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Werk ohne Autor

Film von Florian Henckel von Donnersmarck (2018)

Werk ohne Autor ist ein deutscher Spielfilm von Florian Henckel von Donnersmarck aus dem Jahr 2018. Er zeigt das Leben eines am Ende des Filmes aufstrebenden Malers in drei politischen Systemen und orientiert sich an der Biographie des Künstlers Gerhard Richter.

Filmdaten
OriginaltitelWerk ohne Autor
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2018
Länge188 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieFlorian Henckel von Donnersmarck
DrehbuchFlorian Henckel von Donnersmarck
ProduktionQuirin Berg,
Florian Henckel von Donnersmarck,
Jan Mojto,
Max Wiedemann
MusikMax Richter
KameraCaleb Deschanel
SchnittPatricia Rommel
Besetzung

Die Hauptrollen übernahmen Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl und Ina Weisse. Die Premiere fand am 4. September 2018[1] im Rahmen der 75. Internationalen Filmfestspiele von Venedig statt. Der deutsche Kinostart war am 3. Oktober 2018.[2][3] Der Film wurde als deutscher Beitrag für die Oscarverleihung 2019 in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt.[4]

Werk ohne Autor ist der dritte Langfilm des Regisseurs nach Das Leben der Anderen (2005) und The Tourist (2010).

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Die Geschichte beginnt 1937 in Dresden und führt nach Düsseldorf in den 1960er Jahren.

Der fünfjährige Kurt Barnert, in oder bei Großschönau in der sächsischen Oberlausitz wohnend, besucht mit seiner Tante Elisabeth die Ausstellung Entartete Kunst in Dresden. Von seiner Tante bekommt er die Maxime „Sieh niemals weg“ mit auf den Weg gegeben, was ihn für sein Leben prägen wird. Später muss er mitansehen, wie Elisabeth wegen vermeintlicher Schizophrenie weggebracht wird. Von Professor Carl Seeband, als Leiter der Dresdener Frauenklinik und SS-Obersturmbannführer glühender Verfechter der Nazi-Ideologie, wird ihre Zwangssterilisation und spätere Ermordung angeordnet, während Kurt Zeuge der Luftangriffe auf Dresden wird.

Nach dem Krieg wird Seeband zunächst vom KGB inhaftiert, bietet allerdings seine Hilfe an, als bei der Frau des örtlichen KGB-Offiziers Probleme bei einer Geburt auftreten, und rettet das Leben von Frau und Kind. Der Offizier verspricht Seeband daraufhin, ihn zu schützen. Barnert findet zunächst eine Anstellung in einer Fabrik für Schilder- und Bannermalerei und beginnt später an der Dresdener Kunstakademie ein Studium der Malerei. Sein Professor, der das Talent des jungen Mannes erkennt, lehrt ihn den Sozialistischen Realismus, den Kurt innerlich ablehnt. Er lernt die junge Elisabeth kennen, die an der Akademie Mode- und Textilgestaltung studiert und die ihn an seine Tante erinnert. Sie verlieben sich ineinander und er zieht als Mieter in ihr elterliches Haus ein.

Dort trifft Kurt auf Elisabeths Vater. Es ist Professor Carl Seeband, der der Strafverfolgung nach dem Krieg entgangen ist und sich inzwischen ganz in den Dienst der sozialistischen Ideologie der DDR gestellt hat. Kurt weiß jedoch nicht, dass Seeband derjenige ist, der für den Tod seiner Tante verantwortlich war. Die Beziehung seiner Tochter ist dem mit Standesdünkel behafteten Arzt zwar ein Dorn im Auge, aber er fügt sich. Als sie jedoch schwanger wird, nimmt er bei ihr unter dem Vorwand der medizinischen Notwendigkeit eine Abtreibung vor, auch in der Hoffnung, dass dadurch die Liebelei von Kurt und Ellie, wie er sie nennt, zerbricht. Das passiert jedoch nicht und die beiden heiraten.

Nach seinem Studium in Dresden bekommt Barnert den Auftrag zu einem großen Wandfresko im sozialistischen Stil. Er willigt ein, um Geld zu verdienen. Seine Schwiegereltern entschließen sich die DDR zu verlassen, da der KGB-Offizier, der Seeband schützt, bald nach Moskau versetzt wird. Barnert und seine Frau entschließen sich wenig später ebenfalls in den Westen zu gehen, was ihnen Anfang 1961 in Berlin auch gelingt.

