Mary Roos

deutsche Schlagersängerin
Mary Roos (2015)

Mary Roos (* 9. Januar 1949 in Bingen am Rhein, bürgerlich Marianne Rosemarie Böhm, geborene Schwab) ist eine deutsche Schlagersängerin.

Musikalische KarriereBearbeiten

SchallplattenkarriereBearbeiten

1958–1969Bearbeiten

Nach ihren ersten musikalischen Auftritten im Hotel Rolandseck ihrer Eltern Karl und Maria Schwab[1][2] in Bingen trat sie 1958 als Neunjährige bei einem Sommernachtsfest des Karnevalvereins im benachbarten Weiler vor mehr als 800 Gästen auf. Dann wurde ein Plattenproduzent auf sie aufmerksam. Mit neun Jahren veröffentlichte sie auch ihre erste Schallplatte Ja, die Dicken sind ja so gemütlich; im Spielfilm Die Straße sang sie in einer kleinen Rolle die B-Seite Little Teenager Song. Weitere Singles entstanden bei der Polydor. Es folgten Live-Auftritte mit etablierten Kollegen unter ihrem bürgerlichen Vornamen Rosemarie. Um der Mode englisch klingender Künstlernamen zu folgen, tauschte sie später die beiden Namensteile; seitdem tritt sie unter dem Künstlernamen Mary Roos auf.

Ab 1961 folgten zahlreiche Aufnahmen für verschiedene Plattenfirmen. In dieser Zeit wurde sie künstlerisch von Produzent Horst-Heinz Henning begleitet, der als Material vorwiegend Coverversionen oder Volksweisen, aber auch seine eigenen Kompositionen verwendete. Viele dieser Aufnahmen lizenzierte Henning an diverse Plattenlabel, oftmals unter verschiedenen Künstler-Pseudonymen.

1968 erschien ihr erstes Album Die kleine Stadt will schlafen geh’n, eine gemeinsame Produktion mit dem Dresdner Mozart-Chor. Im Jahr darauf folgten Aufnahmen bekannter Kinderlieder und gesungener Märchen. Die nächste LP Golden Love wurde lediglich eine Zusammenstellung vorangegangener Single-Titel. In dieser Zeit wohnte sie in Beselich-Obertiefenbach im Landkreis Limburg-Weilburg. Eine erstmalige chronologische Zusammenstellung der Aufnahmen aus dieser Zeit veröffentlichte Bear Family Records unter dem Titel Jugendsünden 2011 als 3-CD-Box.

1970–1999Bearbeiten

Nach langer künstlerischer Aufbauphase gelang ihr 1970 der musikalische Durchbruch mit dem Titel Arizona Man, einer Komposition von Giorgio Moroder und Michael Holm. Dabei wurden erstmals Synthesizer (z. B. ein Stylophone im Intro des Liedes) bei einer deutschen Schlager-Produktion eingesetzt. Anschließend erschienen mehrere LPs, erneut auch bei Polydor. Nach Vertragsende Anfang der 1980er Jahre veröffentlichte sie bei der Hansa die LP Was ich fühle sowie einzelne Titel von unterschiedlichen Autoren wie z. B. Michael Kunze und Dieter Bohlen als Singles.

1987 erschien ihre vorläufig letzte LP Leben spür’n. Danach nutzte sie die Geburt des Sohnes für eine berufliche Pause. Erst 1992 veröffentlichte sie wieder ein Album (Alles was ich will) bei da music; ihr Vertrag mit dem Label dauert seitdem an. Anfang 1999 platzierte sie sich mit Leider lieb’ ich dich immer noch, der deutschen Version des US-Hits Believe von Sängerin und Schauspielerin Cher, erneut in den Top 100. In regelmäßigen Abständen entstehen bis heute Alben mit Balladen, Up-Tempo-Nummern und teilweise autobiographischen Texten, meist in Zusammenarbeit mit Michael Reinecke und Alexander Menke.

