Astheim (Trebur)

Ortsteil von Trebur im Kreis Groß-Gerau

Astheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Trebur im südhessischen Kreis Groß-Gerau.

Astheim
Gemeinde Trebur
Wappen von Astheim
Koordinaten: 49° 56′ 8″ N, 8° 22′ 54″ O
Höhe: 86 m ü. NN
Fläche: 7,34 km²[1]
Einwohner: 2896 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 395 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 65468
Vorwahl: 06147

Geographische LageBearbeiten

Astheim liegt im Rhein-Main-Gebiet, etwa 7,5 km westlich von Groß-Gerau. Die Entfernung zu den Städten Mainz, Wiesbaden, Frankfurt am Main und Darmstadt beträgt etwa 20 bis 30 Kilometer. Es liegt 86 m über NN.

GeschichteBearbeiten

UrgeschichteBearbeiten

Archäologische Funde aus der Gemarkung des Ortes reichen bis in die Altsteinzeit zurück. 2003 führte die Abteilung „Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen“ (heute: Institut für Archäologische Wissenschaften) der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität im Norden der Gemarkung Astheim eine archäologische Ausgrabung durch. Freigelegt wurden die Überreste eines römischen Burgus nahe der Schwarzbachmündung in den Rhein, ferner alamannische und fränkische Gräber. Die Funde und Befunde insgesamt ließen sich auf einen Zeitraum von der Mitte des 1. Jahrhunderts bis ins 7. Jahrhundert datieren und weisen eine Besiedlung der Gemarkung Astheim in dieser Zeit nach.[2]

MittelalterBearbeiten

Das Bestehen des Ortes ist unter dem Namen Askemuntesheim seit 830 – 850 im Lorscher Codex als Besitz des Klosters Lorsch auch urkundlich belegt. Astheim wird in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit den Ortsnamen Astehem (1099), Astheim (1239), Astheym (1331), Astumb (1579), Astum (1647) und Astheim (1675) bezeichnet.[3]

Im 12. Jahrhundert befand sich Grundbesitz bei St. Maria ad Gradus, weiterer Grundbesitz seit 1282 im Besitz des Klarissen-Klosters Reichklara, beide in Mainz.

Im ausgehenden Mittelalter lag die Landeshoheit über das Dorf gemeinsam bei Kurmainz und den Herren und Grafen von Hanau. In Kurmainz zählte es zum Unteren Erzstift und unter den Ämtern des Domkapitels zum Domdechaneiamt in Mainz.

1486 kaufte Landgraf Wilhelm I. von Hessen 100 Morgen Äcker in Astheim, Bauschheim und Trebur. Die daraus gebildete Domäne umfasste ca. 100 Morgen Äcker und 35 „Gemansmat“ Wiesen. Sie ging 1579 durch Tausch an den Erzbischof von Mainz über.

Frühe NeuzeitBearbeiten

1527 tauschte Graf Philipp III. von Hanau-Lichtenberg seine Rechte in Astheim und andere Rechte mit Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz gegen die Hälfte des Dorfes Altheim, das dem Hanauer Amt Babenhausen zugeordnet wird. Nach anderer Quelle[4] erhielt Graf Philipp III. in diesem Jahr Astheim als Lehen des Klosters „Camberg“ – gemeint ist wohl das Kloster Comburg.

Die Mainzer Propstei St. Jakobsberg und das dortige Stift St. Maria ad Gradus hatten seit 1571 den großen Zehnten inne. Der Landgraf von Hessen erhielt den Zehnten von sieben Morgen Äckern.

1745 umfasste die Gemarkung 2180 Morgen. Davon gehören dem Domdechant 488 Morgen, Reichklara 369 Morgen, St. Jakobsberg 46 Morgen und der Pfarrei 43 Morgen. 1781 ergriff die Universität Mainz Besitz von den Gütern der aufgehobenen Klöster Altmünster, Reichklara und Kartause. 1782 nahm die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt Besitz von dem Klostergut.