Kurt und Ellie gehen nach Düsseldorf, da sich Kurt an der dortigen Kunstakademie die beste Förderung erhofft. Er mogelt bei der Angabe seines Alters und wird als „26-Jähriger“ an der Kunstakademie angenommen, obwohl er schon 29 ist. Hier kommt er in Berührung mit der modernen Kunst der bundesdeutschen Nachkriegszeit, bei der Malerei zwar ausgedient hat, sonst aber alles möglich scheint, und die so ganz anders ist als das, was er in der DDR gelernt hat. Seine Frau findet eine Anstellung in einer Kleiderfabrik. Versuche des Paares, Eltern zu werden, scheitern und Elli bekommt diagnostiziert, dass sie keine Kinder bekommen kann, was augenscheinlich an der Abtreibung liegt, die Ellies Vater vorgenommen hatte.

Nach anfänglicher Begeisterung und künstlerischer Produktivität gerät Barnert in eine Krise, ausgelöst auch durch ein Urteil seines Professors, der ihm zwar Begabung attestiert, ihn jedoch ermutigt, das zu finden, was wirklich seins sei. Als Kurt eine Zeitungsmeldung liest, nach der ein ranghoher NS-Arzt gefasst worden sei, fängt er an, Schwarz-Weiß-Fotos fotorealistisch abzumalen. Als Prof. Seeband in Kurts Atelier ein Gemälde sieht, das eine eher zufällig entstandene Montage seines Kopfes mit dem des gefassten NS-Arztes Kroll und dem Gesicht von Kurts ermordeter Tante darstellt, verliert er die Fassung und ergreift die Flucht. Ob Barnert dadurch letztendlich klar wird, dass Seeband der Arzt war, der seine Tante hatte ermorden lassen, lässt der Film offen.

Nachdem das Ehepaar die Hoffnung, ein Kind zu bekommen, bereits aufgegeben hatte, wird Ellie doch schwanger. Mit seiner Kunst, in der er auch seine Kindheitserinnerungen verarbeitet, kann Barnert schließlich reüssieren. Die Presse bescheinigt ihm zwar, der aufstrebende Stern am Kunstmarkt zu sein, greift jedoch eine Formulierung Barnerts auf und nennt seine Gemälde wegen seiner Vorgehensweise, Fotos abzumalen, Werk ohne Autor.

ProduktionBearbeiten

EntstehungBearbeiten

Der Regisseur Henckel von Donnersmarck ließ sich beim Drehbuch zu Werk ohne Autor von wahren Begebenheiten inspirieren.[5] Die Hauptfigur des Kurt Barnert orientiert sich an der Lebensgeschichte des deutschen Künstlers Gerhard Richter. Dessen Tante Marianne Schönfelder wurde 1945 im Rahmen der zweiten Phase der nationalsozialistischen Euthanasie, der Aktion Brandt, durch NS-Ärzte ermordet. Heinrich Eufinger, der Vater von Richters erster Ehefrau Marianne („Ema“), gehörte als SS-Obersturmbannführer und Verantwortlicher für die Zwangssterilisationen in Dresden zu den Tätern. Opfer und Täter sind von Richter mehrfach porträtiert worden,[6] offenbar ohne dass ihm diese Hintergründe bewusst waren. Das Bild Tante Marianne gehört zu den am höchsten gehandelten Gemälden des 20. Jahrhunderts. Im Film tauchen auch Weggefährten Richters wie Sigmar Polke, Günther Uecker (Barnerts Ateliernachbar Günter Preusser) oder Joseph Beuys (Barnerts Prof. Antonius van Verten) unter veränderten Namen auf. Als Vorlage diente das Buch „Ein Maler aus Deutschland. Gerhard Richter. Das Drama einer Familie“ von Jürgen Schreiber.[7]

Produziert wurde der Film von Pergamon Film und der Wiedemann & Berg Filmproduktion.[8] Als Koproduzenten fungierten die ARD Degeto und der Bayerische Rundfunk.[8] Den Verleih übernimmt Walt Disney Studios Motion Pictures Germany.[8]

Die Entstehung des Films wurde durch das Medienboard Berlin-Brandenburg, die Filmförderungsanstalt, den FilmFernsehFonds Bayern, die Film- und Medienstiftung NRW, die Mitteldeutsche Medienförderung und den Deutschen Filmförderfonds gefördert.

