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Podgorowka (russisch Подгоровка, deutsch Groß Baitschen, auch: Klein Baitschen sowie Schröterlauken, 1938 bis 1946 Schrötersheim, litauisch Didieji Baičiai, auch: Mažieji Baičiai sowie: Šrotlaukiai) ist der gemeinsame Name dreier einst eigenständiger Orte in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Sie gehören zum Gussewski gorodskoi okrug (Stadtkreis Gussew (Gumbinnen)).

Siedlung
Podgorowka /
I. Groß Baitschen
II. Klein Baitschen
III. Schröterlauken (Schrötersheim)

Подгоровка
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gussew
Erste Erwähnung 1654 (Schröterlauken)
Frühere Namen I. Beutfeld (vor 1539),
Bautlauken (vor 1554),
Buttlewckenn (nach 1555),
Baitzschen (nach 1590),
Groß Baitschen (bis 1946);

II. Beutfeld (vor 1590),
Kleinbaitschen (vor 1871),
Klein Baitschen (bis 1946),
Ljublimowka (vor 2005);

III. Schroeterlauken (1654),
Schröterslauken (nach 1785),
Schrötterlaucken (nach 1796),
Schröterlauken (bis 1938),
Schrötersheim (bis 1946),
Oneschskoje (vor 2005)
Bevölkerung 166 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40143
Postleitzahl 238041
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 212 802 004
Geographische Lage
Koordinaten 54° 36′ N, 22° 19′ OKoordinaten: 54° 35′ 45″ N, 22° 19′ 0″ O
Podgorowka (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Podgorowka (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Podgorowka liegt am Zusammenfluss von Schwentischke (1938 bis 1945: Heidewasser, russisch: Russkaja) und Roßbach (deutsch später auch: Pissa), acht Kilometer südöstlich der Stadt Gussew (Gumbinnen). Durch den Ort verläuft eine von Kalininskoje (Augstupönen, 1938 bis 1946 Hochfließ) kommende Nebenstraße (27K-274), die hier auf die nach Lomowo (Puspern) führende Hauptstraße (27K-062) trifft. Der Ort wird zerschnitten durch die russische Fernstraße A 229 (einstige deutsche Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28) und die Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode), einem Teilstück der früheren Preußischen Ostbahn – heute hier ohne den einstigen Haltepunkt Groß Baitschen (1163 km) – zur Weiterfahrt nach Moskau.

GeschichteBearbeiten

Bis 1945Bearbeiten

Groß BaitschenBearbeiten

Nach der ostpreußischen Großen Pest siedelten sich wenige Jahrzehnte später Exulanten aus Salzburg sowie Schweizer hier an.

Das kleine und ehedem Beutfeld genannte Dorf[2] mit einem Gut war zwischen 1874 und 1945 Teil des Amtsbezirks Szirgupönen[3]. Dieser gehörte – umbenannt 1936 in „Amtsbezirk Schirgupönen“, 1939 in „Amtsbezirk Amtshagen“ – zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

Im Jahre 1910 waren in Groß Baitschen 290 Einwohner gemeldet[4]. Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 325 und betrug 1939 noch 306[5]. Hier bestand eine einklassige Volksschule, deren Gebäude vor 1914 errichtet worden war. Als letzter deutscher Lehrer war hier Fritz Merlins tätig.

1945 erfuhr Groß Baitschen in Kriegsfolge ebenso wie alle Dörfer des nördlichen Ostpreußens die Zuordnung zur Sowjetunion.

Klein BaitschenBearbeiten

Auch in Klein Baitschen siedelten sich nach der Großen Pest in Ostpreußen zahlreiche Salzburger an.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges besetzten russische Truppen im August 1914 das Dorf. Bei ihren Rückzug nach der verlorenen Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914 ließen sie Klein Baitschen vollkommen zerstört zurück.[6]

Das in seiner Anfangszeit noch mit Groß Baitschen gemeinsam Beutfeld genannte kleinere Dorf[7] wurde 1874 in den neu errichteten Amtsbezirk Szirgupönen[3] eingegliedert, der – 1936 in „Amtsbezirk Schirgupönen“ und 1939 in „Amtsbezirk Amtshagen“ umbenannt – bis 19345 bestand und zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Die Einwohnerzahl Klein Baitschens betrug im Jahre 1910 199[4], 1933 noch 181 und 1939 nur noch 165[5]. 1926 war hier eine einklassige Volksschule erbaut worden. Wie auch Groß Baitschen wurde Klein Baitschen 1945 der Sowjetunion zugeführt.

