Kaisersesch

Gemeinde in Rheinland-Pfalz

Kaisersesch ist eine Stadt im Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Kaisersesch, der sie auch angehört. Kaisersesch ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kaisersesch
Kaisersesch
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kaisersesch hervorgehoben

Koordinaten: 50° 14′ N, 7° 8′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Cochem-Zell
Verbandsgemeinde: Kaisersesch
Höhe: 410 m ü. NHN
Fläche: 8,18 km2
Einwohner: 3137 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 383 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56759
Vorwahl: 02653
Kfz-Kennzeichen: COC, ZEL
Gemeindeschlüssel: 07 1 35 045
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Römerturm 2
56759 Kaisersesch
Website: www.stadt-kaisersesch.de
Stadtbürgermeister: Gerhard Weber (CDU)
Lage der Stadt Kaisersesch im Landkreis Cochem-Zell
Kalenborn (bei Kaisersesch)Eppenberg (Eifel)Laubach (Eifel)LeienkaulMüllenbach (bei Mayen)HaurothUrmersbachMasburgDüngenheimKaiserseschLandkernIllerichEulgemHambuchGamlenZettingenKaifenheimBrachtendorfUlmen (Eifel)AlflenAuderathFilz (Eifel)WollmerathSchmittBüchel (Eifel)Wagenhausen (Eifel)GillenbeurenGevenichWeiler (bei Ulmen)LutzerathBad BertrichUrschmittKlidingBeuren (Eifel)MoselkernMüden (Mosel)Treis-KardenLützLiegRoesMöntenichForst (Eifel)DünfusBrohlBinningen (Eifel)WirfusBriedenKailPommern (Mosel)BriedelAltlayPeterswald-LöffelscheidHaserichSosbergForst (Hunsrück)AltstrimmigReidenhausenMittelstrimmigBlankenrathPanzweilerWalhausenSchauren (bei Blankenrath)TelligHesweilerLiesenichMoritzheimGrenderichZell (Mosel)NeefBullaySankt AldegundAlf (Mosel)PünderichGreimersburgKlottenFaidDohrBremmBruttig-FankelSenheimNehren (Mosel)Ediger-EllerMesenichValwigErnst (Mosel)Beilstein (Mosel)Ellenz-PoltersdorfBriedernCochemLandkreis VulkaneifelLandkreis Bernkastel-WittlichLandkreis Mayen-KoblenzRhein-Hunsrück-KreisKarte
Über dieses Bild
Historischer Ortskern, Kirche

LageBearbeiten

Die Stadt Kaisersesch liegt am Rande der Eifel, zwischen Ost- und Vulkaneifel etwa 12 Kilometer nördlich der Mosel.

GeschichteBearbeiten

Neben vorrömischen Hügelgräbern im südwestlich der Stadt gelegenen Waldgebiet Langheck und einem römischen Brandgräberfeld im Bereich der heutigen Bahnhofstraße lässt auch die heute noch sichtbare Trasse der römischen Straße zwischen Andernach und Trier, der so genannte „Römerwall“ in der Langheck, auf frühere Siedlungstätigkeiten schließen.

Zwischen 1051 und 1056 wurde der Ort Esch erstmals in Schenkungsurkunden erwähnt, die allerdings als unsicher bzw. verfälscht gelten[3]. Esch war seit 1294 als Gerichtsort Teil von Kurtrier und später Sitz des Amtes Kaisersesch. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt 1689 von den Franzosen fast vollständig zerstört. Ab 1794 stand Kaisersesch unter französischer Herrschaft, 1815 wurde der Ort auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeordnet. Seit 1946 ist er Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

1982 war zwischen Hambuch und Illerich im Pommerbachtal eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) geplant. Nach neun Monaten zog die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) alle Pläne zurück, statt bei Kaisersesch sollte nun die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (Bayern) gebaut werden.[4] Im Jahr 1987 beabsichtigte das Land Rheinland-Pfalz, im Kaisersescher Industriegebiet eine Verbrennungsanlage für Sondermüll zu errichten. Auch hier musste der Plan letztlich wegen des erheblichen Widerstandes aus der Bevölkerung aufgegeben werden.

