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Eggolsheim

Marktgemeinde im Landkreis Forchheim in Bayern

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Eggolsheim liegt östlich der historischen Nord-Süd-Verbindung von Main und Donau, Ludwig-Donau-Main-Kanal, dem Vorläufer des heutigen Main-Donau-Kanals. Der Markt grenzt im Norden an den Landkreis Bamberg, im Süden an die Große Kreisstadt Forchheim.

NachbargemeindenBearbeiten

Angrenzende Gemeinden sind:

Buttenheim
(Landkreis Bamberg)
Heiligenstadt in Oberfranken
(Landkreis Bamberg)
Unterleinleiter
Altendorf
(Landkreis Bamberg)
  Ebermannstadt
Hallerndorf Forchheim
(Große Kreisstadt)
Weilersbach

GemeindegliederungBearbeiten

Eggolsheim gliedert sich in 13 Ortsteile:[2]

  • Bammersdorf
  • Drosendorf
  • Drügendorf
  • Eggolsheim
  • Götzendorf

GeschichteBearbeiten

UrnenfelderzeitBearbeiten

Grabfunde belegen eine Siedlungsgeschichte bis in die Urnenfelderzeit um 1200 vor Christus. Ein Adelsgrab aus dieser Epoche wurde im Jahr 1982 ergraben. Es enthielt reiche Grabbeigaben, etwa ein zerbrochenes Bronzeschwert, ein Messer und eine Gewandnadel. Die Grabmulde war mit Steinplatten ausgekleidet. Über dem Grab befand sich ein Erdhügel von 23 Metern Durchmesser und vermutlich ursprünglich 6 Metern Höhe. Der Bestattete war etwa 40 Jahre alt geworden. Er muss mit der damaligen Siedlung auf der Ehrenbürg in Kontakt gestanden haben, was durch die metallurgisch nachgewiesene Zusammensetzung von Nieten seines Schwertgehänges belegt ist. Diese ist mit Bronzeresten identisch, die auf der Ehrenbürg gefunden wurden.[3]

LatènezeitBearbeiten

 
Grabbeigaben aus zwei Eggolsheimer Reihengräbern des 7. Jahrhunderts, ausgestellt im Archäologiemuseum Oberfranken in Forchheim

Seit dem ersten vorchristlichen Jahrhundert (Latènezeit) wanderten Germanen in die bis dahin von Kelten besiedelten Gebiete ein. Germanische Siedlungsfunde in Eggolsheim sind bereits aus der Zeit vor Christi Geburt bekannt.[4]

MittelalterBearbeiten

Grabbeigaben der Merowingerzeit wurden im Gebiet Eggolsheim-Neuses ausgegraben. Dazu gehören ein Schildbuckel, eine Lanzenspitze, die Bruchstücke einer Sax-Aufhängung und ein Messer. Diese Ausrüstungsgegenstände sind vermutlich dem späten 7. Jahrhundert, zumindest aber der späten Merowingerzeit zuzuordnen.[5] Daneben gab es weitere Funde, etwa eine Goldfibel aus der Merowingerzeit um 600 nach Christus.[6] Auch aus der anschließenden karolingischen und ottonischen Zeit ist in Eggolsheim ein relativ großes Reihengräberfeld bezeugt. Eine frühmittelalterliche Wehranlage (Ringwall Schießberg) befand sich auf dem Schießberg bei Unterstürmig zwischen Eggolsheim und Buttenheim.[7]

 
Urkunde des Kaisers Heinrich II. aus dem Jahr 1002 mit der ersten Erwähnung Eggolsheims (fünfte Zeile, drittes Wort: „Eggoluesheim“)

Die ältesten Erwähnungen des Ortes stammen aus Schenkungsurkunden der Jahre 750 bis 802. Im Jahr 1002 wurde Eggolsheim als „Eggoluesheim“ in einer Urkunde König Heinrichs II. genannt, als es mit dem Forchheimer Kirchengut gemeinsam mit Erlangen („Erlangon“) dem neu gegründeten Stift Haug bei Würzburg übertragen wurde.[8] Als Markt wurde Eggolsheim erstmals im Jahr 1343 erwähnt.[9]

NeuzeitBearbeiten

Der Markt gehörte bis zur Säkularisation 1803 zum Hochstift Bamberg, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag. Seitdem ist der fränkische Ort Teil des Landes Bayern.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurden am 1. Juli 1972 die damals selbstständigen Gemeinden Bammersdorf, Drosendorf am Eggerbach, Eggolsheim, Kauernhofen, Neuses an der Regnitz, Rettern, Unterstürmig und Weigelshofen zur neuen Gemeinde Eggolsheim zusammengeschlossen.[10] Am 1. Mai 1978 kamen Drügendorf, Götzendorf und Tiefenstürmig hinzu.[11]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Schloss Jägersburg, Luftaufnahme 2013

Bekannte Sehenswürdigkeiten sind:

OrtsnameBearbeiten

Der Ortsname wandelte sich von Eggoluesheim (1002) über Eggolvesheim (1017), Ekkolczheim (1326 bis 1328), Eckoltzheim (1385) und Eckolshaim prope (bei) Bamberg, bis er 1747 erstmals Eggolsheim, aber auch Eggoldsheim, Eckoldsheim ol. (einst), Eckoldishemum und Eggoldesheime geschrieben wurde.[12]

Das Grundwort ist das althochdeutsche -heim (oder -haim) als Kurzform von heima für Wohnung, Behausung, Heimstatt oder Aufenthaltsort. Das Bestimmungswort im Ortsnamen ist der männliche Personenname Egolf,[12] der sich von den im 6. bis zum Ende des 8. Jahrhunderts in Süddeutschland herrschenden Agilolfingern und damit vom Namen des Suebenfürsten Agilulf ableitet.[13]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit 1996 Claus Schwarzmann (BB/OEB/AS). Er folgte auf Josef Eismann (CSU), der seit 1970 Bürgermeister war.[14][15]

MarktgemeinderatBearbeiten

Marktgemeinderatswahl 2014[16][17]
Wahlbeteiligung: 72,1 %
 %
30
20
10
0
22,9 %
2,1 %
17,3 %
9,6 %
11,7 %
8,3 %
28,1 %

Die letzten Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat (n. k. = nicht kandidiert):[16][17]

2002 2008 2014
CSU 5 5 5
SPD/Unabhängige Wähler (UW) 1 1 0
Bürgerbund (BB) 3 3 4
Freie Wähler (FW) 2 2 2
Oberer Eggerbachbund (OEB) 3 2 2
Bammersdorfer Bürgergemeinschaft (BBG) 2 2 2
Junge Bürger (JB) 1 2 1
Wählergruppe Neuses/Bahnhofsiedlung Eggolsheim (WG-NBE) 1 2 1
Wählergruppe Eggolsheim-Unterstürmig-Kauernhofen (WG-EUK) 1 1 1
Aktive Senioren (AS) n. k. n. k. 1
Junge Marktgemeinde (JM) n. k. n. k. 1
Freie Wählergruppe der Außenorte 1 n. k. n. k.
Summe 20 20 20

Bundestag, Landtag, Bezirkstag und KreistagBearbeiten

Eggolsheim gehört bei Bundestagswahlen zum Wahlkreis Bamberg (Wahlkreis 236), der neben dem Westteil des Landkreises Forchheim noch die Stadt Bamberg sowie den Süden des Landkreises Bamberg umfasst. Bei der Wahl 2013 ist Thomas Silberhorn (CSU) direkt gewählter Abgeordneter.

Für die Landtagswahlen umfasst der Stimmkreis Forchheim (Stimmkreis 405), in dem Eggolsheim liegt, den Landkreis Forchheim. Bei der letzten Wahl 2013 direkt gewählter Abgeordneter ist Michael Hofmann (CSU).

Der Stimmkreis für den Bezirkstag von Oberfranken ist mit dem Landtagsstimmkreis identisch, die Wahl findet gleichzeitig statt. Direkt gewählter Abgeordneter ist Franz Stumpf (CSU).

Auch im Kreistag des Landkreises Forchheim (letzte Wahl 2014) ist Eggolsheim regelmäßig mit Abgeordneten vertreten.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In rot auf silbernem Boden der dreiseitige Chor einer silbernen Kirche mit offenen Toren, beiderseits ein schlanker gemauerter Turm mit Spitzdach; auf dem Chor und den Türmen goldene Kreuze.“[18]

PartnerschaftenBearbeiten

Unter dem Motto „Wir sind Partner in Europa“ pflegen die drei Gemeinden Eggolsheim, Cavedine (Italien) und Jászszentlászló (Ungarn) partnerschaftliche Beziehungen. Dabei findet u. a. Jugendaustausch statt.[19]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

UnternehmenBearbeiten

Im Bereich des Marktes gibt es über 300.000 Quadratmeter Industrie- und Gewerbeflächen.

