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Mittelschule

Schulen des sekundären Bildungsbereichs

Mittelschule ist eine allgemeine Bezeichnung für Schulen des sekundären Bildungsbereichs.

Im Allgemeinen versteht man darunter Schulen der Mittelstufe (etwa die 10- bis 16-jährigen Schüler, ISCED Level 2 secondary education first stage). Der Begriff ist sowohl für Schulbildungstypen im Allgemeinen als auch für spezielle Schultypen innerhalb eines Schulsystems in Gebrauch.

Inhaltsverzeichnis

DeutschlandBearbeiten

Heute sind Mittelschulen Hauptschulen mit einem Mittlere-Reife-Zug (M-Zweig), mit Ausnahme in Bayern. Mittelschulen in Bayern unterliegen einer geringfügig anderen Definition, und bieten u. U. selbst keinen speziellen M-Zweig an (bspw. Mittelschulen innerhalb Gesamtschulen in Bayern). Jedoch muss eine Mittelschule im Vergleich zu einer normalen Hauptschule ohne M-Zweig besondere Kriterien erfüllen. Sie ist praxisorientiert, um die Schüler auf eine Ausbildung vorzubereiten. Es gibt drei Wahlpflichtfächer:

  • Technik (Technisches Zeichnen und Werkstücke),
  • Wirtschaft (Computer und Büroarbeit) und
  • Soziales (Kochen und Planen, früher GtB (Gewerblich-technischer Bereich), KtB (Kommunikationstechnischer Bereich) und Kochen).

Die Mittelschule unterscheidet sich von einer Realschule durch die stärkere Betonung der Berufsorientierung (praxisorientierter Unterrichtsansatz, Einführung berufsorientierender Zweige Technik, Wirtschaft, Soziales ab der 7. Jahrgangstufe) können die Schülerinnen und Schüler bereits frühzeitig erste Erfahrungen im beruflichen Umfeld machen. Sie haben so die Möglichkeit, sich umfassend und altersgerecht auf die Anforderungen der Wirtschaft und den Übergang in eine Berufsausbildung vorzubereiten. Durch die intensivere Berufsorientierung lernen die Schüler Berufsfelder näher kennen, erwerben erste Kenntnisse und Fähigkeiten und werden zur eigenen Berufswahlentscheidung befähigt. Betriebserkundungen und Praktika ermöglichen Schülern und Betrieben enge Kontakte, evtl. auch für eine spätere betriebliche Ausbildung. Eine frühe Festlegung auf ein Berufsfeld oder gar einen Beruf erfolgt nicht. Ein weiterer Unterschied ist, dass eine Schulklasse in den meisten Fächern (in der Regel den Hauptfächern) von derselben Lehrkraft unterrichtet wird (Klassenlehrerprinzip).

Der Begriff Mittelschule in einzelnen deutschen Ländern:

  • zehnklassiger Schultyp in den 1950er Jahren der DDR, siehe Mittelschule (DDR)
  • bis 1964, umgangssprachlich bis zur Einführung von offiziellen Mittelschulen Bezeichnung für Realschule
  • in Sachsen bis 2013 eine weiterführende Schulform, heute Oberschule
  • in Bayern Nachfolgeschule der Hauptschule[1]

ÖsterreichBearbeiten

Allgemein bildende mittlere Schule (AMS)
Schulsparte
Staat Österreich
Schultyp (allgemein) Nicht weiterführende Schule
ISCED-Ebene 2
Klassifikation (national) Allgemein bildende Schule/Allgemein bildende Pflichtschule (1.2)[2]
Voraussetzung Volksschulabschluss
Dauer 4 Jahre
Stufen: 5.–8. Schulstufe (1.–4. Klasse)
Regelalter 10–14
Schulabschluss keiner
Schulform Neue Mittelschule (NMS)
Anzahl 323 –  (NMS 2011/12)[3][4]
Schüler 34,324 –  (NMS 2010/11)[5]
Neu eingeführt als Modellversuche im Bereich der 10- bis 14-Jährigen (12.1), Modellversuch gemäß § 7a SchOG[2]

Abweichend vom deutschen und schweizerischen Sprachgebrauch bezeichnet man fachsprachlich[2] als Mittelschule die Schule der 10- bis 14-Jährigen, während die darauffolgende Bildung als Höhere Schule (allgemein- oder berufsbildend, AHS/BHS) bezeichnet wird, wenn sie zur Matura (Hochschulreife) führt, oder Berufsbildende mittlere Schule, wenn sie mit einem Berufsabschluss endet. Diese frühe Weichenstellung mit 10 und mit 14 Jahren ist ein – kritisch gesehenes – Spezifikum österreichischer Bildung. Dabei bezeichnet Mittelschule speziell alle Schulen, die über die Pflichtschulen (Volksschule/Grundschule, Hauptschule mit Polytechnikum beziehungsweise Sonderschule) hinausgehen, daher nennt man allgemein auch die AHS-Unterstufe (und umgangssprachlich das gesamte Gymnasium) so. Sonst gab es bis in die 2000er-Jahre Mittelschulen (Sekundaria) nur vereinzelt bei Statutsschulen (Schulen mit eigenständigem Lehrplan).

Seit dem EU-Beitritt Österreichs wird im Rahmen der Harmonisierung der Schulsysteme (Lissabon-Strategie und Bologna-Prozess) auch in Österreich mit einer expliziten Mittelschule (fachlich: Allgemein bildende mittlere Schule) experimentiert. Diese wurde zuerst als Kooperative Mittelschule als Schulversuch oder Autonomieprojekt einer Hauptschule oder AHS-Unterstufe umgesetzt.

Seit 2008/2009 testet man eine vollständig neue Schulform, die Neue Mittelschule. Diese soll bis 2015/16 alle Hauptschulen ersetzen, wird also die Normalform einer nicht weiterführenden Schule. Sie ist eine Fortentwicklung des Systems der Leistungsgruppen, aber mit dem Lehrplan der AHS-Unterstufe, was den Übergang in eine weiterführende Schule vereinfachen soll.

SchweizBearbeiten

In der Schweiz werden die Kantonsschule (Gymnasium/Maturitätsschule) und weitere Schulen der gleichen Stufe als Mittelschulen bezeichnet.

ItalienBearbeiten

In Italien besteht seit 1962 eine Mittelschule (scuola media inferiore, heute Scuola secondaria di primo grado (Sekundarstufe I) genannt), die von allen Schülern der sechsten bis achten Klasse besucht wird, die Sekundarstufe 2 (neunte bis dreizehnte Klasse: Scuola secondaria di secondo grado) wird historisch oft als scuola media superiore (obere Mittelschule) und das Maturadiplom entsprechend als diploma di scuola media superiore bezeichnet, siehe auch Mittelschule (Südtirol).

Vereinigte StaatenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Mittelschule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst: Die Mittelschule in Bayern. In: bayern.de. Abgerufen am 9. Juli 2015.
  2. a b c Österreichische Schulformensystematik, Stand 2011/12;
    Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung V/1 – Bildungsstatistik, -dokumentation, IT-Verwaltungsapplikationen (Hrsg.): Schulformensystematik. Kennzahlenverzeichnis der Schulformen des österreichischen Schulwesens. 2002
  3. Schulen im Schuljahr 2010/11 nach Schultypen, Statistik Austria
  4. aktueller Bestand: Standorte, neuemittelschule.at
  5. Schülerinnen und Schüler 2010/11 nach detaillierten Ausbildungsarten und Geschlecht, (Memento des Originals vom 13. Mai 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.at Statistik Austria (pdf)