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Trebur

hessische Gemeinde im Kreis Groß-Gerau

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Die Gemeinde liegt im Rhein-Main-Gebiet und gehört zum Hessischen Ried. Die Entfernung zu den Städten Mainz, Wiesbaden, Frankfurt am Main und Darmstadt beträgt etwa 20 bis 30 Kilometer.

NachbargemeindenBearbeiten

Trebur grenzt im Norden an die Stadt Ginsheim-Gustavsburg und die Stadt Rüsselsheim am Main, im Osten an die Gemeinde Nauheim und die Stadt Groß-Gerau, im Süden an die Stadt Riedstadt, sowie im Westen an die Städte Oppenheim und Nierstein und die Gemeinden Nackenheim und Bodenheim (alle Landkreis Mainz-Bingen).

GemeindegliederungBearbeiten

Trebur besteht aus den vier Ortsteilen Astheim, Geinsheim mit dem Wohnplatz Kornsand, Hessenaue und der Kerngemeinde Trebur und beherbergt in etwa 6.100 Haushalten etwa 13.000 Einwohner.

GeschichteBearbeiten

 
Altes Rathaus

Der Ort Trebur wird 829 zum ersten Mal in einer Urkunde König Ludwigs des Frommen erwähnt. In den historischen Unterlagen findet Trebur in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Triburen und Triburi fiscus im Lorscher Codex für die Zeit von 830 bis 850, Triburias in den Jahren 874 und 882, Triburium 1248, Dribure 1273, Trebure 1295, Tribor 1433, Tribber 1469, Trebornn 1516, Trebber 1550 und Trebur ab dem Jahr 1553.[3]

Seit dem 9. Jahrhundert stand in Trebur eine Königspfalz. Sie ging aus einem Königshof mit ausgedehntem Fiskalbezirk hervor, zu dem unter anderem auch der heutige Ortsteil Astheim gehörte. Aus der Zeit zwischen 829 und 1077 sind 57 Königsaufenthalte und einige Reichstage bekannt, von denen einige reichsgeschichtliche Bedeutung hatten. König Heinrich IV. war besonders mit Trebur verbunden, hier wurde er 1053 zum König gewählt und heiratete 1066. 1076 zwangen ihn oppositionelle Fürsten auf dem Fürstentag zu Trebur, seinen Konflikt mit dem Papst beizulegen, was den „Gang nach Canossa“ zum Ergebnis hatte.[4]

In der Folge verlor Trebur seine Bedeutung als Königshof. Außer dem Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden besuchte kein König mehr die Pfalz. Trebur wurde zusammen mit der Pfalz 1248 an die Grafschaft Katzenelnbogen verpfändet. Das Pfand wurde nie eingelöst, die Grafen konnten 1422 weitere Hoheitsrechte erwerben. Das Katzenelnbogener Erbe fiel mit Trebur 1479 an die Landgrafschaft Hessen. 1527 tauschte Graf Philipp III. von Hanau-Lichtenberg seine Rechte in Trebur und andere Rechte mit Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz gegen die Hälfte des Dorfes Altheim, das dem Hanauer Amt Babenhausen zugeordnet wird. 1599 verkaufte das Albanstift zu Mainz sein Hofgut dem Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt, der es 1601 an die Gemeinde Trebur weiterverkaufte. 1771 werden als Grundbesitzer in Trebur der Deutsche Orden, das Kloster Eberbach sowie weitere vor allem Mainzer Kirchenbesitzungen genannt. Im Jahr fiel der Besitz des 1781 aufgehobenen Klarissenklosters St. Klara an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Noch bis 1802 wird das Kloster Eberbach als Grundbesitzer genannt.[4][3]

Mit der hessischen Herrschaft wurde Trebur zusammen mit Astheim und Geinsheim Teil des hessischen Amtes Dornberg. Verwaltungsmäßig gehörte Trebur dann bis 1820 zum Amt Dornberg, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 wurden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Trebur wurde dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Trebur:

