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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nersingen
Nersingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nersingen hervorgehoben
Koordinaten: 48° 26′ N, 10° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Neu-Ulm
Höhe: 465 m ü. NHN
Fläche: 24,28 km2
Einwohner: 9446 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 389 Einwohner je km2
Postleitzahl: 89278
Vorwahl: 07308
Kfz-Kennzeichen: NU, ILL
Gemeindeschlüssel: 09 7 75 134
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
89278 Nersingen
Website: www.nersingen.de
Bürgermeister: Erich Winkler
Lage der Gemeinde Nersingen im Landkreis Neu-Ulm
Baden-WürttembergLandkreis Dillingen an der DonauLandkreis GünzburgLandkreis UnterallgäuAuwald (gemeindefreies Gebiet)Oberroggenburger WaldStoffenrieder ForstUnterroggenburger WaldAltenstadt (Iller)BellenbergBuch (Schwaben)ElchingenHolzheim (bei Neu-Ulm)IllertissenKellmünz an der IllerNersingenNeu-UlmOberrothOsterbergPfaffenhofen an der RothRoggenburg (Bayern)Senden (Bayern)UnterrothVöhringen (Iller)WeißenhornKarte
Über dieses Bild
Die katholische Pfarrkirche Sankt Dionysius in Oberfahlheim

Nersingen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm in Mittelschwaben, Bayern.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Der namengebende Hauptort der Gemeinde liegt etwa 10 km ostnordöstlich der Kreisstadt Neu-Ulm weniger als einen Kilometer von der Donau im Norden entfernt, die ungefähr die nördliche Gemeindegrenze bildet; zwei kleinere Gemarkungsstücke von zusammen etwa einem halben Quadratkilometer liegen in der waldreichen Flussaue am Nordufer des Stroms. Der Donau fließen zwei von Süden kommende Nebenflüsse durch die Gemarkung zu, die Leibi nahe der westlichen Gemeindegrenze entlang, die Roth durch ihre Mitte; in derselben Richtung mündet die Biber nach ihrem letzten Laufstück an der Ostgrenze. Daneben gibt es in der Gemeinde einige Wassergräben und mehrere durch Kiesabbau entstandene Baggerseen meist in der oder nahe der Donauaue.

Der niedrigste Punkt der Gemarkung liegt auf etwa 452 m ü. NN am Ausfluss der Donau, die zwei mit wenig über 490 m ü. NN höchsten Stellen liegen auf dem Buchberg an der westlichen und am Hang des Bergholzes an der östlichen Grenze.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde Nersingen besteht aus dem Hauptort Nersingen, den Dörfern Straß, Leibi, Unterfahlheim und Oberfahlheim sowie den Weilern Glassenhart und Lohhof.

NachbargemeindenBearbeiten

Die Gemeinde grenzt an die Gemeinde ElchingenNU im Nordwesten und Norden, die Stadt LeipheimGZ im Nordosten, die Gemeinde BibertalGZ im Osten, den Markt Pfaffenhofen an der RothNU im Süden und die Stadt Neu-UlmNU im Westen.

GeschichteBearbeiten

AltertumBearbeiten

Frühe Funde um Nersingen wurden vielfach in verlandeten Altarmen der Donau gemacht. Die dort geborgenen Gegenstände sind im Laufe der Jahrtausende aus unterschiedlichen Gründen in den Fluss gekommen. So wurde ein spätbronzezeitliches Vollgriffschwert vom Typ Rixheim bei Nersingen-Leibi geborgen, weitere, aus derselben Fundregion stammende Schwerter gehören zu den urnenfelderzeitlichen Griffzungenschwertern.[2] Zahlreiche Hügelgräber und ein elitäres Wagengrab mit zwei Pferden aus der Hallstattzeit belegen die Besiedelung und weisen auf die Existenz einer Oberschicht hin.