Ab 2000Bearbeiten

 
Mary Roos, 2011

2013 erschien mit Denk was du willst und zum ersten Mal bei Universal ein Album abseits der Schlagerszene. Unter der Produktion von Roberto di Gioia entstanden u. a. auch ein portugiesischer Titel von Caetano Veloso (O Leãozinho) sowie der französische Jacques Brel-Klassiker Ne me quitte pas. Die Fotografien für das Booklet stammten von Jazz-Trompeter Till Brönner, der auch seine Komposition Adrian beisteuerte. Erstmals in ihrer Karriere ging Mary Roos mit den Titeln dieses Albums auf eine ausverkaufte Solo-Clubtour.

Deutsche CoverversionenBearbeiten

Als Teenager sang sie zunächst Coverversionen zeitgenössischer Schlager ihrer Kolleginnen wie Caterina Valente (Rosen sind rot; Quando Quando), Nana Mouskouri (Ich schau den weißen Wolken nach), Cornelia Froboess (Zwei kleine Italiener; Lady Sunshine und Mister Moon) oder Connie Francis (Schöner fremder Mann; Paradiso).

Im späteren Verlauf ihrer Karriere war sie mit Adaptionen bekannter internationaler Hits erfolgreich. Dazu gehörten u. a. Titel von Diana Ross & The Supremes (Die Liebe kommt leis’ – You Can’t Hurry Love), Cat Stevens (Ich bin so reich – Moon Shadow), Sérgio Mendes & Brasil ’66 (Blauer Montag – Mas que nada), Frank Sinatra (So leb’ dein Leben – My Way), Cliff Richard (Ich werde geh’n heute nacht – We Don’t Talk Anymore), Modern Talking (Ich bin stark nur mit Dir – You’re My Heart, You’re My Soul) sowie Cher (Leider lieb’ ich dich immer noch – Believe).

Fernsehen und BühneBearbeiten

1971 erhielt sie ihre erste eigene Showreihe mit internationalen Stargästen unter dem Titel Marys Music. Es folgte die Sendung Hans im Glück – Die Mary-Roos-Show, in der sie bekannte Kinderlieder präsentierte. Außerdem hatte sie zahlreiche Auftritte in den populärsten Musiksendungen dieser Zeit. Als erste deutschsprachige Künstlerin produzierte Jim Henson 1976 mit ihr für eine Folge der Muppet Show eine eigene deutsche Fassung. 1978 sang sie die Titelmelodie zur Zeichentrickserie Pinocchio und erhielt die Personality-Show Maryland, die in 25 Länder verkauft wurde. Zudem sang sie 1964 den Song Kellerparty Twist für den Film Nebelmörder ein, der im selben Jahr in die Kinos kam.[3]

Mitte der 1970er Jahre übernahm sie am Stadttheater Münster unter der Regie von Samy Molcho in dem Musical Showboat die Rolle der Magnolia. Bis heute ist sie durch Fernsehauftritte und Tourneen auf deutschen Bühnen präsent. Von 2015 bis 2019 war sie mit Wolfgang Trepper mit ihrem gemeinsamen Programm Nutten, Koks und frische Erdbeeren auf Tour. In dieser Show zerlegten sie als „Schlagerhasser“ die Produkte des Genres. Diese wird seit 2020 mit Mehr Nutten, mehr Koks – scheiß auf die Erdbeeren fortgesetzt. 2018 nahm sie an der 5. Staffel der VOX-Reihe Sing meinen Song – Das Tauschkonzert teil.

Karriere im AuslandBearbeiten

1971 spielte Mary Roos in französischer Sprache an der Seite von Michel Fugain die Hauptrolle in dem Musical Un enfant dans la ville; für das ZDF synchronisiert und gesendet als Zum Teufel mit unserer Zeit – aber ich liebe sie. Ihre französischen Texte lernte sie – nach eigenen Angaben – zum größten Teil nur phonetisch. Einen weiteren Höhepunkt bildete ein mehrwöchiges Gastspiel im Pariser Olympia.

