Hechthausen

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hechthausen
Hechthausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hechthausen hervorgehoben

Koordinaten: 53° 39′ N, 9° 14′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Cuxhaven
Samtgemeinde: Hemmoor
Höhe: 0 m ü. NHN
Fläche: 30,71 km2
Einwohner: 3425 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 112 Einwohner je km2
Postleitzahl: 21755
Vorwahl: 04774
Kfz-Kennzeichen: CUX
Gemeindeschlüssel: 03 3 52 020
Gemeindegliederung: 6 Ortschaften
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 4
21755 Hechthausen
Website: www.hechthausen.de
Bürgermeister: Jan Tiedemann (SPD)
Lage der Gemeinde Hechthausen im Landkreis Cuxhaven
NordseeSchleswig-HolsteinBremerhavenLandkreis OsterholzLandkreis Rotenburg (Wümme)Landkreis StadeLandkreis WesermarschArmstorfArmstorfBelumBeverstedtBülkauCadenbergeCuxhavenGeestlandHagen im BremischenHechthausenHemmoorHollnsethIhlienworthLamstedtLoxstedtMittelstenaheNeuenkirchen (Land Hadeln)Neuhaus (Oste)NordledaOberndorf (Oste)OdisheimOsten (Oste)OsterbruchOtterndorfSchiffdorfSteinau (Niedersachsen)StinstedtStinstedtWannaWingstWurster NordseeküsteKarte
Über dieses Bild
Luftbild (Mai 2012)
Die Mühle in Hechthausen

Hechthausen (niederdeutsch Heckthusen), auch genannt „das Tor zum Cuxland“, ist eine Gemeinde im Osten des niedersächsischen Landkreises Cuxhaven. Sie gehört zur Samtgemeinde Hemmoor.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Hechthausen wird im Norden, Osten und Süden vom Flusslauf der Oste begrenzt, die hier von der Niederelbebahn CuxhavenStadeHamburg und der fast parallel dazu verlaufenden Bundesstraße 73 gekreuzt wird.

GemeindegliederungBearbeiten

Die heutige Gemeinde wurde aus den folgenden sechs Mitgliedsgemeinden der ehemaligen Samtgemeinde An der Oste gebildet:

NachbargemeindenBearbeiten

Hemmoor Großenwörden
(Landkreis Stade)
Engelschoff
(Landkreis Stade)
Lamstedt   Himmelpforten
(Landkreis Stade)
Kranenburg
(Landkreis Stade)
Burweg
(Landkreis Stade)

GeschichteBearbeiten

Hechthausen, beziehungsweise die hier damals begüterte Adelsfamilie de Hekethusen, wurde im Jahre 1233 als „Hekethusen“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Zweifelsohne ist der Ort doch erheblich älter, obwohl keine Aufzeichnungen darüber zu finden sind.

Die heutige Gemeinde umfasst nicht nur den gleichnamigen Ort, sondern auch die ehemals selbständigen Dörfer Bornberg (erstmals erwähnt um 1680), Klint (1342), Kleinwörden (1346), Laumühlen (um 1560), Wisch (1420). In dieser Aufzählung fehlt ein Dorfname, der leider völlig verschwunden ist, obwohl er in vielen mittelalterlichen Dokumenten zu finden ist: „Borchholte“. Dieses Dorf mag etwa die heutigen Ortsteile Klint und Laumühlen umfasst haben. Dieser Ort im Kirchspiel Hechthausen, nach dem sich die Adelsfamilie de Borchholte nannte, wird bereits im Jahre 1059 als „Burcholt“ in einer Urkunde des Erzbischofs Adalbert von Bremen erwähnt.

Im Hochmittelalter zogen die de Hekethusen in die Nähe der Stadt Belgard. Dort gründeten sie das Vorwerk „Hechthausen“ (polnisch Ocwieka), welches noch heute ein Teil der Ortschaft Zarnefanz, einem Dorf im Powiat Białogardzki der Woiwodschaft Westpommern in Polen ist.

