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Thannhausen (Schwaben)

Stadt im Landkreis Günzburg, Bayern, Deutschland

GeografieBearbeiten

Die Stadt liegt an der östlichen Hügelkette des 500 m ü. d. M. liegenden Mindeltals zwischen Augsburg, Ulm und Memmingen. Am Westrand des Naturparks Augsburg-Westliche Wälder gelegen, bietet der 60 m hohe Talhang eine interessante Aussicht über Stadt und Mindeltal.

Thannhausen liegt in der Region Donau-Iller.

Gemeindeteile und gleichzeitig Gemarkungen sind das Pfarrdorf Burg, der Hauptort Thannhausen und das Dorf Nettershausen.[2]

Panoramabild Thannhausen, von Westen aus betrachtet

GeschichteBearbeiten

Ab 400 n. Chr.Bearbeiten

 
Ehemaliges Gerichtshaus (1673)

Die erste Besiedlung im derzeitigen Stadtgebiet geht auf die Zeit um etwa 400 n. Chr. zurück.

1109 wurde ein Adelsgeschlecht „von Taginhusen“ erwähnt. Im Jahr 1293 wurde Thannhausen das Marktrecht zugesprochen. 1348 erhält das Hochstift Augsburg und Burgau das Lehensrecht über Thannhausen. 1569 werden den Augsburger Patrizier Baumgartner und den Freiherren von Hohenschwangau Herrschaft und Blutbann über Thannhausen. Anschließend kam es zu häufigem Eigentumswechsel. Um 1600 entstand die Leonhardikapelle. 1665 erhalten die Grafen von Sinzheim das Reichslehen über Thannhausen als Grafschaft, das später auf die Grafen von Stadion als Grafschaft übertragen wird. 1673 konnte das ehemalige Gerichtsgebäude fertiggestellt werden.[3]

1718 weisen die Grafen von Stadion alle lebenden Juden Thannhausens aus (siehe weiter unten). 1746 wurde die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt errichtet. Christoph von Schmid war 1796 bis 1816 in Thannhausen tätig.

Nach 1800Bearbeiten

Mit der Rheinbundakte im Jahr 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde die heutige Gemeinde als Selbstverwaltungsorgan begründet. Das gräfliche Herrschaftsgericht der Grafen von Stadion wurde 1833 aufgehoben. 1873 kam es zum Bau des Stadlerstifts, heute ein Seniorenheim. Das historische Rathaus wurde in den Jahren von 1876 bis 1877 errichtet. 1894 wurde Thannhausen Endpunkt einer Bahnstrecke von Dinkelscherben, die 2001 geschlossen wurde. Die Mindelhalle wurde 1926 gebaut.[3]

Nach 1945Bearbeiten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte eine rege Bautätigkeit ein. 1953 erhielt Thannhausen die Stadtrechte. 1965 entstand der Bau der staatlichen Realschule, 1966 entstand die Christuskirche für evangelisch Gläubige. 1976 wurde der Bau der Mittelschule fertiggestellt.

Vor der Gemeindegebietsreform der 1970er gehörte Thannhausen zum Landkreis Krumbach. Im Juni 1972 wurde dieser aufgelöst, Thannhausen kam zum Landkreis Günzburg. 1977 wurde die Gemeinde Burg mit ihrem Gemeindeteil Nettershausen eingegliedert.[4] 1981 kam es zur Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Thannhausen. 2011 wurde der neue Verwaltungsbau der Verwaltungsgemeinschaft Thannhausen fertiggestellt.[3]

Im Jahr 2007 wurde die Umgehungsstraße B 300 eingeweiht, die vorher durch den Ort verlaufen war.

Jüdische Gemeinde ThannhausenBearbeiten

 
Stadionkapelle

Es wird angenommen, dass sich entweder um das Jahr 1400 oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts Juden in Thannhausen niedergelassen hatten.[5] Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert gab es dort zeitweise eine große jüdische Gemeinde mit etwa 300 Personen. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurden Juden vertrieben. Nachweislich befand sich in Thannhausen eine jüdische Druckerei, in der ein Gebetbuch (1590–1592) gedruckt wurde.[6][7]

Die Juden durften ihre Toten nicht im Ort bestatten, sondern mussten sie zur Bestattung nächtens nach Kriegshaber transportieren.[8] Erst 1567 gestattete man den Juden einen eigenen Friedhofes anzulegen, der sich an der Straße durch den Wald nach Ziemetshausen im Flur „Judenbegräbnis“ befand. Belegt wurde der Friedhof bis 1718, Grabsteine sind nicht erhalten geblieben.[9]

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts konnten wieder jüdische Familien zuziehen. Graf Stadion übernahm im Jahr 1708 die Herrschaft über Thannhausen und zählte damals 20 jüdische Familien. Der Gräfin von Stadion missfiel jedoch die Anwesenheit von Juden in Thannhausen, was dazu führte, dass Graf von Stadion beim Kaiser vorstellig wurde und ihre Vertreibung beantragte. Im August 1718 wurden alle Juden vertrieben. Die Synagoge und das jüdische Schulgebäude wurde 1719 abgebrochen und an ihrer Stelle die heute existierende Stadionkapelle in der Zeit 1720 bis 1722 gebaut. Von diesem Bau ist der Name „Judenkapelle“ bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Vom historischen Vorhandensein der Juden zeugt im Ort ferner der Straßenname „Judengasse“. Sie befindet sich unweit der Stadionkapelle.[10]

