Werner Böhm

deutscher Sänger (1941-2020)
Werner Böhm, 2004

Werner Böhm (* 5. Juni 1941 in Thorn, Reichsgau Danzig-Westpreußen, Deutsches Reich; † 2. Juni 2020 auf Gran Canaria[1]) war ein deutscher Sänger und Musiker. Seine größten Erfolge verzeichnete er mit seiner Kunstfigur Gottlieb Wendehals in den 1980er-Jahren, mit Polonäse Blankenese hatte er 1981 einen Nummer-eins-Hit.

WerdegangBearbeiten

Werner Böhm war Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre Pianist bei den „Cabinet Jazzmen“ in Hamburg, die damals eine der populärsten Jazzbands in Norddeutschland waren. Dort hatte er den ersten Pianisten der Band, Kaschi Jöhnck, abgelöst, der nach San Diego, Kalifornien, ausgewandert war. So hatte er bereits mit 16 Jahren Auftritte in Deutschland. Nach seiner Lehre als Polsterer verdiente er sein Geld als Kaufhaus-Dekorateur. Von 1970 bis 1971 war er Jazz-Pianist in Hamburg unter anderem im „Jazz House“ („Knuds“), „Riverkasematten“, „Logo“, „Dennis Swing Club“, „Cotton-Club“, „Remter“ und im legendären „Onkel Pö“ der Hamburger Szene. Böhm begleitete in diesen Jahren am Flügel Musikergrößen wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Erroll Garner.

Ende 1974 startete Böhm eine Karriere als selbständiger Musiker, Texter und Komponist und gründete das „Werner Böhm Quintett“ mit dem „Teufelsgeiger“ Lonzo Westphal, Udo Lindenberg am Schlagzeug, am Bass Hans-Otto Mertens (Manager von Otto Waalkes), Gesang Knut Kiesewetter und Werner Böhm am Piano und Vibraphon.

1979 erschuf er die Bühnenfigur Gottlieb Wendehals, einen schlaksigen, etwas „tumben“ Spaßmacher mit norddeutschem Regiolekt, pomadisiertem Mittelscheitel, schwarzweiß kariertem Jackett, zerfledderter Aktentasche und einem Gummihuhn unterm Arm. In dieser Manier spielte er verschiedene Spaßtitel ein, von denen es Herbert (1980) und die Polonäse Blankenese (1981) bis in die deutschen Top 10 schafften, letzterer blieb neun Wochen auf dem ersten Platz. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms im Jahre 1982 wirkte Werner Böhm neben Karl Dall und Helga Feddersen in der Erotik-Klamotte Sunshine Reggae auf Ibiza mit. Ab 1985 reiste er mit vierzehn Musikern als „Gottlieb-Wendehals-Band“ durch Europa.

1982 nahm er an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil. Mit Der Ohrwurm erreichte er den elften und damit vorletzten Platz. Mit dem Lied Lady (sechster Platz), das seine damalige Ehefrau Mary Roos zusammen mit David Hanselmann vortrug, war er als Komponist und Texter (in Zusammenarbeit mit Michael Chambosse) ebenfalls beteiligt.

1984 versuchte sich Böhm an einem musikalischen Richtungswechsel. Das Album 84 Ahead orientierte sich stilistisch an Italo Disco, Disco und Rap. Böhm sang auf dem Album auf englisch. Die Titel Get On Up und I’m a Winner wurden als Single ausgekoppelt. Mit Get On Up trat er am 3. Mai 1984 im Musikladen auf. Kommerziellen Erfolg hatten das Album und die Singles nicht. In der Folge wurde 84 Ahead aufgegeben und Böhm trat wieder verstärkt als Gottlieb Wendehals auf.

1990 veröffentlichte Böhm einige Titel im Stile des volkstümlichen Schlagers. Er konnte aber nicht an seine Erfolge als Gottlieb Wendehals anknüpfen. Unter seinem bürgerlichen Namen nahm er 2004 an der ersten Staffel der Fernsehshow Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! teil. Im September 2005 zog er für eine Woche in das Haus der Fernsehsendung Big Brother ein. Dort hatte der alkoholkranke Böhm einen Rückfall. Im Dezember 2014 war er Kandidat der Castingshow Das Supertalent. Im Sommer 2015 nahm er an der Sendung Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein! teil und kämpfte zusammen mit 26 anderen Kandidaten um einen Platz im Dschungelcamp 2016.

PrivatlebenBearbeiten

Werner Böhm war dreimal verheiratet: Die erste Ehe mit einer Schweizerin wurde 1965 geschlossen. Die Schlagersängerin Mary Roos war von 1981 bis 1989 seine zweite Ehefrau. Seine dritte Ehefrau Susanne, mit der er seit 1995 verheiratet war, trennte sich 2019 von ihm.[2] Aus den Ehen ging jeweils ein Sohn hervor. Die Söhne wurden in den Jahren 1966, 1986 und 2007 geboren.