Im hiesigen Hechthausen trat wohl zunächst die Familie von Brobergen die Besitznachfolge der de Hekethusen, später jedoch (ca. 1400) die aus Horneburg stammende Familie Marschalck von Bachtenbrock an. Dieser hier heute noch ansässigen Familie gelang es schnell, sich ein kleines geschlossenes Herrschaftsgebiet, das Patrimonialgericht Hechthausen, einzurichten. Dazu gehörte auch die jenseits der Oste (größter Nebenfluss der Elbe) gelegene Ortschaft Kranenburg. Als Patrone der Marien-Kirche zu Hechthausen übten sie zugleich auch die Aufsicht über die hiesigen Geistlichen aus. Sie waren auch an der Berufung des ersten lutherischen Geistlichen Andreas Gusters (ca. 1550) maßgeblich beteiligt. Obwohl die Machtbefugnisse der Familie Marschalck von Bachtenbrock durch die Landesherren immer weiter eingeschränkt wurden, blieb die Oberhoheit über das Gericht Hechthausen bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1850 nominell bestehen. Die Ortschaften des Gerichts wurden danach zunächst dem Amt Himmelpforten, dann 1859 – mit Ausnahme von Kranenburg – dem Amt Osten zugeschlagen.

Nach verlorenem Krieg an der Seite Österreich-Ungarns wurde das Königreich Hannover 1866 von Preußen annektiert und damit zu einer preußischen Provinz. Im Zuge der preußischen Kreisreform entstand am 1. Januar 1885 aus dem Amt Osten – u. a. mit den Orten Bornberg, Hechthausen, Kleinwörden, Klint, Laumühlen und Wisch – und dem Amt Neuhaus der Kreis Neuhaus (Oste). 1932 wurde dieser Kreis mit dem damaligen Kreis Hadeln zum Landkreis Land Hadeln mit Kreissitz in Otterndorf vereinigt.

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches übergaben die Reste der deutschen Wehrmacht (Korps Ems) Hechthausen am 5. Mai 1945 den Truppen der britischen Garde-Panzerdivision (siehe Gedenkstein am Ortseingang).

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Bornberg, Kleinwörden, Klint, Laumühlen und Wisch eingegliedert.[2] Diese Gemeinden gehörten zusammen mit Hechthausen seit 1962 zur Samtgemeinde an der Oste. Die neue Gemeinde Hechthausen gehört seit 1972 zur Samtgemeinde Hemmoor.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Quelle
1824 0000 ¹ [3]
1848 00504 ² [4]
1910 0677 [5]
1927 0599 [6]
1933 0681 [6]
1939 0899 [6]
1950 1304 [7]
1973 2873 [8]
1975 03163 ³ [9]
1987 03407 ³ [10]
1992 03413 ³ [10]
1997 03494 ³ [10]
Jahr Einwohner Quelle
2000 3538 ³ [11]
2002 3583 ³ [10]
2007 3506 ³ [10]
2008 3513 ³ [10]
2009 3515 ³ [10]
2010 3447 ³ [10]
2011 3459 ³ [10]
2013 3445 ³ [12]
2015 3500 ³ [13]
2016 3416 ³ [14]
2017 3424 ³ [10]
2018 3425 ³ [10]

¹ 89 Feuerstellen
² in 95 Häusern (mit den zwei Gütern Hutloh und Ovelgönne)
³ jeweils zum 31. Dezember

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Rat der Gemeinde Hechthausen besteht aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren.[15] Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 3001 und 5000 Einwohnern.[16] Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der Bürgermeister.[15]

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2016 ergab das folgende Ergebnis:[17]

Alte Sitzverteilung

Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze
SPD 61,17 % 9
CDU 35,02 % 5
Grüne 03,79 % 1
Sitzverteilung im Gemeinderat bis 30. September 2018
   
Insgesamt 15 Sitze

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2016 lag mit 62,82 %[17] über dem niedersächsischen Durchschnitt von 55,5 %.[18]

Aktuelle Sitzverteilung durch zwei Parteiaustritte

Zum 1. Oktober 2018 ist das Gemeinderatsmitglied Thorsten Grützmacher aus der SPD ausgetreten und in Die PARTEI eingetreten,[19] im Rat gilt er jedoch als fraktionslos. Für das Gemeinderatsmitglied Beate Adler, die aus der Partei Grüne austrat, gilt das ebenso. Damit ergibt sich folgende Sitzverteilung:

