Hauptmenü öffnen

GeografieBearbeiten

Leipheim liegt in der Region Donau-Iller am Südrand des Schwäbischen Donaumooses.

Die Gemeinde hat drei amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Die drei Orte bilden zugleich die drei Gemarkungen, die es auf dem Gemeindegebiet gibt.

GeschichteBearbeiten

 
Skulptur auf dem Stadtberg

AltertumBearbeiten

Die ältesten Funde in Leipheim bezeugen die Besiedlung des heutigen Stadtgebietes mit Beginn der Sesshaftwerdung in der Steinzeit. Ausgrabungen in der Innenstadt brachten 2018 Funde aus der Jungsteinzeit zutage. Keramikscherben und Grubenhaus-Reste datieren auf ca. 5000 v. Chr.[3]

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Leipheim war von etwa 1270 bis 1373 im Besitz der Familie Güß von Güssenberg, die am 29. Mai 1327 von Kaiser Ludwig IV. (Ludwig der Bayer) die Marktrechte und am 17. November 1330 die Stadterhebung für den Ort erwirkte. 1343 ging die Stadt in den Besitz der Grafen von Württemberg über. 1453 kaufte die freie Reichsstadt Ulm die Stadt von Graf Ulrich V. von Württemberg für 23.200 Gulden. So wurde, als Ulm 1531 offiziell protestantisch wurde, ebenso Leipheim protestantisch. 1559 wurde mit dem Bau des Schlosses Leipheim am westlichen Rand der Stadt begonnen.

Nahe Leipheim erhob sich im Deutschen Bauernkrieg im Jahr 1525 der Leipheimer Haufen (ca. 5.000 Bauern) gegen die Stadt Ulm und wurde von dem Heer des Schwäbischen Bundes, der von Ulm angeführt wurde, besiegt. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam der Ort zu Bayern. Leipheim war eine der wenigen Besitzungen der freien Reichsstadt Ulm, die nach 1810 noch bei Bayern verblieben, als im Rahmen eines Gebietsaustausches Bayern Grenzgebiete an Württemberg abgeben musste. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

20. und 21. JahrhundertBearbeiten

Ab 1937 begann der Flugbetrieb auf dem Fliegerhorst Leipheim. Seine Existenz und Entwicklung beeinflusste maßgeblich die Stadt Leipheim und einen großen Teil des nördlichen Landkreises. Am 18. Juli 1942 startete mit der Messerschmitt Me 262 das erste serienreife Düsenflugzeug der Welt vom Leipheimer Fliegerhorst zu seinem Jungfernflug. Von 1945 bis 1950 wurde auf dem, von den Alliierten besetzten Gelände, ein Lager für "Displaced Persons" eingerichtet. Nach Ende des 2. Weltkriegs und während des Kalten Krieges fungierte der Flugplatz, als Leipheim Air Base, als Stützpunkt der United States Army Air Forces, bis dieser am 25. September 1992 außer Dienst gestellt wurde. Danach übernahm die Bundeswehr das Gelände des Fliegerhorstes.

Im Jahre 2008 wurde der Fliegerhorst Leipheim aufgelöst. Die Kommunen Leipheim, Günzburg und Bubesheim haben 2010 gemeinsam mit dem Landkreis Günzburg einen Zweckverband gegründet und das 256 ha große Fliegerhorstgelände erworben. Neben dem Bau der Umgehungsstraße für Leipheim ist eine zivile Nachnutzung geplant. Es sollen dort 90 ha Gewerbeflächen entstehen.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Riedheim eingegliedert.[4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 

[5]

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat hat 20 Mitglieder. Seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 verteilen sich die Sitze auf folgende Listen:[6]

Partei/Liste Sitze Stimmenanteil
CSU 10 49,0 %
SPD 4 17,5 %
Grüne 1 7,3 %
Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) 4 21,9 %
Freie Wähler 1 4,3 %
Gesamt 20 100 %

Bürgermeister ist Christian Konrad (CSU). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Gerhard Hartmann (SPD) und 2008 in seinem Amt bestätigt. Bei der Kommunalwahl 2014 wurde er mit 93,6 % der gültigen Stimmen erneut wiedergewählt.[7]

GemeindefinanzenBearbeiten

Im Jahr 2012 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 9.130.000 €, davon waren 5.533.000 € Gewerbesteuereinnahmen (netto).