BesetzungBearbeiten

DreharbeitenBearbeiten

 
Dreharbeiten im Juli 2016 in Dresden

Die Dreharbeiten fanden von Juni bis Ende August 2016 in Berlin, Sachsen und Nordrhein-Westfalen statt.[8] Aufgrund zweier Krankheitsfälle kam es beim Dreh zu Verzögerungen und in der Folge zu Beschwerden wegen zu langer Arbeitszeiten.[9]

MarketingBearbeiten

Anfang Februar 2017 wurde ein erster Teaser-Trailer veröffentlicht.[10]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

Der Film erhielt gemischte Reaktionen. Bei seiner Erstaufführung in Venedig löste der Film eine Debatte aus. Besonders die Parallelmontage der Luftangriffe auf Dresden und der Ermordung von Kurt Barnerts Tante in der Gaskammer wurde von den Premierenzuschauern kontrovers diskutiert.[11]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh dem Film das Prädikat besonders wertvoll. In der Begründung heißt es, der Film liefere „von der ersten Minute an große und dramatische Bilder“ und sei ein „mitreißendes Künstlerepos und spannungsgeladenes Drama“ mit einer „klugen Geschichte“, „reflektierenden Dialogen“ und „gefühlvoller Musik“.[12]

Martin Schwickert zieht in der Rheinischen Post ein negatives Fazit: „Doch obwohl es von den künstlerischen Selbstheilungskräften der Seele erzählen will, zeugt das selbstgefällige Filmkunstwerk von einer gewissen Seelenlosigkeit und droht, stets am eigenen, perfektionistischen Kalkül zu ersticken.“[13]

Gerhard Richter, an dessen Leben der Film angelehnt sei, habe den Film laut dpa nicht gesehen, aber den Trailer, den ihm der Regisseur gezeigt habe, finde Richter „zu reißerisch“.[14]

Dagegen sieht Alexander Kissler in der Cicero im Film „eine Parabel darüber ..., dass sich selbst erzählen muss, wer etwas zu erzählen hat“, und wirft Gerhard Richter vor, sein Urteil nur aufgrund des Trailers gefällt zu haben.[15]

In der Süddeutschen Zeitung billigt Tobias Kniebe dem Regisseur Graf Henckel von Donnersmarck den Anspruch, „dass der Film alles zeigen darf, was er will, wenn dadurch am Ende Wahrheit und sogar Schönheit entsteht“, zunächst durchaus zu. Er schreibt: „Diese Hoffnung kann man ja haben. Sie ist so alt wie die Kunst selbst.“ Die eingesetzten ästhetischen Mittel – die inszenierte Nachstellung des Todes in der Gaskammer, das virtuell ins Bild gesetzte brennende Dresden etc. –  hält Kniebe aber für äußerst fragwürdig. Er kommt zu dem Schluss: „Das eigentliche und unglaubliche Rätsel aber – wie jemand einen dreistündigen, gar nicht einmal dummen Film über das existenzielle Ringen eines Künstlers um seine Ausdrucksmittel drehen kann, ohne die eigenen ästhetischen Entscheidungen mit auf den Prüfstand zu stellen – das bleibt ungelöst.“[16]

Daniel Kothenschulte setzt sich in seiner in der Kunstzeitschrift Monopol erschienenen Filmbesprechung vor allem mit der Darstellung von Elementen aus der Biografie Richters sowie der Künstler an der Düsseldorfer Akademie auseinander. Kothenschultes Einschätzung lautet: „… die Abweichungen, insbesondere in der Darstellung der Kunstszene der 60er-Jahre, scheinen oft weniger der kreativen Fantasie als schlichter Ahnungslosigkeit geschuldet.“ Zusammenfassend kommt er zu dem Urteil: „Kunst ist im Kino schon oft missverstanden worden, aber selten so gründlich.“ Und bezüglich des Stils des Films vermutet er, Henckel von Donnersmarck sei „das Historische nur ein Vorwand, im Schwammig-Altmodischen zu schwelgen“.[17]

Zu einer ähnlich negativen Bewertung kommt auch die Autorin von Spiegel Online, Hannah Pilarczyk: Henckel von Donnersmarcks „Film hat keine Grundlage und keine Überzeugung, er hat nur einen Fixpunkt: Größe … im Fall seines Sujets, dem Maler Gerhard Richter, durch Preise am Kunstmarkt beglaubigte Größe (teuerster zeitgenössischer Maler der Welt). Mit der Kunst Richters“ könne der Film „kaum etwas anfangen“. Die Autorin richtet ihren Blick dann vor allem auf die Darstellung der weiblichen Hauptfigur: „Immer wieder fährt die Kamera gierig ihren nackten Körper ab und hält wie eine grapschende Hand auf ihrer Brust inne. Als Richters Film-Alter-Ego … nach seinem Heureka-Moment im Atelier nach Hause kommt, hat er seine kurzen Sätze zum künstlerischen Durchbruch noch nicht einmal zu Ende gesagt, als er sich schon zusammen mit der Kamera an Beers Ausschnitt zu schaffen macht.“ So lautet ihr Resümee: „Werk ohne Autor? Brust ohne Frau.“[18]

