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Gernsheim

hessische Stadt im Kreis Groß-Gerau
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gernsheim
Gernsheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gernsheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 45′ N, 8° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Groß-Gerau
Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 40,11 km2
Einwohner: 10.423 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 260 Einwohner je km2
Postleitzahl: 64579
Vorwahl: 06258
Kfz-Kennzeichen: GG
Gemeindeschlüssel: 06 4 33 004
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadthausplatz 1
64579 Gernsheim
Website: www.gernsheim.de
Bürgermeister: Peter Burger (CDU)
Lage der Stadt Gernsheim im Kreis Groß-Gerau
Ginsheim-GustavsburgBischofsheim (Mainspitze)Rüsselsheim am MainRaunheimKelsterbachTreburNauheimMörfelden-WalldorfRiedstadtGroß-GerauBüttelbornStockstadt am RheinBiebesheim am RheinGernsheimWiesbadenMain-Taunus-KreisFrankfurt am MainRheinland-PfalzKreis BergstraßeLandkreis OffenbachDarmstadtLandkreis Darmstadt-DieburgKarte
Über dieses Bild

Gernsheim ist eine Stadt im südhessischen Kreis Groß-Gerau und liegt am Rhein. Als Zusatz trägt Gernsheim den Namenstitel „Schöfferstadt“, der ihr 2003 vom Hessischen Innenministerium verliehen wurde. Er verweist auf den bedeutenden Sohn der Stadt Peter Schöffer.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

 
Das Ried bei Gernsheim

LageBearbeiten

Gernsheim liegt etwa 18 km südwestlich von Darmstadt innerhalb der Oberrheinischen Tiefebene in der Mitte des Hessischen Rieds. Es befindet sich am Ostufer des Rheins – stromabwärts betrachtet zwischen seinem Ortsteil Klein-Rohrheim im Süden mit der jenseits davon gelegenen Gemeinde Groß-Rohrheim und der Gemeinde Biebesheim am Rhein im Nordnordwesten; östlicher Nachbarort ist mit Hähnlein ein Gemeindeteil von Alsbach-Hähnlein. Rechtsrheinisch erstreckt sich im Gernsheimer Stadtgebiet und im Gemeindegebiet von Groß-Rohrheim der Hammerauer Altrhein mit dem Naturschutzgebiet Hammer Aue von Gernsheim und Groß-Rohrheim.

NachbargemeindenBearbeiten

Gernsheim grenzt im Norden an die Gemeinde Biebesheim und die Stadt Riedstadt (alle Kreis Groß-Gerau), im Osten an die Stadt Pfungstadt und die Gemeinden Bickenbach und Alsbach-Hähnlein (alle Landkreis Darmstadt-Dieburg), im Süden an die Stadt Bensheim und die Gemeinden Einhausen und Groß-Rohrheim (alle Kreis Bergstraße), sowie im Westen an die Gemeinde Hamm am Rhein (Landkreis Alzey-Worms).

StadtgliederungBearbeiten

Gernsheim besteht aus den Stadtteilen Allmendfeld, Gernsheim und Klein-Rohrheim.

GeschichteBearbeiten

 
Römischer Säulenstumpf (1. Jh. n. Chr.)

Im Ortsteil Klein-Rohrheim wurde beim Bau einer Umgehungsstraße eine neolithische Siedlung entdeckt. Zehn Häuser aus der Zeit um 5300 v. Chr. ließen sich nachweisen, die in regelmäßigen Abständen von 12 bis 15 m voneinander errichtet wurden. Ob sie gleichzeitig bestanden, ist noch ungeklärt. Für die älteste Bandkeramik typische Außengräben wurden ergraben, Pfostenlöcher bis zu einem Meter Tiefe. Die Bauweise der Häuser ließ sich der Stufe Flomborn zuordnen, die auf die älteste Bandkeramik folgt. Daher ist eine Datierung nahe dem Übergang der beiden Stufen wahrscheinlich.[2]