Partei Anzahl Sitze
SPD 8
CDU 5
Fraktionslose 2
Sitzverteilung im Gemeinderat ab 1. Oktober 2018
   
Insgesamt 15 Sitze
  • SPD: 8
  • CDU: 5
  • Fraktionslose: 2

BürgermeisterBearbeiten

Der Gemeinderat wählte das Gemeinderatsmitglied Jan Tiedemann (SPD) zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle Wahlperiode. Seine Stellvertreter sind Hans-Georg Grell (SPD) und Uwe Dubbert (SPD).[15]

WappenBearbeiten

Wappen HechthausenBearbeiten

Blasonierung:Geteilt; oben: in Blau ein schräggestellter silberner Hecht, geflügelt und mit goldener Krone; unten: in Silber drei aufsteigende blaue Spitzen.“[20]
Wappenbegründung: Der obere Teil ist dem Wappen des Ministerialengeschlechts von Hechthausen entlehnt, das hier seit dem 13. Jahrhundert ansässig war. Der untere Teil ist dem Wappen des Adelsgeschlechts Marschalck von Bachtenbrock nachgebildet. Dieses Geschlecht hatte bis 1850 hier das Patrimonialgericht inne, das das ganze Kirchspiel Hechthausen umfasste.

Wappen der OrtsteileBearbeiten

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Die Gemeinde Hechthausen und die Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf (als Rechtsnachfolgerin der vormaligen Gemeinde Hilbersdorf) unterhalten eine innerdeutsche Gemeindepartnerschaft, die am 2. August 1991 im Rahmen der 825-Jahr-Feier in Hilbersdorf mit Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde begründet wurde.
Dieser kommunalen Partnerschaft war eine langjährige Partnerschaft der ev.-luth. Kirchengemeinde Hechthausen mit der dortigen Kirchengemeinde vorausgegangen. Nach der Wiedervereinigung fanden auf dieser Basis dann die politischen Gemeinden zueinander. Regelmäßige Treffen auf kommunaler Ebene sowie zwischen den Freiwilligen Feuerwehren und den Bürgerinnen und Bürgern beider Gemeinden haben die Verbindungen zwischen Hechthausen und Hilbersdorf gefestigt, sodass im Oktober 2006 das 15-jährige Bestehen der Partnerschaft mit einer Festveranstaltung in Hilbersdorf gefeiert wurde.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
St.-Marien-Kirche aus dem Jahr 1633, der steinerne Turm ist von 1971, davor war es ein Holzturm

BauwerkeBearbeiten

  • Die evangelisch-lutherische St.-Marien-Kirche ist ein Backsteinbau, der erstmals 1384 im Stader Copiar des Erzbischofs von Bremen erwähnt wurde, wahrscheinlich ist sie aber schon sehr viel älter. Teile der Außenmauern bestehen aus Findlingen, die auf alte Baumaßnahmen hinweisen. Kleine, in Ziegelsteinen über den Türen an der Nordseite eingravierte Jahreszahlen (1633 und 1669) scheinen auf einige spätere Baumaßnahmen hinzuweisen. Auch alte Ziegelsteine im Klosterformat wie auch kleinere Ziegelformate zeigen auf unterschiedliche Renovierungsmaßnahmen. Das Kirchenschiff ist 24,5 m lang und ca. 10 m breit. Es hat eine Traufenhöhe von 4,7 m und eine Firsthöhe von 11 m. Der im Jahr 1971 neu erbaute Turm (1701 erstmals erwähnt) hat eine Höhe von 23 m und trägt vier Glocken. Das Innere der Kirche wurde nach 1960 im Jahre 2004 letztmals renoviert, wobei im Ostgiebel drei Buntglasfenster neu eingesetzt wurden. Das Patronat dieser Kirche ist noch heute in Händen der Familie Marschalck von Bachtenbrock.
Der Altar wurde 1637, der Pfarrstuhl 1640, der Taufstein 1642, die Kanzel 1635, der Kronleuchter 1700, die zwei Epitaphen 1687/8 und 1696 gestiftet.
  • 1959 wurde das ehemalige Feuerwehrhaus an der Wischer Straße umgebaut und durch den Bischof Heinrich Maria Janssen aus Hildesheim als römisch-katholische St.-Nikolaus-Kapelle geweiht. Das Gebäude trägt seitdem den Namen des Schutzheiligen des Hadelner Landes. Pfarrlich gehört die Kapelle heute zur Heilig-Geist-Gemeinde mit Sitz in Stade.
  • Die dreistöckige Windmühle „Caroline“, ein Galerieholländer, wurde im Jahr 1845 errichtet und liegt an der Oste. Sie ersetzte eine ältere, baufällig gewordene Bockwindmühle und wurde bis in die 1960er Jahre, zuletzt mit Unterstützung durch einen Elektromotor, betrieben.
  • Etwa 600 m nördlich des Ortskerns liegt das Rittergut Ovelgönne, das im Jahr 1598 erste urkundliche Erwähnung findet.

