Heinz Goerke

deutscher Medizinhistoriker und Hochschullehrer


Heinz Goerke (* 13. Dezember 1917 in Allenstein; † 16. Juni 2014 in München[1]) war ein deutscher Medizinhistoriker und Hochschullehrer. Er war langjähriger Ärztlicher Direktor des Klinikums Großhadern. Goerke verfasste Monografien zur Kunst und Technik in der Medizin.

Grab von Heinz Goerke, Waldfriedhof München-Solln

LebenslaufBearbeiten

Heinz Goerke wurde am 13. Dezember 1917 in Allenstein/Olstyn als Sohn von Albert und Gertrud Goerke geborene Keßlau geboren und wuchs in den 1920er und 1930er Jahren in Potsdam auf. Von 1927 bis 1933 besuchte er die staatliche Bildungsanstalt Potsdam und von 1933 bis zu seinem Abitur 1937 das Viktoria-Gymnasium in Potsdam. Von 1939 bis 1943 studierte er Medizin in Berlin und Jena. Am 7. März 1942 heiratete Heinz Goerke in Potsdam die Zahnärztin Ilse Goerke geborene Schumacher. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Heinz Goerke zunächst als Allgemeinmediziner in Potsdam. Anfang der 1950er Jahre zog das Ehepaar Goerke nach Ostberlin und später nach Westberlin. Von 1952 bis 1957 lebte das Ehepaar Goerke in Schweden. In Schweden arbeitete Heinz Goerke als Röntgenologe im Krankenhaus von Örebro und Ilse Goerke als Zahnärztin in Kumla. 1956 wurde die gemeinsame Tochter Birgitta in Kumla geboren. Von 1957 bis 1969 lebten die Goerkes wieder in Westberlin. Heinz Goerke arbeitete als Chefarzt der Röntgenabteilung des Beobachtungskrankenhaus der AOK Berlin und als Ärztlicher Direktor des Klinikums Steglitz. Gleichzeitig verfolgte er seine wissenschaftliche Tätigkeit als Medizinhistoriker und wurde 1962 Professor für Geschichte der Medizin an der Freien Universität Berlin. 1969 zogen die Goerkes nach München. In München übernahm Heinz Goerke die Professur für Geschichte der Medizin an der Ludwigs-Maximilians-Universität und wurde Ärztlicher Direktor des Klinikums Großhaderns.[2] Auch nach der Pensionierung von Heinz Goerke im Jahr 1986 wohnte das Ehepaar Goerke weiter in München-Solln und konnte dort 2012 seinen 70sten Hochzeitstag zusammen feiern.[3] Im Jahr 2014 starb Heinz Goerke mit 97 Jahren. 2019 wurde eine Straße in München-Großhadern nach ihm benannt.[4]

Beruflicher WerdegangBearbeiten

Ab 1939 studierte Heinz Goerke Medizin mit Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg und Einberufung als Truppenarzt. 1962 wurde er als Professor für Geschichte der Medizin an die Freie Universität Berlin berufen. Im Jahr 1969 wechselte Goerke als Nachfolger von Gernot Rath nach München, wo er von 1970 bis 1982 Ärztlicher Direktor des Klinikums Großhadern war. Er war auch erster Direktor des von ihm initiierten Deutschen Medizinhistorischen Museums, das 1973 eröffnet wurde. Goerke war zudem Fachredakteur der Schweizer Zeitschrift Ars Medici.

Einfluss auf die MedizingeschichteBearbeiten

Mit Walter Artelt, Edith Heischkel und Gunter Mann (1924–1992) war Goerke Herausgeber der Zeitschrift Medizinhistorisches Journal.[5] Wie Gerhard Baader und Gunter Mann soll Goerke im Rahmen der Spaltung von Mitgliedern der DGGMNT anlässlich der von Gernot Rath unterstützten, 1963 erfolgten Umhabilitierung des ehemaligen SS-Offiziers Alexander Berg nach Göttingen Edith Heischkel-Artelt, Walter Artelt und Paul Diepgen laut Florian G. Mildenberger die Treue gehalten haben und auf eine umfassende Aufklärung der Rolle der Medizingeschichte im Nationalsozialismus 1964 noch verzichtet haben. Im Jahr 1967 holte Goerke Gerhard Baader, der ab 1980 zu den Pionieren der historischen Forschung über die Rolle der Medizin im Nationalsozialismus zählte, als Assistenten an die Freie Universität Berlin.[6]

EhrungenBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Heilkunde im alten Potsdam. Olms, Hildesheim/ Zürich/ New York 2002, ISBN 3-487-11626-X.
  • Arzt und Heilkunde: Vom Asklepiospriester zum Klinikarzt. 3000 Jahre Medizin. München 1984.
  • Am Puls der Medizin: Arzt im 20. Jahrhundert; eine Autobiographie. Olms, Hildesheim/ Zürich/ New York 1996, ISBN 3-487-10293-5.
  • Carl von Linné: 1707–1778. Arzt – Naturforscher – Systematiker. (= Große Naturforscher. Bd. 31). 2., erweiterte Auflage. Wiss. Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 1989, ISBN 3-8047-0959-1.
  • Berliner Ärzte: Selbstzeugnisse. Berlin Verlag, Berlin 1965.
  • Die deutsch-schwedischen Beziehungen in der Medizin des achtzehnten Jahrhunderts (= Acta historica scientiarum naturalium et medicinalium. Band 16). Munksgaard, Kopenhagen 1958. (zugleich Habilitationsschrift FU Berlin 1960)
  • Über die unspezifische Desensibilisierung von Augen-Allergosen mit Histamin. Dissertation. Berlin 1943.
  • mit Heinz Müller-Dietz (Hrsg.): Verhandlungen des XX. Internationalen Kongresses für Geschichte der Medizin (Berlin, 22.–27. August 1966). Hildesheim 1968.
  • mit Hans Diller und Karl Deichgräber (Hrsg.): Ars medica. Texte und Untersuchungen zur Quellenkunde der Alten Medizin. Schriftenreihe des Instituts für Geschichte der Medizin der Freien Universität Berlin. II. Abteilung: Griechisch-lateinische Medizin. Berlin 1968 ff.
  • mit Paul Diepgen: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg/ New York 1960, ISBN 3-540-02498-0.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. mult. Heinz Goerke. In: Deutsches Ärzteblatt. 95 (1998), S. A169.
  • Manfred Stürzbecher: Prof. Dr. Dr. Heinz Goerke wurde 85 Jahre alt. In: Brandenburgisches Ärzteblatt. 3/2003, S. 92.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. www.stadt.muenchen.de.
  2. Am Puls der Medizin : Arzt im 20. Jahrhundert ; eine Autobiographie. Olms, Hildesheim/ Zürich/ New York 1996, ISBN 3-487-10293-5.
  3. Erik Wenk: Mantel unterm Kleid - Vor 70 Jahren heirateten die Goerkes in Potsdam. In: Potsdamer Neuste Nachrichten.
  4. Heinz-Goerke-Straße, Stadtgeschichte München
  5. W. Artelt, H. Goerke, E. Heischkel, G. Mann (Hrsg.): Medizinhistorisches Journal. Georg Olms, Hildesheim/ New York (Band 9, 1974).
  6. Florian G. Mildenberger: Gerhard Oskar Baader (3. Juli 1928–14. Juni 2020). In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 321–326, hier: S. 323.
  7. Meldung über die Verleihung der Medaille 2015 (Memento vom 2. August 2015 im Internet Archive)