zeichen einer Dezentralisierung erkennbar; ein Beispiel dafür ist auf der Diskussionsseite veröffentlicht. Die hier angekündigten Regionalkomittees haben wahrscheinlich noch keine echte Entscheidungsbefugnis, aber sie werden andere Perspektiven einbringen und sollen nicht ausschließlich mit Personen aus der Region, sondern mit einer „gesunden Mischung“ aus lokalen und globalen Wikimedianer*innen besetzt sein - falls also jemand beispielsweise zu Osttimor arbeitet, hat er oder sie vielleicht Interesse, sich für die ESEAP-Region zu bewerben!

Hier die bisher veröffentlichten Daten für das größere Gespräch zu den vielen weiteren Initiativen:

  • 26. und 27. Juni (Zeit tba; alternativ): größeres globales Gespräch zu den weiteren Initiativen
    Anmeldung unter strategy2030atwikimedia.org ab 15. Juni

CJ (WMDE), 25.05.

Freenode (IRC): Bye, Bye

Eine große Rolle in der Entwicklung von Wikipedia hat immer auch Freenode gespielt. In diesem IRC-Netz trafen (und treffen) sich die Wikipedianer, um über Wikipedia und die Welt zu reden. Dort wurde die Arbeit der Admins koordiniert, Quizrunden gespielt, auf Meilensteine gefiebert und quasi der Verein gegründet. Ich war bis zum heutigen Tage dort aktiv.
Gestern Nacht musste ich allerdings in meinem RSS-Reader lesen, dass das Freenode-Netz vor einiger Zeit verkauft worden war und dass die ehrenamtlichen Verwalter nun hingeschmissen haben, weil der neue Betreiber wohl nun seine Interessen durchsetzt. Daher habe auch ich mich entschlossen, freenode bye, bye zu sagen und bin auch zum Nachfolger libera.chat (libera.chat) gewechselt.
Wer die Hintergründe genau lesen möchte, dem seien diese und diese Seite empfohlen. Die WMF und die internationale Community plant wohl auch den Umzug, siehe meta. D, 20.5.

Oder siehe auch diese Diskussion zur Stimmung in der Netzgemeinde… :{ a.

Virtuell auf KulTour-Tour

Museum Barberini, derzeit ohne Menschen

Nach über einem Jahr Corona-Pandemie ist eine Zoom-Konferenz nicht neu und für viele Routine. Natürlich fehlt das Ambiente, aber wie sagte jemand? „Es ist doch eine recht gemütliche Möglichkeit, so vom Sofa aus eine Führung durch ein interessantes Museum von einem hochkarätigen Kurator mit ausgewiesener Fachexpertise zu bekommen.“ Virtuell machten sich fast 50 Teilnehmende auf nach Potsdam, zur virtuellen KulTour-Tour am 18. Mai 2021 in das Museum Barberini. Thema war neben der Geschichte des Hauses die Dauerausstellung „Impressionismus – Die Sammlung Hasso Plattner.“

Die Geschichte des Gebäudes alleine ist schon eine spannende, aber zusammen mit der Ausstellung war es einfach ein kultureller Genuss. Zugleich eine Anregung für die Artikelarbeit – mit gleich zwei Wunschlisten! Das war das spannende und interessante des Abends: eine Wunschliste des Museums, mit Anregungen, Hinweisen auf Fehlendes in der Wikipedia, Hinweise auf falsche Bildbeschreibungen, für die wir Wikipedianer gar nicht wirklich etwas können (denn wenn Gemälde in ungenannten Privatsammlungen sind, können wir wenig dazu sagen). Doch hier öffnet das Museum uns seine Tore und stellt uns sein Wissen zur Verfügung. Und auch eine Wunschliste der Wikipedianer, deren Bilderhunger z. B. ungestillt ist.
Der Abend war ein hoffnungsvoller Anfang und eine tolle Aussicht auf eine interessante Zusammenarbeit, die vielleicht gerade durch die virtuelle Komponente viele Möglichkeiten geboten hat. Dank an Holger für die interessante und kurzweilige Veranstaltung. It, 18.05.

Publikums- u. Reviewpreis: Letzter Aufruf

Gerüchten zufolge steht die Bekanntgabe der Ergebnisse des 34. Schreibwettbewerbs unmittelbar bevor. Bis zu diesem Zeitpunkt können noch Stimmen für Publikums- und Reviewpreis abgegeben werden, was sinnvoll ist, da die jeweiligen Rennen denkbar knapp sind. Die Stimmabgabe erfolgt wie immer per E-Mail an mich. ɦ, 18.5.

Warum darf sich nur der Ryukyu-Flughund freuen?

Ist er nicht süß?

Der japanische Ryukyu-Flughund hat gut lachen. Sein Artikel entstand beim Wiki-Loves-Earth-Cup und er hat ein Foto. Er entstand wie viele Artikel beim von April bis Juni 2021 laufenden Wiki-Loves-Earth-Cup. Dazu gehören zum Beispiel die Liste der Naturdenkmäler im Landkreis Ansbach und die Liste der Naturdenkmale in Torgau oder die Wacholderheide am Irslenbach. Diese Artikel freuen sich, dass man sie geschrieben hat, aber sie sind traurig, weil sie noch unbebildert sind.

Wie das Banner zeigt, läuft seit 1. Mai 2021 der Fotowettbewerb Wiki Loves Earth. Aktuell wurden für Deutschland fast 7000 Fotos von Naturdenkmalen, Naturschutzgebieten oder Landschaftschutzgebieten hochgeladen.

Man denkt vielleicht, dass zwischenzeitlich alles fotografiert sein muss, aber dem ist nicht so. Zum einen haben sich die Objekte verändert, sie sehen bei den unterschiedlichen Jahres- und Witterungsbedingungen anders aus und sollten deshalb auch auch so dokumentiert werden, zum anderen entstehen regelmäßig Artikel und Listen zu dem Thema, die auf Fotos warten.

Wenn du ein Herz für diese oder andere Artikel aus dem Bereich Naturschutz hast, schau doch mal, was du die nächsten Tage noch fotografieren kannst.

Und natürlich ist jeder eingeladen, bei der Vorjury für WLE mitzumachen. Z t, 14. Mai

Virtuelle KulTour am 18. Mai 2021: Museum Barberini in Potsdam – „Impressionismus – Die Sammlung Hasso Plattner.“

Claude Monet: Der Seerosenteich, um 1918

Heute ist Internationaler Museumstag und ich sitze zuhause. Ja, ein bisschen trage ich auch zum dazugehörigen Wikidatawettbewerb bei. Aber ich freue mich auch auf die nächste virtuelle Museumsführung, die exklusiv für uns Wikipedianer durchgeführt wird.

Die Wikipedianische KulTour/Barberini 2021 am Dienstag, 18. Mai 2021, 18:00 bis 20:00 Uhr auf Zoom.

Es ist kein Ersatz für einen realen Besuch in einem Museum, aber solche Veranstaltungen stellen auch sicher, dass unser Kontakt zu den Institutionen nicht abbricht und wir dennoch weiterhin gemeinsam an den Möglichkeiten arbeiten können, wie wir unsere GLAM-Veranstaltungen nachhaltig organisieren und die Ergebnisse aufarbeiten können.

Es sind noch Plätze frei. Tragt Euch bis Montag, 17. Mai 18:00 Uhr in die Teilnehmerliste ein, um Euren Zugangscode zu erhalten. W, 16.5.

Wie sollen Bearbeitungskommentare formuliert sein?

Aus gegebenen Anlässen möchte ich nochmals – es gab da schon Diskussionen – Fragen zu der Funktion und zum Umfang von Bearbeitungskommentaren (ZQ) aufwerfen.

Eigentlich sagt aus meiner Sicht die Seite Hilfe:Zusammenfassung und Quellen recht klar, was in einer ZQ stehen sollte – nämlich eine möglichst kurze Angabe darüber, welcher Art eine Änderung ist, also „lf“ (Linkfix) oder „aw“ (Antwort). Trotzdem tendieren Benutzerinnen und Benutzer entweder dazu, Diskussionen über die Zusammenfassungszeile zu führen, oder aber – sie posten längere Teile aus ihrem Posting dort erneut.

Für Diskussionen sind Diskussionsseiten gedacht, und nicht die ZQ. Für Postings sind Artikel oder Metaseiten gedacht – und nicht die ZQ. Das ist jedenfalls meine Sicht – zumal ZQs nicht so ohne Weiteres gelöscht werden können.

