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Mantua

italienische Gemeinde

Mantua (italienisch Mantova, lateinisch: Mantua, mantovanischer Dialekt: Màntua)[2] ist eine Stadt mit 49.308 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) in der Lombardei in Italien.

Mantua
Wappen
Mantua (Italien)
Mantua
Staat Italien
Region Lombardei
Provinz Mantua (MN)
Lokale Bezeichnung Mantua / Mantova
Koordinaten 45° 9′ N, 10° 47′ OKoordinaten: 45° 9′ 22″ N, 10° 47′ 28″ O
Höhe 19 m s.l.m.
Fläche 63 km²
Einwohner 49.308 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 783 Einw./km²
Stadtviertel Castelletto Borgo, Formigosa
Angrenzende Gemeinden Bagnolo San Vito, Curtatone, Porto Mantovano, Roncoferraro, San Giorgio di Mantova, Virgilio
Postleitzahl 46100
Vorwahl 0376
ISTAT-Nummer 020030
Volksbezeichnung Mantovani
Schutzpatron Anselm von Lucca
Website Mantua
Luftbild der Altstadt von Mantua
Luftbild der Altstadt von Mantua
Mantua and Sabbioneta
UNESCO-Welterbe-Emblem UNESCO-Welterbe
Staatsgebiet: ItalienItalien Italien
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iii
Referenz-Nr.: 1287
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2008  (Sitzung 32)

Mantua ist Hauptstadt der Provinz Mantua. Besonderheiten der Stadt sind der romanische Dom, die Renaissancekirche S. Andrea, der Palazzo Ducale und der Palazzo Te. Die Stadt, genauer das in ihrer Nähe gelegene antike Dorf Andes, gilt als Geburtsort Vergils. In William Shakespeares Tragödie Romeo und Julia ist Mantua jener Ort, in den Romeo verbannt wurde.

Die Stadt ist umgeben von vier Seen – Lago Superiore, Lago di Mezzo, Lago Inferiore und Lago Paiolo –, die im 12. Jahrhundert zur Verteidigung der Stadt angelegt wurden und vom Fluss Mincio gespeist werden. Dadurch wirkt die Stadt fast wie eine Insel.

Mantua wurde am 27. Oktober 2015 zur „Kulturhauptstadt Italiens 2016“ ernannt.[3]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Mantua, Stadtansicht

Die Liebenden von Valdaro sind ein etwa 6000 Jahre altes menschliches Skelettpaar, das 2007 in einem neolithischen Grab in San Giorgio di Mantova bei Mantua entdeckt wurde.

Mantua wurde von den Etruskern gegründet, die den Ort Manthva nannten. Für ihre mythische Gründungsgeschichte wird die griechische Seherin Manto benannt[4]; denkbar wäre auch ein Zusammenhang mit Mantus, der etruskischen Gottheit der Unterwelt.

Im Jahr 804 wurde das römisch-katholische Bistum Mantua gegründet. Im Vorfeld des Investiturstreits zu Pfingsten 1064 fand an diesem Ort eine Synode statt, die das damalige Papstschisma, welches die Entzweiung von deutschem Hof und dem römischen Reformpapsttum begründete, löste und Papst Alexander II. gegen den Gegenpapst Honorius II. als rechtmäßigen Pontifex bestätigte.

Seit 1328 regierte dort die Adelsfamilie der Gonzaga, die von den römisch-deutschen Kaisern 1362 zu Grafen, 1433 zu Markgrafen (Marchesi) und 1530 zu Herzögen erhoben wurden. Kaiser Karl V. übertrug den Gonzaga als treuen Verbündeten 1536 auch die Herrschaft über die wichtige Markgrafschaft Monferrato an der oft umkämpften französisch-italienischen Grenze. Zeitweilig stiegen sie dadurch zu einer der bedeutendsten Fürstendynastien Italiens auf, einen Höhepunkt der Kunstförderung erreichten sie unter Markgraf Franz II. (Francesco II., † 1519), dessen Ehefrau Isabella d’Este († 1538) und ihrem Sohn Federico († 1540). Eine Nebenlinie der mantuanischen Gonzaga etablierte sich in der Grafschaft Guastalla, deren Herrscher Ferdinand (Ferrante, † 1557) in kaiserlich-spanischen Diensten zum Vizekönig von Sizilien und Statthalter des Herzogtums Mailand aufstieg.

Das Aussterben der mantuanischen Hauptlinie der Gonzaga 1627 löste den zwischen Frankreich und den Habsburgern geführten Mantuanischen Erbfolgekrieg um das strategisch wichtige Herzogtum aus, der die ökonomische und kulturelle Blütezeit des Landes schlagartig beendete. 1631 musste der habsburgische Kaiser die französischen Erbfolgekandidaten, die Herzöge von Gonzaga-Nevers, als neue Herrscher von Mantua anerkennen. Da diese im Spanischen Erbfolgekrieg ab 1701 wiederum auf französischer Seite gegen Österreich standen, setzte der Kaiser sie 1708 ab; Mantua war seither direkter Teil des Habsburgerreiches.

Während der Koalitionskriege war die Stadt, die seit 1745 zum habsburgischen Herzogtum Mailand gehörte, mehrfach umkämpft. Napoleon konnte Mantua nach einer monatelangen Belagerung Anfang 1797 einnehmen, doch schon 1799 ging es wieder verloren. Erneut von 1805 bis 1814 stand Mantua unter französischer Herrschaft; Napoleon Bonaparte ließ in der Zitadelle am anderen Ufer des Mincio 1810 den gefangenen Führer des Tiroler Aufstandes, Andreas Hofer, hinrichten. Hiervon handelt das Andreas-Hofer-Lied („Zu Mantua in Banden“) von Julius Mosen. Es ist die Landeshymne des österreichischen Bundeslandes Tirol.

1814 wurde Mantua erneut österreichisch und kam erst 1866 als Folge des Deutschen Kriegs zu Italien. Unter österreichischer Herrschaft war der Ort Teil des oberitalienischen Festungsvierecks (it.: Quadrilatero), das 1815 zur Verteidigung der österreichischen Besitzungen in Italien in den Orten Peschiera, Mantua, Legnago und Verona errichtet wurde.

Nebenlinien des Hauses Gonzaga regierten länger als in Mantua noch in Guastalla, das 1621 zum Herzogtum erhoben worden war, und in der Grafschaft Novellara. Diese wurde 1737 von Modena annektiert, Guastalla fiel nach dem Aussterben der dortigen Gonzaga-Linie 1746 an Österreich, dann an Parma. Riccarda Gonzaga, die gestürzte Gräfin von Novellara und zeitweilige Regentin von Massa und Carrara (1731−1741), starb 1768.

Am 29. Mai 2012 ereignete sich ein schweres Erdbeben der Stärke 5,8 in Norditalien. Mantua war davon besonders betroffen, darunter der Palazzo Ducale und die Türme des Rathauses im Palazzo della Ragione. Das Epizentrum des Bebens lag im rund 60 km entfernten Medolla.[5]

 
Mantua und Festung 1866

Architektur und KulturBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Fassade Palazzo Ducale
 
Basilika Sant’Andrea
 
Piazza Sordello mit Dom, links davon das Bischöfliche Palais
 
San Sebastiano, Mantua

2008 wurden die Altstädte von Mantua und Sabbioneta gemeinsam in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Kulturelle InstitutionenBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Mantua ist einer der größten Umschlagsplätze für Agrarprodukte in der Po-Ebene.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Mantua unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und TöchterBearbeiten

Mit Mantua verbundenBearbeiten

  • Leon Battista Alberti (1404–1472), entwarf die Kirchen San Sebastiano und Sant’Andrea.
  • Roberto Ardigò (1828–1920), Philosoph, lebte von 1836 bis 1888 und von 1918 bis 1920 in Mantua.
  • Vittorino da Feltre (1378–1446), Renaissance-Humanist und Lehrer, lehrte seit 1423 in Mantua
  • Andreas Hofer (1767–1810), Tiroler Freiheitskämpfer, in Mantua durch Erschießen hingerichtet
  • Andrea Mantegna (1431–1506), italienischer Maler und Kupferstecher, ab 1456 Hofmaler der Gonzaga in Mantua
  • Claudio Monteverdi (1567–1643), Komponist, Gambist, Sänger und katholischer Priester, von 1590 bis 1612 am Hof von Mantua als Sänger und Violinist; seine Oper L’Orfeo wurde in Mantua 1607 uraufgeführt.
  • Giulio Romano (1499–1546), Maler und Architekt, von 1524 bis 1546 am Hof der Gonzaga in Mantua tätig.
  • Vergil (70–19 v. Chr.), Dichter, bei Mantua geboren

LiteraturBearbeiten

  • Visioni di Mantova, Istituto Geografico de Agostini, Novara 1953, 24 Farbtafeln (Beschriftung ital., franz., engl., deutsch).
  • Elisabeth Th. Hilscher-Fritz: Mantua. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.
  • Walter Pippke, Ida Leinberger: Gardasee, Verona, Mantua, Trentino. Kunst und Geschichte im Zentrum des Alpenbogens. (DuMont Kunst-Reiseführer). DuMont, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7701-6617-6

WeblinksBearbeiten

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EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. Pierino Pelati: Acque, terre e borghi del territorio mantovano, Saggio di toponomastica, Asola 1996.
  3. Mantua zur Kulturhauptstadt Italiens 2016 ernannt, auf enit.de, abgerufen am 12. November 2015
  4. Vergil Aeneis 10.199
  5. http://www.corriere.it/cronache/12_maggio_29/terremoto-scossa-nord-italia_0a299d18-a95d-11e1-a673-99a9606f0957.shtml