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Josef von Nazaret

Ehemann Marias, der Mutter Jesu
Guido Reni, Josef von Nazaret (1640)
Caspar Jele, Hl. Josef mit dem Jesusknaben (1848): Josef mit Lilie
Bartolomé Esteban Murillo, Die heilige Familie mit dem Johannesknaben (zwischen 1655 und 1660): im Hintergrund Josef als Handwerker

Josef (hebräisch יוֹסֵף, griechisch Ἰωσήφ) von Nazaret ist im Neuen Testament Bräutigam Marias, der Mutter Jesu. Die Evangelien und das Protoevangelium des Jakobus berichten, er sei Zimmermann oder Bauhandwerker aus Nazaret gewesen, daher wird er in der christlichen Tradition auch als „der Zimmermann“ bezeichnet.

Im Neuen Testament heißt es bei Johannes, Josef sei von der Bevölkerung als der Vater Jesu angesehen worden (Joh 1,45 EU: „Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs“), zudem werden Geschwister Jesu erwähnt, darunter Jakobus; dass Josef deren Vater gewesen sei, wird jedoch nicht ausdrücklich erwähnt (Mt 13,55 EU und Mk 6,3 EU). Die Evangelisten Matthäus (Mt 1,18 EU) und Lukas (Lk 1,35 EU) betonen hingegen, dass Josef lediglich der gesetzliche Vater Jesu gewesen sei, da Maria diesen nicht durch menschliche Zeugung, sondern durch die Wirkung des Heiligen Geistes empfangen habe. Dem folgt die kirchliche Lehre von der Jungfrauengeburt. Besonders im katholischen Schrifttum wird Josef oft als Nährvater (lat. nutritius) oder Ziehvater Jesu bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Im Neuen Testament berichten die Evangelisten Matthäus und Lukas in ihren Kindheitsgeschichten Jesu Einzelheiten von Josef und geben jeweils – deutlich voneinander abweichend – einen Stammbaum Jesu an, der besagt, dass Josef aus dem Geschlecht des israelitischen Königs David stamme. Als Vater von Josef wird im Geschlechtsregister des Matthäusevangeliums Jakob genannt (Mt 1,16 EU), im Geschlechtsregister des Lukasevangeliums hingegen Eli (Lk 3,23 EU). Das wurde bereits von der frühen Kirche unter Berufung auf Eusebius von Caesarea mit der Regelung der Leviratsehe erklärt, nach der Josef einen biologischen und einen anderen rechtlichen Vater hatte, wodurch sich je nach Betrachtungsweise unterschiedliche Herkunftslinien ergeben.[1]

Sein Beruf wird mit dem griechischen τέκτων Tekton angegeben (Mt 13,55 NA), das damals so viel wie ‚Bauhandwerker‘, auch ‚Architekt‘ oder ‚Baumeister‘ bedeutete und alle Tätigkeiten beim Hausbau einschloss. Ein Tekton war also generell in der Bearbeitung von Holz und Steinen ausgebildet.

Nach Darstellung des Evangelisten Matthäus war Josef mit Maria verlobt und nahm sie auf Weisung eines Engels, der ihm nachts im Traum erschienen war, zur Frau, obwohl sie (nicht von ihm) schwanger war. Nach christlicher Lehre ist dies eines der Zeugnisse dafür, dass Maria Jesus vom Heiligen Geist empfangen hatte.

Nach den beiden Evangelien wurde Jesus in Betlehem geboren, da sich nach Lukas der in Nazaret wohnende Josef auf Grund einer – in anderen heute bekannten Quellen nicht belegten – Volkszählung mit seiner Frau in seine Geburtsstadt hatte begeben müssen. Nach dem Matthäusevangelium musste die Familie nach Jesu Geburt auf Befehl eines Engels, den Josef im Traum empfing, zunächst nach Ägypten fliehen, da König Herodes aus Angst vor dem prophezeiten neugeborenen König der Juden, der ihn verdrängen würde, alle neugeborenen Kinder in Betlehem töten ließ. Dieser Kindesmord ist in anderen Quellen nur spärlich belegt. Später zog die Familie auf göttliche Weisung, die Josef wiederum im Traum empfing, nach Israel zurück, wo er sich nicht in Judäa, sondern in Galiläa im Ort Nazareth niederließ, wo Jesus aufwuchs. Mit den Träumen des Josef lehnt sich die Tradition an die Träume des alttestamentlichen Josef an.

