Grosser Rat (Freiburg)

Parlament des Kantons Freiburg

Der Grosse Rat des Kantons Freiburg (frz.: Grand Conseil du canton de Fribourg) ist das Parlament des Kantons Freiburg. Er umfasst 110 Abgeordnete, die in acht Wahlkreisen im Proporzverfahren für fünf Jahre gewählt werden. Die derzeitige Amtsperiode geht darum von 2017 bis 2021. Die letzte Gesamterneuerungswahl fand am 6. November 2016 statt.[1] Der neugewählte Grosse Rat wurde in der Session vom 15. und 16. Dezember 2016 neu konstituiert.[2]

Sitzungssaal im Rathaus
Einzug des Großen Rats

AufgabenBearbeiten

Die Verfassung des Kantons Freiburg regelt die Befugnisse des Grossen Rats. Er übt die legislative Gewalt im Kanton aus und versammelt sich regelmässig zu den ordentlichen Sessionen. Der Grosse Rat beschliesst Gesetze bzw. deren Änderung oder Aufhebung.

WahlkreiseBearbeiten

Die Kantonsverfassung setzt eine Obergrenze von acht Wahlkreisen fest, in denen die jeweiligen Parteien mit eigenen Listen antreten. Die Wahlkreise entsprechen den sieben Freiburger Bezirken, wobei der Saanebezirk aufgeteilt ist in die Bezirke Freiburg-Stadt und Saane-Land. Die beiden kleinsten Bezirke Glane und Vivisbach bilden seit 2016 für die Sitzverteilung einen Wahlkreisverbund.

ParteienBearbeiten

Nach dem Sonderbundskrieg von 1847 dominierten die siegreichen Radikalen den Grossen Rat. Erst 1856 wurde der Grosse Rat neugewählt, wobei die Radikalen nur 3 von 67 Sitzen erhielten und eine Ära der Dominanz der Katholisch-Konservativen begann. Ab 1856 wurde alle fünf Jahre gewählt.

Bei der Wahl im Jahr 1916 traten kriegsbedingt die Konservativen und Freisinnigen nach einer Einigung nicht gegeneinander an. Seit 1921 wird im Proporzverfahren gewählt, allerdings in jedem Wahlkreis mit einer Sperrklausel von 15 %, die den Zweck hatte, den Einzug der sozialdemokratischen «Störenfriede» zu verhindern.[3] Die 1921 vom Freisinn abgespaltene Partei der Bauern, des Gewerbes und der Unabhängigen (ab 1986 Schweizerische Volkspartei) konnte sich sogleich im teils protestantisch geprägten Seebezirk etablieren, während den Sozialdemokraten erst 1946 der Einzug in den Grossen Rat gelang. 1966 verlor die Konservative Partei (seit 1971 Christlichdemokratische Volkspartei) ihre absolute Mehrheit aufgrund der Abschaffung der Sperrklausel und der Abspaltung der Christlich-sozialen Partei.

Nachfolgend sind die Sitzverteilungen seit 1906 dargestellt:[4][3][5]

Ehemalige MitgliederBearbeiten

ProtokolleBearbeiten

Die Protokolle unterliegen einer Sperrfrist von 50 Jahren. Sie haben die Signatur GC (Grand Conseil) auf ca. 36 Laufmetern.

In den Jahren 1803 bis 1808 waren die Protokolle in denen des Kleinen Rates inkludiert. Bis 1834 waren sie etwas ausführlichere Beschlussprotokolle, seitdem sind es Verhandlungsprotokolle, die auch gedruckt werden. Grundlagen zu den Verhandlungen und Beschlüssen sind die sogenannten Chemises du Grand Conseil.[6]

Im Archivbestand sind

  • Sitzungsprotokolle (als Manuskript), 1808–1901, 1814 im Protokollband des Kleinen Rates
  • Aktenunterlagen des Grossen Rates, 1803–1925
  • Amtliches Tagblatt der Sitzungen des Grossen Rates (gedruckt), seit 1834
  • Briefkopiebücher, 1831–1929
  • Sammlung der Gesetze usw. (Manuskripte), 1831–1876
  • Mitgliederverzeichnis, seit 1939
  • Protokolle der parlamentarischen Kommissionen, seit 1953 (unvollständig)

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ergebnisse der Grossratswahlen vom 6. November 2016
  2. Amtliches Tagblatt der konstituierenden Session
  3. a b La politique fribourgeoise au 20e siècle – De l’hégémonie conservatrice au pluralisme. Jean-Pierre Dorand, 9. Januar 2019, abgerufen am 15. Juli 2020 (französisch).
  4. Kanton Freiburg: nationale und kantonale Wahlen seit 1919. Bundesamt für Statistik, 18. Januar 2017, abgerufen am 13. Juli 2020.
  5. Der Bund, Band 62, Nummer 599, 20. Dezember 1911 Ausgabe 02. Abgerufen am 27. März 2021.
    La Liberté, 21. Dezember 1911. Abgerufen am 27. März 2021 (französisch).
  6. Das Staatsarchiv Freiburg, Hubert Foerster: Das 19. und 20. Jahrhundert, Seite 63–64