Ich erinnere mich, dass es dazu eine Veranstaltung auf einer WikiCon gab, aber ich weiß nicht, zu welchem Schluss damals das Auditorium kam und ob überhaupt. Mich würden die Ansichten der hiesigen Leserinnen und Leser interessieren. Inwieweit halten es die Wikipedia-Kollegen für akzeptabel, die Bearbeitungskommentare – aus meiner Sicht – zu missbrauchen – oder ist es den meisten in der Regel egal? Oder sollten regelmäßige Verstöße sanktioniert werden? Möglich ist natürlich auch, dass das mein persönliches Problem ist. Nic., 14. Mai

The Wikipedia Library: 50 Zugänge für Zeit Online

The Wikipedia Library

Die überregionale deutsche Wochenzeitung Die Zeit gehörte im Jahr 2017 zu den zehn meistzitierten Quellen in der deutschsprachigen Wikipedia.[1] Im vergangenen Jahr konnte mit Zeit Online ein neuer Partner für The Wikipedia Library gewonnen werden, der zunächst 15 kostenfreie Zugänge zur Verfügung gestellt hat.

Wir freuen uns sehr, heute ankündigen zu können, dass ab dem 1. Juni 2021 nun insgesamt 50 kostenfreie Zugänge zu den Inhalten von Zeit Online zur Verfügung stehen werden. Bewerbungen sind auf der Plattform von The Wikipedia Library möglich. Es gelten die normalen Zugangsbeschränkungen für das Angebot (500 Bearbeitungen, 6 Monate aktiv, 10 Bearbeitungen im letzten Monat, kein sonstiger Zugang und aktuell nicht gesperrt). Die Zugänge werden entsprechend der Bewerbungsreihenfolge bei Erfüllen der Kriterien vergeben. Martin und Sandro von Wikimedia Deutschland, 12.05.

  1. Włodzimierz Lewoniewski, Krzysztof Węcel, Witold Abramowicz: Analysis of References Across Wikipedia Languages. In: Communications in Computer and Information Science. 756, 23. September 2017, S. 561–573. doi:10.1007/978-3-319-67642-5_47.

Neues vom Projekt Unsichtbarkeitsmachung von IP-Adressen

Die WMF setzt ihr Bestreben fort, zukünftig keine IP-Adressen mehr in den Versionsgeschichten zugänglich zu machen. Wie ich gerade auf einer Mailingliste las, wünscht sie nun Kommentare von Wikidata-Benutzern auf dieser Seite; eventuell dürfen wir auch noch irgendwann unsere Meinung abgeben. Laut der FAQ ist die ganze Sache aber bereits entschieden, es geht nur noch darum wie schlimm es werden wird… –D.

Einladung zum Community-Forum: Untersuchung zur Kommunikationskultur in Wikipedia

am Montag, den 17. Mai (18:00 – 20:00 Uhr) werden im Rahmen des Community-Forums die Ergebnisse der bisherigen Diskussion rund um die „Untersuchung zur Kommunikationskultur in Wikipedia – Destruktive Verhaltensweisen und ihre Auswirkungen aus Betroffenenperspektive“ besprochen und weitere Fragen beantwortet.

Die Ergebnisse der Analyse wurden der Community am 27. April vorgestellt und in einer Runde von über 30 Personen diskutiert. Diese Diskussion kann nun im Rahmen des Communiy-Forums weitergeführt werden. Melde dich hier an mit deinen Fragen, die du gerne mit der Gruppe besprechen möchtest. Nico (WMDE), 10.5.

6. Ausgabe des „Frauen* für Wikipedia“-Edit-a-thons

Am 11. Mai 2021 findet bereits zum 6. Mal der „Frauen* für Wikipedia“-Edit-a-thon statt – eine gemeinsame Initiative von SRF, Ringier und Wikimedia CH. Ca. 80 Journalisten und Journalistinnen bearbeiten und erstellen von 17:00 bis 20:00 Uhr Frauenbiografien. Der Anlass wird nun bereits zum dritten Mal online durchgeführt. Dieses Mal haben wir die Unterstützungsmöglichkeiten noch weiter ausgebaut und Teilnehmende können sich in separate Räume einwählen, wo sie 1:1 Unterstützung erhalten von erfahrenen Wikipedianerinnen und Wikipedianern. Wie bereits bei den letzten drei Anlässen werden alle neuen Artikel zunächst im Benutzernamensraum erstellt und dann erst in den kommenden Tagen bzw. Wochen in den Artikelnamensraum verschoben. MS, 10.05.