 
Modell des Kleinkastells Nersingen, Keltenmuseum Manching

Um 40 n. Chr. erbauten die Römer im Zuge der tiberisch-claudischen Donaugrenzsicherung ein Kleinkastell westlich von Nersingen an einer alten Donaufurt. Gleichzeitig wurde entlang der Donau die wetterfeste weiträumige Donausüdstraße bis zum Donaudurchbruch Weltenburger Enge gebaut. Der Name des Ortsteils Straß ist – wie die Bezeichnung Straße – dem lateinischen strata entlehnt. Mit dem Vorverlegen der römischen Reichsgrenze über die Donau nach Norden wurde das Kastell um 80 n. Chr. wieder aufgegeben. Grabbeigaben aus den römischen Friedhöfen in den Ortsteilen Unterfahlheim und Straß sind in Neu-Ulm bei den Archäologiefreunden Neu-Ulm ausgestellt. Der Unterfahlheimer Friedhof deutet durch seine Größe, die Existenz eines Grabmonuments und die gefundenen Grabbeigaben, u. a. vier silberne Schreibstifte, sogenannte stili, auf eine örtliche rätische Oberschicht hin. In Straß stand ein gallo-römischer Umgangstempel.

NeuzeitBearbeiten

1525 kam es an der Grenze zwischen dem heutigen Ortsteil Unterfahlheim und der Stadt Leipheim am Biberhaken zur Schlacht bei Leipheim. Das Heer des Schwäbischen Bundes unter seinem Anführer von Waldburg-Zeil rückte entlang der heutigen B 10 gegen rund 5000 aufständische Bauern des sogenannten Leipheimer Haufens vor, in dem auch aufständische Bauern der Nersinger Gemeinden standen, und schlug diese vernichtend.[3]

Im Dreißigjährigen Krieg litt die Nersinger Bevölkerung unter Einquartierungen, Requirierungen, Plünderungen, Brandschatzung und Gewalttaten durch die Landsknechte ganz besonders, da im protestantischen Ulm eine schwedische Garnison lag, die wiederholt von kaiserlichen katholischen Truppen belagert wurde. Hinzu kam noch die Pest. 1635 lebten in den vier Dörfern Oberfahlheim, Unterfahlheim, Nersingen und Straß nur noch 10 Einwohner, alle anderen waren nach Österreich geflohen, verschleppt worden oder umgekommen. Die Fluren waren verödet.

Zum Auftakt der Schlacht bei Elchingen stürmten und reparierten die napoleonischen Truppen im Jahr 1805 die beschädigte Donaubrücke von Nersingen nach Elchingen und schlugen das österreichische Korps unter General Riesch.

Von 1943 bis 1945 befand sich das das Außenkommando Fischereischule Unterfahlheim des KZ Dachau in einem Fischzuchtbetrieb.[4]

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Leibi eingegliedert.[5] Am 1. Mai 1978 kamen Straß, Oberfahlheim und Unterfahlheim hinzu.[6]

Einwohnerentwicklung und -verteilungBearbeiten

Jahr Einwohner
1961[6] 5016
1970[6] 6068
1987 7910
1991 8437
1995 8609
2001 9070
2005 9233
2010 9162
2015 9288

Die Einwohner teilen sich wie folgt auf die Ortsteile auf:

Ortsteil Einwohner
Leibi 1998
Nersingen 3290
Oberfahlheim 822
Straß 2675
Unterfahlheim 911

(Stand 31. Dezember 2014 – Angaben mit Haupt- und Nebenwohnsitz)[7]

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 43,4 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,4 %
26,7 %
21,9 %

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat hat 20 Mitglieder zuzüglich des Bürgermeisters.

CSU SPD Freie Wähler Umweltliste Gesamt
2002 9 6 4 1 20 Sitze
2008 11 5 4 20 Sitze
2014 10 5 5 20 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

BürgermeisterBearbeiten

Seit Juli 2004 ist Erich Winkler (CSU) der Bürgermeister.[9]

WappenBearbeiten

Die Wappenbeschreibung lautet: Unter silbernem Wellenschildhaupt durch einen gestürzten goldenen Flachsparren geteilt; oben in Blau ein von fünf goldenen Scheiben beseitetes schwarzes Mühlrad; unten durch einen goldenen Pfahl gespalten von Schwarz und Rot, vorne ein schräger goldener Rautenkranz, hinten zwei silberne Schräglinksbalken.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Seit dem Jahr 2009 hat die Gemeinde Nersingen eine Partnerschaft mit der österreichischen Gemeinde Reichenau in Kärnten, die durch ein Partnerschaftsfest im Sommer 2009 vertieft wurde.