Im Markt Eggolsheim gibt es die Brauereien Först in Drügendorf und Pfister' in Weigelshofen, die für ihre Biere nur Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft verwendet. Die Brauerei Schwarzes Kreuz in Eggolsheim wurde 2012 stillgelegt.

Der Ortsteil Bammersdorf ist Sitz des Dörfler-Verlags.[20]

VerkehrBearbeiten

Eggolsheim liegt in unmittelbarer Nähe der Bundesautobahn 73 Nürnberg–Bamberg (Ausfahrt Forchheim–Nord).

Der Bahnhof Eggolsheim befindet sich im Ortsteil Neuses und liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Er wird stündlich von S-Bahnen der S1 (Bamberg–Nürnberg–Hartmannshof) der S-Bahn Nürnberg sowie mehrmals täglich von Zügen der Agilis-Linie Ebern–Bamberg–Forchheim–Ebermannstadt (Bahnstrecken Breitengüßbach–Maroldsweisach und Forchheim–Behringersmühle) bedient.

Im Gemeindegebiet von Eggolsheim liegen am Main-Donau-Kanal zwei Betriebs-Länden und der ehemalige Ölhafen Eggolsheim.

MedienBearbeiten

Im Bereich der Printmedien erscheinen der Fränkische Tag (Bamberg) und die Nordbayerischen Nachrichten (Regionalausgabe der Nürnberger Nachrichten). Alle zwei Wochen gibt es eine Ausgabe des Gemeindeblatts Unsere Gemeinde aktuell.[21]

Bildung und SchulenBearbeiten

Die Marktgemeinde ist Träger einer Kindertagesstätte in Bammersdorf mit je einer Gruppe in der Krippe und im Kindergarten.[22]

In Eggolsheim befindet sich eine Grund- und Mittelschule.[23]

Im Ortsteil Unterstürmig ist mit der Umweltstation Lias-Grube eine Informations- und Bildungsstätte für die regionale Umweltbildung eingerichtet.[24]

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne des MarktesBearbeiten

Personen, die vor Ort wirken oder gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Eggolsheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Eggolsheim, M. Bayerische Landesbibliothek Online, abgerufen am 2. September 2017.
  3. Abels, Sage, Züchner, S. 96 ff.
  4. Abels, Sage, Züchner, S. 164, 166
  5. Abels, Sage, Züchner, S. 188
  6. Eintauchen in die Vergangenheit. Archäologiemuseum Oberfranken. kaiserpfalz.forchheim.de, abgerufen am 2. September 2017.
  7. Abels, Sage, Züchner, S. 244 f.
  8. MGH, D.H. II., 3. Monumenta Germaniae Historica/Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 22. August 2013.
  9. Andraschke, S. 13
  10. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 462.
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 684.
  12. a b Reitzenstein, S. 61
  13. Maas, S. 63
  14. Vorläufiges Ergebnis zur Bürgermeisterwahl 2014 am 16.03.2014, Markt Eggolsheim. Markt Eggolsheim, 16. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.
  15. Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl des ersten Bürgermeisters am 16.03.2014. Markt Eggolsheim, 25. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/eggolsheim.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  16. a b Vorläufiges Ergebnis zur Gemeinderatswahl 2014 am 16.03.2014, Markt Eggolsheim. Markt Eggolsheim, 16. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.
  17. a b Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl des Marktgemeinderats am 16.03.2014. Markt Eggolsheim, 25. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/eggolsheim.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  18. Wappen von Eggolsheim. fraenkische-schweiz.bayern-online.de, 2017, abgerufen am 4. September 2017.
  19. Leben in Eggolsheim: Wir sind Partner in Europa. Markt Eggolsheim, 2017, abgerufen am 2. September 2017.
  20. Dörfler Verlag. Dörfler Verlag GmbH, 2017, abgerufen am 2. September 2017.
  21. Rathaus: Gemeindezeitung. Markt Eggolsheim, 2017, abgerufen am 2. September 2017.
  22. Kita Bammersdorf. Markt Eggolsheim, 2017, abgerufen am 4. September 2017.
  23. Die Grund- und Mittelschule Eggolsheim. Grund- und Mittelschule Eggolsheim, 2017, abgerufen am 4. September 2017.
  24. Umweltbildung, Tagen und Feiern. Umweltstation Lias-Grube, 2017, abgerufen am 4. September 2017.