StadtrechteBearbeiten

Das vom Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg befestigte[5] Dorf Esch erhielt 1321 von König Ludwig IV. dem Bayern (Römisch-deutscher Kaiser ab 1328) Marktrecht und sonstige Freiheiten nach dem Frankfurter Stadtrecht.[6] Diese Stadtrechte gingen nach den Koalitionskriegen und der französischen Herrschaft verloren – gleichwohl verblieb das bald nach der Stadtrechtsverleihung (1339: Keysers-Esch) geführte Kaisers… im Ortsnamen. Am 22. November 1997 erhielt Kaisersesch die Stadtrechte zurück.[7]

Jüdische GemeindeBearbeiten

 
Kaisersesch Jüdischer Friedhof

Vermutlich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich Juden in Kaisersesch nieder. Zur Synagogengemeinde gehörten in den 1930er Jahren auch Düngenheim, Hambuch, Illerich und Müllenbach. Die Größe der jüdischen Gemeinde belief sich 1885 auf 31, 1925 auf 29, 1932 auf 50 und im Jahr 1939 noch auf 27 Mitglieder. Wann die örtliche Synagoge bezogen wurde, ist unbekannt. 1938 wurde das Gebetshaus an der Ecke Koblenzer- und Balduinstraße verwüstet, später wurde es als Wohnhaus umgebaut.[8] Der jüdische Friedhof „auf der Klopp“ wurde von 1920 bis 1942 belegt und ist heute noch erhalten.

PolitikBearbeiten

 
Gerichtssiegel des Schöffengerichts Kaisersesch

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat in Kaisersesch besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[9]

Wahl SPD CDU UBL FWG Gesamt
2019 4 10 6 20 Sitze
2014 4 12 4 20 Sitze
2009 3 11 5 1 20 Sitze
2004 3 12 4 1 20 Sitze
  • UBL = Unabhängige-Bürger-Liste für Kaisersesch und die VG Kaisersesch e. V.

StadtwappenBearbeiten

Blasonierung: „In silber ein durchgehendes rotes Kreuz, im ersten Winkel ein sechsstrahliger schwarzer Stern über liegendem schwarzen Halbmond.“[10]
Wappenbegründung: Das 1954 der damaligen Gemeinde Kaisersesch vom rheinland-pfälzischen Innenministerium verliehene Wappen geht auf ein altes Schöffensiegel des kurtrierischen Amtsortes Kaisersesch von 1502 zurück. Das Kreuz nimmt auf die kurtrierische Landesherrschaft Bezug und die in rheinischen Siegeln nicht selten vertretenen Symbole Stern und Halbmond verweisen wohl auf einen Gerichtsort, vielleicht aber auch auf ein Marienpatronat.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Römischer Straßendamm in der Langheck (so genannter „Römerwall“), im Verlauf teilweise identisch mit einer mittelalterlichen Landwehr.[11]
  • Der alte Postkutschenweg[12] über Landkern nach Cochem ist im Gelände (südlich der A 48, ostwärts der L 98) gut erkennbar und kann bewandert werden.
  • Katholische Pfarrkirche St. Pankratius von 1898 bis 1900 (Architekt Lambert von Fisenne) mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem schiefen Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert.[13]
  • „Altes Gefängnis“ im historischen Ortskern, ehemaliges kurtrierisches Amtshaus (Burgmannenhaus) mit mittelalterlichem Kern, heute Heimatmuseum.[13]
  • Der im Jahr 2000 errichtete Depeschenreiterbrunnen auf dem Alten Postplatz erinnert an die Zeit der Postillione, Postkutschen, Depeschenreiter und an die Thurn-und-Taxis’sche Poststation von 1725 in Kaisersesch. Oben auf dem Brunnenstock steht die Bronzeskulptur eines Reiters mit goldenem Posthorn. Über der Brunnenschale sind rundum Wappen als Zeichen der Geschichte der Stadt angebracht, unter anderem eine Königskrone, die an Königin Rizecha erinnert, die 1051–1056 erstmals den Ort Esch in einer Schenkungsurkunde erwähnte, das 1554 erstmals erwähnte Gerichtswappen und das Stadtwappen.
  • An der Station des Jakobswegs hinter der Kirche steht der 2009 eingeweihte Pilgerbrunnen mit einer Bronzeskulptur. Die Figur stellt einen Pilger dar, der Rast macht, die Schuhe abgelegt hat und im Brunnenwasser die Füße kühlt. Sie ist ein Werk des in Köln lebenden Bildhauers Hans-Günther Obermaier (* 1943) aus dem Jahr 2008.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Kaisersesch