 
Der Traum Josefs (aus dem Perikopenbuch Heinrichs II., vor 1014)

Die Bezeichnung "Jesus, Sohn des Josef" findet sich auch im Johannesevangelium (Joh 1,45 EU und 6,42 EU), ähnlich in Lk 3,23 EU und Lk 4,22 EU. Ansonsten wird Josef in den Evangelien und allen übrigen neutestamentlichen Schriften nicht erwähnt. Daraus wurde geschlossen, dass er noch vor dem öffentlichen Auftreten Jesu gestorben sei. Nach Hieronymus starb Josef bereits vor der Taufe Jesu, nach apokryphen Schriften vor der Kreuzigung Jesu, und zwar im Beisein Jesu.[2] Die griechisch-orthodoxe und die römisch-katholische Tradition nehmen – über das Zeugnis der Bibel hinausgehend – an, Josef habe auch nach der Geburt Jesu mit Maria eine sogenannte Josefsehe ohne sexuelle Beiwohnung geführt. Die neutestamentlich bezeugten Geschwister Jesu wären dann als ein Kreis von nahen Verwandten zu verstehen, in deren Verband nach dem Tod Josefs Maria und Jesus aufgenommen wurden.

VerehrungBearbeiten

 
Der hl. Josef mit Jesus, bulgarische Ikone (um 1850)
 
Albrecht Dürer, Die Weyhnachten (1504): Josef holt Wasser
 
Der Tod des hl. Josef, Grödner Holzschnitzerei (Albino Pitscheider, um 1910)
 
Der Tod des hl. Joseph, chiesa San Carlo Borromeo in San Marzano di San Giuseppe

In der Ostkirche wurde der hl. Josef schon sehr früh verehrt, in der Westkirche dagegen erst ab ca. 850 und nur sehr zögernd, da das juristische Vaterschaftsverhältnis im Mittelalter als schwer verständlich galt; eine theologische Profilierung seiner Persönlichkeit als Vater Christi sowie Ehemann der Maria und Verteidiger ihrer Jungfräulichkeit (defensor virginitatis) setzte ab dem 15. Jahrhundert bei Gerson, d'Ailly und Bernhardin von Siena ein. Seit dem 17. Jahrhundert wurde Josef, der nach der Legende im Schoß Mariens und im Beisein Jesu starb, zum Schutzpatron der Sterbenden; seine Verehrung als Zuflucht für Sterbende (refugium agonizantum) wurde besonders von den Jesuiten verbreitet.[3] Außerdem gilt er auch als Schutzpatron der Jungfrauen und der Eheleute.

Papst Pius IX. erklärte den heiligen Josef 1870 zum Schutzpatron der katholischen Kirche. Papst Leo XIII. würdigte in seiner Enzyklika Quamquam pluries vom 15. August 1889 nachdrücklich die hervorragende Verehrung des heiligen Josef. Das Leben des heiligen Josef und die Enzyklika wurden zum 100. Jahrestag am 15. August 1989 von Papst Johannes Paul II. mit dem Apostolischen Schreiben Redemptoris custos gewürdigt. Im 20. Jahrhundert wurden dem heiligen Josef mehr katholische Kirchen geweiht als irgendeinem anderen Heiligen (die Patrozinien der Gottesmutter ausgenommen). Bestimmte kirchliche Gebäude werden nach seinem Patronat als Josefinum bezeichnet. Seit 1679 war der heilige Josef Schutzpatron der Spanischen Niederlande und ist noch immer Schutzpatron Belgiens und der Kroaten.

Pius XII. führte 1955 als kirchliches Pendant zum weltweit begangenen Tag der Arbeit (1. Mai) den Gedenktag Josef der Arbeiter ein. Josef war in der biblischen Überlieferung als Bauhandwerker tätig und gilt so traditionell als Patron der Arbeiter, insbesondere der Zimmerleute und Holzfäller. Die Einfügung des Gedenktags in den liturgischen Kalender war eine Reaktion der Kirche auf die soziale Bewegung.

Der heilige Josef wurde von Papst Johannes XXIII. neben der Gottesmutter Maria zum besonderen Schutzpatron des Zweiten Vatikanischen Konzils bestimmt und seine Anrufung in das erste Hochgebet, den Canon Missae, eingefügt. Mit Dekret der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 1. Mai 2013 wurde die Erwähnung des heiligen Josef auch für die Hochgebete II bis IV verfügt.[4]

IkonographieBearbeiten

Ikonographische Attribute des Heiligen sind der Wanderstab - gelegentlich als blühender Stock -, das Winkelmaß oder anderes Werkzeug für seinen Beruf als Zimmermann. Daneben wird die weiße Lilie bzw. in Lateinamerika die Tuberose (z. B. im Wappen von Papst Franziskus)[5] als ein Symbol der Keuschheit bzw. Reinheit verwendet. In der Darstellung Josefs als Schlafender wird auf die Träume hingewiesen, die er nach dem Matthäusevangelium hatte und in denen er die göttliche Weisung zur Flucht nach Ägypten und zur Rückkehr nach Israel bekam. Bis zum 15. Jahrhundert wurde er als junger Mann ohne Bart abgebildet, später in der Regel als bärtiger älterer Mann. Seine Kleidung war oft bürgerlich..[6]