Vorläufer der heutigen Stadt Gernsheim war ein römisches Kastell aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Ein 1972 in der Siegfriedstraße ausgegrabenes Säulenfragment stammt noch aus dieser Zeit. Das Kastell wurde spätestens im 3. Jahrhundert verlassen, als die Römer das rechte Rheinufer aufgaben. Fundamente des Kastells Gernsheim wurden am 27. August 2014 von Archäologen der Universität Frankfurt am Main im Bereich der Nibelungenstraße entdeckt.[3][4] Bei einer Grabung im Jahr 2015 wurde zudem ein in der Nähe des Kastells gelegenes römisches Dorf entdeckt, das vermutlich vom 1. bis zum 3. Jahrhundert nach Christus und bewohnt worden war.[5]

Nach der Völkerwanderung wurde Gernsheim ein fränkischer Königshof (Ersterwähnung 852 in einer Urkunde Ludwig des Deutschen). 908 gelangte dieser in den Besitz des Klosters Lorsch (Erwähnung im Lorscher Codex)[6] und 1232 unter die Herrschaft von Kurmainz, die bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 währte. So erklärt es sich, dass das Mainzer Rad heute im Wappen erscheint. Stadtrecht bekam Gernsheim 1356 mit einer Urkunde Karls IV.; es wurde befestigt und erhielt ein Wasserschloss als kurfürstliche Residenz.[7]
siehe auch Burg Gernsheim, Burg Falkenau

Der Ort wurde 830/50 in einer frühen fränkischen Zeit Heim des Gerin/ Gerun genannt, mit langem e und kurzem i/u gesprochen. Schreibweisen waren 852 Gerunesheim, zwischen 830/50 Gernesheim, 871 Gerinesheim/ Kerinesheim. In einer alten Schrift über die Stadt, hier Gernersheim genannt[8], steht in Latein: „d) der hier sehr bekannte Petri Schoifferi, perfekter und berühmter Typograph im Land hat den Ort nun Gernsheim genannt“, Gernsheim erstmals ab 1283.[9]

 
Das Peter-Schöffer-Denkmal

Um 1425 wurde Peter Schöffer, Mitarbeiter Johannes Gutenbergs bei der Erfindung des Buchdrucks, in Gernsheim geboren. Die Stadt Gernsheim, die ihm 1836 auf dem heute nach ihm benannten Platz ein steinernes Denkmal setzte (gehauen von Johann Baptist Scholl aus Darmstadt), feiert den 1503 in Mainz verstorbenen Drucker als größten Sohn der Stadt und nennt sich heute offiziell Schöfferstadt.[7]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gernsheim durch die Schweden geplündert. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde es durch die Truppen Generals Ezéchiel de Mélac 1689 in Brand gesetzt.[7]

1803 kam Gernsheim im Zuge der Zerschlagung des kurfürstlichen Territoriums der Mainzer Erzbischöfe zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (ab 1806 Großherzogtum Hessen). Verwaltungsmäßig gehörte Gernsheim bis 1821 zum Amt Gernsheim. Durch die Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum Hessen wurde die Stadt dem Landratsbezirk Bensheim der Provinz Starkenburg zugeteilt. 1832 wurde dann die Provinz Starkenburg in Kreise aufgeteilt, und Gernsheim gehörte zum Kreis Bensheim. Diesem gehörte es dann, nur unterbrochen durch die Aufteilung von Starkenburg in Regierungsbezirke, bis 1874 an. Von 1848 bis 1852 zählte es zum Regierungsbezirk Heppenheim. Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Aufgrund dieser Reform gelangte Gernsheim zum Kreis Groß-Gerau, zu dem es bis heute gehört.[9]

Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen von 1839 bis 1879 das Landgericht Gernsheim und ab 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Gernsheim. Nach dessen Auflösung 1938 fiel Gernsheim in den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Groß-Gerau.[9]

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadtbefestigung geschleift, die Vorstadt erweitert, die Stadt an die Rheinschifffahrt und eine Eisenbahnlinie angeschlossen, und erste Industrieanlagen entstanden.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Europa erreichen die amerikanischen Verbände Mitte März 1945 den Rhein zwischen Mainz und Mannheim. Zur Vorbereitung für deren Rheinüberquerung wurden die meisten Riedgemeinden am 25. und in der Nacht zum 26. März von der amerikanischen Artillerie beschossen. Am 26. März wurde Gernsheim dabei zu 40 % zerstört.

Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren ging rasch vonstatten, und Gernsheim nahm eine große Zahl von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten auf, deren Nachfahren heute noch im Städtischen Museum eine „Ostdeutsche Heimatstube“ unterhalten.[7]

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1971 die beiden bis dahin selbstständigen Gemeinden Allmendfeld und Klein-Rohrheim auf freiwilliger Basis in die Stadt Gernsheim eingegliedert.[10] Allmendfeld wurde 1937 gegründet, Klein-Rohrheim vor ca. 1200 Jahren erstmals schriftlich erwähnt. Für Allmendfeld und Klein-Rohrheim wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.[11]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Gernsheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[9][12][13]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerstrukturBearbeiten

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Gernsheim 9816 Einwohner. Darunter waren 872 (8,9 %) Ausländer von denen 425 aus dem EU-Ausland, 309 aus anderen Europäischen Ländern und 128 aus anderen Staaten kamen.[14] Die Einwohner lebten in 4268 Haushalten. Davon waren 1293 Singlehaushalte, 1255 Paare ohne Kinder und 1285 Paare mit Kindern, sowie 346 Alleinerziehende und 89 Wohngemeinschaften.[15]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gernsheim: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2015
Jahr  Einwohner
1829
  
2.893
1834
  
2.847
1840
  
3.059
1846
  
3.385
1852
  
3.488
1858
  
3.567
1864
  
3.557
1871
  
3.420
1875
  
3.277
1885
  
3.499
1895
  
3.750
1905
  
4.188
1910
  
4.197
1925
  
4.743
1939
  
4.905
1946
  
5.983
1950
  
6.378
1956
  
6.723
1961
  
7.104
1967
  
7.416
1971
  
7.628
1972
  
8.349
1976
  
8.152
1984
  
7.980
1992
  
9.066
2000
  
9.400
2005
  
9.603
2010
  
10.161
2011
  
9.816
2015
  
10.066
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [9]; 1972:[16]; 1976:[17]; 1984:[18]; 1992:[19]; 2000:[20]; 2005:[21]; 2010:[22]; Zensus 2011[23]; 2015:[24]
Ab 1972 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[9][25]

• 1961: 1789 evangelische (= 25,18 %), 5221 katholische (= 73,49 %) Einwohner
• 2011: 2815 evangelische (= 28,7 %), 3779 katholische (= 38,5 %) Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen:[20]

Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 4.057 98.042 1.695.567 2.524.156
Veränderung zu 2000 +37,0 % +5,4 % +16,1 % +16,0 %
davon Vollzeit 2017 +37,0 % 75,9 % 72,8 % 71,8 %
davon Teilzeit 2017 63,0 % 24,1 % 27,2 % 28,2 %
Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 525 13.048 224.267 372.991
Veränderung zu 2000 −8,5 % −9,6 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Produzierendes Gewerbe 2000 51,1 % 43,8 % 27,0 % 30,6 %
2017 36,6 % 33,2 % 20,4 % 24,3 %
Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 22,4 % 27,6 % 26,4 % 25,1 %
2017 39,4 % 27,9 % 24,7 % 23,8 %
Unternehmensdienstleistungen 2000 9,6 % 14,0 % 25,1 % 20,2 %
2017 10,5 % 19,9 % 31,6 % 26,1 %
Sonstige Dienstleistungen 2000 14,8 % 13,7 % 20,1 % 22,5 %
2017 12,0 % 18,6 % 23,0 % 25,4 %
Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 2,1 % 1,0 % 1,4 % 1,5 %
2017 1,5 % 0,5 % 0,3 % 0,4 %