NeuzeitBearbeiten

Nach der Säkularisation wurde Astheim dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Dort gehörte es bis 1820 zum Amt Rüsselsheim, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg gehörte. 1821 wurden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Astheim dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Astheim:

»Astheim (L. Bez. Dornberg) kath. Pfarrdorf; liegt an dem Schwarzbach 134 St. von Dornberg, ganz nahe bei Trebur, und hat 112 Häuser und 787 Einw., die bis auf 10 Luth. 1 Reform. und 15 Juden. alle katholisch sind. Der Ort, in welchem das Kloster Lorsch begütert war, kommt früher unter dem Namen Askemuntesheim vor. Das Patronat besassen noch 1307 das Kloster Kamberg (Würzburger Diöcese) und das Liebfrauenstift zu Mainz; das erstere Antheil kam nachher an das Kloster auf dem Jacobsberg zu Mainz. Die Vogtei, Atzung und Beede hatten, 1467, Graf Philipp von Katzenellenbogen und Graf Philipp zu Hanau in Gemeinschaft. Im Jahr 1486 kaufte Landgraf Wilhelm der Jüngere Peter von Fürstenbergs Güter, wozu auch 14 am Gericht des Orts gehörte, um 1300 fl. Aber 1579 überließ Hessen alle hohe und niedere Obrigkeit über Astheim, so wie über Dudenhofen, an Churmainz, gegen die mainzischen Rechte und Gefälle in Stockstadt und Wolfskehlen. Im Jahr 1802 kam der Ort von Mainz an Hessen.«[5]

1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Astheim in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Astheim zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig wurde. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ist seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.[3]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die Gemeinden Astheim, Geinsheim, Hessenaue und Trebur durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau zu einer Gemeinde mit dem Namen Trebur zusammengeschlossen.[6][7] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Astheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][8][9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

• 1806: 643 Einwohner, 109 Häuser[10]
• 1829: 787 Einwohner, 112 Häuser[5]
• 1867: 967 Einwohner, 154 Häuser[11]
Astheim: Einwohnerzahlen von 1806 bis 2015
Jahr  Einwohner
1806
  
643
1829
  
787
1834
  
839
1840
  
874
1846
  
970
1852
  
915
1858
  
970
1864
  
960
1871
  
955
1875
  
907
1885
  
832
1895
  
806
1905
  
858
1910
  
848
1925
  
937
1939
  
1.067
1946
  
1.291
1950
  
1.349
1956
  
1.359
1961
  
1.439
1967
  
1.893
1970
  
2.206
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
2.883
2015
  
2.863
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3]; Zensus 2011[12] 2015: Gemeinde Trebur[13]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 10 lutheranische (= 12,71 %), einen reformierten (= 0,13 %), 15 jüdische (= 1,91 %) und 761 katholische (= 96,70 %) Einwohner[5]
• 1961: 205evangelische (= 14,25 %), 1228 katholische (= 85,34 %) Einwohner[3]

ReligionBearbeiten

 
Martin-Luther-Kirche

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wird eine Kirche erwähnt, deren Patronat zu einem Viertel bei der Kirche St. Maria ad Gradus in Mainz lag. 1302 ist von einer Pfarrkirche die Rede, deren Patronat sich die Kirche St. Maria ad Gradus in Mainz und das Kloster Comburg teilen. Patron der Pfarrkirche ist St. Peter ad Vincula. Die Propstei Jakobsberg und das Stift St. Maria ad Gradus, beide in Mainz, hatten seit 1463 abwechselnd das Patronatsrecht. Die Kirche wird von der römisch-katholischen Kirchengemeinde genutzt und ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Astheimer Geschichte.

Die evangelische Kirche ist die Martin-Luther-Kirche.

WappenBearbeiten

Das Astheimer Wappen trägt einen (silbernen) Ast auf rotem Grund. Die Form des äußeren Randes lässt sich in Ansätzen bereits auf einem Siegel von 1681 nachweisen. Die hier dargestellte Version des Wappens geht wohl zurück in das 19. Jahrhundert.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

In Astheim befindet sich die von dem örtlichen Beauftragten des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Eugen Schenkel, begründete Sammlung archäologischer Funde. Die Sammlung wird von der am 16. März 2006 gegründeten Eugen-Schenkel-Stiftung betreut. In der Sammlung befinden sich Fundstücke von der Altsteinzeit bis in die Neuzeit aus dem gesamten Gebiet der Gemeinde Trebur.

VereineBearbeiten

Größter Verein des Ortes ist der SC 1948 Astheim e.V., der am 1. Juli 1948 gegründet wurde. Laut Vereinssatzung war es der Zweck dieses Vereins Fußball, Turnen und Gymnastik zu betreiben. 1955 musste der Turnbetrieb aufgegeben werden, 1961 musste auch der sonstige Spielbetrieb für drei Jahre eingestellt werden. Im Herbst 1964 wurde zunächst mit Sportlern aus Bauschheim eine Spielgemeinschaft betrieben, die drei Jahre bestand. 1968 wurde das Sportheim errichtet, welches auch Raum für Frauengymnastik und eine Tischtennisabteilung bot. Später konnte das Angebot um Volleyball erweitert werden, die Tischtennisabteilung trennte sich jedoch von dem Sportverein. In der Saison 1974/1975 konnte die erste Mannschaft Vizemeisterschaft erringen und die zweite Mannschaft Meister in der Verbandsrunde werden. 1976 konnte der Sport-Club den Aufstieg in die A-Klasse Darmstadt erreichen, zwei Jahre später folgte der Abstieg in die B-Klasse Groß-Gerau. Seit 1984 wird auch Jazzgymnastik angeboten. In der Saison 2005/2006 konnte der SC Astheim als Vizemeister der Kreisliga B, den Wiederaufstieg in die Kreisliga A Groß-Gerau erreichen.

Neben dem SC 1948 Astheim e.V. sind auch folgende Vereine in Astheim beheimatet:

  • ACA - Astheimer Carneval Ausschuss 1949
  • Anglerverein 1965 Astheim
  • Ars Candanti Kammerchor Astheim
  • Astemer Kerwegesellschaft 1988
  • Astemer Kerweborsch wieder seit 2003
  • Astheimer Schützenverein 1958
  • Bauernverband Astheim
  • Caritas-Ortsgruppe Astheim
  • Damen-Kegelclub "Geselligkeit 1951" Astheim
  • Eagles Westerntanzgruppe Astheim
  • Flohzirkus Astheim e.V.
  • Förderverein St. Petrus in Ketten Astheim e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Astheim
  • Gesangverein Germania Bruderkette Astheim 1884 e.V.
  • Männer-Kegelclub "Edelweiß" von 1946
  • Kleintierzuchtverein Astheim
  • Landfrauen Astheim
  • Musikverein Astheim 1992 e.V.
  • NABU Ortsgruppe Astheim
  • Obst- und Gartenbauverein Astheim
  • Ortsbauernverband Astheim
  • VfH Astheim e.V.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Am 27. Mai 2018 lag Astheim wieder, wie 2014, an der Fahrradroute der alle 2 Jahre stattfindenden Aktion "Der Kreis rollt".[14]

InfrastrukturBearbeiten

  • Astheim verfügt über einen Sportplatz mit Kunstrasen und Flutlichtanlage sowie einem angegliederten Kleinspielfeld. Darüber hinaus existiert eine gemeindeeigene Mehrzwecksporthalle.

LiteraturBearbeiten

  • Astheim – Geschichte und Geschichten. Herausgegeben vom Organisationskomitee 1150 Jahre Astheim, Trebur 1999, ISBN 3-923418-05-1.
  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains. = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29, S. 92.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 22–25.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform. = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 52
  • Literatur über Astheim in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

 Commons: Astheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Trebur in Zahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Trebur, abgerufen im April 2019.
  2. Bericht über die archäologischen Ausgrabungen des römerzeitlichen Burgus. der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität 2003, abgerufen am 6. März 2018.
  3. a b c d e Astheim, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 210.
  5. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 5 (Online bei google books).
  6. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau (GVBl. II 314–32) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 314, § 6 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 366.
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  10. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  11. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. ss (Online bei google books).
  12. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  13. Haushalt 2017. (PDF; 36 MB) Statistische Angaben. Gemeinde Trebur, S. 6, abgerufen im April 2019.
  14. Aktionstag – Radfahrer erobern die Straßen in Bauschheim. FNP, 18. Mai 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.