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funk (Medienangebot)

öffentlich-rechtliches Medienangebot von ARD und ZDF
funk
FUNK-logo-2019.svg
funk.net
Beschreibung öffentlich-rechtliches Online-Medienangebot
Sprachen Deutsch
Eigentümer ARD, ZDF
Erschienen 1. Oktober 2016

funk [fʊŋk] ist ein Online-Medienangebot und Content-Netzwerk der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren.[1] ARD und ZDF sind gemeinsam Träger und gleichberechtigte rundfunkrechtliche Veranstalter des Angebots. Die Federführung liegt beim Südwestrundfunk (SWR).

ZielgruppeBearbeiten

funk richtet sich an Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die ansonsten kaum oder gar nicht die Fernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender nutzen. Das Projekt wird jährlich durch finanzielle Mittel in Höhe von rund 45 Millionen Euro gefördert, wovon zwei Drittel von der ARD und ein Drittel vom ZDF finanziert werden.[2]

KonzeptBearbeiten

funk produziert über 70 verschiedene, regelmäßig publizierende Formate für Social-Media-Plattformen. Diese werden auf jeweils eigenen Kanälen bzw. Accounts ausgespielt. Zu den Plattformen gehören YouTube, Facebook, Twitter, Instagram, TikTok, Spotify, WhatsApp und Snapchat.[3] Alle Inhalte sind außerdem auf der eigenen Webapp funk.net abrufbar.

Die Formate haben den Fokus Information, Orientierung oder Unterhaltung. Es handelt sich unter anderem um Erklär-Videos, Reportagen, Comedy-Videos und Fiction-Produktionen.[4] Zusätzlich werden einige Serien in Lizenz verbreitet, teilweise auch in der englischen Originalfassung.

GeschichteBearbeiten

Der Intendant des SWR, Peter Boudgoust, hatte sich bereits seit 2011 öffentlich für ein öffentlich-rechtliches Angebot für die junge Zielgruppe eingesetzt.[5] Am 27. November 2012 äußerte der SWR den Wunsch, EinsPlus mit ZDFkultur zu fusionieren. Der bei dieser Fusion neu entstehende Sender sollte gemeinsam von ARD und ZDF produziert werden und sich vorrangig an ein junges Publikum richten.[6] Das ZDF äußerte sich zurückhaltend und wies darauf hin, dass dazu ein Beschluss der Politik unumgänglich wäre. Jedoch hatte sich das ZDF bereits im Vorfeld ähnlich geäußert und schloss beispielsweise eine Einstellung von ZDFkultur zugunsten eines gemeinsamen Jugendkanals nicht aus.

In der ersten Folge von Neo Magazin vom 31. Oktober 2013 gab es eine satirische Marketingkampagne zum neuen Jugendkanal von ARD und ZDF als Einspieler.[7]

Die Ministerpräsidentenkonferenz beschloss am 17. Oktober 2014 in Potsdam, die Sender EinsPlus und ZDFkultur zu Gunsten eines neuen Online-Jugendkanals von ARD und ZDF einzustellen, der ursprünglich auch im linearen Fernsehen ausgestrahlt werden sollte.[8] Am 3. Dezember 2015 wurden die Regelungen zum neuen Jugendangebot im Rahmen der Unterzeichnung der 19. Novelle des Rundfunkstaatsvertrages von den Ministerpräsidenten ratifiziert. Die Novelle enthielt auch eine neue Regelung zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sowie weitere Modifikationen beim Rundfunkbeitrag. Die Länderparlamente konnten vorher über diese Novelle nur kompakt abstimmen, eine Ablehnung der neuen Regulierungen zum Jugendmedienschutz hätte auch zu Verzögerungen beim Jugendangebot und dem Rundfunkbeitrag geführt.[9] Im April 2016 wurde der Öffentlich-rechtliche Vertrag über die Veranstaltung des Jungen Angebots von ARD und ZDF zwischen den unter ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten sowie dem ZDF beschlossen.[10]

Seit Sommer 2015 ist Florian Hager als Geschäftsführer des Jugendkanals tätig.[11] Anfang Dezember 2015 stellte das ZDF die Journalistin Sophie Burkhardt als Beauftragte für den Jugendkanal vor.[12]

Am 15. März 2016 ging der Blog des Kanals unter dem Namen Junges Angebot von ARD und ZDF online.[13]

Am 29. September 2016 wurde bekanntgegeben, dass der neue Jugendkanal den Namen funk tragen wird.[14] Am 1. Oktober 2016 startete das Content-Netzwerk mit über 40 Formaten.[15]

Rezeption und KritikBearbeiten

Auf welt.de kritisiert Christian Meier, dass die Gelder des Rundfunkbeitrages durch die Platzierung der Inhalte auf privaten Plattformen wie YouTube und Instagram diese unterstütze: „Die verdienen zwar mit den Funk-Videos kein Werbegeld […], sie profitieren letztlich aber schon von professionell produzierten Inhalten“.[16] Dem gegenüber steht der Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen, auch Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Inhalten zu erreichen, weshalb „Öffentlich-Rechtlichen dorthin gehen müssen, wo die Meinungsbildung und die Diskussion um gesellschaftlich relevante Themen stattfindet“, sagte Programmgeschäftsführer Florian Hager in einem Interview mit dem Standard.[17] Justus Haucap, Wirtschaftsprofessor aus Düsseldorf und ehemaliger Vorsitzender der Monopolkommission, erkennt „hinter dem Jugendangebot […] keine Notwendigkeit“, da es bereits „bei YouTube und anderswo eine sehr breite Angebots-Vielfalt“ gebe.[18] Leonhard Dobusch sieht als Vertreter für die Interessensgruppe „Internet“ des ZDF-Fernsehrates die Nutzung von kommerziellen Drittplattformen ebenfalls kritisch, betrachtet funk als Plattform an sich dennoch als Vorbild für zukünftige Projekte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: „Das Beispiel des Jugendangebots ‚funk‘ zeigt bereits, welches Potential in der Abkehr vom Sendungsbezug verbunden ist. Mit vergleichsweise geringen Mitteln entstehen dort am laufenden Band spannende Experimente und innovative Formate“.[19]

