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Kehlmünz (umgangssprachlich: Kelmínts[2]) ist ein Ortsteil des Marktes Dietenhofen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Kehlmünz
Koordinaten: 49° 23′ 10″ N, 10° 43′ 30″ O
Höhe: 329 m ü. NHN
Einwohner: 37 (2016)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90599
Vorwahl: 09824
Kehlmünzer Mühle
Kehlmünzer Mühle

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Durch den Weiler Kehlmünz fließt der Haselbach (auch Haslach genannt), einem rechten Zufluss der Bibert. Im Nordosten liegt das Jungholz, im Südwesten die Flur Mühlleite.[3]

GeschichteBearbeiten

Der Ort wird 1142 als „Chalmince“ erstmals namentlich erwähnt. Vergleichbare Ortsnamen finden sich im deutschsprachigen Raum noch öfters (z. B. Kellmünz an der Iller, Kallmünz, Kalmünten) und sind alle wahrscheinlich keltischen Ursprungs mit der Bedeutung Bei dem Schutz- oder Fluchtberg.[2] Es wird angenommen, dass der Fluchtberg Kehlmünz in der während der Hallstattzeit fast nicht besiedelten und dicht bewaldeten Gegend lag. Wahrscheinlich ist das Gebiet seitdem ohne Unterbrechung besiedelt. Der Ort war von 1138 bis 1254 ein Reichsort der Staufer,[4] ab 1235 erwarb das Kloster Heilsbronn dort vier Höfe.[5]

Im 16-Punkte-Bericht des Klosteramts Heilsbronn aus dem Jahr 1608 werden für Kehlmünz 4 Mannschaften verzeichnet, die alle das Kastenamt Bonnhof als Grundherrn hatten. Neben den vier Höfen gab es noch ein kommunales Hirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.[6]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Kehlmünz 8 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Markt Erlbach im begrenzten Umfang aus. Es hatte ggf. an das brandenburg-ansbachische Richteramt Roßtal auszuliefern. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das brandenburg-bayreuthische Kastenamt Bonnhof inne. Alle Anwesen hatten das Fürstentum Bayreuth (Kastenamt Bonnhof: 6, Kastenamt Dietenhofen: 2) als Grundherrn.[7]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Kehlmünz dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Bürglein zugeordnet. Es gehörte auch der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Bürglein an.[8] Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) löste sich Kehlmünz mit Hörleinsdorf und Münchzell von Bürglein und bildete eine Ruralgemeinde.[9] Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Von 1862 bis 1879 wurde Kehlmünz vom Bezirksamt Heilsbronn verwaltet, seit 1880 vom Bezirksamt Ansbach (1938 in Landkreis Ansbach umbenannt) und dem Rentamt Heilsbronn (1920–1929: Finanzamt Heilsbronn, ab 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Heilsbronn, 1880–1956 Amtsgericht Heilsbronn, seit 1956 Amtsgericht Ansbach.[10] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 6,003 km².[11] Am 1. Juli 1972 wurde Kehlmünz im Zuge der Gebietsreform nach Dietenhofen eingemeindet.[12]

Die Mühle in Kehlmünz wurde noch in den 1980er Jahren zur Stromerzeugung genutzt.[4]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Mühle (Nr. 7/10): zweigeschossiger Bau mit Fachwerkobergeschoss und einseitigem Massivgiebel, mit Wappen bezeichnet 1806
  • Bruchsteinbrücke mit zwei Bögen, 18./19. Jahrhundert

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Dietenhofen#Kehlmünz

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Kehlmünz

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 123 128 133 138 129 133 141 151 135 129 104 114 100 107 107 112 100 104 94 133 135 104 90 82
Häuser[13] 19 18 23 23 22 18 19 20
Quelle [14] [15] [16] [16] [17] [16] [18] [19] [16] [20] [19] [19] [21] [19] [19] [19] [22] [19] [19] [19] [23] [19] [11] [24]

Ort Kehlmünz

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002005 002016
Einwohner 68 55 59 62 61 49 40 66 48 39 38 42 37
Häuser[13] 10 9 13 12 9 10 10 9
Quelle [14] [15] [17] [18] [20] [21] [22] [23] [11] [24] [25] [26] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Martin (Kleinhaslach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Bonifatius (Dietenhofen).

VerkehrBearbeiten

Kehlmünz liegt an der Staatsstraße 2246, die den Ort mit Kleinhaslach und an Münchzell vorbei mit Großhabersdorf verbindet. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Markttriebendorf.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kehlmünz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b www.dietenhofen.de
  2. a b E. Fechter, S. 108ff.
  3. Kehlmünz im BayernAtlas
  4. a b J. Kollar (Hrsg.), S. 153.
  5. G. Muck, Bd. 2, S. 228.
  6. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/2, 10. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 737.
  7. H. H. Hofmann, S. 129. Dort fälschlicherweise mit 6 Haushalten angegeben.
  8. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 963.
  9. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 44 (Digitalisat).
  10. M. Jehle, Bd. 2, S. 997.
  11. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 755 (Digitalisat).
  12. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 535.
  13. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  14. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 47 (Digitalisat). Für die Gemeinde Kehlmünz zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Hörleinsdorf (S. 42) und Münchzell (S. 61).
  15. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 148 (Digitalisat).
  16. a b c d Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 174, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  17. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1043, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat). Dort mit 231 angegeben. Es wurden die Einwohnerzahlen der Gemeinden Ketteldorf und Kehlmünz vertauscht.
  18. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1208, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. a b c d e f g h i j Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 164, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  20. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1094 (Digitalisat).
  21. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1159 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1196 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1027 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 168 (Digitalisat).
  25. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 325 (Digitalisat).
  26. Statistik der Einwohnerzahlen in den Ortsteilen. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.is) auf: dietenhofen.de