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Bahnstrecke Osthofen–Rheindürkheim–Guntersblum

Osthofen–Guntersblum
Streckennummer (DB):3572
Kursbuchstrecke (DB):zuletzt 274c
Streckenlänge:18,8 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Betriebsstellen und Strecken[1]
Strecke – geradeaus
Strecke von Mainz
Bahnhof, Station
18,8 Guntersblum
   
Strecke von Osthofen (s. u.)
   
16,3 Gimbsheim
   
11,7 Eich
   
8,8 Hamm
   
6,8 Ibersheim
   
3,1 Rheindürkheim (Anst, ehem. Bf)
   
1,7 Worms Stadt (Anst, Industriestammgleis)
   
Strecke nach Ludwigshafen
Bahnhof, Station
0,0 Osthofen
   
ehem. Strecke von Westhofen
   
ehem. Strecke von Gau Odernheim
   
Strecke von Guntersblum (s. o.)

Die Bahnstrecke Osthofen–Rheindürkheim–Guntersblum, auch Altrheinbahn genannt, ist eine ehemalige rund 18,8 Kilometer lange Eisenbahnstrecke in Rheinhessen von Osthofen über Worms-Rheindürkheim nach Guntersblum. Ihren Spitznamen trägt sie nach dem Altrhein, der früher in diesem Gebiet zu finden war. Die Strecke wurde von 1900 bis 1969 im Personenverkehr betrieben.

GeschichteBearbeiten

 
Bauarbeiten bei Eich

Eröffnung und BetriebBearbeiten

Nachdem von 1864 bis 1870 die Rheinhessenbahn von Worms nach Alzey gebaut worden war, erlitten viele Gemeinden in Rheinhessen (darunter auch Rheindürkheim) wirtschaftliche Einbußen.[2] Der Plan einer Verlängerung der Bahnstrecke Osthofen–Westhofen nach Worms-Rheindürkheim wurde nicht realisiert, und so befürwortete das Großherzogtum Hessen 1890 eine direkte Eisenbahnstrecke von den rheinhessischen Altrhein-Gemeinden Gimbsheim, Eich, Hamm am Rhein, Worms-Ibersheim und Worms-Rheindürkheim nach Worms zu bauen. Aus Kostengründen wurde dies jedoch verworfen,[2] das großherzogliche Ministerium entschloss sich für eine Anbindung der Altrheinbahn an die Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen in Osthofen.

Ein Komitee unter dem Vorsitz von Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim plante eine Eisenbahnstrecke von Worms über die heutige Bundesstraße 9 nach Worms-Rheindürkheim. Die Stadt Worms konzipierte eine Eisenbahnstrecke vom nördlichen Ende der Wormser Hafenbahn entlang des Rheins nach Rheindürkheim. Dieses Vorhaben scheiterte an den ungünstigen Ergebnissen der Rentabilitätsberechnung.[3] Die Verhandlungen zur Konzessionserteilung mit der Eisenbahndirektion Mainz dauerten lange. Erst 1897 wurde der erste Abschnitt der Altrheinbahn von Osthofen nach Rheindürkheim eröffnet, drei Jahre später wurde der restliche Abschnitt der Altrheinbahn im November 1900 eingeweiht.[4] 1906 wurde der Halt Gimbsheim mit einem Beamten besetzt und damit Zugfolgestelle.[5] Am 10. Februar 1914 wurden auf der Strecke „mit Eintritt der Dunkelheit“ neue „Doppellichtvorsignale“ in Betrieb genommen, die dem heute noch gebräuchlichen Modell des Formsignals entsprachen.[6]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen dem 18. März und dem 1. Juni 1945 fuhr kein Zug auf dieser Strecke.[7]

Zumindest in den letzten Jahren diente die Strecke fast ausschließlich dem Zuckerrübentransport. Die Verladebahnhöfe wurden im sog. Einrichtungsbetrieb einmal pro Tag von Osthofen nach Guntersblum angefahren.[8]