BaudenkmaleBearbeiten

SportBearbeiten

Im Waldstadion von Hechthausen finden jährlich Motorrad-Sandbahnrennen statt, die von den Motorsport-Freunden Niederelbe (früher MSC Land Hadeln) veranstaltet werden.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Hechthausen nimmt im Sinne der regionalen Raumordnung zukünftig die Funktion eines Grundzentrums war.

Verkehr

Hechthausen hat einen Bahnhof an der Niederelbebahn-Linie Cuxhaven–Hamburg (eröffnet am 11. November 1881). Seit Dezember 2007 wird der Personenverkehr durch die metronom Eisenbahngesellschaft mit neuen doppelstöckigen Zügen bedient. Die Eisenbahnlinie kreuzt bei Hechthausen zwei weitere Verkehrsstraßen, die Bundesstraße 73 und die hier schiffbare Oste, den letzten großen Nebenfluss der Elbe vor ihrer Mündung in die Nordsee. Die sonst zweigleisige Eisenbahnlinie bei Hechthausen ist am Kreuzungspunkt mit B 73 und Oste seit Ende des Zweiten Weltkrieges nach Sprengung der Ostebrücke nur noch eingleisig. Die heutige Eisenbahnbrücke wurde durch englische Pioniere erbaut. Sie ist damit eine der letzten noch in Betrieb befindlichen Behelfsbrücken der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Fährstraße, die Niedersächsische Milchstraße, die Deutsche Krimi-Straße und die Niedersächsische Mühlenstraße führen durch Hechthausen oder befinden sich in unmittelbarer Nähe.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Levin von Marschalck (um 1585–1629), erzstiftisch-bremischer Landdrost und Kanzler der Deutschen Kanzlei von König Christian IV. von Dänemark und Norwegen
  • Balthasar von Marschalck (1625–1685), erzstiftisch-bremischer Domherr und Hofmarschall König Karls X Gustav von Schweden
  • August Cammann (1814–1882), Jurist und Politiker
  • Ute Wedemeier (* 1948), Politikerin (SPD), in Kleinwörden geboren

Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehenBearbeiten

  • Engelbert Johann von Marschalck (1766–1845), Landdrost der Landdrostei Stade und Gutsherr zu Ritterhude, starb in Laumühlen
  • Heinrich Rüther (1866–1954), lutherischer Geistlicher und Heimatforscher, wohnte und starb in Hechthausen
  • Karl Manzke (1928–2008), lutherischer Theologe, Landessuperintendent für den Sprengel Stade der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (1977–1992), Pastor in Hechthausen (1957–1962)
  • Wilhelm Lenz (* 1939), Historiker und Archivar deutschbaltischer Herkunft, absolvierte seine Schulbildung in Hechthausen

