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Anselm II. von Lucca

römisch-katholischer Bischof und Heiliger

Anselm II. von Lucca (eigentlich Anselmo da Baggio, * 1035 in Mailand; † 18. März 1086 in Mantua) war ein römisch-katholischer Bischof und Heiliger.

LebenBearbeiten

Er entstammte dem Mailänder Adelshaus da Baggio. Seine Familie gehörte der höheren Gesellschaftsschicht an und einige Mitglieder waren als missi im Reichsdienst. Er war der Neffe des Luccheser Bischofs Anselms I., der als Alexander II. im Jahr 1061 zum Papst erhoben wurde. Im Jahr 1062 wurde er zum Kardinal ernannt.

Anselm II. war bereits seit früher Jugend, vermutlich schon im Kindesalter, der Mailänder Kirche zugehörig und wurde in ihrer Domschule ausgebildet. Nach dem Studium in Mailand wurde er Mönch im Kloster Polirone, obwohl auch eine Ausbildung im Kloster Le Bec in der Normandie nicht auszuschließen ist. Nachdem Papst Alexander II. kurz vor seinem Tod 1073 Anselm für die Nachfolge auf den Bischofsstuhl von Lucca designiert hatte, fiel die Bischofserhebung in die erste Phase des Investiturstreits zwischen dem deutschen Hof und dem Papsttum. Erst nach einem Ausgleich des neuen Papstes Gregor VII. mit Heinrich IV. konnte seine Investitur und Weihe folgen. Seine Investitur erfolgte unter Heinrich IV. 1074, seine Weihe erfolgte erst 1075.

Im Februar 1075 verzichtete er auf sein Bischofsamt und trat dem Kloster St-Gilles (Rhônemündung) bei. Jedoch scheiterte er bei diesem Versuch durch das Veto des Papstes, der seine Rückkehr nach Lucca anordnete. Die Gründe für seine Abdankung sind ungewiss.

Anselm kam dem Veto des Papstes nach und leitete noch im selben Jahr die Kanonikerreform in Lucca ein, deren Misserfolg allerdings im Jahr 1080 mit der Vertreibung durch eigene Kleriker aus der Diözese besiegelt war. In den Jahren 1079 und 1080 nahm er an den Reformsynoden teil.

Sein restliches Leben verbrachte Anselm im Exil und wurde geistlicher Berater der Markgräfin Mathilde von Tuszien. Er war auch ein treuer Verbündeter des Papstes Gregor VII. Gregor entsandte Anselm in besonders problematische Gebiete (päpstlicher Legat in Mailand 1077, Vikariat in der Lombardei 1081). Es ist auch gut möglich, dass er vom Papst als sein möglicher Nachfolger ausgewählt wurde.

Anselm II. ist als Kanonist aufgrund seiner Kanonessammlung bekannt. Diese sind wahrscheinlich im Jahr 1083 entstanden.

Im Jahr 1087 wurde er heiliggesprochen.

Collectio canonumBearbeiten

Die Bedeutung des Werkes Collectio canonum von Anselm II. liegt laut dem Historiker Theo Kölzer in der Auswahl und Systematisierung des überlieferten kirchenrechtlichen Stoffes. Das Werk beschäftigt sich ausgiebig mit der materiellen Zwangsgewalt der Kirche sowie mit der Frage des „gerechten Kriegs“. So kann man ihn hinsichtlich seiner Theorie über einen gerechten Krieg als Vorläufer der Kreuzzüge bezeichnen. Von allen Reformsammlungen erlangte dieses Werk die größte Verbreitung und Bedeutung.

WerkeBearbeiten

  • Collectio canonum
  • Liber ad Wibertum
  • Epistolae
  • Sermo de caritate

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten