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Lomowo (russisch Ломово, deutsch Puspern, auch: Tublauken, 1938 bis 1946 Schweizersfelde, litauisch Pusperiai, auch: Tūblaukiai) ist der gemeinsame Name zweier ursprünglich selbständiger Orte in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Sie gehören zum Gussewski gorodskoi okrug (Stadtkreis Gussew (Gumbinnen)).

Siedlung
Lomowo /
I. Puspern
II. Tublauken (Schweizersfelde)

Ломово
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gussew
Frühere Namen I. Schydellischken (um 1590),
Schiedelischken (um 1590),
Schiedelkehmen (um 1590),
Schidelkehm (nach 1615),
Groß Bredow (vor 1785),
Groß Puspern (vor 1785),
Puspern (bis 1946);

II. Tauglaugken (vor 1711),
Tublaucken (nach 1785),
Tublauken (bis 1938),
Schweizersfelde (1938–1946),
Rabotkino (vor 2005)
Bevölkerung 190 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40143
Postleitzahl 238041
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 212 802 003
Geographische Lage
Koordinaten 54° 38′ N, 22° 21′ OKoordinaten: 54° 37′ 48″ N, 22° 21′ 7″ O
Lomowo (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Lomowo (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Lomowo liegt elf Kilometer nordöstlich der Stadt Gussew (Gumbinnen) an einer Nebenstraße (27K-062), die von Gussew über Podgorowka (Groß Baitschen) nach Kalinowo (Alt Budupönen, 1938 bis 1946 Altpreußenfelde) führt. Die heutige Siedlung wird durch den Narpe-Kanal (russisch: kanal Nerpa) in den Nord- und in den Südteil untergliedert.

Die nächste Bahnstation ist Diwnoje Nowoje (Bahnhof Trakehnen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode), einem Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn, zur Weiterfahrt nach Moskau.

GeschichteBearbeiten

Bis 1945Bearbeiten

PuspernBearbeiten

Der heutige Nordteil Lomowos, das einstige Puspern[2] war vor 1945 ein kleines Dorf mit großem Gut mit den einbezogenen Ortsteilen Gut Puspern, Klein Puspern, Packledimm (alle nicht mehr existent) und Bahnhof Trakehnen (heute russisch: Diwnoje). Bereits im Jahre 1557 wurde der Ort erstmals erwähnt. Am 18. März 1874 wurde Puspern Amtsdorf und namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk[3], der bis 1945 bestand und zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

In Puspern waren im Jahre 1910 469 Einwohner registriert[4], von denen 294 im Gutsbezirk, 175 in der Landgemeinde lebten. Ihre Gesamtzahl lag 1933 bei 440 und betrug 1939 441[5].

Im Jahre 1945 kam Puspern in Kriegsfolge mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Amtsbezirk Puspern (1874–1945)Bearbeiten

Der Amtsbezirk Puspern bestand ursprünglich aus acht Dörfern, am Ende waren es noch sechs[3]:

Ortsname Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Bemerkungen
Eysseln Kubanskoje
Grünhaus Seljonoje
Pabbeln Sewerskoje,
später: Lomowo
Puspern, Dorf Lomowo
Puspern, Gut 1928 in die Landgemeinde Puspern eingegliedert
Schorschienen Moosgrund Gawrilowo
Schröterlauken Schrötersheim Podgorowka vor 1900 in die Landgemeinde Puspern eingegliedert
Tublauken Schweizersfelde Rabotkino,
jetzt: Lomowo

Am 1. Januar 1945 bildeten den Amtsbezirk Puspern die Orte: Eysseln, Grünhaus, Moosgrund, Pabbeln, Puspern und Schweizersfelde.

Schule

Im Dorf Puspern bestand eine Volksschule. Sie war einklassig und verfügte über ein etwa 1937 errichtetes Schulgebäude.

PersönlichkeitBearbeiten
Mit dem Ort verbunden
  • Theodor Kaeswurm (1825–1883), Rittergutsbesitzer und Parlamentarier auf Gut Puspern
  • Gustav von Deutsch (1825–1878), deutscher Jurist und Offizier im Sessionskrieg, verstarb am 2. Oktober 1878 auf Gut Puspern

Tublauken (Schweizersfelde)Bearbeiten

Der den heutigen Südteil der Siedlung bildende einstige Ort Tublauken[6] war ein ehemaliges Koloniedorf schweizerischer Zuwanderer. Zu dem Dorf gehörte seit Ende des 19. Jahrhunderts das Gut Schröterslauken (1938 bis 1946 Schrötersheim, russisch: Oneschskoje, jetzt Podgorowka). Zwischen 1874 und 1945 gehörte das 1938 in „Schweizersfelde“ umbenannte Dorf zum Amtsbezirk Puspern[3] im Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. In Tublauken lebten im Jahre 1910 290 Einwohner[4], 1933 waren es noch 235 und 1939 nur noch 215[5]. Wie alle anderen Orte im nördlichen Ostpreußen kam auch Schweizersfelde 1945 zur Sowjetunion.

Schule

Tublauken resp. Schweizersfelde war Schulort. Hier stand ein nach 1920 erbautes Schulgebäude, in dem zweiklassig unterrichtet wurde.

Seit 1945Bearbeiten

Im Jahre 1946 erhielten Puspern bzw. Tublauken resp. Schweizersfelde russische Bezeichnungen: Lomowo bzw. Rabotkino. Zwischen 1947 und 2008 waren die Orte in den neu gebildeten Brjanski selski sowjet (Dorfsowjet Brjanskoje (Pruszischken, 1938 bis 1946 Preußendorf)) eingegliedert, der dem neu geformten Rajon Gussew (Kreis Gumbinnen) zugeordnet war. Im Zusammenhang einer umfassenden Struktur- und Verwaltungsreform[7] wurden Lomowo und Rabotkino unter dem Namen Lomowo vereinigt und in die neu gebildete Kalininskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kalininskoje (Augstupönen, 1938 bis 1946 Hochfließ)) eingegliedert. Diese ging im Jahre 2013[8] im neu strukturierten Gussewski gorodskoi okrug (Stadtkreis Gussew) auf. Die Einwohnerzahl der als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestuften Ortschaft Lomowo beträgt 190 (Stand: 14. Oktober 2010[1]).

KircheBearbeiten

Die Bevölkerung sowohl Pusperns als auch Tublaukens resp. Schweizersfeldes war vor 1945 fast ohne Ausnahme evangelischer Konfession. Beide Dörfer waren in das Kirchspiel der Kirche Szirgupönen (der Ort hieß zwischen 1936 und 1938: Schirgupönen, 1938 bis 1946: Amtshagen, ab 1946: Dalneje, ist heute nicht mehr existent) eingepfarrt. Damit gehörten sie zum Kirchenkreis Gumbinnen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Lomowo im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen). Sie ist Teil der Propstei Kaliningrad[9] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Puspern
  3. a b c Rolf Jehke, Amtsbezirk Puspern
  4. a b Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Gumbinnen
  5. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Kreis Gumbinnen (russ. Gussew). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Dietrich Lange, geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Schweizersfelde
  7. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  8. Nach dem Gesetz Nr. 230 vom 29. Mai 2013
  9. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info