Schröterlauken/SchrötersheimBearbeiten

Der in der heutigen Siedlung am nördlichsten gelegene Ortsteil wurde als Schroeterlauken bereits im Jahre 1654 erstmals erwähnt[8] und bestand vor 1945 im Wesentlichen aus einem Gut. 1874 wurde der Ort dem neu errichteten Amtsbezirk Puspern[9] (heute russisch: Lomowo) zugeteilt und gehörte somit zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Noch im 20. Jahrhundert wurde der Ort in die Gemeinde Tublauken (1938 bis 1946: Schweizersfelde, heute russisch: Lomowo) eingegliedert, wo auch die zugehörige Schule stand und als deren Wohnplatz er am 3. Juni 1938 aus politisch-ideologischen Gründen in „Schrötersheim“ umbenannt wurde. 1945 wurde das Dorf mit seiner Muttergemeinde in die Sowjetunion überführt.

Seit 1946Bearbeiten

Bereits im Jahre 1946 erhielten die einst ostpreußischen Orte Groß und Klein Baitschen[10] wie auch Schröterlauken resp. Schrötersheim russische Bezeichnungen und hießen Podgorowka, Ljublimowka und Oneschskoje. Alle drei Orte wurden in den Brjanski selski sowjet (Dorfsowjet Brjanskoje (Pruszischken, 1935 bis 1945 Preußendorf)) eingegliedert, der dem neu geformten Rajon Gussew (Landkreis Gumbinnen) zugeordnet war. Zwischen etwa 1967 und etwa 1980 war Podgorowka das Zentrum des Dorfsowjets Brjanskoje. Nach einer Struktur- und Verwaltungsreform[11] wurden alle drei Orte unter dem einheitlichen Namen „Podgorowka“ zusammengefasst und als eine „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft in die Kalininskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kalininskoje (Augstupönen, 1938 bis 1946 Hochfließ)) eingegliedert. Sie existierte bis 2013 und ging dann in dem neu strukturierten Gussewski gorodskoi okrug (Stadtkreis Gussew) auf. Die Einwohnerzahl von Podgorowka beträgt aktuell 166 (Stand: 14. Oktober 2010[1]).

KircheBearbeiten

Die drei Dörfer Groß und Klein Baitschen sowie Schröterlauken resp. Schrötersheim waren aufgrund ihrer fast ausnahmslos evangelischen Bevölkerung in das Kirchspiel der Kirche Szirgupönen (der Ort hieß zwischen 1936 und 1938: Schirgupönen, 1938 bis 1946: Amtshagen, ist heute nicht mehr existent) eingepfarrt und waren damit Teil des Kirchenkreises Gumbinnen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung kam das kirchliche Leben zum Erliegen. Heute liegt Podgorowka im Einzugsgebiet der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen). Sie gehört zur Propstei Kaliningrad[12] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Groß Baitschen
  3. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Szirgupönen/Amtshagen
  4. a b Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Gumbinnen
  5. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Kreis Gumbinnen (russ. Gussew). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Paul Hurtzig: Kelch, Schwert und Kreuz in der Ostmark. Kriegseindrücke aus Ostpreußen. Friedrich Bahn, Schwerin, 2. Aufl. 1916, S. 8.
  7. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Klein Baitschen
  8. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Schrötersheim
  9. Rolf Jehke, Amtsbezirk Puspern
  10. Dalneje - Schirgupönen/Amtshagen; Podgorowka - Baitschen (mit Fotos aus Groß und Klein Baitschen heute)
  11. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  12. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info