Der Heimatforscher J. Kahn stellte in seiner Untersuchung aus den 1920er Jahren über Juden in Thannhausen fest, dass dort keine mehr wohnten. Nur noch der Name Thannhauser (auch Dannhauser) erinnert an Nachfahren ursprünglich in Thannhausen sesshafter Juden.[8][5]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1961: 4055 Einwohner[4]
  • 1970: 4667 Einwohner[4]
  • 1987: 4825 Einwohner
  • 1991: 5603 Einwohner
  • 1995: 6303 Einwohner
  • 2000: 6252 Einwohner
  • 2005: 6168 Einwohner
  • 2010: 5929 Einwohner
  • 2015: 6095 Einwohner

PolitikBearbeiten

Stadtrat und BürgermeisterBearbeiten

Der Stadtrat hat 20 Mitglieder. Bei den vergangenen Kommunalwahlen verteilten sich die Sitze folgendermaßen auf die einzelnen Listen:

Sitzverteilung bei der Kommunalwahl 2002 2008 2014[11]
CSU 8 8 7
SPD 6 4 4
Grüne 2
Freie Wähler 6 8 5
Liste Weiß 2

Bürgermeister war von 1994 bis 30. April 2008 Johannes Schropp (CSU). Seit dem 1. Mai 2008 ist Georg Schwarz (CSU/FW) Bürgermeister, der dieses Amt zuvor in Neuburg an der Kammel innehatte. Bei der Kommunalwahl 2014 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 57,9 % mit 77,6 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.[12]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau auf grünem Schildfuß ein rotwalmbedachtes perspektivisch gestelltes silbernes Schloss (Haus) mit schwarzem Rundportal, vier schwarzen Fentsern (2/2) und vier rotzwiebelbedachten silbernen Eckrundtürmen mit pfahlweise je zwei schwarzen Fenstern, der rechte hintere vom Gebäude fast verdeckt, besteckt mit je einer linkswehenden goldenen Wetterfahne, vor dem Tor eine grüne bewurzelte Tanne.“ – Das Wappen enthält ein schlossähnliches Haus und eine Tanne – ein redendes Wappen für den Ortsnamen „Thannhausen“.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

  • Frankreich  Seit 1981 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Mortain im südlichen Département Manche in der Normandie. Ein großer Granitblock, der künstlerisch in die Gestaltung des Thannhauser Mortainplatzes einbezogen wurde, erinnert an diese Freundschaft.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BaudenkmälerBearbeiten

In Thannhausen gibt es viele denkmalgeschützte, historische Baudenkmäler, insbesondere in der Bahnhof-, Christoph-von-Schmid- und Edmund-Zimmermann-Straße.

Zahlreiche Brunnen des Bildhauers Georg Brenninger (zwei unterschiedliche Taubenbrunnen, das Margaretenbrünnele, ein Musenbrunnen und ein Brunnen namens Petit Village) befinden sich an exponierten Stadtplätzen.[13]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Die Wirtschaft Thannhausens wird von mittelständischen und Handwerksunternehmen dominiert. Zu den beiden größten mittelständischen Unternehmen zählen Fleischwerke Zimmermann und Postbräu Thannhausen.

UnternehmenBearbeiten

  • Deikra-Futter GmbH
  • Fleischwerke Zimmermann, die seit 1989 zur Ehrmann AG gehört
  • Leitenmeier Lorenz Straßen- und Tiefbau GmbH Asphaltmischwerk
  • Albert Mühlschlegel GmbH & Co. KG
  • Postbräu Thannhausen Theodor Schreiegg GmbH & Co.
  • Raiffeisenbank Thannhausen
  • Höfle und Wohlrab Bau GmbH (HBW)

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Freibad Thannhausen, Hallenbad Thannhausen, Stadtbücherei Thannhausen, Kreisaltenheim, Franz-Xaver-Stadler´sche Armen- und Krankenstiftung (Pflegeheim) in den Jahren 2006/2007 erweitert.

Des Weiteren liegt im Mindeltal, im Westen von Thannhausen, eine privat betriebene Wakeboard-Anlage.

MuseenBearbeiten

Heimatmuseum Thannhausen

BildungBearbeiten

  • Anton-Höfer-Grundschule
  • Fritz-Kieninger-Mittelschule
  • Christoph-von-Schmid-Realschule
  • Schullandheim der Stadt Augsburg in Thannhausen

VerkehrBearbeiten

Das Gemeindegebiet wird in Ost-West-Richtung von der Bundesstraße 300 durchquert. Von Nord nach Süd führt die Staatsstraße 2025.

PersönlichkeitenBearbeiten

 
Denkmal für Christoph von Schmid in Thannhausen, dahinter das alte Rathaus

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Thannhausen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 28. August 2019.
  3. a b c Thannhauser Gesichte in Kurzform, auf thannhausen.de. Abgerufen am 21. August 2018
  4. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 774.
  5. a b Jüdisches Bayern: Die Juden von Thannhausen, auf hagalil.com, abgerufen am 16. Januar 2016
  6. Stephen G. Burnett: 2016xt=classicsfacpub The Regulation of Hebrew Printing in Germany, 1555-1630: Confessional Politicsand and the Limits of Jewish Toleration@1@2Vorlage:Toter Link/digitalcommons.unl.edu (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (englisch), auf digitalscommuns.unl.edu, abgerufen am 14. Januar 2016
  7. Mansor, auf alemannia-judaica.de, abgerufen am 10. Januar 2016
  8. a b J. Kahn: Die Juden in Thannhausen, auf alemannia-judaica.de. Abgerufen am 10. Januar 2015
  9. Jüdische Friedhöfe in Bayern, auf uni-heidelberg, abgerufen am 14. Januar 2016
  10. Thannhausen (Landkreis Günzburg) Jüdische Geschichte / Synagoge auf alemannia-judaica.de, abgerufen am 10. Januar 2014
  11. Stadt Thannhausen, Stadtrat
  12. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
  13. Brunnen, auf georg-brenninger.de, abgerufen am 10. Januar 2016