Gößweinstein

Gemeinde im Landkreis Forchheim in Bayern

Gößweinstein [sprich: 'gœsvɐɪnʃtɐɪn] ist ein Markt und die flächenmäßig größte Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Forchheim mit etwa 4000 Einwohnern und liegt in der Fränkischen Schweiz oberhalb des Zusammenflusses von Wiesent, Ailsbach und Püttlach bei Behringersmühle. Markant sind die Burg und die nach den Plänen von Balthasar Neumann erbaute Wallfahrtsbasilika.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Gößweinstein
Gößweinstein
Deutschlandkarte, Position des Marktes Gößweinstein hervorgehoben

Koordinaten: 49° 46′ N, 11° 20′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Forchheim
Höhe: 457 m ü. NHN
Fläche: 57,69 km2
Einwohner: 4044 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km2
Postleitzahl: 91327
Vorwahl: 09242
Kfz-Kennzeichen: FO, EBS, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 74 129
Marktgliederung: 31 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Burgstraße 8
91327 Gößweinstein
Website: www.goessweinstein.de
Erster Bürgermeister: Hanngörg Zimmermann (FW)
Lage des Marktes Gößweinstein im Landkreis Forchheim
Landkreis Nürnberger LandErlangenLandkreis BambergLandkreis Erlangen-HöchstadtLandkreis BayreuthBambergLandkreis BambergWiesenttalIgensdorfHiltpoltsteinGräfenbergHallerndorfForchheimHausen (bei Forchheim)HeroldsbachEggolsheimWeißenoheWiesenthauWeilersbach (Oberfranken)UnterleinleiterPretzfeldPoxdorf (Oberfranken)PinzbergObertrubachNeunkirchen am BrandLeutenbach (Oberfranken)LangensendelbachKunreuthKleinsendelbachKirchehrenbachHetzlesGößweinsteinEffeltrichEbermannstadtDormitzIgensdorfEgloffsteinKarte
Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

 
Blick auf Gößweinstein mit Basilika und Burg

Gößweinstein liegt im Herzen der Fränkischen Schweiz, inmitten des Städtedreiecks Bamberg, Bayreuth und Nürnberg

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Waischenfeld, Ahorntal, Pottenstein, Obertrubach, Egloffstein, Pretzfeld, Ebermannstadt und Wiesenttal.

GemeindegliederungBearbeiten

Der Markt Gößweinstein hat 32 Gemeindeteile:[2]

GeschichteBearbeiten

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

Die Burg „Goswinesteyn“ wurde 1076 erstmals urkundlich erwähnt. Vor 1102 fiel die Burg an das Hochstift Bamberg und war von 1348 bis 1780 Sitz eines Vogteiamtes der Bischöfe von Bamberg. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren die Burg und das Amt Gößweinstein an Hans, dann an Paul von Streitberg verpfändet. Die von Streitberg besaßen seit dem Mittelalter den Gößweinsteiner Zehnt als kaiserliches Lehen.[3]

Im Jahr 1525 kam es im Bauernkrieg zu Zerstörungen und anschließendem Wiederaufbau. Im Zweiten Markgrafenkrieg 1553 wurde Gößweinstein ein weiteres Mal zerstört und wiederaufgebaut. Der Bamberger Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn (regierte von 1729 bis 1746) erhob Gößweinstein zum Markt. Bei der Säkularisation des Jahres 1803 kam das Gebiet des Hochstifts Bamberg an Bayern.

KreiszugehörigkeitBearbeiten

Am 1. Juli 1972 kam Gößweinstein vom aufgelösten Landkreis Pegnitz zum Landkreis Forchheim.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Behringersmühle, Kleingesee, Stadelhofen, Unterailsfeld und ein Teil der aufgelösten Gemeinde Tüchersfeld (Hühnerloh und Kohlstein) in den Markt Gößweinstein eingegliedert.[4] Am 1. Januar 1974 kam Leutzdorf hinzu. Morschreuth und die Orte Wichsenstein, Altenthal, Hardt, Sattelmannsburg und Ühleinshof von der aufgelösten Gemeinde Wichsenstein folgten am 1. Mai 1978.[5]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit 2014 Hanngörg Zimmermann (Bürgervereinigung Marktgemeinde Gößweinstein).[6] Vorgänger war Georg Lang (CSU).

