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Niederschelden (auch Schelden genannt) ist ein Stadtteil von Siegen.

Niederschelden
Stadt Siegen
Koordinaten: 50° 50′ 43″ N, 7° 58′ 11″ O
Höhe: 221 (220–330) m
Fläche: 4,66 km²
Einwohner: 5161 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 1.108 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1966
Eingemeindet nach: Eiserfeld
Postleitzahl: 57080
Vorwahl: 0271
Karte
Lage von Niederschelden innerhalb Siegens

GeografieBearbeiten

 
Der Rothenberg nördlich Niederscheldens

Der Stadtteil liegt im Südwesten der Stadt, ist Teil des Stadtbezirks VI (Süd) und bildet die Landesgrenze zum Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz. Niederschelden ist mit dem benachbarten Mudersbacher Ortsteil Niederschelderhütte längst zu einem Ort zusammengewachsen. Der Ort liegt im Siegtal zwischen 220 und 330 m Höhe. An der Grenze zu Niederschelderhütte mündet der Gosenbach in die Sieg. Nördlich liegt der 413 m hohe Rothenberg.

Niederschelden grenzt an Gosenbach und Siegen im Norden, an Eiserfeld im Osten und Südosten, an Niederschelderhütte (Mudersbach) im Westen und im äußersten Westen an Oberschelden.

GeschichteBearbeiten

 
Niederschelden vom Pfannenberger Aussichtsturm gesehen

Die Besiedlung im Ortsgebiet fand in der „Fränkischen Landnahme“ zwischen 720 und 800 nach Christi Geburt statt.[1] Die erste schriftlich überlieferte Erwähnung des Ortes Niederschelden als „Schelte“ ist auf den 22. Februar 1330 datiert.[2] Im Jahr 1342 wurde der Mühlengraben ausgehoben, aus diesem Anlass ist die alte Mühle im selben Jahr erstmals schriftlich bezeugt. 1682 wurde eine neue Kapellenschule auf dem Gelände der Burgschule mit einem Klassenzimmer erbaut und eingeweiht. Sie wurde 1907 abgerissen. 1695 verließ Georg Giebeler aufgrund hoher Schulden den Ort und siedelte sich im heutigen Niederschelderhütte an. Dort konnte er nicht verfolgt werden. Er ist der erste Einwohner von Niederschelderhütte.

Wie auch das restliche Siegerland, war der Ort in den letzten zwei Jahrtausenden sehr vom Eisenerzabbau geprägt. 1417 bestand bereits eine Hütte in Niederschelden. 1742 wurde erstmals eine Kupferhütte oberhalb des Dorfes an der Stelle des heutigen Pocheweihers erwähnt. 1863 erfolgte die Grundsteinlegung der Charlottenhütte, später eine der bedeutendsten Hütten im Siegerland. Sie wurde erst 1981 stillgelegt. Ab 1465 lässt sich auch der Erzbergbau in Niederschelden bezeugen. Die Grube Alte Dreisbach wurde erstmals genannt. In ihr wurden bis 1928 aus einer Teufe von bis zu 850 m hauptsächlich Eisenerz gefördert. 1885 waren es 22.534 t. Sie war die tiefste Grube im Ortsgebiet und die letzte, die geschlossen wurde. Die meisten anderen Gruben wurden im 19. Jahrhundert verliehen. Der zweitgrößte Betrieb war die Konsolidationsgrube Vereinigte Henriette nahe der Grenze zu Niederschelderhütte. Sie entstand am 23. Juli 1870 durch die Konsolidation mehrerer kleiner Betriebe. Gefördert wurden bis Ende 1923 ca. 400.000 t Eisenerz. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert blühte auch in Niederschelden der Kobaltbergbau an der Sieg. Die bedeutendsten Gruben waren Bunte Kuh (1780–1903) und Junkernburg (um 1770–1903). Letztere gehörte später zur Gosenbacher Eisenerzgrube Storch & Schöneberg.

1839 wurde mit dem Bau der Straße zwischen Siegen und Niederschelden begonnen. Sie konnte 1844 dem Verkehr übergeben werden. 1856 erfolgte der erste Spatenstich für die neue Eisenbahnlinie, die 1861 eröffnet wurde. Eine Fahrt von Niederschelden nach Siegen kostete 15 Pfennige in der vierten Wagenklasse.