WappenBearbeiten

Das Stadtwappen geht auf das Familienwappen der Güssen zurück, unter deren Herrschaft das Stadtrecht verliehen wurde.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

  • Ungarn  Ungarn: Seit 1993 besteht eine Partnerschaft mit der ungarischen Stadt Fonyód am Plattensee, die mit regelmäßigen Besuchen gepflegt wird.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Größter Arbeitgeber mit über 1600 Mitarbeitern am Standort ist Wanzl. Seit 1947 hat sich das Familienunternehmen von einem kleinen Handwerksbetrieb zu einem Weltmarktführer in mehreren Bereichen entwickelt. Es werden neben Produkten und Dienstleistungen für den Handel Flughäfen, Hotels und zahlreiche Onlinehändler mit Gepäck bzw. Logistikwagen beliefert. Inzwischen werden am weltweiten Hauptsitz drei Werke betrieben. Diese wurden in den letzten Jahren stetig ausgebaut. Ein weiteres, global agierendes Familienunternehmen ist die Firma Oechsle System GmbH mit ca. 160 Beschäftigten.

Außerdem gab es seit 1935 einen Luftwaffenstützpunkt, der aber Ende 2008 aus Kostengründen geschlossen wurde.[8] Auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes entsteht seit 2010 unter den Namen Areal Pro ein Interkommunales Gewerbegebiet, an welchem sich die Städte Günzburg, Leipheim, die Gemeinde Bubesheim, sowie der Landkreis Günzburg beteiligen.[9]

Seit Ende 2016 hat Britax Römer, ein weltweiter Hersteller von Produkten für Kindersicherheit, seinen Hauptsitz in Leipheim. Vom alten Standort Ulm wurden ca. 90 % der 400 Mitarbeiter übernommen, sowie neue Stellen geschaffen.[10]

Es gab 2012 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 49, im produzierenden Gewerbe 1991 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 513 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 403 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2670. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier, im Bauhauptgewerbe neun Betriebe. 2010 bestanden 36 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 1.735 ha, davon waren 1.217 ha Ackerfläche und 436 ha Dauergrünfläche.

VerkehrBearbeiten

Leipheim hat eine eigene Autobahnausfahrt der A8. Diese liegt ca. 7 km östlich des Autobahnkreuzes Ulm-Elchingen von A8 und A7.

Leipheim besitzt einen zweigleisigen Haltepunkt an der Bahnstrecke Augsburg–Ulm, der jeweils im Stundentakt durch die Regional-Express-Linie Fugger-Express zwischen Ulm und München sowie durch die Züge der agilis zwischen Ulm und Ingolstadt oder Regensburg bedient wird. Am Wochenende verkehren die Züge der agilis nur im Zweistundentakt. Das Empfangsgebäude wird nicht mehr genutzt und steht leer.

Leipheim ist an den internationalen Fernradweg Donauradweg (verläuft von der Quelle der Donau in Deutschland bis zu ihrer Mündung in Rumänien)[11] und an den europäischen EuroVelo-Radweg EV 6 Flüsseroute (verläuft vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer)[12] angeschlossen.

BildungBearbeiten

 
Im Zehntstadel in Leipheim finden kulturelle Veranstaltungen statt

Stand 2013:

  • Vier Kindergärten mit 283 Kindergartenplätzen, die von 266 Kindern besucht wurden
  • Zwei Volksschulen mit insgesamt 36 Lehrern und 497 Schülern
  • Eine Außenstelle der Volkshochschule Günzburg

VereineBearbeiten

Stadtkapelle LeipheimBearbeiten

Die Stadtkapelle Leipheim wurde 1913 gegründet und ist heute fester Bestandteil vieler kultureller Veranstaltungen mit über 40 Musiker in Bereich Bigbandsound, traditionelle böhmische Blasmusik, Evergreens und Klassikern für Blasorchester.[13]

BC LeipheimBearbeiten

Der BC Leipheim war bis 2008 ein Basketballverein von 1995 mit ca. 80 aktive und passive Mitglieder.

FG Leipheimer HaufenBearbeiten

In der Faschingsgesellschaft Leipheimer Haufen von um 1974 sind die Tanzsportgruppe Güssengarde, Jugendgarde, Kindergarde, Elferrat, Showmix und Guggamusik. Er hat über 200 Mitglieder. Sie ist Mitglied bei der Faschingsvereinigung der Sieben Schwaben, im Landesverband Württembergischer Karneval (LWK) und dem Bayerisch-Schwäbischen Fasnachtsverband (BSF).

VfL Leipheim 1898Bearbeiten

Der VfL Leipheim 1898 ist der größte Sportverein mit rund 1100 Mitgliedern im Breitensport in den Abteilungen Boxen, Fußball, Handball, Leichtathletik, Schach, Tennis, Turnen und Volleyball.

Fliegerhorstmuseum LeipheimBearbeiten

Der Fliegerhorstmuseum Leipheim von 2005 befindet sich seit 2010 im Gebäude 361 des ehemaligen Fliegerhorstes Leipheim mit dem Zweck, ein Museum mit dauerhafter Ausstellung aufzubauen. Nach dem Zusammenschluss von Soldatenverein und Fliegerhorstmuseum ist die Mitgliederzahl auf ca. 90 gestiegen.[14]

Freiwillige Feuerwehr LeipheimBearbeiten

Die Freiwillige Feuerwehr Leipheim von 1865 im Feuerwehrhaus und Vereinsheim Steingasse 5 (früher Schlosshof) hat ca. 140 Mitglieder. Für die Nachwuchssicherung betreibt die Feuerwehr Leipheim eine Jugendfeuerwehr und seit einigen Jahren eine Kinderfeuerwehr.

Deutsche Lebens-Rettungs-GesellschaftBearbeiten

Der Kreisverband Leipheim/Günzburg der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft mit ca. 450 Mitgliedern ist aus der Ortsgruppe Leipheim von 1970 hervorgegangen und ist die zuständige DLRG Gliederung für die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm. Im Rahmen des Katastrophenschutzes ist die DLRG Leipheim/Günzburg mit einem Tauchtrupp in den KAT-Wasserrettungszug Schwaben Süd eingebunden. Die neue Schulungs- und Einsatzzentrale wurde 2008 eingeweiht. Zur Nachwuchssicherung unterhält die DLRG Leipheim/Günzburg ein Jugend-Einsatz-Team (JET-Team)

Besondere EreignisseBearbeiten

Seit 1818 findet einmal im Jahr das Leipheimer Kinderfest statt, das an das Ende der Hungersnot erinnern soll, die 1816/17 die Stadt Leipheim heimsuchte. Grund der Hungersnot war der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien im April 1815.

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

  • Hans Karg (* 1551; † ca. 1610), schwäbischer Maler
  • Christoph Pfautz (1645–1711), Mathematiker, Astronom, Geograph und Bibliothekar
  • Ernst Führich (* 1948), Professor der Rechtswissenschaften an der Hochschule Kempten
  • Bernd Oberdorfer (* 1961), Professor für Systematische Theologie und Ökumene an der Universität Augsburg

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Wüst: Günzburg (Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Günzburg I/ 13) München 1983, S. 160 ff. (betr. Leipheim), ISBN 3-7696-9933-5.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Leipheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Leipheim – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Leipheim in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 29. August 2019.
  3. Sensation: Leipheim ist deutlich älter als gedacht In: Augsburger Allgemeine 9. März 2018.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 476.
  5. Stadt Leipheim 09 774 155 Eine Auswahl wichtiger statistischer Daten. Bayerisches Landesamt für Statistik, 2018, abgerufen am 15. September 2019.
  6. Bayerisches Landesamt für Statistik
  7. http://www.wahlen.bayern.de/kommunalwahlen/
  8. Stadt Leipheim an der Donau – Fliegerhorst
  9. Augsburg Programmierung: mpunkt media marketing services: AREAL Pro | Zweckverband. Abgerufen am 15. September 2019.
  10. Standort-Wechsel von Britax Römer sichert Produktion - Günzburg - B4B Schwaben. Abgerufen am 15. September 2019.
  11. Donauradweg. Abgerufen am 27. April 2017.
  12. EuroVelo 6 Atlantik - Schwarzes Meer. Abgerufen am 15. September 2019.
  13. Stadtkapelle Leipheim e. V.
  14. Homepage des Fliegerhorstmuseum Leipheim