»Trebur (L. Bez. Dornberg) Marktflecken; liegt 1 14 St. von Dornberg, 34 St. vom Rhein und am Zusammenfluß des Landbachs und des Schwarzbachs. Der Ort hat 224 Häuser und 1397 Einw., die außer 30 Kath., 2 Reform., und 77 Juden lutherisch sind, und unter welchen sich 142 Bauern, 114 Handwerker und 63 Taglöhner befinden. Hier ist eine neue große Kirche, eine Knaben- und eine Mädchenschule und eine Synagoge. – Trebur war eine Reichsdomäne [Curtis villa regia); auch befand sich hier ein Palatium, dessen Erbauung Kaiser Carl dem Großen zugeschrieben werden dürfte. Weder die Villa noch das Palatium kommt vor dem 9. Jahrhundert vor. Kaiser Otto III. schenkte 985 Trebur der Abtei iQuedlinburg, jedoch kommt der Ort zu Heinrich II. Zeiten (1002–1024) wieder als königliches Eigenthum vor. König Wilhelm verpfändete 1248 das Reichsdorf Trebur dem Grafen Diether III. von Katzenellenbogen. Das Vogteirecht und andere hohe Rechte besaßen hier die Herrn von Münzenberg und Falkenstein; die Vogtei verkaufte Diether von Isenburg–Büdingen, ein Falkensteinischer Erbe, im Jahr 1422, dem Grafen Johann III. von Katzenellenbogen um 1200 fl. – Wichtig und von welthistorischem Interesse sind die Verhandlungen, die hier gepflogen wurden. Urkundlich gewiß ist die große Kirchenversammlung im Jahr 822. König Ludwig der Fromme hielt sich 829 hier auf, lagerte sich 832 hier gegen seinen aufrührischen Sohn, und erwartete 839 bei einer neuen Empörung seines Sohns hier seine Armee. Auch dieser, Ludwig der Teutsche, hielt sich öfters hier auf und rief, als sich seine Söhne mit ihm entzweiten, 871 einen Reichstag hier zusammen, so wie er auch 875 eine Unterredung mit seinen Söhnen und Großen hier hatte, welche, als der Zweck nicht erreicht wurde, die Berufung eines neuen Reichstags nach Trebur, in demselben Jahre, zur Folge hatte. Hier wurde 888 Carl der Dicke abgesetzt. Eine Kirchenversammlung wurde 895 von Arnulf hier zusammenberufen, welche eine der merkwürdigsten dieses Jahrhunderts war, und welcher 22 oder 26 Bischöfe und ungefähr halb so viel Aebte und eine Menge weltlicher Großen und der König selbst beiwohnten. Auch in den Jahren 897, ferner 900 und 905 fanden hier Reichstage Statt. Nach dem Abgang der Carolinger nahm der Glanz etwas ab, der sich aber unter den fränkischen Kaisern wieder hob. Unweit Trebur, bei dem ausgegangenen Dorfe Campen, wurde Conrad II. 1024 zum König erwählt. Dieser berief 1031 und 1035 oder 1036 National-Concilien, so wie Heinrich III., 1045, eine Reichsversammlung nach Trebur. Auf der großen Reichsversammlung vom Jahr 1053, wurde Königs Heinrich III. Nachfolger erwählt. Auf dem Reichstage im Jahr 1066 nöthigten die Stände den Kaiser Heinrich IV., den Bischof Adalbert von Bremen zu entlassen; auch feierte dieser Kaiser in demselben Jahre seine Vermählung hier. Heinrich V. berief 1119 abermals einen großen Reichstag hier zusammen, welcher wahrscheinlich auch die letzte Reichshandlung war, die hier Statt fand. Der Palast verfiel, und mit ihm schwanden alle Herrlichkeiten Treburs. Trebur hatte drei Kirchen: 1) die St.Albanskirche, vor dem Flecken gelegen, war ehemals die Pfarrkirche und kommt schon 1184 vor. Abt Giselbert von St. Alban schenkte solche 1351 dem Domkapitel zu Mainz und in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde sie abgebrochen; 2) die Kirche zu St. Maria, oder zu Unserer lieben Frauen, wurde 1599 der Gemeinde zum Schulhaus geschenkt; 3) die Kirche zu St. Laurentii; diese wurde nachher die Pfarrkirche und an deren Stelle die jetzige erbaut.«[5]

1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Trebur in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Trebur zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ist seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.[3]

