Hauptmenü öffnen

Neudorf (Dietenhofen)

Ortsteil des Marktes Dietenhofen

Neudorf (umgangssprachlich: Naidorf) ist ein Ortsteil des Marktes Dietenhofen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Neudorf
Koordinaten: 49° 25′ 2″ N, 10° 40′ 32″ O
Höhe: 411 m ü. NHN
Einwohner: 112 (2016)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 90599
Vorwahl: 09824
Haus Nr. 8: ehemaliges Amtshaus
Haus Nr. 16: Gasthof zum Löwen
Ziehbrunnen

GeografieBearbeiten

Nordwestlich des Dorfes entspringt der Altbach, der ein linker Zufluss der Bibert ist. Südwestlich liegt der Wasenweiher, der den Stolzgraben speist, einem linken Zufluss der Bibert. Westlich des Ortes liegt die Flur Röthen, nordwestlich der Hornsteiggraben, ca. 0,5 km östlich das Hackenfeld, ca. 0,5 km südwestlich das Sandfeld. Ca. 0,5 km südlich beginnt das Gewerbegebiet von Dietenhofen.[2]

GeschichteBearbeiten

Neudorf wurde 1297 als „Nuwendorfelin“ erstmals urkundlich erwähnt. Dem Bestimmungswort des Ortsnamens („Neu-“) nach zu schließen, handelt es sich um eine Spätsiedlung, die um diese Zeit entstanden sein muss. Seit 1398 gehörte Neudorf zur Herrschaft Leonrod. Die Familie von Leonrod errichtete unter anderem eine Kapelle und eine Zehntscheune.[3] Nachdem die Leonroder im 17. Jahrhundert vergeblich versucht hatten, wieder einen katholischen Gottesdienst in Neudorf abzuhalten, wurde die Kapelle als Getreidespeicher genutzt und später zu einem Wohnhaus umgebaut. 1887 wurde das Haus zum Teil abgebrochen und 1952 zu einer Scheune umgebaut. Eine Mauerecke der alten Kapelle blieb erhalten.[4]

1718 gab es im Ort sechs brandenburg-bayreuthische Untertansfamilien.[5]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Neudorf zwölf Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Markt Erlbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Dietenhofen inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: neun Anwesen dem Kastenamt Dietenhofen und drei Anwesen dem Rittergut Neudorf.[6] Das Rittergut Neudorf gehörte zu dieser Zeit den Freiherren von Leonrod und war dem Ritterkanton Altmühl steuerbar. Neben den drei Anwesen in Neudorf war es noch Grundherr in Adelmannsdorf (drei Anwesen), Dietenhofen (zwei), Ebersdorf (drei), Götteldorf (sieben), Hornsegen (fünf), Lenkersheim (eines), Leonrod (eines), Muggenhof (fünf), Neuses (eines), Vincenzenbronn (zwei) und Zautendorf (zehn).[7]

1810 kam Neudorf in das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde es dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Hirschneuses zugeordnet. 1813 wurde die Ruralgemeinde Hirschneuses gebildet, zu der auch Neudorf gehörte. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) löste sich Neudorf mit Dietenholz, Neudietenholz und Walburgswinden und bildete eine eigenständige Ruralgemeinde.[8] Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Markt Erlbach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ipsheim. Drei Anwesen unterstanden bis 1833 dem Patrimonialgericht Neudorf.[9] Ab 1862 wurde Neudorf vom Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) und ab 1856 von dem Rentamt Markt Erlbach (1920–1929: Finanzamt Markt Erlbach, ab 1929: Finanzamt Fürth) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Markt Erlbach, 1880–1950er Amtsgericht Markt Erlbach, ab 1950er Amtsgericht Fürth. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 5,830 km².[10]

Mit der Gemeindegebietsreform wurde die Gemeinde am 1. Januar 1972 in den Markt Dietenhofen eingegliedert.[11]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Zu Haus Nr. 1: Stadel des 18. Jh., Fachwerkgiebel zu zwei Dachgeschossen mit rundbogigen Ladeluken und K-Streben.[12]
  • Haus Nr. 8: Ehemaliges Amtshaus, zweigeschossiger Massivbau, Hausteingliederungen, 18. Jahrhundert
  • Haus Nr. 16: Gasthof zum Löwen, zweigeschossiger Massivbau, 17./18. Jahrhundert
  • Brunnen: Ziehbrunnen, Zeltdach, wohl 16. Jahrhundert

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Dietenhofen#Neudorf

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Neudorf

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 152 199 191 197 201 175 172 169 162 158 141 141 128 128 138 139 133 136 133 184 180 170 123 132
Häuser[13] 26 29 27 27 28 20 23 24
Quelle [14] [15] [16] [16] [17] [16] [18] [16] [16] [19] [16] [16] [20] [16] [16] [16] [21] [16] [16] [16] [22] [16] [10] [23]

Ort Neudorf

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002005 002016
Einwohner 109 144 149 114 118 93 96 144 90 94 122 107 112
Häuser[13] 18 20 18 19 14 16 18 24
Quelle [14] [15] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [10] [23] [24] [25] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Andreas (Dietenhofen) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Michael (Wilhermsdorf) gepfarrt.

VerkehrBearbeiten

Um den Ort herum verläuft die Staatsstraße 2245, die nach Seubersdorf bzw. nach Oberdachstetten führt. Die Kreisstraße AN 11/NEA 18 führt nach Leonrod bzw. nach Hirschneuses.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Neudorf (Dietenhofen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b www.dietenhofen.de
  2. Neudorf im BayernAtlas
  3. H. Sponholz (Hrsg.), S. 113f.
  4. J. Kollar, S. 166 f.
  5. H. Sponholz (Hrsg.), S. 114.
  6. H. H. Hofmann, S. 115.
  7. H. H. Hofmann, S. 73.
  8. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 34 (Digitalisat). H. H. Hofmann S. 224.
  9. H. H. Hofmann, S. 204.
  10. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 806 (Digitalisat).
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 535.
  12. R. Strobel, S. 122. Denkmalschutz mittlerweile aufgehoben, Objekt ggf. abgerissen.
  13. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  14. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 62 (Digitalisat). Für die Gemeinde Neudorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Dietenholz (S. 18), Neudietenholz (S. 62) und Walburgswinden (S. 99).
  15. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 97 (Digitalisat).
  16. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 179, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  17. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1061, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  18. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1227, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1161 (Digitalisat).
  20. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1234 (Digitalisat).
  21. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1272–1273 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1099 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 168 (Digitalisat).
  24. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 325 (Digitalisat).
  25. Statistik der Einwohnerzahlen in den Ortsteilen. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.today) auf: dietenhofen.de