Hauptmenü öffnen

Bologna [boˈlɔnja, ital. boˈloɲɲa] ist eine italienische Universitätsstadt und die Hauptstadt der Metropolitanstadt Bologna sowie der Region Emilia-Romagna. Die Großstadt ist mit 389.261 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017) die siebtgrößte italienische Stadt und ein bedeutender nationaler Verkehrsknotenpunkt.

Bologna
Wappen
Bologna (Italien)
Bologna
Staat Italien
Region Emilia-Romagna
Metropolitanstadt Bologna (BO)
Lokale Bezeichnung Bulåggna
Koordinaten 44° 30′ N, 11° 21′ OKoordinaten: 44° 29′ 38″ N, 11° 20′ 34″ O
Höhe 54 m s.l.m.
Fläche 140 km²
Einwohner 389.261 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 2.780 Einw./km²
Postleitzahl 40100
Vorwahl 051
ISTAT-Nummer 037006
Volksbezeichnung bolognesi
Schutzpatron Petronius, Katharina
Website www.comune.bologna.it
Bologna montage HD.jpg

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Bologna liegt am Fuße des Apennin, zwischen den Flüssen Reno und Savena in Norditalien. Das Adriatische Meer befindet sich ca. 60 Kilometer östlich der Stadt.

KlimaBearbeiten

Bologna, Emilia-Romagna
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
43
 
5
-2
 
 
45
 
8
1
 
 
60
 
13
4
 
 
67
 
18
8
 
 
65
 
23
12
 
 
53
 
27
16
 
 
43
 
30
18
 
 
58
 
29
18
 
 
61
 
25
15
 
 
72
 
19
10
 
 
81
 
11
4
 
 
61
 
6
0
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Hong Kong Observatory; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bologna, Emilia-Romagna
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 4,8 8,2 13,4 17,8 22,7 26,8 29,9 29,2 25,3 18,9 11,1 5,9 Ø 17,9
Min. Temperatur (°C) -1,5 0,8 3,9 7,6 11,8 15,6 18,2 17,9 14,8 10,1 4,3 -0,3 Ø 8,6
Niederschlag (mm) 42,9 44,9 60,4 67,0 65,0 52,6 42,8 57,9 61,0 71,6 81,3 61,0 Σ 708,4
Sonnenstunden (h/d) 2,5 3,4 4,9 5,8 7,4 8,5 9,4 8,4 6,7 4,8 2,7 2,4 Ø 5,6
Regentage (d) 6,6 6,0 7,7 7,2 7,7 6,6 4,5 5,7 5,0 6,6 8,1 6,8 Σ 78,5
Luftfeuchtigkeit (%) 83 78 70 71 69 68 65 66 69 76 84 84 Ø 73,6
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
4,8
-1,5
8,2
0,8
13,4
3,9
17,8
7,6
22,7
11,8
26,8
15,6
29,9
18,2
29,2
17,9
25,3
14,8
18,9
10,1
11,1
4,3
5,9
-0,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
42,9
44,9
60,4
67,0
65,0
52,6
42,8
57,9
61,0
71,6
81,3
61,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

GeschichteBearbeiten

AntikeBearbeiten

Die Geschichte der Stadt beginnt als etruskische Gründung mit dem Namen Felsina vermutlich im 6. Jahrhundert v. Chr., Spuren älterer dörflicher Siedlungen der Villanovakultur in der Gegend reichen bis ins 11./10. Jahrhundert v. Chr. zurück. Die etruskische Stadt wuchs um ein Heiligtum auf einem Hügel und war von einer Nekropole umgeben.

Im 5. Jahrhundert v. Chr. eroberten die keltischen Boier Felsina. 191 v. Chr. wurde die Stadt von den Römern erobert, 189 v. Chr. wurde sie als Bononia römische Colonia. 3000 latinische Familien siedelten sich dort an, wobei den ehemaligen Konsuln Lucius Valerius Flaccus, Marcus Atilius Seranus und Lucius Valerius Tappo die Organisation der Stadt(neu)gründung übertragen wurde.[2] Der Bau der Via Aemilia 187 v. Chr. machte Bononia zum Verkehrsknotenpunkt: Hier kreuzte sich die Hauptverkehrsstraße der Poebene mit der Via Flaminia minor nach Arretium (Arezzo). 88 v. Chr. erhielt Bononia über die Lex municipalis wie alle Landstädte Italiens volles römisches Bürgerrecht. Nach einem Brand wurde sie im 1. Jahrhundert unter Kaiser Nero wieder aufgebaut.

Wie für eine römische Stadt typisch, war Bononia schachbrettartig um die zentrale Kreuzung zweier Hauptstraßen angelegt, des Cardo mit dem Decumanus. Sechs Nord-Süd- und acht Ost-West-Straßen teilten die Stadt in einzelne Quartiere und sind bis heute erhalten. Während der römischen Kaiserzeit hatte Bononia mindestens 12.000, möglicherweise jedoch bis 30.000 Einwohner. Bei Ausgrabungen rund um das Forum der antiken Stadt in den Jahren 1989–1994 wurden zwei Tempel, Verwaltungsgebäude, Markthallen und das Tagungsgebäude des Stadtrates gefunden; im südlichen Teil des ursprünglichen Stadtgebietes ist ein Theater freigelegt worden. Die Stadt scheint jedoch deutlich über ihre ursprüngliche Befestigung hinausgewachsen zu sein, beispielsweise sind außerhalb der Stadtmauer ein Amphitheater, ein Aquädukt und ein Thermenareal entdeckt worden. Der Geograph Pomponius Mela zählte die Stadt im 1. Jahrhundert n. Chr. zu den fünf üppigsten (opulentissimae) Städten Italiens.

MittelalterBearbeiten

 
Bologna im 11. Jahrhundert mit rund 180 Geschlechtertürmen
 
Basilika San Petronio und Piazza Maggiore
 
Palazzo del Podestà

Nach einem langen Niedergang wurde Bologna im 5. Jahrhundert unter dem Bischof Petronius wiedergeboren, der nach dem Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche den Kirchenkomplex von Santo Stefano errichtet haben soll. Nach dem Ende des Römischen Reiches war Bologna ein vorgeschobenes Bollwerk des Exarchats von Ravenna, geschützt von mehreren Wallringen, die jedoch den größten Teil der verfallenen römischen Stadt nicht einschlossen. 728 wurde die Stadt von dem Langobardenkönig Liutprand erobert und damit Teil des Langobardenreichs. Die Langobarden schufen in Bologna einen neuen Stadtteil nahe Santo Stefano, bis heute Addizione Longobarda genannt, in dem Karl der Große bei seinem Besuch 786 unterkam.

Im 11. Jahrhundert wuchs der Ort als freie Kommune erneut. 1088 wurde der Studio gegründet – heute die älteste Universität Europas –, an der zahlreiche bedeutende Gelehrte des Mittelalters lehrten, unter anderem Irnerius. Da sich die Stadt weiter ausdehnte, erhielt sie im 12. Jahrhundert einen neuen Wallring, ein weiterer wurde im 14. Jahrhundert fertiggestellt.

1164 trat Bologna in den Lombardenbund gegen Friedrich I. Barbarossa ein, 1256 verkündete die Stadt die Legge del Paradiso (Paradiesgesetz), das Leibeigenschaft und Sklaverei abschaffte und die verbleibenden Sklaven mit öffentlichem Geld freikaufte. 50.000 bis 70.000 Menschen lebten zu dieser Zeit in Bologna und machten die Stadt zur sechst- oder siebtgrößten Europas nach Konstantinopel, Córdoba, Paris, Venedig, Florenz und möglicherweise Mailand. Das Stadtzentrum war ein Wald von Türmen: Schätzungsweise 180 Geschlechtertürme der führenden Familien, Kirchtürme und Türme öffentlicher Gebäude bestimmten das Stadtbild.

Bologna entschied sich 1248, die Weizenausfuhr zu verbieten, um die Lebensmittelversorgung seiner schnell wachsenden Bevölkerung zu sichern. Das kam einer Enteignung der venezianischen Grundbesitzer, vor allem der Klöster gleich. 1234 ging die Stadt noch einen Schritt weiter und besetzte Cervia, womit es in direkte Konkurrenz zu Venedig trat, das das Salzmonopol in der Adria beanspruchte. 1248 dehnte Bologna seine Herrschaft auf die Grafschaft Imola, 1252–1254 sogar auf Ravenna aus. Dazu kamen 1256 Bagnacavallo, Faenza und Forlì.

Doch der schwelende Konflikt zwischen Venedig und Bologna wurde 1240 durch die Besetzung der Stadt durch Kaiser Friedrich II. unterbrochen. Nachdem sich Cervia 1252 jedoch wieder Venedig unterstellt hatte, wurde es von einer gemeinsamen ravennatisch-bolognesischen Armee im Oktober 1254 zurückerobert. Venedig errichtete im Gegenzug 1258 am Po di Primaro eine Sperrfestung. Etsch, Po und der für die Versorgung Bolognas lebenswichtige Reno wurden damit blockiert – wobei letzterer von der See aus wiederum nur über den Po erreichbar war, und die Etsch bereits seit langer Zeit durch Cavarzere von Venedig kontrolliert wurde. Mit Hilfe dieser Blockade, vor allem an der Sperrfestung Marcamò – Bologna riegelte Marcamò vergebens durch ein eigenes Kastell ab – zwang Venedig das ausgehungerte Bologna zu einem Abkommen, das die Venezianer diktierten. Das bolognesische Kastell wurde geschleift. Ravenna stand Venedigs Händlern wieder offen, Venedigs Monopol war durchgesetzt.

Im Jahre 1272 starb in Bologna nach mehr als 22-jähriger Haft im Palazzo Nuovo (dem heutigen Palazzo di re Enzo) der König Enzio von Sardinien, ein unehelicher Sohn des Staufer-Kaisers Friedrich II.

Wie die meisten Kommunen Italiens war Bologna damals zusätzlich zu den äußeren Konflikten von inneren Streitigkeiten zwischen Ghibellinen und Guelfen (Staufer- bzw. Welfen-Partei, Kaiser gegen Papst) zerrissen. So wurde 1274 die einflussreiche ghibellinische Familie Lambertazzi aus der Stadt vertrieben.

Als Bologna 1297 verstärkt gegen die Ghibellinen der mittleren Romagna vorging, fürchtete Venedig das erneute Aufkommen einer konkurrierenden Festlandsmacht. Das betraf vor allem Ravenna. Venedig drohte der Stadt wegen Nichteinhaltung seiner Verträge und Bevorzugung Bolognas. Doch der Streit konnte beigelegt werden. Zu einer erneuten Handelssperre seitens Venedigs (wohl wegen der Ernennung Baiamonte Tiepolos zum Capitano von Bologna) kam es Ende 1326. Bologna hatte sich dem Schutz des Papstes unterstellt, nachdem es 1325 von Modena in der Schlacht von Zappolino vernichtend geschlagen worden war. Im Mai 1327 wurden alle Bologneser aufgefordert, Venedig innerhalb eines Monats zu verlassen. 1328–1332 kam es zu Handelssperren und Repressalien. Ravenna blieb dabei der wichtigste Importhafen der Region, den z. B. Bologna für größere Importe aus Apulien weiterhin nutzte. Zwischen 1325 und 1337 kam es zum Eimerkrieg von Bologna. Während der Pest-Epidemie von 1348 starben etwa 30.000 der Einwohner.

Nach der Regierungszeit Taddeo Pepolis (1337–1347) fiel Bologna an die Visconti Mailands, kehrte aber 1360 auf Betreiben von Kardinal Gil Álvarez Carillo de Albornoz durch Kauf wieder in den Machtbereich des Papstes zurück. Die folgenden Jahre waren bestimmt von einer Reihe republikanischer Regierungen (so z. B. die von 1377, die die Basilica di San Petronio und die Loggia dei Mercanti errichten ließ), wechselnder Zugehörigkeit zum päpstlichen oder Viscontischen Machtbereich und andauernder, verlustreicher Familienfehden.

1402 fiel die Stadt an Gian Galeazzo Visconti, der zum Signore von Bologna avancierte. Nachdem 1433 Bologna und Imola gefallen waren (bis 1435), verhalf Venedig dem Papst 1440/41 endgültig zur Stadtherrschaft. Bei der Gelegenheit nahm Venedig 1441–1509 Ravenna in Besitz.

Um diese Zeit erlangte die Familie der Bentivoglio mit Sante (1445–1462) und Giovanni II. (1462–1506) die Herrschaft in Bologna. Während ihrer Regierungszeit blühte die Stadt auf, angesehene Architekten und Maler gaben Bologna das Gesicht einer klassischen italienischen Renaissance-Stadt, die allerdings ihre Ambitionen auf Eroberung endgültig aufgeben musste.

NeuzeitBearbeiten

 
Anleihe über 500 Lire der Stadt Bologna vom 27. Juni 1904[3]
 
Stadtplan von Bologna um 1907
 
Die heutigen Stadtviertel (quartiere) von Bologna
 
ehemaliger Verlauf der Stadtmauer mit den verbliebenen Stadttoren

Giovannis Herrschaft endete 1506, als die Truppen Papst Julius' II. Bologna belagerten und die Kunstschätze seines Palastes plünderten. Im Anschluss gehörte Bologna bis zum 18. Jahrhundert zum Kirchenstaat und wurde von einem päpstlichen Legaten und einem Senat regiert, der alle zwei Monate einen gonfaloniere (Richter) wählte, der von acht Konsuln unterstützt wurde. Am 24. Februar 1530 wurde Karl V. von Papst Clemens VII. in Bologna zum Kaiser gekrönt. Es war die letzte vom Papst durchgeführte Kaiserkrönung. Der Wohlstand der Stadt dauerte an, doch eine Seuche am Ende des 16. Jahrhunderts verringerte die Zahl der Einwohner von 72.000 auf 59.000, eine weitere 1630 ließ sie auf 47.000 schrumpfen, bevor sie sich wieder auf 60.000 bis 65.000 einpendelte.

1564 wurden die Piazza del Nettuno, der Palazzo dei Banchi und der Archiginnasio erbaut, der Sitz der Universität. Zahlreiche Kirchen und andere religiöse Einrichtungen wurden während der päpstlichen Herrschaft neu errichtet, ältere renoviert – Bolognas 96 Klöster waren italienischer Rekord. Bedeutende Maler wie Annibale Carracci, Domenichino und Guercino, die in dieser Periode in Bologna tätig waren, formten die Bologneser Schule der Malerei.

Im napoleonischen Europa wurde Bologna 1796 – seit dem Ersten Koalitionskrieg vom Kirchenstaat unabhängig – zunächst Hauptstadt der kurzlebigen Cispadanischen Republik und später die nach Mailand bedeutendste Stadt in der Cisalpinischen Republik und des napoleonischen Königreichs Italien. Am 28. Januar 1814[4] eroberten die Österreicher die Stadt kurzzeitig zurück, mussten am 2. April 1815 dem Einmarsch französischer Truppen weichen, um am 16. April 1815 Bologna endgültig einzunehmen. Nach dem Fall Napoléons schlug der Wiener Kongress 1815 Bologna wieder dem Kirchenstaat zu, worauf dies am 18. Juli 1816 zur Ausführung kam.

Die Bevölkerung rebellierte im Frühjahr 1831 gegen die päpstliche Restauration. Durch eine neuerliche österreichische Besatzung ab dem 21. März 1831 wurde dem ein Ende gemacht. Die Besatzung dauerte mit einer kurzen Unterbrechung (Juli 1831 bis Januar 1832) bis zum 30. November 1838. Die Macht war damit erneut in der Hand des Papstes. Dagegen erhob sich im August 1843 der Aufstand der Moti di Savigno. Erneut kam es 1848/1849 zu Volksaufständen, als es vom 8. August 1848 bis 16. Mai 1849 gelang, die Truppen der österreichischen Garnison zu vertreiben, die danach erneut bis 1860 die Befehlsgewalt über die Stadt innehatten. Nach einem Besuch von Papst Pius IX. 1857 stimmte Bologna am 12. Juni 1859 für seine Annexion durch das Königreich Sardinien, wodurch die Stadt Teil des vereinten Italien wurde.[4]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Mauern der Stadt bis auf wenige Reste abgerissen, um der schnell wachsenden Bevölkerung Platz zu schaffen. In den Wahlen am 28. Juni 1914 errang der Sozialist Francesco Zanardi[4] zum ersten Mal das Stadtpräsidium (sindaco) für die Linke. Mit der Unterbrechung des Faschismus wird Bologna seitdem überwiegend von linken Stadtregierungen verwaltet.

1940 zählte Bologna 320.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde Bologna in den Kämpfen der untergehenden NS-Diktatur mit amerikanischen, britischen und polnischen Invasionstruppen der Alliierten bombardiert und beschädigt, am 21. April 1945 fiel die Stadt an die polnischen Einheiten. Nach dem Krieg erholte sich Bologna schnell und ist heute eine der wohlhabendsten und stadtplanerisch gelungensten Städte Italiens.

Am 2. August 1980 verübte eine Gruppe von Rechtsextremisten einen Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof der Stadt. 85 Menschen starben, mindestens 200 wurden verletzt. 1995 wurden für diesen Anschlag zwei Mitglieder der faschistischen Nuclei Armati Rivoluzionari und Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Im Jahr 2000 war Bologna Kulturhauptstadt Europas.

BeinamenBearbeiten

Bologna wird auch la grassa („die Fette“) genannt wegen des gehaltvollen Essens, für das die Stadt berühmt ist. Weitere Beinamen sind la rossa („die Rote“) wegen der roten Ziegel der Häuser und der vorherrschenden politischen Richtung, sowie, wegen der berühmten Universität, la dotta („die Gelehrte“). Bologna wird auch la turrita genannt, nach den vielen Geschlechtertürmen, von denen die meisten erst Ende des 19. Jahrhunderts zerstört wurden.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Bauwerke und PlätzeBearbeiten

 
Piazza Nettuno
 
Die unvollendete Fassade der Basilika San Petronio
 
Typische Arkaden

Wahrzeichen der Stadt sind die zwei Türme, der Torre Garisenda und der Torre degli Asinelli. Um 1100 erbaut, war letzterer mit seiner Höhe von 94,5 m damals wohl der höchste Profanbau Europas. Die beiden Türme sind mit wenigen anderen die letzten Überbleibsel von rund 180 „Geschlechtertürmen“ des mittelalterlichen Bologna, die im 16. Jahrhundert zum Großteil geschleift wurden. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehören die im Artikel genannten Palazzi.

Als Zentrum der Stadt gilt die Piazza Maggiore mit dem Neptunbrunnen und der Basilika San Petronio. Die mächtige gotische Kirche ist die fünftgrößte der Welt; das Mittelschiff ist 40 m hoch und 20 m breit. Ursprünglich als größte Kirche der Christenheit geplant, wurde der Bau, begonnen im Jahr 1390, aufgrund finanzieller Probleme bis heute nicht vollendet. Im Innenraum befindet sich die Mittagslinie, 1655 eingerichtet nach Plänen des Astronomen Giovanni Domenico Cassini. In der Capella Bolognini befindet sich eine Darstellung des Weltgerichts von Giovanni da Modena (um 1410). Der Maler des Freskos orientierte sich bei seiner Darstellung an Dantes Göttlicher Komödie und zeigt im Höllenkreis unter anderem den Propheten Mohammed, dem als Glaubensspalter von einem Teufel der Körper aufgeschlitzt wird (DC Inf. XXVIII).

Die Kathedrale San Pietro mit der Pietà von Alfonso Lombardi befindet sich an der Via dell’Indipendenza. Die älteste Kirche Bolognas, die Basilica di Santo Stefano, befindet sich in einem heute noch genutzten Klosterkomplex im historischen Zentrum der Stadt. Die Anlage verfügt über einen byzantinischen Rundbau sowie über typische romanische Kreuzgänge.

Bekannt ist Bologna außerdem für seine Arkaden. Sie erstrecken sich über 38 km und wurden ursprünglich geschaffen, um der wachsenden Bevölkerung der Stadt gerecht zu werden. Der Bau der Arkaden ermöglichte es, die oberen Stockwerke auszubauen und so neuen Wohnraum zu schaffen, ohne den Handel und den Durchgangsbetrieb zu stark zu beeinträchtigen. Die Wallfahrtskirche der Santuario della Madonna di San Luca liegt auf dem Guardiahügel oberhalb der Stadt und bietet einen Blick über die Poebene. Zur Kirche hinauf führt der mit rund vier Kilometern längste Arkadengang der Welt.

Der Palazzo dell’Archiginnasio war ursprünglich dafür geplant, alle Fakultäten der Universität unter einem Dach zu vereinen. Er beherbergt einen 1944 im Krieg stark zerstörten, aber vollständig renovierten Anatomielehrsaal.

Siehe auch: Liste der Kirchen in Bologna und Synagoge

MuseenBearbeiten

Das Museo internazionale della musica di Bologna im Palazzo Sanguinetti beherbergt eine Sammlung musikhistorischer Exponate. Handschriften und Erstdrucke unter anderem von Padre Martini und Caccini dokumentieren ihren zur frühen Entwicklung der Musiktheorie und der Oper in Bologna. Porträts und kurze geschichtliche Abrisse beschreiben das Wirken von Vivaldi, Farinelli, Mozart und Johann Christian Bach in der Stadt.

Das öffentlich zugängliche Museo di Antropologia der Universität Bologna zeichnet die Entwicklungsgeschichte des Menschen in Europa seit der Steinzeit mit besonderem Blick auf das Geschehen in Italien nach.

Die Pinacoteca Nazionale di Bologna zeigt Gemälde von Raffael und Guido Reni.

Der Palazzo Pepoli Vecchio beherbergt das 2012 eröffnete Museo della Storia di Bologna.[5]

Das Museo Geologico Giovanni Capellini ist ein Museum für Geologie und Paläontologie; darin steht u. a. das 1909 von Andrew Carnegie gestiftete Skelett eines Diplodocus.

Das Jüdische Museum Bologna erinnert an die lange Geschichte des Judentums in Bologna und in der Region.

In der Via Don Giovanni Minzoni befindet sich das MAMbo, Museo d'Arte Moderna di Bologna, das Museum für Moderne Kunst.

FotosBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Die Internationale Ledermesse Lineapelle findet jährlich in Bologna statt
  • Auch die Internationale Automobilmesse Motorshow findet jedes Jahr hier statt
  • Bologna ist der Veranstaltungsort einer der größten jährlich stattfindenden Land- und Forsttechnik-Messen Europas
  • Fiera del Libro per Ragazzi: Bologna beherbergt seit 1963 die jährlich stattfindende Internationale Jugendbuchmesse
  • Festival Internationale di Cinema Animazione e Nuove Tecnologie, auch Future Film Festival, findet seit 1999 in Bologna statt
  • Cersaie: Leitmesse für Fliesen und Keramik in Europa
  • Messe für moderne und zeitgenössische Kunst ArteFiera[6]

KulinarischesBearbeiten

 
Tortellini in brodo
  • Tortellini: Bologna ist die Heimat der Tortellini – mit Hackfleisch gefüllte, kleine ringförmige Teigwaren, die in einer Hühnerbrühe (brodo) oder mit frischer Sahnesoße serviert werden. Einer Legende nach sollen die Tortellini den Nabel der römischen Liebesgöttin Venus nachbilden.
  • Eine weitere klassische Pasta aus Bologna sind Tagliatelle, mit Ei hergestellte Bandnudeln, die traditionell mit Ragù alla bolognese (eine Soße mit Hackfleisch und Tomaten) serviert werden. Von den bolognesischen Tagliatelle al ragù wurden die sogenannten Spaghetti Bolognese inspiriert, die aber nicht zur Küche Bolognas gehören,[7] sondern vermutlich aus Nordamerika stammen.[8] Während Spaghetti nämlich ursprünglich aus Neapel kommen, wird das bolognesische Ragù in der Emilia-Romagna traditionell nur mit Eiernudeln (Tagliatelle, Lasagne usw.) serviert.
  • Mortadella: Eine weitere aus Bologna stammende Spezialität ist die Mortadella, eine Aufschnittwurst vom Schwein, die meist in hauchdünne Scheiben geschnitten, verzehrt wird.
  • Bologna ist außerdem für seine grüne Lasagne berühmt, mit bologneser Soße, Bechamel und Parmesan vorbereitet.

InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

 
Palazzo dell’Archiginnasio, Gebäude der Universität Bologna von 1563 bis 1803

Bologna beherbergt mit der 1088 gegründeten Universität die älteste Institution dieser Art in Europa. Die etwa 80.000 Studenten stellen bei einer Gesamtbevölkerung von um die 400.000 einen bedeutenden Teil der Stadtbevölkerung und prägen die Stadt, vor allem innerhalb der historischen Stadtmauern. Die Stadt ist nicht nur bei Studenten aus allen Teilen Italiens beliebt, sondern auch bei ausländischen Studenten. Neben Erasmus-Studenten sind das vor allem Studenten aus den USA.