Die Berliner Zeitung wertete funk als Erfolg. Die Finanzierung der Kanäle durch die Gebührengelder wirke sich positiv auf die Inhalte aus. Dies könne man insbesondere an dem Format maiLab sehen, bei dem es „nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern auch um Aufklärung“ geht.[20]

Für die Videoproduzenten bestehe die Gefahr von Shitstorms und Hetze, was zum Problem werden könne, wenn diese keine Erfahrung im Umgang damit haben. funk bietet daher ein „Netzwerk von Coaches“, das beim Umgang mit Hassnachrichten unterstütze.[21] Massiver Kritik und Hetze durch die Zuschauer sahen sich beispielsweise Jäger & Sammler ausgesetzt, die sich mit rechtsextremen Themen auseinandersetzen, den Civis-Online-Medienpreis bekamen, aber auf YouTube dreimal so viel Ablehnung wie Zustimmung erhalten.[20] So sei Jäger&Sammler-Redakteur Tarik Tesfu, der schwarz und nach eigener Aussage schwul, Feminist sowie Anti-Rassist sei, in sozialen Medien zur Projektionsfläche für fremdenfeindliche, rassistische, homophobe und islamfeindliche Strömungen geworden.[22]

FormateBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jugendkanal von ARD und ZDF: Länderchefs stimmen zu 4. Dezember 2015
  2. Über uns – funk. In: funk.net. Abgerufen am 29. September 2016.
  3. "Wir sind funk", eigene Website. Abgerufen am 5. Juni 2019.
  4. funk: funk - Transparenz. funk.net, 6. Juni 2019, abgerufen am 6. Juni 2019.
  5. SWR-Intendant Boudgoust wiedergewählt. Abgerufen am 15. März 2019.
  6. ARD will neuen Jugendkanal schaffen - EinsPlus soll wegfallen. (digitalfernsehen.de [abgerufen am 13. November 2018]).
  7. ZDFneo: Commercial: Der neue Jugendkanal von ARD und ZDF - NEO MAGAZIN mit Jan Böhmermann in ZDFneo. 31. Oktober 2013, abgerufen am 6. November 2018.
  8. Alexander Krei: EinsPlus muss neuem Online-Jugendkanal weichen. DWDL.de vom 17. Oktober 2014 (vgl. auch DWDL-Kommentar: Endlich jung: Viele Chancen und ein neuer Zombie?)
  9. Ministerpräsidenten unterzeichnen Novelle zum Rundfunkstaatsvertrag. Medienkorrespondenz, 28. Dezember 2015, abgerufen am 3. Oktober 2016.
  10. Öffentlich-rechtlicher Vertrag vom 18. April 2016 über die Veranstaltung des Jungen Angebots von ARD und ZDF. Medienkorrespondenz, 5. August 2016, abgerufen am 15. April 2018.
  11. Jugendkanal von ARD und ZDF: Vorbereitungen laufen an auf digitalfernsehen.de vom 9. Dezember 2015
  12. ZDF beruft neue Jugendkanal-Beauftragte – Hohe Onlineaffinität war natürlich Voraussetzung für den Job. auf quotenmeter.de vom 9. Dezember 2015
  13. Junges Angebot von ARD und ZDF – Blog. In: Junges Angebot von ARD und ZDF. Abgerufen am 12. Mai 2016.
  14. Das Internet ist vorbei. Jetzt kommt funk. DWDL.de, 29. September 2016, abgerufen am 29. September 2016.
  15. ARD und ZDF starten "funk" - ARD | Das Erste. Abgerufen am 7. Juni 2019.
  16. Christian Meier: Jugendprogramm „Funk“: Die traurige Bilanz des Jugendnetzwerks von ARD und ZDF. In: DIE WELT. 29. September 2017 (welt.de [abgerufen am 28. Oktober 2018]).
  17. "Funk"-Geschäftsführer: Öffentlich-Rechtlich muss "dorthin, wo Diskussion ist" - derStandard.at. Abgerufen am 28. Oktober 2018.
  18. Laurin Meyer: Funk: ARD und ZDF fördern umstrittenen Jugendsender mit Millionen. In: welt.de. 17. April 2017, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  19. Ein Neuland digitaler Möglichkeiten. pro media, Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2018.
  20. a b Torsten Wahl: Funk: Darum ist das junge Netzwerk von ARD und ZDF ein großer Erfolg. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 28. Oktober 2018]).
  21. „Auch dafür hast du bezahlt!“ In: Der Tagesspiegel. 1. Dezember 2018, abgerufen am 17. Juli 2019.
  22. Bayerischer Rundfunk BR24 Das Medienmagazin vom 27.07.2019 - 14:05 Uhr
  23. „Sonderpreis 2019“. In: Internetseite des Robert-Geisendörfer-Preises. 17. September 2019, abgerufen am 17. September 2019.