1870/71 wurde eine neue Schule erbaut, die heutige Alte Burgschule. 1963 beschloss der Gemeinderat den Bau einer Volksschule mit 14 Klassen. Die Baukosten wurden auf 2,5 Mio. DM geschätzt. Nur vier Jahre später konnte sie eingeweiht werden. Ebenfalls 1963 konnte der achtklassige Anbau der Dreisbachschule eingeweiht werden. 1973 folgte der Bau des Gymnasiums, ein Jahr später der Bau der Rundturnhalle. 1892 konnte eine neue evangelische Kirche eingeweiht werden. 1957 wurde die katholische St. Liborius–Kirche eingeweiht.

Am 20. Juli 1881 richtete ein Unwetter nach wochenlang anhaltender Hitze schwere Schäden im Ort an.[3]

Die Gründung der Erzquell Brauerei Siegtal durch Hermann Burgmann und Heinrich Wildenberg erfolgte 1885.

1815 wurde Niederschelden preußisch. 1878 wurde Niederschelden vom Amt Weidenau abgetrennt und dem neu gebildeten Amt Eiserfeld zugeordnet.[4] Bis 1966 gehörte Niederschelden dann dem Amt Eiserfeld an, wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung am 1. Juli 1966 der selbständigen Stadt Eiserfeld angeschlossen[5] und gehört seit dem 1. Januar 1975 der Stadt Siegen an[6]. Der Ort feierte im Jahr 2005 sein 675-jähriges Bestehen.

Es gibt immer wieder Bestrebungen, den Doppel-Ort Niederschelden/Niederschelderhütte durch Umgliederung Niederschelderhüttes nach Siegen auch politisch zu vereinigen. Sie scheiterten bisher aber am fehlenden politischen Willen in Mainz und Düsseldorf.

EinwohnerzahlenBearbeiten

Einwohnerzahlen des Ortes:[7][8]

Jahr Einwohner
1818 289
1860 1173
1885[9] 1751
1895[10] 2080
1905 2909
1910[11] 3138
1925[12] 3524
Jahr Einwohner
1933[13] 3437
1939[13] 3664
1950 5028
1961[14] 6293
1986[15] 5976
1994[16] 6150
2004 5542
Jahr Einwohner
2006 5467
2008 5407
2009 5314
2010 5298
2011 5270
2012 5320
2013 5254
Jahr Einwohner
2014 5200
2015 5244
2016 5161

ReligionBearbeiten

Der Ort, dessen Einwohnerschaft mehrheitlich evangelischer Konfession ist, verfügt neben einer evangelischen Kirche (mit Kriegerdenkmal) auch über eine katholische Kirchengemeinde. Die schon in den späten 1940er Jahren bestehende Kirche wurde aufgrund des vermehrten Zuzuges katholischer Bevölkerung im Jahre 1957 neu erbaut und ist dem heiligen Liborius geweiht. Die evangelische Kirche wurde am 23. November 1892 eingeweiht.

Infrastruktur und VerkehrBearbeiten

 
Haltepunkt Niederschelden Nord vor HTS-Weiterbau und Bahnsteigsanierung
 
Haltepunkt Niederschelden Nord nach HTS-Weiterbau und Bahnsteigsanierung

Niederschelden verfügt über einen großen Industrieanteil im Industriegebiet Marienhütte an der Eiserfelder Straße sowie an der westlichen Grenze zu Niederschelderhütte. Im Gebiet hat auch die Utsch AG, der weltweit führende Produzent von Kraftfahrzeugkennzeichen, ihren Sitz.

Verkehrsanbindung

  • Schienenverkehr

Der Bahnhof Niederschelden und der Haltepunkt Niederschelden Nord liegen an der Siegstrecke (Köln–Siegen). Beide Stationen werden derzeit durch die Regionalbahnlinien RB 90 (Limburg (Lahn) – Westerburg – Altenkirchen – Au (Sieg) – Betzdorf – Siegen) und RB 93 (Betzdorf (Sieg) – Siegen – Kreuztal – Bad Berleburg) der Hessischen Landesbahn HLB nach dem Rheinland-Pfalz-Takt mit einem ganztägigen 30-Minuten-Takt an Werktagen (sonst mindestens stündlich) Richtung Siegen und Betzdorf bedient. Im Bahnhof Niederschelden halten darüber hinaus noch einzelne Züge der Linie RE 9 morgens in Richtung Köln sowie nachmittags und am späten Abend aus Richtung Köln. Der Bahn-Haltepunkt Niederschelden Nord ist neben dem Hauptbahnhof Siegen der einzige Halt im Stadtgebiet Siegen, der komplett barrierefrei ausgebaut ist. Es ist hier ohne fremde Hilfe und ohne Voranmeldung jederzeit ein ebenerdiger Zugang zu den Bahnsteigen möglich. Alle haltenden Züge verfügen über die Einstiegshöhe von 55 cm, was der sanierten Bahnsteighöhe entspricht.