WMF-Sprechstunde „Community-Angelegenheiten“

Vor kurzem wurde vom WMF-Board ein Komitee für Community-Angelegenheiten gegründet, mehr dazu hier. Das Komitee veranstaltet seine erste Sprechstunde (office hour) am 13. Mai 2021 um 21:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Die Sprechstunde wird live auf youtube gestreamt (hier), dort im Chat können auch Fragen gestellt werden. Wer sich per Zoom beteiligen möchte, wird gebeten sich vorab anzumelden, alle Details dazu findet ihr hier auf Meta. DB_(WMF), 7.05.

Digitaler Themenstammtisch: Nur für Kinder oder gar besser als die Wikipedia?

Das Klexikon ist die „kleine Schwester der Wikipedia“, hieß es auf heute.de. Wie unterscheidet sich aber die kleine Schwester von der großen? Wie muss man ein Wiki einrichten, das Kinder lesen? Und wie unterscheidet sich das Klexikon von anderen Wiki-Enzyklopädien für Kinder? Und haben die Wikipedianer Ideen, um das Klexikon zu verbessern?

Das ist das Thema heute abend im Digitalen Themenstammtisch. Herzlich Willkommen! Und merkt euch doch schon mal den 17. Mai 2021 vor. Denn dann geht es um ein weiteres (inoffizielles) Schwesterprojekt, nämlich um die freie Landkarte OpenStreetMap. Z., 6.05.

WTF is… Dunning-Kruger-Effekt?

Als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet man die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können zu überschätzen. Als solches dürfte der Dunning-Krüger-Effekt in der Wikipedia nicht selten sein. Tausende, wenn nicht gar zehntausende von Wikipedia-Artikeln dürften das Ergebnis des Dunning-Kruger-Effektes sein, der sich auch in vielen Artikeldiskussionen widerspiegelt.

Vielleicht sind auch die vorstehenden Zeilen ein typischer Dunning-Kruger-Effekt, weil ihr Verfasser darüber schwadroniert, obwohl er einem Psychologiestudium nie näher gekommen ist als einem Studium der Astrophysik. (Tatsächlich stimmt diese Aussage nur der Pointe willen, da ich tatsächlich mindestens eine Person kenne, die Psychologie studiert hat, aber keinen Astrophysiker. Zumindest nicht wissentlich.)

#allesdichtmachen oder: „Möglicherweise bin ich wegen meiner eigenen Inkompetenz nicht in der Lage, meine eigene Inkompetenz zu erkennen.“

Vielleicht ist aber auch dieses ganze Artikelchen bislang ein Dunning-Kruger, weil ich zwar der Überzeugung bin, einen halbwegs witzigen Text zu verfassen, aber allfällig vor lauter Inkompetenz nicht merke, daß meine Prosa alles andere als erträglich ist. Bevor ich mich also völlig blamiere, kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Artikels, der wie meine weiteren mit dem Titelbestandteil WTF den Einfluß einzelner Fernsehsendungen auf die Abrufzahlen von Wikipediartikeln zum Inhalt hat.

Und da ging es in dem am 2. Mai 2021 ausgestrahlten Tatort mit dem Team Börne/Thiel in Münster um eben diesen Dunning-Kruger-Effekt. Die Abrufzahlen des Artikels belaufen sich üblicherweise auf +/− 2000 Abrufe am Tag. Am Tag der Ausstrahlung der Tatortfolge schnellten sie auf das Zehnfache hoch (19.705), und an den beiden Folgetagen erreichten sie noch 13.024 bzw. 6.814.

Anzumerken wäre, daß schon einmal eine Tatortfolge Gegenstand dieser Artikelreihe war, nämlich die Lena-Odenthal-Folge Die Pfalz von oben mit Ben Becker. Damals hatte ich anhand des Bob-Dylan-Songs Lay Lady Lay gezeigt, daß das Tatortpulikum offensichtlich wikipediaaffiner ist als der Erzgebirgskrimi-Zuschauer. Den „Tatort-Binnenvergleich“ gewinnen die Münsteraner deutlich, aber das spiegelt auch die Einschaltquote wider. „Ganz schön clever von dem Liefers. 14 Millionen haben den #Allesdichtmachen-Honk sehen wollen.“ (Originalton mein Haus- und Hofbuchhändler) Das sind deutlich mehr als beim Odenthal-Tatort.