MarktgemeinderatBearbeiten

Der Marktgemeinderat von Gößweinstein hat 16 Mitglieder zuzüglich des hauptamtlichen Bürgermeisters.

CSU SPD Freie Wähler Jugend und Frauen Bürgergemeinschaft Bürgervereinigung Marktgemeinde Gößweinstein Bürger vertreten Bürger Gesamt
2020 4 3 4 2 - 3 - 16 Sitze
2014 5 3 3 2 1 2 - 16 Sitze
2008 5 3 4 2 2 - - 16 Sitze
2002 5 3 3 2 2 - 1 16 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020)

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Gold auf grünem Dreiberg an roter Stange ein grüner Weinstock mit zwei blauen Trauben und zwei grünen Blättern.“[7]

Wappengeschichte: Die Gemeinde Gößweinstein besteht seit 1978 aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Morschenreuth, Wichsenstein, Behringersmühle, Kleingesee, Leutzdorf, Stadelhofen, Unterailsfeld und einem Teil der Gemeinde Tüchersfeld und dem Markt Gößweinstein. Der Marktgemeinderat hat beschlossen, das historische Wappen von Gößweinstein unverändert zu übernehmen. Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim (1729 bis 1746) erhob Gößweinstein zum Markt. Seit dem frühen 17. Jahrhundert ist für den Markt die Siegelführung bezeugt. Auf dem Gerichtssiegel ist der Rebstock mit den Trauben abgebildet. Sie sind auch auf dem zweiten Siegel aus der Zeit um 1720 zu sehen. Rebstock, Traube und Dreiberg stehen redend für den nicht mehr verstandenen Ortsnamen. Dieser leitet sich von dem Personennamen Gozwin ab. Veränderungen in Farbe und Gestaltung treten 1811 auf.

Die Wappenführung ist für Gößweinstein seit dem 17. Jahrhundert belegt.

Nach der Gebietsreform 1978 hat der Marktgemeinderat beschlossen, das historische Wappen von Gößweinstein unverändert zu übernehmen.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Öffentlicher PersonennahverkehrBearbeiten

Das gesamte Marktgebiet von Gößweinstein gehört zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg GmbH (abgekürzt: VGN). Es gibt mehrere regelmäßige Busverbindungen in die umliegenden Orte und Städte.

EisenbahnBearbeiten

Der Markt Gößweinstein liegt an der Eisenbahnstrecke Forchheim–Behringersmühle. Während das Teilstück von Forchheim bis Ebermannstadt weiterhin durch Züge der agilis Verkehrsgesellschaft mbH bedient wird, wurde der Abschnitt Ebermannstadt bis Behringersmühle am 30. Mai 1976 für den Personenverkehr durch die Deutsche Bundesbahn stillgelegt. Allerdings gibt es mit der Dampfbahn Fränkische Schweiz vor allem in den Sommermonaten einen Museumsbetrieb. An der Strecke liegen die Bahnstationen Gößweinstein und die Endstelle Behringersmühle, die ebenfalls zum Markt Gößweinstein gehört. Ursprünglich sollte von der Station Behringersmühle nach 1930 die Strecke in Richtung Pottenstein oder sogar bis Pegnitz zum Anschluss an die Hauptstrecke Nürnberg–Bayreuth weitergebaut werden. Dieses Vorhaben konnte wegen der einsetzenden Weltwirtschaftskrise und der später wachsenden Bedeutung des Straßenverkehrs nicht mehr umgesetzt werden. Die nächsten regelmäßig bedienten Bahnhofshalte sind die Station Ebermannstadt, von wo aus es stündlich Verbindungen nach Forchheim gibt, Gräfenberg mit stündlichen Zügen nach Nürnberg-Nordost sowie der Bahnhof Pegnitz mit stündlichen Verbindungen nach Bayreuth und Nürnberg. Die nächsten Stationen der S-Bahn Nürnberg befinden sich in Forchheim und Kersbach.

