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Kloster Heilsbronn

ehemalige Zisterzienserabtei

Das Kloster Heilsbronn (lat.: Abbatia Fons Salutis) ist eine ehemalige Abtei der Zisterzienser in Heilsbronn in Franken. Heute beherbergen die Gebäude u. a. das Religionspädagogische Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Kloster Heilsbronn
Münster Heilsbronn
Münster Heilsbronn
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Bayern
Liegt im Bistum Eichstätt
Koordinaten: 49° 20′ 16″ N, 10° 47′ 31″ OKoordinaten: 49° 20′ 16″ N, 10° 47′ 31″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
67
Gründungsjahr 1132
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1578
Mutterkloster Kloster Ebrach
Primarabtei Kloster Morimond

GeschichteBearbeiten

Bischof Otto I. von Bamberg stiftete das Kloster 1132. Von 1297 bis 1625 war das Münster die Grablege der Hohenzollern. Zur Zeit des Bauernkriegs mussten die Mönche, gezwungen von dem Markgrafen Kasimir ihren Habit durch ein schwarzes Priestergewand ersetzen.[1] Der Heilsbronner Prior Johann Schopper gehörte dem die Reformation umsetzenden Visitationsausschuss in Ansbach an, bevor er Abt des Klosters wurde.[2] Nach der Reformation wurde das zunehmend verfallende Kloster nachdem sein letzter Abt 1578 starb aufgelöst. Die 1530 gegründete Klosterschule wandelte man 1582 in eine Fürstenschule (ein protestantisches Gymnasium) um, die 1737 mit dem Gymnasium Ansbach vereinigt wurde. Einer der ersten Absolventen der neu gegründeten Schule war der spätere Gelehrte Friedrich Taubmann.

1741 ging die Verwaltung des Grundbesitzes in dem brandenburg-ansbachischen Oberamt Heilsbronn auf. Dieses bestand aus dem Klosterverwalteramt Heilsbronn, Verwalteramt Merkendorf, Verwalteramt Waizendorf und Pflegamt Nördlingen am Ries. 1750 wurde das Oberamt Heilsbronn in das Oberamt Windsbach integriert.

Nach dem Abbruch der Laienkirche St. Katharina 1773 entstand auf ihrem Fundament der Katharinenturm (auch „Dicker Turm“ genannt). In ihm befinden sich heute die Stadtbücherei und das Heimatmuseum. Der ehemalige Kreuzgang und einige weitere Teile der Kirche wurden von 2009 bis 2010 neu gestaltet. Diese Neugestaltung umfasste unter anderem einen neuen dreischaligen Brunnen aus Glas und die Umgestaltung der Wege.

Gebäude und AusstattungBearbeiten

Die Klosterkirche wurde 1132 bis 1139 als romanische Basilika errichtet, wurde aber bald gotisch umgestaltet und erweitert. Das Mittelschiff, das nördliche Seitenschiff, Teile des Querschiffs und der Choranlage sind vom romanischen Bau noch erhalten.[3]

Veränderungen, die vor allem in der Barockzeit stattfanden, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig gemacht. Dabei wurde der ursprüngliche Zustand großenteils wiederhergestellt.[4]

Auf der Steinkanzel der ehemaligen Klosterkirche, des Münsters, ist ein Reichsadler aus Stein abgebildet, der über den Abbildungen der Evangelisten auf einer (Welt)Kugel steht. Heute wird er durch ein Antependium verdeckt. Der Entwurf für diese Kanzel stammt aus dem Jahr 1942, dessen Umsetzung erfolgte 1946.

Der spätgotische Hauptaltar wird dem Künstlerkreis um Michael Wolgemut zugeschrieben. Seitlich im Chor befindet sich ein ebenfalls spätgotisches Sakramentshäuschen. Im Mittelschiff, das noch die Formen der Romanik zeigt, befinden sich die Grablegen mehrerer Kurfürsten von Brandenburg sowie Markgrafen von Ansbach.

 
Grablege im Mittelschiff

Als bedeutendes Zeugnis frühgotischer Klosterarchitektur aus dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts ist das ehemalige Refektorium der Mönche erhalten geblieben; es weist ein Kreuzgewölbe sowie romanische und frühgotische Verzierungen auf und dient heute als Versammlungsraum der evangelischen Kirchengemeinde.

GlockenBearbeiten

Im Dachreiter des Münsters hängen drei Glocken. Sie wurden 1952 von der Heidelberger Firma Friedrich Wilhelm Schilling gegossen:

  • Die kleinste Glocke mit einem Durchmesser von 69 cm hat den Schlagton d2. Die Aufschrift lautet: „IHR WERDET MIT FREUDEN WASSER SCHÖPFEN AUS DEM HEILSBRUNNEN“.
  • Die mittlere Glocke mit einem Durchmesser von 82,5 cm hat den Schlagton h1. Die Aufschrift lautet: „GOTT IST LIEBE UND WER IN DER LIEBE BLEIBT, DER BLEIBT IN GOTT“.
  • Die größte Glocke mit einem Durchmesser von 102 cm hat den Schlagton fis1. Die Aufschrift lautet: „ICH REDE VON DEINEN ZEUGNISSEN VOR KÖNIGEN UND SCHÄME MICH NICHT“.

OrgelBearbeiten

 
Blick auf die Orgel

Die Orgel wurde im Jahr 2006 gebaut von der Firma Lutz, Feuchtwangen. Das Schleifladen-Instrument hat 35 Register auf drei Manualen und Pedal. Das dritte Manualwerk hat nur ein Register und ist als Continuowerk angelegt, es verfügt über eine Transponiereinrichtung zwischen 415 Hz, 440 Hz und 465 Hz. Gestimmt ist die Orgel nach Neidhardt. Die Spieltraktur ist mechanisch, Registertrakturen sind mechanisch und elektrisch.[5]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 16’
2. Prinzipal 8’
3. Gamba 8’
4. Holzflöte 8’
5. Bourdon 8’
6. Octave 4′
7. Spitzflöte 4′
8. Quinte 223
9. Octave 2′
10. Mixtur V 2′
11. Trompete 8’
12. Clairon 4′
13. Cornet III 223
II Schwell-Hinterwerk C–g3
14. Bourdon 16′
15. Principal 8′
16. Salicional 8′
17. Gedackt 8′
18. Quintade 8′
19. Octave 4′
20. Spitzflöte 4′
21. Traversflöte 4′
22. Nasat 223
23. Sesquialter II 223
24. Flöte 2′
25. Mixtur IV 113
26. Oboe 8′
Tremulant
III Continuo C–g3
27. Gedackt 8′

Pedalwerk C–f1
28. Principal 16′
29. Subbass 16′
30. Octave 8′
31. Violon 8′
32. Gemshorn 8′
33. Octave 4′
34. Posaune 16′
35. Trompete 8′

ÄbteBearbeiten

Nr. Name Amtszeit
1. Rapotho 1132–1157
2. Nikolaus 1157–1168
3. Konrad 1169–1181
4. Arnold 1182–1210
5. Albert 1211 – ca. 1227
6. Werner ca. 1227 – ca. 1233
7. Walter ca. 1233 – ca. 1240
8. Ulrich 1241–1244
9. Edelwinus 1245–1252
10. Otto 1253–1256
11. Edelwinus 1257–1260
12. Friedrich 1261–1262
Nr. Name Amtszeit
13. Rudolf 1263–1281
14. Heinrich von Hirschlach 1282–1317
15. Konrad von Brundelsheim 1303–1321
16. Konrad Suppanus 1321–1328
17. Johann Gamsfelder 1328–1345
18. Friedrich von Hirschlach 1345–1350
19. Gottfried Büchelberger 1350–1357
20. Arnold 1357–1385
21. Berthold Stromair 1386–1413
22. Arnold Waibler 1413–1433
23. Ulrich Kötzler 1433–1462
24. Petrus Wegel 1463–1479
Nr. Name Amtszeit
25. Konrad Haunolt 1479–1498
26. Sebald Bamberger 1498–1518
27. Johann Wenk 1518–1529
28. Johannes Schopper 1529–1540
29. Sebastian Wagner 1540–1543
30. Georg Greulich 1544–1548
31. Johannes Wirsing 1548–1552
32. Philipp Heberlein 1552–1554
33. Theophilus Dürner 1554
34. Friedrich Schörner 1554–1558
35. Georg Beck 1558–1561
36. Melchior Wunder 1562–1578

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Günther P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 2). Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 110–114.
  • Paul Geißendörfer, Daniela Nieden: Münster Heilsbronn. 3., überarbeitete Aufl., Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg i. Allgäu 2012, ISBN 978-3-931820-38-1.
  • Paul Geißendörfer (Hg.): Heilsbronn. Ein Zisterzienserkloster in Franken. Heilsbronn 2000.
  • Horst Heißmann (Hrsg.): … mitten unter euch: 200 Jahre Dekanat Windsbach. Geschichte, Kirchengemeinden & Einrichtungen. Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, Neuendettelsau 2009, ISBN 978-3-87214-801-8, S. 43–47.
  • Manfred Jehle: Kirchliche Verhältnisse und religiöse Institutionen an der oberen Altmühl, Rezat und Bibert: Klöster, Pfarreien und jüdische Gemeinden im Altlandkreis Ansbach im Mittelalter und in der Neuzeit (= Mittelfränkische Studien. Band 20). Historischer Verein für Mittelfranken, Ansbach 2009, ISBN 978-3-87707-771-9, S. 97–114.
  • Chr. F. Klingsohr: Kurze Geschichte des ehemaligen Klosters Heilsbronn. o. O. 1806.
  • Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit. 3 Bände. Beck, Nördlingen 1879; Neudruck: Verlag für Kunstreproduktionen Schmidt, Neustadt an der Aisch 1993, ISBN 3-923006-90-X.
  • Günther Zeilinger mit e. Arbeitskreis d. Dekanates (Hrsg.): Windsbach – ein Dekanat in Franken (= Reihe Porträts bayerischer Dekanatsbezirke). Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission, Erlangen 1987, ISBN 3-87214-220-8, S. 48–54.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lexikon für Theologie und Kirche. 1. Auflage, Band 4, Sp. 900.
  2. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950. (Neuauflage 1978 anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828-1978.) S. 194.
  3. Pablo de la Riestra: Kunstdenkmäler in Bayern. Franken. Regensburg. Oberpfalz. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S. 25.
  4. Ralf Nestmeyer: Franken. Michael Müller, Erlangen 1999 (2), S. 74 f.
  5. Informationen zur Orgel auf der Website der Orgelbaufirma.