Judino (Kaliningrad, Gussew)

Judino (russisch Юдино, deutsch Blecken, litauisch Blėkiai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zum Rajon Gussew (Stadtkreis Gumbinnen).

Siedlung
Judino / Blecken
Юдино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gussew
Erste Erwähnung 1564
Frühere Namen Bleckis (1564),
Narponischken (vor 1591),
Blagkenn (nach 1591),
Blacken (vor 1711),
Blekken (nach 1796),
Blecken (bis 1946)
Bevölkerung 63 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40143
Postleitzahl 238032
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 212 804 009
Geographische Lage
Koordinaten 54° 38′ N, 22° 14′ OKoordinaten: 54° 38′ 24″ N, 22° 14′ 24″ O
Judino (Kaliningrad, Gussew) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Judino (Kaliningrad, Gussew) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Judino liegt sechs Kilometer nordöstlich der Stadt Gussew (Gumbinnen) im Kreuzungspunkt einer von Sewerny (Klein Kannapinnen, 1938 bis 1946 Kleinblecken) kommenden Nebenstraße mit der Verbindungsstraße (27K-293) von Krasnogorskoje (Niebudszen/Niebudschen, 1938 bis 1946 Herzogskirch) zur russischen Regionalstraße R 508 (27A-027). Die nächste Bahnstation ist Gussew an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode), Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn, zur Weiterfahrt nach Moskau.

GeschichteBearbeiten

Das seinerzeit Bleckis genannte Dorf[2] erfuhr 1564 seine erste urkundliche Erwähnung. Zwischen 1874 und 1945 war der Ort mit einem Gut in den Amtsbezirk Springen[3] (heute russisch: Tamanskoje) eingegliedert, der zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Das Gut Blecken[4] wurde 1895 von Carl Stein aus Masutschen (Kreis Darkehmen, heute polnisch: Mażucie) erworben. Er ließ das Gutshaus errichten, das heute noch existiert. Auf dem Gut wurde ein eigener Remontemarkt abgehalten.

Im Jahre 1910 waren in Blecken 196 Einwohner registriert[5]. Ihre Zahl steigerte sich bis 1933 auf 236 und belief sich 1939 auf 279[6].

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Klein Kannapinnen (1938 bis 1946: Kleinblecken, heute russisch: Sewerny) nach Blecken eingemeindet. Am 1. April 1939 folgte die Gemeinde Pommerfelde (bis 1938: Lenglauken, russisch: Afanassjewo, heute nicht mehr existent).

In Kriegsfolge kam Blecken 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Judino“. Ein Jahr später „wechselte“ das Dorf vom Kreis Gumbinnen zum neu gebildeten Rajon Gussew (Landkreis Gumbinnen) und wurde gleichzeitig in den Krasnogorski selski sowjet (Dorfsowjet Krasnogorskoje (Niebudszen/Niebudschen, 1938 bis 1946 Herzogskirch)) eingegliedert. Etwa im Jahre 1980 erfolgte die Zuordnung zum Kubanowski selski sowjet (Dorfsowjet Kubanowka (Barkupönen, 1938 bis 1946 Roßlinde)). Aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform[7] wurde Judino 2008/2009 in die neu geformte Kubanowskoje selskoje posselenije (Dorfsowjet Kubanowka) überführt, die 2013 im neu strukturierten Rajon Gussew (Stadtkreis Gumbinnen) aufging[8]. Die als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft Judino zählt derzeit 63 Einwohner (Stand: 14. Oktober 2010[1]).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftete auf dem Gut zunächst eine Kolchose[9]. Nach 1990 wurde es ein Praxisbetrieb der Landwirtschaftsakademie Gussew.

KircheBearbeiten

Die Bevölkerung Bleckens war vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession und in das Kirchspiel der Kirche Niebudszen (der Ort hieß 1936 bis 1938: Niebudschen, 1938 bis 1946: Herzogskirch, heute russisch: Krasnogorskoje) eingepfarrt. Sie war Teil des Kirchenkreises Gumbinnen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Judino im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen). Sie gehört zur Propstei Kaliningrad[10] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Blecken
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Springen
  4. Judino - Blecken I
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Gumbinnen
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Kreis Gumbinnen (russ. Gussew). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  8. Gemäß Gesetz Nr. 230 vom 29. Mai 2013
  9. Judino - Blecken II
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info