Außerdem gibt es in der Stadt die Akademie der Bildenden Künste, an der unter anderem Giorgio Morandi lehrte und Enrico Marconi eine Ausbildung absolvierte.

Das SAIS Bologna Center ist eine Außenstelle der School of Advanced International Studies (SAIS) der Johns Hopkins University.

Bologna war Ort der Bolognaerklärung im Jahr 1999 und Namensgeber des Bologna-Prozesses zur Reformierung und Vereinheitlichung des Europäischen Hochschulraums.

VerkehrBearbeiten

 
Flughafen Bologna

Flughafen:

Bahn: Außerdem ist Bologna einer der größten Eisenbahnknotenpunkte Italiens.

  • Sein wichtigster Bahnhof ist der Hauptbahnhof Bologna Centrale. Dieser wurde 1864 errichtet und schon zehn Jahre später von Gaetano Ratti neu konstruiert. 1926 wurde er um die westlichen Bahnsteige erweitert, 1934 auch auf der östlichen Seite. 2013 wurde der ergänzende Tiefbahnhof für Hochgeschwindigkeitsverkehr Bologna Centrale AV (AV für Alta Velocità) eröffnet.
  • Der Rangierbahnhof Bologna San Donato hat eine für Rangierbahnhöfe sehr seltene kopfförmige Anlage und befindet sich an der Umgehungsbahn (Cintura) im Nordosten der Stadt. Er ist der größte Rangierbahnhof Italiens.

Autobahn:

Ansässige FirmenBearbeiten

Im Stadtteil Borgo Panigale ist der italienische Motorradhersteller Ducati Motor Holding S.p.A. beheimatet.

Die Correllifkio Emiliano S.p.A. (CESAB) – traditioneller Hersteller von Fördertechnik und Gabelstaplern – wurde 1942 gegründet.

SportBearbeiten

Bekanntester Fußballverein der Stadt ist der siebenmalige italienische Meister FC Bologna, der vor allem in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zu den erfolgreichsten Italiens gehörte. Er trägt seine Heimspiele im Stadio Renato Dall’Ara aus, das bei zwei Fußball-Weltmeisterschaften Spielstätte war, und spielt nach einem Abstieg 2013/14 in die Serie B, seit der Saison 15/16 wieder in der erstklassischen Serie A. Im Basketball ist die Stadt mit Virtus und Fortitudo Heimat zweier Vereine, die auf nationaler wie kontinentaler Ebene Erfolge vorweisen können.

PersönlichkeitenBearbeiten

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Bologna aufgeführt.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

 
Via Zamboni

LiteraturBearbeiten

  • Max Jäggi, Roger Müller, Sil Schmid: Das rote Bologna. Kommunisten demokratisieren eine Stadt im kapitalistischen Westen. Verlagsgenossenschaft. Zürich 1976.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bologna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Bologna – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikivoyage: Bologna – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. Titus Livius, Ab urbe condita 37,57,5.
  3. Alex Witula; Leonardo Paganello: Carte valori d'epoca. Emilia Romagna e San Marino, ISBN 9788895848020 / 8895848020
  4. a b c Amedeo Benati, Franco Bergonzoni, Giorgio Bonfiglioli, et al.: Storia di Bologna. Hrsg.: Antonio Ferri, Giancarlo Roversi. 3. Auflage. University Press Bologna/Santerno Edizioni, Bologna/Imola 1996, S. 286 f. (Seite 286 f. belegt die Angaben für den Zeitraum 1796–1914).
  5. We are History: Palazzo Pepoli – Museum of the History of Bologna, detail-online.com, aufgerufen am 17. November 2016.
  6. Bologna lädt ein zur ArteFiera 2015. Website des Magazins reisen EXCLUSIV, abgerufen am 5. Januar 2015.
  7. Italienischer Bürgermeister erklärt Spaghetti Bolognese zur Fake News
  8. Darum essen Italiener niemals Spaghetti Bolognese. Travelbook. 12. Juni 2017. Abgerufen am 12. Juni 2019.