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Kleinhaslach (Dietenhofen)

Ortsteil des Marktes Dietenhofen

Kleinhaslach (umgangssprachlich: Glāhṓsla[2]) ist ein Ortsteil des Marktes Dietenhofen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Kleinhaslach
Koordinaten: 49° 22′ 42″ N, 10° 42′ 36″ O
Höhe: 341 (325–375) m ü. NHN
Einwohner: 229 (2016)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90599
Vorwahl: 09824
Kleinhaslach
Kleinhaslach
Kirche St. Martin
Ehemaliges Gasthaus Adler
Ehemalige Brauerei

GeografieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt in Tallage am Haselbach, einem rechten Zufluss der Bibert, und am Mettlachbach, der dort als linker Zufluss in den Haselbach mündet. Etwas südlich des Ortes mündet der Krothbach, weiter nördlich der Buckgraben als rechte Zuflüsse des Haselbachs und noch weiter nördlich der Haunoldshofener Graben als linker Zufluss des Haselbachs. Ca. 0,5 km südwestlich liegt das Waldgebiet Hammersloh, nordöstlich liegt die Flur Mühlleite.[3]

GeschichteBearbeiten

Kleinhaslach wird im Jahr 1233 erstmals urkundlich als „Blindenhasela“ erwähnt. „Haslach“ bezeichnet einen Fluss, der mit Haselnussstauden bewachsen ist, „Blind“ bedeutet hier vermutlich versteckt daliegend. Im Jahr 1302 wird der Ort in einer Kaufurkunde erstmals als „Cleinenhaselach“ erwähnt.[2] Die St.-Martins-Kirche war ursprünglich Filialkirche von St. Maria (Großhaslach), später von St. Andreas (Dietenhofen). Über die Selbstständigkeit von St. Martin gibt es widersprüchliche Aussagen, mit Sicherheit ist es aber seit 1842 eine selbstständige Pfarrei. Von Kleinhaslach aus wird auch die Kirchengemeinde St. Mauritius (Warzfelden) betreut.

Bis ins 13. Jahrhundert gehörte der Ort mehreren Dorfherren. Nach und nach wurde das Kloster Heilsbronn fast alleiniger Dorfherr. 1233 schenkte Sifrid Pfinzing von Nürnberg diesem ein Prädium in Kleinhaslach. 1253 kaufte das Kloster dort einen Hof von Friedrich von Beigerbach. Zur Zeit des zwölften Abts kaufte der Nürnberger Bürger Ringer für 20 Pfund Heller Gefälle in Kleinhaslach und schenkte dieses dem Kloster. 1302 verkauften die Gebrüder Heinrich, Rudolf und Konrad von Bruckberg dem Kloster Gefälle vom Sandhof zu Kleinhaslach für 50 Pfund Heller. Insgesamt erwarb das Kloster 15 Anwesen.[4]

Seit dem Einzug der Reformation im Jahr 1520 gab es in Kleinhaslach eine Schule.[5]

Im 16-Punkte-Bericht des Klosteramts Heilsbronn aus dem Jahr 1608 werden für Kleinhaslach nur die 15 Mannschaften verzeichnet, die das Kastenamt Bonnhof als Grundherrn hatten (6 Bauern, 6 Köbler, 3 Heilinggüter). Die Mannschaften anderer Grundherren werden nicht aufgelistet.[6] Während des Dreißigjährigen Kriegs verfielen elf von den Heilsbronner Höfen, die teilweise abgebrannt waren. Aus der Kirche wurden Kelch, Patene, zwei der drei Kirchturmglocken und anderes geraubt. Auch noch 20 Jahre nach dem Ende des Krieges hatte das Kloster Heilsbronn von diesen Höfen keine Einnahmen.[7] Auch die St. Gratius-Kapelle wurde während des Krieges zerstört.[8]

