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Hamm am Rhein

Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Hamm am Rhein gehört zum rheinhessischen Wonnegau und grenzt an die Gemarkungen von Worms-Ibersheim und Eich (Rheinhessen). Das Gebiet befindet sich in einem ehemaligen Überschwemmungsgebiet des Rheins innerhalb der Oberrheinischen Tiefebene und liegt seit 1977 im Landschaftsschutzgebiet Rheinhessisches Rheingebiet.

Der Rhein ist auf 7,3 Stromkilometern Gemarkungs- und Landesgrenze zu Hessen. Auf der anderen Rheinseite liegt die Stadt Gernsheim, verbunden mit der Rheinfähre Gernsheim. Seit dem 1. Januar 2002 trägt die Gemeinde die zusätzliche Ortsbezeichnung „am Rhein“.[2] Im Süden beginnt das Rheinufer an der Gemarkungsgrenze mit Ibersheim, an der Straße zum Rhein (ehemaliges Gasthaus Schmittel) bei km 458,4. Das nördliche Ende ist bei dem großen und bekannten Naherholungsgebiet Eicher See. Die Gemarkungsgrenze ist dort kurz vor der Bootseinfahrt zum See im Gemarkungsteil Steinswörth bei km 465,7. Hier ist auch das schärfste Rheinknie, Schwarzer Ort genannt.

Als ehemaliges Reihendorf liegt das Wohngebiet idyllisch an einem ehemaligen Altrheinarm, durch die Flussinsel Ibersheimer Wörth vom Neurhein getrennt. Der Seitenarm ist teilweise Grenzgewässer zwischen den Gemarkungen von Hamm und Ibersheim. Folgerichtig nennt man ihn dort Scheidegraben, mundartlich Schadegrawe. Eine andere Bezeichnung ist noch Anhang. Damit meint man Teil des Rheins.

Bis 1816 gehörte die Hammer Aue, mit ca. 230 ha auf der rechtsrheinischen Seite, noch zum Gemarkungsgebiet von Hamm. Das Gelände ist heute FFH-Gebiet von Gernsheim und Groß-Rohrheim.

GeschichteBearbeiten

 
Mittelalterliche Gaue mit altem und neuem Rheinlauf

OrtsnameBearbeiten

Dem Ortsnamen Hamm liegt der Geländename hamna, als sekundäre Nebenform zu germ. habna, zugrunde. Dies bedeutet Bucht am Strand bzw. im äußeren, größeren Bogen einer Flusswindung. Der Hamm ist demnach herkunftsmäßig mit Hafen zu setzen.[3] An anderer Stelle wird erklärt, dass der Name durch die Krümmung herbeigeführten Hemmung der Flussströmung herrührt.[4] Hier bestand ein Naturhafen oder eine Schiffslände an einer Rheinschlinge im Bereich der heutigen Dörrlache. Dort besteht heute noch ein Niveauunterschied von ca. 3 m im Gelände. Nach den historischen Rheinlaufkarten von Johann Heinrich Hass (1799) und Friedrich Wilhelm Delkeskamp (1842) befand sich an der ehemaligen Flussschlinge und dem Bachlauf damals noch ein altrheintypisches Biotop.

Erste ErwähnungenBearbeiten

Im Lorscher Codex sind sechs Schenkungen vermerkt, die sich auf Hamm beziehen. Es sind die ältesten erhaltenen schriftlichen Nennungen des Ortes:[5][6]

  • 14. Oktober 782, mit Urkunde 1860 schenkt Eberhold Hofreiten, Felder, Häuser, Leibeigene – auch in anderen Orten
  • 08. Juni 788, mit Urkunde 1449 schenkt Erlulf eine Hofreite
  • 11. August 789, mit Urkunde 1452 schenkt Rubert alle Vorräte, jetzt und später
  • 22. April 791, mit Urkunde 1965 schenkt Erlulf Hofreiten, Weinberge, Häuser, Leibeigene – auch in anderen Orten
  • 04. Juni 793, mit Urkunde 1450 schenkt Bruno Hofreiten, Äcker, Wiesen, Wohnhäuser, Leibeigene – auch in anderen Orten
  • 01. Juni 870, mit Urkunde 1451 schenkt Rudeger einen Morgen Land und tauscht einen Morgen

Frühere OrtsteileBearbeiten

Innerhalb der heutigen Gemarkung lagen noch die ehemaligen Ortsteile (Wüstungen) Steinswörth und Lochheim. Aus dem Lorscher Codex sind acht Schenkungen[7] von Lochheim bekannt, aufgeteilt in oberes (superior) und unteres (inferior) Lochheim. Es ist anzunehmen, dass Oberlochheim auf dem heutigen Hammer Gebiet gelegen hat und Unterlochheim in der Eicher Gemarkung.

NeuzeitBearbeiten

Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Hamm zum Oberamt Alzey. Während der sogenannten Franzosenzeit war der Ort Sitz einer Mairie im Kanton Bechtheim, der Teil des Departements Donnersberg war. Zur Mairie Hamm gehörte auch Ibersheim. Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und einem 1816 zwischen Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrag kam die Region und damit auch die Gemeinde Hamm zum Großherzogtum Hessen und wurde von diesem der Provinz Rheinhessen zugeordnet. Nach der Auflösung der rheinhessischen Kantone kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Worms, zu dem er bis 1969 gehörte.

Vermutliches NibelungenschatzgeländeBearbeiten

Die einzige bekannte Stelle an der nach dem berühmten und sagenhaften Nibelungenhort archäologisch gesucht wurde, ist in der Gemarkung von Hamm am Rhein. In der Nähe der linksrheinischen Anlegestelle der Rheinfähre Gernsheim hat der Mainzer Architekt Hans Jörg Jacobi nach jahrelangen Recherchen mit verschiedenen Methoden bis auf 25 m Tiefe in den 1970er Jahren suchen lassen.[8][9][10]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Hamm am Rhein besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[11]

Wahl SPD CDU FDP WGR Gesamt
2019 7 4 5 16 Sitze
2014 8 2 5 1 16 Sitze
2009 9 3 4 16 Sitze
2004 10 3 3 16 Sitze
1999 11 2 3 16 Sitze

BürgermeisterBearbeiten

  • 2009–2014 Volker Luckas (SPD)
  • 2014–2019 Helmut Seibel (FDP)
  • seit 2019 Frank Ritterspach (SPD)

Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde Frank Ritterspach mit einem Stimmenanteil von 63,54 % gewählt. Er ist damit Nachfolger von Helmut Seibel, der nicht mehr kandidiert hatte.[12]

WappenBearbeiten

Im Ortswappen sind auf rot drei silberne Hechte, die an die in ausgeprägte Fischerei in den umliegenden Gewässern und auf dem Rhein erinnern, abgebildet.[13]

PartnergemeindeBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Natur- und BaudenkmälerBearbeiten

Das Wahrzeichen von Hamm ist eine Friedenseiche zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg. Der Eichbaum wurde am Ostermontag 1872 gegenüber dem heutigen Rathaus gepflanzt und steht unter Naturschutz. Das Kriegerdenkmal, mit dem Löwen darauf, ist heute nicht mehr vorhanden.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Hamm am Rhein

Das Naherholungsgebiet für die Hammer Bevölkerung ist der Ibersheimer Wörth. Es liegt jenseits des Scheidegrabens (Grenzgraben) auf Ibersheimer Gemarkung und ganz im Norden des Wormser Stadtgebietes.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

GewerbeBearbeiten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildete das Korbmacherhandwerk die Haupteinnahmequelle der Bevölkerung. Begünstigt durch die Lage am weidenreichen Altrhein entwickelte sich das Dorf zu einem weit bekannten Zentrum für das Flechthandwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte noch die Spankorbfabrik für einige Jahre. Das traditionelle Flechthandwerk kam wegen der Kunststoff-Produkte zum Erliegen. Außerdem gibt es heute noch eine Drahtverarbeitungsfabrik.

VerkehrBearbeiten

Ab 1900 hatte Hamm einen Bahnhof für den Personen- und Güterverkehr auf der Bahnstrecke Osthofen–Rheindürkheim–Guntersblum. 1969 wurde der Reisezugverkehr auf dieser Bahnstrecke durch Busse nach Worms und Guntersblum ersetzt. Die nächsten Bahnhöfe liegen an der Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen.

Hamm ist durch zwei Kreisstraßen mit seinen Nachbarorten Eich und Ibersheim verbunden. Über die Rheinfähre Gernsheim gelangt man, von der eigenen Gemarkung aus, auf die rechtsrheinische Seite mit der Autobahn-Anschlussstelle Gernsheim. Die nächste Rheinbrücke ist die Nibelungenbrücke Worms.

BildungBearbeiten

Die Realschule plus in Eich (früher Haupt- und Realschule) erreichen die Schüler mit Schulbussen. Weiterführende allgemeinbildende Schulen sind drei Gymnasien in Worms.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Heinrich/Henry Kappes (* 19. September 1824 Hamm am Rhein; † 25. Oktober 1915 in Evanston (Illinois)). Er entstammt einer bekannten rheinhessischen reformierten Lehrerfamilie. Nach seiner Auswanderung ist später in Indianapolis die „Kappes Street“ nach ihm benannt worden.[17][18]

LiteraturBearbeiten

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Gießen 1905, S. 198–199.
  • Einwohnerbuch für Stadt und Kreis Worms 1927. Worms, S. 66–70.
  • Volker Gallé: Rheinhessen, Kunstreiseführer, Verlag Kehl Hamm 2004, S. 157–159.
  • Albert Geipert: 1933–1945 – doch der Rhein floss weiter, Riedstadt 2003.
  • Gemeinde Hamm: 1200 Jahre Hamm am Rhein 782-1982. Hamm 1982.
  • Henning Kaufmann, (Deutscher Sprachpreis): Rheinhessische Ortsnamen, München 1976, S. 93–94.
  • Dieter Krienke und Ingrid Westerhoff: Kreis Alzey Worms. Verbandsgemeinden Eich, Monsheim und Wonnegau = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz 20.3. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2018. ISBN 978-3-88462-379-4, S. 71–76.
  • Karl Josef Minst: Lorscher Codex, Deutsch, Bd. III, Urkunden Nr. 1449–1452, 1860, 1965, Lorsch 1970.
  • R. Kilian, Fr. Neumer, O. Poller: Untertanenverzeichnisse des Kurpfälzischen Oberamtes Alzey, Bd. I, Ludwigshafen 1995, S. 19–20.
  • Edmund Ritscher: Nibelungenschatz im Altrheingebiet, Mannheim 2017.
  • Karl Anton Schaab: Die Geschichte der Großherzogl. Hess. Rheinprovinz, In: Geschichte der Stadt Mainz. Bd. 4, 2. Abt., 1851, S. 206–209.
  • Johann Goswin Widder: Versuch einer vollst. Geograph.-Histor. Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine, Bd. 3, Frankf. 1787.
  • Literatur über Hamm am Rhein in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 187 (PDF; 2,8 MB).
  3. Henning Kaufmann: Rheinhessische Ortsnamen, München 1976, S. 93
  4. Philipp Wirtgen: Ein Spaziergang zu Coblenz, In: Die Natur, 17. Band, Halle 1868, S. 190.
  5. Ortsliste zum Lorscher Codex, Hamm (Rhein), Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.
  6. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 3), Reg. 1805. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 327, abgerufen am 12. April 2016.
  7. Lorscher Codex: Urkunden Nrn. 186–193 von 770–799
  8. Klaus Rädle: Der Nibelungenschatz, Berlin Pro Business 2011, ISBN 978-3-86805-904-5
  9. Georg Graffe: Der Nibelungen-Code, Kriemhilds Todesspiel. Terra X (1982–2007) Erstsendung 2007
  10. http://www.worms.de/de/kultur/stadtgeschichte/wussten-sie-es/liste/2012-03_nibelungenschatz.php
  11. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. Abgerufen am 19. August 2019.
  12. Der Landeswahlleiter RLP: Direktwahlen 2019. siehe Eich, Verbandsgemeinde, vierte Ergebniszeile. Abgerufen am 8. September 2019.
  13. 1200 Jahre Hamm am Rhein: Die Fischerei in Hamm, S. 502–504
  14. G. W. Justin Widder: Beschreibung des Großherzogthums Hessen, Provinz Rheinhessen, Darmstadt 1830, S. 39
  15. Joseph Jerome: Statistisches Jahrbuch der Provinz Rheinhessen für 1824, Mainz, S. 287
  16. Wormser Zeitung: Open Air wieder in Hamm, 18. Juni 2014
  17. Auswanderer: Henry Kappes aus Hamm verkehrte in den einflussreichsten politischen Zirkeln Amerikas (Memento des Originals vom 29. April 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wormser-zeitung.de von Hans-Dieter Graf für wormser-zeitung.de vom 24. April 2014
  18. Bild vom Grabstein: J. Henry Kappes