ReligionBearbeiten

Der erste Beleg für das Vorhandensein einer Kirche stammt aus dem Jahr 908, als eine ecclesia erwähnt wird. In den historischen Dokumenten findet sich dann aus dem Jahr 1390 der Hinweis auf eine Burgkapelle und später auf die Pfarrkirche und die Wallfahrtskapelle Maria Einsiedel. Als Kirchenpatrone werden Maria Magdalena für die Pfarrkirche und Kreuz-Erhöhung für Maria Einsiedel erwähnt. Das Kirchenpatronat hatten vor 908 Liutfried Comes und danach das Kloster Lorsch und ab 1232 das Erzstift Mainz inne. Ab 1236 ist auch das Mainzer Domstift beteiligt.[9]

Als kirchliche Verwaltungen sind heute für Gernsheim das katholische Dekanat Rüsselsheim des Bistums Mainz und das evangelische Dekanat Ried der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zuständig.

PolitikBearbeiten

StadtverordnetenversammlungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[26] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[27][28]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
     
Insgesamt 31 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 49,2 15 42,3 13 54,2 17 49,3 15
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 28,1 9 28,9 9 25,8 8 30,8 10
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 13,2 4 18,1 6 7,4 2 8,7 3
FWG Freie Wählergemeinschaft e.V. 4,53 1 6,8 2 6,9 2 7,6 2
FDP Freie Demokratische Partei 5,0 2 4,0 1 5,7 2
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 45,7 44,0 44,8 52,3
 
Gernsheimer Stadthaus
 
Stadthalle (1997)

BürgermeisterBearbeiten

Im Januar 2011 wurde Peter Burger (CDU) im zweiten Wahlgang zum Nachfolger von Rudolf Müller (CDU) gewählt.[29] Burger wurde 2017 in seinem Amt bestätigt.[30]

FlaggeBearbeiten

Im März 1953 wurde der Stadt Gernsheim durch den Hessischen Minister des Innern die Führung einer Flagge genehmigt.[31]

Flaggenbeschreibung: „Auf der weißen Mittelbahn des rot-weiß-roten Flaggentuches das Wappen der Stadt Gernsheim.“

PartnerstädteBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Barockkirche St. Maria Magdalena (18. Jh.)
 
Spätgotische Wallfahrtskirche Maria Einsiedel
 
Ehem. Kapuzinerkloster (1929) im Stil des Expressionismus, neben der Wallfahrtskirche

Die Bausubstanz des Ortskerns ist heterogen, was sich durch die Kriegszerstörungen erklärt; es dominiert Putz mit Flachdächern. Einzelne historische Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert haben sich in der Magdalenenstraße und in den benachbarten Straßenzügen erhalten, beispielsweise das Haus Zur Krone (Nr. 37) mit entsprechendem Emblem und Inschrift, der Komplex Nr. 64–68 sowie ein Langbau am Peter-Schöffer-Platz (1711) mit Torbogen von 1500 und Sonnenuhr von 1790 (Haus Nr. 71).

  • Pfarrkirche St. Maria Magdalena
Die Kirche wurde 1750 bis 1753 durch den Mainzer Baumeister Johann Valentin Thoman erbaut. Stilistisch ist sie der Formensprache Balthasar Neumanns zuzuordnen, der im Umkreis (Heusenstamm, Hofheim) wirkte: Weißer Putz, alternierend mit rotem Sandstein an Lisenen und Portal, dreigliedrige Westfassade mit herauswachsendem dreigeschossigem Turm mit Oculus, Rundbogenfenstern und Zwiebelhaube. Querhaus, Nebenkapellen und Chor wurden 1887 hinzugefügt. Glasfenster schuf 1943 Professor Otto Linnemann aus Frankfurt.

