Lee Wai-sze

chinesische Bahnradsportlerin (Hongkong)

Sarah Lee Wai-sze (chinesisch 李慧詩 / 李慧诗, Pinyin Lĭ Huìshī, Jyutping Lei5 Wai6si1; * 12. Mai 1987 in Hongkong) ist eine Bahnradsportlerin aus Hongkong, die auf Kurzzeitdisziplinen spezialisiert ist. Bei den Olympischen Spielen 2012 errang sie die erste Medaille im Radsport für ihr Land.

Lee Wai-sze Straßenradsport
Lee Wai-sze mit der WM-Silbermedaille im Keirin (2018)
Lee Wai-sze mit der WM-Silbermedaille im Keirin (2018)
Zur Person
Vollständiger Name Sarah Lee Wai-sze
Geburtsdatum 12. Mai 1987
Nation HongkongHongkong Hongkong
Disziplin Bahn
Wichtigste Erfolge
UCI-Bahn-Weltmeisterschaften
2019 Weltmeister – Sprint, Keirin
2018 Silber – Keirin
2017 Bronze – Sprint
2013 Weltmeister – 500-Meter-Zeitfahren
Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2019
Lee bei den Bahn-Weltmeisterschaften 2010
Lees Konterfei auf der Hongkonger Straßenbahn („Ding Ding“), mit dem für die Bahn-WM 2017 in Hongkong geworben wurde.

Sportliche LaufbahnBearbeiten

Lee Wai-sze stammt aus dem Hongkonger Stadtteil Ngau Tau Kok in Kowloon. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnisse auf und lebte mit ihrer fünfköpfigen Familie in einer etwa 20 Quadratmeter (200 ft² ≈ 18,6 ) großen Sozialwohnung der Hochhaussiedlung Lower Ngau Tau Kok Estate. Obwohl sie eine angeborene Anämie hat, war sie schon in der Schule in verschiedenen Sportarten erfolgreich. 2003 nahm sie an einem Talentfindungsprogramm teil und wurde 2004 in ein Vollzeitprogramm für Radsportler aufgenommen. Im Alter von 16 Jahren vertrat sie Hongkong erstmals bei einem internationalen Radsportwettbewerb. 2009 wollte sie den Radsport aufgeben, nachdem sie beim Straßentraining wegen eines streunenden Hundes zu Fall gekommen war und drei Mal operiert werden musste. Ein Jahr lang musste sie mit dem Sport aussetzen.[1]

Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2010 in Ballerup startete Lee Wai Sze in allen vier Kurzzeitdisziplinen: im 500-Meter-Zeitfahren wurde sie 11., im Keirin 19., im Sprint 21. und im Teamsprint 10., gemeinsam mit Zhaojuan Meng. Bei den Asienspielen in Guangzhou im selben Jahr errang sie die Goldmedaille im Zeitfahren. 2011 gewann sie den Asia Cup in zwei Disziplinen, im Sprint sowie im Teamsprint, wiederum mit Zhaojuan Meng.

2012 wurde Lee Asienmeisterin im Sprint. Bei den Olympischen Spielen in London war sie die Fahnenträgerin ihrer Mannschaft und errang die Bronzemedaille im Keirin.[2][3] Dies war die ersten Olympiamedaille im Radsport für Hongkong.[1] Beim Bahnrad-Weltcup 2012/13 gewann sie die Gesamtwertung im Sprint sowie im Keirin. 2013 wurde sie in Minsk Weltmeisterin im Zeitfahren, im Sprint gewann sie Bronze, und errang bei den Ostasienspielen die Goldmedaille im Sprint. Bei den nationalen Titelkämpfen siegte sie in drei Disziplinen, im Sprint, im Keirin sowie im 500-Meter-Zeitfahren.

2016 wurde Lee Wai-sze für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nominiert. Sie belegte im Keirin nach einem Sturz Rang sieben und im Sprint Rang sechs.[4]

Im November 2016 startete Lee beim zweiten Lauf des Bahnrad-Weltcups 2016/17 und errang drei Medaillen: Gold im Sprint und – innerhalb weniger Stunden – Silber im Zeitfahren und Bronze im Keirin. Ihr dreifacher Erfolg war davon überschattet, dass ihr Trainer Pu Linjun (普林俊) rund drei Wochen zuvor nach einer Herzattacke im Alter von 46 Jahren gestorben war.[5][6][7]

Bei den Asiatischen Radsportmeisterschaften 2017 errang Lee Wai-sze vier Medaillen: jeweils Gold im Sprint, im Keirin und im 500-Meter-Zeitfahren sowie Silber im Teamsprint mit Vivian Ma Wingyu (馬詠茹 / 马咏茹). Damit war sie die erfolgreichste Sportlerin dieser Meisterschaften. Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2017 vor heimatlichem Publikum in Hongkong errang sie die Bronzemedaille im Sprint, im Jahr darauf, bei den Bahnweltmeisterschaften im Keirin Silber. Im selben Jahr wurde sie Asienmeisterin in drei Disziplinen und gewann zwei Disziplinen bei den Asienspielen.

2019 gewann Lee Wai-sze sechs Läufe von Bahnrad-Weltcups; in der Saison 2018/19 entschied sie die Gesamtwertung im Keirin und in der Saison 2019/20 die Gesamtwertung im Sprint für sich. 2020 wurde sie erneut Asienmeisterin; die Meisterschaften wurden wegen der Olympischen Spielen 2020 in Tokio schon im Herbst 2019 ausgetragen. Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2020 in Berlin belegte sie im Sprint Platz drei.

DiversesBearbeiten

Lee Wai-sze gilt in Hongkong als Sportidol.[4]

Wai-sze ist gläubige Baptistin. Mehrfach beklagte sie sich darüber, dass sie wegen ihres großen Wettkampf- und Trainingspensums nicht genügend Zeit habe, in die Kirche zu gehen und sich in einer Gemeinde zu engagieren. 2013 erlangte sie ein Diplom einer Online-Theologieschule.[4]

ErfolgeBearbeiten

2010
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2019/20
2020

WeblinksBearbeiten

Commons: Lee Wai-sze – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Zhao Liangfeng: Lee Wai Sze: Hong Kong's Famous Racing Cyclist. In: All China Women's Federation – 中華全國婦女聯合會 / 中华全国妇女联合会. 5. Juni 2013, abgerufen am 19. Januar 2019 (englisch).
  2. Hong Kong Flag Bearer of the London Olympics disclosed. In: 2012og.hkolympic.org. 21. Juli 2012, abgerufen am 25. September 2019 (chinesisch, englisch).
  3. Delegation List – Hong Kong China Delegation. In: 2012og.hkolympic.org. Abgerufen am 25. September 2019 (chinesisch, englisch).
  4. a b c If Lee Wai-sze wants to quit, then let her do so with dignity she deserves. In: scmp.com. 29. September 2017, abgerufen am 1. Mai 2020 (englisch).
  5. Cyclist Sarah Lee in tears after death of coach and personal starter Pu Linjun. In: SCMP. 27. Oktober 2016, abgerufen am 26. November 2016 (englisch).
  6. 【再見普教練】香港單車隊短途教練普林俊因病離世 – Lebe Wohl Trainer Pu – Hongkongs Radteam Kurzstrecken-Trainer Lin Pujun aufgrund Krankheit verstorben. In: www.sportsroad.hk. 27. Oktober 2016, abgerufen am 25. September 2019 (chinesisch).
  7. Lee sheds tear on podium for late coach. In: The Standard. 14. November 2016, abgerufen am 25. September 2019 (englisch).