  • Straßenverkehr

Niederschelden liegt an der Bundesstraße 62, die von Siegen nach Mudersbach und Kirchen in Rheinland-Pfalz führt. An der Grenze zu Niederschelderhütte zweigt von der alten B 62 die Landstraße 283 in Richtung Gosenbach ab. Der Ort ist über die Siegener Auffahrt an die Autobahn 45 angeschlossen. Im Jahr 2010 wurden die Weiterbaupläne der Hüttentalstraße, die damals in der Dreisbachsiedlung endete, wieder aufgegriffen. Diese Pläne beinhalteten die Weiterführung der Strecke bis kurz hinter die Landesgrenze Rheinland-Pfalz mit dem Bühltunnel und zwei eigenen Abfahrten. Gebaut wurde die Strecke in Niederschelden dann bis 2016. Die fertiggestellte Straße geht in Niederschelderhütte in die alte B 62 über.

Schule und FreizeitBearbeiten

SchuleBearbeiten

In Niederschelden gibt es vier Kindergärten; einen im äußersten Süden an der B 62, zwei befinden sich in der Ortsmitte, der vierte ist in der Dreisbach in der ehemaligen Grundschule. Das Schulzentrum befindet sich auf dem Hubenfeld. Dort sind die Grundschule sowie das Gymnasium Auf der Morgenröthe mit der Abendschule und der Realschule angesiedelt.

SportBearbeiten

Der Niederschelder Verein „Sport“ sowie der im gleichen Jahr gegründete FC Borussia und der Verein „Einigkeit“ aus Gosenbach wurden 1908 gegründet und 1911 zur „Spielvereinigung Niederschelden“, aus dem 1925 der SuS Niederschelden/Gosenbach wurde. Die erste Fußballmannschaft des Vereins spielte zwischen 1947 und 1960 in der seinerzeit höchsten Amateurklasse Westfalens.

Am westlichen Ortsende befindet sich der Sportplatz Rosengarten sowie ein Sportheim und ein Schießstand. In der Ortsmitte ist die markante und weit sichtbare Rundturnhalle sowie eine Schulsportanlage gelegen.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Wilhelm Meißner, (verliehen 18. November 1961)[17]
  • Albert Schneider, (verliehen 18. November 1961)[17]

Söhne und Töchter NiederscheldensBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dieter Pfau: Zeitspuren in Siegerland und Wittgenstein – Früh- und Hochmittelalter 750-1250, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009
  2. Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 111–112, Nr. 186.
  3. Zurückgeblättert..., Siegener Zeitung vom 30. Juli 2011, S. 43
  4. Niederschelden-Chronik 675 Jahre Niederschelden (Memento des Originals vom 7. Juni 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heimatgruppe-niederschelden.de
  5. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 266.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 336.
  7. Otto Schaefer: Der Kreis Siegen, Siegen 1968
  8. siegen.de: Hauptwohnsitzbevölkerung nach Stadtteilen (regelmäßig aktualisiert)
  9. Westfälisches Gemeindelexikon 1887, S. 110 / 111
  10. Westfälisches Gemeindelexikon 1897, S. 114 / 115
  11. gemeindeverzeichnis.de: Landkreis Siegen
  12. genealogy.net: Amt Eiserfeld
  13. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Siegen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  14. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 229.
  15. Siegerländer Heimatkalender 1989, S. 170, 64. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur.
  16. Hartmut Eichenauer: Siegen (Memento des Originals vom 22. Februar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lwl.org (PDF; 12,2 MB), ca. 1995
  17. a b "Zurückgeblättert...", Siegener Zeitung vom 4. Dezember 2010

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niederschelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien