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Altheim (Münster)

Ortsteil von Münster, Hessen

Altheim ist ein Ortsteil von Münster (Hessen) im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisch wurde zeitweise auch der Name „Spitzaltheim“ verwendet.

Altheim
Wappen der früheren Gemeinde Altheim
Koordinaten: 49° 55′ 5″ N, 8° 53′ 37″ O
Höhe: 136 m ü. NHN
Fläche: 7,93 km²[1]
Einwohner: 2662 (30. Jun. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 336 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64839
Vorwahl: 06071

Geographische LageBearbeiten

Altheim liegt vier Kilometer nordöstlich von Dieburg südlich der B26, die den Ort von der nördlich gelegenen Kerngemeinde Münster trennt auf der flachen Ebene des Naturraums Gersprenzniederung in der Dieburger Bucht der Östlichen Untermainebene (Hanau-Seligenstädter Senke) auf 135 m ü. NHN. Westlich des Ortes fließt die Semme.

GeschichteBearbeiten

TerritorialgeschichteBearbeiten

 
Hanauer Wappen am ehemaligen Gasthof "Zum Löwen" in Altheim. Der Hosenbandorden ("Honi soit qui mal y pense") ist aber eine freie Zutat
 
Altheimer Fachwerkhäuser

Die Ersterwähnung von Altheim stammt aus dem 12. Jahrhundert. 1357 ist Altheim als Lehen der Herren von Eppstein an die Familie der Gayling von Altheim belegt.[2] 1318 hat Konrad Krieg von Altheim den Zehnten von Gottfried von Eppstein zu Lehen. 1500 ist Balthasar, Forstmeister von Gelnhausen im Besitz des Zehnten. Drei Adelsfamilien sind im Ort belegt: die Gayling von Altheim (seit 1254), die Krieg von Altheim (seit 1276) und die Schade von Altheim (seit 1342).[2]

1527 tauschte Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz die bisher pfälzische Hälfte von Altheim mit Graf Philipp III. von Hanau-Lichtenberg gegen die Hanauer Besitzungen zu Astheim und Trebur. Noch im gleichen Jahr erwarb Graf Philipp III. auch das bisherige Viertel des Erzbischofs von Mainz. 1542 gehört Altheim insgesamt zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg, wo es dem Amt Babenhausen zugeordnet war.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., kam es um das Amt Babenhausen fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Landgrafschaft Hessen-Kassel und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Beide Seiten besetzten mit ihrem Militär jeweils einen Teil des Amtes. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 durch einen Vergleich, dem sogenannten Partifikationsrezess, beendet werden. Danach fiel Altheim zusammen mit Dietzenbach, Harpertshausen, Schaafheim und Schlierbach an Hessen-Darmstadt, das daraus 1773 das Amt Schaafheim bildete.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Altheim:

»Altheim (L. Bez. Dieburg) auch Spitzaltheim; luth. Pfarrdorf, liegt 1 St. von Dieburg und 112 St. von Umstadt, und hat 140 Häuser und 868 Einw., die bis auf 17 Kath. und 59 Juden lutherisch sind. Die Einwohner führen besonders viel Gerste, Hirse, Flachs, Bohnen etc. aus. In der Gemarkung von Altheim liegt eine Mahl- und Oelmühle, so wie sich in derselben römische Grabhügel finden, unter denen der sogenannte Hainhügel der größte ist. Altheim war ursprünglich Eppensteinisches Lehen. Die Geilinge, die Schaden, die Kriegen, die von Wasen und Dorfelden waren Vasallen, und in den Besitz getheilt. Im Jahr 1527 erscheinen Churpfalz, Churmainz und die Familie Geiling mit Vogteilichkeit etc.; jenes mit der Hälfte dieses, und die Geilinge jedes mit 14. Zu dieser Zeit kaufte Graf Philipp von Hanau den pfälzischen und mainzischen Antheil, und vermuthlich damals auch das Geilingische 11. Im Jahr 1521 wurden gewisse Hanauische Berechtigungen und Antheile an Altheim zur Burg Babenhausen geschlagen. Nach dem Ausgang der Hanau-Lichtenbergischen Linie, 1736, nahm sowohl Hessen-Darmstadt als Hessen-Cassel, das Amt Babenhausen in Anspruch. In den Vergleichen von 1762 und 1771, kam aber Altheim an ersteres Haus. Im 30jährigen Krieg wurde das Dorf zweimal geplündert; das Letztemal von mehr als 8000 Polen.«[3]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Altheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][4][5]

GerichteBearbeiten

Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war:[2]

zu Cent Dieburg gehörig
1821: Landgericht Umstadt
1879: Amtsgericht Groß-Gerau
1905: Amtsgericht Dieburg

Am 31. Dezember 1971 wurde Altheim im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig in die Gemeinde Münster eingegliedert.[6] Ortsbezirke wurden nicht gebildet.

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Altheim unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2] Alderheim (1137) (?); Altheim et Altheim (1189–1220); Kleinen Altheim (1318); Altheim (1354); Großen Altheim (1357); Altheym (1376); Althem (1418); Altheim (1429); Altheyme (1443); Althem (1487); Althum (1490); Altem (1500); Spitzaltheim (1527); Spitzen Altheim (1582); Spitzaltheim (1688).

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Altheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2011
Jahr  Einwohner
1834
  
865
1840
  
854
1846
  
871
1852
  
898
1858
  
853
1864
  
791
1871
  
770
1875
  
807
1885
  
759
1895
  
748
1905
  
842
1910
  
817
1925
  
778
1939
  
739
1946
  
1.170
1950
  
1.259
1956
  
1.175
1961
  
1.178
1967
  
1.268
1970
  
1.325
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
2.589
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; Zensus 2011[7]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 792 lutheranische (= 91,42 %), 49 jüdische (= 5,65 %) und 17 katholische (= 1,96 %) Einwohner[3]
• 1961: 981 evangelische (= 83,28 %), 189 katholische (= 16,04 %) Einwohner[2]

KircheBearbeiten

Der älteste Teil der Kirche stammt aus dem 10. Jahrhundert. Der 45 m hohe Turm wurde zwischen 1518 und 1520 errichtet. Von diesem Turm (Spitz-Älthemer Kirchturm) wurde in früheren Jahrhunderten der Name des Ortes Spitz-Altheim hergeleitet. Kirchliche Mittelbehörde war im Mittelalter das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat. Mit der Reformation wurde der Ort – wie die ganze Grafschaft Hanau-Lichtenberg – lutherisch.

WappenBearbeiten

Der neuzeitliche Wappenentwurf[8] zeigt im Schild die drei roten Sparren auf goldenem Grund und verweist auf die lange Landesherrschaft des Hauses Hanau und dessen Wappen. Mittig befindet sich ein in grau (silber) gehaltener Krug auf schwarzem Schild. Dessen Bedeutung ist nicht ganz klar, da kein Bezug zu den drei ortsansässigen Adelsfamilien besteht, die eine silberne Hirschstange auf blauem Grund als Wappen hatten. Karl Ernst Demandt bemerkt dazu, dass das älteste Gerichtssiegel Altheims, abgedruckt 1528 und 1715, die Hanauer Sparren und dahinter einen Schöffen als Schildhalter wachsend mit einem Krug in der rechten Hand abbildet. Er vermutet eine Wortanspielung auf das mit Beginn des 16. Jahrhunderts erloschene Ortsadelsgeschlecht der Krieg von Altheim. Der Wappenentwurf wurde daher unter Ausschaltung der nicht wappengemäßen Schildhalterfigur des Schöffen geschaffen, indem Wappen und das Symbol des Kruges vereinigt wurden.[9]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

InfrastrukturBearbeiten

 
Die Hauptstraße von Altheim

Altheim besitzt ein neoklassizistisches Rathaus. Der Ort hat einen eigenen Kindergarten, der von der Evangelischen Kirchengemeinde getragen wird, und eine Grundschule, die Regenbogenschule.

Die Hessische Ludwigsbahn errichtete die Rhein-Main-Bahn und nahm deren Betrieb 1858 auf. Altheim erhielt einen Haltepunkt im Abschnitt zwischen Darmstadt Ludwigsbahnhof (heute: Darmstadt Hauptbahnhof) und Aschaffenburg Hauptbahnhof. Er wurde ursprünglich unter der Bezeichnung Altheim in Betrieb genommen und 1904 in Altheim (Hessen) umbezeichnet.[11] Heute wird die Bezeichnung Altheim (Hess.) verwendet.[12]

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 91f.
  • Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 1–9.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 9–13.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 49.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 366–375.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. Wiesbaden: Historische Komm. für Nassau, 2000, S. 369–370, 372–373. ISBN 3-930221-08-X.
  • Literatur über Altheim in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altheim (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Zahlen, Daten, Fakten. In: Internetauftritt der Gemeinde Münster. Abgerufen am 25. November 2017.
  2. a b c d e f g Altheim, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 24. Mai 2018.
  3. a b Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 3 (Online bei Google Books)
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  6. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 236. DNB 770396321
  7. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  8. Das Wappen ist nach Aussage der Gemeinde Münster: ... "aber lediglich ein Entwurf, der nicht offiziell genehmigt wurde" und damit auch nicht bei HADIS Hessen zu finden ist.
  9. Hermann Knodt (Hg.): Hessisches Ortswappenbuch, Doppelband 1 und 2, bearb. im Auftrag des Staatsarchivs Wiesbaden von den Staatsarchivräten Karl Demandt (für Hessen) und Otto Renkhoff (für Nassau), Glücksburg, C. A. Starke Verlag, 1956, S. 68
  10. Darmstädter Echo, Freitag, 7. Oktober 2016, S. 26
  11. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndi-rektion in Mainz vom 27. Februar 1904, Nr. 10. Bekanntmachung Nr. 96, S. 131f (132).
  12. Eisenbahnatlas Deutschland. 10. Auflage. Schweers+Wall, Köln 2017, ISBN 3-921679-13-3.