In vielen Kirchen und Klöstern finden sich Bildnisse des hl. Josef. Auf Bildern der spätmittelalterlichen Kunst bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Josef nicht als einzelne bedeutsame Persönlichkeit dargestellt, sondern nahezu ausschließlich in Szenen zum Leben Jesu, zum Marienleben oder im Rahmen der Heiligen Familie. Häufig wird er als fürsorgender Familienvater typisiert: Josef pflegt das Kind, wäscht, holt Wasser heran, macht Feuer und kocht.[7][8]

In der barocken Ikonografie wird der Tod des heiligen Josef im Zusammenhang mit seiner Verehrung als Patron der Sterbenden ein beliebtes Thema. In manchen Darstellungen ruht der sterbende Josef im Schoß Mariens, und Jesus hält seine Hand. Auch der Evangelist Johannes oder ein Engel, der den blühenden Stab Josefs hält, können anwesend sein.[9]

GedenktagBearbeiten

Hauptartikel: Josefstag

Der 19. März wird in der römisch-katholischen Kirche seit dem 12. Jahrhundert als Fest des heiligen Josef begangen, mittlerweile als Hochfest. Der Tag wird im Volksmund Josefstag genannt.

KirchengebäudeBearbeiten

Hauptartikel: Josephskirche
Hauptartikel: Josef-der-Arbeiter-Kirche

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen Ebach: Josef und Josef. Literarische und hermeneutische Reflexionen zu Verbindungen zwischen Genesis 37 - 50 und Matthäus 1 - 2. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-021036-3 (165 Seiten).
  • Brigitte Heublein: Der „verkannte“ Joseph. Zur mittelalterlichen Ikonographie des Heiligen im deutschen und niederländischen Kulturraum. Vdg-Verlag, Weimar 1998, ISBN 3-932124-17-0.
  • German Rovira: Der hl. Josef – Vater und Ehemann. Kisslegg 2005.
  • German Rovira, Richard Schulte Staade: Joseph von Nazareth. Der Mann im Hintergrund. Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-86744-001-1.
  • Christoph Schmitt: JOSEF von Nazareth. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 28, Bautz, Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7, Sp. 877–878.
  • Joseph Seitz: Die Verehrung des hl. Joseph in ihrer geschichtlichen Entwicklung bis zum Konzil von Trient dargestellt. Freiburg im Breisgau 1908.
  • Tarcisio Stramare: Er gab ihm den Namen Jesus. Der heilige Josef in Leben und Lehre der Kirche. Hrsg. von Josef Spindelböck, übersetzt von Claudia Reimüller, St. Josef-Verlag, Kleinhain 2005, ISBN 3-901853-11-1.
  • Ulrich Nachbaur: Der Vorarlberger Landespatron. Ein Beitrag zur Verehrung des heiligen Josef und zu den Landesfeiertagen in Österreich. In: Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. 56. Jahrgang, Heft 1/2, 2004, ISBN 3-85430-319-X, S. 74–91 (Volltext als PDF auf den Webseiten des Vorarlberger Landesarchivs).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eusebius, Kirchengeschichte 1:7 und 6:31
  2. G. Kaster: Art. Joseph von Nazareth In: Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Siebter Band. Herder-Verlag, Rom-Freiburg-Basel-Wien 1974, Sp. 210–221, hier Sp. 219.
  3. G. Kaster: Art. Joseph von Nazareth In: Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Siebter Band. Herder-Verlag, Rom-Freiburg-Basel-Wien 1974, Sp. 210–221, hier Sp. 211.219f.
  4. Dekret über die Hinzufügung des Namens des hl. Josef in den eucharistischen Gebeten II, III, IV des Missale Romanum.
  5. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2013/04/05/tuberose-im-papstwappen
  6. G. Kaster: Art. Joseph von Nazareth In: Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Siebter Band. Herder-Verlag, Rom-Freiburg-Basel-Wien 1974, Sp. 210–221, hier Sp. 212f.
  7. Walter Pötzl: Die Aktivitäten des (heiligen) Joseph im gotischen Weihnachtsbild. Kalendarien, Legenden, mündliche Überlieferungen, Lieder sowie Spiele und ihre Rezeption im Bild. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, Jg. 2014, S. 71–119.
  8. G. Kaster: Art. Joseph von Nazareth In: Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Siebter Band. Herder-Verlag, Rom-Freiburg-Basel-Wien 1974, Sp. 210–221, hier Sp. 216f.
  9. G. Kaster: Art. Joseph von Nazareth In: Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Siebter Band. Herder-Verlag, Rom-Freiburg-Basel-Wien 1974, Sp. 210–221, hier Sp. 216f.
  10. Schott Meßbuch, Auflage 1936