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Jasnoje Pole (russisch Ясное Поле, deutsch Krausenwalde) ist ein Ort im Rajon Gussew in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gussew. Außer das ehemalige Krausenwalde übernahm Jasnoje Pole im Laufe seines Bestehens noch weitere ehemalige deutsche Orte in der Umgebung. Derzeit besteht der Ort offenbar nur noch aus zwei Gebäudekomplexen in den ehemaligen Ortslagen Antbrakupönen/Kahlheim und Tzullkinnen/Steffenshöfchen.

Siedlung
Jasnoje Pole
Antbrakupönen (Kahlheim), Krausenwalde, Packallnischken (Bergendorf), Tzullkinehlen, Tzullkinnen (Steffenshöfchen)

Ясное Поле
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gussew
Erste Erwähnung 1564 (Packallnischken)
1624 (Krausenwalde)
Frühere Namen I. Pakallinischklen (nach 1564),
Pawehsen (vor 1780),
Pawesen (nach 1780),
Pakallnischken (nach 1785),
Packalnischken (nach 1871),
Packallnischken (bis 1938),
Bergendorf (Ostpr.) (1938–1946),
Suworowo (bis vor 2005)

II. Galhusen (vor 1785),
Krausenhöfchen (vor 1785),
Klein Kahlhausen (nach 1785),
Krausenwalde (bis 1946)
Bevölkerung 3 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40143
Postleitzahl 238044
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 212 810 006
Geographische Lage
Koordinaten 54° 41′ N, 22° 12′ OKoordinaten: 54° 40′ 39″ N, 22° 12′ 20″ O
Jasnoje Pole (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Jasnoje Pole (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Jasnoje Pole liegt zehn Kilometer nördlich der Stadt Gussew (Gumbinnen) an der russischen Fernstraße A 198 (27A-040, ehemalige deutsche Reichsstraße 132). Die nächste Bahnstation ist Gussew an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode), einem Teilstück der früheren Preußischen Ostbahn, zur Weiterfahrt nach Moskau.

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1947 wurde der ehemalige deutsche Ort Krausenwalde in Jasnoje Pole umbenannt.[2] Vor 1976 wurden dann noch die Orte Suworowo (dt. Packallnischken/Bergendorf) und Serpuchowo (dt. Antbrakupönen/Kahlheim, Tzullkinehlen, Tzullkinnen/Steffenshöfchen)[3] an Jasnoje Pole angeschlossen.[4] Der Gebäudeschwerpunkt des Ortes lag offenbar am Weg von Antbrakupönen nach Tzullkinehlen. Mitte der 1980er Jahre wohnten in Jasnoje Pole etwa 60 Personen[5], im Jahr 2002 noch 17 Personen und im Jahr 2010 noch 3 Personen.[6]

Der Ort Jasnoje Pole gehörte seit 1947 zum Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Maiski, von 2008 bis 2013 zur Landgemeinde Kubanowskoje und seither zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gussew.

KrausenwaldeBearbeiten

Das Gutsdörfchen Krausenwalde[7] wurde 1624 erstmals erwähnt. Von 1874 bis 1928 war es Teil des Amtsbezirk Packallnischken[8] im Kreis Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 zählte der Ort 130 Einwohner[9].

Am 30. September 1928 verlor der Gutsbezirk Krausenwalde seine Eigenständigkeit und wurde in die Landgemeinde Antbrakupönen (1938 bis 1945: Kahlheim) eingemeindet. Mit dem gesamten nördlichen Ostpreußen wurde das Dorf 1945 der Sowjetunion zugeordnet.

Packallnischken (Bergendorf)Bearbeiten

Das kleine früher Packallnischken genannte Dorf[10] wurde bereits im Jahre 1564 erstmals urkundlich erwähnt. Am 18. März 1874 wurde es Amtsdorf und damit namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk[8], der bis 1945 bestand und zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Im Jahre 1910 waren in Packallnischken 186 Einwohner gemeldet[9]. Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 226 und belief sich 1939 auf 201[11].

Aus politisch-ideologischen Gründen zwecks Vermeidung nicht deutsch klingender Ortsnamen wurde Packallnischken am 3. Juni – offiziell bestätigt am 16. Juli – im Jahre 1938 in „Bergendorf (Ostpr.)“ umbenannt. 1945 kam das Dorf in Kriegsfolge mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Amtsbezirk Packallnischken (Bergendorf)Bearbeiten

Der Amtsbezirk Packallnischken (1939 in „Amtsbezirk Bergendorf (Ostpr.)“ umbenannt) bestand zwischen 1874 und 1945. Ihm gehörten anfangs 13, am Ende noch 6 Dörfer zu[8]:

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Bemerkungen
Antbrakupönen Kahlheim Serpuchowo
Bersteningken Berstenau Aljabjewo
Chorbuden Gorbatschowo
Johannisthal Iwanowka 1928 nach Bersteningken eingegliedert
Klampupönen
Krausenwalde Jasnoje Pole 1928 nach Antbrakupönen eingegliedert
Kutten Jekaterinowka
Packallnischken Bergendorf (Ostpr.) Suworowo,
jetzt: Jasnoje Pole
Rudstannen Steffensfelde
Samohlen 1928 nach Kutten eingegliedert
Tzullkinnen, Dorf ab 1935:
Steffenshöfchen
nach Steffensfelde eingemeindet
Tzullkinnen, Gut 1928 nach Rudstannen eingegliedert
Wilkehlen Wilken Pugatschjowo

Am 1. Januar 1945 bestand der Amtsbezirk Bergendorf aus den Gemeinden: Bergendorf, Berstenau, Chorbuden, Kahlheim, Kutten und Steffensfelde.

KircheBearbeiten

Die Bevölkerung der beiden Dörfer Packallnischken (Bergendorf) und Krausenwalde war vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Sie gehörten zum Kirchspiel der Kirche Niebudszen (der Ort hieß zwischen 1936 und 1938: Niebudschen, 1938 bis 1946: Herzogskirch, heute russisch: Krasnogorskoje) im Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Jasnoje Pole im Einzugsgebiet der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew. Sie ist Pfarrsitz und gehört zur Propstei Kaliningrad[12] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad)
  3. Im Umbenennungserlass von 1950 wurden Tzullkinehlen und Tzullkinnen als "Tzullkehlen" "zusammengefasst".
  4. Der Anschluss von Suworowo erfolgte offenbar "amtlich" und der Anschluss von Serpuchowo möglicherweise "inoffiziell".
  5. Gemäß sowjetischer topologischer Karte N-34-45
  6. beides Volkszählungsdaten
  7. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Krausenwalde
  8. a b c Rolf Jehke, Amtsbezirk Packallnischken/Bergendorf (Ostpr.)
  9. a b Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Gumbinnen
  10. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Bergendorf (Ostpr.)
  11. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Kreis Gumbinnen (russ. Gussew). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  12. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info