EinspielergebnisBearbeiten

Am ersten Wochenende wurde der Film in insgesamt 309 Kinos von etwa 40.000 Zuschauern gesehen und spielte 400.000 Euro ein. Zählt man die 20.000 Zuschauer am Starttag hinzu, der ein Mittwoch war und damit nicht zum offiziellen Startwochenende zählt, belegte der Film an den ersten Tagen im Oktober 2018 den achten Platz.[19][20]

AuszeichnungenBearbeiten

Mit Werk ohne Autor konkurrierte Florian Henckel von Donnersmarck zum ersten Mal bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig um den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Festivals.[21] Der Preis wurde jedoch dem Film Roma von Alfonso Cuarón zuerkannt. Sebastian Koch erhielt für seine Rolle des Professor Seeband den Bambi in der Kategorie Bester Schauspieler national.

2018 wurde er als „Bester nicht-englischsprachiger Film“ für den Golden Globe nominiert.[22]

LiteraturBearbeiten

  • Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor. Filmbuch. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-46915-6. (Originaldrehbuch mit Filmfotos)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Werk ohne Autor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werk ohne Autor. In: labiennale.org, abgerufen am 16. August 2018.
  2. Deutscher Film „Werk ohne Autor“ für Goldenen Löwen nominiert. Bei: dw.com, 25. Juli 2018, abgerufen am 16. August 2018.
  3. Werk ohne Autor filmstarts.de, abgerufen am 5. Oktober 2018
  4. „Werk ohne Autor“: Henckel von Donnersmarck geht für Deutschland ins Oscar-Rennen. In: Spiegel Online. 30. August 2018 (spiegel.de [abgerufen am 30. August 2018]).
  5. Werk ohne Autor. In: Moviepilot, abgerufen am 18. Februar 2017
  6. Gerhard Richter, 2012, Aunt Marianne (Tante Marianne) (abgerufen am 8. Oktober 2018).
  7. Oscar-Preisträger dreht in Kunstakademie. In: Rheinische Post, abgerufen am 25. August 2018
  8. a b c d Eine Geschichte so groß wie das Leben: Drehstart für den neuen Film von Florian Henckel von Donnersmarck. Bei: Presseportal.de, 21. Juni 2016
  9. Setbesuch bei „Werk ohne Autor“ (W.O.A). In: filmunion.verdi.de vom 23. Juli 2016
  10. Werk ohne Autor Teaser Trailer. In: YouTube vom 2. Februar 2017
  11. David Steinitz: Szene in neuem Donnersmarck-Film löst Debatte aus, sueddeutsche.de, 6. September 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018
  12. Filmbewertungsurkunde Werk ohne Autor (pdf), abgerufen am 8. Oktober 2018.
  13. Martin Schwickert: Aus dem Leben des Malers Gerhard Richter. In: Rheinische Post, 1. Oktober 2018, S. B7. Onlineversion, abgerufen am 1. Oktober 2018.
  14. Deutsche Presseagentur: Gerhard Richter kritisiert "Werk ohne Autor". Der Tagesspiegel, 4. Oktober 2018, abgerufen am 1. Oktober 2018.
  15. Cicero-Redaktion: Ist das Kunst, oder reicht der Trailer? In: cicero.de, 5. Oktober 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  16. Süddeutsche Zeitung, 2./3. Oktober 2018, S. 11.
  17. Monopol, Oktober 2018, S. 40–48.
  18. Spiegel Online, 3. Oktober 2018, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  19. Blickpunkt Film: Kinocharts vom 8. Oktober 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  20. Nur 40.000 Besucher am ersten Wochenende: Florian Henckel von Donnersmarcks “Werk ohne Autor” floppt meedia.de vom 8. Oktober 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  21. Filmfestival in Venedig Coens, Cuarón und Donnersmarck im Wettbewerb. In: Spiegel Online, 25. Juli 2018, abgerufen am 27. Juli 2018.
  22. "Werk ohne Autor"" für Golden Globe nominiert