StraßenverkehrBearbeiten

Mehrere Staatsstraßen stellen die Verbindung in die umliegenden Orte und Städte sicher. Der Markt Gößweinstein selbst ist von mehreren Straßen gut erschlossen. Die nächste Bundesstraße, die B 470 führt durch den Ortsteil Behringersmühle. Die nächstliegenden Bundesautobahnen sind die A 73 in Richtung Bamberg und Erlangen sowie die A 9 in Richtung Bayreuth und Nürnberg.

WanderwegeBearbeiten

Durch Gößweinstein verlaufen der Frankenweg und der Fränkische Marienweg.

Kultur und SportBearbeiten

Gößweinstein befindet sich in der Fränkischen Schweiz über dem Wiesenttal. Der Markt liegt mitten im Klettergebiet Nördlicher Frankenjura, zahlreiche Wander- und Radwege befinden sich ebenfalls im Stadtgebiet.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Blick vom Kreuzberg auf Gößweinstein

MuseenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Die Apsis der Basilica minor zur heiligen Dreifaltigkeit
 
Burg Gößweinstein
„Ich fahr’ in die Welt! Mein Hutschmuck die Rose, mein Lager im Moose, Der Himmel mein Zelt.
Mag trauern und lauern, wer will, hinter Mauern – Ich fahr’ in die Welt!“

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Gößweinstein

AussichtspunkteBearbeiten

 
Pavillon auf der Wagnershöhe

Rund um den Ort gibt es mehrere Aussichtspunkte. Dazu zählen:

  • der Gernerfels, der Kreuzberg mit Hochkreuz, die Martinswand und Bellevue, der Pavillon auf der Wagnershöhe
  • die Ludwigshöhe (Theaterhöhle), der Bärenstein (529 m NN), die Fischersruh, die Nürnberger Kapelle
  • der Aussichtsfelsen bei Wichsenstein (585 m NN)

FreizeiteinrichtungenBearbeiten

  • Natur-Freibad Gößweinstein
  • Minigolfanlage Gößweinstein
  • 3-D-Bogenparcour
  • Kajak- und Bootsverleih
  • Kneippanlagen im Kurpark und in Behringersmühle
  • 250 km markierte Wanderwege
  • Balthasar-Neumann-Rundwanderweg
  • Reiterhof
  • Fahrradverleihstation
  • Naturwaldreservat Eibenwald
  • Kreativzentrum Morschreuth
  • Frei-Schach in Behringersmühle
  • Wassererlebnisplatz in Behringersmühle
  • Bolzplatz in Behringersmühle

FloraBearbeiten

Die Gößweinsteiner Mehlbeere (Sorbus pulchra) kommt als endemische Mehlbeeren-Art ausschließlich in Gößweinstein und seiner unmittelbaren Umgebung vor.[8] Sie zählt ebenso wie die Hersbrucker Mehlbeere (Sorbus pseudothuringiaca) zu den gefährdeten Arten in Deutschland.

Nördlich Gößweinstein existiert am Nordhang des Wiesenttales ein schöner Bestand von Eiben, unter Buchen. Das Gebiet wurde auf 32 Hektar als Naturwaldreservat ausgewiesen und steht seit 1982 unter Naturschutz[9].

Historische AbbildungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Gößweinstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Gößweinstein – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Gößweinstein in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 24. Mai 2020.
  3. Dieter Zöberlein: Die von Streitberg, Geschichte einer fränkischen Adelsfamilie. Selbstverlag, Burggrub 2018.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 549.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 683.
  6. Verwaltung > Sachgebiet I – Erster Bürgermeister. Gemeinde Gößweinstein, abgerufen am 2. August 2020.
  7. Eintrag zum Wappen von Gößweinstein in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  8. Norbert Meyer: Steckbriefe zu den Gefäßpflanzen Bayerns, Sorbus pulchra N. Mey. Botanische Staatssammlung München, abgerufen am 3. Juni 2014.
  9. Kartenwerk der Schutzgebiete des Bundesamt für Naturschutz