Sagen und LegendenBearbeiten

  • Die Hechthäuser Kirche
  • Die Nachtmahr
  • Der Hund bei Bornberg
  • Der Hexenspuk auf dem Geesthof
  • Die weiße Frau in Laumühlen
  • Der fliegende Hecht „Jonni Hecht“[21][22]
  • Die Geschichte von dem englischen Golde bei der Fähre von Hechthausen:
„Die Geschichte, die ich nach mündlichen Überlieferungen versuchen will, hier wiederzugeben, kann keinen Anspruch auf absolute Korrektheit, namentlich in bezug auf die Zeit, wann sie sich zugetragen hat, machen. Ich konnte das Jahr nicht feststellen, doch kann nur entweder Ende der dreißiger oder Anfang der vierziger Jahres des 19. Jahrhunderts in Frage kommen. In jener Zeit kamen nämlich von England große Summen Goldes nach Hannover, wo sich die Behörde befand, die die Pensionen (Half-pay) der in der königlich Deutschen Legion (King’s German Legion) gedienten Offiziere auszahlte. Diese Goldsendungen kamen zu Schiff die Elbe hinauf nach Hamburg; nur im Winter bei Eisgang gelangten sie nicht weiter als bis Cuxhaven und mussten von dort mit Frachtwagen befördert werden. Alte Leute haben mir erzählt, dass mitunter eine ganze Reihe dieser Planwagen auf der Sietwende, die von Hechthausen zur Fähre führt, entlanggezogen seien. Nehmen wir an, die Begebenheit hat sich im Winter 1840 zugetragen. An der Oste-Fähre war ein Transport englischen Goldes von Cuxhaven avisiert. Die Wagen konnten jeden Augenblick eintreffen und der Müller und Gastwirt, dessen Vermögensumstände durchaus nicht glänzend waren, war darauf bedacht einen Grund zu finden, den Transport aufzuhalten, damit die Leute und Gespanne bei ihm logieren mussten. Diesmal dachte er ein besonderes Hühnchen zu rupfen. Die Frachtwagen kamen an und wollten ihren Weg gleich fortsetzen. Man bedeutete ihnen jedoch, dass dies nicht angängig sei, da man bei dem starken Treibeis nur zwischen den Tiden mit der Wagenfähre hinüber komme. Da war kein anderer Rat, es musste unter Dach gefahren, die Pferde ausgeschirrt und Logis bezogen werden. Die Tonnen mit dem kostbaren Inhalt wurden ordnungsgemäß gezählt, den Pferden das Futter eingeschüttet, und dann begab man sich zu Speis und Trank ins Haus. Das Getränk wird nicht eben harmlos gewesen sein, sondern vielleicht von der Art, welche noch heute hier an der Waterkant mit ‚nördlich‘ bezeichnet wird. Es lässt sich daraus schließen, dass sämtliche Begleiter des Transports bald in einen festen Schlaf fielen. Nun war des Müllers Stunde gekommen. Mit zwei in seine Pläne eingeweihten Knechten rollte er in aller Stille eines der Goldfässer herunter, versah es mit Ketten und versenkte es – nach einigen in einen tiefen Graben – nach anderen in ein Siel an der Oste. Beim ersten Morgengrauen – es war noch stockfinster – weckte er seine Gäste und bedeutete ihnen, wenn sie nicht gewärtig sein wollten, eventuell noch mehrere Tage dort bleiben zu müssen, jetzt sofort zur Abfahrt zu rüsten. Hals über Kopf wurde angeschirrt und in aller Eile zum Aufbruch getrieben. Ein nochmaliges Zählen der Tonnen unterblieb, die schweren Köpfe mögen es verschuldet haben. Der Fährmann brachte sie alle hinüber, und der Müller lachte sich ins Fäustchen. Den beiden Helfershelfern an dem Diebstahl wurde außer einer Belohnung noch als eine besondere Gratifikation für ihre Beihilfe das Recht zuerkannt, sooft sie kämen, einen großen Schnaps, sogenannten Wachtmeister, unentgeltlich verlangen zu dürfen. Der Goldtransport zog weiter nach Harburg, wo wiederum Nachtlager bezogen werden musste. Welch ein Schrecken mag den verantwortlichen Männern in die Glieder gefahren sein, als sich herausstellte, dass eine Tonne fehlte! Die Sache wurde den Behörden gemeldet, genaue Untersuchung angestellt, aber in Hechthausen war man unschuldig und ahnungslos und nichts kam an den Tag. Mit der Zeit wurde die Sache doch ruchbar. Der Müller, der als ganz mittelloser Mann nach Hechthausen gekommen war, hatte sich, als er die Mühle pachtete – um Inventar kaufen zu können – 50 Louisdor vom Geheimrat Marschalck geliehen – nun wurde er zusehends wohlhabender; er baute Haus und Scheune neu, bezahlte seine Schulden und hinterließ, als er starb, seinen Kindern ein schönes Erbe. Wenn dann in Hechthausen und Umgegend von diesem Aufblühen die Rede war, hieß es: ‚Das macht das englische Gold‘. Bemerkenswert ist noch, dass ein alter Kapitän erzählt hat, in den vierziger Jahren des damaligen Jahrhunderts sei durch einen Anschlag in der Londoner Börse vor der Fähre zu Hechthausen gewarnt worden.“
von Manfred Baaske, nach Auguste von Marschalck (1916), H. G. Alstedt (2007) aus: F. J. Alstedt, Chronik von Hechthausen.