Im Salbuch des Fürstentums Ansbach von 1684 werden für Kleinhaslach 22 Mannschaften verzeichnet: 15 Anwesen hatten das Kastenamt Bonnhof als Grundherren, zwei Anwesen das Reiche Almosen von Nürnberg, ein Anwesen die Herren von Eyb zu Bruckberg, zwei Anwesen die Herren von Leonrod und zwei Anwesen die Herren von Danngrieß zu Vach. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus.[9]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Kleinhaslach 28 Haushalte. Das Hochgericht übte das Hofkastenamt Ansbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das brandenburg-bayreuthische Kastenamt Bonnhof inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 18 Anwesen dem Fürstentum Bayreuth (Kastenamt Bonnhof: 15, Kastenamt Dietenhofen: drei), fünf Anwesen der Pfarrei Dietenhofen, zwei Anwesen dem St.-Klara-Klosteramt der Reichsstadt Nürnberg, zwei Anwesen dem Nürnberger Eigenherrn von Haller und ein Anwesen dem Rittergut Frohnhof der Herren von Eyb. Neben den Haushalten gab es noch die Kirche und kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus).[10]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 das Steuerdistrikt Kleinhaslach gebildet, zu dem Haunoldshofen, Kleinhaslach, Rüdern, Warzfelden und Warzfeldermühle[11] gehörten. Die Ruralgemeinde Kleinhaslach wurde im Jahr 1811 gegründet[12] und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1920 in Finanzamt Ansbach umbenannt).[13] Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Kleinhabersdorf von Bruckberg nach Kleinhaslach umgemeindet. Von 1862 an wurde Kleinhaslach vom Bezirksamt Ansbach (1938 in Landkreis Ansbach umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, 1870–1879 Stadt- und Landgericht Ansbach, seit 1880 Amtsgericht Ansbach.[14] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 14,623 km².[15] Mit der Gemeindegebietsreform wurde die Gemeinde am 1. Juli 1972 in den Markt Dietenhofen eingegliedert.[16]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Martin
  • Haus Nr. 14 (ehemaliges Pfarrhaus), zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit Krüppelwalm
  • Haus Nr. 18; Gasthaus zum Adler; zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit zweigeschossigem Giebel und Krangaube, Fachwerkobergeschosse mit brandenburgischem Wappen

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Ansbach#Kleinhaslach

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Kleinhaslach

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 483 525 525 545 515 523 529 503 500 502 464 477 458 467 491 465 497 496 454 645 640 584 440 447
Häuser[17] 84 88 93 95 90 86 89 94
Quelle [18] [19] [20] [20] [21] [20] [22] [20] [20] [23] [20] [20] [24] [20] [20] [20] [25] [20] [20] [20] [26] [20] [15] [27]

Ort Kleinhaslach

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002005 002016
Einwohner 165 204 203 220 191 184 212 275 201 206 169 207 229
Häuser[17] 32 31 39 37 39 40 42 52
Quelle [18] [19] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [15] [27] [28] [29] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Martin (Kleinhaslach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Bonifatius (Dietenhofen).

VerkehrBearbeiten

Durch den Ort verläuft die Staatsstraße 2246, die an einer Anschlussstelle der B 14 beginnt und in Großhabersdorf in die Rothenburger Straße mündet. Durch die Kreisstraße AN 17 ist Kleinhaslach mit Warzfelden und Neuhöflein verbunden. Die Kreisstraße AN 26 führt nach Dietenhofen.

LiteraturBearbeiten

  • Johann Kaspar Bundschuh: Kleinhaslach. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 155 (Digitalisat).
  • Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. Inaugural-Dissertation. Erlangen 1955, DNB 480570132, S. 116–117.
  • Günther P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 2). Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 117–118.
  • Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Band 2. Michael Laßleben, Kallmünz 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8, S. 876–877, 998.
  • Josef Kollar (Hrsg.): Markt Dietenhofen. 1985, S. 153–155.
  • Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit. Band 2. Verl. für Kunstreprod. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1993, ISBN 3-923006-90-X, S. 228–231 (Erstausgabe: Beck, Nördlingen 1879). Kleinhaslach.
  • Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verl. f. Behörden u. Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1964, DNB 450093387, S. 162–163.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kleinhaslach (Dietenhofen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b dietenhofen.de
  2. a b E. Fechter, S. 116.
  3. Kleinhaslach im BayernAtlas
  4. G. Muck, Bd. 2, S. 228ff.
  5. J. Kollar, S. 154. Mittlerweile aufgelöst.
  6. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/2, 9. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 738.
  7. G. Muck, Bd. 2, S. 228ff.
  8. J. Kollar, S. 153.
  9. Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 128, 2041. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 686.
  10. M. Jehle, Bd. 2, S. 876f.
  11. Warzfeldermühle wird nach 1885 nicht mehr als Ortsteil geführt.
  12. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 961.
  13. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 24 (Digitalisat).
  14. M. Jehle, Bd. 2, S. 998.
  15. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 756 (Digitalisat).
  16. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 535.
  17. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  18. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 48 (Digitalisat). Für die Gemeinde Kleinhaslach zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Haunoldshofen (S. 37), Kleinhabersdorf (S. 48), Rüdern (S. 79) und Warzefelden (S. 100).
  19. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 42 (Digitalisat).
  20. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 164, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  21. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 985, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  22. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1149, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  23. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1090 (Digitalisat).
  24. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1154 (Digitalisat).
  25. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1191 (Digitalisat).
  26. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1027 (Digitalisat).
  27. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 168 (Digitalisat).
  28. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 325 (Digitalisat).
  29. Statistik der Einwohnerzahlen in den Ortsteilen. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.today) auf: dietenhofen.de