Am 26. März 1945 wurde die Kirche durch amerikanischen Artilleriebeschuss zerstört. Den Wiederaufbau in den Jahren 1947–1951 leitete Hugo Becker aus Mainz. Durch Bischof Albert Stohr wurde die neue Kirche am 1. Mai 1951 eingeweiht. In den Jahren 2005/2006 fanden Sanierungsarbeiten statt. Der Hauptaltar des lokalen Baumeisters Andreas Diettmann (1783) mit Skulpturen von Sebastian Pfaff wurde 1953 von Bürstadt, für deren Kirche er geschaffen worden war, nach Gernsheim übernommen. Vor der Kirche steht die Statue des Heiligen Josef, Gernsheims Stadtpatron (restauriert 1979 nach Beschädigung 1945).

  • Rathaus
Das zwölfachsige klassizistische Gebäude an der Ostseite des Marktplatzes wurde von Georg Moller entworfen. Es handelt sich um eine Rekonstruktion, da das Rathaus 1945 ausbrannte. 2005/2006 wurde es saniert.
  • Städtisches Museum
Am Peter-Schöffer-Platz steht das so genannte Peter-Schöffer-Haus, das 1978 als Museum eingerichtet wurde (renoviert 2002/2003 zum 500. Todestag des Buchdruckers). Vorher war das Gebäude, in dessen Nebengebäude Stadtbücherei und Feuerwehrmuseum untergebracht sind, städtische Volksschule, die Mitte der 1830er Jahre (die Einweihung des Gebäudes war im Jahr 1836) an Stelle des nach seiner Zerstörung abgetragenen Kurmainzer Wasserschlosses errichtet wurde.
  • Stadthalle
  • Altes Elektrizitätswerk
1903 im Jugendstil erbaut, 1954 stillgelegt, ist heute Galerie und Lehrmuseum des Künstlers und Verlegers Mario Derra[32]
Nördlich der Kirche steht das ehem. Kapuzinerkloster von 1929, im Stil des Expressionismus.
 
Die Fähre nach Eich (Rheinhessen), im Hintergrund die zerstörte Rheinbrücke
 
Ruine der zerstörten Rheinbrücke

Natur und SportBearbeiten

 
Golfplatz Gernsheim: Grün 1
 
TSG Blau-Silber Gernsheim

Durch die Riedlandschaft am Rhein mit Weiden und Schilf führt der Rheinradweg.

Der Gernsheimer Stadtwald ist ebenfalls beliebt bei Radfahrern und Joggern; es werden auch naturkundliche Wanderungen organisiert. Der lokale Natur- und Vogelschutzverein hat hier seinen Standort.

1996 wurde ein 18-Loch-Golfplatz auf dem Gelände des aufgegebenen Bruchhofs gebaut; er gehört seit 2006 zum Verbundsystem der Golfanlagen Weiland und wird auf 27-Loch ausgebaut.[33]

Einer der bekanntesten Gernsheimer Sportvereine ist die Tanzsportgemeinschaft Blau-Silber, die im Bereich des Garde- und Schautanzsport zu Deutschlands erfolgreichsten Vereinen zählt. Die TSG Blau-Silber ist mehrfacher Hessen-, Deutscher- und Europameister. Das Land Hessen zeichnete den Verein im Jahr 2003 für seine „beispielhafte Vereinsarbeit“ mit dem Förderpreis des Landessportbundes aus, dem so genannten Heinz-Lindner-Preis.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
Der Gernsheimer Containerhafen
 
Yachten im Gernsheimer Hafen

Gernsheim liegt an den Bundesstraßen 44 und 426, der Autobahn 67, der Landesstraße 3112 und der Kreisstraße 203. Busverbindung besteht mit den „Schnelllinien“ 44 oder 45 Richtung Griesheim (Anschluss zur Straßenbahn nach Darmstadt) und mit der Buslinie PG Richtung Darmstadt-Eberstadt Wartehalle über Pfungstadt Bahnhof (mit Anschluss nach Darmstadt), welche die alte Buslinie K59 bzw. K60 ersetzt hat.[34] Eine Rheinfähre verkehrt nach Eich.

Gernsheim hat einen Bahnhof an der Riedbahn und einen Rheinhafen. Beide sind über ein Anschlussgleis verbunden, das von der Gernsheimer Umschlags- und Terminalbetriebsgesellschaft mbH & Co. KG betrieben wird. Der Hafen ist für Containerverladung ausgelegt.[35][36]

SchulenBearbeiten

  • Peter-Schöffer-Schule (Grundschule)
  • Johannes-Gutenberg-Schule Gernsheim (Integrierte Gesamtschule)
  • Gymnasium Gernsheim
  • Schiller-Schule (Förderschule)

UnternehmenBearbeiten

 
Merck-Standort Gernsheim

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gernsheim – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. N. Fröhlich, Th. Becker: Reihenweise frühe Häuser, in: Archäologie in Deutschland 05 | 2017, S. 45.
  3. Früher römisches Zentrum, heute Zentrum im Ried. (Memento vom 24. September 2014 im Internet Archive) In: echo-online.de. 28. August 2014.
  4. Frankfurter Archäologen entdecken das lang gesuchte Römerkastell Gernsheim. Pressemitteilung der Universität Frankfurt am Main, 27. August 2014.
  5. Römerdorf bei Gernsheim entdeckt. (Memento vom 14. September 2015 im Internet Archive) In: Hessenschau online. 11. September 2015, abgerufen am 11. September 2015.
  6. Karl Josef Minst (Übers.): Lorscher Codex (Band 4), Urkunde 2720, 20. November 908 – Reg. 3559. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 214, abgerufen am 2. Februar 2016.
  7. a b c d e Gernsheim – Geschichtliche Entwicklung. In: gernsheim.de. Abgerufen im November 2012.
  8. Historia et commentationes Academiae electoralis scientiarum et elegantiorum literarum Theodoro-Palatinae (Acta academiae Theodoro-Palatinae) (= Historia et commentationes Academiae electoralis scientiarum et elegantiorum literarum Theodoro-Palatinae. Band 2). Academia, Mannhemii 1770, S. 164.(Volltext in der Google-Buchsuche)
  9. a b c d e f g Gernsheim, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 23. Juli 2012). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 17. November 2012.
  10. Karl-Heinz Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 251
  11. Hauptsatzung. (PDF; 110 kB) §; 6. In: Webauftritt. Stadt Gernsheim, abgerufen im März 2019.
  12. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  13. GOSSHERZOGLISCHE CENTRALSTELLE FÜR DIE LANDESSTATISTIK (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des GROSSHERZOGTUMS HESSEN. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  14. Bevölkerung nach Staatsangehörigkeitsgruppen: Gernsheim, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  15. Haushalte nach Familien: Gernsheim, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  16. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  17. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  18. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  19. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  20. a b Gemeindedatenblatt: Gernsheim. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  21. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2005). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  22. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2010). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  23. Einwohnerzahlen: Gernsheim, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  24. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2015). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  25. Religionszugehörigkeit: Gernsheim, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Mai 2015.
  26. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  27. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  28. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  29. Bürgermeisterwahl 2017 beim Hessischen Statistischen Landesamt.
  30. Ergebnis Bürgermeisterwahl Gernsheim 2017 bei der Stadt Gernsheim.
  31. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung zur Führung einer Flagge an die Stadt Gernsheim im Landkreis Groß-Gerau, Regierungsbezirk Darmstadt vom 12. März 1953. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1953 Nr. 13, S. 258, Punkt 306 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,6 MB]).
  32. Altes Elektrizitätswerk Gernsheim. In: gg-online.de. Abgerufen im November 2012.
  33. Vorwurf der Salamitaktik. In: Echo-online. Abgerufen im November 2012.
  34. Haltestelle Gernsheim Bahnhof. (PDF; 279 KB) Rhein-Main-Verkehrsverbund, abgerufen am 5. Juni 2017.
  35. Eisenbahnatlas Deutschland. 10. Auflage. Schweers+Wall, Köln 2017, ISBN 3-921679-13-3.
  36. Internetauftritt der GUT – Gernsheimer Umschlags- und Terminalbetriebsgesellschaft, abgerufen am 1. Dezember 2017