Partnerschaft mit dem Gebirgsfernmeldebataillon 210Bearbeiten

Die Gemeinde Nersingen unterhielt eine Partnerschaft mit dem in Ulm stationierten Gebirgsfernmeldebataillon 210, das 2014 aufgelöst wurde.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Museum für bildende Kunst
 
Brunnen beim Rathaus in Nersingen
 
Bräuhaus Seybold in Nersingen
  • Bräuhaus Seybold, denkmalgeschütztes Brauereigebäude im Backsteinstil in Nersingen
  • Museum für bildende Kunst in Oberfahlheim
  • St. Johann Baptist Rokokokirche von 1748 mit Ölbergkapelle in Straß
  • St. Dionysius, gotische Kirche in Oberfahlheim
  • Filialkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, Kapelle erbaut 1754 in Unterfahlheim
  • St. Nikolaus in Nersingen
  • St. Leonhard in Leibi

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

UnternehmenBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Nersingen liegt an der Bundesautobahn 7, die Bundesstraße 10 führt durch die Gemeindeteile Unterfahlheim, Oberfahlheim und Nersingen. Durch die Gemeinde verläuft die Bahnstrecke Augsburg–Ulm, an der es auf der Gemeindegemarkung früher zwei Bahnhöfe gab. Der dreigleisige Bahnhof Nersingen wird jeweils im Stundentakt durch die Regional-Express-Linie Fugger-Express zwischen Ulm und München sowie durch die Züge der agilis zwischen Ulm und Ingolstadt oder Regensburg bedient. Am Wochenende verkehren die Züge der agilis nur im Zweistundentakt. Der Bahnhof im Ortsteil Unterfahlheim wird nicht mehr bedient. Buslinien verbinden Nersingen mit Ulm, Neu-Ulm, Günzburg und Ichenhausen.

BildungBearbeiten

Grundschulen gibt es in den Ortsteilen Nersingen, Straß und Oberfahlheim. Im Ortsteil Straß gibt es eine Mittelschule.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Michael Mackensen, Angela von den Driesch: Frühkaiserzeitliche Kleinkastelle bei Nersingen und Burlafingen an der oberen Donau, C.H. Beck, 1987, ISBN 3406317499
  • Thomas Fischer, Erika Riedmeier-Fischer: Der römische Limes in Bayern, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008. ISBN 3-7917-2120-8. S. 187, Abb. 139
  • Thomas Fischer: Die Römer in Deutschland, Konrad Theiß Verlag, Stuttgart 1999. ISBN 3-8062-1325-9. S. 59.
  • Anton Aubele: Straß Zur Geschichte eines Dorfes im Ulmer Winkel, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1982. ISBN 3-8743-7200-6
  • Hans Enderle: Oberfahlheim (mit Glassenhart) - Unterfahlheim. Zwei Dörfer und ihre Geschichte in alter und neuer Zeit. Armin Vaas Verlag, Langenau-Ulm, 1987. ISBN 3-88360-056-3

WeblinksBearbeiten

  Commons: Nersingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Hans-Peter Kuhnen (Hrsg.): Abgetaucht, aufgetaucht – Flußfundstücke. Aus der Geschichte. Mit ihrer Geschichte. Ausstellungskatalog. Rheinisches Landesmuseum Trier, Trier 2001, ISBN 3-923319-48-7. S. 56; Abb. 57.
  3. Anton Aubele: Straß Zur Geschichte eines Dorfes im Ulmer Winkel, Weißenhorn 1982, ISBN 3-8743-7200-6.
  4. Außenlager und Außenkommandos des KZ Dachau, .pdf, KZ-Gedenkstätte Dachau
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 540.
  6. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 790.
  7. Gemeinde / Zahlen und Fakten, Gemeinde Nersingen
  8. http://wahl.nersingen.de/gw2014.html
  9. http://www.wahlen.bayern.de/kommunalwahlen/