Bis 1977 folgten zahlreiche TV-Auftritte und Plattenaufnahmen in Frankreich. Ab 1999 machte sie wieder vereinzelt französische Aufnahmen auf verschiedenen Alben (Attention fragile; Weißt Du noch – Je n’oublie pas). 2009 kam die Zusammenstellung Amour Toujours – The French Song Collection mit französischen Titeln aus den Jahren 1972 bis 1975 als CD in den Handel. Neben ihrer Arbeit in Frankreich wurde sie vom Ausland u. a. zum Festival Internacional da Canção Popular nach Rio de Janeiro sowie zur UNICEF-Gala in Osaka als europäische Vertreterin eingeladen.

Teilnahme an MusikwettbewerbenBearbeiten

Beim Nachwuchswettbewerb im belgischen Seebad Knokke belegte Mary Roos 1963 den zweiten Platz und fand dort erstmals im benachbarten Ausland Beachtung. 1966 nahm sie an den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden teil und erreichte dabei Platz 6. Drei Jahre später startete sie 1969 beim Grand Prix RTL International mit Die Legende der Liebe (La légende de l’amour). Im gleichen Jahr ging sie mit Alles rutscht mir aus den Händen bei den Deutschen Schlagerfestspielen an den Start.

1970 holte man sie kurzfristig für die erkrankte Edina Pop zur Vorentscheidung des Grand Prix d’Eurovision. Der dabei vorgetragene zweitplatzierte Titel Bei jedem Kuss wurde nicht auf Tonträger veröffentlicht. 1972 gewann sie die deutsche Vorentscheidung und errang beim Grand Prix d’Eurovision den dritten Platz mit Nur die Liebe läßt uns leben – eine der erfolgreichsten Platzierungen eines deutschen Beitrags. Danach nahm sie 1975 mit Eine Liebe ist wie ein Lied und 1982 im Duett mit David Hanselmann (Lady) erneut an den deutschen Vorentscheidungen teil, konnte sich jedoch beide Male nicht für den internationalen Wettbewerb qualifizieren.

1984 schaffte sie mit Aufrecht geh’n zum zweiten Mal den Sprung ins europäische Finale des Grand Prix d’Eurovision und erreichte Platz 13. Der Entertainer Hape Kerkeling ermöglichte ihr 2010 in seiner Funktion als Chefsprecher die Teilnahme an der neugegründeten Experten-Jury der deutschen Delegation für den Eurovision Song Contest in Oslo. 2013 saß sie bei der deutschen Vorentscheidung Unser Song für Malmö neben weiteren Künstlern aus der Musikbranche erneut in der Fachjury. Beim Eurovision Song Contest 2018 war sie Präsidentin der deutschen Jury.

KarriereendeBearbeiten

Im Februar 2019 gab Mary Roos bekannt, dass sie ihre musikalische Karriere im Alter von 70 Jahren beenden wolle. Allerdings solle es kein abruptes Ende geben, um bestehende Verträge noch erfüllen zu können. Im Oktober 2019 spielte sie im Rahmen des SWR4-Festivals in Stuttgart ihr letztes Konzert. Anfang November 2019 trat die Schlagersängerin noch in der TV-Show Schlagerbooom 2019 im Ersten auf. Ihren letzten Fernsehauftritt sollte sie eigentlich anschließend in der Sendung Schlagerchampions 2020 Mitte Januar absolvieren. Der Fernsehmoderator Florian Silbereisen initiierte allerdings eine Überraschungsshow im MDR, in der die nichtsahnende Mary Roos nach 60 Jahren auf der Bühne endgültig verabschiedet wurde.[4]

PrivatlebenBearbeiten

Mary Roos war von 1969 bis 1977 mit dem aus Frankreich stammenden Pierre Scardin verheiratet. Er begleitete ihre Karriere als Manager im In- und Ausland. In zweiter Ehe war sie von 1981 bis 1989 mit dem Musiker Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals verheiratet. Aus dieser Ehe stammt der gemeinsame Sohn Julian (* 1986).

 
Fähre Mary Roos, Bingen/Rüdesheim

Im März 2017 taufte Mary Roos eine Autofähre, die zwischen ihrem Heimatort Bingen und Rüdesheim am Rhein verkehrt, auf ihren Namen.[5] Das konventionell motorisierte Doppelender-Fährschiff wurde auf der Lux-Werft in Mondorf am Rhein gebaut.

