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Eine Umgehungsbahn ist eine meistens nur dem Güterverkehr dienende Eisenbahnstrecke, die am Rande eines Eisenbahnknotenpunktes den Hauptbahnhof bzw. die Hauptbahnhöfe und deren anschließende innerstädtische Streckenabschnitte umfährt. Die Güterumgehungsbahn soll hingegen primär dazu dienen, Lärmschutz zu gewährleisten, Güterzüge zum Zielbahnhof unter Ausnutzung geeigneter Eisenbahnstrecken um Kopfbahnhöfe herumzulenken und Gefahrgutunfälle im Innenstadtbereich zu vermeiden.

AllgemeinesBearbeiten

Umgehungsbahnen wurden im Rahmen des Ausbaues vieler Eisenbahnknotenpunkte angelegt, um den Bereich des Hauptbahnhofes durch Verlegen des Güterverkehrs auf die Umgehungsbahn und somit seiner Trennung vom Personenverkehr zu entlasten. Ferner dienen sie zur Umfahrung von Kopfbahnhöfen für durchgehende Züge.

An vielen Umgehungsbahnen wurden auch Rangierbahnhöfe angelegt, wobei die Umgehungsbahn in diesen Fällen neben der Entlastungsfunktion dem Anschluss des Rangierbahnhofes an die einzelnen Strecken des Knotenpunktes dient. Andere Umgehungsbahnen führen den Güterverkehr von einem an einer der Strecken des Eisenbahnknotens gelegenen Rangierbahnhof zu dessen anderen Strecken um die Stadt herum oder stehen, wie zum Beispiel in Bremen oder Oviedo, nicht mehr bzw. überhaupt nicht mit einem Rangierbahnhof in Zusammenhang.

Die Verlegung des Güterverkehrs auf Umgehungsbahnen ermöglichte oft auch den Ausbau der vorher bereits vorhanden gewesenen Strecken und Bahnhöfe für den Personenverkehr und Entlastung der Zugfrequenz der ihn umfahrenden Streckenabschnitte.

FormenBearbeiten

Verbindungskurve, -bahn oder -linieBearbeiten

Kurze Strecke, die zwei an derselben Seite des (Haupt-)Bahnhofes einmündende Strecken in Form eines Gleisdreieckes so miteinander verbindet, dass Züge ohne Fahrtrichtungswechsel nacheinander über diese Strecken fahren können. Stellvertretend für die unzähligen derartigen Strecken seien nur diejenigen von Siegen oder Olten erwähnt, ferner als Beispiel zur Umgehung eines Kopfbahnhofes die Verbindungslinie in Marseille.

Umgehungsbahn in Form eines TeilringesBearbeiten

 
Schusterbahn in Stuttgart (gestrichelt)

Als Umgehungsbahn versteht man in der Regel eine Umfährt des Hauptbahnhofs bzw. der zentralen städtischen Bahnanlagen an einer Seite des Eisenbahnknotens, dieser Fall ist häufig anzutreffen.

Die Schusterbahn in Stuttgart ist ein Beispiel einer Umgehungsbahn als Teilring am Ostrand der Stadt und Zufahrt zum Rangierbahnhof Kornwestheim.

Ring- oder GürtelbahnBearbeiten

Den Eisenbahnknoten vollständig umfahrende ringförmige Strecke, seltener anzutreffen; Beispiele: Leipzig (Leipziger Güterring), Nürnberg (Ringbahn Nürnberg, heute teilweise stillgelegt), Metz, Bukarest, Peking. Hierbei bildet die vollständige Umrundung des Eisenbahnknotens mit Güterzugsstrecken jedoch nicht immer gleichzeitig einen vollständigen zusammenhängenden Ring, sondern an bestimmten Stellen bestehen nur Einmündungen in die Strecke wie beispielsweise im Norden von Metz.

Eisenbahnknotenpunkte mit mehreren UmgehungsbahnenBearbeiten

Sehr große Eisenbahnknotenpunkte sowie große Industriegebiete haben manchmal zwei oder gar noch mehr Umgehungs- oder Ringbahnen, die in der Regel zugleich deren wichtigste Rangierbahnhöfe verbinden. Dies ist beispielsweise der Fall in: (Aufzählung innerhalb der Knotenpunkte von innen nach außen)

Eine Ansammlung mehrerer Umgehungsbahnen unterschiedlicher Art befindet sich im Rhein-Ruhr-Gebiet:

Eine ähnliche Situation besteht auch in anderen Industriegebieten wie dem Oberschlesischen Industriegebiet und dem Donezbecken.

BesonderheitenBearbeiten

Manchmal verlaufen Umgehungsbahnen auch abschnittsweise als zusätzliche Gleise mehrspuriger Zulaufstrecken des Knotenpunktes, zum Beispiel in Hamburg, Antwerpen, Mailand und Rom.

Da die meisten Umgehungsbahnen vorderhand oder ausschließlich für den Güterverkehr angelegt wurden, findet auf ihnen entweder kein oder nur wenig Personenverkehr statt. Starken Personenverkehr weisen dagegen die innere Berliner Ringbahn und die Umgehungsbahn von Florenz auf.

In manchen Ländern, darunter besonders zum Erbfeind im Westen, wegen der deutschen Teilung oder in der ehemaligen Sowjetunion, wurden außerdem vorwiegend oder ausschließlich militärischen Zwecken dienende strategische Umgehungsbahnen angelegt, die teilweise für den Zivilverkehr überflüssig sind und von denen manche daher auch bereits stillgelegt wurden.

Sehr selten sind grenzüberschreitende Umgehungsbahnen, beispielsweise in Como oder Brest (Weißrussland).

Umgehungsbahnen an HochgeschwindigkeitsstreckenBearbeiten

Im Zuge des Baues von Hochgeschwindigkeitsstrecken wurden auch wenige Umgehungsbahnen für Hochgeschwindigkeitszüge errichtet, zum Beispiel bei Stendal, Paris, Tours, Lyon und Saragossa. Solche Strecken dienen gegebenenfalls auch zum Anschluss des örtlichen Flughafens an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Eisenbahn.

LiteraturBearbeiten

  • Bernd Kuhlmann: Der Berliner Außenring. Verlag Kenning, Nordhorn 1997, ISBN 3-927587-65-6.
  • Heinz Kilian, Christian Hübschen: Entlastung für die Rollbahn. In: Eisenbahn-Geschichte. Nr. 13 (Dez. 2005/Jan. 2006), S. 10–22. (Güterumgehungsbahn Münster).
  • Peter Wegenstein: Die Verbindungsstrecken im Raume Wien. (= Bahn im Bild. Band 79). Pospischil, Wien 1991, DNB 931589770.
  • Bruno Carrière, Bernard Collardey: L'Aventure de la Grande Ceinture. 1. Auflage. La Vie du Rail, Paris 1992, ISBN 2-902808-40-2. (2. Auflage. 2002, ISBN 2-902808-05-4) (Das Werk beschreibt in Französisch die große Güterringbahn um Paris einschließlich Übersichtskarte und verschiedener historischer und aktueller Bahnhöfe)

EinzelnachweiseBearbeiten