Obwohl er als Musiker ein millionenschweres Einkommen hatte, musste Böhm Mitte der 1990er Jahre Privatinsolvenz mit 600.000 Euro Schulden anmelden. Grund sei sein „Unvermögen mit Geld umzugehen“.[3] Er lebte seitdem auf „Sparflamme“. 2008 erfolgte eine erneute Privatinsolvenz.[4]

Am 26. September 2006 eröffnete Böhm im Hamburger Stadtteil Sasel das Restaurant „Wendehals“, das jedoch nach wenigen Wochen wieder geschlossen wurde.[5]

Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 2008 kandidierte er auf dem zweiten Listenplatz der Zentrumspartei.

Anfang 2020 zog Böhm von Hamburg nach Gran Canaria, wo er im Juni wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag starb.[1][6] Er wird eine Seebestattung erhalten.[7]

Der Spiegel schrieb im Nachruf: „Das Leben des Sängers Werner Böhm indes, der hinter der Maskerade steckte, war auch geprägt von Niederlagen. Böhm trank oft mehr, als gut für ihn war, und gab mehr Geld aus, als er hatte. Über beides redete er offen. Versuche, Wendehals hinter sich zu lassen, scheiterten.“[8]

DiskografieBearbeiten

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[9]
Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse
  DE 4 15.02.1982 (8 Wo.)
Da kommt Freude auf
  DE 27 15.11.1982 (9 Wo.)
Singles[9][10]
Herbert
  DE 4 28.01.1980 (16 Wo.)
Polonäse Blankenese
  DE 1Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/NR1-Link
 
Gold
23.11.1981 (21 Wo.)
  AT 10 15.02.1982 (8 Wo.)
  CH 12 14.02.1982 (3 Wo.)
Der Ohrwurm
  DE 70 19.04.1982 (2 Wo.)
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei
  DE 41 23.02.1987 (4 Wo.)
Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! (als Teil der Dschungel Stars)
  DE 2 09.02.2004 (9 Wo.)
  AT 18 08.02.2004 (8 Wo.)
  CH 31 22.02.2004 (4 Wo.)
King of the Jungle (Werner Böhm vs. Gottlieb Wendehals)
  DE 66 23.02.2004 (2 Wo.)

AlbenBearbeiten

  • 1977: Bitte recht freundlich...
  • 1979: Polonäse Blankenese
  • 1980: Abfahr’n
  • 1982: Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse
  • 1982: ErVolksLieder
  • 1982: Da kommt Freude auf
  • 1984: 84 AHEAD
  • 1988: Polonäse Blankenese
  • 1988: Power auf Dauer
  • 1990: Einmal im Jahr muss man feiern
  • 1990: Freibier für Deutschland
  • 1991: Wenn die Kirschblüten blüh’n
  • 1993: Voll drauf!
  • 1998: Schmarozza

SinglesBearbeiten

  • 1979: Herbert
  • 1980: Morgens Fango – Abends Tango
  • 1981: Mensch ärgere Dich nicht
  • 1981: Polonäse Blankenese
  • 1982: Jap dadel dip, dadel dup dadel
  • 1982: Der Ohrwurm
  • 1982: Polonäse mit Getöse
  • 1982: Damenwahl
  • 1983: Schick, Schick Bum, Bum
  • 1983: Gran Canaria
  • 1984: Get On Up
  • 1984: I’m a Winner
  • 1986: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei
  • 1990: Wenn die Nordlichter feiern
  • 1990: Wenn die Kirschblüten blüh'n im Alten Land
  • 1997: Samba de Janeiro (Samba Ramba Zamba)
  • 2000: Polonäse 2000
  • 2004: Old Mac Donald
  • 2004: King of the Jungle (Werner Böhm vs. Gottlieb Wendehals)
  • 2004: Summertime – Sunny Days (Werner Böhm feat. Gottlieb Wendehals)
  • 2006: Saalrunde
  • 2006: Tarzan ist wieder da
  • 2008: Fernsehen macht dumm dumm
  • 2010: Polonäse Blankenese (Haidie feat. Gottlieb Wendehals)
  • 2010: Der neue Böhm
  • 2011: Der Yeti (Es läuft ein Yeti durch die Serengeti)
  • 2011: Ein Eisbär in Sibirien
  • 2015: Gehen wir noch wohin

Werner Böhm als ProduzentBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • 2015: Werner Böhm: Gottlieb Wendehals – Das karierte Verhängnis. Printsystem Medienverlag, 2013, ISBN 978-3-938295-72-4.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Werner Böhm ist mit 78 Jahren gestorben, t-online.de, 3. Juni 2020
  2. Susanne Böhm schießt zurück, t-online.de, 15. Februar 2019
  3. Menschen bei Maischberger: Werner Böhm (Memento vom 7. Januar 2012 im Internet Archive) bei daserste.de und Menschen bei Maischberger vom 15. November 2011.
  4. Räumungsbefehl gegen Sänger Werner Böhm Die WELT online, 5. Juni 2011
  5. Bericht im Hamburger Abendblatt vom 2. Oktober 2006
  6. Süddeutsche Zeitung: Werner Böhm tanzte die letzte Polonäse auf Gran Canaria. Abgerufen am 4. Juni 2020.
  7. Werner Böhm: Nach seinem Tod bekommt er eine Seebestattung auf Gran Canaria, rtl.de, 4. Juni 2020
  8. Werner Böhm, 78spiegel.de
  9. a b Chartquellen: DE Gottlieb Wendehals/Werner Böhm DE IBES AT CH
  10. Auszeichnungen für Musikverkäufe: DE