LiteraturBearbeiten

  • Peter von Kobbe: Geschichte und Landesbeschreibung der Herzogthümer Bremen und Verden. Göttingen 1824, S. 163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 21. Oktober 2019]).
  • Rudolf Lembcke: Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart. Hrsg.: Kreis Land Hadeln. Buchdruckerei Günter Hottendorff, Otterndorf 1976.
  • F. J. Alstedt (Hrsg.): Chronik von Hechthausen. Selbstverlag, Hechthausen 1983.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Hechthausen – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 243.
  3. C. H. Jansen: Statistisches Handbuch des Königreichs Hannover (= Statistische Handbücher für das Königreich Hannover). Helwing'sche Hofbuchhandlung, Celle 1824, S. 256 (Digitalisat in der Google-Buchsuche [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  4. Friedrich W. Harseim, C. Schlüter: Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover (= Statistische Handbücher für das Königreich Hannover). Schlüter'sche Hofbuchdruckerei, Hannover 1848, S. 150 (Digitalisat in der Google-Buchsuche [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Neuhaus an der Oste. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Land Hadeln (Siehe unter: Nr. 16). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Köln August 1952, S. 49, Sp. 1 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 22. Oktober 2019] Landkreis Land Hadeln, S. 58).
  8. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 44 (Digitalisat [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 22. Oktober 2019] Landkreis Land Hadeln).
  9. Gemeinden in Deutschland nach Fläche und Bevölkerung. (XLSX; 895 kB) Siehe unter: Nr. 1797. In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 1975, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  10. a b c d e f g h i j k Gemeindeverzeichnis – Archiv – Regionale Gliederung – Jahresausgaben. (Alle politisch selbständigen Gemeinden im EXCEL-Format). In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  11. Gemeinden in Deutschland nach Fläche, Einwohner und Postleitzahl. (XLS; 3,1 MB) Siehe unter: Nr. 1868. In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 2000, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  12. Gemeinden in Deutschland nach Fläche, Bevölkerung und Postleitzahl. (XLS; 4,9 MB) Siehe unter: Nr. 2019. In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 2013, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  13. Gemeinden in Deutschland nach Fläche, Bevölkerung und Postleitzahl. (XLS; 4,4 MB) Siehe unter: Nr. 1994. In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 2015, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  14. Gemeinden in Deutschland nach Fläche, Bevölkerung und Bevölkerungsdichte. (XLSX; 3,3 MB) Siehe unter: Nr. 1958. In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  15. a b c Rat der Gemeinde Hechthausen. In: Webseite Samtgemeinde Hemmoor. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  16. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG); § 46 – Zahl der Abgeordneten. In: Niedersächsisches Vorschrifteninformationssystem (NI-VORIS). 17. Dezember 2010, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  17. a b Gemeinde Hechthausen – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2016. In: Webseite Zweckverband Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg (KDO). 11. September 2016, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  18. Die CDU holt landesweit die meisten Stimmen. In: Webseite Norddeutscher Rundfunk. 12. September 2016, abgerufen am 12. Februar 2017.
  19. Tweet von „Der Pendler“: Antrag auf Eintritt in @DiePARTEI. In: Webseite Twitter. 19. September 2018, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  20. Rudolf Lembcke: Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart. Hrsg.: Kreis Land Hadeln. Buchdruckerei Günter Hottendorff, Otterndorf 1976, S. 27 (Wappenteil).
  21. Eberhard Michael Iba (Hrsg.): Hake Betken siene Duven. Das Sagenbuch von Elb- und Wesermündung (= Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung. Band 16). 3. Auflage. Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1999, ISBN 3-931771-16-4 ([eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche ]).
  22. Jo DuBosque: Jonni Hecht – eine Geschichte von der Oste, dem Fluss im Land zwischen Elbe und Weser. Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2000, ISBN 3-88132-311-2.