Trebur war im 17. und 18. Jahrhundert neben dem Dreißigjährigen Krieg und Pestepidemien auch vielfach vom Hochwasser des nahen Rheins betroffen. Auch durch die Erb- und Thronfolgekriege und die anschließenden Napoleonischen Kriegen war die Bevölkerung vielfachen Repressalien ausgesetzt. Auch das 19. Jahrhundert war durch soziale und wirtschaftliche Missstände geprägt, was zwischen 1840 und 1890 zu einer Aus- und Abwanderungswelle führte. Erst der wirtschaftliche Aufschwung des Rhein-Main-Gebietes und die damit verbundenen neuen Arbeitsplätze ließen gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen bescheidenen Wohlstand zu.

Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert wurden durch die beiden Weltkriege und den Nationalsozialismus diese Verbesserungen wieder zunichtegemacht. Der Widersinn von Krieg und Gewaltherrschaft wurde noch einmal am Ende des Zweiten Weltkrieges durch das Kornsandverbrechen demonstriert, als sechs politisch missliebige Zivilisten am 21. März 1945 am Kornsand misshandelt und hingerichtet wurden – zwei Tage bevor die amerikanischen Streitkräfte unter General Patton den rechtsrheinischen Brückenkopf eroberten.[4]

Nach 1945 begannen der Wiederaufbau und die Eingliederung Hunderter von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. Das Dorf verlor im Rahmen eines raschen Strukturwandels seinen vorwiegend ländlich geprägten Charakter und entwickelte sich zu einer modernen Wohnortgemeinde für Arbeiter und Angestellte. Die Lage des Ortes am Rande des Rhein-Main-Gebietes begünstigte diese Entwicklung vor allem durch die Arbeitsmöglichkeiten im nahe gelegenen Opel-Werk.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die Gemeinden Astheim, Geinsheim, Hessenaue und Trebur durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau zu einer Gemeinde mit dem Namen Trebur zusammengeschlossen.[6] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Trebur lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][7][8]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerstrukturBearbeiten

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Trebur 13.095 Einwohner. Darunter waren 639 (4,9 %) Ausländer von denen 359 aus dem EU-Ausland, 177 aus anderen Europäischen Ländern und 100 aus anderen Staaten kamen.[9] Von den deutschen Einwohnern hatten 7,4 % einen Migrationshintergrund.[10] Die Einwohner lebten in 5751 Haushalten. Davon waren 1724 Singlehaushalte, 1842 Paare ohne Kinder und 1699 Paare mit Kindern, sowie 405 Alleinerziehende und 81 Wohngemeinschaften.[11]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

Trebur: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2015
Jahr  Einwohner
1829
  
1.397
1834
  
1.540
1840
  
1.595
1846
  
1.719
1852
  
1.599
1858
  
1.567
1864
  
1.725
1871
  
1.827
1875
  
1.788
1885
  
1.866
1895
  
1.935
1905
  
2.079
1910
  
2.211
1925
  
2.413
1939
  
2.648
1946
  
3.174
1950
  
3.479
1956
  
3.559
1961
  
3.812
1967
  
4.235
1970
  
4.454
1972
  
4.480
1976
  
9.713
1984
  
10.970
1992
  
11.445
2000
  
12.700
2005
  
12.909
2010
  
13.163
2011
  
13.095
2015
  
13.116
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3]; 1972:[12]; 1976:[13]; 1984:[14]; 1992:[15]; 2000:[16]; 2005:[17]; 2010:[18]; Zensus 2011[19]; 2015:[20]
Ab 1976 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 1288 lutheranische (= 92,20 %), 2 reformierte (= 0,14 %), 77 jüdische (= 5,51 %) und 30 katholische (= 2,15 %) Einwohner[5]
• 1961: 2982 (= 78,23 %) evangelische und 726 (= 19,05 %) katholische Einwohner[3]
• 2011: 5200 evangelische (= 39,8 %), 3190 katholische (= 24,4 %), 4370 sonstige (= 33,4 %) Einwohner[21]

ErwerbstätigkeitBearbeiten

Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen:[16]

  Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 1.982 98.042 1.695.567 2.524.156
Veränderung zu 2000 −6,2 % +5,4 % +16,1 % +16,0 %
davon Vollzeit 2017 72,8 % 75,9 % 72,8 % 71,8 %
davon Teilzeit 2017 27,2 % 24,1 % 27,2 % 28,2 %
Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 550 13.048 224.267 372.991
Veränderung zu 2000 +57,1 % −9,6 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Produzierendes Gewerbe 2000 *) % 43,8 % 27,0 % 30,6 %
2017 26,7 % 33,2 % 20,4 % 24,3 %
Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 38,0 % 27,6 % 26,4 % 25,1 %
2017 26,9 % 27,9 % 24,7 % 23,8 %
Unternehmensdienstleistungen 2000 31,0 % 14,0 % 25,1 % 20,2 %
2017 21,1 % 19,9 % 31,6 % 26,1 %
Sonstige Dienstleistungen 2000 14,8 % 13,7 % 20,1 % 22,5 %
2017 20,3 % 18,6 % 23,0 % 25,4 %
Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 16,2 % 01,0 % 01,4 % 01,5 %
2017 05,0 % 00,5 % 00,3 % 00,4 %

*) anonymisiert

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[22] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[23][24]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
     
Insgesamt 31 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,2 9 35,1 11 34,1 13 29,4 11
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 23,1 7 34,2 11 39,2 14 47,2 18
GLT Grüne Liste Trebur 14,2 4 24,2 7 19,5 7 14,6 5
FDP Freie Demokratische Partei 8,9 3 6,6 2 7,2 3 8,8 3
FW Freie Wähler 25,6 8
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 49,5 46,3 47,1 55,6
 
Rathaus in Trebur

Zum ersten Mal seit der Eingemeindung wurde die CDU bei der Kommunalwahl 2011 stärkste Partei in der Großgemeinde. 2016 sind die Freien Wähler erstmals bei einer Kommunalwahl in Trebur angetreten.

BürgermeisterBearbeiten

Der Bürgermeister der Gemeinde Trebur sowie der umliegenden Ortsteile Astheim, Geinsheim und Hessenaue ist seit dem 3. Juni 2019 Jochen Engel (Freie Wähler).[25]

Wappen und FlaggeBearbeiten

Wappen

Blasonierung: „In Rot ein goldener Ring, von dem göpelförmig drei gewellte goldene Bänder bis zu den Schildrändern ausgehen..“[26]

Das Wappen wurde der Gemeinde Trebur im Kreis Groß-Gerau im Jahr 1927 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt. Nach der Gebietsreform wurde es am 15. August 1984 erneut genehmigt.[27]

In seiner heutigen Form wurde es durch den Heraldiker Georg Massoth gestaltet.

Der alte Marktflecken war ursprünglich Reichsgut und gelangte im 13. Jahrhundert zur Herrschaft der Grafen von Katzenelnbogen. In den drei Gerichtssiegeln, deren erstes mit 1511 datiert ist, stand der Heilige Laurentius mit dem Rost und einem Bischofsstab oder Palmzweig. Das jetzige Wappen, das mit der auf Katzenelnbogen hindeutenden Farbgebung 1927 verliehen wurde, erscheint als Ortsmarke zuerst auf Grenzsteinen im 18. Jahrhundert und wurde im Bürgermeistereisiegel des 19. Jahrhunderts wiederholt; die drei Ansätze am Ring hatten aber, wie Hupps Abbildung zeigt, die Form breitköpfiger Nägel. Vielleicht sollten sie die sogenannte Dreidorfmark von Trebur, Nauheim und Mörfelden symbolisieren. Heute deutet man das Bild als Zusammenfluss von Rhein, Main und Neckar.

Flagge

Die Flagge wurde der Gemeinde am 19. Dezember 1985 durch den Hessischen Innenminister genehmigt und wird wie folgt beschrieben:

„Auf rot/weißer Flaggenbahn in der oberen Hälfte aufgelegt das Gemeindewappen.“[28]

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Trebur unterhält seit 1982 eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Verneuil-sur-Avre (heute: Verneuil d’Avre et d’Iton) und seit 2017 mit der rumänischen Stadt Jimbolia.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

  • Die evangelische Laurentiuskirche ist wahrscheinlich aus der früheren Pfalzkapelle hervorgegangen. Erhaltene Teile der Kirche stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert. Damit ist die Kirche eines der wenigen aus ottonischer Zeit erhaltenen Architekturzeugnisse.
  • Die katholische Pfarrkirche St. Petrus in Ketten im Ortsteil Astheim ist eine barocke Pfarrkirche, 1651 erbaut. Vor allem der barocke Hochaltar, die bemerkenswerten Deckengemälden, die Dreymann-Orgel und eine spätgotische Plastik des heiligen Martin von Tours sind sehenswert. Das barocke Kleinod St. Petrus in Ketten, drei Heiligenhäuschen, Heiligenfiguren und Wegkreuze stehen sinnbildlich für das katholische Astheim und seine ehemalige Zugehörigkeit zum Mainzer Kurfürstentum im evangelisch geprägten Hessen.
  • In Trebur steht das T1T – mit 1,20 Meter Spiegeldurchmesser eines der größten öffentlich zugänglichen Teleskope Europas. Das T1T wird vom Michael-Adrian-Observatorium der Astronomie-Stiftung Trebur betrieben.[29] Der 2002 an der Sternwarte in Trebur entdeckte Asteroid mit der Nummer 142408 trägt den Namen „Trebur“: (142408) Trebur.
  • Passend dazu wurde um den Kreisverkehr am nördlichen Ortsausgang Richtung Rüsselsheim am Main ein Planetenweg eingerichtet.[30]
  • Das Heimatmuseum in der Nauheimer Straße 14 in dem wechselnde Ausstellungen zum Thema Heimat und Geschichte dargeboten werden.
  • Unweit der Verbindungsstraße Kornsand-Geinsheim bei 49° 52′ 11,4″ N, 8° 23′ 0,6″ O betreibt der SWR eine Sendeanlage für UKW, die einen 138 Meter hohen, abgespannten Stahlfachwerkmast mit dreieckigem Querschnitt als Antennenträger verwendet. Dieser Sendemast war ursprünglich Bestandteil der 1964 errichteten Viermast-Richtantenne des Bodenseesenders in Meßkirch-Rohrdorf. Er wurde in den 1970er Jahren abgebaut und 1981 in Trebur wiederaufgebaut.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Nachfolgend eine Auswahl der regelmäßigen Treburer Veranstaltungen:

Fastnacht (Fünfte Jahreszeit)Bearbeiten

  • Am Fastnachtssonntag findet im Ortsteil Astheim ein Fastnachtsumzug statt. Neben dem Umzug gibt es noch einige karnevalistische Veranstaltungen.

FrühjahrBearbeiten

  • Am 27. Mai 2018 waren Trebur und seine Stadtteile Geinsheim und Astheim wie 2014 Bestandteil der alle zwei Jahre stattfindenden Aktion Der Kreis rollt. Die Fahrradroute verlief mitten durch den Ort, viele Vereine und Institutionen beteiligten sich mit Ständen und Ausstellungen.[31]

SommerBearbeiten

  • Die Gemeinde Trebur veranstaltet seit 1993 das "Trebur Open Air"-Festival auf dem Platz neben dem Fritz-Becker-Freibad, auf dem alljährlich etwa 50 Bands spielen. Das Festival wird unter der Leitung der Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde in Kooperation mit dem Kulturverein Trebur e. V.organisiert. Da es sich um eine Non-Profit-Veranstaltung handelt, wird die gesamte Arbeit von rund 200 ehrenamtlichen Helfern übernommen. Das Open Air zieht Jahr für Jahr etwa 7.000 Menschen nach Trebur.
  • In Trebur findet die Kerb am Sonntag nach Laurentius statt. Laurentius ist der Todestag des heiligen Laurentius. Die mehrtägige Kerb (Freitag bis Dienstag) findet am nachfolgenden Wochenende mit der sog. Nachkerb ihren Abschluss. Hauptakteure sind die sog. Kerweborsch und Kerwemädcher.