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhaltepunkt Kaisersesch

Kaisersesch besitzt einen Haltepunkt an der Eifelquerbahn. Zwischen Kaisersesch und Andernach verkehren Regionalbahnen der DB Regio mit Anschluss in Andernach in Richtung Köln und Koblenz.

In den Sommermonaten wurden über mehrere Jahre Schienenbusse und Dampfzüge auf der Eifelquerbahn über Ulmen (Eifel) und Daun nach Gerolstein angeboten.[14] Dort bestand Anschluss an Regionalzüge auf der Eifelstrecke nach Köln und Trier.

Kaisersesch liegt unmittelbar an der Bundesautobahn 48 und wird von der Landesstraße L 98 MayenCochem durchquert. Der Postkutschenweg[12] verlief über Landkern nach Cochem.

PersönlichkeitenBearbeiten

SonstigesBearbeiten

Der Standortübungsplatz der Bundeswehr wurde im März 2013 aufgegeben.[15]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Kaisersesch – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2019, Kreise, Gemeinden, Verbandsgemeinden (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Mein Dorf, meine Stadt. Abgerufen am 3. März 2020.
  3. Heinrich Beyer, Leopold Eltester, Adam Goerz u. a.: Mittelrheinisches Urkundenbuch / Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preußischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien, Ausgabe Coblenz, 3 Bände 1860–1874. Band 1, Nr. 335: „Kaiser Heinrich III. bestätigt die Schenkungen der Königinn Richeza von Polen an die Abtei Brauweiler. 1051, den 18. July.“ und Band 1, Nr. 343: „Die Königinn Richeza von Polen beschreibt die, von ihr der Abtei Brauweiler geschenkten Güter. 1056.“
  4. Dieter Junker: Gegen den „WAAhnsinn“: Neun Monate, die die Eifel bewegten. In: Rhein-Zeitung. 13. März 2012, abgerufen am 14. Juli 2017.
  5. Eintrag zu Stadtbefestigung Kaisersesch in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland, abgerufen am 14. Juli 2017.
  6. Landeshauptarchiv Koblenz, 1A 3001
  7. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 187 (PDF; 2,8 MB).
  8. Eintrag zu Synagoge Kaisersesch (Bethaus „Judenschule“, heute Wohnhaus) in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland, abgerufen am 14. Juli 2017.
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen.
  10. Das Stadtwappen. Kaisersesch, abgerufen am 3. März 2020.
  11. Cochem-Zell: Landschaft an der Mosel. 2005, S. 121 ff.Vorlage:Ff/Wartung/1
  12. a b Wander- u Freizeitkarte Moseltal, ISBN 978-3-933671-16-5
  13. a b Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell 2011, S. 27
  14. Betriebsende Eifelquerbahn
  15. Information zur Entscheidung zum künftigen Bedarf an Standortanlagen der Bundeswehr. Streitkräftebasis, 25. November 2013, archiviert vom Original am 4. Oktober 2013; abgerufen am 15. November 2017 (Aufzugebende Standortanlagen).