Hilfreich war wahrscheinlich auch, daß die fragliche Szene von den TV-Kritikern in ihren Rezensionen aufgenommen wurde, unter anderem in der Süddeutschen (SZ-Plus), bei Zeit Online, ja selbst auf Bild.de.

Zum Schluß steht hier der Dank an Frank Müller, dem ich den Hinweis auf Artikel und Sendung verdanke. Bereits archivierte Ausgaben dieser Artikelreihe sind unter Wikipedia:Kurier/WTF is… verlinkt. MaB 5.5.

Aus den Augen …

Wer ist eigentlich Therese Neuer-Miebach? Dank Wikipedia lässt sich das schnell nachschlagen: Sie ist eine deutsche Soziologin und Ethikexpertin, die sich vor allem mit Ethikfragen im Bereich der Sozialen Arbeit und im Kontext der Behindertenarbeit befasst. Folgt man dem eingangs angegebenen Link, ist sie zudem seit 2001 Mitglied beim Nationalen Ethikrat – oder zumindest war sie das bis gestern Abend. Der Nationale Ethikrat wurde 2001 von Gerhard Schröder eingesetzt, vor allem um Fragen der Medizinethik zu reflektieren. Er beschäftigte sich anfangs mit Technologiefolgenabschätzung, Gentherapie, Stammzellennutzung und Präimplantationsdiagnostik .... und wurde im Jahr 2008 aufgelöst und durch den Deutschen Ethikrat ersetzt, dem Neuer-Miebach nicht angehörte. Therese Neuer-Miebach war entsprechend die einzige, die noch im Nationalen Ethikrat verblieb – zumindest in der deutschsprachigen Wikipedia.

Warum schreibe ich dies? Natürlich, um einen Autoren anzuklagen, der seine Fürsorgepflicht für diesen Artikel nicht wahrgenommen hat: Der Artikel zu Therese Neuer-Miebach wurde am 13. April 2004 von einem Benutzer namens „Necrophorus“ angelegt, damals zusammen mit den anderen Mitgliedern des Ethikrates. Er hat sich danach nie wieder um den Artikel gekümmert und auch andere Autor*innen hatten Neuer-Miebach nicht auf dem Schirm. Als er ihn schrieb, war er Mitarbeiter der Pressestelle des Deutschen Humangenomprojekts, als der Ethikrat umstrukturiert wurde, hatte er allerdings schon ganz andere Baustellen. So blieb sie halt Mitglied im seit 12 Jahren nicht mehr bestehenden Nationalen Ethikrat und entwickelte sich auch sonst nicht weiter, obwohl sie als renommierte Expertin und Professorin der Fachhochschule Frankfurt durchaus Spuren hinterlassen hat. Necrophorus hat das Projekt übrigens nicht verlassen, er startete 2004 mit seinem neuen und bis heute aktiven Klarnamens-Account „Achim Raschka“. Dank einer Liste mit Autorenanteilen von Necrophorus stieß dieser gestern erneut auf den Artikel zu Therese Neuer-Miebach, der 16 Jahre nach Anlegen des Artikels noch immer zu über 80 % aus dem Text der Erstanlage bestand.

Warum schreibe ich dies also wirklich? Ich möchte daran erinnern, dass das Veraltern von Artikeln ständig voranschreitet. In den Tiefen der Wikipedia verharren viele weitere Artikel in einem Zustand, der im Moment der Anlage aktuell war. Besonders bei lebenden Personen ist das fatal, da sie sich hier scheinbar nicht weiterentwickeln. Dies ist ein Appell dazu, diese wichtigen Aktualisierungen nicht aus den Augen zu verlieren und vielleicht auch mal bewusst nach diesen aus den Augen verlorenen Biografien zu suchen und sie zu aktualisieren. Zugleich soll es aber auch Mahnung sein, bereits bei Neuanlagen von Artikeln lebender Personen die Wartbarkeit nicht aus den Augen zu verlieren; wir wollen doch nicht, dass etwa die heute als aufstrebende Jungprofessor*innen eingestellten Wissenschaftler*innen bei ihrer Emeritierung noch auf diesem Status eingefroren wurden. AR, 2.5.