HerbstBearbeiten

  • Seit 2001 veranstaltet der Gewerbeverein Trebur Ende September unter dem Motto "Spaß uff de Gass" ein großes Straßenfest mit einem bunten Programm aus Modenschauen, Tanzeinlagen und einem verkaufsoffenen Sonntag im Ortskern von Trebur.
  • Zum Abschluss der Oktoberfestsaison veranstaltet der Gewerbeverein Trebur e. V. am letzten Oktoberwochenende das "Treburer Oktoberfest" im großen Festzelt.

WinterBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftsstrukturBearbeiten

Wirtschaft und Infrastruktur sind in Trebur von der Zugehörigkeit zum Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main geprägt sowie von der Nähe zum Frankfurter Flughafen und zu den Opelwerken in Rüsselsheim am Main.

Trebur wurde im Februar 2006 für den möglichen Standort eines Kernkraftwerks in Erwägung gezogen.[32]

StraßenverkehrBearbeiten

Durch Trebur und das Gemeindegebiet führen in West-Ost-Richtung die Landesstraße 3040 von Ginsheim nach Nauheim und in Nord-Süd-Richtung die Landesstraße 3012 von Rüsselsheim am Main nach Geinsheim. Letztere trifft in Geinsheim auf die Landesstraße 3094, die in Groß-Gerau beginnt und am Kornsand an der Rheinfähre endet. Durch die tagsüber verkehrende Rheinfähre besteht Anschluss an die linksrheinischen Bundesstraßen 9 und 420 bei Oppenheim und Rheinhessen.

KrankenhausBearbeiten

Trebur verfügt über kein eigenes Krankenhaus. Die nächstgelegenen Krankenhäuser sind das GPR Klinikum Rüsselsheim und das Kreiskrankenhaus im benachbarten Groß-Gerau.

GeothermieBearbeiten

 
Tiefenbohrungen für die Errichtung eines Geothermiekraftwerks 2016

Zwischen März und September 2016 fanden im Auftrag des Überlandwerk Groß-Gerau Tiefenbohrungen für ein Geothermiekraftwerk östlich von Trebur statt. Hier sollte das erste Tiefengeothermiekraftwerk in Hessen entstehen. Die Bohrungen wurden nach einer Tiefe von über 4000 Metern beendet, da nicht ausreichend Thermalwasser gefunden wurde. Dies führte zur Einstellung des Projekts.[33]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Trebur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Darmstädter Echo, Montag, 11. August 2014: Mit Humor durch Dorf und Zeit
  3. a b c d e f g Trebur, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. a b c Geschichte von Trebur auf der Gemeindeseite (Abgerufen im November 2012)
  5. a b Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1. Oktober 1829, S. 245 (Online bei Google Books)
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau (GVBl. II 314–32) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 314, § 6 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  9. Bevölkerung nach Staatsangehörigkeitsgruppen: Trebur. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  10. Migrationshintergrund in %: Trebur. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  11. Haushalte nach Familien: Trebur. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  12. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  13. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  14. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  15. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  16. a b Gemeindedatenblatt: Trebur. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  17. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2005). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  18. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2010). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  19. Einwohnerzahlen: Trebur. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  20. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2015). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  21. Religionszugehörigkeit: Trebur. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  22. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  23. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  24. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  25. Jochen Engel wird Bürgermeister von Trebur. In: hessenschau.de. hessenschau, 27. Januar 2019, abgerufen am 11. März 2019.
  26. Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956.
  27. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Trebur im Landkreis Groß-Gerau vom 15. August 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 36, S. 1734, Punkt 866 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,7 MB]).
  28. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Trebur, Landkreis Groß-Gerau vom 19. Dezember 1985. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1986 Nr. 2, S. 74, Punkt 26 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,2 MB]).
  29. Webseite der T1T-Sternwarte
  30. Planetenweg auf der Gemeindeseite (Abgerufen im Nov. 2012)
  31. „Der Kreis rollt“: Busfahrplanänderungen im Kreis Groß-Gerau am 27. Mai. In: www.echo-online.de. VRM, 24. Mai 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  32. Rheinauen Trebur – Atomkraftwerk in Trebur – undenkbar Alle Jahre wieder neue Pläne für das Rheinvorland (Abgerufen im November 2012)
  33. ÜWG: Erdwärme Groß-Gerau. In: www.geothermie-trebur.de. Abgerufen am 23. November 2016.