Einstellung des BahnverkehrsBearbeiten

Der Personenverkehr wurde am 1. Juni 1969 eingestellt. Güterzüge befuhren die Strecke zwischen Rheindürkheim und Guntersblum bis Ende des Jahres 1992. 1998 wurde dieser Abschnitt stillgelegt.[9] Anfang 2013 beantragte die DB Netz die Freistellung von Bahnbetriebszwecken der Trasse von Kilometer 3,57 (Seegraben in Rheindürkheim) bis Kilometer 18,25.[10]

Heutiger ZustandBearbeiten

 
Der Guntersblumer Bahnhof: links die Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen, rechts zweigt die Altrheinbahn Richtung Osthofen ab

Die Gleise sind durch starken Bewuchs und Überteerung an Bahnübergängen nicht befahrbar. Im Bereich des Bahnhofs Eich sind sie zurückgebaut.[11] Eine Reaktivierung der Strecke wird von Kommunalpolitikern und Bahnverantwortlichen immer wieder ins Gespräch gebracht.[12] Heute verkehren noch einzelne Güterzüge von Worms-Rheindürkheim durch das Wormser Industriegebiet Nord nach Osthofen. Vor einigen Jahren wurde dieser Streckenabschnitt aufwändig erneuert.

Die Gleise wurden ab dem Bahnhof Guntersblum teilweise zurückgebaut.

StreckenverlaufBearbeiten

 
Der alte Eicher Bahnhof (2008)

Die Nebenbahn begann in Guntersblum und führte Richtung Süden über Gimbsheim, Eich, Hamm, Worms-Ibersheim und Worms-Rheindürkheim durch das Altrheingebiet nach Osthofen. Die Strecke ist durchgehend eingleisig, nicht elektrifiziert und weist keine nennenswerten Steigungen auf.

FahrzeugeBearbeiten

Von Anfang an fuhr eine Preußische T 3. In den 1950er Jahren verkehrte eine Lok der Baureihe 74.4–13. Nach der Dampfzeit fuhren im Personenverkehr Schienenbusse und Akkumulatortriebwagen. Den Güterverkehr besorgten bis zur Einstellung des durchgehenden Verkehrs 1992 Diesellokomotiven der Baureihe 212.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Döhn: Eisenbahnpolitik und Eisenbahnbau in Rheinhessen 1835–1914. Mainz 1957.
  • Theodor Harsch: Die Rheinuferbahn am Altrhein. In: Mainz-Bingen: Heimat-Jahrbuch. 23, 1979, S. 66–67.
  • Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Hamm/Rheinhessen 2003, S. 148–149.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altrheinbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  2. a b Ralph Häussler: Eisenbahnen in Worms – Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt. Edition Schwarz&Weiss, ISBN 3-935651-10-4, S. 148.
  3. Informationen zur Altrheinbahn
  4. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter. 24. November 1900. 4. Jahrgang, Nr. 54. Bekanntmachung Nr. 514, S. 401.
  5. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz. 24. Februar 1906, Nr. 11. Bekanntmachung Nr. 104, S. 103.
  6. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz. 24. Januar 1914, Nr. 5. Bekanntmachung Nr. 50, S. 33.
  7. 1200 Jahre Eich. Worms 1981, S. 245.
  8. U. Kramer, M Brodkorb: Abschied von der Schiene - Güterstrecken 1980 bis 1993. Stuttgart 2008, S. 97.
  9. Martin Krauss: Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur 1997/98. In: Bahn-Report. 2/1999, S. 4–7, hier: S. 7.
  10. Eisenbahn-Bundesamt – Außenstelle Frankfurt/Saarbrücken –: Öffentliche Bekanntmachung gemäß § 23 Absatz 2 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes – Freistellung von Bahnbetriebszwecken betreffend einen Teil der Strecke 3572 Osthofen–Guntersblum – Vom 17. Mai 2013 (Az. 55170 - 591pf/010 - 2305#009; BAnz AT 27.05.2013 B3)
  11. Bahnhof weicht Straße. (Memento vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.today) In: Wormser Zeitung. 23. September 2010, abgerufen 14. September 2011.
  12. Antragstellung des Stadtrates Worms zur Trassensicherung und möglichen Reaktivierung der Altrheinbahn (Memento vom 7. Mai 2005 im Internet Archive)