Mary Roos lebt bereits etwa seit der Jahrtausendwende abwechselnd in Hamburg-Wellingsbüttel und in Braunfels (Hessen). Ihre jüngere Schwester Monika ist unter dem Namen Tina York ebenfalls seit den 1970er Jahren als deutschsprachige Sängerin erfolgreich.

FilmografieBearbeiten

DiskografieBearbeiten

Charterfolge in den Singlecharts

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen/​‑monate, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungenTemplate:Charttabelle/Wartung/ohne QuellenTemplate:Charttabelle/Wartung/Monatsdaten
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen/Mo­nate, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH
1965 Geh’ nicht den Weg
Jugendsünden
DE36
(1½ Mt.)DE
Erstveröffentlichung: April 1965
1968 Das hat die Welt noch nicht erlebt
Deutsches Schlager-Gold, Vol. 2
DE19
(2½ Mt.)DE
Erstveröffentlichung: Dezember 1968
1969 Das Beste an Dir
Ihre großen Erfolge – Folge 2
DE33
(½ Mt.)DE
Erstveröffentlichung: Dezember 1969
1970 Arizona Man
Arizona Man
DE9
(4½ Mt.)DE
Erstveröffentlichung: April 1970
Am Anfang war die Liebe
Arizona Man
DE36
(½ Mt.)DE
Erstveröffentlichung: November 1970
1971 California Nacht
Deutsches Schlager-Gold, Vol. 2
DE39
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: August 1971
1972 Nur die Liebe läßt uns leben /
Wake Me Early in the Morning (englischsprachige Version) /
Nous (französischsprachige Version)
Woraus meine Lieder sind / Ihre großen Erfolge – Folge 2 / Mary Roos (1972)
DE17
(9 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: März 1972 (DE-Version)
Erstveröffentlichung: April 1972 (EN/FR-Version)
Platz 3 beim Eurovision Song Contest 1972
Er bleibt hier (für immer)
Deutsches Schlager-Gold, Vol. 2
DE39
(3 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: September 1972
1973 Fremdes Mädchen
Lieber John
DE45
(1 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: Februar 1973
Lieber John
Lieber John
DE40
(2 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: August 1973
1975 Eine Liebe ist wie ein Lied
Deutsches Schlager-Gold, Vol. 2
DE50
(1 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: März 1975
Stop, mach das noch einmal
Deutsches Schlager-Gold, Vol. 2
DE44
(2 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: August 1975
1979 Ich werde geh’n heute nacht
Was ich fühle
DE25
(12 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: September 1979
Original: Cliff RichardWe Don’t Talk Anymore
1982 Lady
Was ich fühle
DE31
(10 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: Februar 1982
mit David Hanselmann
1984 Aufrecht geh’n /
I’ll Walk Tall (englischsprachige Version) /
Du blues et du bleu (französischsprachige Version)
Keine Träne tut mir leid (Club-Edition) / Mary / Mary
DE56
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: Februar 1984
Platz 13 beim Eurovision Song Contest 1984
1998 Leider lieb’ ich dich immer noch
Mittendrin
DE87
(5 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 14. Dezember 1998
Original: CherBelieve

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mary Roos, Marianne Rosemarie Schwab (66.) – Europäischer Schlagerstar. Südwestrundfunk (SWR), 15. August 2007, abgerufen am 25. Dezember 2019.
  2. Schlagerstar Mary Roos zu Besuch in der Heimatstadt Bingen. hanz-online.de, 3. März 2017, abgerufen am 25. Dezember 2019.
  3. Georg Ernst: Kellerparty-Twist – Mary Roos. 3. Oktober 2010, abgerufen am 20. Mai 2017.
  4. Biografie Mary Roos. In: Schlager.de. Abgerufen am 17. Juli 2020.
  5. Schiffstaufe: Mary Roos fährt jetzt über den Rhein SWR Fernsehen
  6. tvprogramme: Programm vom Freitag, den 29. Dezember 1972